Diskriminierung im Bewerbungsprozess

Diskriminierung im Bewerbungsprozess

Farbenfrohe Kampagnen, kreative Hashtags, Diversity-Richtlinien im Bewerbungsprozess: Immer mehr Unternehmen positionieren sich als Arbeitgeber, die Wert auf vielfältige Teams legen. Doch was ist, wenn du im Bewerbungsgespräch gegensätzliche Erfahrungen machst? Wie reagierst du höflich ohne dir alles gefallen zu lassen? Was haben andere Studierende schon erlebt? Wir haben uns mit unserer HR-Expertin Gala ausgetauscht: So gehst du mit Diskriminierung im Bewerbungsgespräch um.

“Für Ihr Aussehen sprechen Sie aber gut deutsch!”

Diversität und Diskriminierung. Zwei Themen, die besonders viel Aufmerksamkeit benötigen und gegenwärtig auch endlich bekommen. Viele deiner potentiellen Arbeitgeber bemühen sich, durch verschiedene Kampagnen auf ihre eigene Offenheit für Menschen jeder geschlechtlichen Identität, Herkunft, sexuellen Orientierung und Behinderung hervorzuheben. In unserer neuesten Studydrive-Umfrage in unseren Karrieregruppen wurde aber klar: Ein Drittel aller Studierenden machen dennoch Erfahrungen mit Diskriminierung im Bewerbungsprozess oder (Neben-)job.

 

Szenarien im Vorstellungsgespräch

Einige User:innen teilten ihre Erfahrungen:

„Ich als Frau wurde nach dem Kinderwunsch gefragt, hab ich natürlich verneint. Ich hatte Angst, den Job nicht zu bekommen.“

„Einmal wurde mir gesagt, ich würde ja richtig gut Deutsch reden und man hat mich gefragt, wo ich denn wirklich herkomme. Naja, bin hier geboren. Hab mich bedankt und gesagt, ich hätte kein Interesse.“

„Ich habe meine Bewerbungsunterlagen zugeschickt. Das Unternehmen war begeistert von mir, wollten aber noch ein Foto sehen. Als ich es geschickt habe, kam nie wieder eine Antwort vom Unternehmen.“

Solche Geschichten können viele Bewerber:innen erzählen. Dabei ist aber eins ganz wichtig: Diskriminierung muss sich niemand gefallen lassen. Egal ob vor, während oder nach dem Bewerbungsgespräch. Das kannst du tun:

1. Im Gespräch: Höflich auf Rechtliches verweisen

Sollten dir mitten im Gespräch unangebrachte Fragen gestellt oder Kommentare geäußert werden, raten wir dir, höflich darauf hinzuweisen. Wenn du dich traust, kannst du folgende Sätze beispielsweise äußern: "Ich glaube nicht, dass sie mir diese Frage stellen dürften” oder “Ich würde an dieser Stelle diese Frage nicht beantworten wollen”.

Informier dich idealerweise vor dem Bewerbungsgespräch!

Unzulässige Fragen

2. Nach dem Gespräch: Kommunikation und Reflexion

Nach dem Vorfall solltest du unbedingt deine Erfahrungen teilen oder Feedback geben. Wir raten dir, dein Feedback nicht direkt an deine:n Gesprächspartner:in zu geben, sondern mit der HR-Abteilung zu kommunizieren. Möglicherweise wird dein Feedback in diesem Fall anonym behandelt. Teile deine Erfahrungen zur Diskriminierung auf Plattformen, die zur Bewertung von Unternehmen dienen.

Food for thought:
Wenn du dich im Bewerbungsgespräch schon unwohl gefühlt hast, solltest du reflektieren, ob dieser Arbeitgeber ideal für dich ist. Das Verhalten in Bewerbungsverfahren spiegelt meist die Unternehmenskultur wider.

3. Der Extremfall

Sofern du einen Extremfall (z.B. Beleidigungen, offensichtliche Diskriminierung) erlebt hast, gibt es Schritte, um diesen offiziell zu melden. Bevor du diese Schritte unternimmst, ist Recherche geraten: Was ist erlaubt? Wie sehen meine Chancen aus? Macht es Sinn, bei dieser Diskriminierung zu klagen?

Informier dich hier