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Entwicklungskontexte
Familie
Transformation der Eltern-Kind-Beziehung:
▪ Einerseits relativ gleichbleibend hohe Verbundenheit (Beziehungen während früher und später Adoleszenz korrelieren im Schnitt mit ca. r = .60)
▪ Andererseits v.a. während mittlerer Adoleszenz vermehrte und intensivere alltägliche Konflikte
▪ Zunehmende Individuation und Autonomie der Jugendlichen

Untersuchung der Familieninteraktionen in Abhängigkeit vom körperlichen Entwicklungstempo (Weichold et al., 2008):
→ Früh reifende Mädchen zeigten in später Adoleszenz ggü. der Mutter mehr Separationsbestrebungen als Mädchen mit normativer oder späterer Reife
→ Vermutlich Reaktion auf hohe Kontrollbestrebungen der Eltern aufgrund der frühen Pubertät und Autonomiebestrebungen der Mädchen
▪ Mit zunehmendem Alter und wachsender Autonomie nehmen Konflikte mit den Eltern ab
Entwicklungskontexte
Gleichaltrige (Peers)
▪ Wachsende Rolle von Beziehungen zu Peers
→ Gemeinsame Abgrenzung von Erwachsenen
→ Beziehungen gewinnen (auch aufgrund kognitiver Entwicklung) an Tiefe und Verbindlichkeit
▪ Zugehörigkeit bzw. Zuschreibung zu Gruppierungen durch andere gibt Jugendlichen einen Orientierungsrahmen und dient der Identitätsbildung (positiv wie negativ)
▪ Jugendkultur: „Gesamtheit der Werte, Orientierungen und Lebensstile Jugendlicher als soziale Kategorie in Absetzung von anderen Lebensstadien“ (Silbereisen & Weichold, 2018, S. 253)
▪ Wachsendes Bedürfnis nach vertrauensvollen Beziehungen außerhalb der Familie: enge Freundschaften
Entwicklungskontexte
Romantische Beziehungen
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Entwicklungskontexte
Schule
▪ Zentrales Thema Jugendlicher an weiterführenden Schulen: oft fehlende Passung zwischen wachsenden Fähigkeiten und Bedürfnissen nach Autonomie einerseits und Regeln/Vorgaben von Schule und Lehrkräften andererseits
▪ Zusätzliche Herausforderungen: Wechsel in Sekundarstufe, Konfrontation mit vielen verschiedenen Lehrkräften, stärkerer sozialer Wettbewerb, Abnahme der intrinsischen Leistungsmotivation
▪ „School Burnout“ (Salmela-Aro et al., 2009): Erschöpfung, Versagensangst
▪ Herausforderungen für Lehrkräfte: große Variabilität hinsichtlich des biologischen und kognitiven Entwicklungstempos sowie der Interessen und Motive der Jugendlichen
Körperliche Entwicklung
Säkulare Akzeleration
Säkulare Akzeleration = körperliche Veränderungen in der Pubertät verlagern sich zunehmend nach vorn
→ 1840 lag durchschnittliches Menarchealter bei 17 Jahren,
heute etwa bei 12,5 Jahren

Woran könnte das liegen?
▪ Eiweißreichere, kalorienreichere Ernährung
▪ Verbesserte allgemeine Umweltbedingungen
▪ Verbesserte medizinische Versorgung (v.a. in den Industrieländern)

Warum ist das u.U. problematisch?
▪ Äußerlich sichtbarer körperlicher Entwicklungsstand entspricht nicht unbedingt der emotionalen, kognitiven und sozialen Reife
▪ Umwelt reagiert jedoch vorwiegend auf körperliche Entwicklung
Körperliche Entwicklung
Individuelle Akzeleration und Retardierung
▪ Große Unterschiede hinsichtlich des zeitlichen Verlaufs der körperlichen Entwicklung
▪ Jeweils ca. 15 % der Jugendlichen als frühreifend (Akzeleration) oder spätreifend (Retardierung) charakterisiert
▪ Großer genetischer Einfluss, aber auch Einfluss der Ernährung oder psychosozialer Merkmale des Umfelds

Auswirkungen von Früh- und Spätreife:
Abweichungshypothese: Erleben als von der Mehrheit abweichend führt zu Anpassungsproblemen
Entwicklungsschlusshypothese: v.a. Frühreife führt zu Überforderung und Problemverhalten
▪ Spätreifende sind unausgeglichener und unzufriedener (negativeres Selbstkonzept), teilweise Substanzkonsum oder delinquentes Verhalten als Kompensation
▪ Frühreifende zeigen höhere Neigung zu internalisierendem und externalisierendem Problemverhalten → langfristig übernehmen sie eher soziale Erwachsenenrollen und sind trotz Belastungen integer und kompetent
▪ Belastungen insgesamt bei Frühreife ausgeprägter als bei Spätreife und bei Mädchen ausgeprägter als bei Jungen
Kognitive Entwicklung
▪ Anstieg der Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit
▪ Automatisierung von Denkprozessen (z.B. Nutzung von Heuristiken bei Urteilsbildung und Entscheidungen)
▪ Aneignung von Wissen, Zunahme von fluider und verbaler Intelligenz
▪ Vergrößerung metakognitiven und Strategiewissens (Planung, Regulation, Kontrolle)
▪ Anstieg der Arbeitsgedächtniskapazität aufgrund effektiverer Verarbeitungsstrategien
▪ Verbesserungen der Aufmerksamkeit
→ In den meisten der genannten Bereiche (wie z.B. auch bei der fluiden Intelligenz) scheint der Höhepunkt mit etwa 17 Jahren erreicht
→ Neuronale Veränderungen (z.B. Veränderung der Gehirnstruktur, Entwicklung des präfrontalen Kortex)
Kognitive Entwicklung
Reifungsprozesse im Präfrontalen Kortex (PFC)
▪ Zuständig für exekutive Funktionen und Emotions-, Impuls- und Verhaltenskontrolle, soziale Anpassung, Entscheidungsfindung usw.
▪ Reifungsprozesse im PFC erst im frühen Erwachsenenalter
▪ Auswirkungen:
▪ Stimuli werden emotionaler verarbeitet
▪ Intensivere Emotionen v.a. bezüglich romantischer Liebe
▪ Insgesamt Abnahme positiver Gefühlszustände in Adoleszenz
▪ Stimmungsschwankungen und Anpassungsschwierigkeiten
▪ Bei Männern Zusammenhang von Testosteron und antisozialem Verhalten
Suche nach eigener Identität = Leitthema der Jugendzeit
Identität = „Art und Weise, wie Menschen sich selbst aus ihrer biografischen Entwicklung (Biografie) heraus in der ständigen Auseinandersetzung mit ihrer sozialen Umwelt wahrnehmen und verstehen.“

▪ verläuft in zwei Richtungen:
- Nach innen: „Wer bin ich?“, „Wer will ich sein?“
- Nach außen: „Wie sehen mich die anderen?“, „Wie unterscheide ich mich von anderen?“

▪ Selbstbeschreibungen von Jugendlichen werden zunehmend differenzierter und organisierter, z.B.
- hinsichtlich des Selbst in verschiedenen Kontexten
- Differenzierung von Realbild und Idealbild
- Differenzierung Selbstsicht vs. Fremdsicht

▪ Ziel: „Identität, die auf einer persönlichen und selbstgeschaffenen Kombination verschiedener sozialer Identitäten und Rollen beruht“ (Silbereisen & Weichold, 2018)

Stadien der Identitätsentwicklung nach Marcia (1996)
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Kennzeichen der 4 Stadien nach Marcia
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Was sind mögliche Einflüsse auf die Identitätsentwicklung?
▪ Elternhaus und Erziehung:
- Autoritäre oder sehr behütete Erziehung führt eher zu übernommener Identität
- Mindestens ein Elternteil „offen“ führt häufig zu erarbeiteter Identität (v. a. wenn die Eltern „warm“ und „hilfsbereit“ sind)
▪ Früher Drogenmissbrauch kann sich negativ auf die Identitätsentwicklung auswirken
▪ Einfluss durch Peergruppen und soziales Umfeld
▪ Historischer Kontext wirkt modulierend
Delinquenz
▪ Jugendtypische Delikte: Diebstahl, Raub, Körperverletzung,
Verstöße gegen das BtMG, Sachbeschädigung

Entwicklungstypologie für jugendliches Problemverhalten (Moffitt, 1993)
1. Auf das Jugendalter begrenzte Delinquenz (etwa 90%)
▪ Ziel: Ansehen unter Peers
▪ Bei Übernahme von Erwachsenenprivilegien (z.B. Arbeit) sinkt Delinquenz
2. Langfristige Auffälligkeit (etwa 10%):
▪ Wechselspiel von frühen Ursachen (Anpassungsprobleme, Impulsivität) und Umwelt (belastete Familie, Ablehnung durch Peers)
Positive Jugendentwicklung
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