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Warum ist es nicht einfach, Lehrer zu sein?
• 22 % der Schüler*innen wiederholen eine Klasse.
• 10 % verlassen die Schule ohne Abschluss.
• Nach der 4. Klasse geht weniger als die Hälfte der Grundschüler*innen gern in die Schule.
• Nur 12,7 % der Realschülerinnen, 18,8 % der Gymnasiasten und 22,5 % der Mittelschülerinnen mögen Schule und
Lehrer*inne
Der doppelte Auftrag: Bildung und Erziehen

• Schulen sollen nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Herz und Charakter bilden (Art. 131,
Bayerische Verfassung).
• Oberste Bildungsziele:
• Ehrfurcht vor Gott
• Achtung vor religiöser Überzeugung
• Selbstbeherrschung, Verantwortungsgefühl, Solidarität
• Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt
Aufgaben der Lehrkraft nach Oser (1997)

1. Aufbau von Lehrer-Schüler-Beziehungen.
2. Unterstützung der Schüler*innen und Diagnostik.
3. Bewältigung von Disziplinproblemen.
4. Förderung sozialen Verhaltens.
5. Vermittlung von Lernstrategien.
6. Gestaltung des Unterrichts.
7. Leistungsmessung.
8. Nutzung von Medien.
9. Zusammenarbeit in der Schule und mit der Öffentlichkeit.
10. Selbstorganisation und fachdidaktische Kompetenzen der Lehrkraft
Berufsethos (Oser, 1998)
Berufsethos zeigt sich darin, wie Lehrkräfte Schüler*innen in schwierigen Situationen zu reflektiertem Verhalten bewegen können
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Was sind Bildung & Erziehung ?
• Erziehung: Prozesse, bei denen jemand „erzogen“ wird.
• Bildung: Prozesse, bei denen sich jemand „selbst bildet.“
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Bildungsbegriff
Humanitäre vs Realia
1. Bildung fördert demokratische Teilhabe, nicht Unterwerfung.
2. Bildung richtet sich nach Idealen (z. B. Menschenrechte).
3. Bildung betont Objektivität und Wahrheitssuche.
4. Bildung ist ein sozialer, konstruktiver Prozess.
5. Bildung befähigt den Umgang mit Kulturtechniken.
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Funktionen der Schule (nach Köck, 2005)
1. Qualifikationsfunktion.
2. Sozialisationsfunktion.
3. Enkulturationsfunktion.
4. Humanfunktion.
5. Integrationsfunktion.
6. Selektions- und Allokationsfunktion.
Die Schulpädagogik
• Beschäftigt sich mit:
• Theorie des Unterrichts.
• Lernvoraussetzungen und Methoden.
• Schulentwicklung und Evaluation.
Lernziele
Erwerb von Grundwissen in der Schulpädagogik zu:
1. Kindern und Lernen.
2. Schule und Bildungsphilosophie.
3. Lehrerprofession und Unterricht.
Pädagogisch angemessene Reaktionen auf Probleme (Mühlhausen)
● nicht mehr schematisch- routinenhaft
=> stattdessen: gefühlsbezogenes, fallsensibles Wahrnehmen und reagieren durch intuitive präkognitive Prozesse
(Potthast, Hoffmann)
Andere Sichtweisen:
● Reflektieren über Handlungsoptionen und durchdachtes handeln, nachdenken über Situation und alternative Handlungen
=> Schön: Stärkung der Reflexionsfähigkeit als zentrale Aufgabe der Ausbildung
● Reaktion Lehrer laut psych. Wissensforschung:
● nicht durch pro und contra Abwägung
=> Eher durch vorliegendes berufliches Expertenwissen „tacit Knowledge“ (nicht umständlich zu memorieren sondern Aktivierung durch Situation => z.B. hierarchisch aufgebauter
Entscheidungsweg in gedanklich aufgebauten Entscheidungsbäumen wird durchlaufen)
● Mühlhausen, Luhmann: nach und nach aufgebaute Ideensammlung (für bewältigungsstrategien) für typische Problemsituationen => Strategien werden Situationsadäquat
modifiziert
=> nicht schematisch wie beim routinebegriff
Außerdem:
● Improvisationen: Aus dem Stand Alternativplan entwickeln
● Schlagfertiges Reagieren: schnelles aufheben unangenehmer Situationen
Pädagogischer Takt:
● situationssensibles Abweichen vom Unterrichtsentwurf
1. päd. Takt als Zusammenspiel von feinfühligem Beobachten und unverzüglichem Reagieren:
● Doppeleinstellung: auf Stoff und auf Schüler gleichzeitig => nicht so im Stoff aufgehen, dass man die Wirksamkeit seines Tuns nicht mehr beobachten kann
● Schüler müssen egal ob es so ist oder nicht den Eindruck haben unter Beobachtung zu stehen
● „pädagogischer Takt“ als die Fähigkeit eines Lehrers, aufmerksam und sensibel auf das Verhalten und die Bedürfnisse der Schüler zu achten (feinfühliges Beobachten) und
gleichzeitig sofort und angemessen darauf zu reagieren (unverzügliches Reagieren) => flexibles Situationsgerechtes Handeln, um eine förderliche Lernatmosphäre zu schaffen
2. päd. Takt als Eigenart, von Schülern und der Unstetigkeit des Unterrichts Rechnung zu tragen:
● NICHT Schüler nach eigenen Vorgaben aufdringlich versuchen zu formen
● Zurückhaltung um des anderen Willen => Eigenart des Gegenüber respektieren
● Kindsein nicht gleich unfertigsein sondern Anderssein
● Taktvolles Handeln der Kinder wird erreicht durch das unabsichtliche vorleben des Lehrers (Vermeidung emotionaler Verletzungen, Wahrung der notwendigen Distanz,
Natürlichkeit des Lehrer-Handelns etc)
● unstetige Situationen (z.B. Problemsit.): Lehrer darf nicht starr am unterrichtsplan festhalten:
=> dramaturgische Fähigkeit: Falschverhalten von Schülern für stunde nutzen
=> Improvisatorische Gabe: Schülerbeiträge für Unterricht nutzbar machen (vorher nicht planbar)
=> Wagnis freier Arbeitsformen: z.B: individualisiertes lernen anstatt Frontalunterricht
3. päd. Takt als besondere pädagogische Sensibilität:
● Besondere Sensibilität des Lehrers für das Innenleben der Schüler
● Erkennen von Gedanken und Gefühlen der Schüler durch indirekte Hinweise (z.B. Gesten, Körpersprache)
● Richtige Interpretation der sozialen und psychologischen Bedeutung von Emotionen wie Schüchternheit, Frustration, Interesse
● Gespür für Maß und Grenzen: Wissen, wie weit man sich auf Situationen einlassen sollte oder Distanz wahren muss
● Intuitive Moral: Sofortiges Erkennen, was für das Wohl der Kinder pädagogisch sinnvoll oder richtig ist
Kounin (1970, dt. 1976): Unterrichtsqualität und „Withitness“
• Lehrer vermittelt Präsenz und zeigt, dass alle Schüler beobachtet werden
• Weitere Merkmale für erfolgreichen Unterricht:
• Reibungslosigkeit: Keine Unterbrechungen durch Lehrerfehler, die Schüler ablenken
• Überlappung: Eindruck, mehrere Aufgaben gleichzeitig bewältigen zu können
• Schwung: Vermeiden von unnötigen Verzögerungen, die den Arbeitsfluss stören
• Komplexität der Merkmale zeigt sich besonders aus Schülerperspektive
Eigenschaften des „guten“ Lehrers
● Spürensfähigkeit und Intuition
○ präkognitive Seite des Spürens (Erich Hoffmann): Spüren als unmittelbare, körperliche Selbstauskunft, Spüren kann nicht abgeschaltet werden und passiert immer
=> Reaktionen und Wahrnehmungen laufen routinemäßig ab
○ Gefühlsbotschaften bestimmen menschliches Handeln stärker als rationale Überlegungen: Denkprozesse bringen keine Definitiven Entscheidungen, sondern ziehen immer
wieder neue Überlegungen mit sich
○ Gefühle haben Priorität (vor rationalen Überlegungen), sonst keine Intuition
○ Intuition als noch nicht genauer erklärbare Fähigkeiten Situationen im Unterbewusstsein wahrzunehmen und auf sie zu reagieren (Myers), man spürt ohne nachzudenken,
worauf man achten muss
○ Aber: kann zu schlimmen Fehlentscheidungen führen
○ Adaptives Unbewusstes (Wilson): Reguliert im unbewussten ein Großteil der Beziehungen nach außen => Bewusstsein ist überfordert von allem was von außen kommt,
deswegen hilft das AU Sinneseindrücke zu sortieren, zu bewerten und dann sich optimal an der übermittelten Zustand anzupassen (=> vorranginge Bedeutung in der
Gefahrenabwehr => erst Intuition bzw. AU und nach Gefahrenabwehr erst Angst)
○ AU aber nicht vollkommen vom Bewusstsein abgekoppelt => wenn das Großhirn eingespannt ist, wacht eine andere Hirnregion über die Umgebung und reicht ggf.
Sinneseindrücke an das Großhirn weiter
○ Au kompensiert schwächen des Großhirns, ist diesem aber weit unterlegen (in der Auswertungstiefe) und kann zu Fehleinschätzungen führen => kann auch dazu führen,
dass Menschen durch ihre Gefühle geleitet plötzlich andere Meinungen vertreten als sie sonst würden
● Schnelles und und sicheres Reagieren => tacit Knowledge (Schlummerndes Wissen) und Expertenwissen
○ 1. Ausbildung von Expertenwissen mit zunehmender Berufserfahrung => Experten erfassen und lösen Probleme schneller als Anfänger
○ deklaratives Wissen (Theoriewissen aus dem Buch raus) reicht nicht, Experten wissen dieses aber besser einzusetzen auch wenn sie von der Art wissen vllt gleich viel haben
wie Novizen => Experten haben daher prozedurales Wissen (verdichtetes Wissen wie in best. Situationen vorzugehen ist) = tacit Knowledge, wird aktiviert, wenn gebraucht
(Anderson)
○ 2. nicht im Detail ausgearbeitete Entscheidungsbäume (siehe tacit Knowledge Folie 1) (Leinhardt, Greeno)
○ 3. kontextbezogenes Wissen wird erworben: z.B. zu Fachbegriffen keine abstrakten Definition sondern die Verbindung zu Personen und Situationen (Dreyfuss & Dreyfuss)
○ 4. Mit Hilfe von Wissen die Komplexität von Situationen reduzieren (Berliner, Gruber)
reflektierter Praktiker - nachdenken während dem handeln
○ (Schön): Experten sorgen während Problemsituationen für Zeit zum nachdenken (erreicht durch Wiederholungsschleifen und austesten von Handlungsvariationen)
(Überlegungen dazu wurden erst im Nachhinein auf Schule übertragen, davor z.B. bei Therapeuten getestet etc.)
○ mit sich selbst argumentierend das Potential anderer Handlungsmöglichkeiten ausloten
○ Überraschung => Diskrepanz => überlegtes Handeln um Diskrepanz zu verringern
○ z.B. überraschende Frage eines Schülers: Zeit verschaffen durch erneutes nachfragen oder Frage weiterreichen an
Mitschüler
Reagieren unter Rückgriff auf ein Repertoire situationsspezifisch zu adaptierender Reservepläne
○ Bildung von Reserveplänen (Entstanden aus Reflexion über schiefgegangene Situationen
=> was hätte ich besser machen können?)
○ Mehr Berufserfahrung => mehr Reservepläne / Bewältigunsstrategien
○ Reservepläne NICHT gleich Routinen, weil man die Pläne immer erst an die Situation anpassen muss
Improvisationsfähigkeit
○ unerwartete Schülerbeiträge für den Unterricht fruchtbar machen (Muth)
○ Arrangement (geplanter Unterricht) und Improvisation im stetigen Zusammenspiel (Meyer)
Schlagfertigkeit
○ sich von einer Situation nicht beeindrucken lassen (Reaktion z.B. mit Witz/Sarkasmus…)
○ Schlagfertigkeit als Geisteshaltung, bei der man Verbal-Attacken einem Typus zuordnet und dann aus einem Musterantwortenpool heraus reagiert (Pöhm)
Fazit
Lehrer:
alle genannten Reaktionstendenzen in sich gut, können aber auch schief gehen
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