was ist die Persuasion?
grundlegendes Konstrukt der Sozialpsychologie
-> wesentliches Element menschlicher Kommunikation
-> Beeinflussung von Einstellungen & Verhaltensweisen durch Kommunikation
-> persuasive Kommunikation untersucht, wie Kommunikatoren versuchen,
Meinungen & Handlungen von Empfängern zu verändern
-> allgegenwärtig in Werbung, politischen Kampagnen & sozialen Interaktionen
-> Ziel: Sichtweisen zu Einstellungsobjekt prägen, stärken oder verändern
welche Bedeutung haben Einstellungen in der Sozialpsychologie?
komplexe Konstrukte, die Verständnis & Reaktion auf soziale Umwelt steuern
-> Einfluss auf Wahrnehmung, Beurteilung & Verhalten
-> Menschen betrachten Welt nicht als neutrale Beobachter
-> Bewertung von Wissen, Erfahrung & aktueller Stimmung abhängig
-> helfen, bestimmte menschliche Bedürfnisse zu erfüllen
welche Hauptfunktionen haben Einstellungen nach Jonas et al.?
1.) Einschätzungsfunktion
-> Zweck: Beurteilen von Einstellungsobjekten erleichtern
-> Beispiel: nur Kosmetik einer bestimmten Marke kaufen
2.) Instrumentelle Einstellungen
-> Zweck: Verhalten steuern (Belohnungen maximieren, Kosten minimieren)
-> Beispiel: in Freizeit eher Sport machen als TV zu schauen
3.) soziale Anpassungsfunktion
-> Zweck: mit sympathischen Personen identifizieren & von unsympathischen
distanzieren
-> Beispiel: Freunde haben gemeinsame Interessen
4.) Ich-Verteidigungsfunktion
-> Zweck: sich selbst positiv wahrnehmen & Selbstwertgefühl schützen
-> Beispiel: Mathematik für unwichtig halten, weil man selbst darin nicht gut ist
5.) Wertausdrucksfunktion
-> Zweck: Wertvorstellungen zum Ausdruck bringen
-> Beispiel: Engagement für Naturschutz
wie können Einstellungen verändert werden?
Einstellungen können sich verändern, sind aber unterschiedlich stabil
-> stark verankerte Einstellungen: schwer veränderbar, benötigen starke Argumente
-> weniger gefestigte Einstellungen: leichter beeinflussbar
-> Einstellungsänderung als aktiver Prozess der Persuasion
zwei Wege der Überzeugung nach Elaboration-Likelihood-Modell:
1.) zentrale Route (High Elaboration):
-> intensive, kritische Auseinandersetzung mit Inhalten
-> Voraussetzung: Motivation & Fähigkeit zur Verarbeitung
-> Wirkung: langfristige, stabile Einstellungsänderung
2.) periphere Route (Low Elaboration):
-> oberflächliche Verarbeitung
-> Orientierung an Heuristiken & äußeren Reizen (Sympathie, Expertenstatus)
-> Wirkung: kurzfristige, wenig stabile Einstellungsänderung
Pfade schließen sich nicht gegenseitig aus:
-> Verarbeitung auf Verarbeitungskontinuum zwischen beiden Pfaden
-> Motivation & kognitive Kapazität bestimmen Verarbeitungstiefe
-> je höher die Faktoren, desto eher wird zentrale Route genutzt
-> Ablenkung & externe Störungen reduzieren Bereitschaft
wie kommt es zu einer Verhaltensänderung in Bezug auf Einstellungen?
Lernmethoden erzeugen Einstellungsbeeinflussung:
-> klassische Konditionierung: Kopplung von US mit NS führt zu Wohlbefinden
-> operante Konditionierung: positive/negative Verstärkung beeinflusst Einstellung
-> Modelllernen: Imitation von Verhalten & Meinungen wichtiger Personen
Mere-Exposure-Effekt (Nähe-Effekt):
-> wiederholter Kontakt mit Reiz führt zu positiver Bewertung dieses Reizes
-> unaufdringliche Präsentation eines NS erzeugt positive Einstellung
kognitive Dissonanz:
-> wechselseitige Beziehung zu Einstellung & tatsächlichem Verhalten
-> Ziel: Gleichgewicht zwischen Einstellung & Verhalten herstellen
-> Motivation durch Unstimmigkeit beider Aspekte
was besagt die Theorie des geplanten Verhaltens nach Ajzen?
Verhalten ist durch Absichten (Intentionen) vorhersehbar
-> je stärker Verhaltensabsicht, desto wahrscheinlicher wird Verhalten ausgeführt
Hauptfaktoren der Verhaltensabsicht:
1.) persönliche Einstellung: Bewertung des Verhaltens (positiv/negativ)
2.) subjektive Norm: Wahrnehmung sozialer Erwartungen
3.) wahrgenommene Verhaltenskontrolle: Einschätzung der eigenen Fähigkeit,
Verhalten umzusetzen
-> Kombination aller Faktoren: starke Intention (hohe Umsetzungswahrscheinlichkeit)
moderierende Variablen:
-> beeinflussen Stärke des Effekts
1.) Einstellungssicherheit: wie überzeugt ist jemand von seiner Meinung?
2.) Zugänglichkeit: wie leicht sind einstellungsrelevante Infos abrufbar?
3.) Stabilität der Einstellung durch konsistente, einseitige Erfahrungen
4.) Überzeugung von eigener Richtigkeit der Annahme
was besagt das MODE-Modell nach Jonas et al.?
Motivation and Opportunity as DEterminants
-> nicht jedes Verhalten ist geplant oder überlegt
-> erklärt, wie Einstellungen spontanes Verhalten beeinflussen
-> abhängig von Motivation & Gelegenheit
Schlüsselhypothese:
-> Motivation & Gelegenheit hoch: Verhalten basiert auf überlegter Infoverarbeitung
-> Motivation & Gelegenheit gering: spontanes Verhalten (durch leicht zugängliche
Einstellungen vorhersagbar
Manipulation der Variablen:
-> erhöhte Zugänglichkeit durch häufiges Ausdrücken einer Meinung
-> erhöhte Motivation durch Info über Vergleich mit Experten
-> bei geringer Motivation & hoher Zugänglichkeit: verzerrte Urteile durch Einstellung
-> bei hoher Motivation oder niedriger Zugänglichkeit: weniger Verzerrung
was besagt das Reflexiv-Impulsive Modell (RIM) nach Strack und Deutsch?
Erklärung des Zusammenhangs von Einstellung & Verhalten
-> menschliches Verhalten durch Zusammenspiel zweier Systeme beeinflusst:
1.) reflexives System
-> basiert auf bewusstem Nachdenken & Abwägen von Infos
-> ähnelt menschlicher Reaktion auf explizite Einstellungsmessungen
-> stärkerer Einfluss auf überlegtes Verhalten
2.) impulsives System
-> durch automatische, assoziative Verbindungen gelenkt
-> ähnelt menschlicher Reaktion auf implizite Einstellungsmessungen
-> stärkerer Einfluss auf spontanes Verhalten
welche klassischen Persuasionsstrategien gibt es?
1.) Foot in the Door-Technik
-> Prinzip: zuerst kleine Bitte, dann größere
-> kleine Zusage verändert Selbstbild
-> Wunsch nach Konsistenz führt zu Zustimmung auch bei größeren Bitten
-> psychologisches Prinzip: Konsistenz/Commitment
2.) Low Balling-Technik
-> Prinzip: erst attraktive einfache Anfrage, dann verschärfte Bedingungen
-> nach anfänglichem Commitment bleibt Person trotz Zusatzaufwand bei
Entscheidung
-> psychologisches Prinzip: Verpflichtung & Konsistenz
3.) Door in the Face-Technik
-> Prinzip: erst überzogene unrealistische Bitte, dann moderate Bitte
-> Ablehnung der ersten Bitte + zweite Bitte wirkt vernünftig: höhere Zustimmung.
-> psychologisches Prinzip: Reziprozität (Gegenseitigkeit bei Konzessionen)
was versteht man unter der Resistenz gegen Einstellungsänderungsversuche?
warum widerstehen Menschen trotz überzeugender Argumente Beeinflussung?
-> beruht nicht nur auf Stabilität, sondern auch psychologischen Mechanismen:
-> Mechanismen: Reaktanz, Selbstkonsistenz, Commitment, frühere Überzeugungen
Rolle des Selbstkonzepts:
-> Selbstkonzept: Wissen & Überzeugungen über eigene Person:
-> Einstellungen als Teil des Selbstkonzepts untrennbar von Identität
-> Veränderung bedroht Identität: führt zu kognitiver Dissonanz
-> Folge: stärkere Resistenz gegen Einstellungsänderung
Einfluss der Botschaft & des Kontexts:
-> manipulative, unglaubwürdige & aufdringliche Botschaften erhöhen Widerstand
-> affektiv verankerte Einstellungen (emotional begründet) besonders stabil
-> entstehen aus persönlichen Erfahrungen, Werten, kulturellen Prägungen
-> eng mit Selbstkonzept & Identität verbunden
-> Emotionen lassen sich schwer durch Logik verändern
-> Emotionen als intuitive, unmittelbare Leitinstanz (überwiegen rationale Argumente)
wie beeinflussen Persönlichkeitsvariablen die Resistenz gegen Einstellungsänderungsversuche?
große Relevanz: Konstrukt der Selbstüberwachung
-> Unterschiede der Fähigkeit & Neigung, Verhalten an sozialen Kontext anzupassen
-> hohe Ausprägung: starke Anpassung
-> niedrige Ausprägung: konsistentes Verhalten in Einklang mit Einstellungen
-> bei niedriger Ausprägung kann Verhalten besser anhand Einstellungen
vorausgesagt werden
-> bei hoher Ausprägung geringe Korrelation zwischen Einstellung & Verhalten