ADHS - was sagt die Psychologie und was sagen Betroffene

ADHS - was sagt die Psychologie und was sagen Betroffene

Inhaltsübersicht

ADHS haben die meisten von euch sicher schon einmal gehört. Aber was ist ADHS? Eine „Erfindung“ oder eine Krankheit oder etwas anderes? Was sagt die Psychologie dazu und was sagen Betroffene über ADHS und ihr Leben damit? Wir möchten dir in diesem Beitrag erklären was ADHS aktuell in der Psychologie bedeutet und ein Buch einer Betroffenen vorstellen. Zugegeben das Buch ist jetzt kein Tagebuch ala „Aus dem Leben eines AHDSlers“, sondern mehr ein Buch über Studieren und Lernen mit ADHS, es zeigt aber dennoch, vor welchen Herausforderungen ADHSler aber auch andere Studierende in ihrem Studium und im Leben stehen.

ADHS in der Psychologie

Wofür steht ADHS überhaupt? ADHS ist die Abkürzung für Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung. Früher nahm man an, dass ADHS nur Kinder betrifft, seit ca. 20 Jahren befasst man sich auch mit ADHS im Erwachsenenalter. Statistisch gesehen sind Männer bzw. Jungen häufiger von ADHS betroffen als Frauen. In der Psychologie ist zumeist in Diagnose-Manualen definiert, was die Kennzeichen einer Erkrankung bzw. eines Störungsbildes sind und welche Formen es davon gibt. Das DSM V und die ICD 10 sind hier die bekanntesten und wichtigsten Diagnosemanuale. Im DSM V werden drei Typen der ADHS unterschieden:

  • Mischtypus
  • Vorwiegend unaufmerksamer Typus
  • Vorwiegend hyperaktiver Typus

 

Symptome

Im DSM V werden folgende Symptome der ADHS bzgl. Hyperaktivität und Impulsivität beschrieben

  • Zappelt häufig mit Händen oder Füßen oder rutscht auf dem Stuhl herum
  • Steht in der Klasse oder in anderen Situationen, in denen Sitzenbleiben erwartet wird, häufig auf.
  • Läuft häufig herum oder klettert exzessiv in Situationen, in denen dies unpassend ist (bei Jugendlichen oder Erwachsenen kann dies auf ein subjektives Unruhegefühl beschränkt bleiben)
  • Hat häufig Schwierigkeiten, ruhig zu spielen oder sich mit Freizeitaktivitäten ruhig zu beschäftigen.
  • Ist häufig „auf Achse“ oder handelt oftmals, als wäre er/sie „getrieben“.
  • Redet häufig übermäßig viel.
  • Platzt häufig mit den Antworten heraus, bevor die Frage zu Ende gestellt ist.
  • Kann nur schwer warten, bis er/sie an der Reihe ist.
  • Unterbricht und stört andere häufig (platzt z.B. in Gespräche oder in Spiele anderer hinein).

 

Im DSM V werden folgende Symptome der ADHS bzgl. Unaufmerksamkeit:

  • Beachtet häufig Einzelheiten nicht oder macht Flüchtigkeitsfehler bei den Schularbeiten, bei der Arbeit oder bei anderen Tätigkeiten.
  • Hat oft Schwierigkeiten, längere Zeit die Aufmerksamkeit bei Aufgaben oder beim Spielen aufrechtzuerhalten.
  • Scheint häufig nicht zuzuhören, wenn andere ihn/sie ansprechen.
  • Führt häufig Anweisungen anderer nicht vollständig durch und kann Schularbeiten, andere Arbeiten oder Pflichten am Arbeitsplatz nicht zu Ende bringen.
  • Ist häufig „auf Achse“ oder handelt oftmals, als wäre er/sie „getrieben“.
  • Vermeidet häufig, hat eine Abneigung gegen oder beschäftigt sich häufig nur widerwillig mit Aufgaben, die länger andauernde geistige Anstrengungen erfordern.
  • Verliert häufig Gegenstände, die er/sie für Aufgaben oder Aktivitäten benötigt.
  • Lässt sich durch äußere Reize leicht ablenken.
  • Ist bei Alltagstätigkeiten häufig vergesslich.

Dennoch muss man noch andere Faktoren untersuchen und prüfen, bevor man eine ADHS diagnostizieren darf, so müssen z.B. mindestens sechs der genannten Symptome vorliegen und es muss ausgeschlossen werden, ob nicht eine andere Erkrankung wie z.B. Schizophrenie vorliegt. Deswegen sollte man sich mit voreiligen Schlüssen zurückhalten und vor Diagnosen grundsätzlich umfassend abklären, was für Störungsbilder infrage kommen und welche ausgeschlossen werden.

ADHS Typen

In der ICD-10 unterscheidet man folgende ADHS-Typen:

  • Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung
  • Andere nähere bezeichnete Verhaltens- und emotionale Störungen, Beginn in der Kindheit und Jugend: Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität

 

Weitere Kriterien zur Beurteilung, ob eine ADHS vorliegt sind die Wender Utha Kriterien :

  • Aufmerksamkeitsschwäche
  • Hyperaktivität
  • Affektlabilität
  • Desorganisiertes Verhalten
  • Störung der Affektkontrolle
  • Impulsivität
  • Emotionale Überreagibilität

Die Wender-Utah-Kriterien wurden speziell für die Diagnostik der ADHS im Erwachsenenalter entwickelt. Mehr dazu kannst du unter https://www.aerzteblatt.de/archiv/60141/Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitaetsstoerung-im-Erwachsenenalter-Diagnostik-Aetiologie-und-Therapie

Wenn man herausfinden möchte, ob Kinder von ADHS betroffen sind, spielen Fremdbeurteilungen oft eine entscheidende Rolle. Hierzu befragt man Eltern, Lehrer oder andere meist erwachsene Personen, die viel mit dem Kind zu tun haben, ob das Kind z.B. Ordnung halten kann, ruhig sitzen kann, Regeln befolgen kann, wie es im Kindergarten war oder ob das Kind ein Schreikind war. Hierfür gibt es auch unterschiedliche Tests bzw. Fragebögen, um abzuklären, ob eine ADHS vorliegt. ADHS ist eine chronische Erkrankung, d.h. sie bleibt Betroffenen lange bzw. ihr ganzes Leben erhalten. Man geht davon aus, dass ADHS in einer Familie oft über mehrere Generationen vorkommt.

Doch wie verläuft ADHS typischerweise?

Für gewöhnlich beginnt ADHS bereits im frühen Kindesalter, in seltenen Fällen beginnt sie erst im Jugendalter. ADHS verläuft chronisch. Wenn die Symptome nur phasenweise auftreten, sollte man eher eine affektive Erkrankung in Erwägung ziehen anstatt einer ADHS. Wenn ADHS auch noch im Erwachsenenalter vorliegt, kann es sein, dass die Symptomatik geringer ausgeprägt ist als während der Kindheit. Das kann dazu führen, dass die ADHS im Erwachsenenalter nur als eine Form „normaler“ Persönlichkeitsmerkmale auftritt und Betroffene etwa als sprunghaft oder temperamentvoll charakterisiert werden. ADHS im Erwachsenenalter kann allerdings auch die Lebensführung deutlich beeinträchtigen. So findet man bei von ADHS im Erwachsenenalter Betroffenen häufiger frühe ungeplante Schwangerschaften, Geschlechtskrankheiten, Verkehrsunfälle, Scheidungen und auch niedrigere Bildungsabschlüsse. Wobei letzteres wohl seine Ursache bereits in der Entwicklung oder dem Verlauf der ADHS in der Kindheit und Jugend haben mag. Personen, die im Erwachsenenalter von ADHS betroffen sind, wechseln auch häufiger den Arbeitsplatz oder sind arbeitslos, als Personen, die nicht von ADHS betroffen sind. Gerade bei Erwachsenen, die von ADHS betroffen sind, treten oft weitere psychische Erkrankungen wie etwa Depression auf. Auch wenn ADHS eine offiziell anerkannte Störung ist, gilt ADHS für manche als Modediagnose, was wohl auch daran liegt, dass die Zahl der Diagnosen in den letzten Jahren stark stieg, in zwischen 2012 und 2017 um 42% bei unter 19-Jährigen. Doch Personen mit ADHS sind nicht „dumm“, sie haben eher Schwierigkeiten ins Tun zu kommen und dran zu bleiben, denn sie sind oft leicht ablenkbar. Dass sie mit Tricks aber durchaus erfolgreich arbeiten und studieren können zeigt z.B. Sara Dörwald in ihrem Buch „Konzentriert lernen mit ADHS“.

Lebt es sich mit Diagnose ADHS leichter als ohne eine Diagnose?

Bringt die Diagnose Erleichterung oder verschlimmert sie die Situation der Betroffenen? Vermutlich kann man diese Fragen nicht pauschal beantworten, allerdings können Diagnosen, so schlimm sie auch sein mögen, die Ungewissheit und das Nicht-Wissen was mit einem „nicht stimmt“ reduzieren und dadurch entlasten. Manche Betroffene empfinden ADHS als Fluch und Segen zugleich.

Konzentriert Lernen mit ADHS

Sara Dörwald lebt und studiert mit ADHS und hat darüber ein Buch (https://www.studienscheiss.de/konzentriert-lernen-mit-adhs/ ) geschrieben, genauer gesagt, über ihre Erfahrungen in der Ausbildung und im Studium und welche Techniken ihr beim konzentrierten Lernen helfen. Von den praktischen Tipps und Übungen abgesehen, bekommt man in dem Buch aber auch einen Einblick über die Herausforderungen mit den ADHSler konfrontiert sind und was ihnen helfen kann, diese zu meistern. Manche Herausforderungen, wie beispielsweise fehlende Motivation, kennen nicht nur ADHSler, sondern auch viele andere Menschen, die gesund sind. Deswegen bietet das Buch einerseits einen Einblick in den Lerntag eines ADHSlers und gleichzeitig wertvolle Tipps und Übungen, um erfolgreicher zu studieren – egal, ob man von ADHS betroffen ist oder nicht.


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