Schwächen im Bewerbungsgespärch

Sie ist ein Interviewklassiker und bereitet jedem:jeder Bewerber:in Kopfzerbrechen: Die Frage "Was sind Ihre Schwächen?". So gehst du souverän damit um und nutzt deine Antwort sogar zu deinem Vorteil.
Warum wird diese Frage überhaupt gestellt?
Eigentlich willst du dich in einem Bewerbungsgespräch doch von deiner besten Seite zeigen? Warum werden also ausgerechnet Schwächen von Personaler:innen gezielt thematisiert? Natürlich geht es dabei auch darum, dich und deine Fähigkeiten besser kennenzulernen und einzuschätzen. Das primäre Ziel der Recruiter:innen ist es aber, zu erkennen, ob du zu Selbstreflektion fähig bist. Wenn du deine Schwächen erkannt hast und im Idealfall auch schon daran arbeitest, ist das ein Pluspunkt.
Bloß keine Standardantworten
In vielen Ratgebern konnte man in den letzten Jahrzehnten zwei Ansätze zum Umgang mit der Frage nach den Schwächen lesen. Entweder wurde geraten, eine eigentliche Stärke in eine Schwäche umzuwandeln, um sich nicht angreifbar zu machen. Oder Bewerber:innen sollten sich eine möglichst witzige Antwort ausdenken, um vom Thema abzulenken. Vorsicht: Beide Strategien sind längst überholt! Personalverantwortliche durchschauen Antworten wie "Ich bin zu pünktlich." oder "Ich neige zu Perfektionismus" sofort. Und auch mit "Meine größte Schwäche ist Schokolade." gewinnst du nur ein müdes Schmunzeln.
Die getarnte Frage erkennen
Um den altbekannten Standardantworten zu entgehen, stellen Personaler:innen die Frage nach den Schwächen von Kandidat:innen häufig nicht mehr direkt. Stattdessen erkundigen sie sich über Umwege. Mögliche Formulierungen, die du erkennen solltest, sind "Was könnten andere an Ihnen kritisieren?" oder "Was würden Sie gerne an sich verbessern?". Manche Personaler:innen nutzen auch Skalenfragen um Schwächen - aber auch Stärken - auszumachen. Dabei wirst du gebeten, auf einer Skala von 1 bis 10 einzuschätzen, wie stark bestimmte Eigenschaften bei dir ausgeprägt sind.
Ehrlich antworten - und trotzdem punkten
Um souverän zu bleiben, wenn deine Schwächen zur Sprache kommen, solltest du dich schon vor deinem Interview auf deine Antwort vorbereiten. Lege dir mit diesen vier Schritten ein passendes Beispiel zurecht:
Schwächen erkennen
Geh in dich und frage dich selbst, was du noch verbessern kannst (oder woran du bereits arbeitest). Frage am besten auch Freund:innen oder Kommiliton:innen, auf deren Urteil du vertraust.
Weniger relevante Schwäche auswählen
Offenbare im Interview keine Schwäche, die einen großen Einfluss auf die Stelle hat, auf die du dich bewirbst. Als angehende:r Sales Manager:in solltest du nicht zugeben, nicht besonders kontaktfreudig zu sein und als Grafiker:in nicht von deiner ausbaufähiger Kreativität berichten. Wähle also eine Schwäche aus, die nicht direkt mit den im Stellenangebot geforderten Fähigkeiten zu tun hat.
Einschränkungen formulieren
Wenn du eine tatsächliche Schwäche gefunden hast, schau ob du sie zeitlich oder situationsbedingt einschränken kannst, um ihr noch mehr Relevanz zu nehmen. Also z.B. "Manchmal...", "Vor großen Gruppen...", "Wenn ich unter besonderem Stress stehe...".
Reaktion deutlich machen
Dass du weißt, was du noch an dir verbessern kannst, ist gut. Noch besser ist es aber, wenn du schon aktiv etwas für deine Verbesserung unternimmst. Formuliere, wie du bereits an der Schwäche arbeitest und was deine Schritte bereits gebracht haben.
Beispiel
„Manchmal fällt es mir schwer, bei vielen Anfragen den Überblick zu behalten. Eine Kommilitonin hat mir dafür eine To-Do App empfohlen. Darin halte ich jetzt jede neue Aufgabe fest und strukturiere morgens als erstes den anstehenden Tag."
Mehr Tipps von Ben
Im Video gibt dir Ben noch mehr Beispiele, wie du mit deinen Schwächen überzeugst.