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Haven't started30

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Haven't started (30)

Grundgrößen des Spracherwerbs, notwendige Bedingungen

Sprachverarbeiter/ Sprachlernvermögen

Zugang/ Input/ Interaktionssituation

Antrieb/ Motivation

Grundgrößen des Spracherwerbs, beobachtbare Größen

Geschwindigkeit

Verlauf

Endzustand

Unterteilung Sprachverarbeiter

biologische Gegebenheiten

Vorwissen

biologische Gegebenheiten

Zentrale Organe → Teile des zentralen Nervensystems, die für die Steuerung von Wahrnehmung, Gedächtnis und Kognition verantwortlich sind

Periphere Organe → Artikulationsapparat (vom Kehlkopf bis zu den Lippen) → gesamter Gehörtrakt

 

biologische Gegebenheiten = angeboren

Vorwissen bei L1- Erwerb

→ Universalgrammatik? (z.B. Chomsky)

→ interaktionistische Ansätze (z.B. Tomasello): Annahme einer UG nicht notwendig, Spracherwerb kann durch allgemeine Lernprozesse und die Entwicklung sozialer und kognitiver Fähigkeiten erklärt werden

Vorwissen bei L2- Erwerb

→ Universalgrammtik??

→ L1-Wissen, ggf. L2-Wissen in anderen Sprachen, Wissen über L1 beeinflusst weiteren Spracherwerb

→ Metawissen, d.h. Wissen über die L1 oder L2

→ Welt- und Faktenwissen, Umgang mit Sprache, Kommunikation

Zugang

Sprachlicher Input

→ physikalisch gesehen: Schallstrom, der ans Ohr trifft

→ muss segmentiert und interpretiert werden (Laute, Wörter, Sätze, Bedeutungen)

+ Kontextinformationen

→ Sprechsituation

→ Gesten, Reaktionen, Handlungen, sprich: Interaktion!

Antrieb/ Motivation

Soziale Integration / Erwerb einer sozialen Identität

→ zentraler Antriebsfaktor im ESE

→ bedeutsam im kindlichen ZSE

→ Rolle im ZSE Erwachsener?

Kommunikative Bedürfnisse / Wunsch nach Verständigung

→ zentral im ESE und ZSE

→ aber: keine perfekte Sprachbeherrschung notwendig

Einstellungen und Ziele

→ emotionale Haltung zur L2-Sprachgemeinschaft

→ persönliche / berufliche Ziele

Bildung

→ Sprache als Bildungsgut (z.B. Latein, klassisches Arabisch)

Geschwindigkeit

→ Erwerbsprozess insgesamt

→ unterschiedliche sprachliche Teilbereiche (z.B. Lexikon, Grammatik)

 

Verlauf

→ Reihenfolge, in der sprachliches Wissen / konkrete Strukturen erworben werden

→ Reanalyse und Reorganisation bereits vorhandenen sprachlichen Wissens

Endzustand

→ Zeitpunkt, an dem im Sprachwissen und im sprachlichen Verhalten keine nennenswerte Fortschritte mehr stattfinden

→ meist an Grammatikkompetenz gemessen

→ meist am sprachlichen Verhalten monolingualer / muttersprachlicher erwachsener Sprecher gemessen

Einflussfaktor Alter

auf Sprachverarbeiter und Antrieb

Annahme einer „Kritischen Periode“ für den Spracherwerb

Die „Critical Period Hypothesis“ (CPH)

Annahme: genetisch angelegtes neuronales Reifeprogramm

Reifeprogramm = Lateralisation des Gehirns

Gehirn verliert Durchlässigkeit und Formbarkeit und damit auch die Fähigkeit zur Reorganisation sprachlichen Wissens

sprachliche Informationen können ungesteuert nicht mehr mit der gleichen Effektivität verarbeitet werden wie vor dem Reifeprozess

Pubertät als Grenze für erfolgreichen Spracherwerb; muttersprachliche Kompetenz in der L2 kann danach nicht mehr erreicht werden

(negativer) Einfluss vor allem auf Endzustand, aber auch auf Geschwindigkeit und Erwerbsverlauf

Widerlegen der CPH

Gegenevidenz: Sprecher, die trotz (AzE) Alter zu Erwerbsgewinn nach Pubertät muttersprachliche Kompetenz in der L2 erreicht haben

auch unter „Laborbedingungen“: → erwachsene L2-Lerner mit AzE nach Pubertät, L1 Englisch, Russisch oder Niederländisch

außerdem: heutige Annahme: Lateralisation des Gehirns bereits zwischen 4. und. 6. Lebensjahr abgeschlossen

Studien zum Altersfaktor

1. Eine von Muttersprachlern ununterscheidbare Sprachkompetenz kann auch von erwachsenen L2-Lernern erreicht werden, wobei dies eher die Ausnahme ist.

2. Insgesamt gibt es eine negative Korrelation zwischen dem Alter zu Erwerbsbeginn und dem Endzustand des L2-Erwerbs.

3. Bei frühen L2-Lernern ist unter vergleichbar guten Erwerbsbedingungen ein hohes Maß an Homogenität der Endzustände zu beobachten (sehr oft muttersprachliche Kompetenz).

4. Bei erwachsenen L2-Lernern ist ein hohes Maß an Heterogenität der Endzustände zu beobachten.

Offene Fragen nach Studien zum Altersfaktor

1. Warum erwerben Kinder eine Zweitsprache tendenziell erfolgreicher als erwachsene Lerner?

2. Warum sind unter erwachsenen Lernern (anders als bei Kindern) große Unterschiede im Endzustand des Spracherwerbs zu beobachten?

Beantwortung der offenen Fragen nach Studien zum Altersfaktor

antriebsbasierter Erklärungsansatz

Zusammenhang zwischen Alter, Identifikationsbedürfnis und Spracherwerb

Erwachsene erreichen weniger fortgeschrittene Erwerbszustände als Kinder, weil sie aufgrund einer bereits mit der Erstsprache gefestigten sozialen Identität den Kompetenzgrad früher Lerner nicht mehr erreichen wollen/ müssen

antriebsbasierter Erklärungsansatz nach Pagonis 1

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antriebsbasierter Erklärungsansatz nach Pagonis 2

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sprachliche Ökonomie

Mensch als homo oeconomicus 

Vermeidung von Ressourcenverschwendung

Man lernt nur, was man braucht

Einflussfaktor L1

Teil des Vorwissens

--> Teil des Sprachverarbeiters

positiver L1 Transfer

- Wortstellung

- grammatische Kategorien: Kasussprache als L1 erleichtert Erlernen einer Kasussprache als L2 durch höhere Sensibiltät für morphologische Markierungen und deren Funktion

negativer L1 Transfer

- Wortstellung

- Lexikon: „falsche Freunde“

Positiver UND negativer Transfer

→ tritt oft dort auf, wo oberflächlich betrachtet gewisse Gemeinsamkeiten bestehen; feinere Unterschiede werden dann oft nicht bemerkt

→ z.B. im Bereich der englischen und der deutschen Vergangenheitstempora (Präteritum / simple past, Perfekt / present perfect)

→ deutliche Ähnlichkeiten in Formeninventar und Formenbildung

→ ABER Unterschiede in Bedeutung und Verwendungsweise

VO- Sprache

Verb- Objekt

Verb steht links von Komplementen

Verbphrase ist kopfinitial

Bsp. Englisch

OV- Sprache

Objekt - Verb

Verb steht rechts von Komplementen

Verbphrase ist kopffinal

Bsp. Deutsch

Verbstellung im Deutschen

finites Verb an 2. Position im deutschen Aussagesatz

infinite Verben / Verbbestandteile stehen satzfinal

 

Vorgehen von Lernern beim L2 Erwerb der deutschen Verbstellung

1.     L1 Russisch, VO

a.      Beginn mit scheinbar korrekten SVO-Stellungen

b.     Allerdings deutliche und lang anhaltende Probleme mit der Realisierung der Verbklammer / OV-Stellung

c.      Deutliche und lang anhaltende Probleme bei der Verbendstellung im Nebensatz

d.     Vergleichsweise langsamer Erwerb der deutschen Verbstellung und Satzbaumuster

 

2.     L1 Türkisch, OV

a.      Beginn mit scheinbar inkorrekten SOV-Stellungen

b.     Variation zwischen SOV und SVO in Aussagesätzen

c.      schnelle Festigung der SVO-Stellung im Aussagesatz, problemloser Erwerb der Verbklammer

                                                    i.     hierbei interessante „Übergangskonstruktion“

d.     problemloser Erwerb der Verbendstellung in Nebensätzen

Einfluss der L1-Wortstellung auf den L2-Erwerb

Prinzipiell keine Übertragung von L1 Wortstellung auf L2

Übertragung nur dann, wenn sich im L2-Input Evidenz für die L1-Wortstellung zeigt

Problem bei Übertragung von L1- Wortstellung

Deutsche Inputdaten sind strukturell ambig, es gibt in der Oberflächenstruktur VO-Stellungen und OV- Stellungen vor à Sowohl Sprecher einer VO- Sprache als auch Sprecher einer OV-Sprache übertragen die L1-Wortstellung in frühen Erwerbsphasen auf die L2 Deutsch

 

Die Erstsprache, konkret, die L1-Wortstellung, hat vor allem Einfluss auf den Verlauf und auch auf die Geschwindigkeit des L2-Erwerbs, nicht jedoch auf den Endzustand

Erwachsene Lerner erreichen meist kein Muttersprachlerniveau, können aber in der Zielsprache kommunizieren