Wie du dich auf Vorlesungen an der Uni vorbereitest

Vor- und Nachbereitung einer Vorlesung - Muss das wirklich sein?
“Planen Sie auch eine entsprechende Zeit zum Vor- und Nachbereiten der Vorlesung ein”. Diese Aussage hat bestimmt jeder Student schon mal gehört. Gerade in den ersten Semestern eines Studiums wird dieser von den Dozenten immer wieder wiederholt. Ihn aber regelmäßig umsetzen, tun die wenigsten Studenten.
Doch was hat es mit dem Satz auf sich? Vielleicht ist ja etwas an der Aussage dran, wenn diese schon so oft wiederholt wird. Schließlich waren die Dozenten selbst mal Studierende und die müssten es ja wissen, oder?
Vorlesung vorbereiten
Beim Vorbereiten einer Vorlesung wissen viele nicht, was sie eigentlich tun können ohne den Stoff der Vorlesung schon vorher zu lernen. Sinn des Vorbereitens ist nicht, etwas im Voraus zu lernen, sondern sich in die Thematik einzuarbeiten, um der Vorlesung später besser folgen zu können. Wie das im Konkreten genau aussehen kann, wollen wir dir im nun erklären.
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Organisation ist Alles
Bereite deine Materialien, die du benötigst, vor. Arbeitest du digital, lade dir Skript/Folien der Vorlesung herunter und stelle sicher, dass dein Gerät aufgeladen ist. Sollte dies mal nicht der Fall sein, suche dir einen Platz in der Nähe einer Steckdose. Daher ist es wichtig, immer pünktlich vor der Vorlesung da zu sein, egal ob du digital oder analog arbeitest. So kannst du in Ruhe alles auspacken. Bist du noch klassisch mit Stift und Papier unterwegs, drucke das Skript aus und notiere auf deinem Block schon mal Modulnamen, Datum und das Thema. Dadurch verhinderst du beim späteren Einsortieren deiner Notizen ein Chaos. Ablenkungsfaktoren sollten auch vor Beginn der Vorlesung beseitigt werden.
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Überblick verschaffen
Lies als erstes das Skript und/oder die Folien quer, um dir einen Überblick zu verschaffen. Achte hierbei besonders auf Überschriften und Schlüsselbegriffe. Wenn beim Durchgehen der Folien Fragen auftauchen, halte diese schriftlich fest. Sie werden dir helfen, die Vorlesung aufmerksam zu verfolgen. Am Ende der Vorlesung sollten nämlich alle deine Fragen beantwortet sein. Ansonsten scheue dich nicht deine Fragen zu stellen. Denn wie heißt es doch so schön: “...wer nicht fragt bleibt dumm.”.
Ist das nicht die erste Vorlesungsstunde in dem Modul, schaue dir auch deine Notizen der letzten Stunde nochmal an. Zum richtigen Mitschreiben in der Vorlesung kommen wir später.
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Fach- und Schlüsselbegriffe
Neben den Fragen spielen Fach- und Schlüsselbegriffe eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung. Hebe daher diese hervor, damit du in der Vorlesung immer wieder Anhaltspunkte hast, wo es besonders wichtig ist, aufmerksam zuzuhören. Verstehst du Fachbegriffe aus dem Kontext nicht, schadet es nicht diese zu recherchieren und die Erklärung gleich im Skript festzuhalten. Wenn diese Begriffe in der Vorlesung dann fallen, bleibst du gedanklich nicht stehen, während die Vorlesung vorne schon weiter geht.
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Fragenkatalog
Nimm die Altklausuren in die Hand und schreibe die Fragen heraus, die in den letzten Jahren häufiger gestellt wurden. Trage sie in eine Art Fragenkatalog zusammen. Lasse zwischen den Fragen noch etwas Platz frei, damit du in Stichpunkten die Antwort notieren oder zumindest darauf verweisen könntest, wo sie im Skript/Folien oder deinen eigenen Mitschriften zu finden ist.
Versuche dabei die Fragen am besten nach demselben Schema wie die Vorlesung zu gliedern. Dies wird dir ermöglichen, den entsprechenden Teil des Fragenkatalogs mit in die Vorlesung zu nehmen, wenn das Thema behandelt wird. Merkst du nun während der Vorlesung, dass eine Frage aus deinem Fragenkatalog beantwortet wird, kannst du die Antwort direkt aufschreiben.
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Literaturempfehlungen
Oftmals ist es von Virteil, sich die empfohlene Literatur auf der die Vorlesung basiert, zu besorgen. Diese werden meistens von der Uni Bibliothek digital zur Verfügung gestellt.
Schaue dir jeweils das Inhaltsverzeichnis an und gehe die Seiten in einem Schnelldurchlauf durch. Dies hilft dir, einen Überblick zu erhalten, was dich in dem Modul erwartet. Beim Durchsehen der Seiten kannst du dir einige Schlüsselbegriffe aufschreiben. Häufig beinhalten die Literaturempfehlungen Übungsaufgaben, die von Professoren gerne mal eins zu eins oder leicht abgewandelt in einer Prüfung abgefragt werden.
In der Vorlesung mitschreiben
Sitzt du in der Vorlesung, solltest du dich nicht berieseln lassen, sondern aktiv zuhören, weil somit mehr Informationen hängen bleiben und du später beim Aufarbeiten weniger zu tun hast. Das gelingt am besten, indem du mitschreibst. Doch richtig mitschreiben ist gar nicht mal so einfach, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Es erfordert viel Übung. Daher hier einige Dinge, die du dabei beachten solltest.
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Aktives zuhören
Viele Studenten beklagen sich immer, dass sie nicht in der Lage wären alles mitzuschreiben, weil es viel zu schnell geht. Man gelangt irgendwann an einen Punkt, an dem nicht mehr aktiv zugehört, sondern nur noch geschrieben wird. Doch aktives Zuhören hilft, wesentliche Informationen heraus zu filtern.
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Skript ergänzen
Statt alles mitzuschreiben, wirf ruhig mal einen Blick in das Skript. Oft sagt der Prof nur das, was bereits in irgendeiner Form im Skript festgehalten ist. In diesem Fall solltest du auf keinen Fall das Gesagte nochmal aufschreiben, sondern dein Skript sinnvoll ergänzen, sodass die Notizen helfen, den Sachverhalt zu verstehen. Das Ziel ist ja nicht den Vorlesungsverlauf zu protokollieren.
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Weniger ist mehr
Gerade, wenn es gar kein Skript gibt und klassisch noch alles an der Tafel erklärt wird, ist es sinnvoll, Abkürzungen zu verwenden. Statt “daraus folgt” kannst du zum Beispiel einen Pfeil benutzen und “und/oder” einfach mit “&/o” abkürzen. Bei den Kürzeln muss es sich nicht um offizielle Abkürzungen handeln. Es zählt nur das du die Notizen am Ende noch lesen kannst. Das heißt auch, dass deine Notizen nur lesbar sein müssen und es kein Schönschreibwettbewerb ist. Beneide daher keine Kommilitonen, die es hinbekommen gleichzeitig schnell und schön zu schreiben.
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Diagramme und Abbildungen
Statt Diagramme exakt abzuzeichnen, was durchaus etwas Zeit in Anspruch nehmen kann, kannst du diese grob Skizzieren oder abfotografieren und in der Nachbearbeitung ordentlich zu Papier bringen.
Gewöhne dir aber nicht an, grundsätzlich alles abzufotografieren. Denn oftmals werden die Bilder unsortiert gespeichert und man vergisst während der Nachbereitung, dass man bestimmte Teile der Vorlesung abfotografiert hatte. Falls du Bilder machst, speichere diese am besten gleich in einer Cloud in einem für das Modul angelegte Verzeichnis, wo sich auch die ganzen restlichen Unterlagen des Moduls befinden. So findest du auch zu einem späteren Zeitpunkt alles wieder.
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Fragen des Dozenten
Als letzten Tipp solltest du dir merken, Fragen des Dozenten aufzuschreiben. Oft geben die Fragen Hinweise, was in der Prüfung abgefragt werden könnte.
Vorlesung Nachbereiten
Was bedeutet Nachbereiten eigentlich?
Um eine Vorlesung sinnvoll nachbereiten zu können, sollte einem bewusst sein, was der eigentliche Sinn der Nachbearbeitung ist. Es sollen die neuen Lerninhalte wiederholt und offen gebliebene Fragen geklärt werden. Deshalb sollte die Aufbereitung möglichst zeitnah zur Vorlesung geschehen.
Es gibt dabei viele Methoden die Vorlesungsstunde aufzubereiten: Zusammenfassungen schreiben, Karteikarten erstellen, das Skript durchgehen und Altklausuren/Übungsaufgaben lösen. In der Regel reicht es nicht nur aus, das Skript nochmal zu lesen! Denn hier setzt du dich mit den Inhalten zu oberflächlich auseinander.
Da als häufigste Variante die Zusammenfassung gewählt wird, soll auf diese im Detail eingegangen werden. Wie fast immer ist ein guter Mix aus den einzelnen Möglichkeiten am effektivsten.
Zusammenfassung schreiben
1. Was gehört in eine Zusammenfassung?
Als Erstes solltest du alle Inhalte sammeln, damit du nicht versehentlich etwas vergisst. Suche die Lerninhalte aus Tutorien, Übungen und Folien/Skripten zusammen und sortiere noch nicht aus, was du schon kannst oder für unwichtig hältst. Damit verhinderst du, dass du vielleicht Dinge, die auf den ersten Blick für unwichtig erscheinen, später nicht findest.
2. Material sortieren
Sortiere deine Materialien nun nach Themen. Oft fällt dieser Schritt weg, weil alles schon gut strukturiert ist, vor allem bei Skripten. Es hilft trotzdem, sich immer selbst Gedanken darüber zu machen, wie man die Lerninhalte gliedern würde. So wird man schließlich die ganzen Sachen später lernen. An dieser Stelle eignet es sich, das in Form einer Mindmap festzuhalten. Nicht die Inhalte, sondern nur die Themen selbst.
3. Schwerpunkte setzen und aussortieren
Im nächsten Schritt folgt das Priorisieren der Inhalte. Was ist wichtig für die Prüfung, was weniger und was kannst du sogar ganz weglassen?
Um das herauszufinden gibt es kein Kochrezept. Oft helfen einem die Altklausuren und Übungsblätter aus dem Semester, um zu entscheiden, was prüfungsrelevant sein könnte sowie das gesprochene Wort und die Zeit, die aufgewendet wird, ein Thema zu erklären. Falls mal wirklich etwas nicht relevant für die Prüfung sein sollte, steht das in den Folien oder der Dozent/Professor erwähnt das in der Vorlesung. Es lohnt sich also immer die letzten 1-2 Wochen der Vorlesungszeit in die Vorlesung zu gehen, auch wenn du die Vorlesung sonst aus bestimmten Gründen nicht besucht hast.
4. Checkliste erstellen
Als Zwischenschritt kannst du optional vor dem eigentlichen Schreiben der Zusammenfassung noch eine Checkliste erstellen. In dieser kannst du wichtige Dinge, die du auf keinen Fall vergessen solltest, festhalten. Das könnten zum Beispiel Formeln, Definitionen, Jahreszahlen oder Beweise sein.
5. Zusammenfassung schreiben
Mit den Schritten 1 - 4 hast du die Grundlage für eine gute Zusammenfassung gelegt. Es folgen nun fünf weitere Tipps, die du beim Schreiben der Zusammenfassung beachten solltest:
Warum eigentlich Zusammenfassungen schreiben?
Eine Zusammenfassung ist wie eine Übersicht der ganzen Lerninhalte und du kannst immer auf sie zurückgreifen. Wenn du also während der Vorlesungszeit damit beginnst regelmäßig die Vorlesung nachzuarbeiten und zusammenzufassen hast du weniger Stress vor der Prüfung. Zudem sind Zusammenfassungen deutlich kürzer als das Skript und die Folien.
Wieso sollte ich eine eigene Zusammenfassung schreiben?
Schreibst du die Zusammenfassung nicht selbst, geht der Lerneffekt verloren. Du setzt dich nicht tiefer mit den Inhalten auseinander und machst dir keinen Gedanken darüber, wie du wichtige Sachverhalte knapp auf den Punkt bringen kannst. Hast du Zeit und befindest dich nicht schon in der Prüfungsphase ist es ratsam, die ein oder andere Zusammenfassung selber zu schreiben.
Warum sind eigene Formulierungen so wichtig?
Bei einer Zusammenfassung die eigenen Worte zu verwenden ist enorm wichtig, da du dir Gedanken machst, wie du jemanden etwas erklären würdest. Kannst du jemandem etwas erklären, hast du es in der Regel auch selbst verstanden. Schreibst du die Formulierungen nur ab, kannst du die Zusammenfassung auch einfach sein lassen. Natürlich gibt es Studiengänge oder Module bei dem die Formulierungen des Professors essentiell sind wie zum Beispiel in Jura.
Wie lang sollte ein Zusammenfassung sein?
Eine feste Länge gibt es nicht. Zusammenfassungen, die viel auf Faktenwissen basieren, werden natürlich länger ausfallen, als welche für eine mündliche Prüfung. Du kannst dich aber daran orientieren, dass eine Zusammenfassung zu einer Vorlesungsstunde in etwa ein- bis drei Seiten entsprechen sollte. Oft hilft es die eigene Zusammenfassung mit anderen zu vergleichen um herauszufinden, ob sie zu lang oder kurz ist.
Ein kleiner Tipp falls deine Zusammenfassungen häufig zu lange ausfallen: Schreibe deine Zusammenfassung immer zweimal, auch wenn das jetzt erstmal sehr aufwändig klingen mag. Beim zweiten Schreibvorgang solltest du versuchen, nur 3/4 bis 1/2 so viele Seiten wie beim ersten Durchgang zu verwenden und das nicht indem du kleiner schreibst, sondern stärker priorisiert und die Dinge knapper auf den Punkt bringst. Mit etwas Übung wirst du dann das zweimalige Schreiben der Zusammenfassung nicht mehr benötigen.
Wie sieht eine gute Zusammenfassung aus?
Eine gute Zusammenfassung ist nicht nur schwarz-weiß, sondern arbeitet gezielt mit Farben. Zum Beispiel sind Überschriften immer gleich gestaltet und Definitionen in Kästen umrahmt. Wichtige Dinge fallen einem direkt auf und es ist eine Struktur erkennbar, die es einem vereinfacht, Zusammenhänge zu erkennen. Zudem sollte die Zusammenfassung ansprechend sein, weil du sie dann gerne zum Lernen verwendest. Es folgt noch ein Ausschnitt einer Zusammenfassung, wie eine gute aussehen kann.
Hoffentlich ist dir nun klar geworden, welche große Rolle Vor- und Nachbereitung, sowie das Mitschreiben in der Vorlesung für den Erfolg in deinem Studium spielen kann. Es gibt dabei mehrere Möglichkeiten dies in die Tat umzusetzen. Für welche du dich entscheidest, ist dir überlassen. Wichtig ist nur, dass du es tust und dir die Prüfungsphase in Zukunft angenehmer gestaltest.
Neben deinen eigenen Zusammenfassungen kannst du auch Unterlagen mit deinen Kommolitonnen austuaschen undzwar bei Studydrive.
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