Regelstudienzeit überschreiten

Regelstudienzeit überschreiten

Wann es dir tatsächlich bei deiner Karriere helfen kann die Regelstudienzeit zu überziehen – und wann nicht.

Klausuren, Hausarbeiten, Pflichtpraktika – alle Verpflichtungen in der Regelstudienzeit unterzubringen, kann ganz schön Druck verursachen. Wenn noch andere Aufgaben und Tätigkeiten dazu kommen, kann es sogar nahezu unmöglich werden. Aber was ist besser? Durchziehen und das Studium so schnell wie möglich abschließen oder sich doch mehr Zeit zu nehmen für ein weiteres Praktikum oder Auslandssemester? Hier findest du die wichtigsten Antworten.

Regelstudienzeit oder berufliche Erfahrung?

Wenn du auch zu den zahlreichen Studierenden gehörst, die sich Sorgen darüber machen, „zu lange“ zu studieren, musst du für dich abwägen, was dir persönlich wichtiger ist. Ein zügig abgeschlossenes Studium bietet einige Vorteile und einen früheren Berufseinstieg und sichert dir ggf. deinen BAföG Anspruch. Wenn du dir auf der anderen Seite etwas mehr Zeit für dein Studium nimmst, kannst du dir zusätzliche, weiterführende Qualifikationen für deinen zukünftigen Karriereweg aneignen.

Warum überhaupt die Regelstudienzeit überschreiten?

Die Regelstudienzeit wird auf Basis der optimalen Rahmenbedingungen festgelegt. Aber seien wir ehrlich - die Realität verläuft nicht immer optimal. Zu Beginn deines Studiums bekommst du einen Studienverlauf der Hochschule vorgelegt. Beim Bachelorstudium zum Beispiel 6 Semester mit Vorlesungen, Seminaren, Modulen, Klausuren und Hausarbeiten. Dazu vielleicht sogar ein Pflichtpraktikum – in der vorlesungsfreien Zeit natürlich. Zum Leistungsdruck gesellt sich so auch noch der Zeitdruck zum Studium. Viele Studierende entscheiden sich dann unter anderem aus den folgenden Gründen dazu, die Regelstudienzeit zu überschreiten und länger zu studieren:

Praktika

Theoretisches Wissen aus dem Studium ist das Fundament deiner Karriere. Aber erst durch Praktika kannst du einen Einblick in die tatsächliche Berufswelt bekommen. Dabei kannst du herausfinden, was dir beruflich Spaß macht – und was eher nicht – und kannst dir eine bessere Orientierung für deinen zukünftigen Berufseinstieg verschaffen. Außerdem hast du die Chance, deinen Wunscharbeitgeber bereits durch ein Praktikum im Unternehmen kennenzulernen und dort Kontakte zu knüpfen. Das vereinfacht dir nach deinem Abschluss womöglich den Direkteinstieg im Unternehmen erheblich. Die meisten Praktika dauern 3 bis 6 Monate. Das passt oft nicht mit den Semesterferienzeiten zusammen. Gerade während eines Bachelorstudiums kann es deshalb eine gute Idee sein, dein Studium durch Praxiserfahrungen zu ergänzen und ein Urlaubssemester einzuplanen. Besonders wenn du dich im späteren Verlauf deines Studiums für eine bestimmte Vertiefung entscheiden musst, ist es hilfreich, schon vorher zu wissen, in welche Richtung du dich beruflichen entwickeln möchtest. Bei manchen Studiengängen ist bereits ein Praxissemester eingerechnet, das gezielt für das Sammeln von Berufserfahrung dient. In diesem Fall musst du dich nicht zwischen Praktikum und Einhaltung der Regelstudienzeit entscheiden.

Übrigens: Natürlich kannst du auch noch nach deinem Abschluss Berufserfahrung in freiwilligen Praktika sammeln. Auch die Zeit zwischen Bachelor und Master eignet sich hervorragend dafür. Manche Unternehmen stellen aber nur Studierende ein, die ein vorgeschriebenes Pflichtpraktikum absolvieren, da diese von der Mindestlohnpflicht ausgenommen sind. Deine Chancen auf einen Praktikumsplatz stehen also möglicherweise besser, während du noch eingeschrieben bist.

Auslandserfahrungen

Ein Auslandssemester bietet dir neben dem Erlernen von neuen Sprachen auch die Möglichkeit, deine Soft Skills und Persönlichkeit weiterzuentwickeln und wichtige Erfahrungen zu sammeln, die dir auch im Bewerbungsverfahren und Beruf einen Vorteil bieten können. Für manche Unternehmen ist die Auslandserfahrung sogar ein zentrales Kriterium bei der Bewerber:innenauswahl. So wichtig Zeit im Ausland also später für deinen Karrierestart sein kann, kann sie aber auch bedeuten, dass du dein Studium dadurch verlängern musst. Denn nicht alle erbrachten Leistungen an den ausländischen Hochschulen werden zwangsläufig im heimatlichen Studiengang angerechnet. Eine zuvor getroffene Lernvereinbarung kann dich davor schützen, dein Studium nach einem Auslandssemester unplanmäßig verlängern zu müssen.

Nebenjobs

Manche Nebenjobs bringen dir schon früh wichtige Berufserfahrung in deiner Traumbranche. Manche finanzieren aber auch einfach nur die Miete. Egal, was davon zutrifft: Parallel zu einem Vollzeitstudium kann ein zusätzlicher Zeitaufwand schnell dazu führen, dass die Regelstudienzeit überschritten wird. Und besonders, wenn schon andere Faktoren zu einer Verlängerung des Studiums geführt haben, wird ein Nebenjob umso wichtiger. Denn mit Überschreitung der Regelstudienzeit verfällt der BAföG-Anspruch.

Ehrenamtliches Engagement

Manch einer engagiert sich neben dem Studium ehrenamtlich, in einigen Fällen sogar im Ausland. Dass du hier persönlich viel lernen und mitnehmen kannst, steht außer Frage. Ein Ehrenamt kostet allerdings Zeit. Ähnlich wie bei Jobs oder Praktika kommen sich hier ggf. der Stundenplan und das Engagement in die Quere und man braucht für das Studieren länger.

Regelstudienzeit bereits überschritten? So gehst du im Bewerbungsgespräch damit um

Im persönlichen Vorstellungsgespräch kann es sein, dass die Personalverantwortlichen dich darauf ansprechen, warum du die Regelstudienzeit überschritten hast. Sei darauf vorbereitet und gehe gedanklich schon vor dem Gespräch mögliche Antworten durch.
Hier kommt es darauf an, dass du deine Gründe kennst und sie verständlich und selbstbewusst erläutern kannst. Wenn du eine präzise, gut überlegte Antwort parat hast, hast du nicht viel zu befürchten. Stattdessen kannst du die Chance nutzen, näher darauf einzugehen, was du während der „verlängerten“ Zeit gemacht hast und vor allem, was du dabei gelernt hast. Die erworbenen Fähigkeiten, Erfahrungen und sozialen Kompetenzen können dir bei der Bewerbung zu Gute kommen.