Leistungs- und Persönlichkeitstests

Inhaltsübersicht
Leistungs- und Persönlichkeitstests fallen unter die psychometrischen Testverfahren.
Bei psychometrischen Testverfahren werden die Daten formell, also regelgeleitet erhoben. Das heißt, dass detaillierte Instruktionen zur Durchführung, Auswertung und Interpretation vorliegen. Der Test ist somit normiert und standardisiert. Alle Informationen finden sich in einem dem Test beiliegenden Manual.
Leistungstests – auch Befähigungs- oder Eignungstests genannt – dienen der Erfassung von Fähigkeiten, Fertigkeiten und Wissen im Vergleich zu einer Normstichprobe. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass alle Testpersonen ihr Bestes geben, sonst kommt es zu einer Verfälschung des Tests.
Sie werden in Entwicklungstests für Kinder, Intelligenztests, Aufmerksamkeits- und Konzentrationstests und in Tests zur Erfassung spezieller Merkmale unterteilt.
BUEVA-III
Der bekannteste und in Deutschland am häufigsten angewandte Entwicklungstest ist der BUEVA-III. Er ist für Kinder bis zum Ende des Grundschulalters geeignet. Unterteilt in 11 Subtests prüft er die motorischen und verbalen Fähigkeiten des Kindes. Somit kann der aktuelle Entwicklungsstand im Vergleich zu Gleichaltrigen ermittelt und gegebenenfalls Fördermaßnahmen eingeleitet werden.
Da es viele unterschiedliche Definitionen von Intelligenz als psychologisches Konstrukt gibt, existieren auch viele verschiedene Arten von Intelligenztests. Sie wurden auf unterschiedlicher theoretischer Grundlage konzipiert.
Trotzdem haben sich einige Tests in Deutschland durchgesetzt und werden vorrangig angewendet.

HAWIE
Für die Intelligenztestung von Erwachsenen im Alter von 16 bis 89 Jahren wird meist der HAWIE (Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene) eingesetzt. Er ist die deutsche Version der Wechsler Adult Intelligence Scale und wird deshalb seit 2013 auch in Deutschland als WAIS-IV bezeichnet. Er zielt auf die Erfassung der allgemeinen Intelligenz ab und besteht aus 10 Subtests, die die Fähigkeiten in den Bereichen Sprachverständnis, logisches Denken, Verarbeitungsgeschwindigkeit und Arbeitsgedächtnis testen. Auf dem Bild ist eine mögliche Art der Aufgabenstellung aus dem HAWIE abgebildet.
Die erreichten Punkte werden zusammengezählt und anhand von Normtabellen mit dem Populationsdurchschnitt verglichen. Das Ergebnis ist der Intelligenzquotient: das Intelligenzalter wird durch das Lebensalter geteilt und zur besseren Lesbarkeit mit 100 multipliziert. Diese Normtabellen müssen jedoch etwa alle 8-10 Jahre angepasst werden, denn die Leistungen in IQ-Tests nehmen im Durchschnitt alle zehn Jahre um circa drei Intelligenzpunkte zu. Dies wird auch als der „Flynn-Effekt“ bezeichnet.

HAWIK/ WISC
Der HAWIK (Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Kinder) – auch WISC (Wechsler Intelligence Scale for Children) – entspricht dem Intelligenztest von Erwachsenen, jedoch sind die Aufgabenschwierigkeiten und Normtabellen angepasst. Er ist für Kinder von 6-15 Jahren geeignet. Das Bild zeigt eine beispielhafte Aufgabe, die es eventuell im Rahmen des Tests zu lösen gilt.
SON-R 6-40
Für die Erfassung der allgemeinen Intelligenz von Kindern unter sechs Jahren und intelligenzgeminderten Erwachsenen eignet sich der SON-R 6-40. Er wird nonverbal durchgeführt und deckt die Bereiche Motorik, Wahrnehmung, räumlich-konstruktive Fähigkeiten und abstraktes Schlussfolgern ab. Die vier Subtests enthalten Aufgaben, wie das Erkennen und Wiedergeben von Analogien, das Anwenden von Ordnungsprinzipien, wie die Sortierung von Gegenständen nach gemeinsamen Merkmalen, oder die Fähigkeit, die Raumlage einer Figur differenziert wahrzunehmen und wiederzugeben.
An Intelligenztests wird häufig kritisiert, dass sie davon ausgehen, dass IQ-Werte unveränderlich sind. Vor allem bei Kindern muss immer die individuelle Entwicklungsstufe berücksichtigt werden. Konkrete langfristige Vorhersagen sind frühestens ab einem Alter von 12 Jahren möglich.
Aufmerksamkeitstests erfassen, wie schnell und präzise die Testperson Reize entdecken und wahrnehmen kann, während Konzentrationstests die Fähigkeit messen, unter erschwerten Bedingungen eine kognitive Leistung zu erbringen. Beide kommen beispielsweise dann zum Einsatz, wenn bei der Testung der Intelligenz ein auffallend langsames Arbeitstempo vorlag.
TAP 2.3.1.
Ein häufig eingesetzter Aufmerksamkeitstest ist zum Beispiel der Alertnesstest TAP 2.3.1. Er misst den allgemeinen Wachheitszustand und wie schnell und richtig auf konkrete Anforderungen reagiert werden kann. In der ersten Situation wird die Reaktionszeit gemessen, in der die Testperson in zufällig variierenden Intervallen ein dargebotenes Kreuz erkennen und mit einem Tastendruck darauf reagieren kann. In der anderen Situation geht der Darbietung des Kreuzes ein Warnton voraus. Anhand definierter Norm- und Grenzwerte können Verlangsamungen erkannt und Maßnahmen ergriffen werden.
D2 - Test
Der bekannteste Konzentrationstest ist der D2-Test. Bei diesem Buchstabendurchstreichtest müssen 5 Minuten lang alle d’s durchgestrichen werden. Dadurch wird die Konzentrationsfähigkeit gemessen, wonach – falls notwendig – entsprechende Maßnahmen abgeleitet werden können.
Leistungstests zur Erfassung spezieller Merkmale konzentrieren sich auf einzelne Symptome bzw. Erkrankungen. Zu ihnen gehören unter anderem Berufseignungstests, Schuleignungstests, Tests zur Erfassung des Hör- oder Sehvermögens und klinische Leistungstests. Klinische Leistungstests geben Hinweise auf bestimmte Störungsbilder rund um Wahrnehmung, Gedächtnis sowie Sprach- und Denkfähigkeit. Das primäre Ziel hierbei ist die Differenzialdiagnostik, also die Gegenüberstellung bzw. Abgrenzung von verschiedenen Krankheitsbildern mit ähnlichen Symptomen. Das Ziel von Persönlichkeitstests ist es, herauszufinden, welche emotionalen und motivationalen Merkmale, zentrale Einstellungen, Selbstkonzepte, Werte und kognitive Stile die Persönlichkeit einer Person entscheidend prägen. Dafür gibt es eindimensionale und mehrdimensionale Verfahren. Eindimensional bedeutet, dass der Fokus lediglich auf einem Persönlichkeitsmerkmal liegt. Dies umfasst zum Beispiel Tests zu Selbstkonzept und Selbstwertgefühl, Angst, Aggression Risikobereitschaft oder auch themenspezifische Einstellungen, Interessen und Motivatoren. Mehrdimensionale Verfahren erfassen mehrere Persönlichkeitsmerkmale. Bis jetzt gibt es allerdings kein Verfahren, dass die komplette Persönlichkeit abbilden kann. Voraussetzung für sämtliche Tests, die sich auf die Persönlichkeit eines Menschen beziehen, ist es, dass der Proband seine eigenen Gefühle und Präferenzen kennt und willens ist, sie preiszugeben.
FPI-R / 16 PF-R
Unterschieden werden Fragebogenverfahren, diagnostische Interviews und Verhaltensbeobachtungen. Bekannte Fragebogenverfahren sind beispielsweise das Freiburger Persönlichkeitsinventar (FPI-R) und der 16 PF-R Test. Das FPI-R besteht aus 138 Items, die die Persönlichkeit der Testperson unter anderem im Hinblick auf Lebenszufriedenheit, Offenheit, Extraversion, soziale Orientierung, Leistungsorientierung und Aggressivität erfassen.
Der 16 PF-R Test bezieht sich auf die 16 Primärdimensionen der Persönlichkeit. Er besteht aus 184 Fragen, dessen Antworten nach festen Auswertungsregeln jeweils zu einer der 16 Dimensionen zugeordnet werden. Der Test ist auf Grundlage des universellen Modells der „Big Five“ konstruiert. Demnach lassen sich die 16 Dimensionen durch eine statistische Faktoranalyse auf die 5 Persönlichkeitsdimensionen Offenheit, Neurotizismus, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und Extraversion der Big Five verteilen. Problematisch bei Fragebögen ist immer, dass die Personen nicht wahrheitsgemäß antworten müssen, weshalb bei der Konstruktion oft Kontrollfragen eingebaut werden. Sie enthalten eine andere Fragestellung, messen aber das gleiche Merkmal.
Diagnostische Interviews und Verhaltensbeobachtungen werden nicht als psychometrisch genug eingestuft, um als eigenständiges Verfahren zur Persönlichkeitsmessung eingesetzt zu werden. Allerdings eignen sie sich zum Beispiel gut zur Ergänzung von Fragebögen. Für die Durchführung von Persönlichkeitstests bei Kindern gilt es einige Besonderheiten zu beachten. Beispielsweise muss das Verfahren an die Erlebens- und Verhaltenswelt der Kinder angepasst werden. Außerdem eignen sich dichotome Fragen (Ja-Nein-Fragen) besser als Skalen zum Ankreuzen, da die Selbstreflexion bei Kindern noch eingeschränkt ist. Inhaltlich ist der Aufbau weitestgehend gleich, Schwierigkeiten, Formulierungen und Normtabellen sind altersangepasst.
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