Praxis, Labor oder Klinik?

6 Jahre später - du hast sowohl Vorklinik und Klinik als auch das praktische Jahr abgeschlossen. Nun warten neue Herausforderungen und große Fragen auf dich. Kennst du schon deine Antworten auf die großen Fragen nach dem Medizinstudium? Wir haben uns bei Clara umgehört, die gerade mit dem Studium fertig geworden ist.
Studydrive fragt nach
Wie fühlst du dich mit dem Abschluss in der Tasche? Muss das nicht ein beflügelndes Gefühl sein, nach sechs Jahren vorerst durch zu sein?
Klar, ich freue mich sehr und bin erleichtert. Trotzdem fühle ich mich extrem unsicher. Einfach so, als wäre ich noch nicht gut für den Arbeitsalltag im Krankenhaus gewappnet. Ich bin wahnsinnig aufgeregt, was auf mich zukommt und ob ich alles kann. Trotzdem freue ich mich.
In welcher Stimmung sind deine Kommiliton:innen?
Die meisten meiner Kommiliton:innen fühlen sich ähnlich. Es ist nun eine aufregende Zeit voller wichtiger Entscheidungen.
Welche Entscheidungen stehen denn an? Welchen Fragen siehst du dich konfrontiert?
Wir müssen uns entscheiden, welchen Weg wir gehen wollen. Das heißt nicht nur, welche Fachrichtung es werden soll, sondern auch, ob man beispielsweise im Krankenhaus oder lieber in der Forschung arbeiten möchte. Viele fragen sich: Welche Fachrichtung will ich einschlagen? Welches Thema soll meine Dissertation haben? In welcher Einrichtung bewerbe ich mich?
Stichwort “Karriere”. Welche Möglichkeiten stehen Absolvent:innen offen?
Als Mediziner:in kann man natürlich auch richtig Karriere machen und eine akademische Laufbahn wählen. Man kann auch eine Forschungstätigkeit annehmen und beispielsweise bei Arbeitgebern wie Biontech oder Frauenhofer arbeiten. Wählt man den rein klinischen Weg, ist es auch möglich, in einem Krankenhaus aufzusteigen. Je nachdem wird man dann in einem kleinen Krankenhaus, in einer Uniklinik, einer Praxis, an der Uni oder im Labor arbeiten.

Was spricht für und gegen die einzelnen Arbeitsplätze?
Jede:r muss sich seine Nische suchen und den persönlichen Interessen folgen. Manche wollen später unabhängig vom Krankenhaus sein, da man immer Übergeordnete hat und nicht selten eine Ellenbogenkultur vorherrscht. In einer Praxis ist man wiederum der eigene Herr, hat jedoch viele Verantwortlichkeiten.
In der Uniklinik hat man größere Karrierechancen und lernt viel. Dort kommen des Öfteren spezielle Fälle rein, anhand derer man viel lernen kann! In einem kleineren Haus geht es um die Grundversorgung, durch welche man vor allem am Anfang die wichtigsten Grundlagen lernt. Als Labormediziner:in hat man wenig Kontakt mit Patient:innen, aber ich kenne einige, die in ihrem praktischen Jahr gemerkt haben, dass ihnen der ständige Kontakt nicht liegt.
Was hilft dir dabei, die richtige Entscheidung zu treffen?
Natürlich gibt es Faktoren wie Gehalt, gesellschaftliches Ansehen oder Aufstiegschancen. Allerdings haben für einige Studis mittlerweile die Work-Life-Balance, ein weniger stressiges Arbeitsumfeld und geringerer psychischer Druck einen hohen Stellenwert. Es gibt Spezialisierungen, bei denen sehr anstrengende Dienste und Nachtschichten anfangen, wohingegen manche Spezialisierungen einen überschaulichen Arbeitsumfang haben.
Und wie steht es um die richtige Fachrichtung?
Ich kenne viele Studis, die erst eine grobe Fachrichtung wählen und dann schauen, was zu ihnen passt. Manche hospitieren nach dem Studium weiterhin, um die richtige Fachrichtung zu finden.
Beeinflusst die Entscheidung auch die Doktorarbeit?
Auf jeden Fall. Ich habe Kommiliton:innen, die ihren Weg schon kennen – beispielsweise in einer Familienpraxis anfangen werden – und dort ohne Doktortitel und Spezialisierung praktizieren werden. Wenn man weiß, dass man die Karriereleiter hochklettern oder in die Forschung möchte, macht es Sinn, nicht nur eine statistische Doktorarbeit durchzuführen, sondern sich beispielsweise mit einer experimentellen Forschungsarbeit auf die spätere Tätigkeit vorzubereiten.