Flashcards in the set

Haven't started (17)

Strukturelle Grundelemente, Fundamente und "Wurzeln" der Herrschaft

  1. Patrimonium und Allodien
  2. Grafschaftsrechte ("comitate")
  3. Personenklientel ("Dienstmannschaften, Ministerialen)
  4. Vogteirechte ("advocati")
  5. Herzogsrechte (Dukatsrechte)

Patrimonium und Allodien

  1. "privater Besitz" --> als materielles Fundament von Besitz und Herrschaft
  2. verstetigtes "Lehen" (bspw. Jagd-, Berg- oder Schürfrechte)


--> Zwei wesentliche tragende Faktoren

  1. Grundherrschaft (Abgaben, Fron für Schutz, Mundt)
  2. Niedere Gerichtsbarkeit


Regionale Schwerpunkte der Wittelsbacher zwischen Lech, Isar und Donau sowie nördlich von Regensburg um Lengenfeld.

Grafschaftsrechte ("comitate")

  1. Hoch- / Blutgerichtsbarkeitsrechte
  2. öffentlich-rechtliche Funktion


Vogteirechte

  1. "ecclesia non sitit sanguinem" - daher für Blutgerichtsfälle weltliche "advocati" zuständig
  2. Eigentlich auf Zeit verliehene Rechte --> aber Verstetigung
  3. Nicht bei Bischöfen --> "confoederatio cum principibus ecclesiasticis" 1220 = "Entvogtung"


Wichtige Vogteien der Wittelsbacher: bspw. Klöster Scheyern, Weihenstephan, Ensdorf und zeitweise Hochstift Freising

Grundherrschaft

"geteiltes Eigen" mit gegenseitigen, allerdings hierarchischen Abhängigkeiten:

  • Obereigentum (Grundherren = Adel, Klöster) vs. Nutzeigentum (Grundholde = Bauern)
  • unterschiedliche Qualitätsformen der "Grundleihe"
  • Abgaben (Geld, Naturalien) und Dienst (Fron) dafür Schutz und Mundt


Personenklientel

  • frühe "Personenverbände" --> Loyalitätsnetzwerke, Bedeutung der "familia"
  • Entwicklungslinien der "ministeriales" --> erst "Unfreie", aber mit hervorgehobenen (rittermäßigen) Diensten, Loyalitäten und besonderem Schutz des Herren; später Aufstieg zu Niederadeligen ("milites" / Ritter)

Herzogsrechte (Dukatsrechte)

"relativ unscharf"

  • Hochgerichtsbarkeit
  • Grenzsicherung (Marken)
  • Landfriedensbewahrung
  • Zuarbeit zu "Reichsverband" (bspw. militärische Aufgebote)

"Statutum in favorem princibus"

  • 1231 --> Reichsrechtliche Bestimmung und wichtiger Entwicklungsschub
  • Festigung der Grafschafts- und Herzogspositionen - "domini terrae" (Regalienrecht/Bergregal, Delegationsrecht für Richter)

Entscheidende Motoren und Katalysatoren der Herrschaftsbildung

  • Königsnähe (v.a. Staufer, zeitweise Welfen)
  • Dynastensterben (Italienzüge, Kreuzzüge, Fehden, konnubiale Inzucht, Eintritt in geistlichen Stand)
  • Übernahme und Konzentration der "fremden" Besitz-/Herschaftstitel


Etappen und Beispiele von Herrschaftsausgriff

  1. geschickte Heiratspolitik und Erbe: Grafen von Bogen (Ludwig I., der Kelheimer + Ludmilla von Böhmen)
  2. Königsnähe, militärische Drohung und Erbe: Grafen von Andechs-Meranien
  3. Verträge: Grafen von Sulzbach
  4. militärisches Eingreifen: Grafen von Wasserburg
  5. Kauf: Grafen von Frontenhausen


Instrumente bleibender Herrschaftsverdichtung

  1. Institutionalisierung nach Innen
  2. Fundamente (bspw. Patrimonium, Allodien, Vogteirechte, Erblichkeit des Dukats 1208)
  3. Gründungen von herzöglichen Städten (besonders aktiv: Ludwig I., der Kelheimer + Ludwig IV., der Bayer: Landshut, Straubing, Ingolstadt, Landau an der Isar usw.
  4. enge Kooperation mit Klöstern und adeligen Kleinherrschaften
  5. Landfriedensschutz und Landrecht
  6. Am wichtigsten: erste Ansätze einer auf Dauer angelegten Verwaltungsstruktur

erste Ansätze einer Verwaltungsstruktur

  • Netz von Gerichtsbezirken
  • erste Verwaltungs- und Steuerbezirke
  1. Unter-/Außenbehörden (bspw. Landricchter, Landpfleger, Mautner, Zöllner)
  2. Mittelbehörden (vicedominatus/Vizthum): seit 1225 vier regionale Einheiten (München, Straubing, Lengenfeld, Pfarrkirchen); Rentämter mit Rentamtsmeistern und -kassen (=erste Art von Regierungsbezirken)
  3. Zentralregierung: Herzogliche Kanzlei, Herzoglicher Rat, Hofämter (bspw. Hofmeister, Kammermeister)

Grenzen herzoglichen Zugriffs: "Exterritoriale" Eigenbereiche

  1. Hoch-/Erstifte (bspw. Freising, Augsburg, Regensburg, ferner Reichsabtei Waldsassen)
  2. (Wenige) eigenständige Reichsministerialen/Reichsgrafen: Pappenheimer, Ortenburger
  3. Reichsstadt Regensburg (auch Nürnberg, Augsburg)

Gründungsdokumente

  1. Vohburger Urkunde: 1293, erstmals Definition "landsässiger Adel"
  2. Schnaitbacher Urkunde: 1302 Privilegien für oberbayerische Landstände - ständisches Steuerbewillungsrecht + Widerstandsrecht bei herzoglichen Rechtsverletzungen (aufgrund finanzieller Schwierigkeiten Herzöge Rudolf I. und Ludwig IV. wegen Kriegsführung)
  3. Ottonische Handfeste: 1311 Privilegien für niederbayerische Landstände - Kriegssteuer + Niedergerichtsbarkeit + Steuerbewilligungsrecht

Ausformung und praktische Umsetzung des politischen Ständetums bzw. des Landtagsprocedere in Bayern

festgelegtes Verfahren + Zusammensetzung

  • Klerus (Prälaten)
  • Adelige Ritterschaft
  • Städte und gefreite Märkte

Ursprünge und Herausbildung des politischen Ständewesens + öffentlich-rechtliche Kompetenzen "Korporativrechte"

Ursprünge:

  • außergewöhnlicher Finanzbedarf des Fürsten (bspw. Kriegsführung)
  • Rückendeckung
  • Gegenleistung (Gerichtsbarkeitsrechte / Hofmarksrechte)


Kompetenzen:

v.a. Steuerbewilligungsrecht (auch zum Teil Steuerverwaltung/ Steuereintreibung)

Vergleich Reichstände vs. bayerische Landstände

Reichstände:

  1. Kurfürstenrat (3 x geistliche + 4 x weltliche Kurfürsten nach Goldener Bulle 1356)
  2. Fürstenrat (hohe geistliche und weltliche Reichsstände)
  3. Städterat (Reichsstädte, bspw. Regensburg)

Landstände:

  1. Klerus (Prälaten)
  2. Adel
  3. Städte und Märkte (sofern Niedergerichtsbarkeit)