Wirtschaftspsychologie

Wirtschaftspsychologie

Aktualisiert am 22. Mai 2025

Inhaltsübersicht

Definition

Die Wirtschaftspsychologie ist ein Teilgebiet der Angewandten Psychologie. Der Fokus liegt auf dem Verständnis von gesamtwirtschaftlichen Zusammenhängen. Sie bringt die psychologischen Grundlagen des Erlebens und Verhaltens von Menschen mit wirtschaftlichen Komponenten in Verbindung.

Das beinhaltet vor allem die Verhaltensweisen am Arbeitsplatz, in Organisationen und am Markt. Das Ziel von Wirtschaftspsychologen ist es, das Verhalten von Menschen im wirtschaftlichen Kontext zu verstehen, vorherzusagen und zu nutzen.

Bereiche der Wirtschaftspsychologie

Man kann sie im weiteren Sinne in die folgenden vier Teilbereiche unterteilen:

Ökonomische Psychologie

Die ökonomische Psychologie beschäftigt sich mit den Motiven von Wirtschaftstreibenden und dem Wohlbefinden von Individuen, Gruppen und gesamten Nationen. Ziel ist es, zu analysieren, wie wirtschaftliche Handlungen, Ursachen des Verhaltens und Entscheidungen zusammenhängen.

Im Zentrum steht der Homo Oeconomicus, der nach dem Prinzip der individuellen Nutzenmaximierung handelt sowie die Psychologie der Entscheidungsfindung. Sicherheit und Risiko spielen dabei eine große Rolle, genauso wie Entscheidungsanomalien und Heuristiken. „Rational“ entscheiden heißt nicht unbedingt, eine vernünftige Entscheidung zu fällen.

Überschneidungen gibt es im Übrigen mit der Organisationspsychologie sowie der Marktpsychologie, wenn ökonomische Entscheidungen, zum Beispiel von Organisationen, getroffen werden.

Markt- und. Konsumentenpsychologie

Der Themenbereich der Markt- bzw. Konsumentenpsychologie beinhaltet sowohl die wirtschaftliche Entwicklung von Gesellschaften und den Wertewandel als auch die psychologischen Erklärungen für das Verhalten des Menschen am Markt oder mit allen möglichen Handlungen, die Geld betreffen. Das betrifft z.B. das Einkommen, Sparen oder die Besteuerung. Ebenfalls Teil der dieses Fachbereichs ist die Werbepsychologie. Sie nutzt die Kenntnisse der Konsumentenpsychologie, um Werbung effektiver, weitreichender und einnehmender zu gestalten.

Organisationspsychologie

Die Organisationspsychologie hingegen legt den Fokus auf die Strukturen einer Organisation und wie diese die Effizienz und Effektivität der Mitarbeiter beeinflussen kann. Zu ihrem Themenfeld gehören die Organisationskultur (Normen- und Wertesystem eines Unternehmens), die Einflüsse von und innerhalb organisationaler Gruppen, die Gruppenentwicklung, die organisationalen Machtverteilungen, Lösung von Konflikten, die Vor- und Nachteile von unterschiedlichen Führungsstilen und dem Organisationswandel bzw. der Organisationsentwicklung (Change Management).

Arbeits- oder auch Personalpsychologie

Die Arbeits- oder auch Personalpsychologie beschäftigt sich mit der Personalauswahl und -entwicklung, der Arbeitsgestaltung, der Arbeitszufriedenheit und den Auswirkungen von zu hoher Arbeitsbelastung (Burnout etc.).

Zudem beschreibt sie die psychologischen und gesundheitlichen Folgen von Arbeitslosigkeit, die zum Beispiel durch die fehlende Struktur im Alltag, die soziale Isolation oder die fehlende finanzielle Stabilität entstehen.

Berufsperspektiven

Diese Einteilung des Fachbereichs der Wirtschaftspsychologie deckt auch schon recht vollständig die Berufsmöglichkeiten nach dem Studium ab. Legt man seinen Schwerpunkt auf die ökonomische oder die Konsumentenpsychologie, so kann man in großen Unternehmen in der Marketingabteilung beratend tätig sein oder in Marktforschungsinstituten sesshaft werden.

Mit der Organisations- und Arbeitspsychologie hingegen ist man eher in einer Personalabteilung oder in deren Beratung angesiedelt. Die Aufgabe ist es, geeignete Mitarbeiter auszuwählen, einzustellen und regelmäßig zu schulen, um deren Motivation aufrecht zu erhalten. Außerdem sollten die Arbeitsbedingungen angenehm sein, damit man durch die Zufriedenheit der Mitarbeiter den Qualitätsstandard im Unternehmen garantieren kann. Denn Studien beweisen, dass zufriedene Mitarbeiter bei weitem mehr leisten als Unzufriedene.

Hier ist eine Liste von Karrierewegen, die du in Betracht ziehen solltest, wenn du Wirtschaftspsychologie studierst. Alle beinhalten in unterschiedlichem Maße die Anwendung von Wirtschaftspsychologie:

  • HR-Manager*in
  • Marketing-Manager*in
  • Unternehmensberater*in
  • Spezialist*in für Human Factors
  • Industrieberater*in
  • Universitätsprofessor*in

Schwerpunkte des Studiums

Das Studium besteht aber natürlich aus mehr als den vier am Anfang genannten Schwerpunkten. Man behandelt nicht nur die Grundlagen der Psychologie mit Sozialpsychologie, Persönlichkeitspsychologie, Interkultureller Psychologie und Psychologische Diagnostik, sondern auch sämtliche Grundlagen zur Unternehmensführung mit Fachbereichen wie beispielsweise BWL, Dienstleistungsmanagement, Marketing, Unternehmensgründung und Wirtschaftsethik. Ergänzt werden diese Inhalte durch Themen wie Recht, Statistik und Design Thinking.

Wirtschaftspsychologie2

Das Studium der Wirtschaftspsychologie enthält auch viele nützliche Inhalte, die ich als Studierender erfolgreich in meinen Alltag integrieren kann. Ein Beispiel, was oft als sehr sinnvoll empfunden wird, sind verschiedene Lerntechniken bzw. Lerntypen zu beachten, um das Lernen effektiver, kürzer und erfolgreicher zu gestalten.

Natürlich findet man sehr viele verschiedene Einteilungen von Lerntypen (link), allerdings kann man diese alle grob in drei Lerntypen unterteilen:

  • Visueller Lerntyp: selbst erstellte Zusammenfassungen, Markieren von Texten, Videos, Grafiken
  • Auditiver Lerntyp: Aufnehmen auf Aufnahmegerät, unterwegs anhören, Podcasts, Kommilitonen die Inhalte erklären
  • Haptischer/motorischer Lerntyp: Bewegung während dem Lernen, Modelle bauen, Plakate erstellen

Es ist erwiesen, dass Menschen unterschiedlich lernen bzw. mit manchen Methoden bessere Ergebnisse erzielen. Allerdings ist die Einteilung in die verschiedenen Lerntypen größtenteils fließend. Grundsätzlich ist ein ausgewogener Mix von Lerntechniken zu empfehlen. Das heißt, eine Aufnahme der Inhalte über möglichst verschiedene Sinneskanäle, denn dadurch werden Informationen an unterschiedlichen Orten unseres Gehirns abgespeichert und sie bleiben uns länger im Gedächtnis.

Außerdem gilt – unabhängig von Lerntyp – Wiederholung ist alles. Bereits nach einer Stunde wissen wir im Schnitt nur noch 80% des zuvor Gelernten. Nach einem Tag sind es sogar nur noch 20%, weshalb eine Wiederholung bereits nach einer Stunde zu empfehlen ist.

Durch das Wissen, wie und womit man erfolgreicher lernt, kann man sich nicht nur viel Zeit, sondern auch viel Stress sparen.

Gegenwärtige und zukünftige Trends in der Wirtschaftspsychologie

Wohlbefinden der Mitarbeitenden

Das körperliche und mentale Wohlbefinden von Mitarbeitenden gewinnt am Arbeitsplatz zunehmend an Bedeutung. Arbeitgeber und Arbeitnehmer richten ihren Fokus verstärkt auf die Aktualisierung von Wohlfühl-Strategien. Das ist eng mit der Wirtschaftspsychologie verknüpft, die eine zentrale Rolle bei der Umsetzung von Initiativen zur psychischen Gesundheit, Stressbewältigung und allgemeinen Maßnahmen zur Leistungssteigerung spielt.

KI und Maschinelles Lernen

Künstliche Intelligenz hat auch in der Psychologie Einzug gehalten – Unternehmen integrieren KI-Tools in ihre Rekrutierungs- und Schulungsprozesse. Wirtschaftspsycholog\*innen können KI nutzen, um die „manuelleren“ Aspekte des Einstellungsprozesses zu automatisieren und ihre Energie auf die Bereiche zu konzentrieren, die mehr menschliche Beteiligung erfordern.

Die Vorteile sind zahlreich:

  • KI kann zur Datenerfassung und -analyse, zur automatisierten Terminplanung und vielem mehr eingesetzt werden.
  • Menschliche Kapazitäten können verstärkt auf eine ganzheitliche Verbesserung der Employee Experience ausgerichtet werden.

Hybrides Arbeiten

Hybrides Arbeiten ist im Jahr 2025 in den meisten Unternehmen Standard. Wirtschaftspsycholog\*innen spielen eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung einer zufriedenstellenden hybriden Arbeitserfahrung.

Upskilling

Wir leben in einer schnelllebigen, digitalen Welt. Mitarbeitende von heute müssen sich mit einem stetig wachsenden Repertoire an Fähigkeiten ausstatten, um mit dem technologischen Fortschritt Schritt zu halten.

Hier kommen Wirtschaftspsycholog*innen ins Spiel. Sie identifizieren, welche Fähigkeiten in den kommenden Jahren besonders relevant sein werden, und passen die Rekrutierungskriterien entsprechend an. Auch die Möglichkeit, sich direkt im Unternehmen weiterzubilden, ist essenziell – und auch hier leisten Wirtschaftspsycholog*innen einen wichtigen Beitrag!

**DEI-Entwicklung**
Diversity- und Inclusion-Initiativen (DEI) sind im modernen Arbeitsumfeld zunehmend relevant. Arbeitgeber schätzen die Vorteile inklusiver Arbeitsplätze immer mehr. Wirtschaftspsycholog\*innen spielen eine zentrale Rolle bei der Gestaltung solcher Umgebungen – von der fairen Einstellungspraxis über barrierefreie Entwicklungsmöglichkeiten und gleichberechtigte Repräsentation von Minderheitengruppen bis hin zur Schaffung psychologischer Sicherheit.


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