Psychotherapie – Eine kurze Einführung

Viele Menschen denken bei Psychotherapie vermutlich an Freud und die Psychoanalyse oder an (kognitive) Verhaltenstherapie. Was aber genau hat es mit Psychotherapie auf sich und welche Rolle spielen dabei Freuds Psychoanalyse und die (kognitive) Verhaltenstherapie?
In diesem Artikel möchten wir dir einen kurzen Ein- und Überblick hierzu geben und wichtige Begriffe der Psychotherapie vorstellen.
Inhaltsübersicht
- Was ist Psychotherapie
- Wirkfaktoren der Psychotherapie
- Verschwiegenheitspflicht
- Psychotherapierichtungen
- Fazit
Was ist Psychotherapie?
Allgemein bezeichnet Psychotherapie die Behandlung psychisch kranker Menschen mittels Gespräche und übender Verfahren. Den wissenschaftlichen Prozess des Festhaltens der aus den Verfahren erfolgten Informationen nennt man psychologische Diagnostik. Besonders verbreitet sind die (kognitive) Verhaltenstherapie und die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. In Deutschland gibt es im Wesentlichen zwei bzw. drei anerkannte Verfahren: kognitiver Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie.Gegenstand der Psychotherapie sind also psychische Störungen des Menschen.
Als ärztliches Behandlungsverfahren gibt es die Psychotherapie erst seit rund 100 Jahren. Psychotherapieverfahren sind in ihrer Wirksamkeit teils vergleichbar mit Pharmakotherapie, d.h. mit medikamentöser Behandlung. In manchen Fällen kann man eine Psychotherapie auch mit einer Pharmakotherapie kombinieren.
Heute weiß man, dass Psychotherapien das Gehirn verändern; diese Psychotherapieeffekte lassen sich mit bildgebenden Verfahren nachweisen. Grundsätzlich nutzt man Psychotherapie zur Behandlung psychischer, aber teils ursprünglich auch zur Behandlung körperlicher Erkrankungen oder Symptome.
In Österreich gibt es derzeit 26 anerkannte Psychotherapieschulen. Neben den in Deutschland anerkannten Verfahren gibt es in Österreich z.B. noch die Existenzanalyse, Psychodrama und einige weitere.
Man muss beachten, dass die meisten Verfahren auch in Deutschland zulässig sind, allerdings werden nicht alle von der (gesetzlichen) Krankenkasse bezahlt. In jedem Fall ist für eine Abrechnung mit der Krankenkasse in der Regel eine Diagnose nach IDC10 erforderlich.
Was sind die Wirkfaktoren der Psychotherapie?
Bei einer Psychotherapie hängt der Erfolg der Therapie zu ca. 70% von der therapeutischen Beziehung ab, d.h. der Qualität der Beziehung, des Vertrauens etc. zwischen dem Therapeuten und Klient bzw. Patient und nur zu rund 30% von der gewählten Psychotherapierichtung. Dennoch gibt es teilweise Studien, die dafürsprechen, dass etwa Zwangserkrankungen auf psychoanalytische Therapien etwas besser ansprechen als auf andere Therapieformen.
Klaus Grawe benennt folgende Wirkfaktoren der Psychotherapie:
- Therapeutische Beziehung
- Problemaktualisierung
- Ressourcenaktivierung
- Problembewältigung
- Motivationale Klärung (Anon., kein Datum)
Unterliegt mein Psychotherapeut der Verschwiegenheitspflicht?
Psychotherapeuten unterliegen der Verschwiegenheitspflicht, diese kann aber bei Straftaten ggf. erlassen werden. In Deutschland ist die Verschwiegenheitspflicht in §203 des StGBs geregelt.
Auch in Österreich unterliegen Psychotherapeuten der Verschwiegenheitspflicht gemäß §15 des Psychotherapiegesetzes.
Bekannte Psychotherapierichtungen
Bekannte Psychotherapieverfahren, deren Kerngedanken folgend skizziert werden, sind die Psychoanalyse und tiefenpsychologisch fundiere Psychotherapie, die kognitive Verhaltenstherapie und die Systemische Familientherapie. Außerdem werden oft Entspannungstechniken eingesetzt und es gibt auch die neuropsychologische sowie die störungsspezifische Psychotherapie.
Kerngedanken der psychodynamischen bzw. psychoanalytischen Verfahren
Begründer der Psychoanalyse war insbesondere Sigmund Freud. Heute basieren psychodynamische bzw. psychoanalytisch begründete Verfahren auf der Annahme unbewusster Prozesse. Diese unbewussten Prozesse (z.B. Konflikte, Erlebens- oder Handlungsmuster) führen zu psychischen und körperlichen Beschwerden. (Faller & Lang, 2019, p. 285)
Wichtig ist hier die freie Assoziation, bei der der Klient bzw. Patient frei äußeren soll, welche Assoziationen oder Gedanken ihm kommen.
Ein Teil der Psychoanalyse ist die Traumdeutung, die besonders in der klassischen Psychoanalyse nach Freud von Bedeutung war. Man glaubte damals gerade über den Traum Zugang zum Unbewussten zu erhalten. Heute können Trauminhalte zwar als Gesprächsinhalte in der psychodynamischen oder psychoanalytisch fundierten Psychotherapie dienen, sind aber nicht mehr so wesentlich wie noch zu Zeiten Freuds.
Ein wichtiges Konzept in dieser Therapierichtung ist das Konzept der Übertragung und Gegenübertragung. Hierbei entstehen durch die therapeutische Situation bzw. durch den Therapeuten (Analytiker) im Patienten bzw. Klienten (Analysanten) Gefühle, die ihren Ursprung in früheren Erfahrungen haben und nun gegenüber dem Therapeuten gezeigt oder empfunden werden. Wenn der Patient nun aufgrund seiner Gefühle sich gegenüber dem Therapeuten äußert oder agiert, dann wird zeigen sich dadurch die Erlebens- und Handlungsmuster des Patienten. Gemeinsam versuchen dann der Therapeut und der Patient diese unbewussten Beziehungsmuster zu verstehen.
Wenn der Patient gegenüber dem Therapeuten entsprechende Gefühle empfindet und agiert, spricht man von Übertragung. Empfindet der Therapeut gegenüber dem Patienten entsprechende Gefühle, spricht man von Gegenübertragung. Therapeuten sollten sich abstinent verhalten und daher ihren Gefühlen hier keinen freien Lauf lassen, dennoch sollte ein Therapeut bei sich aufkommende Gefühle reflektieren. Gegenübertragung ist also die gefühlsmäßige Reaktion des Therapeuten auf die Äußerungen bzw. das Verhalten des Patienten. Zur Aufarbeitung dieser Gefühle dient dem Therapeuten die Lehranalyse.
Kerngedanken der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT)
Die Verhaltenstherapie (VT) basiert auf der Anwendung allgemeinpsychologischer Lernmechanismen aus der therapeutischen Praxis.
Bei der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) setzt man an der Veränderung pathogener gedanklicher Bewertungs-, Wahrnehmungs- sowie Verhaltensmuster an, durch die unerwünschte Verhaltensweisen oder Emotionen entstehen bzw. gefördert werden.
In der Verhaltenstherapie gibt es teilweise auch Übungen oder Hausaufgaben. Expositionsverfahren dienen oft der Behandlung und Reduktion gelernter Angstreaktionen. Bei der Exposition konfrontiert man Patienten mehrfach mit der Situation oder dem Objekt, das Angst auslöst.
Kerngedanken der systemischen Familientherapie
Systemische Therapien wie die systemische Familientherapie zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Symptome einzelner Patienten im Kontext größere Systeme, wie der Familie, verstehen und sie nicht nur auf den einzelnen Patienten zurückführen.
Bei der systemischen Familientherapie versteht man die Familie als System, das man mit der Therapie wieder ins Gleichgewicht bringen möchte. Dabei nimmt man an, dass es krankmachende Erwartungen, Deutungen- sowie Kommunikationsmuster zwischen den Familienmitgliedern gibt, die das System Familie aus einem gesunden Gleichgewicht gebracht haben. Indem man dieses System mit den krankmachenden Mustern stört, bringt man es zurück in ein „neues“ gesundes Gleichgewicht, wodurch das Symptom bzw. die Krankheit, die durch das ungesunde Gleichgewicht zustande kam, überflüssig wird und daher verschwindet.
Zur Vertiefung sei hier auf das Reframing (eine Art Neubetrachtung einer Situation oder eines Problems) und die paradoxe Intervention (eine Intervention, die erst einmal paradox oder gegen die Intuition zu sein erscheint) verwiesen, zwei Techniken, die in der systemischen Familientherapie Anwendung finden. (Faller & Lang, 2019, p. 293ff.)
Fazit
Psychotherapie dient zur Behandlung psychischer Beschwerden und Störungen. Grundsätzlich ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für eine Psychotherapie die therapeutische Beziehung zwischen Klient und Therapeut. Grob kann man sagen, dass 70% von der Beziehung abhängt und 30% von der Therapierichtung. Man kann auch ohne eine psychische Störung eine Psychotherapie absolvieren, etwa um sich selbst besser kennen zu lernen bzw. innere Konflikte zu klären, die noch keine psychische Störung darstellen. Teilweise übernimmt zumindest bei vorliegen einer psychischen Störung bzw. einem medizinischen Grund für die Therapie die Krankenkasse die Kosten, das solltest du aber immer vorab mit deiner Versicherung klären.
Wenn du überlegst, eine Psychotherapie zu machen, solltest du entweder direkt selbst einen Psychotherapeuten suchen oder mit deinem Hausarzt darüber reden. Er kann dir dabei helfen, einen Therapeuten für dich zu finden. Je nach Land und Grund und teils auch nach Versicherung kann es mehrere Monate dauern, bis man einen Therapieplatz erhält. Wenn du wirklich dringend einen Therapieplatz benötigst, solltest du dich an deinen Hausarzt wenden.
Falls du selbst Interesse daran hast, der Psychotherapie beruflich nachzugehen, haben wir hier alles für dich zusammengetragen, was du wissen musst.
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