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Haven't started (78)

Kritik an der Hypothese allzeit effizienter Märkte

Informations-Asymmetrien (Insider-Wissen, Expertenwissen, Einfluss von Medien) bleiben in der „Efficient Market Hypothesis“ (EMH) ebenso ausgeklammert wie die Folgen von Herde-Verhalten

Kurse reflektieren nicht nur Informationen, sondern auch die (notwendigerweise subjektive, spekulative) Gewichtung von Erwartungen; es entsteht ständig neues „Erwartungs-Wissen“ über Konjunkturindikatoren, Einkaufsmanagerindex etc. – und über das vermutete Verhalten der anderen Marktteilnehmer (vgl. Erkenntnisse der „Behavioral Finance“)

Die Ausrichtung der Finanzierungspraxis am Modell des permanenten Marktgleichgewichtes birgt überdies die Gefahren

  • Der Vernachlässigung institutioneller Besonderheiten
  • Des Ausblendens systemischer Risiken (z.B. Ausfall der Zwischenbanken-Liquidität nach Insolvenz der Investmentbank der Lehman-Brothers im September 2008)
  • Der Überbewertung marktabhängiger Stellgrößen (Ansatz von Marktwerten in der Bilanzierung)

Erklären sie den Begriff der Intermediation! Welche Ausprägungen der Intermediation sind geläufig?

Im Unterschied zu Kapitalmärkten, wo es mittels unterschiedlicher Instrumente zu direkten Mittelflüssen zwischen dem Kapitalgebern und Kapitalnehmer gibt, übernehmen Banken die Rolle eines Intermediärs. Sie sind also das Verbindungsstück zwischen Kreditnehmern und Kreditgebern.

Sie stellen also eine effiziente Verbindung zwischen Kapitalgebern und -nehmern her, die mit entsprechenden Transaktionskosten verbunden.

Neue Technologien führen zu neuen Formen der Intermediation, jenseits der klassischen Banken und Kapitalmärkte (-> Fin-Tech) ein Beispiel hierfür wäre Crowdfunding

Was ist im Zusammenhang mit Veranlagung bzw. Asset-Management unter dem Begriff des „magischen Dreiecks“ zu verstehen?

Das "magische Dreieck" verdeutlicht die Wechselwirkung zwischen Rendite, Risiko und Liquidität bei der Portfolioverwaltung. Das Ziel besteht darin, ein Gleichgewicht zw. diesen 3 Komponenten zu finden, um die individuellen Anlageziele und -bedürfnisse des Anlegers bestmöglich zu erfüllen

  • Je höher die Rendite desto besser, aber oft geht mit einer hohen Rendite ein höheres Risiko einher. Das Ziel ist es also, ein angemessenes Risikoniveau zu halten, das mit den Renditeerwartungen und den individuellen Risikotoleranzen der Anleger übereinstimmt
  • Ein ausgewogenen Portfolio berücksichtigt die Liquiditätsanforderungen, um kurzfristige Bedürfnisse zu decken, während gleichzeitig langfristige Renditeziele verfolgt werden

Was ist unter "Kapitalstrukturmanagement" im Zusammenhang mit der Unternehmensfinanzierung zu verstehen?

Das Kapitalstrukturmanagementzielt darauf ab, die optimale Mischung aus Eigenkapital und Fremdkapital zu bestimmen, um die Kosten des Kapitals zu minimieren und den Unternehmenswert zu maximieren. Ein effektives Kapitalstrukturmanagement trägt zur langfristigen finanziellen Gesundheit und Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens bei.


Die Optimierung der Vermögens- und Finanzstruktur ist bestmöglich mit Entscheidungen über den optimalen Einsatz an Finanzierungsinstrumenten von Banken (Kredite, Haftungen, ...) und Kapitalmärkten (Aktien, Anleihen, Derivate) zu kombinieren

Nennen Sie die wesentlichen Unterscheidungsmerkmale von Eigenkapital und Fremdkapital zur Finanzierung von Unternehmen sowie die jeweils meistgebrauchten Finanzierungsinstrumente in beiden Kategorien! 

Fremdkapital bezieht sich auf die Geldmittel, die von einer externen Quelle, wie beispielsweise Banken, Anleihegläubigern oder anderen Kreditgebern zur Verfügung gestellt werden, um die finanziellen Bedürfnisse eines Unternehmens oder einer Person abzudecken.

Im Gegensatz zum Eigenkapital, das aus Investitionen der Eigentümer oder Aktionäre stammt, muss Fremdkapital in der Regel zurückgezahlt werden, oft zusammen mit Zinsen oder anderen Kosten

Es kann bei beiden Finanzierungsmöglichkeiten in Außen- und Innenfinanzierung aufgeteilt werden.

  • Außenfinanzierung bei der Fremdfinanzierung geschieht durch Kreditfinanzierung, also durch das Hereinholen von Bankkrediten, Emissionen von Anleihen oder durch Schuldscheindarlehen
  • Außenfinanzierung bei der Eigenfinanzierung geschieht durch Beteiligungskapital wie etwa die Emission von Aktien oder der Einlage von Eigenkapital
  • Innenfinanzierung bei der Fremdfinanzierung geschieht durch Rückstellungen wie Pensionsrückstellungen und Steuerrückstellungen
  • Innenfinanzierung bei der Eigenfinanzierung ist die Gewinnfinanzierung, die Finanzierung aus Vermögensumschichtungen und die Finanzierung durch Abschreibungen

Nennen und erläutern Sie wesentliche Unterschiede zwischen dem angloamerikanischen und dem kontinentaleuropäischen Finanzierungssystem! 

Bankenorientierung vs. Kapitalmarktorientierung

Europas bankenbasierte Unternehmens-Finanzierungskultur unterscheidet sich grundlegend von der kapitalmarktorientierten Finanzierungskultur der USA

Dementsprechend groß ist, im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt, der Anteil der Kredite an der Fremdfinanzierung in Europa. Konträr dazu dominieren in den USA Anleihen als Instrument der Fremdfinanzierung von Unternehmen

Die kumulierte Börsenkapitalisierung aller Unternehmen ist, gemessen an dem BIP, in kapitalmarktorientierten Ländern deutlich höher als in bankenorientierten Ländern

des Weitern lässt sich noch anmerken, das die USA nicht nur eine Geldunion ist, sondern auch eine Fiskalunion

Was macht das Problem des „too big to fail“ von globalen Großbanken im Fall von Finanzkrisen für Europa kritischer als für die USA?

Im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt ihrer Wohnsitzstaaten sind einzelne europäische Banken überproportional groß. Gegenseitige Verflechtungen durch Kredit- und Anleiheverpflichtungen führen in Finanzkrisen zu hoher Ansteckungsgefahr, zunächst für Banken, in der Folge aber auch für die Staaten. Eine ähnliche Entwicklung kann bei US-Banken ausgeschlossen werden, da sie alle einem fiskalisch einheitlichen Hoheitsgebiet angehören, anders als europäische Banken.

Europa hat eine höhere Bankendichte und eine stärkere Vernetzung als die USA. Wenn also eine große Bank in Europa scheitert, besteht ein höheres Risiko, dass andere Banken und Finanzinstitutionen in Mitleidenschaft gezogen werden, was zu einem systematischen Risiko für das gesamte Finanzsystem führt

Welche sind die wichtigsten Funktionen von Geld? 

Geld ist ein Katalysator für Kooperation und Arbeitsteilung. Es gilt als Recheneinheit bzw. Tauschmittel, es gilt also als Wertmaßstab. Des Weiteren ist es auch ein Zahlungsmittel, das den Warentausch erleichtert und seine dritte Funktion ist, dass es ein Wertaufbewahrungsmittel ist.

Zur Erfüllung dieser Funktionen bedarf das als Geld verwendete Medium bestimmte Eigenschaften, wie etwa Dauerhaftigkeit, Teilbarkeit, Verfügbarkeit, Akzeptanz, ...

Welche Rolle spielen die Geschäftsbanken bei der Geldschöpfung?

In den Geldsystemen entwickelter Volkswirtschaften übt der Staat das Geldmonopol aus. In der Praxis des Zahlungsverkehrs und der Geldschöpfung teilt er es mit dem Geschäftsbankenapparat (-> zweistufiges System)

Die Ausübung des Geldmonopols erfolgt durch die Zentralbank (Notenbank). Von ihr wird das Zentralbankgeld ("Geldbasis") hergestellt, das in Form von Banknoten und Reserven zirkuliert. Reserven sind einerseits Guthaben der Geschäftsbanken bei der Zentralbank, andererseits stellen sie das Zahlungsmittel zw. den Geschäftsbanken dar.

Mit der Bankenkonzession erteilt der Staat den Geschäftsbanken das Privileg, eigenes Geld zu schaffen. Dieses wird als "Giralgeld" bezeichnet, weil es im Rahmen einer Kreditgewährung Bankkunden in Form von bankeigenen Buchgeld auf deren Girokonto gutgeschrieben wird

  • Ist an einem Tag die Zahl der Ausreichung an Neukrediten in Summe höher, als die an diesem Tag zurückgeflossene Rückzahlungen für bestehende Kredite, ist die insgesamt bestehende Geldmenge größer geworden

Über welche Instrumente der Geldmengensteuerung verfügen Notenbanken? Erläutern Sie diese kurz! 

Die Notenbanken verfügen über 3 Instrumente, die ständigen Fazilitäten, die Wertpapiergeschäfte/Offenmarktgeschäfte und die Mindestreservehaltung

Ständige Fazilitäten ist ein Überbegriff für die Praxis mit der Banken entweder bei der Notenbank Geld gegen einen bestimmten, vorher festgesetzten Zinssatz, einlegen (Einlagefazilität) oder sich kurzfristig Geld beschaffen können (Spitzenfinanzierungsfazilität). Das sichtbarste Instrument der Notenbanken ist aber die Hauptrefinanzierungsfazilität, der Leitzinssatz.

Diese sind Instrumente der kurzfristigen Geldmenge-Steuerung. Das Offenmarktgeschäft ist ein Instrument der langfristigen Geldmengensteuerung. Offenmarktgeschäfte sind Transaktionen, bei denen Wertpapiere auf dem offenen Markt gekauft und verkauft werden, um die Geldmenge und Liquidität im Finanzsystem zu steuern

Das dritte Instrument ist die Mindestreservehaltung, es gilt eine 2%-ige Mindestreservehaltung von Euro bei der Notenbank durch die einzelnen Banken

Was ist unter dem Leitzinssatzes zu verstehen? Erläutern Sie zudem die Funktion des Leitzinssatzes! 

Der Leitzins ist das sichtbarste Instrument der Notenbanken, es handelt sich hierbei um den Zinssatz zu dem Geschäftsbanken sich von der Zentralbank Geld leihen können oder überschüssige Gelder bei der Zentralbanken anlegen können. Er ist ein zentrales Instrument der Geldpolitik und beeinflusst die gesamt Zinslandschaft und die wirtschaftliche Aktivität. Senkt die Zentralbank den Leitzinssatz, werden Kredite günstiger, was die Kreditvergabe und damit die wirtschaftliche Aktivität ankurbeln kann. Erhöht die Zentralbank den Leitzins, verteuern sich Kredite, was die Inflation eindämmen und zur Preisstabilität beitragen kann. Der Leitzins beeinflusst auch andere Zinssätze im Finanzsystem und hat somit eine weitreichende Auswirkung auf die finanzielle Situation von Unternehmen und Haushalten.

Unbarer Zahlungsverkehr, Kreditkarten und digitale Überweisungsplattformen lösen zusehends Zahlungen mit Bargeld ab. Auch ein vollständiges Abrücken vom Bargeld steht in Diskussion. Welche Vorteile und Nachteile können in der Abschaffung des Bargelds gesehen werden?

Keine 10% des in Europa sich im Umlauf befindenden Geldes sind Bargeld, diese Zahl wird ohne Zweifel weiter sinken, wenn nicht sogar ganz auf 0% sinken.

Vorteile der Abschaffung des Bargeldes wäre zum Beispiel die Effizienzsteigerung, da durch unbaren Zahlungsverkehr Transaktionen beschleunigt werden, was in Folge auch die Abwicklungskosten senkt. Elektronische Transaktionen erzeugen eine digitale Spur, die die Überwachung von Finanzströmen erleichtern kann und dadurch zu größerer Transparenz führt. Aber auch das Risiko von Bargelddiebstählen und Fälschungen wird durch unbares Geld vermindert, was die Stabilität des Finanzsystems fördert.

Nachteile sind, das wenn elektronische Zahlungssysteme ausfallen, gestört oder sogar gehackt sind, kann es zu Liquiditätsengpässen kommen. Es kann auch zu der Marginalisierung von Menschengruppen führen, die keinen Zugang zu elektronischen Zahlungsmethoden und dadurch zu den Finanzmärkten haben. Es kann aber auch zu einem immensen Vertrauensverlust in das Finanzsystem führen, insbesondere im Bezug auf die Privatsphäre und die Sicherheit.

Beschreiben Sie die Grundsätze der Europäischen Währungsunion! 

Die Europäische Währungsunion (EWU) basiert darauf eine stabile und integrierte Währungszone in Europa zu schaffen und beruht auf dem Vertrag von Maastricht.

Die Fiskalhoheit liegt beim Mitgliedsstaat, der für seinen Staatshaushalt verantwortlich bleibt. Eine gegenseitige Haftung für eingegangene Staatsschulden besteht nicht ( „no-bailout-rule“)

Gemäß dem Vertrag von Maastricht soll es max. eine Staatsverschuldung von 60% des BIPs geben und max. ein 3%iges Netto-Neudefizit. Es soll eine Wechselkursstabilität vorhanden sein und langfristige Zinssätze sollen nicht mehr als 2% über dem Durchschnitt der preisstabilsten Länder sein. Schlussendlich soll die Inflation nicht mehr als 1,5% über jener der preisstabilsten Länder liegen.

Nennen Sie die wichtigsten Aufgaben der Europäischen Zentralbank (EZB)

Festlegung und Durchführung der Geldpolitik

Durchführung von Devisengeschäfte

Verwaltung der offiziellen Währungsreserven der Mitgliedsstaaten

Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld, insbesondere die Förderung eines reibungslosen Zahlungsverkehrs

Genehmigung der Ausgabe des Euro-Papiergeldes, die Ausgabe selbst erfolgt durch die nationalen Zentralbanken

Mitwirkung an der Aufsicht über die Kreditinstitute und den zur Makro-Stabilisierung neu geschaffenen Gremien

In welcher Hinsicht unterscheiden sich die Zielsetzungen der EZB von jenen der US-amerikanischen Notenbank FED? 

Während die EZB als Notenbank der Gemeinschaftswährung eines Staatenbundes ausschließlich für die Geldpolitik zuständig ist, verantwortet die FED die Geld- und Währungspolitik eines Gesamtstaates. Sie verfolgt somit neben den geldpolitischen auch konjunkturelle und arbeitsmarktpolitische Zielsetzungen

Nennen Sie die entscheidenden Messlatten der zulässigen Staatsverschuldung gemäß den Maastricht-Kriterien 

Die Maastricht Kriterien legen die wesentlichen Bedingungen fest, unter denen ein EU-Mitgliedstaat dem Euro beitreten kann. Die entscheidenden Messlatten der zulässigen Staatsverschuldung gemäß der Maastricht-Kriterien sind:

  • Für die Neuverschuldung besteht ein 3% Höchstziel
  • Der öffentliche Schuldenstand des Gesamtstaats darf 60% des BIP nicht übersteigen

Diese Kriterien sollen sicherstellen, dass die Mitgliedstaaten eine solide Haushaltsführung beibehalten und ihre öffentlichen Finanzen stabilisieren, bevor sie dem Euroraum beitraten. Einhaltung dieser Kriterien ist ein wichtiger Schritt zur Sicherung der Stabilität und Integrität der gemeinsamen Währung

In welcher Hinsicht unterscheidet sich die Europäische Gemeinschaftswahrung Euro von den meisten anderen Währungen?

Das Euro-Währungsgebiet entstand per 1. Jänner 1999 mit Übertragung der Zuständigkeit für die Geldpolitik von den nationalen Zentralbanken von zunächst 11 Mitgliedsstaaten auf die EZB. Heute ist der Euro die offizielle Währung von 19 der 27 Mitgliedsstaaten der EU. Es ist also eine Gemeinschaftswährung, die von einer Vielzahl von Ländern gemeinsam genutzt wird

Die Geldpolitik des Euro wird von der EZB festgelegt und umgesetzt, während andere Währungen separate Zentralbanken haben. (zentralisierte Geldpolitik)

Die Einführung des Euro war Teil der Entstehung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion. Das Euro-Währungsgebiet geht also über eine Währungsunion hinaus und umfasst auch eine stärkere wirtschaftliche Integration zwischen den Mitgliedstaaten

Der Euro wird nicht nur in den Mitgliedsstaaten der Eurozone verwendet, sondern auch in einigen anderen Ländern und Gebieten außerhalb der EU, was die wirtschaftliche Bedeutung der Eurozone und ihre enge Verflechtung mit anderen Teilen der Welt wider. Die Eurozone gehört zu den wichtigsten Volkswirtschaften der Welt.

Da der Euro von einer Vielzahl von Ländern genutzt wird, gibt es keine Wechselkursschwankungen zw. diesen Ländern, dies führt zu einer größeren Stabilität der Wechselkurse im Vergleich zu anderen Währungen, die durch Angebot und Nachfrage auf dem Devisenmarkt bestimmt werden.

Benennen Sie die wesentlichen Transformations-Funktionen von Banken im Finanzsystem!

Losgrössentransformation: Betragstransformation

  • Bündelung kleiner Anlagebeträge / Streuung großer Anlagebeträge: Zusammenführen passender Anlagevolumina
  • Bündelung auf der Passivseite führt zu Möglichkeiten auf der Aktivseite der Bilanz Kredite auszureichen

Fristentransformation

  • Positive Fristentransformation: langfristige Investitionen werden im Wege der Gewährung längerfristiger Ausleihungen (Bankkredit) mit kurzfristigen Geld-Einlagen finanziert
  • Negative Fristentransformation: kurzfristige Investitionen werden mit langfristigen Geld-Einlagen bzw. Geldern mit längeren Laufzeiten finanziert

Risikotransformation

Banken transformieren mit der Kreditvergabe verknüpfter Ausfallsrisiken in wesentlich geringere Verlustrisiken für die Einleger (bzw. Sparer). Sie übernehmen die Bonitätsprüfung bei der Kreditvergabe und ersparen Kreditnehmer die Suche nach privaten Kreditgebern. Über die Intermediär-Haftung gegenüber den Anlegern hinaus stehen meist zusätzliche Haftungsträger für die Verbindlichkeiten der Bank ein (Einlagegarantie)

  • Horizontale Risikotransformation: Verminderung des Risikos durch Risikostreuung(-diversifikation)
  • Vertikale Risikotransformation: Ausgleich von eingetretenen Risiken durch Risikoprämien

Welche Charakteristik des Finanzsystems wird mit dem Begriff „Finanztiefe“ beschrieben?

Die Finanztiefe beschreibt die Größe der Finanzmärkte in Relation zur Wirtschaftsleistung, also wie stark ist der Finanzmarkt gewachsen, wenn man alle (auf dieser Welt) existierende Gelder und Schuldtitel summiert und in Relation mit der (weltweiten) Wertschöpfung stellt. Also welchen Stellenwert hat das Geld und das Finanzwesen in Relation zu dem, was realwirtschaftlich passiert?

Die globale Finanztiefe ist die Summe weltweiter Finanzverpflichtungen in Form von Krediten und Anleihen plus dem weltweiten tagesaktuellen Wert der Aktien von Unternehmen in Relation zur globalen Wirtschaftsleistung


Nennen Sie die wesentlichen Typologien von Banken mit den jeweils wichtigsten Geschäftsfeldern - insbesondere im Hinblick auf unterschiedliche Ausprägungen im angloamerikanischen Raum gegenüber Kontinentaleuropal! 

Commercial Banking (Geschäftsbanken):

  • Zahlungsverkehrgeschäfte
  • Einlagegeschäfte
  • Kreditgeschäfte
  • Geldmarktgeschäfte

Investmentbanking

  • Emissionsgeschäft
  • Handels- und Depotgeschäft
  • Mergers & Acquisition
  • Eigenhandel mit Wertpapieren / Devisen / Rohstoffen / Derivaten

In Europa ist das Modell der Universalbanken vorherrschend, hierbei werden die Funktionen von Geschäfts- und Investitionsbanken kombiniert

Im anglo-amerikanischen Raum ist jedoch das Investmentbanking vorherrschend

  • Des Weiteren ist das Trennbankensystem vorherrschend, hierbei werden das Einlagen- und das Kreditgeschäft scharf voneinander getrennt

Nennen Sie die wesentlichen Risiken von Banken im Werte-Bereich! 

Kreditrisiko/Adressenausfallrisiko

Risiko durch Veränderung der Bonität des Kreditnehmers. Der durchschnittliche erwartete Verlust wird durch Zahlung einer Prämie (Standardrisikokosten) abgedeckt. Das Kreditrisiko i.e.S. bezieht sich somit auf negative Abweichungen vom erwarteten Verlust (=unerwarteter Verlust)

Typische Kreditrisiken (Credit Events)

  • Zahlungsverzug
  • Insolvenz des Schuldners / Grantiegebers
  • Cross Default: Zahlungsausfall durch Verletzung der Kreditbedingungen in einem anderen Bereich
  • Restrukturierungserfordernis nach Bruch von Vertragsbedingungen (breach of convenant)
  • Downgrade (Rating-Verschlechterung)
  • Inkonvertibilität der Währung einer Forderung (nicht mehr handelbar)

Marktrisiken

  • Währungsrisiko
  • Aktienkursrisiko
  • Zinsänderungsrisiko (Zinsniveau / Zinskurve)

Typische Zinsrisiken einer Bank:

  • Beispiel 1: langfristige Fix-Hypothekarkredite wurden überwiegend durch Spargelder refinanziert -> Risiko: bei steigendem Zinsniveau und unveränderter Verzinsung der aushaftenden Kredite Reduktion der Zinsspanne oder sogar negative Zins-Marge
  • Beispiel 2: variable (z.B. EURIBOR gebundene) Kredite wurden durch länger laufende Kassenobligationen refinanziert -> Risiko: bei sinkendem Zinsniveau reduzieren sich die aktivseitigen Zinsen, während die passivseitigen Zinskosten konstant bleiben, Reduktion der Zinsspanne oder sogar negative Zins-Marge

Nennen Sie Beispiele für operative Risiken von Banken! 

personelle Risiken: z.B. Kündigung von Schlüssel-Mitarbeiter, hohe Fluktuation, Abhängigkeit von Einzelpersonen, fachliche und charakterliche Qualifikationsmängel

Rechtliche Risiken: z.B. Rechtsrahmen (UGB, BWG) sowie regulatorische und Compliance-Vorschriften werden nicht beachtet, falsch ausgelegt oder nachteilig geändert; Rechtsansprüche im Rahmen von Geschäftsabschlüssen nicht oder nur teilweise durchsetzbar

Compliance-Risiken: z.B. Überwachsungsmängel durch den Aufsichtsrat, Beschlussmängel bei einzelnen Geschäftsfällen

Sachlich-technsche Risiken: operative System /IT-Systeme; Gebäude, technische Ausstattung, Zahlungsverkehr- und Abwicklungsprobleme

Das Prinzip der „Risikogewichtung“ spielt in der Bankenregulierung (Basel Il) eine wichtige Rolle. Wie wirkt die Risikogewichtung von Unternehmensrisiken auf die Errechnung des regulatorischen Kernkapitals? Wie wirkt sie auf den Fremdmittelhebel („Financial Leverage“)? 

Die Risikogewichtung im System von Basel II sieht vor, dass gut geratete Ausleihungen bei der Berechnung der Quote des erforderlichen Bank-Eigenkapitals nur zu geringeren Teilen eingerechnet werden. Diese Regel wirkt stark prozyklisch und fördert das Bilanzwachstum im Aufschwung, bei Rating Verschlechterung oder gar Zusammenbruch eines strukturell falsch eingeschätzten Marktsegments (Subprime) ist das knappe "echte" bilanzielle Eigenkapital der Banken hingegen rasch aufgebraucht. V.a. aus diesem Grund kam es nach der Lehman-Pleite zur weltweiten Finanzkrise

Mit Einführung der Risikogewichtung auch für Finanzierungen an Unternehmen in Basel II erhalten die Rating Agenturen sowie bankinterne Rating-Prozesse großen Einfluss auf die Auswahl der zu finanzierenden Assets

Die regulatorisch erforderliche Kernkapitalquote (Core Capital Tier 1) gibt den Anteil der durch Eigenmittel gedeckten, anrechnungspflichtigen (=gewichteten), risikotragenden Aktive (Ausleihungen) an

  • Durch Anwendungen der sogenannten "Risikogewichtung" höher gerateter Ausleihungen verkürzt sich bei dieser Berechnung, insbesondere bei internationalen Großbanken, die zur Berechnung herangezogenen Aktivseite der Bankbilanz

Die Risikogewichtung beeinflusst den Fremdkapitalhebel, indem sie bestimmt, wie viel Eigenkapital ein Unternehmen benötigt, um bestimmte Vermögenswerte mit Fremdkapital zu finanzieren.

Erläutern Sie die Einsatzbereiche von Ratings! Erläutern Sie zudem die Funktion von Rating-Agenturen und benennen Sie deren wesentliche Geschäftsfelder! 

Die drei führenden Rating-Agenturen, Standard & Poor's, Moody's und Fitch dominieren den Markt und ihre Bewertungen haben einen erheblichen Einfluss auf die Finanzmärkte weltweit

Standardisierte Bonitätsbeurteilungen durch Rating-Agenturen ergänzen oder ersetzen Einzelprüfungen von Kreditrisiken, was zu einer Effizienzsteigerung im internationalen Finanzmarkt führt

Ratings helfen Investoren dabei, die Bonität von Unternehmen einzuschätzen, bevor sie Anleihen oder Aktien kaufen. Bewertungen bon Finanzinstrumenten helfen Investoren dabei, das Risiko und die Rendite dieser besser zu verstehen. Ratings werden des Weiteren verwendet, um die Kreditwürdigkeit von Staaten und Regierungen zu bewerten. Diese Bewertungen beeinflussen unter anderem die Fähigkeit eines Landes, Schulden aufzunehmen, und haben Auswirkungen auf die Zinssätze, zu denen ein Staat Anleihen ausgeben kann.


Bei Ratings lässt sich unterscheiden in:

Kurzfristige Ratings, die eine Einschätzung der kurzfristigen Kreditwürdigkeit ermöglichen

Langfristige Ratings für unterschiedliche Schuldnergruppen

  • unabhängige Staaten (Soveregn Governments)
  • Gebietskörperschaften (Municipalities)
  • Banken (financial institutiones)
  • Unternehmen (Corporates)
  • Synthetische Wertpapiere (z.B. Asset Backe Securities)

Worin besteht die realwirtschaftliche Funktion von Aktienbörsen?

Ressourcen-Allokation / Koordination von Spar- und Investitionsentscheidungen

Aufbringung von Risikokapital / Verbreiterung der Kapitalbasis / Risikostreuung

Vereinfachter Wechsel von Eigentums- und Kontrollrechten

Informationsfunktion: Branchenentwicklungen Unternehmensanalysen, Marktverhalten andere Akteure, ...

Primärmarkt: Mittelbereitstellung

Sekundärmarkt: bietet Liquidität und Flexibilität für Anleger, die ihre Investitionen anpassen oder liquide Mittel freisetzen möchten

Nennen Sie mögliche Gründe für den Vorsprung von Volkswirtschaften mit hoch entwickelten Kapitalmärkten im Hinblick auf innovative Wachstumsunternehmen!

Fortgeschrittene Kapitalmärkte bieten eine Vielzahl von Finanzierungsmöglichkeiten wie Aktienemissionen, Anleihen und Risikokapital, die es innovativen Unternehmen ermöglichen, Kapital aufzubringen, um zu wachsen und zu expandieren

Des weitern bieten solche Kapitalmärkte eine hohe Liquidität und Flexibilität, was es Unternehmen erleichtert, schnell auf Finanzierungsbedürfnisse zu reagieren und Kapital zu beschaffen, wenn sich Chance ergeben oder neue Projekte gestartet werden.

Es gibt hier eine breitere Investorenbasis, die bereits ist, in innovative Unternehmen zu investieren, Diese Investoren sind oft auf der Suche nach Wachstumschancen und sind bereit, Risiko einzugehen, um potentiell hohe Risiken zu erzielen.

Ein ausgereiftes regulatorisches Umfeld bietet klare Regelungen und Schutzmechanismen für Investoren und Unternehmen, was das Vertrauen in den Markt stärkt und den Kapitalfluss erleichtert

Entwickelte Kapitalmärkte fördern Unternehmertum und Innovation durch Anreize wie Steuererleichterungen, Förderprogramme und den Zugang zu Fachwissen und Ressourcen in Clustern und Technologieparks

Worin besteht die Funktion des Primärmarktes sowie der Sekundärmärkte in Bezug auf Aktien und Anleihen? 

Primärmarkt für Aktien und Anleihen:

  • Der Primärmarkt ist der Ort, an dem neue Aktien und Anleihen erstmals emittiert und verkauft werden. Unternehmen nutzen den Primärmarkt, um frisches Kapital aufzunehmen, um ihre Geschäftsaktivitäten zu finanzieren oder zu erweitern

Sekundärmärkte für Aktien und Anleihen

  • Die Sekundärmärkte bieten einen Ort für den Handel mit bereits ausgegebenen Aktien und Anleihen zw. Investoren. Durch den Handel auf den Sekundärmärkten können Anleger ihre Positionen anpassen, Gewinne realisieren oder aussteigen, indem sie ihre Wertpapiere an andere Marktteilnehmer verkaufen
  • Durch den Handel auf den Sekundärmärkten können Investoren Risiken umschichten und diversifizieren, indem sie ihre Portfolios anpassen und Wertpapiere kaufen oder verkaufen, basierend auf ihren individuellen Anlagezielen und -strategien

Welche Funktion haben Börsen-Indices? Nennen Sie mindestens fünf Beispiele für die meistgebräuchlichen Indices der globalen, amerikanischen und europäischen Aktienmärkte! 

Indices messen die Entwicklung eines Korbes von Wertpapieren bzw. Anlagemöglichkeiten. Sie gelten als "Stimmungs-Barometer" für ausgewählte Teilmärkte und Branchen und werden als "Benchmark" für Vergleichsinvestitionen herangezogen

Die Gewichtung der einzelnen Werte innerhalb des Index erfolgt meist nach der Börsenkapitalisierung (=Marktwert aller Aktien bzw. aller Aktien im Streubesitz)

Weltweit existieren über 30.000 Indicies, in Österreich gibt es zum Beispiel den ATX (Austrian Traded Index). Europaweit gibt es den EURO-STOXX 50 oder den FTSE 100 (Financial Times Stock Exchange)

  • EURO-STOXX 50, 1998 eingeführter Index der 50 größten europäischen, börsennotierten Unternehmen 
  • Wichtigster englischer Aktienindex der 100 größten und umsatzstärksten Unternehmen an der London Stock Exchange

In den USA sind bedeutende Indices der S&P 500, der Dow Jones und NASDAQ

  • S&P 500: Der Standard&Poors 500 Aktienindex umfasst die 500 größten börsennotierten Unternehmen der USA.
  • Dow Jones: Der Dow-Jones-Industrial-Average (DJIA) Index der 30 größten an der New York Stock Exchange (NYSE) notierten Unternehmen.
  • NASDAQ: größte elektronische Börse der USA, 1971 gegründet; Akronym für „National Association of Securities Dealers Automated Quotation“ 

Nennen Sie Vor- und Nachteile der aktuellen Entwicklungen an den Wertpapierbörsen in Bezug auf automatisierter Aktienhandel und High-Frequency-Trading! 

High-Frequency-Trading (HFT) bezieht sich auf eine spezifische Art des automatisierten Handels, der durch den Einsatz von Hochgeschwindigkeitscomputern und spezieller Handelsinfrastruktur gekennzeichnet ist. HFT-Strategien zielen darauf ab, von kleinen Kursbewegungen zu profitieren und große Handelsvolumina in sehr kurzer Zeit abzuwickeln. Der Fokus und dadurch auch seine Vorteile liegt auf extrem schnellen Transaktionszeiten, niedriger Latenz, Hochgeschwindigkeitsverbindungen zu Märkten für Auftragseingabe, hohe Nachrichtenraten, schnelle Reaktion auf den Markt und hoher Handelsfrequenz. Im HFT werden oft komplexe Algorithmen verwendet, um winzige Preisunterschiede auszunutzen und daraus Gewinne zu erzielen.


Anteil der HFT-Börsentransaktionen in den USA liegt 2012 bereits bei über 55% der Trades (2005: 8%); in Europa kam es im Vergleichszeitraum zu einer Steigerung von 1% auf 37%

Regulatorische Bedenken der SEC, die in jüngster Zeit von der SEC geprüft werden:

  • Mögliche Marktmanipulation, Verstöße gegen Compliance-Regeln, InsiderTrading
  • „Alpha Capture“: Absprachen zwischen Marktpartnern zum Zweck der Kursmanipulation
  • „Artificial Intelligence Trading“: Vorhersage von Marktreaktionen auf Grundlage historischer Kursverläufe

Was geschieht beim Vorgang der „Verbriefung” (Securitization)? Welche Formen der Verbriefung gibt es? 

Verbriefung (“Securitization“): Bündelung von regelmäßig anfallenden Forderungen (bilanzielle Aktiva / Assets) in Anleiheform.

Aus bisher in Einzelkrediten gebundenem Anlagevermögen von Banken wird durch die Verbriefung („Securitization“) der Kreditforderungen zu Anleihen („Asset Backed Securities“ / ABS) ein anderen Investoren zugängliches Finanzprodukt.

Schema einer Verbriefung: Eine Bank überträgt Kreditforderungen auf eine eigens gegründete Zweckgesellschaft. Diese wandelt Kreditforderungen in Wertpapiere um und verkauft sie an Investoren. Diese erhalten Erträge, die aus den Kreditforderungen resultieren

Beispiele für ausgewählte Asset-Klassen, die Grundlage einer ABS-Transaktion sein können:

  • Wohnbaudarlehen (Mortgage Backed Securities / MBS)
  • Automobilkredite / Leasingverträge
  • Kreditkartenforderungen
  • Forderungen aus Studentenkrediten („student loans“)

RMBS (Residential MBS): Wertpapiere, deren Erträge sich aus den Cashflows eines zugrundliegenden Hypothekenpools auf Wohnimmobilien ergeben. Technisch gesehen wird ein solcher Hypothekenpool in eine Zweckgesellschaft (Special Purpose Vehicle, SPV) platziert. Diese gibt dann an Anleger Anleihen aus, die durch diese Hypotheken gedeckt sind.

Welche Bedeutung kommt Unternehmensanleihen (Corporate Bonds) als Instrument der Fremdfinanzierung von Unternehmen zu? Benennen Sie die diesbezüglichen Unterschiede zwischen dem angloamerikanischen und dem europäischen Raum! 

Unternehmensanleihen ermöglichen Unternehmen Kapital von Investoren aufzunehmen, indem sie Anleihe ausgeben, die von den Investoren gekauft werden. Diese Anleihen sind im Wesentlichen Schuldtitel, bei denen das Unternehmen sich verpflichtet, den Anlegern regelmäßige Zinszahlungen zu leisten und das Kapital zum Fälligkeitsdatum zurückzuzahlen

  • Unternehmen können ihre Kapitalstruktur diversifizieren, indem sie neben Eigenkapital auch Fremdkapital über Anleihen aufnehmen. Dies ermöglicht es Unternehmen, ihre Risiken zu streuen und verschiedene Finanzierungsquellen zu nutzen.
  • Durch die Ausgabe von Unternehmensanleihen können Unternehmen auf einen breiten Pool von Investoren zugreifen, darunter institutionelle Anleger, Investmentfonds, Versicherungen und Privatanleger. Dies erhöht die Chancen, das benötigte Kapital zu beschaffen.

Firmen in den USA finanzieren sich wesentlich mehr mit Anleihen als Europa, welches eine ausgeprägtere Bankentradition hat, wo Bankkredite die meist verwendet Art ist, sich fremd zu finanzieren

Mittelstandsanleihen setzen sich nur zögerlich als Alternative zu Bankkrediten durch. Nennen Sie mögliche Gründe dafür! 

Mittelstandsanleihen sind Anleihen, die von mittelständischen Unternehmen ausgegeben werden, um sich Kapital von Investoren zu beschaffen. Diese Unternehmen nutzen Mittelstandsanleihen als Alternative oder Ergänzung zu Bankkrediten, um ihre Finanzierung zu diversifizieren oder zusätzliches Kapital für Wachstum, Investitionen oder andere Unternehmenszwecke zu beschaffen.

Im Gegensatz zu Anleihen großer Unternehmen oder Staaten sind Mittelstandsanleihen speziell auf die Bedürfnisse mittelständischer Unternehmen zugeschnitten. Sie bieten Anlegern die Möglichkeit, in Unternehmen mit kleinerer Marktkapitalisierung zu investieren und potenziell attraktive Renditen zu erzielen.

Geringere Bekanntheit: Viele mittelständische Unternehmen sind sich möglicherweise nicht der Möglichkeiten bewusst, die Mittelstandsanleihen bieten, oder sie kennen die damit verbundenen Prozesse und Risiken nicht ausreichend.

Höhere Transaktionskosten: Die Emission von Mittelstandsanleihen ist mit höheren Kosten verbunden als die Aufnahme eines Bankkredits. Dies kann für kleinere Unternehmen ein Hindernis sein, insbesondere wenn sie nicht über ausreichende Ressourcen oder Erfahrungen im Umgang mit Anleihenemissionen verfügen.

Mangelnde Liquidität: Der Markt für Mittelstandsanleihen ist im Vergleich zu etablierten Anleihemärkten weniger liquide. Dies bedeutet, dass es schwieriger sein kann, Mittelstandsanleihen zu kaufen oder zu verkaufen, was potenzielle Investoren abschrecken könnte.

Höheres Risiko: Mittelstandsanleihen werden oft mit höheren Risikoprämien gehandelt als Anleihen von etablierten Unternehmen oder Staaten. Dies spiegelt das höhere Ausfallrisiko wider, dem Investoren bei Mittelstandsanleihen gegenüberstehen. Diese höheren Risikoprämien können für mittelständische Unternehmen unattraktiv sein, insbesondere wenn sie bereits Schwierigkeiten haben, ihre finanzielle Stabilität zu gewährleisten.

Regulatorische Anforderungen: Die Emission von Anleihen unterliegt bestimmten regulatorischen Anforderungen und Compliance-Standards, die für mittelständische Unternehmen möglicherweise eine zusätzliche Hürde darstellen.

Nennen Sie die wesentlichen Merkmale von nachrangigen Anleihen! 

Im Normalfall sind Anleihen erstrangig („senior notes“), d.h. sie stellen gleichberechtigte und nicht nachrangige Verbindlichkeiten des Anleiheschuldners dar (Negativklausel / negative pledge)

Nachrangige Anleihen („subordinated notes” oder „junior notes“) werden hingegen erst nach den erstrangigen Anleihen getilgt, d.h. sie haben aus der Perspektive der bevorrangten Anleihegläubiger Eigenkapital-Charakter

Da sie erst nachrangig getilgt werden, besteht bei diesen Anleihen auch ein höhere Risiko und dadurch auch höhere Zinsen

Als Emittenten dieses Anleihetyps kommen ausschließlich Unternehmen und Finanzinstitute (nicht jedoch Staaten) in Frage

Nennen Sie wesentliche Bestimmungsfaktoren des Wechselkurses einer Währung!

Nominaler Wechselkurs: Verhältnis, zu dem die Währung eines Landes gegen die eines anderen getauscht werden kann

Realer Wechselkurs: Verhältnis, zu dem Güter und Dienstleistungen aus einem Land gegen Güter und Dienstleistungen eines anderen Landes eingetauscht werden können, dient zur Erklärung von Handelsbilanzdefiziten bzw. -überschüssen

Langfristige Bestimmungsfaktoren:

  • Überschüsse bzw. Defizite im Außenhandel
  • Inflationsraten (Kaufkraftparität)
  • Internationale Konkurrenzfähigkeit des Landes

Kurzfristige Bestimmungsfaktoren:

  • Internationale Kapitalbewegungen
  • Zentralbankeninterventionen
  • Zinsentwicklung (Geldpolitik)
  • Erwartungen der Marktteilnehmer
  • Politische Ereignisse (z.B. Euro-Schuldenkrise)

Diskutieren Sie eine Einschätzung hinsichtlich der Chance des Euro, gegenüber dem US-Dollar in der Rolle einer Welt-Leitwährung aufzuholen! 

Die Eurozone ist eine bedeutende Wirtschaftsmacht mit einem großen Binnenmarkt und einer stabilen Währung. Der Euro hat das Potenzial, eine führende Rolle als Welt-Leitwährung zu spielen, insbesondere da die Eurozone die eine der größten Volkswirtschaften der Welt ist.

Der Euro wird bereits weltweit als Reservewährung und für den internationalen Handel verwendet, aber sein Anteil ist im Vergleich zum US-Dollar immer noch geringer. Eine zunehmende Verwendung des Euro in internationalen Transaktionen könnte seine Position stärken.

Andere Währungen wie der chinesische Yuan gewinnen ebenfalls an Bedeutung. Der Euro muss sich in einem zunehmend globalisierten Währungsumfeld behaupten und sich gegenüber dieser Konkurrenz behaupten.

Insgesamt ist die Chance des Euro, gegenüber dem US-Dollar als Welt-Leitwährung aufzuholen, nicht unerheblich, aber es bedarf weiterer Anstrengungen in Bereichen wie wirtschaftliche Stärke, politische Stabilität und internationale Verwendung, um diese Position zu stärken.

Nennen Sie die wesentlichen Möglichkeiten der Absicherung gegen Kursschwankungen von Währungen! 

Terminkontrakte (Forward Contracts): Durch den Abschluss von Terminkontrakten können Unternehmen den Wechselkurs für eine zukünftige Transaktion festlegen. Dies bietet Schutz gegen ungünstige Bewegungen des Wechselkurses, da der vereinbarte Kurs unabhängig von den aktuellen Marktkonditionen gilt.

Optionen (Options): Währungsoptionen geben dem Inhaber das Recht, eine Währung zu einem festgelegten Kurs zu kaufen oder zu verkaufen, aber nicht die Verpflichtung dazu. Unternehmen können Optionen nutzen, um sich gegen ungünstige Wechselkursbewegungen abzusichern, während sie gleichzeitig von günstigen Bewegungen profitieren können.

  • Put- oder Call-Optionen

Swaps: Tauschgeschäft, bei dem die Vertragspartner komparative Vorteile nutzen, um (Finanzierungs-)kosten zu reduzieren

Futures: Forwards, die an einer Börse gehandelt werden. Sie haben festgelegte Spezifikationen hinsichtlich des Vermögenswerts, der Menge, des Preises und des Lieferzeitpunkts. Da sie an einer Börse gehandelt werden, sind Futures liquider und transparenter als Forwards. Sie bieten auch eine effiziente Möglichkeit, sich gegen Preisänderungen abzusichern, da sie täglich markiert werden und eine tägliche Abwicklung erfordern, was das Gegenparteirisiko verringert.

Was ist unter einem „Credit Default Swap“ zu verstehen? 

CDS’s sind Kreditversicherungen gegen mögliche Ausfälle. Ihre Verfügbarkeit ermöglicht das Eingehen, auch realwirtschaftlicher Risiken, die ohne Versicherung unterblieben wären.

Kreditderivate übertragen das Kreditrisiko gegenüber einer dritten Partei von dem Begünstigten auf den Garanten. Dieser verspricht dem Begünstigten bei Eintritt eines kreditrelevanten Ereignisses eine Ausgleichszahlung und erhält dafür im Gegenzug eine Prämie.

Am Beispiel eines Credit default swaps (CDS):

  • Vertrag zur Übernahme eines Kreditrisikos eines bestehenden Kredites/einer Anleihe für einen fixierten Zeitraum (=Kreditausfallversicherung)
  • Der CDS-Verkäufer (Protection Seller) übernimmt, gleich einer Versicherung, gegen laufende Prämienzahlung das Kreditrisiko vom CDS-Käufer (Protection Buyer) das Kreditrisiko
  • Beim Eintritt eines vordefinierten Kreditereignisses (event of default) leistet der CDS-Verkäufer eine Ausgleichszahlung an den CDS-Käufer
  • Sonderform Credit Risk Option (CRO): Falls sich die Zinsmarge (Credit Spread) der zugrundliegenden Anleihe über einen vereinbarten Messwert (Strike Spread) hinaus erhöht, erfolgt eine Ausgleichszahlung

Nachdem sich in Folge der Lehman-Insolvenz eine extreme Ansteckungswirkung gezeigt hatte (z.B. durch Ausfall von Garantiegebern wie AIG), forcierte die EU-Kommission auf Grundlage der Beschlüsse der G20 vom September 2009 die Schaffung einer zentralen Abwicklungsstelle für Derivate und CDS 

Welche Funktion kommt Investmentfonds zu? Nennen Sie wesentliche Erscheinungsformen! 

Investmentfonds spielen eine entscheidende Rolle bei der Vermögensverwaltung und ermöglichen es Anlegern, ihr Geld in eine breite Palette von Anlageklassen zu investieren, ohne direkt einzelne Wertpapiere zu kaufen. Sie werden von Kapitalanlagegesellschaften (KAG) im Sondervermögen verwaltet -> Fondszeichner halten Anteile am Sondervermögen

  • Investmentfonds investieren das Geld vieler Anleger in eine Vielzahl von Wertpapieren, was eine breite Streuung des Risikos ermöglicht.
  • Durch die Bündelung großer Geldsummen können Investmentfonds Kosten sparen und bessere Handelskonditionen erzielen, von denen die Anleger profitieren.
  • Investmentfonds ermöglichen es Anlegern, in Märkte und Anlageklassen zu investieren, zu denen sie möglicherweise keinen direkten Zugang haben, wie z. B. internationale Aktienmärkte oder spezialisierte Anlagestrategien.

Erscheinungsformen von Investmentfonds sind:

  • Am meisten verwendet werden Spezialfonds (für institutionelle Anleger), es existieren aber auch Publikumsfonds
  • (Wertpapier-)Investmentfonds: investieren das Kapital der Anleger in Wertpapiere wie Aktien, Anleihen oder andere Investmentfondsanteile 
  • Alternative Investmentfonds: investieren das Anleger Kapital z.B. in Immobilien, Rohstoffe oder in Unternehmensbeteiligungen (Private Equity). Zu ihnen zählen begrifflich auch die Hedge-Fonds.
  • Dachfonds
  • Spezialitätenfonds (Konzentration auf bestimmte Teilmärkte): Länderfonds, Geldmarktfonds, Leasing-Fonds

Was sind Zertifikate?

Zertifikate sind spekulative Finanzmarktinstrumente, deren Wert sich vom Wert eines oder mehrerer Basiswerte ableitet - daher der Begriff „Derivative“

Als Basiswerte („Underlying“) kommen, wie auch bei bedingten oder unbedingten Termingeschäften, Wertpapiere wie Aktien und Anleihen in Frage, aber auch Rohstoffe, Edelmetalle, Zinsen, Wechselkurse oder Indices. Es kann sowohl auf steigende als auch fallende und sogar seitwärts tendierende Kursverläufe gewettet werden.

Zertifikate gehören zur Anlageklasse der Schuldverschreibungen. Sie fallen im Fall der Insolvenz des Emittenten im Gegensatz zu Investmentfonds nicht ins aussonderungsfähige Sondervermögen. Der Emittent nutzt ein Zertifikat zur eigenen Refinanzierung.

Welche Veranlagungsstrategien verfolgen „Hedge-Fonds“? 

„Hedging“ ist eine Strategie zur Reduzierung des gesamten Risikos, indem man zwei Investitionen mit entgegengesetzten Risiken tätigt. Verhält sich die eine schlecht, sollte die andere gut gehen. Selbst bei volatilen Pay-offs der beiden Investments, sollte die Gesamt-Performance im Idealfall stabil sein.

Hedge-Fonds sind eine spezielle Form der kollektiven Kapitalanlage, allerdings steht nur selten das Ziel der unmittelbaren Absicherung („Hedging“) im Vordergrund, sondern die komplementäre (und in diesem Sinn dem Hedging vergleichbare) Investition in nicht-korrelierende Anlageklassen und Anlageformen mit geringen regulatorischen Anforderungen. Häufig setzen Hedge-Fonds hohe Fremdmittelhebel und derivative Instrumente, insbesondere (auch ungedeckte) Leerverkäufe ein.

Mehr als die Hälfte aller Hedge-Fonds sind an einem Off-Shore-Finanzplatz registriert, aus steuerlichen Gründen, aber auch wegen der geringeren Regulierung. Fast zwei Drittel aller Hedge-Fonds sind auf den Cayman-Islands registriert, gefolgt von den Britischen Jungferninseln und Bermuda -> in Europa sind zusammen nur ca. 10 Prozent aller Hedge-Fonds domiziliert (Isle of Man, Gibraltar, Luxemburg, Liechtenstein, Monaco).

Im Non-Offshore-Bereich sind die USA der führende Standort, gefolgt von Großbritannien.

Durch Social Media haben solche Fonds Marktmanipulationsmöglichkeiten haben 

Welche Formen von Risikokapital sind in unternehmerischen Frühphasen einsetzbar? 

Business-Angels sind Einzelpersonen, die Kapital in junge Unternehmen investieren, oft in einem sehr frühen Stadium. Diese Investoren bringen nicht nur finanzielle Ressourcen ein, sondern auch ihre Erfahrung, Netzwerke und Branchenkenntnisse.

Venture-Capital-Firmen investieren Kapital in Unternehmen, die bereits über ein gewisses Maß an Erfolg und Wachstumspotenzial verfügen, jedoch noch nicht an die Börse gegangen sind. Dieses Kapital wird oft verwendet, um das Wachstum zu beschleunigen, neue Märkte zu erschließen oder Produkte weiter zu entwickeln.

Crowdfunding ermöglicht es Unternehmen, Kapital von einer großen Anzahl von Personen über Online-Plattformen zu sammeln. Dies kann in Form von Spenden, Darlehen oder Eigenkapitalbeteiligungen erfolgen und ist eine beliebte Option für Startups, um ihre Produkte oder Ideen zu validieren und frühzeitig Unterstützung von der Öffentlichkeit zu erhalten.

Beschreiben Sie die Funktion von „Business Angels“! 

Business Angels leisten mehr als reine Finanzinvestoren

Mit entsprechender Erfahrung helfen sie Gründerteams, die erfahrungsgemäß wichtigsten Ursachen des Scheiterns zu vermeiden: „founders clash“ und/oder Geldmangel

Neben finanziellen Mittel und unternehmerische Erfahrung bringen Business Angels auch Netzwerke und Ressourcen mit in das Unternehmen.

Business Angels beteiligen sich oft aktiv an der Unternehmensentwicklung und helfen den Gründern ihr Ziel zu erreichen

Worin besteht die volkswirtschaftliche Funktion der außerbörslichen Beteiligungsmärkte für Venture Capital und Private Equity? 

Diese Märkte bieten Kapital für Startups und junge Unternehmen, die oft innovativ sind und ein hohes Wachstumspotenzial haben. Venture Capital und Private Equity unterstützen diese Unternehmen in den frühen Phasen ihrer Entwicklung, indem sie Risikokapital bereitstellen, um Innovationen zu fördern und das Wachstum zu beschleunigen.

Durch die Finanzierung von Startups und schnell wachsenden Unternehmen tragen Venture Capital und Private Equity zur Schaffung neuer Arbeitsplätze und zum Wirtschaftswachstum bei. Diese Unternehmen können neue Produkte und Dienstleistungen entwickeln, neue Märkte erschließen und zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaft beitragen.

Beschreiben Sie das Geschäftsmodell eines Private Equity Fonds! 

Private Equity Fonds erhalten ihre Investitionsmittel von institutionellen Investoren auf Zeit -> nach Verwendung aller eingesetzten Mittel erwarten die Investoren eine Überrendite durch Weiter-Verkauf („Exit“) der Unternehmensanteile

Private Equity Fonds investieren also in das Wachstum von Unternehmen, schaffen einen Markt für nicht-börsennotierte Unternehmen und ermöglichen die Weitergabe von Unternehmen an internes oder externes Management über Leveraged Buy Out (LBO) oder Leveraged Buy In (LBI)

Der „Exit“ erfolgt entweder über einen Börsengang (IPO), einen Verkauf an branchennahe Unternehmen (Trade Sale) oder an einen anderen Private Equity Fonds („Secondary“)

Private Equity Fonds sind bestrebt, ihre Investition in Unternehmen zu gegebener Zeit abzuschichten. Erläutern Sie die Formen von möglichen „Exits“! Welche Formen des Exits sind am gebräuchlichsten? 

Private Equity Fonds erhalten ihre Investitionsmittel von institutionellen Investoren auf Zeit -> nach Verwendung aller eingesetzten Mittel erwarten die Investoren eine Überrendite durch Weiter-Verkauf („Exit“) der Unternehmensanteile

Der „Exit“ erfolgt entweder (am häufigsten) über einen Börsengang (IPO), einen Verkauf an branchennahe Unternehmen (Trade Sale) oder an einen anderen Private Equity Fonds („Secondary“) 

Wann kommen Venture Capital und Private Equity in den typischen Lebensphasen eines Unternehmens zum Einsatz? Erläutern Sie die typischen Finanzierungsanlässe mit diesen Formen des außerbörslichen Beteiligungskapitals! 

Private Equity bedeutet privates Beteiligungskapital und bezeichnet die Beteiligung an außerbörslichen Unternehmen (private) mit Eigenkapital (equity). Unter Venture Capital versteht man die Gewährung von Wagniskapital bzw. Risikokapital zur Finanzierung eines unternehmerischen Vorhabens (Venture).

Private Equity ist zukunftsorientiert, es wird verwenden für Unternehmenswachstum und Profitabilitätssteigerung

Venture Capital ist vergangenheits- und zukunftsorientiert, es steht für ein krisenresistentes Geschäftsmodell und stabile Cash-Flows. Bei dem Private Equity steht Profitabilität im Gegensatz zu der Rückzahlungsfähigkeit des Venture Capitals

Venture Capital Investitionen zielen auf junge Wachstumsunternehmen in einer frühen Investitionsphase ab und unterstützen diese Start-Ups bei ihren ersten Schritten, Private Equity Beteiligungen setzen später an und erfordern stabile Cashflows

  • Private Equity i.e.S. bezieht sich auf Investitionen in mittlere bis größere Unternehmen, während Venture Capital für die frühen Finanzierungsphasen bestimmt ist.


Was ist unter Crowdfunding zu verstehen? Erläutern Sie die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten bzw. Erscheinungsformen! 

Aufbringung von Fremdmitteln über Internetplattformen (Crowd-Funding-Portale) – meist für Start-Ups oder kleinere Unternehmen mit leicht nachvollziehbaren Geschäftsmodellen

Modelle:

Lending-based Crowdfunding:

  • Form: Fremdkapital
  • Gegenleistung: Feste Verzinsung

Equity-based Crowdfunding:

  • Form: Qualifiziert nachrangige Darlehen, Mezzanine- oder Eigenkapital
  • Gegenleistung: Feste oder variable Verzinsung, Gewinnbeteiligung, Beteiligung an einer Wertsteigerung oder Exit-Erlös

Donation-based Crowdfunding

  • Form: Spenden
  • Gegenleistung: Erfüllung eines ideellen Zwecks

Reward- based Crowdfunding

  • Form: Nicht-finanzielle Gegenleistung, Vorab-Verkauf, Vorauszahlung
  • Gegenleistung: Erfüllung eines ideellen Zwecks und/oder Erhalt eines innovativen Produkts oder einer nicht-finanziellen Belohnung nach Projektabschluss

Welche Aufgaben erfüllen „Private Debt Fonds“? Beschreiben Sie das Geschäftsmodell von „Private Debt Fonds“.

Analog zu Private Equity Fonds haben sich in den letzten Jahren auch Private Debt Fonds gebildet. Das Management dieser Fonds setzt Gelder von institutionellen Investoren (v.a. Versicherungen und Pensionsfonds) zur Kreditvergabe ein.

Im Unterschied zu Verbriefungen handelt es sich nicht um die Bündelung bereits bestehender Kreditverträge. Die meist langfristigen Kredite werden den Unternehmen durch den Private Debt Fonds vielmehr anlassbezogen gewährt.

Private-Debt-Management-Gesellschaften legen Private-Debt-Fonds auf und verwalten diesen, evaluieren kapitalsuchende Unternehmen, suchen z.T. aktiv nach Investoren

Institutionelle Investoren investieren in diesen Fonds, erhalten als Gegenleistung Anteil an den Erlösen aus dem Fonds

Private-Debt-Fonds vergibt auf Basis der Unternehmensevaluation Kredite an Unternehmen

In den USA haben derartige Private-Debt-Fonds bereits nennenswerte Marktanteile in der Mittelstandsfinanzierung erreicht. In der traditionell bankenorientierten Mittelstandsfinanzierungs-Tradition wird ihre Rolle hingegen vor allem auf ausgewählte Ergänzungsfinanzierungen zu den von Banken gewährten Krediten beschränkt bleiben. Auch regulatorisch gibt es da Kredite grundsätzlich Bankgeschäfte sind im deutschsprachigen Raum noch rechtlichen Klärungsbedarf (z.B. Konsumentenschutz, Prospektpflicht)

Welche Bedeutung haben Digitalisierungs-Innovationen für das traditionelle Bankengeschäft?

FinTechs konkurrieren mit Banken in wesentlichen Geschäftsfeldern: Sie mobilisieren hohe Volumina an vorbörslichen Risikokapital, werden mit Venture Capital unterstützt, bieten ergänzende Dienstleistungen zu Banken an, die Aufkommen von Fintech-Unternehmen hat traditionelle Banken dazu gedrängt, sich anzupassen und innovative Lösungen anzubieten, um wettbewerbsfähig zu bleiben.


Charakteristika der Geschäftsmodelle von Fin-Techs:

CLASSIC-Prinzip: Costumer-centric, Legacy-free, Asset light, Scalable, Simple, Innovative, Compliance light

  • Lösungen für konkrete Kundenprobleme im Finanzbereich
  • möglichst einfache/benutzerfreundliche Produkte und Services (Online-Banking)
  • geringe Gewinnmargen
  • „schlanke“ Bilanz -> geringe (Fix)Kosten
  • daher flexibel und auf zukünftige Ausrichtung fokussiert
  • Innovation (bei Geschäftsprozessen, Produkten, Services)
  • wenig reguliert

Nennen Sie beispielhafte Anwendungsfelder von „Fin-Tech“! 

In der Finanzierung (z.B. Crowdfunding), dem Vermögensmanagement (z.B. bei Anlage und Banking), dem Zahlungsverkehr (wie z.B. Blockchain und Kryptowährungen) und sonstige Fin-Techs wie Versicherungen, Suchmaschinen und Vergleichsportale

Nennen Sie Charakteristika der „Blockchain“-Technologie! 

Wunscheigenschaft:

  •  Dezentralisierung
  • Nichtdiskriminierung
  • Offenheit
  • Universalität
  • Konsens

Peer-to-peer-Systeme bestehen aus Computern, die sich ihre Berechnungsressourcen gegenseitig zur Verfügung stellen. Die Blockchain ist ein Peer-to-peer-System auf Basis eines Algorithmus, der geordnete Datenblöcke dezentral verwaltet.

Peer-to-Peer-Systeme anstelle zentralisierter Systeme ermöglichen direkte Interaktion zwischen den Vertragsparteien, anstatt indirekter Interaktion über ein Vermittlungsinstanz

Das Ersetzen der vermittelnden Instanz (Dis-Intermediation) betrifft nicht nur die Finanz- und Bankenbranche. Sie stellt auch eine Herausforderung für alle jene Unternehmen dar, die hauptsächlich als Vermittler zwischen mehreren Gruppen auftreten

Die der Kryptowährung „Bitcoin“ zugrundeliegende Technologie wurde 2008 unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto vorgeschlagen. Die Identität dieser Person oder einer dahinter stehenden Personengruppe ist bis heute nicht bekannt (Bitcoin: a peer-to-peer electronic cash system)

Im Februar 2010 Eröffnung der ersten Online-Bitcoin-Börse. Erste „reale“ Zahlung mit Bitcoins im Mai 2010

Diskutieren Sie die folgende Aussage zu Kryptowährungen: „Bloß ein Missverständnis oder tatsächlich Währungen mit Zukunft?“ 

Ihre dezentralisierte Natur, ihre Potenziale für schnelle und kostengünstige Transaktionen über Landesgrenzen hinweg sowie ihre Unabhängigkeit von staatlichen Institutionen werden oft als Vorteile hervorgehoben.

Allerdings gibt es auch Bedenken hinsichtlich ihrer langfristigen Stabilität und Akzeptanz. Die hohe Volatilität der Kryptowährungskurse und das Risiko von Totalverlusten machen viele Anleger vorsichtig. Zudem sind Kryptowährungen oft das Ziel von Hackerangriffen und Betrug, was das Vertrauen in sie weiter untergräbt.

Die Zukunft der Kryptowährungen bleibt daher ungewiss. Ob sie sich langfristig als bedeutendes Finanzinstrument etablieren können, hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter Regulierung, technologische Weiterentwicklungen und das Vertrauen der Öffentlichkeit. Während einige Experten optimistisch sind und das Potenzial von Kryptowährungen betonen, bleibt die Debatte darüber weiterhin offen.

Am Beginn der Finanzkrise stand die sogenannte „Subprime-Krise”. Was ist darunter zu verstehen? 

Der Begriff "Subprime" bezieht sich auf Hypothekenkredite, die an Kreditnehmer vergeben wurden, die eine schlechtere Bonität hatten, oft aufgrund von niedrigerem Einkommen, unzureichender Kreditwürdigkeit oder anderen finanziellen Problemen.

Während des Immobilienbooms in den USA in den Jahren vor der Krise vergaben viele Banken und Finanzinstitute Kredite an Haushalte, die sich normalerweise keinen Hypothekenkredit leisten konnten. Diese Kredite wurden dann zu Wertpapieren gebündelt und an Investoren weltweit verkauft. Die Idee war, dass die steigenden Immobilienpreise sicherstellen würden, dass die Kredite bedient würden und die Anleger hohe Renditen erzielen könnten.

Jedoch, als die Immobilienpreise zu sinken begannen und die Zinsen für viele dieser Hypothekenkredite anstiegen, konnten viele Kreditnehmer ihre Kredite nicht mehr bedienen. Ab Mitte 2006 (Höhepunkt des Immobilien-Preisindex) Preisrückgänge; erste Zwangsversteigerungen Dies führte zu einer Welle von Zwangsvollstreckungen und einem Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes. Die Auswirkungen dieser Subprime-Krise waren weitreichend und führten zu einem Zusammenbruch mehrerer großer Finanzinstitute, einer weltweiten Rezession und einer umfassenden Finanzkrise.

Welche Rolle spielten Verbriefungen im Vorfeld der Finanzkrise?

Verbriefungen von Wohnbaukrediten fanden auf Basis verzerrter Rating-Urteile weltweit Absatz. Arrangierende Banken tendieren zum „moral hazard“, da ihnen kein Selbstbehalt auferlegt ist

  • Sie konnten Verbriefungen auf der Basis der Kreditvergabe von hunderten kleinen Banken bilden, daraus haben sie die Wertpapiere geschnurrt und mussten diese Wertpapiere nicht zu einem Mindestanteil (wie es Europa später geregelt hat) von 5% in die eigenen Bücher nehmen und daher auch auf das eigene Risiko schauen, wenn sie diese Verbriefungen schnüren -> grob fahrlässig, aber mir schadet es nicht also warum nicht

risikobehaftete Hypothekenkredite in Form von Wertpapieren wurden weltweit verkauft, wodurch die Risiken der Subprime-Kredite über den gesamten Finanzmarkt verteilt wurden. Diese Verbriefungen verschleierten oft die wahre Qualität der zugrunde liegenden Kredite und führten dazu, dass viele Anleger unwissentlich mit hochriskanten Wertpapieren handelten.

Welche Rolle spielte die Zinspolitik der amerikanischen Notenbank FED im Vorfeld der Finanzkrise?


Nach dem Platzen der New-Economy-Blase im Jahr 2000 senkten die Notenbanken die Leitzinsen. In der Niedrigzinsphase baute sich in den USA eine Immobilien-Blase auf, die ab 2005 wiederum durch drastisch ansteigende Leitzinsen bekämpft wurde. Die lockere Geldpolitik der FED in den Jahren vor der Krise trug dazu bei, die Kreditvergabe zu erleichtern und den Immobilienboom anzufachen. Niedrige Zinsen machten Hypothekenkredite attraktiver und trugen dazu bei, dass sich viele Verbraucher übermäßig verschuldeten, was letztendlich zur Überhitzung des Immobilienmarktes beitrug. Die anschließende Erhöhung der Leitzinsen zielte darauf ab, die Überhitzung des Immobilienmarktes zu bremsen und die Inflation einzudämmen, was jedoch zu weiteren Problemen auf dem Hypothekenmarkt führte und letztendlich zur Finanzkrise beitrug.

Beschreiben Sie die prozyklische Wirkung kapitalmarktorientierter Bilanzierung auf das Bankensystem!


Bei der kapitalmarktorientierte Bilanzierung, richten Unternehmen ihre Finanzberichterstattung an den Kapitalmärkten aus

Banken passen in guten Zeiten durch Ausschüttung von Dividenden und Aktienrückkauf ihr Eigenkapital an die Mindestkapitalquote an

Ausgewiesenes Eigenkapital speist sich im Aufschwung aus marktwert-bedingten, nicht-realisierten Gewinnen

Sinkende Marktwerte vermindern im Abschwung die Kapitaldecke ohne Abpufferung durch „Stille Reserven“ -> Weg in den Abschwung ohne Kapitalreserven, daher Kreditverknappung, Beeinträchtigung der realen Investitionen und Verstärkung des Abschwungs

Aufbringung frischen Eigenkapitals in der Krise oft erschwert oder nicht möglich 

Kann zu einem Verstärken von Finanzmarktvolatilität und Instabilität führen. Wenn viele Banken ähnliche Bewertungsmethoden verwenden und Vermögenswerte aufgrund externer Schocks stark an Wert verlieren, kann dies zu einer Abwärtsspirale führen, in der die Kapitalbasis der Banken geschwächt wird und die Kreditvergabe zurückgeht, was wiederum die Wirtschaft weiter belastet.

Erklären Sie die Wirkungsweise des „Financial Leverage” (Fremdmittel-Hebels) im Kontext der Entwicklung der Eigenkapitalausstattung von Banken im Vorfeld der Finanzkrise!


Der "Financial Leverage" bezieht sich auf den Einsatz von Fremdkapital zur Steigerung der Rendite auf das investierte Eigenkapital.

Vor der Finanzkrise nutzten viele Banken einen hohen Fremdmittelhebel, um ihre Renditen zu maximieren. Sie finanzierten ihre Investitionen in Vermögenswerte wie Hypotheken, Kredite und komplexe strukturierte Finanzprodukte größtenteils durch Fremdkapital, während sie nur einen vergleichsweise geringen Anteil an Eigenkapital einsetzten. Dies ermöglichte es den Banken, ihre Renditen zu steigern, da sie einen größeren Teil ihrer Investitionen durch Fremdkapital finanzierten und somit ihre potenziellen Gewinne erhöhten, wenn sich die Vermögenswerte positiv entwickelten.

Die Verwendung von hohem Fremdkapital zur Finanzierung von Vermögenswerten war jedoch mit erheblichen Risiken verbunden. Wenn sich die Vermögenswerte negativ entwickelten oder an Wert verloren, konnte dies zu einem erheblichen Verlust des Eigenkapitals führen, da die Banken immer noch für das gesamte Fremdkapital hafteten, das sie aufgenommen hatten.

Während der Finanzkrise führte der hohe Fremdkapitalhebel vieler Banken zu erheblichen Verlusten und letztendlich zur Insolvenz einiger Institutionen.

Welche Anreizsysteme (Incentive-Systeme) für Finanzmanager stehen im Zusammenhang mit der Entstehung der Finanzkrise in der Kritik? Welche Reformziele können in diesem Zusammenhang sinnvoll sein? 

Starke Anreize für Erhöhung des Leverage (und damit zugleich Reduzierung des bilanziellen Eigenkapitals) durch Messung des Management-Erfolges am „Return on Equity“ (ROE)

  • Return on equity (RoE) = Return on assets
  • (RoA) x Leverage

Die einseitige Ausrichtung von Stock-Option-Plänen an der Börsenkapitalisierung verstärkt die Kurzfristigkeit der Dispositionen

Eine Überbetonung des Shareholder-Value-Prinzips trägt zur strukturellen Kapitalschwäche des Bankensystems bei (s.o.: Ausschüttungspolitik, Aktienrückkäufe)

Reformziele könnten daher darauf abzielen, die Anreizsysteme für Finanzmanager so zu gestalten, dass langfristige Stabilität und Nachhaltigkeit gefördert werden, anstatt kurzfristige Gewinnmaximierung. Dazu könnten Maßnahmen wie eine ausgewogenere Gewichtung von Leistungsindikatoren, eine längere Haltefrist für Aktienoptionen, und eine stärkere Berücksichtigung von Risikofaktoren in der Vergütungspolitik gehören. Darüber hinaus könnte eine Überprüfung und Anpassung der regulatorischen Rahmenbedingungen erforderlich sein, um die Stabilität des Finanzsystems zu gewährleisten.

Welche Rolle spielten die Rating-Agenturen im Vorfeld der Finanzkrise?


Die Ratingagenturen unterschätzten das 3-Jahres-Ausfallrisiko synthetischer Wertpapiere um ein Vielfaches. Zum Ende des Jahres 2008 betrug der tatsächliche Ausfall einer noch im Frühjahr 2007 mit Single-A eingestuften Verbriefung anstelle von angenommenen 0,09 Prozent nahezu 30 Prozent. Nach der Lehman-Insolvenz brach der Subprime-Markt zusammen und zerstörte die knappe Eigenkapitalbasis der internationalen Großbanken.

Die Rating-Agenturen standen möglicherweise in einem Interessenkonflikt, da sie von den Emittenten der Wertpapiere bezahlt wurden und daher Anreize hatten, optimistische Bewertungen abzugeben.

Mit welchen Maßnahmen der Notenbanken konnte ein Zusammenbruch des Finanzsystems nach der Insolvenz von Lehman Brothers verhindert werden?


Die wichtigsten Notenbanken akkordierten eine radikale Senkung der Leitzinsen

Die Notenbanken wurden zugleich ihrer Rolle als „lender of last resort“ gerecht und gewährten sowohl den Banken als auch sich gegenseitig großzügige Liquiditätslinien, der FED kam dabei aufgrund der Vorrangstellung des USD besondere Bedeutung zu

Welche Maßnahmen trafen die Regierungen zur Stabilisierung der Situation nach der Lehman-Pleite?


Regierungen stellten umfangreiche Rettungspakete für Banken bereit, um diese vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Diese Rettungspakete umfassten oft Kapitalspritzen, Bürgschaften für faule Kredite und die Verstaatlichung von Banken in einigen Fällen.

Regierungen führten Konjunkturprogramme ein, um die Nachfrage anzukurbeln und die Wirtschaft zu stimulieren. Diese Programme umfassten oft öffentliche Investitionen in Infrastrukturprojekte, Steuersenkungen für Verbraucher und Unternehmen sowie andere Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaftstätigkeit.

Regierungen führten umfassende Reformen im Finanzsektor durch, um die Stabilität des Systems zu verbessern und ähnliche Krisen in Zukunft zu verhindern. Dazu gehörten strengere Kapital- und Liquiditätsanforderungen für Banken, eine verstärkte Überwachung von Finanzinstitutionen und die Einführung neuer regulatorischer Rahmenbedingungen für komplexe Finanzprodukte.

Regierungen arbeiteten eng mit anderen Ländern und internationalen Organisationen zusammen, um koordinierte Maßnahmen zur Bewältigung der Krise zu ergreifen. Dies umfasste den Austausch von Informationen, die Koordination von Konjunkturprogrammen und die Unterstützung von Ländern in finanziellen Schwierigkeiten.

Welche Maßnahmen wurden in der Finanzkrise zur Rettung des Bankensystems gesetzt? Wie kann das Problem des „Too big too fail“ in Hinkunft eingedämmt werden?


Die wichtigsten Notenbanken akkordierten eine radikale Senkung der Leitzinsen

Die Notenbanken wurden zugleich ihrer Rolle als „lender of last resort“ gerecht und gewährten sowohl den Banken als auch gegenseitig großzügige Liquiditätslinien, der FED kam dabei aufgrund der Vorrangstellung des USD besondere Bedeutung zu

Über Initiative der G20 gab der Internationale Währungsfonds (IMF) darüber hinaus zusätzliche Liquiditäts- und Kreditlinien frei

Schon wenige Tage nach der Insolvenz von Lehman Erfordernis eines akkordierten Rettungspakets


Stärkere und umfassendere regulatorische Rahmenbedingungen könnten eingeführt werden, um das Risiko von Banken mit systemischer Bedeutung zu reduzieren. Dies könnte eine Begrenzung der Größe und des Geschäftsumfangs von Banken, strengere Kapital- und Liquiditätsanforderungen sowie verbesserte Risikomanagementpraktiken umfassen.

Eine verstärkte Überwachung und regelmäßige Bewertung der systemischen Risiken durch die Aufsichtsbehörden könnte dazu beitragen, frühzeitig auf potenzielle Risiken hinzuweisen und angemessene Maßnahmen zur Risikominderung zu ergreifen.

Die Entwicklung von Mechanismen zur geordneten Abwicklung von Banken mit systemischer Bedeutung im Falle einer Insolvenz könnte dazu beitragen, die Auswirkungen eines Zusammenbruchs auf das Finanzsystem und die Wirtschaft insgesamt zu begrenzen.

Die Schaffung von Anreizstrukturen, die Banken dazu ermutigen, risikobewusstes Verhalten zu praktizieren und langfristige Stabilität über kurzfristige Gewinne zu priorisieren.

Erläutern Sie die Vorteile und die Nachteile eines Trennbankensystems!


+

Die Trennung von Einlagen- und Kreditgeschäft kann das Risiko mindern, dass spekulative Geschäfte mit Kundeneinlagen eingegangen werden. Dadurch wird das Risiko von Bankenkrisen und Systeminstabilität verringert.

Durch die Trennung können die Einlagen der Kunden besser geschützt werden, da sie weniger durch Verluste im Kreditgeschäft gefährdet sind. Dies stärkt das Vertrauen der Öffentlichkeit in das Bankensystem.

Ein Trennbankensystem kann die Transparenz und Kontrolle über die Finanzmärkte verbessern, da es einfacher ist, die Aktivitäten von Banken zu überwachen und zu regulieren, wenn diese klar voneinander getrennt sind.

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Die Trennung von Einlagen- und Kreditgeschäft kann zu einem Effizienzverlust führen, da es weniger Flexibilität bei der Nutzung von Einlagen für Kreditvergaben gibt. Dies könnte zu höheren Kosten für Kreditnehmer führen.

Ein Trennbankensystem könnte die Effizienz des Finanzsystems beeinträchtigen, indem es die Möglichkeit verringert, Kapital effektiv zwischen verschiedenen Marktsegmenten zu allozieren. Dies könnte das Wirtschaftswachstum hemmen.

Ein Trennbankensystem könnte die Innovation im Finanzsektor hemmen, da Banken weniger Anreize haben könnten, neue Finanzprodukte und -dienstleistungen zu entwickeln, wenn sie auf bestimmte Geschäftsbereiche beschränkt sind.

Es besteht die Gefahr, dass Banken versuchen, die Trennung zu umgehen, indem sie ihre Geschäfte über Tochtergesellschaften oder andere Finanzinstitute auslagern, was die Effektivität des Systems beeinträchtigen könnte.


Investmentbanken und Geschäftsbanken sind jedoch zu stark miteinander verflochten, wodurch das Trennbankensystem noch nicht ausreichend umgesetzt wurde

Aus welchen Hauptelementen besteht die Europäische Bankenunion? Wie weit ist ihre Umsetzung fortgeschritten?


Einheitlicher Aufsichtsmechanismus (SSM): Dies ist die erste Säule der Europäischen Bankenunion. Der SSM wurde geschaffen, um eine einheitliche Aufsicht über Banken in der Eurozone zu gewährleisten und das Vertrauen in das Bankensystem zu stärken. Die Europäische Zentralbank (EZB) spielt eine zentrale Rolle bei der Überwachung und Regulierung der größten Banken der Eurozone.

Einheitlicher Abwicklungsmechanismus (SRM): Die zweite Säule der Bankenunion zielt darauf ab, einheitliche Regeln und Verfahren für die Abwicklung von Banken in der Eurozone festzulegen. Der einheitliche Abwicklungsmechanismus (SRM) arbeitet eng mit dem SSM zusammen und soll sicherstellen, dass Banken im Falle eines Scheiterns geordnet abgewickelt werden können, ohne die Stabilität des Finanzsystems zu gefährden.

Harmonisierung der Einlagensicherungssysteme (DGS): Dies ist die dritte Säule der Bankenunion. Das Ziel ist es, die Einlagensicherungssysteme in der Eurozone zu harmonisieren und zu stärken, um die Einlagen der Sparer zu schützen und das Vertrauen in das Bankensystem zu erhöhen. Obwohl Fortschritte bei der Harmonisierung gemacht wurden, ist die Umsetzung noch nicht vollständig abgeschlossen, und es gibt weiterhin Diskussionen über die Schaffung eines europäischen Einlagensicherungssystems.

Wo liegt die Zuständigkeit der Europäischen Bankenaufsicht? Welche Funktionen hat sie und wie sieht die Arbeitsteilung mit den nationalen Bankaufsehern aus?


Die Europäische Bankenaufsicht hat ihre Zuständigkeit über die Banken in der Eurozone und in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union, die dem einheitlichen Aufsichtsmechanismus (SSM) unterliegen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) spielt eine zentrale Rolle bei der Bankenaufsicht in der Eurozone. Sie überwacht die größten Banken der Eurozone direkt und ist für die Festlegung einheitlicher Aufsichtsstandards verantwortlich. Andere nationale Zentralbanken beteiligen sich ebenfalls an der Aufsichtstätigkeit im Rahmen des SSM.

Die Europäische Bankenaufsicht hat mehrere Funktionen, darunter die Überwachung der finanziellen Stabilität, die Beurteilung und Überwachung von Risiken im Bankensektor, die Durchführung von Stresstests, die Festlegung und Durchsetzung von aufsichtsrechtlichen Standards sowie die Gewährleistung der Einhaltung von Vorschriften und Richtlinien.

Obwohl die EZB eine zentrale Rolle bei der Bankenaufsicht spielt, arbeitet sie eng mit den nationalen Bankaufsehern zusammen. Die nationalen Aufsichtsbehörden unterstützen die EZB bei der Aufsicht über die kleineren Banken und helfen bei der Umsetzung von aufsichtsrechtlichen Maßnahmen auf nationaler Ebene. Die Zusammenarbeit zwischen der EZB und den nationalen Aufsichtsbehörden ist wichtig, um eine kohärente und effektive Bankenaufsicht sicherzustellen und um sicherzustellen, dass die aufsichtsrechtlichen Standards und Verfahren einheitlich angewendet werden.

Nennen und erläutern Sie Reformschwerpunkte der Bankenregulierung von Basel III gegenüber jener von Basel Il im Hinblick auf Eigenkapital- und Liquiditätserfordernisse!


Basel III führt höhere Mindestkapitalanforderungen ein, um die Widerstandsfähigkeit der Banken gegenüber Finanzkrisen zu stärken. Insbesondere wird die Kernkapitalquote (Common Equity Tier 1 Ratio) erhöht, was sicherstellt, dass Banken über ausreichendes hartes Eigenkapital verfügen, um Verluste abzudecken.

  • Unter Basell II war das Tier 1 Kapital min. 4% und neben harten Kernkapital bis zu 50% hybrides Kernkapital enthalten konnte
  • Unter Basell III ist das Tier 1 6%, wobei sich dieses aus mindestens 4,5% harten Kernkapital und bis zu 1,5% aus zusätzlichen Kernkapital zusammengesetzt

Es werden erstmals Liquiditätsanforderungen eingeführt, um sicherzustellen, dass Banken über ausreichende Liquiditätsreserven verfügen, um kurzfristige Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. Dazu gehört die Liquidity Coverage Ratio (LCR), die sicherstellt, dass Banken genügend hochliquide Aktiva halten, um einen Stresszeitraum von 30 Tagen zu überstehen, sowie die Net Stable Funding Ratio (NSFR), die der Optimierung der strukturellen Liquidität von Kreditinstituten dienen soll, wobei ein Zeithorizont von einem Jahr betrachtet wird.

Nennen Sie Gründe für die Verteuerung der Anleihekosten für höher verschuldete Eurostaaten in den Jahren nach der Finanzkrise!


Mit dem Beginn der Griechenlandkrise setzte eine starke Verunsicherung ein. Die Anleihekosten auch anderer Euro-Staaten schnellten wegen des hohen Ansteckungsrisikos in die Höhe

Höhere Schuldenstände führen zu einem höheren Risiko für Investoren, was zu einer höheren Risikoprämie bei den Anleiherenditen führt.

Ein Mangel an glaubwürdigen Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung und zur Reduzierung der Staatsverschuldung kann das Vertrauen der Anleger beeinträchtigen und zu höheren Risikoaufschlägen führen.

Instabile Finanzmärkte oder makroökonomische Unsicherheiten, wie sie während der Finanzkrise herrschten, können zu einem allgemeinen Anstieg der Risikoprämien führen, insbesondere für Staaten mit höheren Schuldenständen.

Länder, die stark von externen Finanzierungsquellen abhängig sind, können anfälliger für Schocks auf den internationalen Finanzmärkten sein, was zu höheren Anleihekosten führt.

Politische Instabilität oder Unsicherheit über die wirtschaftspolitische Ausrichtung eines Landes kann das Vertrauen der Anleger erschüttern und die Kosten für die Staatsanleihen erhöhen.

Schwache Wirtschaftsdaten wie niedriges Wachstum, hohe Arbeitslosigkeit oder ein ungünstiges Verhältnis von Schulden zu Bruttoinlandsprodukt (Verschuldungsquote) können zu höheren Anleihekosten führen, da Investoren das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit höher einschätzen.

Benennen Sie die Ziele der Anleihen-Ankaufsprogramme der Europäischen Zentralbank! 

Ein Hauptziel der Anleihen-Ankaufsprogramme ist die Stabilisierung der Finanzmärkte, insbesondere während Zeiten erhöhter Volatilität oder Krisen. Durch den gezielten Kauf von Anleihen kann die EZB dazu beitragen, die Zinssätze zu stabilisieren und das Vertrauen der Anleger in die Märkte zu stärken.

Banken konnten Staatsanleihen zu niedrigeren Zinssätzen kaufen, was wiederum die Finanzierungskosten für die betroffenen Staaten senkt.

  • Erhoffte Wirkungen: durch sinkende Staatsanleihekosten wird das realwirtschaftlich Geschehen ankurbelt

Wurde von Unternehmensanleihen auf Ankäufe von Unternehmensanleihen ausgeweitet, da man gehofft hat die Kreditvergabe im Euroraum wieder zu beheben und die Finanzierungskosten für Unternehmen zu senken, was wiederum die Investitionstätigkeit und das Wirtschaftswachstum unterstützt.


Man kann also in einem Satz sagen, dass die Anleihe-Ankaufprogramme darauf abzielen, die Zinsen für Staatsanleihen zu senken und die Liquidität im Finanzsystem zu erhöhen, um die Kreditvergabe und Investitionstätigkeit zu stimulieren

Benennen und erläutern Sie die wesentlichen Zusammenhänge zwischen der Finanzkrise und der europäischen Staatsschuldenkrise!


Die Finanzkrise von 2007-2008 führte zu einer erheblichen Belastung der Banken und anderer Finanzinstitute in vielen Ländern. Dies führte zu einer allgemeinen wirtschaftlichen Verlangsamung, die sich negativ auf die Steuereinnahmen und die Ausgaben der Regierungen auswirkte. Insbesondere in der Eurozone traf dies auf Länder zu, die bereits hohe Staatsverschuldung und Haushaltsdefizite aufwiesen.

Die steigenden Haushaltsdefizite und Staatsschulden in den betroffenen Ländern (insbesondere Griechenland, Portugal, Spanien, Irland und Italien) führten zu einem Vertrauensverlust der Anleger in die Staatsanleihen dieser Länder. Dies führte zu höheren Zinsen auf die Staatsanleihen und erschwerte es den Ländern, ihre Schulden zu finanzieren.

Insbesondere die Griechenlandkrise war ausschlaggebend für die Eskalation der Staatsschuldenkrise. Griechenland kämpfte mit massiven Haushaltsdefiziten und einem hohen Schuldenstand, was zu einem Vertrauensverlust der Anleger führte und die Krise in der Eurozone verstärkte.

Die Krise verschärfte sich, als klar wurde, dass einige Länder möglicherweise ihre Schulden nicht zurückzahlen konnten. Dies löste Maßnahmen wie Rettungspakete und wirtschaftliche Reformen aus, um die Stabilität der Eurozone zu gewährleisten und die betroffenen Länder zu unterstützen.

Beschreiben Sie die Wirkungsweise der zur Bekämpfung der Staatsschuldenkrise in Europa eingesetzten „Rettungsschirme“, insbesondere des „ESM“!

Europäischer Finanzierungsfazilität (EFSF) -> Temporärer „Rettungsschirm“ bis 2013: Hilfspakete gegen strikte Auflagen zur Sicherung der Finanzstabilität der Eurozone

Europäischer Stabilitätsmechanismus (ESM): Permanenter „Schutzmechanismus“ ab 2012: Hilfspakete gegen strikte Auflagen zur Sicherung der Finanzstabilität der Eurozone

Finanzmarkt leiht dem Rettungsfonds Geld zu relativ niedrigen Zinsen

Dauerhafter Rettungsschirm ESM in Höhe von 700 Mrd. € -> 500 Mrd. € können ausgeschüttet werden, der Rest dient als Sicherheit

  • Der Rettungsschirm kann mit dem Geld der Staatsanleihen hoch verschuldeter Euro-Staaten kaufen, um sie damit zu unterstützen
  • Der Rettungsschirm kann Finanzhilfen an Länder vergeben, die schwerwiegende Finanzierungsprobleme haben oder denen solche drohen, wenn dies zur Wahrung der Finanzstabilität des Euroraums insgesamt und seiner Mitgliedsstaaten unabdingbar ist

Der ESM leistete in 5 Euro-Staaten wirksame Unterstützung: Irland, Portugal, Spanien, Zypern und Griechenland

Nennen Sie Gründe für die Ansteckungsgefahren zwischen betroffenen Euro-Staaten im Fall von Bankenkrisen! Warum ist eine solche Ansteckungsgefahr in den USA nicht gegeben?


Das Problem des "too big too fail" in Europa

Im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt ihrer Wohnsitzstaaten sind einzelne europäische Banken überproportional groß. Gegenseitige Verflechtungen durch Kredit- und Anleiheverpflichtungen führen in Finanzkrisen zu hoher Ansteckungsgefahr, zunächst für Banken, in der Folge aber auch für die Staaten. Eine ähnliche Entwicklung kann bei US-Banken ausgeschlossen werden, da sie alle einem fiskalisch einheitlichen Hoheitsgebiet angehören.

Zeigt warum europäische Banken in die Eurostaatsschuldenkrise gerutscht sind

Benennen und erläutern Sie die wesentlichen „unkonventionellen“ Instrumente wie sie von Notenbanken nach der Finanzkrise eingesetzt wurden und werden!

Beginnend mit der Finanzkrise 2007/08 sahen sich die Notenbanken veranlasst, zur Währung des Zieles der Finanzmarktstabilität bisher nicht eingesetzte, „unkonventionelle“ Instrumente anzuwenden. Diese wurden im Zuge der Euro-Staatsschuldenkrise weiter ausgebaut und erfuhren mit der Corona-Krise eine neuerliche Erweiterung.

  • Erweiterung der Refinanzierungsmöglichkeiten von Banken durch Verlängerung von Laufzeiten und erweiterte Anerkennung von Sicherheiten
  • Absenkung der Einlagenfazilität auf bis zu minus 0,5%
  • Arrangements von Währungs-Swaps in Kooperation mit anderen Zentralbanken
  • Großvolumige Ankaufsprogramme von Staatsanleihen
  • Ankauf von verbrieften Kreditforderungen
  • Ankauf von Unternehmensanleihen
  • Ausweitung all dieser Programme in Folge der Corona-Pandemie (v.a. Pandemie Notfallankaufprogramm (Pandemic Emergency Purchase Programme – PEPP))
  • Zinssenkungen bis hin zu Negativ-Zinsen
  • „Qualitative Easing”: die Notenbank erweitert ihren Handlungsspielraum durch Ankauf risikoreicherer Wertpapiere bzw. großzügigere Definition der notenbankfähigen Wertpapiere
  • „Quantitative Easing“ (OE): nach Ausreizen der zinspolitischen Spielräume dient eine quantitative Lockerung der Geldpolitik als Konjunktur-Stimulus, die Zentralbank kauft mit selbstgeschaffenem Zentralbankgeld Staatspapiere auf.
  • Liquiditätspolitische Lockerung: Refinanzierungsoperationen überwiegend mit Mengentender, Vollzuteilung gegen Sicherheiten

Erläutern Sie die Charakteristika und Problematik des Europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakts! Gehen Sie dabei auch auf die Frage ein, ob die Maastricht- Kriterien noch anwendbar sind!


Stability and Growth Pact / SGP = Neuer Fiskalpakt

Wurde im März 2012 von 25 Euro-Staaten unterzeichnet (Ausnahmen Tschechien und England)

Regelwerk der Europäischen Union, das darauf abzielt, die Haushaltsdisziplin und die langfristige finanzielle Stabilität der Mitgliedstaaten zu fördern und die Staatsschulden zu reduzieren.

  • Schuldenbremse in allen Eurostaaten
  • Kommission gibt Schuldnerstaaten Konvergenzpfad vor, die Netto-Neuverschuldung wird mit 0,5% p.a. begrenzt 
  • Anteil der Staatsverschuldung am BIP ist innerhalb von 20 Jahren auf die 60% Grenze 
  • Sanktion im Fall von Verstößen in Höhe einer unverzinsten Rücklage von 0,2% des BIP


Die Problematik des SGP liegt jedoch in verschiedenen Aspekten:

  • Der SGP konzentriert sich hauptsächlich auf die Haushaltsdefizite der Mitgliedsländer, vernachlässigt jedoch oft andere wirtschaftliche Ungleichgewichte wie Handelsbilanzdefizite, private Verschuldung oder strukturelle Reformen.
  • Die Regeln des Pakts können prozyklisch wirken, was bedeutet, dass sie die Wirtschaftszyklen verstärken können, anstatt sie zu mildern. In Zeiten wirtschaftlicher Abschwünge erfordert der Pakt oft Sparmaßnahmen, die die Konjunktur weiter schwächen können.


Obwohl sich die Interpretation und Anwendung der Maastricht-Kriterien im Laufe der Zeit entwickelt und teilweise flexibler gehandhabt wurden, insbesondere in Zeiten wirtschaftlicher Krisen oder struktureller Herausforderungen, bleiben diese Kriterien ein grundlegender Bestandteil der wirtschaftlichen Governance in der EU und werden weiterhin überwacht und angewendet, um die finanzielle Stabilität und Integration in der Eurozone zu fördern.

Was ist unter der von der Europäischen Union angestrebten Kapitalmarktunion zu verstehen? Erläutern Sie, welche Ziele damit verfolgt werden!


Mit der Schaffung einer Kapitalmarktunion soll, in Analogie zur Bankenunion, ein EU-weiter Rahmen für vereinheitlichte Spielregeln der Finanzmärkte entstehen

Mit der Kapitalmarktunion soll die in der Europäischen Union traditionell bankbasierte Finanzierung durch weitere Finanzierungsquellen (Risikokapitalbeteiligungen, Crowdfunding, ...) ergänzt werden. Insgesamt sollen durch die Kapitalmarktunion positive Impulse für Wachstum und Beschäftigung in der Europäischen Union entstehen.


Fahrplan der EU-Kommission zur Kapitalmarktunion

16 Maßnahmen für 3 Zielbereiche:

  • Besserer Finanzierungszugang, vor allem für mittelständische Unternehmen (SME’s)
  • EU als gemeinsamer Finanzplatz für langfristige Veranlagungen von EU-Bürgern
  • Integration der nationalen Kapitalmärkte in einem echten Binnenmarkt

Erläutern Sie die wesentlichen Merkmale der aufgrund der Corona-Krise eingegangenen EU-Gemeinschaftsverschuldung im Rahmen des Programms „Next Generation EU“! Aus welchen Quellen sollen die aufgenommenen Mittel zurückgezahlt werden?


in der Pandemie beschlossenes Sonderbudget mit 807 Milliarden Euro (bis 2026)

Die an die Mitgliedsstaaten ausgezahlten Mittel sind an nationale Aufbau- und Resilienzpläne gebunden, die Reformen und öffentliche Investitionsvorhaben umfassen. Diese Pläne müssen:

  • Im Einklang mit EU-Prioritäten stehen -> Wachstum, die Schaffung von Arbeitsplätzen und die wirtschaftliche und soziale Resilienz fördern
  • Länderspezifische Herausforderungen berücksichtigen -> gemäß den länderspezifischen Empfehlungen im Rahmen des Europäischen Semesters
  • Den ökologischen Wandel unterstützen -> mind. 37% der Mittel tragen zum Kilmaschutz und zur ökologischen Nachhaltigkeit bei
  • Den digitalen Wandel fördern -> mindestens 20% der Mittel tragen zum digitalen Wandel der EU bei

Die Tilgungspläne für die Verbindlichkeiten des Next-Generation-EU-Hilfspaketes machen eine baldige Einigung auf neue, gesamteuropäische Steuerquellen vordringlich.

Drei Geldquellen sollen dafür in Frage kommen:

  • CO2-Emissionsrechte
  • CO2-Grenzausgleichsabgaben
  • Steuern von multinationalen Konzernen

Zu allen drei genannten Quellen sind schwierige Vorverhandlungen zu erwarten.

Die lange Zeit als wesentliche Einnahmenquelle geplante Finanztransaktionssteuer kommt in den aktuellen Planungen nicht mehr vor.

Zur Diskussion steht eine Neu-Definition der bisher geltenden Maastricht-Kriterien. Worin liegen die besonderen Herausforderungen einer solchen Neu-Definition im aktuellen Geld- und fiskalpolitischen Umfeld?

Angesichts der steigenden Verschuldungsquoten nach der Corona-Krise wird die Überprüfung des Maastricht-Regelwerks dringender. Eine potenzielle Änderung könnte die Anhebung der Obergrenze für die Gesamtverschuldung von 60% des BIP auf beispielsweise 90 oder 100 Prozent sein, um den Mitgliedstaaten mehr Flexibilität zu geben.


Die besonderen Herausforderungen einer Neudefinition der Maastricht-Kriterien sind eng mit der Notwendigkeit verbunden, die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit der fiskalpolitischen Rahmenbedingungen in der EU zu verbessern, ohne dabei die langfristige Stabilität und Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen zu gefährden.

Was ist die zentrale Funktionen von Finanzmärkten für die Realwirtschaft

Austausch knapper Ressourcen in einer arbeitsteiligen Volkswirtschaft auf Märkten (intrasektoral und intertemporal)

Der Austauschprozess ist durch das Steuerwesen eng mit dem Staat verbunden

Angebot und Nachfrage treffen durch freie Preisbildung aufeinander, wobei Preise als Indikator für den Wert dienen

Geldwesen, Finanzwirtschaft und Finanzmärkte ermöglichen einen effizienten Austausch durch eine leistungsstarke finanzielle Infrastruktur

Dies umfasst Kauf und Verkauf, Investition und Deinvestition sowie Finanzierung und Veranlagung

Ein gut organisiertes Finanzsystem, insbesondere das Bankensystem, bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten, darunter Kredite


Was sind Leerverkäufe?

Leerverkäufe können der Absicherung gegen Risiken dienen, aber auch der gezielten Spekulation.

Wollen Finanzprofis auf fallende Kurse setzen, können sie sich zu diesem Zweck Aktien des betreffenden Unternehmens leihen, wofür sie eine Leihgebühr etwa an Fondsgesellschaften zahlen, welche die Wertpapiere verleihen.

Der Investor verkauft die geliehenen Aktien in der Regel sofort zum aktuellen Kurs und besorgt sich die gleiche Menge an Papieren erst zum Ablauf der Leihfrist wieder, um sie zurückgeben zu können. Ist der Kurs zwischenzeitlich deutlich gefallen, geht die Wette auf, und der Leerverkäufer verbucht den Kursverlust seines Aktienpakets als Gewinn, abzüglich der im Vergleich zu dem bewegten Volumen geringen Leihgebühr.

Bleibt der Kurs des Unternehmens hingegen stabil, geht die Spekulation des Leerverkäufers nicht auf, er muss daher Verluste in Kauf nehmen.