Entwicklungspsychologie

Entwicklungspsychologie

Hast du dich schon immer mal gefragt, wie viel deine Gene und wie viel deine Umwelt zu dem beigetragen haben, der du jetzt bist? Oder fragst du dich, welcher Erziehungsstil der beste ist, um Kinder zu erziehen? Vielleicht stellst du dir aber auch die Frage, warum Kinder so verschieden sind. Mit all diesen Fragen und noch mehr beschäftigt sich die Entwicklungspsychologie. Das Ziel der Entwicklungspsychologie ist herauszufinden, wie sich biologische und umweltbedingte Faktoren auf das intellektuelle, soziale und emotionale Wachstum von Kindern auswirken.

Nehmen wir an Michael (ein ausgedachtes Beispiel) ist eine Frühgeburt gewesen, mit acht Jahren haben sich seine Eltern scheiden lassen und Michaels Vater übernahm die Hauptversorgung von ihm und seinen Geschwistern. Mit 18 Jahren ist Michael ein beliebter und erfolgreicher Schüler, mit hohem Selbstwertgefühl und einer positiven Lebenseinstellung.
Lukas (ebenfalls ein ausgedachtes Beispiel) war ebenfalls zu früh auf die Welt gekommen, seine Eltern haben sich bereits mit 4 Jahren getrennt. Mit 18 ist Lukas bereits drogenabhängig und Vater eines Kindes.
Die Entwicklungspsychologie versucht diesbezüglich herauszufinden, warum einzelne Kinder so unterschiedlich auf ähnliche Umweltverhältnisse reagieren und wie man die entsprechenden Forschungsbefunde anwenden kann, um mehr Kindern ein erfolgreiches Bewältigen schwieriger Verhältnisse zu ermöglichen. Ein Stichwort dazu wäre beispielsweise die Resilienz eines Kindes. Unter Resilienz versteht man die Fähigkeit eines Kindes, trotz negativer Umstände und Einflüsse, seine körperliche und geistige Gesundheit aufrechtzuerhalten. Im Beispiel hat Michael somit augenscheinlich eine höhere Resilienz als Lukas gehabt.

Was man jedoch beachten sollte ist, dass die Entwicklungspsychologie nicht den einen richtigen Weg vorgibt, wie man ein Kind erziehen sollte und auch nicht herausarbeiten kann, ob eine Störung im Jugendalter mit einem genauen Ereignis in der Kindheit zusammenhängt. Die Psychologie ist eine empirische Wissenschaft, die auf Wahrscheinlichkeiten beruht und viel mit Statistik arbeitet (siehe auch: Was versteht man unter Statistik?). Darüber hinaus hat es aber im Laufe der Zeit auch einige Theorien gegeben, die später die empirische Entwicklungspsychologie beeinflusst haben. Diesbezüglich werden Theorien zur kognitiven Entwicklung eines Kindes und Theorien zur sozialen Entwicklung eines Kindes unterschieden. Ein weiterer Teil der Entwicklungspsychologie befasst sich mit den biologischen Grundlagen von Kleinkindern.

 

Theorien der kognitiven Entwicklung


Eine der einflussreichsten Theorien der kognitiven Entwicklung von Kindern brachte der Schweizer Biologe Jean Piaget hervor. Einige von euch kennen diesen wahrscheinlich aus der Schule aus dem Fach Pädagogik.
Jean Piaget war der Meinung, dass die Anlage und Umwelt eines Kindes zusammenspielen. Darüber hinaus unterschied Piaget zwischen drei Konstrukten: Assimilation, Akkomodation & Äquilibration.

 

Entwicklungspsychologie

 

Beispielsweise hat ein Kind an einem Tablet gesehen, dass es weiter wischen muss, um beispielsweise Apps zu wechseln oder generell um Dinge auszuwählen. Dementsprechend versucht das Kind dieses Wissen auch am Fernseher anzuwenden, indem es über den Bildschirm wischt (Assimilation). Da das Kind bemerkt, dass das Programm am Fernseher so nicht gewechselt wird, muss es herausfinden, wie dies funktioniert und sieht beispielsweise bei einem Elternteil, dass es zum Wechseln des Programms eine Fernbedienung benutzt (Akkomodation).

Während des Misserfolgs entsteht ein Ungleichgewicht, dass durch Äquilibration wieder hergestellt werden muss. Dadurch, dass das Kind jetzt weiß, dass es zum Benutzen eines Tablets “wischen” muss und zur Benutzung eines Fernsehers die Fernbedienung verwenden muss, haben sich die kognitiven Strukturen des Kindes erweitert, da sie nun einmal das Schema “Tablet” und das Schema “Fernseher” verinnerlicht haben.
Dies erklärt auch, warum sehr kleine Kinder zu fast allen runden Gegenständen “Ball” sagen. Mit der Zeit wird dieses kognitive Schema dann erweitert in “Apfel (Obst)”, “Ballon” oder “Reifen”.

 

Theorien der sozialen Entwicklung


Erik Erikson, ein Psychoanalytiker, entwickelte die Theorie der psychosozialen Entwicklung. Dabei unterschied Erikson acht Stufen der Entwicklung bis ins hohe Lebensalter. In der Entwicklungspsychologie sind jedoch eher die Stufen 1 bis 5 interessant, da diese sich bis zur Volljährigkeit erstrecken.

Er geht also davon aus, dass die soziale und emotionale Entwicklung in einer Folge von Phasen verläuft, von denen jede durch eine bestimmte Aufgabe oder Krise gekennzeichnet ist, die für eine gesunde Entwicklung bewältigt werden muss. Im Unterschied zu Sigmund Freud, der ebenfalls eine psychoanalytische Theorie hervorgebracht hat, legt Erikson größeres Gewicht auf soziale Faktoren, Freud eher auf die psychische Energie sowie sexuelle Impulse.
Erikson ging auch davon aus, dass die frühen Erfahrungen, die ein Kleinkind im Kontext der Familie macht, einen nachhaltigen Einfluss auf die Beziehungen eines Individuums zu anderen Menschen haben.

Im folgenden findest du die ersten fünf Stufen der Theorie. Die “angemessene Lösung” stellt dabei das Ziel dar, das ein individuum in dieser Phase erreicht haben sollte. Die “unangemessene Lösung” ist das, was eher vermieden werden sollte.

 

Wenn du mehr zu der Theorie und den Phasen von Erikson wissen möchtest, dann schau dir doch dieses Video an


Die Theory of Mind ist eine grundlegende Theorie der Entwicklungspsychologie. Sie beschreibt die Fähigkeit, sich in die Gedanken anderer hineinversetzen zu können, d.h. die Gedanken und Überzeugungen anderer logisch erschließen zu können. Sie ist ein wichtiger Baustein in der Entwicklung von Kindern. Bei dreijährigen Kindern ist das Verständnis des Zusammenhangs zwischen den Überzeugungen anderer und deren Handlungen auf entscheidende Weise begrenzt. Dazu hat es ein lustiges Experiment gegeben, das auf dem Aufgabentyp der “Falschen Überzeugung” beruht. Dieser Aufgabentyp ist dazu da, um zu testen, ob ein Kind versteht, dass andere Menschen in Übereinstimmung mit ihren eigenen Überzeugungen handeln, auch wenn das Kind weiß, dass diese Annahmen falsch sind. Das hört sich zunächst sehr komplex an, ist aber einfach zu veranschaulichen. Stell dir vor, du zeigst Vorschulkindern eine Schachtel mit Smarties, die auf dem Deckel auch abgebildet sind. Wenn du das Kind fragst, was in der Packung enthalten ist, wird es natürlich mit “Smarties” antworten. Danach öffnest du die Schachtel und es kommen Bleistifte zum Vorschein. Die meisten 5-Jährigen würden daraufhin lachen. Wenn du sie fragst, was andere Kinder sagen würden, was in der Schachtel enthalten ist, sagen sie, dass das Kind ebenfalls “Smarties” sagen würde, so wie sie selbst zuvor dachten. So gestaltet sich dies jedoch nicht bei 3-Jährigen Kindern.
Sie behaupten, dass sie bereits gewusst haben, was sich in der Schachtel befindet. Auf Nachfrage, was andere Kinder sagen würden, geben sie an, dass andere ebenso glauben würden, dass die Schachtel Bleistifte enthält.
Dies wirkt natürlich sehr theoretisch, aber schaut es euch doch einfach hier selbst an:

Lustig oder?


Die Entwicklungspsychologie ist also nicht nur sehr theoretisch, sondern bringt auch Experimente hervor, die zeigen, dass die Entwicklung von Kindern für Erwachsene auch einfach irrsinnig und lustig sein kein. Darüber hinaus bringt sie jedoch auch viel Aufschluss darüber, wie man Kinder vielleicht besser verstehen kann, um noch einmal aus ihren Augen zu sehen.


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