Stellenausschreibungen verstehen

Stellenausschreibungen verstehen

Das klassische Dilemma: Ohne Berufserfahrung kein Job – und ohne Job keine Berufserfahrung. Hier liest du, wie du Standardformulierungen richtig deutest und bekommst Tipps zum Thema Berufserfahrung in deiner Bewerbung.

Verlässt man sich auf Stellenausschreibungen, dann suchen Unternehmen vor allem einen Typ von Bewerber:innen: jung, voller Tatendrang, direkt von der Uni mit Top-Noten, aber bitte mit mehrjähriger Berufserfahrung. Aber du kannst aufatmen: Das diese Vorstellung in der Realität nur in wenigen Fällen auftritt, wissen Unternehmen natürlich auch. In Stellenanzeigen für Berufseinsteiger:innen werden dennoch häufig Anforderungen wie „eine einschlägige Berufserfahrung“ gefordert. Aber was bedeuten diese Formulierungen eigentlich?

Erste, einschlägige und fundierte Berufserfahrung

Der erste Schritt auf dem Weg zu einer erfolgreichen Bewerbung ist die Stellenausschreibung aufmerksam zu lesen. Was wird von dir verlangt? Was wären deine Aufgaben in der Position? Und auf welchem Weg solltest du deine Bewerbung einreichen? Zum Glück werden in den meisten Stellenausschreibungen dieselben Schlagworte verwendet. So auch, wenn es um die bereits gesammelten Berufserfahrungen geht. Wenn du diesen Code einmal geknackt hast, ist es ganz einfach herauszufinden, ob eine Stelle zu dir passt. Bei der Berufserfahrung wird häufig eine von drei Formulierungen verwendet:

Hinter jeder Formulierung verbergen sich bestimmte Ansprüche, die das Unternehmen an dich als Bewerber:in hat. Hier kann es von Unternehmen zu Unternehmen Unterschiede geben. Allgemein hat sich aber über alle Branchen ein Standard entwickelt. Das steckt hinter den Formulierungen.

Erste Berufserfahrung

Während des Studiums bleibt meist nur wenig Zeit, wirkliche Praxisluft zu schnuppern. Ein vorgeschriebenes Praktikum in den Semesterferien, eine Werkstudierendentätigkeit oder ein Nebenjob geben dir aber schon erste Einblicke in die Berufswelt. Auch wenn du dich während des Studiums beim Campus-Radio oder in einer studentischen Unternehmensberatung engagiert hast, kannst du einige nützliche Fähigkeiten gesammelt haben, die dir im Job einen Vorteil bringen.

Werden in einer Stellenausschreibung „erste Berufserfahrung“ verlangt, zählen bereits diese Praktika und Jobs dazu – unabhängig vom konkreten Bereich. Dem Unternehmen ist es in diesem Fall wichtig, dass du bereits in einem Unternehmen gearbeitet hast, deine Fähigkeiten in der Praxis angewendet und den beruflichen Alltag miterlebt hast. Dabei ist die genaue Branche oder Stelle in den meisten Fällen zweitrangig. Wird die Voraussetzung außerdem als „wünschenswert“ oder „idealerweise“ betitelt, dann hast du sogar ohne jegliche Berufserfahrung Chancen beim Bewerben.

Stellen, bei denen erste Berufserfahrung gesucht wird und die besonders gut für Berufseinsteiger:innen geeignet sind, sind zum Beispiel Junior-Stellen.

Einschlägige Berufserfahrung

Wird in der Stellenausschreibung einschlägige Berufserfahrung verlang, dann reicht ein Praktikum nicht mehr aus. Hier sucht das Unternehmen nach Bewerber:innen, die bereits eine längere Zeit berufstätig sind und in der Branche gearbeitet haben. Hier hast du es als Absolvent:in ohne diese Erfahrung schwer, Fuß zu fassen. Einschlägige Berufserfahrungen müssten in diesem Fall über mehrjährige Werkstudierendentätigkeiten gesammelt worden sein. Das Ziel der Unternehmen, die nach Bewerber:innen mit einschlägiger Berufserfahrung suchen ist es, die Einarbeitungsphase möglichst kurz zu halten, da die Bewerber:innen bereits das passende Know-how und erste wichtige Kontakte in dieser Branche vorweisen können.

Wenn du schon während deines Studiums weißt, in welchem Bereich du später arbeiten möchtest, dann mach also unbedingt gezielte Praktika oder längere Werkstudierendentätigkeiten, um auf dieses Karriereziel hin zu arbeiten und erste relevante Kontakte zu sammeln.

Fundierte Berufserfahrung

Besonders für Führungs- und Spezialistenpositionen wird eine fundierte Berufserfahrung verlangt. Das bedeutet, dass die Bewerber:innen bereits mehrere Jahre in diesem Bereich gearbeitet haben und somit die Aufgabenbereiche genau kennen und ein tiefgreifendes Verständnis der Position mitbringen. Dich als Berufseinsteiger:in auf solche Stellen zu bewerben, hat in der Regel keinen Erfolg. Aber keine Sorge: Über die Laufzeit deiner Karriere hinweg baust du ganz von selbst diese fundierten Berufserfahrungen auf.

Berufserfahrung im Lebenslauf

Im Lebenslauf listest du all deine bisherigen beruflichen Stationen auf. Gerade wenn du noch nicht so viel Erfahrung gesammelt hast, kommt es darauf an, jede Erfahrung optimal zu präsentieren. Schreibe zu jeder Position (z. B. Praktikum im Accounting) noch drei bis fünf Stichpunkte, um deine Aufgaben und Verantwortlichkeiten aufzuzeigen und die erlernten Kompetenzen hervorzuheben. So kannst du jeder Station Leben einhauchen und Personaler:innen auf das aufmerksam machen, was du neben deinem Studium an praktischen Erfahrungen gesammelt hast. Das macht besonders deutlich, was dich für den ausgeschriebenen Job qualifiziert. Im Anschreiben kannst du deine Erfahrungen weiter ausführen und besonders auf deine erlernten Soft Skills eingehen. Häng deiner Bewerbung auch die (Praktikums-)Zeugnisse an, die für die ausgeschriebene Position relevant sind.

Am Ende kommt es immer auch auf das Unternehmen und die Personalverantwortlichen an, was als Berufserfahrung gezählt wird und was nicht. Zähle also in deinem Lebenslauf ruhig alle Stationen und Positionen auf, die für dich von Vorteil sein könnten – erfinde aber keine Stationen und trage nicht zu dick bei den Beschreibungen auf. Der Schwindel fliegt spätestens im Vorstellungsgespräch auf.