Erster außerordentlicher Professor für Germanistik 1810
Friedrich Heinrich von der Hagen
Gebrüder Grimm Werke
"Deutsches Wörterbuch" "Deutsche Grammatik"
Textausgaben von Karl Lachmann
1826: "Nibelungenlied" 1827: "Iwein" Hartmann von Aue 1827: Walther von der Vogelweide 1833: Wolfram von Eschenbach 1838: "Gregorius" Hartmann von Aue
Was ist Alterität?
Anderseits zB von Kultur Anderseits respektieren und nicht normieren Diachron -> das ,was vergangen ist, nicht aus Logik der Gegenwart, sondern aus der Logik der Vergangenheit Grundsätzliche Fremdheit als Grundlage: kaum Formen der "Identifikation" Akzeptanz, dass vieles historisch nicht mehr eingeholt werden kann
Sprache, die im heutigen Wien gesprochen wird
Hochdeutsch
Autonomie der Kunst im MA
Gibt es noch nicht -> mehr spezifische Anlässe, Aufträge, Situationen für Texte -> haben immer spezifische (gesellschaftliche) Funktionen
Autor-Werk-Paradigma im MA
man kennt AutorInnen oft nicht, keine Genieästhetik, kein geistiges Eigentum, Texte sind offen und variabel
Vorteile des Buchdrucks
Revolution Martin Luther; Langsame Entstehung eines anonymen, überregionalen Buchmarktes
Was ist eine Edition?
aus mehreren Überlieferungen: Einigung auf einen Text
Die mittelhochdeutsche Heldenepik erzählt von Stoffen, die meistens historisch auf welche Zeit zurückblicken?
Zeit der Völkerwanderung (Einfall der Hunnen 375 bis Einfall der Langobarden in Italien 568) = "heroic age"
Regeln der Weitererzählung
Selektion (Auswahl an wenigen Stoffen) Reduktion (Beschränkung auf wichtige Zusammenhänge) Kombination (Verknüpfung auch zeitlich nicht zusammenhängender Ereignisse) Privatisierung (Historische Zusammenhänge als Familiengeschichten)
Was ist "Strukturelle Amnesie"?
Ohne Schrift kann nur weniges im Gedächtnis einer Gesellschaft bestehen, vieles muss vergessen werden
Orientierung an der Handschrift, die man für die beste hält
Konjenktur
Plausible Verbesserung einer gestörten Überlieferung
Crux
Kennzeichnung einer nicht zu heilenden Störung
Historisch-kritische Edition
Herstellung eines Textes, der dem "Original" nahekommt
Diplomatische Wiedergabe/Transkription
Textwiedergabe strikt nach der Handschrift
Original (im MA)
problematischer Begriff, kein Anliegen einen "ersten" oder "legitimierten" Autortext zu besitzen
Was wurde im Frühmittelalter geschrieben?
Geistliche Dichtung
Was wurde im Hochmittelalter geschrieben?
Minnesang, Höfische Epik, Heldenepik
Was wurde im Spätmittelalter geschrieben?
Fastnachtspiele, Kleindichtungen, Meistersang
Vorlage für Artusepik von?
Altfranzösische Vorlagen von Chretien de Troyes
Erster deutschsprachiger Artusepos
"Erec" von Hartmann von Aue
Unterschiede von Artusepik zur Heldenepik
erfundene Gestalt wird Gegenstand der erfundenen Geschichte -> Art der Fiktionalität
Historisch nicht belegte Protagonisten - Artus selbst sehr passiv
Metrik: Paargereimte vierhebige Kurzverse
vom "Was" zum "Wie" -> Literarische Form wird wichtig
Strukturiertheit: v.a Handlungsverdopplungen und Szenensymmetrien
Ort und zeit der Handlung sind weniger historisch rückgebunden als in Heldenepik
-> Vorbildhaltung
Heldenepik vs Artusepik
Weibliche Kadenz / Männliche Kadenz
w -> klingend m -> stumpf
Unterschied zwischen Manuskriptkultur und Buchdruck
Manuskriptkultur: MA; wenige Handschriften; exklusiv, einmalig, teuer; nimm stetig zu und wird mechanisch
Buchdruck: Entstehung eines anonymen überregionalen Buchmarkts, Aufgaben der Textherstellung und Textgeschichte
Was sagt Hartmann von Aue in den Prologen "Iwein" und "Der arme Heinrich" über seine Rolle als Autor?
Er erzählt von sich selbst in der Vergangenheit -> Er weiß die Geschichte wird fremden Leuten erzählt werden -> Bleibt durch Schriftlichkeit "am Leben"
Iwein: Autor als "gelehrter Ritter", der dichtet, wenn er nichts besseres zu tun hat.
Heinrich: Autor als "Dienstmann"; freies Mitglied eines Hofes -> Ritter schreibt für Ritter (keine autonome Stellung)
Was verstehen wir unter dem mittelhochdeutschen "tichten" und der modernen deutschen "Dichtung" und wie sind sie voneinander differenziert?
"Diktieren" wird zu "Kreatives Schreiben"
Lehnwort von "dictare" (lat.) - schriftlich verfassen, nach Diktat aufschreiben
Langsame Lösung des Autors aus dieser Position (vgl. Hartmanns tichten: schriftliche Vorlage, aber eigene Formulierung)
Dictare erst im 15. Jhd nochmals entlehnt = diktieren
höfisches Ritual: keine "Erlebnislyrik" sondern "Rollenlyrik"
allgemeiner Diskurs über höfische Liebe und Erotik (imaginierte Liebe von Sänger zur höfischen Herrin)
Paradoxes Klagen (Triebhaftes Verhalten wird umgewandelt in höfisch-zivilisierte Verhaltensformen)
Überlieferung: Freier Umgang mit Text, Strophen und Strophenreihenfolgen (Varianz)
Minneparadox
keine Liebeserfüllung
höfische Herrin unerreichbar und trotzdem wird sie angepriesen
Bemühung um etwas, das nicht erreicht werden darf
Triangulier Konstellation Minnesang
Sänger - Hof - Dame
Sänger - Dame: Werbung und Lobpreis Sänger - Hof: erfreut Hof und wird bezahlt Hof - Dame: Steigerung des Ansehens der Dame (und ihres Gatten, des Herrschers)
Typen der Minne
"Hohe Minne": unerfüllte Liebe zur höfischen Herrin
"Niedere Minne": gegenseitige sexuelle Bergehren (hier: Frau meist keine Herrin, sondern nicht ständisch spezifiziert)
Formen des Minnesangs
Frauenlieder: Fingierte Rede einer Herrin (nicht im dt Raum)
Botenlieder: Liebeswerbung und Frauenpreis als Rede von Boten
Wechsel: Monologe von frouwe und Sänger über Thema der Minne (kein Dialog)
Tagelied: Feste Szenerie -> Erwachen nach illegitimer Liebesnacht; Mann muss gehen, Bote warnt Pärchen, Klage über Abschied
Metrik des Minnesangs (Kanzonenstrophe)
Wann beginnt Neuere deutsche Literatur?
sprachhistorisch: Beginn des Frühneuhochdeutschen (Mitte/Ende 14. Jhd)
medienhistorisch: Erfindung des Buchdrucks (1450)
Luthers Bibelübersetzung (1522 Neues Testament)
Was bedeutet das "deutsch" in NdL?
deutschsprachiger Raum
Sehnsucht nach großem Reich für Lebende in k. u. k. Monarchie nicht relevant
1933: WiderstandsautorInnen und jüdische AutorInnen flüchten
1938: viele AutorInnen flüchten aus Österreich
deutschsprachige Minderheiten (zB in Rumänien, Herta Müller)
Grenzen der Literatur?
vgl. schtzngrmm (Ernst Jandl)
erschien in Zeitschrift des Theater der Jugend
Verse, Klangbild, Rhythmus, Verdichtung, volle Wirkung erst durchs Hören
Vokale fehlen -> Verhärtung des Wortes
Krieg hat zerstört
Imitation des Maschinengewehrs/Waffen
Austesten von Grenzen der Literatur
vgl. Fisches Nachtgesang (Christian Morgenstern)
Strukturierung vorhanden (Form: Silhouette eines Fisches, imitierte Fischschuppen)
Bögen & Striche: Elemente aller Buchstaben
Wie singen Fische? -> Gar nicht (Pointe)
intertextueller Bezug auf Goethes Wanderers Nachtlied
vgl. Atemlos durch die Nacht (Kristina Bach)
lyrische Strukturen
wenig Verdichtung und Komplexität
Was ist ein Gedicht?
In Versen geschrieben
kein erzählender Teil, keine konkrete Handlung
Entautomatisierung der Sprache/Wahrnehmung
Reime
Wiederholungsstrukturen
Metaphern
Strophen/Absätze
Intertextualität
Stilmittel
Lange bis ins 19. Jhd -> Dramen auch Gedichte genannt
Überstrukturierung
Wörtliche Bedeutung (Denotation)
bildliche, übertragene Bedeutung (Konnotation)
phonetische Dimension (Klanggestalt oder Lautung)
Rhythmus und Metrik
vgl. mehrschichtige Torte
Komplexe Bildlichkeit: Natur als "Geschichtslandschaft"
Verbindung von Naturbildern mit geschichtlichen Ereignissen
Wiederholungsstrukturen
Vergnügen des Lesens beruht auf Wiedererkennen vertrauter Schemata; hoher Grad an Organisiertheit
Entautomatisierung der Wahrnehmung / Foregrounding
Ziel der Kunst: Empfinden für das Ding geben, Verfremdung der Dinge und Komplizieren der Form
Aufgabe der Kunst: Wahrnehmung schärfen
Intertextualität
Bezug eines Textes auf andere Texte
Was ist Literatur?
Literatur, f. (lat. littera = Buchstabe) - Oxymoron: mündliche Literatur
1. Gesamtheit des Geschriebenen (kaum gebräuchlich) 2. Gegenstand der Literaturwissenschaft (zirkelhafte Beschreibung) mit Fiktionalität und Poetizität als Kennzeichen (Gegensatz: Faktuale Literatur) 3. Gesamtheit aller Texte von bestimmten Wert (Wer legt Wer fest? Wo ist die Grenze)
1. Systematische Beschreibung mit Fachbegriffen (Struktur, Stilmittel, Entautomatisierung der Wahrnehmung,...) 2. Historische und literaturhistorische Verortung (Kontexte) 3. Vergleich (mit anderen Texten derselben Autorin, früheren Fassungen, zeitgenössischen Texten, anderen thematisch oder formal verwandten Texten, etc)
Was ist normative Poetik?
Dichtung unterliegt strengen Regeln
Ständeklausel
in Tragödien nur hochgestellte Figuren, damit die Fallhöhe extremer ist ("schlechte Leute können nicht fallen")
Literaturkanon
Maßstab, Richtschnur, Regel; ursprünglich auf heilige Texte bezogen "Auswahl vorbildlicher, dichterischer oder rednerischer Werke" -> falsche Annahme => Ergebnis eines Selektionsprozesses nach historisch unterschiedlichen Kriterien
kanon-exkludierende Faktoren
literaturextern: politische Hintergründe, Zensur, Wertung
Lehre von Lauten (Produktion, Transmission und Rezeption von Sprachschall inklusive psychologischer und soziologischer Voraussetzungen in Kommunikationssituation von Sprecher und Hörer)
Wonach fragt die artikulatorische Phonetik?
Produktion sprachlicher Laute (hinsichtlich Artikulationsart und -ort)
Wonach fragt die akustische Phonetik?
Physikalische Eigenschaften von Sprachsignalen (Schallanalyse)
Was zeigt ein Spektogramm?
Lautstärke, Klang und Frequenz
Teile der Phonetik?
artikulatorische akustische forensische (Unterschiedliche Laute unterscheiden sich in Lage und Höhe der Formanten) auditive (Rezeption/Wahrnehmung von Lauten)
orthographische vs phonetische Transkription
< > vs [ ]
Was ist Phonologie?
Lautbestand von Einzelsprachen
Funktion der Laute im System der jeweiligen Sprache
Veränderung der Laute unter Einfluss ihrer Nachbarlaute
Was ist ein Phonem?
Lautklasse, kleinste bedeutungsuntescheidende Einheit der Sprache
Phonologische Minimalpaare
Wörter, die sich nur in einem Laut unterscheiden
Was ist ein Morphem?
kleinste bedeutungstragende Einheit eines Wortes
Morphologie
Wie wird das Wort in kleinere Einheiten zerlegt? Wortbildung
Derivationsaffixe (=Wortbildungsaffixe, Wortstamm ändert sich): Suffixe zB -chen und Präfixe zB un- in Döschen, untypisch
Flexionsaffixe (Veränderung von Wörtern anhand grammatischer Kategorien): Wortstamm bleibt gleich, -e, -st, -s in löschen, hüpfst, Mails
Das topologische Feldermodell
Permutationsprobe
Umstell-/Verschiebeprobe (vor konjugiertes/finites Verb schieben, ohne dass sich Bedeutung ändert)
Kongruenz
In Bezug auf Merkmale (Genus, Numerus, Casus) übereinstimmend
Rektion
bezüglich des Casus in Abhängigkeit stehend (den Brief schreiben)
Komposition
Wort, das aus mehrere eigenständigen Wörtern zusammengesetzt ist (Briefkasten)
Derivation
Ableitung eines Wortes durch Anhängen eines Affixes (Briefchen)
Produktivität (zB von einem Affix)
Fähigkeit eines Wortbildungsmusters, zu einem bestimmten Zeitpunkt neue Wörter zu erzeugen (zB -nis nicht so produktiv wie -chen/-heit)
Valenz
Wertigkeit von Verben (-> Verb benötig Ergänzungen)
Satzglieder
Konstituenten eines Satzes, die um das finite Verb verschoben werden können
Konstituenten, die direkt vom Prädikat eines Satzes abhängig sind
können nur geschlossen verschoben und als Ganzes ersetzt werden
kann allein die Position vorm finiten Verb ersetzten
Syntax
Satzbildung (grammatisch vs ungrammatisch)
Textlinguistik
Überbegriff für Teildisziplinen (Textgrammatik, -pragmatik, -semantik)
Textgrammatik
aus grammatischer Perspektive
Kohäsion (formaler Aufbau)
syntaktischer Zusammenhang von Texten
Textsemantik
Semantische Kohärenz (logischer Aufbau)
grammatisch kein nachvollziehbarer Zusammenhang, nur logisch
Semantik
Lehre von der Bedeutung sprachlicher Zeichen und Einheiten
Wortsemantik
1 Inhalt, mehrere Wörter = Synonyme 1 Wort, mehrere Inhalte (zB Flügel)
(Text-)Pragmatik
Wie wir mit Sprache ganz aktive Handelnde, Sprechende sind
in Form von Texten, Wörtern, Ausrufen
Auswahl an sprachlichen Möglichkeiten -> Repertoire
Variationslinguistik
Koexistenz sprachlicher Alternativen
auf lautlicher Ebene (regionale, nationale,... Herkunft)
auf morphologischer Ebene (fragte vs frug)
auf syntaktischer Ebene (ich bin/habe gesessen)
auf lexikalischer Ebene (Synonyme)
Was ist Germanistische Sprachwissenschaft
Sprachwissenschaft, die sich mit der deutschen Sprache und all ihren Varietäten beschäftigt
ursprünglicher Fokus auf "germanischen Sprachen"
Quellen Germanisch
1 Jhd v Chr - 500 n Chr
schwach belegt
Einzelwortnennungen
Runeninschriften
Lehnwortschatz in Nachbarsprachen (zB Anglizismen)
Sprachen, die die erste Lautverschiebung durchlaufen sind
Niederländisch, Friesisch, Schwedisch, Norwegisch
Unterschied zwischen Ober- und Niederdeutsch
Im Niederdeutschen hat die zweite Lautverschiebung nicht stattgefunden, im Mittel- und Oberdeutschen Sprachraum schon (Wien -> Oberdeutscher Raum)
Synonym für Dialektgrenzen
Isoglossen
"Benrather Linie"
Grenze zwischen Niederdeutschem und Mitteldeutschem Raum
Zweite Lautverschiebung
Konsonanten betroffen
Tenuesverschiebung (stimmlose Plosive)
p, t , k -> ff, zz, hh -> f, z, h
pp, tt, kk -> pf, tz, kch
Medienverschiebung (stimmhafte Plosive)
b -> p (im Anlaut bald rückgängig)
d -> t
g -> k (bald generell rückgängig)
bb, dd, gg -> pp, tt, kk
-> nicht konsequent
Was sind Dialekte?
= standardfernste lokal oder kleinregional verbreitete Vollvarietäten (Räume: Niederdeutsch, Mitteldeutsch, Oberdeutsch)