Was ist Religion? Erkläre die verschiedene Begriff!
Religion ist ein wissenschaftlich umstrittener, vieldeutiger Begriff:
funktionaler Begriff von Religion: Sport, Konsum, Massenereignisse werden als “Religion” gesehen, im Sinne gesellschaftlicher Praktiken, die ein “Verschmelzungsgefühl auslösen
substantieller Religionsbegriff: Glaube an eine transzendente Wirklichkeit als Lebensform
phänomenologischer Religionbegriff: Leben in Verbindung mit dem “Göttlichen”
(Religionsgemeinschaften, Esoterik, Yoga, Spiritualität)
Institutionelle Religion/sozialwissenschaftlich betrachtet:
Durkheim (1965) definiert Religion als ein einheitliches System von Glaubensvorstellungen und Praktiken in Bezug auf heilige Dinge, die Anhänger zu einer moralischen Gemeinschaft vereinen.
Religiosität umfasst eine positive Beziehung zu einer oder mehreren Religionen; Konfessionelle Religion beinhaltet ein Set von Glaubensvorstellungen und Verhaltensweisen, die von einer Gemeinschaft geteilt werden
Individuelle Religion:
Individuelle Religiosität ist ein mehrdimensionales Konstrukt, welches sehr unterschiedliche Formen annehmen kann.
Erkläre die drei Dimensionen der individuellen Religion!
Religion in 3 Dimensionen:
Außen
Lebensglaube ->
Sinnfrage (Religiöse Grunderfahrung) -> ich fühle mich gehalten "es gibt etwas Höheres, wie die Kraft oder Gott
Mitte
Gottesglaube -> Transzendenzerfahrung, ich kenne eine “andere Wirklichkeit”, Ich
glaube an Gott, aber ich gehe nicht in die Kirche”
Innen
Gemeinschaftsglaube -> Zugehörigkeit zu einer Konfession / Glaubensgemeinschaft
“Ich praktizieren meinen Glauben”, ..beten, Besuch von religiösen Stätten)

Was ist unter Weltanschauung in der Religion zu verstehen?
Alle Religionen beinhalten eine Weltanschauung (ein
Fenster, von dem aus auf die Welt geschaut wird) ABER nicht alle Weltanschauungen sind religiös.
Kosmologien sind wissenschaftliche Lehren über den Aufbau und die Entstehung/Entwicklung des Universums.
Wie wird die Religion in der Gesellschaft gesehen?
Die Auseinandersetzung mit Religion muss als Teil eines demokratischen Aushandlungsprozesses
gesehen werden, die alle Bürger*innen der Gesellschaft gleichermaßen betrifft, egal ob man sich selbst
als religiös/areligös bezeichnet.
Säkularisierungstheorie der Moderne / Doppelter Pluralismus
Die Säkularisierungstheorie, dass Modernität zu einem
Untergang von Religionen führen muss, wurde empirisch widerlegt.
Es braucht ein neus Paradigma:
DER DOPPELTE PLURALISMUS*
Koexistenz bedeutet, dass verschiedene Gruppen nebeneinander bestehen und friedlich zusammenleben, ohne einander zu bekämpfen oder zu verdrängen.
Es geht dabei um das friedliche Zusammenleben und die gegenseitige Anerkennung, auch wenn es unterschiedliche Überzeugungen und Weltanschauungen gibt.
Was bedeutet "Dominanzverlust durch Pluralisierung"?
Der Begriff „Dominanzverlust durch Pluralisierung“ in der Religion beschreibt die Veränderung der Rolle und Bedeutung von Religionen in modernen Gesellschaften, insbesondere im Kontext von Pluralismus und Vielfalt. Diese Veränderung hat zur Folge, dass eine früher dominante Religion an Einfluss und gesellschaftlicher Macht verliert.
christl. Vormachtstellung/Dominanz nimmt zunehmend ab - wird als Verlust wahrgenommen
Differenz als Chance für Selbsterkenntnis, Identitätsbildung, Lernprozesse, Anregung die eigene
Religiösität zu hinterfragen (rel. Selbstreflexion)
religiöse Diversität als Ressource anzuerkennen bedeutet die FRAGE und SUCHE nach WAHRHEIT
als gemeinschaftlichen Prozess zu betrachten
Empathiefähigkeit wird durch reale Begegnung mit religiöser Diversität gefördert, Vorurteile können abgebaut oder verhindert werden, Euphorie und irrationale Ängste können abgebaut
werden
Was versteht man unter Identitätspräkariat?
Identität ist nicht mehr eindeutig.
Es herrscht ein Kampf um die Vorherrschaft zwischen dem Eigenen und dem Fremden. Man ist nicht mehr einfach der, der man immer war. Nationale Identität wird durch Globalisierung zunehmend brüchiger. Dieses gesellschaftliche Phänomen bezeichnet Isolde Charim als “Identitätspräkariat” Weil die vormals “eindeutig
österreichische” Identität umkämpft ist und stets neu ausgehandelt werden muss in einer pluralisierten Gesellschaft, wird dies von vielen Menschen als Verlust (als Minus) empfunden. Ebenso empfinden Menschen, die aus ihrer Heimat nach Österreich immigriert sind einen Verlust in Bezug auf ihre Identität. Daraus ergibt
sich ein gemeinsames Minus
Beschreibe die Selbstorientierung in der Religion!
Was versteht man unter "der ausgrenzenden Humanismus" in der “Moderne” ?
SÄKULARITÄT als Kennzeichen für die MODERNITÄT eines Staates:
Es geht nur noch um menschliche Werte, was im historischen Vergleich eine einzigartige Situation ist. In dieser “modernen Welt” stellt der Glaube für viele Menschen die Tür zum “Außenseitertum” dar, da es in der modernen Welt keinen Platz für den Glauben gibt. Man spricht vom exkludierenden Humanismus oder “Atheismus” als Normalitätsvorstellung.
Werte & Weltanschauung
Spiritualität des 21. Jahrhunderts
Die Grundform der Spiritualität ist die SUCHE - ich selbst muss meinen Weg zur spirituellen Tiefe
finden - “Selbstfindung” in Gegenüberstellung zur Religion spiegelt die Ablehnung gegenüber der
Kirche als autoritäre Institution Glauben ohne Zugehörigkeit (believing without belonging) - Abkopplung von Glauben und Praxis
Westliche Gesellschaften sind in historischer Weise christlich geprägt - das Zeitalter der Authentizität brachte jedoch einen Rückzug des Christentum hervor . Globalisierung/Mobilisierung werden für die Pluralisierung der Gesellschaft/der Religion verantwortlich gemacht. Dieser Prozess wird als Verlust und Verunsicherung empfunden - es kommt vermehrt zu Polarisierungstendenzen und dem Wunsch “zurück in die Vergangenheit zu rudern”. Pluralisierung kann jedoch als Chance genutzt werden um eigene Normalitätsvorstellungen zu hinterfragen und Diversität als Bereicherung anzuerkennen.
Feste als “Verschmelzungserlebnis”
Menschen suchen Augenblicke der
“Verschmelzung”(gemeinsames Handeln/Empfinden),
die uns aus dem Alltag herausreißen und mit etwas
Jenseitigem in Verbindung bringen
Massenversammlungen, Rockkonzerte, Raves, stark
bewegende Ereignisse, Weltjugendtag, Wallfahrten, …
diffuses Christentum - nominelle Verbundenheit zu
einer konfessionellen Institution - ohne physische
Zugehörigkeit
Die sechs Grundpraxen des Menschen
Dietrich Benner sechs Aufgaben des Menschen (inkl. Bestimmungen):
alle Lebensaufgaben bedingt durch Freiheit, Geschichtlichkeit, Sprachlichkeit und Leiblichkeit
alle Lebensaufgaben gleichursprünglich – in jeder Lebenssituation zu bearbeiten – jeder muss sich ihnen stellen

Fragen nach dem guten Leben und der Endgültigkeit
Wissen um das gute Leben im Jetzt (z.B. im Umgang mit der Erde) und ebenso um die menschliche Endlichkeit/Sterblichkeit.
Wie denke und handle ich angesichts meiner Endlichkeit?
dies bringt mit sich, Dingen auf den Grund gehen zu wollen
→ stetige Suche nach letztgültigen (unabschließbaren) Sinn aller Handlungszwecke (woher bekommen wir ihn?)
Handeln mit Sinn und Zweck
Unterscheidung in Handlungszweck (Vernunft, Zweckrationalität) und Handlungsziel
Der Handlungszweck ist das mit einer Tätigkeit direkt angestrebte Ziel. Wir machen etwas, weil wir einen langfristigen Sinn darin sehen. Religion ist die Erinnerung daran, dass es Sinn macht, sich zu bemühen.
Religion als Dauerauftrag der Suche
Verhältnis von Wissen und Glauben
Menschfragen nach Kant: Was kann ich wissen? Was darf ich hoffen?
Bildsamkeit als Bildungsfähigkeit
Religiosität als Bindungsfähigkeit
Verhältnis Bildung und Bindung

Religiöses Handeln als Grundpraxis des Menschen
Praxis der Lebenden mit den Toten
Verständigung über den Sinn menschlichen Daseins
Auseinandersetzung mit dem Tod
Religionssensibilität als pädagogische Kompetenz:
Religiosität als “Talent” fördern, entdecken (“religiöse Musikalität”)
Menschen haben das Gefühl, “da ist noch etwas anderes”. Abhängig von der sozialen
Umwelt, der Erziehung und dem Angebot an Möglichkeiten zu glauben, entwickeln
Menschen ein Weltbild/ein Gottesbild.
Pädagoisch professionelles Handel begleitet die Suche nach der Wahrheit, kann keine
fertigen Antworten geben.
Religionssensibilität
als pädagogische Kompetenz
Dem gilt es sich bewusst und reflexiv zu stellen
Religionssensibilität erfasst auch die Perspektive, dass mit „Religion“zuschreibende, ausgrenzende, realitätskonstruktive Praktiken verbunden sind.
Erkläre mir die Punkte des Umgangs mit religiöser Vielfalt!
Der Umgang mit Religion zeigt sich in
Was können Diskriminierungsgründe sein?
Rassistische Diskriminierung (allgemein): 84 %
Wie lautet die westliche Idee der Moderne?
Die westliche Moderne wird als das Resultat einer linearen Entwicklung betrachtet. Die Aufklärung trug
dazu bei, dass die "Wahrheit" entdeckt wurde. Die Säkularisierung stellt den geistigen Wandel dar, in dem
die Europäerinnen ihre geistig begrenzten Horizonte abgelegt haben. So lautet das Narrativ der westlichen Moderne. Die Kehrseite dieser Moderne ist jedoch die damit verbundene Abwertung und Ausschließung von Nationen/Menschen , die nicht der Logik der aufgeklärten Moderne folgen und daher als "entwicklungsbedürftig, hinten nach oder "unterentwickelt" abgewertet werden. Dieser Anspruch der Exklusivität legitimiert auf rationale Weise rassistisches und diskriminierendes Denken und
Handeln und stellt eine Grundlage für die massive Abwehr gegen Religion dar.
Wie kann man Diskriminierung entgegenwirken?
Wie schaut eine Postkoloniale Pädagogik aus?
Pluralitätskompetenz in der pluralisierten Gesellschaft wird durch soziale Kontakte in Bildungseinrichtungen gefördert. Haltung der Lehrperson spiegelt sich in der Didaktik und Methodik des Unterrichts.
Daher ist ein Nachdenken und Hinterfragen der eigenen Positioniertheit in Bezug auf Religion/Weltanschauungen notwendig (Metareflexivität). Lehrpersonen sollen fähig sein zu hinterfragen warum sie so denken wie sie denken. Worauf ist mein Wissen gegründet? Welche stereotypen Vorstellungen könnten sich in meinem eigenen Nachdenken und Werten "verstecken"?
Erkläre die religiöse Diskriminierung näher!
Definition Diskriminerung: Person wird aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer best.
Gruppe und unabhängig von individuellen Eigenschaften anders behandelt,
Bewusste/unbewusste Diskriminierungen fallen oft nicht auf, weil sie als Selbstverständnis unhinterfragt bleiben DAHER bedürfen sie besonderer Aufmerksamkeit
Individuelle/strukturelle/institutionelle Ebene der Diskriminierungen
I: Verhalten zwischen Schüler:innen/SchülerI.nnen, Lehrer:innen/Schüler:innen
O: Handeln einer Organisation (Regeln, Gesetze, Abläufe)
S: gesellschaftl. Strukturen (Vorstellungen, Ideen, Medien)
Nenne mir die 12 Religionen, für die an Schulen Religionsunterricht angeboten werden!
Urteilsfähigkeit im Zwischen
Fähigkeit, zwischen Thematisierung und Dethematisierung von kulturell codierten
Differenzmerkmalen sind angemessen zu entscheiden.
Kulturalistische Engfühung ist obsolet (auch Gefahr Strukturen soziale Ungleichheit zu kulturalisieren oder auch ‚kulturelle Differenz‘ als Sprachversteck für den Rassismus zu übersehen) → Notwendigkeit einer kulturellen Sensibilität in einer migrationspädagogischen
Orientierung (Teilhabe, Anerkennung von Ansprüchen)
Widersprüche rund um Kultur: Kultur verstehen (entziffern) festlegen und verfügen, begreifen und
eingreifen:
Pluralismus der Religionslogiken braucht einen Pluralismus der Umgangsformen mit
Religion(en) → pädagogischer Takt
Pädagogischer Takt
„zeigt der Begriff pädagogischer Takt (…) ein spezifisches Problembewusstsein an, das mit den
Fragen nach Bestimmbarkeit und Unbestimmbarkeit, nach Sicherheit und Unsicherheit sowie
nach Verfügbarkeit und Unverfügbarkeit pädagogischen Handels verbunden ist“
Unterrichtsgeschehen ist Unterricht ist kontingent*, emergent und situativ!
Keine Lösungsformel, sondern als Problematisierungsformel für pädagogische Sachverhalte fragende Grundhaltung, die oft vorschnelle Erklärungen des „Schon-Verstanden-Habens“ hinter
sich lässt und Sensibilität für Sinnbrüche, Mehrdeutigkeiten entwickelt
Verschiedene Denkansätze nach Degele/Winkler 2009:
Kompetenzlosigkeitskompentenz
Fragende Haltung zu Kompetenzlogiken (die auch Macht- und Herrschaftslogik beinhalten)
Durch vielfache soziale (verstrickte) Positionierungen und Zugehörigkeiten braucht es ein, diese
Differenz-Ordnungen wahrzunehmen und gleichzeitig zu bearbeiten „Der provokante Begriff Genderkompetenzlosigkeitskompetenz stellt folglich ein Plädoyer dafür dar, die Grenzen des eigenen Wissens, Wollens und Könnens bzw. Handelns, sprich der eigenen
Professionalität und der damit einhergehenden Idee von Souveränität: anzuerkennen und sich sowohl in Bezug auf „quasitechnologische“ Vorstellungen von
Kompetenz als auch im Hinblick auf eine Vorstellung von Geschlecht als „reiner“ Kategorie
verunsichern zu lassen. Unter dem Begriff Genderkompetenzlosigkeitskompetenz ginge es also
darum, Ungleichheitsverhältnisse und ihre Auswirkungen auf pädagogisches Verhalten, Denken,
Sprechen und Handeln so weit wie möglich zum Gegenstand der Reflexion zu machen und
Pädagog*innen für die Beobachtung und Wahrnehmung der widersprüchlichen Effekte ihrer
eigenen pädagogischen Praxis zu sensibilisieren.“
Pädagogischer Umgang mit religiöser Heterogenität
Religion und Schulkultur (Annahmen über Zusammenleben, Menschenbild,
Weltanschauungen beeinflussen Schulleben und Geschehen im Unterricht)
3 Ebenen der Schulkultur:
Veränderungen finden in Bildungsinstitutionen statt, wenn diese auf EBENE der GRUNDLEGENDEN ANNAHMEN erfolgen (langfristiger Prozess, provoziert Widerstände)