Was sind mögliche Probleme in der Analyse der Alltagssprache?
1. "Ist"-Mehrdeutigkeit
2. Die Rede vom "Nichts"
3. Explikation als Veränderung des Gebrauchs
4. Rolle der Logik als mögliche ideale Sprache
Philosophische Erkenntnisgewinnung
“If anything can be pursued in an armchair, philosophy can. Its traditional method is thinking, without observation or experiment"
Methode der Philosophie ist das Nachdenken (Andere Wissenschaften: Experimente/Beobachtungen)
Bedeutung für die Philosophie
(armchair, a priori, a posteriori)
Im philosophischen Lehnstuhl sind Überzeugungen idealerweise a priori gerechtfertigt
Wie ist eine a priori Rechtfertigung möglich?
Begriffsanalyse am Beispiel des Wissensbegriffs
Warum Begriffsanalyse?
Es wird versucht, Antworten auf Fragen zu geben, bevor hinreichend klar ist, was überhaupt die Frage ist (Moore)
-> Mögliche Lösung: Begriffsanalyse
Ziel der Begriffsanalyse
Klare Definitionen angeben und auf diese Weise die substantiellen Fragen, mit denen wir uns beschäftigen, besser zu verstehen und damit auch besser beantworten zu können.
a priori: Wir verfügen als kompetente Sprecher:innen über relevante Begriffe und können Definitionsvorschläge überprüfen, indem wir Gegenbeispiele rekonstruieren
Analyseschritte der Begriffsanalyse
DefinitionN
Die Angabe einzeln notwendiger und zusammen hinreichender Bedingungen dafür, dass ein Gegenstand unter einen Begriff fällt.
Zusammenhang zum Konditional p→q (p ist hinreichend für q, q ist notwendig für p)
wenn etwas rot ist, dann ist es farbig I__________________I I__________________I p q
rot zu sein ist eine hinreichende Bedingung dafür, farbig zu sein. farbig zu sein ist eine hinreichende Bedingung dafür, rot zu sein.
Notwendige und hinreichende Bedingung
Bei einer Definition werden einzeln notwendige und zusammen hinreichende Bedingungen dafür angegeben, dass ein Gegenstand unter einen Begriff fällt.
Beispiel: Die Apfelblüte ist eine notwendige Bedingung für die Existenz eines Apfels. Sie ist jedoch allein nicht hinreichend. Dafür müssen weitere Bedingungen erfüllt sein.
(Weitere Beispiele: Apfelkuchen, Cheeseburger)
Begriffsanalyse und analytische Wahrheiten
Dass p ist analytisch genau dann, wenn p wahr ist aufgrund seiner Bedeutung.
Analytisch→Wenn die Wahrheit des Satzes durch eine (Begriffs-)analyse der darin vorkommenden Begriffe bestimmt ist. Der Wahrheitswert von S hängt allein von den Bedeutungen der Ausdrücke in S ab.
Beispiel: Alle Schimmel sind weiß. Junggesellen sind unverheiratet. Der Pudel ist ein Hund.
Kant: analytische und synthetische Urteile
Ordinary Language Philosophy
Paul Grice, John L. Austin, Sir Peter Frederick Strawson
Schwierigkeiten bei der Analyse der Alltagssprache: Sie beinhaltet einige Mängel→Grice: ambiguity, misleadingness, vagueness, incorporation of mistakes or absurd assumptions
(Mehrdeutigkeit, Irreführung, Unbestimmtheit und die Einbeziehung von Fehlern oder absurden Annahmen)
Alltagssprache: Frege
→Wir brauchen Wörter, um Wissenschaft zu betreiben, aber diese (der Alltagssprache) sind meist für unsere Zwecke nicht recht geeignet, weil sie nicht bestimmt genug und schwankend im Gebrauch sind.
Probleme bei der Analyse der Alltagssprache:
Sie enthält Verwirrungen, die durch (bedeutungserhaltene) Analysen nicht aufgelöst werden können.
Das Nichts
Hegel: das Absolut-Negative
Carnap: Das Nichts = sinnlos→Fehler unserer Sprache: Sie lässt im Gegensatz zur korrekten Sprache grammatikalische Formgleichheit zwischen sinnvollen und sinnlosen Wortreihen zu.
Beispiele für sinnlose, aber grammatisch korrekte Wortreihen: Das Nichts, das runde Dreieck, x sagt: „Ich kann nicht sprechen.“
Impliziert die Behauptung, dass Peter müde ist, dass Peter mit Müdigkeit (teil-)identisch ist?
Zur Erinnerung: Identitätsprinzip
→Gegenstand A ist genau dann mit einem Gegenstand B identisch, wenn alle Eigenschaften, die A zukommen, auch B zukommen und umgekehrt.
3 Verwendungsweisen von „sein“
1) Zu existieren oder nicht zu existieren (Verwendung im Sinne der Existenz)
2) Peter ist müde (Prädikative Verwendung)
3) Peter Parker ist Spiderman (Identifizierende Verwendung)
Impliziert die Behauptung, dass Peter müde ist, dass Peter mit Müdigkeit (teil-)identisch ist?
→Frege und Russell: Nein. „Sein“ ist mehrdeutig.
Frege-Russell-Ambiguitätsthese
Was bringt uns die Frege-Russell-Ambiguitätsthese?
→Sprachliche Verwirrung wird durch logische Partikel gelöst
→Verwendungsweisen von Begriffen unterscheiden (hier am Beispiel von „sein“)
Ideale Sprache
→Forderung: Ersetzen der natürlichen Sprache in wissenschaftlichen und philosophischen Kontexten durch eine „verbesserte“ Sprache
→Frei von Mehrdeutigkeiten, unklaren Begriffen etc.
Bsp.: Logik
Begriffsexplikation anstatt Begriffsanalyse
Ähnliche Ziele: Vagen oder mehrdeutigen Ausdruck der Alltagssprache zu präzisieren.
Aber: Explikation als Veränderung des Gebrauchs→zielt nicht auf Synonymität ab!
Explikandum: zu präzisierender/definierender Ausdruck Explikat: der ihn ersetzende Ausdruck
Explikandum wird zu neuem Konzept, also zum Explikat →[...] transforming a more or less inexact concept into an exact one or, rather, in replacing the first by the second.“ (Carnap 1950: 3ff.) →„Wissen“, „Wahrheit“ (wahre Aussage vs. Wahre Liebe)