Altersvorsorge für Studenten

Inhaltsübersicht
Frühe Vorsorge lohnt sich
Trotz jungen Lebensalters sollte man sich Gedanken um seine Zukunft machen. Was Studenten mit ihrem Studium ohnehin schon tun, sollte auch im finanziellen Bereich Beachtung geschenkt werden. Auch hier gilt: je früher man anfängt, desto besser. Die gesetzliche Rente bzw. Pension (Österreich) wird für ein entspanntes Leben im Alter nicht ausreichen. Laut der Sparkassen-Finanzportal GmbH werden 80 % des monatlichen (zuletzt verdienten) Gehalts benötigt, um im Rentenalter über ausreichende Finanzmittel zu verfügen.
„Pension“ stellt lediglich den österreichischen Begriff des Wortes „Rente“ dar, und wird im folgenden Text als Synonym für dieses verwendet.
Studenten
Für Studenten geht es oftmals darum, ihr Geld gut einzuteilen um so über die Runden zu kommen. Dabei ist es wichtig, dass die etwaige Schuldentilgung (z.B. Bafög-Schulden) Vorrang hat und somit vor einer Altersvorsorge abbezahlt werden soll. Trotzdem gilt, dass das Hier und Jetzt nicht außer Acht gelassen werden darf, und Kranken- oder Unfallversicherungen einen hohen Stellenwert haben sollten. Hier gibt es einige Hilfestellungen des Staates, um dies für Studenten günstiger zu gestalten. In Österreich gibt es beispielsweise für geringfügig Beschäftigte die Möglichkeit, einer freiwilligen Kranken- und Pensionsversicherung in Höhe von 65,03 € (Stand 2020) monatlich. Der Dienstgeber ist für die Unfallversicherung zuständig, welche aber nur für die Zeitspanne gültig ist, in der der Dienstnehmer aktiv seiner Beschäftigung nachgeht. Für den Rest der Zeit besteht die Option einer Mitversicherung. Grundsätzlich sind Jugendliche bis zu ihrem 18. Lebensjahr bei ihren Eltern mitversichert. Studierende können diese Leistung bis zu ihrem 27. Geburtstag ebenfalls in Anspruch nehmen. Voraussetzungen dafür sind, das ernsthafte Betreiben eines Studiums (Zeugnisse als Beweis) und der Bezug der Familienbeihilfe. Bei altersbedingtem Wegfall letzteren, gelten die Zeugnisse allein als Beweismittel. Verdient der Betroffene über die Geringfügigkeitsgrenze hinaus, ist er automatisch eigenständig versichert. Gerade Studierende verkürzen aufgrund ihrer Ausbildung die Laufzeit ihrer Renteneinzahlungen, da der Eintritt in ihr Berufsleben deutlich hinausgezögert wird. Aus diesem Grund ist die Altersvorsorge für sie umso wichtiger.
Altersvorsorge in Deutschland
Neben der berufliche Altersvorsorge, also der gesetzlichen Rente, gibt es viele Möglichkeiten, um eine private Vorsorge in Angriff zu nehmen, auch für Studenten. Gerade weil laut der Statista beinahe die Hälfte der Studierenden „überhaupt nicht“ an Informationen über die private Altersvorsorge interessiert sind, ist es wichtig, diesem Thema deutlich mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Die Grafik der Statista zeigt Studierende in Deutschland nach Interesse an Informationen über die private Altersvorsorge in der Gegenüberstellung mit der deutschen Bevölkerung im Jahr 2018. Ein klarer linearer Anstieg ist deutlich sichtbar, wobei „sehr interessiert“ mit 7,5 % den geringsten Prozentsatz darstellt. 16,8 % zeigen sich „etwas interessiert“ und „kaum interessiert“ sind 28,6 %. Der Rest (47,1 %), also fast die Hälfte der Befragten, sind „überhaupt nicht interessiert“, Informationen über private Altersvorsorgen zu erhalten. Erschreckend wenige beschäftigen sich also mit ihrer Altersvorsorge, was schnellstmöglich geändert werden sollte.
Die drei Säulen der Altersvorsorge
Abb. 1 zeigt das 3-Säulen Modell der Altersvorsorge in Österreich und Deutschland. Die beiden Modelle sind ident, der einzige Unterschied liegt bei Säule eins. Wie im Einstieg bereits erklärt, ist in Deutschland von der „Rente“ und in Österreich von der „Pension“, die Rede.
Abb.1: Das 3-Säulen Modell (Österreich und Deutschland)
Säule 1: Gesetzliche Pensionsversicherung/Rente
Die gesetzliche Pensionsversicherung bildet die Grundlage der Altersvorsorge. Ein Großteil der Arbeitnehmer - vorausgesetzt sie beziehen einen Lohn bzw. einen Gehalt, der die Geringfügigkeitsgrenze überschreitet – sind automatisch Mitglieder der Renten- bzw. Pensionsversicherungen in Österreich oder Deutschland. Somit zahlen sie regelmäßig, in diesem Fall monatlich, Beiträge, die sie im Alter ausgezahlt bekommen.
Säule 2: Betriebliche Altersvorsorge
Die zweite und dritte Säule soll die Erhaltung des Lebensstandards gewährleisten. Sie ist in Österreich nur begrenzt zugänglich, da einige Betriebe für ihre Angestellten in Pensionskassen einzahlen oder diese verfügen über einen Kollektivvorsorge und somit eine Kollektivversicherung. Ein Beispiel dafür ist die Abfertigung. Da die betriebliche Altersvorsorge sowohl für den Arbeitnehmer als auch den Arbeitgeber einige Vorteile mit sich bringen kann, sollte man sich jedenfalls bei seinen Vorgesetzten informieren.
In Deutschland ist das ganze etwas komplizierter. Es gibt fünf verschiedene Möglichkeiten, um eine betriebliche Altersvorsorge durchzuführen. Direktversicherung
Die Direktversicherung stellt eine Lebensversicherung für Angestellte dar, für welche ein Garantiezins festgesetzt ist. Da es sich um einen vom Betrieb angebotenen Gruppentarif handelt, ist dieser häufig deutlich günstiger und kann, auch als fondsgebundene Direktversicherung abgeschlossen werden. Für letzteres gibt es keine Garantie, da es auch zu Kursverlusten kommen kann.
Pensionskasse
Der Dienstnehmer selbst zahlt hierbei in betriebs- oder brancheneigene Rentenkassen ein. Die Pensionskassen sind nicht an den Garantiezins gebunden, sondern der Versicherte erhält im Gegenzug Sonderboni wie höhere Zahlungen oder eine Hinterbliebenenrente.
Direktzusage
Während der Beschäftigung bildet der Arbeitgeber Pensionsrücklagen, welche dem Arbeitnehmer im Falle einer Erwerbslosigkeit sofort, oder spätestens im Alter, als Rente ausbezahlt wird.
Pensionsfonds
Es handelt sich um fixe Beiträge, die restlos in Aktien investiert werden können. Es gibt keine Gewinngarantie, da kurz- oder langfristige Kursverluste entstehen können. Trotzdem sind die eingezahlten Beiträge sicher und das Vermögen bei einem Insolvenzfall abgesichert.
Unterstützungskasse
Bei Unterstützungskassen zahlt entweder nur der Arbeitgeber oder in Verbindung mit dem Beschäftigten in diese ein. Ein Vorteil hier ist, dass es unbegrenzt steuerpflichtig ist und deshalb vor allem für Arbeitnehmer mit höherem steuerpflichtigem Einkommen von Bedeutung ist. Das ist gleichzeitig die einzige Form, die über keinen Rechtsanspruch auf eine Fortführung verfügt. Weiters sind die Beiträge nicht flexibel. Die Beiträge können weder gesenkt noch ausgesetzt werden, auch nicht bei einem Arbeitgeberwechsel.
Auch in Deutschland gilt, dass die betriebliche Altersvorsorge auch für den Arbeitgeber einige Vorteile bietet, weshalb sie auch für diesen interessant sein kann.
Säule 3: Private Altersvorsorge
Die letzten Jahre zeigen eine anhaltende Nullzinspolitik, weshalb einige Modelle nicht mehr ertragsstark genug sind. Aus diesem Grund werden Investitionen in Fonds, Aktien, ETFs oder auch Immobilien immer attraktiver. Trotzdem gibt es auch einige Vorsorgemodelle, die gerade für Studenten geeignet sind wie der Zinseszinseffekt oder Bausparverträge.
Zinseszinseffekt
Bereits kleine Beiträge (z.B. 20 €), die in die private Rentenversicherung eingezahlt werden, rentieren sich mit der Zeit. Grund dafür ist der Zinseszinseffekt. Der Anlagenbeitrag wird durch die Investition von Zinserträgen automatisch aufgestockt. Dabei spielt das Alter eine wichtige Rolle, denn je jünger der Beitragszahler ist, desto öfter werden auch die Zinsen reinvestiert und desto größer ist somit der gewünschte Effekt.
Bausparer für Studenten
Bausparen bietet sich für Studenten an, da neben vielen Sonderaktionen (z.B. gratis Girokonto, Startbetrag) ein deutlich geringerer Betrag pro Monat, im Vergleich zu anderen Anlageformen, einzuzahlen ist. Die Laufzeit ist in der Regel sieben Jahre, kann nach Vereinbarung aber auch variieren. Dadurch handelt es sich um eine langfristige Anlage. Die Zielsumme muss nicht zwingend für den Hausbau o.Ä. verwendet werden. Trotzdem ist grundsätzlich das Ziel, geringere Zinsen auf das Darlehen zu bekommen.
Spekulative Anlageformen bieten einige Vorteile, da wie oben genannt die Zinsen bei herkömmlichen Anlageprodukten so schlecht sind, wie noch nie. Trotzdem ist die Veranlagung nur bei hervorragender Marktkenntnis und generellem Wissen der Konstruktion von hochspekulativen Papieren, zu empfehlen. Außerdem ist eine alleinige Anlage in Aktien, Fonds und Co nicht zu raten. Ein Kursgewinn ist keine Voraussetzung, vielmehr ist ebenfalls mit Verlusten zu rechnen.
Fondsparplan
Nutzer eines Fondsparplanes kaufen monatliche Anteile an Aktienfonds. Über die Jahre angesehen wird so ein großer Teil an Vermögen angesammelt. Das Modell ist relativ flexibel, die Anleger können jederzeit auf ihr Geld zurückgreifen und entscheiden, wie viel sie monatlich einzahlen. Das können auch unregelmäßige Beträge sein. Trotzdem ist in den meisten Fällen ein Mindestbetrag von 25 € angesetzt. Die Kosten begrenzen sich auf das Wertpapierdepot (für Studenten gibt es auch viele gratis Anbieter) und die Verwaltungskosten. Das Risiko darf nicht außer Acht gelassen werden, es gibt keine Garantie für einen Kursgewinn. ETF-Sparpläne bieten durch ihre große Verteilung ein ziemlich kleines Verlustrisiko. Kurzfristige Schwankungen sind nicht zu verhindern, deshalb empfiehlt sich eine langfristige Anlage von, im besten Fall, zehn bis 20 Jahren.
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