Akrostichon
ein aus den ersten Buchstaben (Silben, Wörtern) aufeinanderfolgender Verse oder Strophen gebildetes Wort (oft ein Name, auch ganze Sätze).
Anagramm
Umstellung der Buchstaben eines Wortes, eines Namens oder einer Wortgruppe zu einer neuen, i.d.R. sinnvollen Lautfolge
Dinggedicht
Lyrischer Text, der ein sinnlich konkretes Objekt (Alltagsgegenstand, Pflanze, Tier, Kunstwerk etc.) zum Gegenstand hat und meist von einer distanziert-unpersönlichen Kommunikationssituation geprägt ist.
Distichon
Auch: elegisches Distichon. Plural: Distichen. Aus einem Hexameter und einem Pentameter gebildete metrische Einheit, die in Elegien und Epigrammen (dort als alleinstehendes Verspaar, vgl. die "Xenien"von Goethe und Schiller) auftritt.
Elegie
Aus der Antike stammende lyrische Subgattung: (1) formale Definition: ein in Distichen verfasstes Gedicht, das sich durch seinen besonderen Umfang vom Epigramm unterscheidet, welches häufig nur aus einem Distichon besteht. Die längere Elegie kann - muss aber nicht - strophisch gegliedert sein. (2) inhaltliche Definition: a) sanfte, erhaben melancholische oder resignative Klage (auch Totenklage) oder b) Liebesgedicht in der Tradition der lateinischen erotischen Elegie.
Epigramm
Lyrische Subgattung, die durch Originalität, Prägnanz und scharfsinnig-antithetische, oft satirische Zuspitzung charakterisiert wird. Das E. besteht häufig aus einem einzigen elegischen Distichon, doch auch Varianten aus mehreren e.D. und aus anderen Versformen treten auf. Der Begriff wird auch für formal freiere, reflexiv ausgerichtete, pointierend-kurze Gedichte angwandt, die den Charakter eines "Sinngedichts" haben.
Erlebnisdichtung
Kaum noch gebräuchlicher Begriff, der in der geistesgeschichtlichen Literaturwissenschaft ein literarisches Werk bezeichnete, das ein vermeintliches "Erlebnis" des Autors ausdrückt (z.B. die Lyrik des jungen Goethe). Heute wird "Erlebnis" nur noch als eine im Text aufgebaute Fiktion und die "Erlebnisdichtung" allenfalls als ein möglicher Erwartungshorizont von Lesern verstanden.
Figurengedicht
Gedicht mit semantisierter graphischer Gestaltung der Textoberfläche.
Gelegenheitsdichtung
Sammelbezeichnung für literarische Werke, die zu einem bestimmten Anlass verfasst werden.
Ghasele
Die Ghasele (oder das Ghasel) ist eine aus dem Arabischen und Persischen stammende formstrenge Gedichtform, die sich, bei variabler Länge, äußerlich durch ihre besondere Reimung definiert: Mit den ersten beiden Versen wird ein Paarreim gebildet, der dann, jeweils von einer Waise unterbrochen, als Monoreim durch das gesamte Gedicht beibehlaten wird.
Haiku
Das Haiku ist eine dreiversige lyrische Kurzform japanischer Herkunft. Die drei zeilen bestehen genau aus 5, 7 und 5 Silben. Es dient zur prägnanten Gestaltung von Sinneseindrücken oder Gedanken oder der Kombination aus beidem: ein von einem Natureindruck ausgelöster Gedankenblitz wird dargestellt. Es begegnet auch in weniger strengen, aber immer dreiversigen Formen.
Hymne
Feierlich-erhabene lyrische Gattung in hoher Stillage, meist in freien Rhythmen, nahe verwandt mit der Ode.
Konkrete Poesie
Dichtung, die Sprache als Material zum Thema macht. Nimmt in Opposition zu traditionallen Schreib- und Lesegewohnheiten Buchstaben, Silben, Wörter - oftmals losgelöst von Semantik und Syntax - als Ausgangspunkt künstlerischer Gestaltung, um darasu Textsorten zu gestalten, in denen spezielle typographische, akustische oder visuelle Präsentationsweisen dominieren, Ab ca. 1950 eine von dadaismus und Futurismus beeinflusste Richtung der internationalen experimentellen Poesie, in der die Mitteilungsfunktion zugunsten von Selbstreferenzialität stark zurücktritt oder ganz verschwindet.
Lied
Lyrische Subgattung, deren charakteristsiche Sangbarkeit über die gewohnte Musikalität eines Gedichts hinausreicht: Lieder im engeren Sinne sind lyrische Texte, die tatsächlich gesungen werden oder zumdest gesungen werden könnten. In den meisten Fällen bestehen sie aus metrisch regulierten und gereimten Versen, die zu häufig vierzeiligen Strophen zusammengefügt sind. Im ursprünglichen Volkslied, aber auch in seinen künstlerischen Nachahmungen, begegnen häufig unreine Reime, Assonanzen oder unvollständige Reime. Daneben gibt es die Sonderform des die Sangbarkeit lediglich imitierenden "lyrischen Liedes": ein "Genre des Gedichts, das sich formal in die Tradition der gesungenen Strophenlieder früherer Jahrhunderte stellt, ohne selbst auf Gesang oder Musik bezogen bzw. angewiesen zu sein." (RL) Neuere Formen: Song, Chanson, Schlager.
lyrisches Ich
Bezeichnung für die grundsätzlich vom Autor zu unterscheidende Stimme/Sprechinstanz in einem lyrischen Text. In der neuen Lyriktheorie ein umstrittener Begriff, dessen Gebrauch von der Präsenz eines artikulierten Ichs (greifbar durch Personalpronomina, direkte Anrede eines Du, etc.) abhängig gemacht werden sollte.
Musikalität
Charakteristische Eigenschaft lyrischer Texte, die primär durch Metrum und Reim, aber auch generell durch die Klangfarben von Vokalen und Kononanten, explizite Onomatopoesie oder repetitive Stilfiguren (Anapher, Alliteration etc.) hervorgebracht werden kann.
Ode
Aus der Antike stammende, liedhafte Gedichtform, deren Strophenbau in den verschiedenen historischen Ausprägungen variiert, aber stets strengen Formkritereien unterworfen ist. Als besonders hohe Form literarischen Sprechens (Lob- und Preisgesang) dem genus grande zugehörig, Verwandtschaft zur Hymne.
Prosagedicht
Nicht in Versform sondern in Prosa verfasster text mit dominant lyrischen Eigenschaften (sprachliche Verdichtung, Musikalität, besondere Bildhaftigkeit etc.)
Rollengedicht
Gedicht, dessen Sprechinstanz explizit oder implizit als eine typisierte oder individualisierte Rolle erscheint, z.B. "Der Spinnerin Nachtlied" (Bretano) oder "Der Einsiedler" (Eichendorff).
Romanze
(1) in der silbenzählenden spanischen Literatur ein Erzähllied aus achtsilbigen Versen, die häufig assonierende Klangformen aufweisen (2) in der deutschen Literatur ein Erzähllied aus trochäischen Vierhebern, die sich zur Romanzenstrophe verbinden. Der Begriff wird nahezu synonym mit "Ballade" verwendet, die Romanze ist jedoch häufig kürzer und stärker lyrisch ausgerichtet (z.B. Goethes "Heidenröslein").
selbstrefrenzielle Lyrik
Lyrische Subgattung, die die durch ihre explizite oder implizite Beschäftigung mit - im weitesten Sinne - literarischen Themen charakterisiert ist. Auch "poetologische Lyrik" genannt, insbesondere wenn es in de texten um literarisches Selbstverständnis und ästhetische Konzepte geht.
Sonett
Lyrische Subgattung, die immer 14 Verse umfasst und in ihrer deutschen Ausprägung durch eine doppelte Zweiteilung in zwei Quartette und zwei Terzette definiert ist, die häufig mit einer inhaltlichen Antithetik einher geht. Das typische Sonett der Barockzeit ist durch die Versformen Alexandriner mit Mittelzäsur oder Endecasillabo und das Reimschema abba abba ccd eed charakterisiert, das Shakespearsonett besteht aus drei Quartetten mit abschließendem Verspaar.
Song
An anglo-amerikanischen Vorbildern orientierte, meist strophisch und mit Refrain verfasste Liedform, die seit den 1920er Jahren in Deutschland produktiv wird.
Stanze
Strophen- und Gedichtform, die sich aus acht jambischen Fünfhebern in der Reimordnung abababcc zusammensetzt.
Terzinen
Eine Folge von aus drei Versen bestehenden Strophen, die im Kettenreim (aba bcb cdc ...) miteinander verbunden sind und von einem Einzelvers (z.B. ... yzy z) abgeschlossen werden. Nicht zu verwechseln mit "Terzett".