Gemeinsame Merkmale der meisten Störungsdefinitionen
1. Devianz (= Abweichung/Seltenheit) von der gesellschaftlichen Norm
2. Leidensdruck (Ausnahme Manie, Wahn)
3. Beeinträchtigung in sozialen Beziehungen, Lernen oder Arbeiten
4. Selbst- oder Fremdgefährdung
=> Diagnostik über Symptomlisten, Psychotherapeuten oder Psychiater!
− ICD-11 der WHO
− DSM-V der American Psychological Association (APA)
Das Mehr-Ebenen-Modell der Entstehung psychischer
Störungen bei Kindern und Jugendlichen
Psychische Störung - wie entstehen diese?
1 Psychosoziale Faktoren: Person des Kindes, Familie, Schule, Gleichaltrige
2 Gesellschaftliche Faktoren: Sozialschicht, Ökologie (Stadt/Land), Fremde Kultur
3 Aktuelle Lebensumstände: Umzug, Tod einer nahestehenden Person, ...
4 Biologische Faktoren: erblich, konstitutionell, körperlich
Prävalenzrate
Rate der zu einem Zeitpunkt (Punktprävalenz) oder in einem Zeitraum (Periodenprävalenz) feststellbaren erkrankten bzw. behandlungsbedürftigen Fälle
Beispiel:
In einer Schule mit 1.000 Schülern haben am heutigen Tag 50 Schüler Schnupfen.
= Die Prävalenzrate für Schnupfen an dieser Schule beträgt heute 5% (50 von 1.000)
Inzidenzrate
Rate der innerhalb eines bestimmten Zeitraums neu Erkrankter
Ätiologie
Beschäftigung mit den Ursachen für die Entstehung einer Störung
Komorbidität
Gleichzeitiges Auftreten verschiedener Störungen bei einer Person
(z.B. Störung des Sozialverhaltens und Depression)
Epidemiologie
Die Beschäftigung mit der Verteilung und den Gesetzmäßigkeiten von Krankheiten:
= Sie untersucht, wie oft Krankheiten auftreten, wer davon betroffen ist und welche Faktoren (Ursachen, Risiken) ihre Ausbreitung beeinflussen
Epidemiologie / Zahlen psychischer Störungen
hohe Prävalenzraten psychischer Störungen im Kindes- und Jugendalter
= knapp 18%
Davon entfallen...
... 9,8 % auf Angststörungen
... 7,5 % auf externalisierende Störungen (nach Außen hin sichtbar)
... 5,9 % auf internalisierte / depressive Störungen
> in Deutschland 16,9% der 0- bis 17-Jährigen laut Elternangaben psychisch auffällig
> Kinder und Jugendliche mit niedrigem Sozialstatus und Migrationshintergrund sind vermehrt betroffen
Relevanz psychischer Störungen
1. Psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter haben schwerwiegende Folgen:
− Beziehungen, Bildungserfolg, berufliche Möglichkeiten
2. Psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter sind persistent (=langlebig):
− 50% (Störungen) bestehen über 2-5 Jahre
− 10% dauern über 5 Jahre hinweg (Chronifizierung)
=> Viele psychische Störungen des Erwachsenenalters beginnen bereits in der Kindheit und Jugend
Diagnostik und Therapie im Kindes- und Jugendalter
1. psychosoziale Probleme bei Heranwachsenden häufig nicht erkannt oder nicht ausreichend behandelt (nur bei 5 – 10 % ausreichende Behandlung)
2. Kinder sind davon abhängig, dass sich ihre Eltern dafür entscheiden, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen
> Eltern müssen:
− erkennen, dass das Kind Hilfe braucht
− in Erwägung ziehen, professionelle Hilfe aufzusuchen
− Barrieren überwinden (eigene negative Einstellungen, Meinung anderer, Suche nach Experten…)
− oft selbst mitarbeiten
Fazit für Lehrkräfte bei Zusammenstoß mit psychischen Krankheiten im Klassenzimmer
1. als Lehrkraft mit psychischen Auffälligkeiten bei SuS rechnen
2. bedeutsame Hinweise/Symptome erkennen
3. Suche nach Hilfe fördern, Hilfe einleiten
4. das Kind in seinem Gesamtsystem sehen (Familie, Wohngegend, …)
5. Vertrauensverhältnis bzw. Erziehungspartnerschaft mit den Eltern aufbauen
6. Kontakt mit Beratungsstellen und Kinder- und Jugendpsychiatrie aufbauen (Vernetzung)
Internalisierende Störungen
= Psychische Belastungen werden nach innen gerichtet.
Betroffene leiden still und fallen mangels störenden Verhaltens im Unterricht kaum auf.
Häufigste Störungen im Kindes- und Jugendalter:
− Angststörungen
− Depression
− AD(H)S
− Oppositionelles, aggressives Verhalten
Externalisierende Störungen
= Psychische Belastungen werden nach außen gerichtet
Betroffene zeigen auffälliges, störendes Verhalten und fallen im Unterricht sofort auf.
Häufigste Störungen im Kindes- und Jugendalter:
− Essstörungen
− Autismus
− Traumatisierung, Posttraumatische Belastungsstörung
− Teilleistungsstörungen/neuronale Entwicklungsstörungen: Lese Rechtschreibstörung, Dyskalkulie
− Tic-Störungen (z.B. Tourette Syndrom), Epilepsie
Depressionen
Internalisierte Psychologische Erkrankung gekennzeichnet von:
− sozialem Rückzug, Leistungseinbruch, Erschöpfung & Reizbarkeit
Depressionen: Epidemiologie / Zahlen & Daten
(nicht auswendig)
− Vorschulkinder weniger als 1%
− Grundschulkinder 1-5 %
− Jugendliche 4-18 %
Mindestens jeder 10. Jugendliche erlebt wenigstens eine depressive Episode bis zur Volljährigkeit
=> steigende Reflexionsfähigkeit (= Selbstwahrnehmung)
− Ab Pubertät: Mädchen etwa doppelt so häufig betroffen!
Häufigkeitsangaben sehr unterschiedlich (je nach Messinstrument bzw. Schweregrad der Kriterien)
Man sollte mit mindestens 3% schwer und 11% mittelstark Betroffenen rechnen
Symptome & Diagnosekriterien Depression: Emotional
− Traurige, depressive Grundstimmung
− Freudlosigkeit
− Interessenverlust
− Antriebslosigkeit
− Angst
− Irritierbarkeit
− Stimmungsschwankungen
− Schuldgefühle
=> Sozialer Rückzug, Leistungseinbruch, Erschöpfung, Reizbarkeit
Symptome & Diagnosekriterien Depression: Kognitiv (Denkhemmung)
− Grübeln
− Hilf- und Machtlosigkeit
− Suizidgedanken
− Misserfolgsorientierung
− Katastrophenerwartungen
=> Sozialer Rückzug, Leistungseinbruch, Erschöpfung, Reizbarkeit
Symptome & Diagnosekriterien Depression: Körperlich
− Schlafstörungen
− Gewichtsverlust
− Müdigkeit
− Kopf- und Bauchschmerzen
− Appetitminderung
=> Sozialer Rückzug, Leistungseinbruch, Erschöpfung, Reizbarkeit
Depression: Exogene Ursachen / Ätiologie
= Ursachen, die aus der Umwelt oder den Lebensumständen der Person stammen (psychische Belastung, negative Lebensereignisse):
− Deprivation
− Missbrauch
− Tod einer nahestehenden Person
− Trennung der Eltern
− Krankheit eines Elternteils
Depression: Endogene Ursachen / Ätiologie
= Ursachen, die im Körper oder in der Biologie der Person selbst liegen
− Substanzeinwirkung (Entzug oder die Einnahme von Medikamenten/Substanzen)
− endokrinologische Veränderung (Verschiebung/Störung des Hormonhaushalts)
− Serotoninmangel
− erhöhte Stressempfindlichkeit
− weibliches Geschlecht
Depression: Ursachenmechanismen / Ätiologie
1. zu wenig positive Verstärkung
2. Generalisierung von Unkontrollierbarkeit (erlernte Hilflosigkeit)
3. kognitive Verzerrungen (negatives Bild von sich/anderen/Zukunft)
Depression: Therapie
1. vor allem: kognitive Therapie (negative Denkmuster analysieren)
2. Verhaltenstherapie (Kompetenzaufbau, Kontrolle, Selbstverstärkung)
3. Familientherapie (Unterstützung & Begleitung durch Eltern)
Dissozialität
= antisoziales Verhalten
Unterscheidung von:
1. dissozialem Verhalten
2. oppositionellem, aufsässigem Verhalten
Dissozialität mit dissozialem Verhalten - Symptome
= Verletzung grundlegender Rechte anderer oder wichtiger altersgemäßer gesellschaftlicher Normen, Regeln oder Gesetze:
− Aggressiv gegenüber Menschen und Tieren (Quälen, mobben)
− Zerstörung fremden Eigentums
− Betrug, Diebstahl
− Schwerwiegende Regelverstöße (lügen, Schule schwänzen, laufen von zu Hause weg)
Dissozialität mit oppositionellem, aufsässigem Verhalten -Symptome
= Massive Muster aus Negativismus, Trotz und Widerstand:
− trotziges, ungehorsames, provozierendes oder gehässiges Verhalten
− anhaltende wütende oder gereizte Stimmung
− oft heftige Wutausbrüche
Dissozialität: Epidemiologie
1. Bei dissozialem Verhalten:
− Mädchen: 2-9% unter 18 Jahren
− Jungen: 6-16%
− Kann in eine antisoziale Persönlichkeitsstörung münden
2. Bei oppositionellem, aufsässigem verhalten:
− Beginn in der Regel mit 8 Jahren
− vor der Pubertät bei Jungen öfter
− Prävalenz: 2-16%
− passiert meistens zuhause, aber auch in der Schule
Dissozialität - Störung des Sozialverhaltens: Ursachen / Ätiologie
Häufigste Ursache: gestörte Familienverhältnisse
1. Kinder, die von ihren Eltern…
... abgelehnt,
... verlassen oder
... nicht konsistent diszipliniert und beaufsichtigt werden
2. Eltern mit...
... Alkohol- und Substanzabhängigkeit
... affektiven Störungen (= Psychische Erkrankungen mit der Stimmung und Gefühle)
... Schizophrenie
Dissozialität - Störung des Sozialverhaltens: Therapie
Therapien sind bei jüngeren Kindern erfolgreicher als bei älteren:
1. Am wirksamsten sind familienbezogene Interventionen, bei denen...
... die Eltern wirksamere Umgangsweisen mit ihren Kindern lernen oder
... sich Eltern und Kinder gemeinsam einer verhaltensorientierten Familientherapie unterziehen
2. Trainingszentren für Jugendliche verfestigen oft nur die delinquente Subkultur (= Abweichende/Kriminelle Clique)
Delinquenz
= Straffälligkeit, Brechen von Gesetzen
BMI (Body-Mass-Index)
= Eine Kennzahl zur Bewertung des Körpergewichts eines Menschen in Relation zu seiner Körpergröße. Er dient als grober Richtwert, um Untergewicht, Normalgewicht, Übergewicht und Adipositas (Starkes Übergewicht) voneinander abzugrenzen
− Unter 18,5: Untergewicht
− 18,5 bis 24,9: Normalgewicht
− 25 bis 29,9: Übergewicht (Präadipositas)
− Ab 30: Adipositas

Anorexia nervosa - Magersucht: Symptome & Folgen
= Selbst verursachte Gewichtsreduktion durch wenig Kalorienaufnahme,
extremen Sport (letzeres auch bei Männern, hohe Dunkelziffer)
Folgen:
Körperfunktionen gehen zu Grunde, oft irreversible Störung der pubertären Körperentwicklung
Magersucht: Epidemiologie
> Untergewicht: BMI ≤ 17,5 (kg/m2)
> 0,3-1%, Gipfel bei 14 Jahre
> Mädchen 10-mal häufiger betroffen
Magersucht: Ursachen / Ätiologie
− Stress
− Kontrollverlust
− Zwang
− Körperschemastörung (= Eine gestörte Wahrnehmung des eigenen Körpers unabhängig vom tatsächlichen biologischen Gewicht)
Magersucht: Therapie
− Zwangseinweisung (Zwangsernährung, Esstraining)
− kognitive Verhaltenstherapie
Magersucht: Prognose (Epidemiologie)
− 2-5% Tod
− 20% Bulimie
− 20% chronisch
− 45-70% Heilung
Bulimia nervosa – Ess-Brechsucht: Symptome & Folgen
1. Ausdauernde Beschäftigung mit Essen und Heißhungerattacken (binge eating)
= Kontrollverlust
2. Danach Gegenmaßnahmen (Erbrechen, Abführmittel)
= Kontrolle
Folgen:
Körperliche Schäden (Zähne, Handknöchel)
Ess-Brechsucht: Epidemiologie
> 1-4%, hohe Dunkelziffer
> Gipfel zwischen 16-19 J.
> kein Gewichtskriterium
Ess-Brechsucht: Ursachen / Ätiologie
− schlechte Impulskontrolle
− schlechte Bewältigungsstrategien
− Zwang
− Körperschemastörung > Bulimie häufig nach Anorexie
Ess-Brechsucht: Prognose (Epidemiologie)
− 33% chronisch (= entsteht langsam, dauert lange an & kann meist nicht vollständig geheilt werden)
− oft Entstehung anderer psychischer Krankheiten
Binge-Eating-Störung: Symptome
Häufigste Essstörung:
= häufige, wiederkehrende Episoden von Essanfällen
(z. B. einmal pro Woche oder öfter über einen Zeitraum von mehreren Monaten)
Binge-Eating-Episode/Essanfall
= ein bestimmter Zeitraum, in dem die betroffene Person subjektiv die Kontrolle über das Essen verliert, d.h....
... deutlich mehr oder anders isst als gewöhnlich und
... sich nicht in der Lage fühlt, mit dem Essen aufzuhören oder
... die Art oder Menge der verzehrten Lebensmittel zu begrenzen
=> Nach der Episode negative Gefühle (Schuld, Scham)
Binge-Eating-Störung: Epidemiologie
> 2%, 20-30 Jahre bis zu 4%
> Frauen häufiger
> Unterschied zur Bulimia nervosa: keine regelmäßigen unangemessenen kompensatorischen Verhaltensweisen (kein Sport, Erbrechen, ...)
Binge-Eating-Störung: Ursachen / Ätiologie
− Risikofaktor kindliches Übergewicht
− erlebte Abwertung wegen Gewicht oder Essverhalten
− geringes Selbstwertgefühl
− Depression, Trauma, Emotionsregulationsprobleme
Binge-Eating-Störung: Prognose (Epidemiologie)
− Adipositas bei über 40%
− 70% mind. eine weitere Störung
− erhöhte Mortalitätsrate > nur 50% suchen Therapie (davon erreichen 50% Abstinenz)
− Langzeitverlauf insgesamt 2/3 Remissionsrate
Remissionsrate
= Der Prozentsatz der Personen in einer klinischen Studie oder Behandlungsgruppe, bei denen sich die Symptome einer Krankheit (oder psychischen Störung) teilweise oder vollständig zurückgebildet haben
> nicht zwingend eine dauerhafte „Heilung“, sondern beschreibt das (vorübergehende oder dauerhafte) Nachlassen der Erkrankung
Adipositas – starkes Übergewicht: Symptome & Folgen
Keine Essstörung, sondern Ernährungsstörung:
= Gesteigerte Nahrungsaufnahme, verringerter Kalorienverbrauch, Entwicklung abnormen Essverhaltens
Folgen:
gestörte körperliche Entwicklung & Erkrankungen
Adipositas: Epidemiologie
> 15,4% übergewichtige
> 5,9% adipöse 3- bis 17-Jährige
> 5-25% der engl./amerikanischen Kinder
> BMI größer als 30 (kg/m2):
− 30-35 moderat
− 35-40 extrem
− mehr als 40 morbid
Adipositas: Ursachen
− mangelnde Bewegung
− genetischer Einfluss
− Selbststeuerung: Essen aus Langeweile (38%), Einsamkeit (22%), depressiver Verstimmung (11%)
− als emotionale Bewältigungsstrategie
Adipositas: Prognose (Epidemiologie)
− Gute Therapieerfolge
− Therapiemotivation vorhanden
Angststörungen
= Psychische Erkrankungen mit übermäßig starken, langanhaltenden Ängsten, die Alltag und Leistung massiv einschränken. Die Angst steht in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Bedrohung
> Ca. Hälfte aller Kinder hat multiple Ängste, die meist im Laufe der Entwicklung
verschwinden
> Aber auch Entwicklung von spezifischen Phobien, generalisierter Angststörung (GAS) oder sozialer Phobie
Spezifische Phobie
Spinnen, Aufzüge, Fliegen, …
generalisierter Angststörung (GAS)
> ca. 1% aller Kinder
= Kind ist gehemmt und in ständiger Sorge um zukünftige Ereignisse, mögliche Verletzungen, Gruppenaktivitäten, Erwartungen, die eigene Kompetenz, Beurteilung durch andere etc.
Soziale Phobie
> ca. 2% aller Kinder
= Angst vor Hervorhebung, Bewertung, Fremden
> Extreme Aufregung, Erstarren, Weinen, kindliche Wutanfälle, Vermeidung
Trennungsangst: Symptome
1. Angst/Panik bei Trennung von zu Hause/von den Eltern: z.B. Freunde besuchen, Besorgungen machen, Ferienlager, Schulbesuch
2. Befürchtungen, verloren zu gehen und die Bezugsperson zu verlieren
3. Oft somatische Beschwerden: Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Übelkeit, wenn eine Trennung bevorsteht oder eintritt
Dauer:
Mindestens 4 Wochen, eher wechselhaft mit Verschlimmerungs- und Besserungsphasen
Trennungsangst: Epidemiologie
> ca. 4% aller Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren betroffen
> Mädchen etwas häufiger als Jungen
> Dauer: Mindestens 4 Wochen, eher wechselhaft mit Verschlimmerungs- und Besserungsphasen
Trennungsangst: Ursachen / Ätiologie
= Häufig geht ein belastendes Lebensereignis voraus:
− Tod eines Elternteils
− Umzug
− Schulwechsel
Prüfungsangst: Symptome
= deutlich spürbare Angst in Prüfungssituationen/bei der Prüfungsvorbereitung (dauerhaft erhöhte mentale und körperliche Anspannung) > den Bedingungen der Prüfung nicht angemessen
4 Ebenen der Symptome (Anhaltspunkte zur Intervention):
1. Verhaltensweisen
2. Gefühle / Emotion
3. Kognition / Gedanken
4. Physiologie (emotionally & worry)
= allg. Stresssymptome:
− Konzentrationsschwierigkeiten
− emotionale Reaktionen wie Gereiztheit
− Antriebslosigkeit
− Schlafstörungen
− etc.
> klinisch relevant, wenn das alltägliche Leben beeinträchtigt wird (Ausbildung, Schule, etc.)
Prüfungsangst: Epidemiologie
> eine fixen Diagnosekriterien, schwanken die Angaben zur Zahl:
− Studierende: 5-17%
− Schüler und Schülerinnen: 22-41%
> Frauen stärkere Ausprägungen von PA als Männer
Prüfungsangst Ansatzpunkte: Gefühle
Betroffener:
− Angstgefühle
− Niedergeschlagenheit
− Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung
− Ärger
Therapie:
= Kontrolle zurück gewinnen, Erfolge durch besseres Lernen, richtige Attribution, Selbstverstärkung, Entlastung, Unterstützung
Prüfungsangst - Therapie für Ansatzpunkt: Gedanken
Betroffener:
− Katastrophisierend
− Selbstabwertend
− Ablenkend
Therapie:
= Gedanken durch positive Einstellung ersetzen, Selbstinstruktion
Prüfungsangst - Therapie für Ansatzpunkt: Physiologische (körperliche) Reaktionen
Betroffener:
− Aktivierungsreaktionen
− Stressreaktionen
Therapie:
= Entspannung lernen, Desensibilisierung
Prüfungsangst - Therapie für Ansatzpunkt: Verhaltensweisen
Betroffener:
− Vermeidung, Prokrastination
− Ineffizientes Lernverhalten
Therapie:
= Lernverhalten fördern, Kompetenzen aufbauen
Prüfungsangst: Unterrichtsmaßnahmen
Lehrkraft:
− Transparenz
− Tests rechtzeitig ankündigen
− ruhige Atmosphäre
− Freiheiten bei Reihenfolge der Aufgabenbearbeitung
Autismus Spektrum Störungen (ASS): Symptome/Syndrome
3 Kernsymptome (verschiedene Schweregrade, verschiedene Kombination):
1. Gestörte soziale Interaktion
2. Beeinträchtigte Kommunikation / Sprache
3. Stereotypes Verhalten / Interessen
ASS: Gestörte soziale Interaktion
= reduziertes Interesse, reduziertes Verständnis sozialer Situationen:
− Meiden Blickkontakt, Körperkontakt
− Spielen allein, lesen, imitieren nicht (kein Modelllernen, keine Theory of mind)
ASS: Beeinträchtigte Kommunikation / Sprache
= verzögerte Sprachentwicklung, Einschränkung der instrumentalisierten Nutzung von Sprache (verbal/ non-verbal):
− Problem mit „ich“
− Keine Kompensation durch Mimik, Gestik, Nachahmung
ASS: Stereotypes Verhalten / Interessen
= ausdauernde Wiederholung von einfachen Bewegungen / Spielschritten, enges Spezialinteresse:
− Waschmaschine beobachten
− Kein Rollenspiel mit Puppe oder Auto, Fokus auf ein Element (Rad)
ASS: Klassifikationen nach ICD11
− Mit oder ohne Intelligenzminderung
− Mit oder ohne Sprachbeeinträchtigung > vier Varianten
− Mit Intelligenzminderung und fehlender funktioneller Sprache
− sonstige
ASS: Epidemiologie
> Prävalenz gestiegen von 4-5/ 10 000 auf 1%
= Erklärung: Sehr kleiner Anteil echte Zunahme der Erkrankungen
> Eher: intelligenteren Asperger Autisten wurden früher häufig übersehen
− Heute: 25-50% gelten als geistig behindert
− Früher: 75%+ galten als geistig behindert
> Jungen/Männer 3-4 mal häufiger betroffen
> In allen sozialen Schichten, weltweit
ASS: Ursachen / Ätiologie
Sehr unterschiedliche Ursachenfaktoren:
− genetisch H=70-80%
− höheres Alter der Eltern (epigenetische Faktoren, Neumutationen)
− Infektionskrankheiten und Medikamente während der Schwangerschaft
− abweichende neurologische Entwicklung schon beim Ungeborenen
ASS: Therapie
= Keine Heilung, nur Symptomverbesserung!
1. Verhaltenstherapie und Übung (mit Verstärkung), Generalisierung fällt sehr schwer:
− Kognitive Fertigkeiten
− Sprachliche Fertigkeiten
− Soziale Interaktion und Kommunikation
− Behandlung von komorbiden Störungen (Angst, Aggression, Depression, Zwänge…)
2. Psychoedukation von Eltern, Erziehenden, Lehrkräften, Betroffenen
− Überschaubares, vorhersagbares Umfeld
− Unterstützung der Trainingsmaßnahmen
3. Pharmakotherapie der Stereotypien und ggf. Begleitstörungen möglich
− Medikamentös
AD(H)S Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung
= Neurobiologische Störung, die mit einer andersartigen Informationsaufnahme & -verarbeitung des Gehirns einhergeht (genetische Prädisposition)
AD(H)S: Symptome
Kernsymptome nach ICD11:
1. Unaufmerksamkeit
= ablenkbar, vergesslich, wechselhaft, geringe Ausdauer, verträumt
2. Impulsivität
= Stören anderer, Ungeduld, geringe Frustrationstoleranz, Gefühlsausbrüche, unüberlegtes Handeln, Gefahrenblindheit
3. Hyperaktivität
= Bewegungsdrang, Rededrang, Ruhelosigkeit
> Probleme müssen sich vor dem 6. Lebensjahr manifestieren, in mehreren Bereichen (Schule, Elternhaus) und über einen längeren Zeitraum auftreten
−> unterschiedliche Schweregrade
= Diagnosestellung durch Arzt/Psychiater oder Psychotherapeuten!
AD(H)S: Komorbidität (Begleiterkrankungen)
> 87 % der Kinder mit der Diagnose ADHS weisen mindestens eine weitere psychische Störung auf
> 67 % mind. zwei weitere Störungen
Häufige komorbide (Begleiterkrankung) Störungen:
1. Lernstörungen (Lese-Rechtschreibstörung, Dyskalkulie), Oppositionelles Verhalten, Aggressive Störungen, Störung des Sozialverhaltens, Tic-Störung, affektive Störungen
2. eher mit Hyperaktivität/Impulsivität einhergehend:
− Oppositionelle Störungen
− Aggressive Störungen
3. eher mit Unaufmerksamkeit einhergehend:
− Angststörungen
− Depression
AD(H)S: Epidemiologie
> Häufigkeit in Deutschland bei den 3 bis 17-Jährigen bei ca. 4 %
> Jungen zeigen häufiger Hyperaktivität und Impulsivität (Verhältnis ca. 2:1)
AD(H)S: Ursachen / Ätiologie
genetische Prädisposition (= Erbanlagen/Genetische Veranlagung):
1. Umwelteinflüsse:
− Geburtskomplikationen
− Drogen, Nikotin während der Schwangerschaft
− hoher Medienkonsum, wenig Bewegung > ungünstig für Verlauf
2. Struktur- und Funktionsveränderungen im Gehirn:
− Regionen der Verhaltenssteuerung, Aufmerksamkeit
− Störung im Neurotransmittersystem, v.a. Dopamin
AD(H)S: Therapie
= Je nach Ausmaß der Störung individuell eingestellt und multimodal
> Basis der Therapie sind Psychoedukation & Beratung der Bezugspersonen (Eltern & Lehrer) und Kompetenzaufbau beim Kind in der Therapie
1. Elternberatung
− auch für die Schule: Entlastung, positive Wahrnehmung des Kindes, Tagesstrukturierung, reizarme Umgebung, Klare Regeln
2. Pharmakotherapie (Medikamentös):
− Zwischen 70 und 90 % der Kinder sprechen positiv darauf an, ABER Absetzten = deutlicher Verschlechterung
− Nur in Kombination mit psychotherapeutischen Maßnahmen hohe Erfolgsquote
3. Verhaltenstherapie:
− shaping, Verstärkung (Tokensysteme)
− soziales Kompetenztraining
− Sellbstinstruktionstraining (Aufmerksamkeitstraining) = ich kann meine Aufmerksamkeit selber lenken
AD(H)S: Verhaltenstherapie - Selbstinstruktionstraining
Sellbstinstruktionstraining (Aufmerksamkeitstraining) = "Ich kann meine Aufmerksamkeit selber lenken":
1) kognitives Modellieren = Fähige Person zeigt vor, Formuliert Schritte
2) externe Verhaltenssteuerung = Fähige Person leitet das Kind an
3) offene Selbstinstruktion = Kind gibt sich verbal selbst Befehle
4) ausgeblendete Selbstinstruktion = Kind flüstert sich selbst Befehle
5) verdeckte Selbstinstruktion = Kind kann sich still steuern
Gestaltung des Unterrichts für Kinder mit AD(H)S
− Klare Vorstrukturiertheit von Aufgaben
− Klarheit und Kürze in den Instruktionen
− Ritualisierte Abläufe und gezielte Rhythmisierung des Unterrichts
− Unterbrechungen, um das Aktivierungsniveau zu regulieren
− Gezielte Hilfen zur Selbstregulation
− Zur Selbstkontrolle anleiten
− Individualisierung der Lernangebote
− Häufiges Feedback und positive Verstärkung
− Klare Regeln und Regelung der Konsequenzen bei Nichteinhaltung
− Positive Lehrkraft-Schüler-Beziehung
− Enge Kooperation mit den Eltern (Abstimmung mit Therapie)
Lese-Rechtschreibstörung: Symptome
= Abwehrhaltung/Vermeidung
1. Lesen:
− Auslassen, Ersetzen, Verdrehen oder Hinzufügen von Worten/Wortteilen
− Verlangsamtes Lesetempo
− Betontes Zusammenlesen von einzelnen Buchstaben/Einzellauten
− statt zu lesen werden passende Begriffe erfunden
− Sinnverständnis von gelesenen Texten fällt schwer
2. Schreiben:
− Fehlerinkonstanz: Auslassungen, Verwechslungen, Spiegelungen/Reversionen
− Weitgehend unleserliche Texte
3. Begleitend:
− Sprechen: stockendes, fehlerhaftes Sprechen
− Verhalten: Schulangst, Aggressivität, psychosomatische Beschwerden …
− Motorik: Unruhe, verkrampfte Stifthaltung, undeutliches Schriftbild
Lese-Rechtschreibstörung: Alte Unterscheidungen
1. Legasthenie:
= dauerhafte & genetisch bedingte Beeinträchtigung in der Entwicklung der Lesefertigkeiten:
− Nicht durch mangelnde Intelligenz oder schlechte Schule erklärbar
− Nicht heilbar, aber durch Training gut ausgleichbar
− Oft begleitet von: Früheren Sprachproblemen und Schulfrust
2. LRS: Lese-Rechtschreibschwäche
= vorrübergehende & umweltbedingte Beeinträchtigung der der Lese- und Rechtschreibfertigkeiten:
− Heilbar, sobald die zugrundeliegende Ursache behoben ist
− Auslöser 1 (Psychisch): Konzentrationsprobleme, Schulangst, geringes Selbstwertgefühl
− Auslöser 2 (Krisen): Scheidung der Eltern, Todesfall, Schul-/Lehrerwechsel
Lese-Rechtschreibstörung: Epidemiologie
> 4-7% (Warnke), 2-4% (Esser)
> am häufigsten wird die Diagnose bei 9 - 12-jährigen gestellt
> familiäre Häufung erkennbar
> kommt in allen sozialen Schichten vor (wirkt sich vor allem nachteilig aus, wenn familiäre Unterstützungsmöglichkeiten unzureichend)
Lese-Rechtschreibstörung: Ursachen / Ätiologie
1. genetische Einflüsse (Lesefähigkeit ca. 50%, Rechtschreibfähigkeit ca. 60%)
2. Neurobiologie und Kognition:
− Störung der phonologischen Verarbeitung
− Störung der visuellen Wahrnehmung und schnellen Benennung von Reizen
Lese-Rechtschreibstörung: Therapie
1. Dauer der Therapie: mehrere Jahre; möglichst 1 – 2 Wochenstunden
2. Beginn der Therapie: so früh wie möglich → ab 1. Klasse
3. Art der Therapie: Einzeltherapie → individuelles Förderprogramm
4. Legasthenie-Training und Nachhilfeunterricht sind nicht dasselbe!
Primärsymptomatik
= Die direkten Kernsymptome der Krankheit selbst (Ursache)
Beispiel:
Legasthenie: Fehlerhaftes und langsames Lesen
Sekundärsymptomatik
= Die Folgesymptome, der Krankheit für die Psyche (Wirkung)
Beispiel:
Legasthenie: Schulangst, Bauchschmerzen oder geringes Selbstwertgefühl
Lese-Rechtschreibstörung - Therapie: Primärsymptomatik
Beim Auftreten von Primärsymptomatik = Training des Lesens und schriftlichen Ausdrucks abhängig von den individuellen Schwierigkeiten:
− Buchstabe-Laut-Zuordnungen
− Laute, Silben, Morpheme verbinden zu Wörtern
− lautgetreu schreiben
− Wissen über Rechtschreibregeln und Ausnahmen
Lese-Rechtschreibstörung - Therapie: Sekundärsymptomatik
Beim Auftreten von Sekundärsymptomatik = Psychotherapie:
− Abbau von Ängsten, Begleitstörungen (psychosomatisches, Einnässen)
− Aufbau von Lernmotivation, FSK, Selbstverstärkung, Strategien
Lese-Rechtschreibstörung: Unterrichtsmaßnahmen
1. Bestärkendes Verhalten der Lehrkraft, Vermeiden von Bloßstellung/Bestrafung
2. Sicherstellung schulischer Unterstützung:
− Förderkurse → spezifische Übungsbehandlung im Lesen und Rechtschreiben
− Nachteilsausgleich → veränderte Prüfungsbedingungen
− Notenschutz → veränderte Bewertung von Leistungen
− bei Lesestörung: Verzicht auf Bewertung des Vorlesens
− bei Rechtschreibstörung: Verzicht auf Bewertung der Rechtschreibleistung
(= stärkere Gewichtung mündlicher Leistungen)
=> In Bayern: Notenschutz im Zeugnis vermerkt, Nachteilsausgleich nicht!
Dyskalkulie: Symptome
= Die Leistungen der Person in Mathematik oder Arithmetik liegen deutlich unter dem, was für das Alter und das Niveau der intellektuellen Leistungsfähigkeit zu erwarten wäre > Beeinträchtigung der akademischen oder beruflichen Leistungsfähigkeit
1. Schwierigkeiten in der Zahlensemantik:
− Rechenoperationen
− Mengen
− Vorstellung von Zahlenraum und Zahlenstrahl
− Fehlerhaftes Zählen
2. Mangelhafter sprachlicher Umgang mit Zahlen und Transkodieren (Umwandeln)
3. Schwierigkeiten mit dem arabischen Stellenwertsystem: Zehnerübergang,
Einer/Zehner/Hunderter
4. Aufmerksamkeitsprobleme
Dyskalkulie: Epidemiologie
> 4 – 6% der Kinder betroffen
> wahrscheinlich Mädchen häufiger als Jungs
> relativ häufige Verknüpfung von Legasthenie und Dyskalkulie
= im GS-alter 2,7% betroffen
Dyskalkulie: Ursachen / Ätiologie
= Ursachen für Rechenstörungen im Sinne von Kausalketten sind bisher unbekannt, wechselwirkendes Ursachengeflecht:
Risikofaktoren:
− Neuropsychologische Defizite in Hirnregionen für auditorisch-verbale, visuell-
zifferngrafische oder mengenartige Zahlenrepräsentationen
− Genetische und perinatale Einflüsse
− Evtl. soziokulturelle-familiäre Einflüsse
− Arbeitshaltung, Leistungsmotivation, Ausdauer
Dyskalkulie: Therapie
= Grundsätzlich therapierbar (nicht im regulären Unterricht → Förderunterricht)
1. Dauer: bis zur Besserung (1-2 Jahre); möglichst wöchentliche Übungsbehandlung
2. Beginn: so früh wie möglich → ab Vorschulalter wenn Risiko bekannt
3. Art: Einzeltherapie → individuelles Förderprogramm
Dyskalkulie - Therapie: Primärsymptomatik
Beim Auftreten von Primärsymptomatik = Training der fehlenden Fähigkeiten
− Zahl-Mengen Zuordnungen
− Rechnen mit und später ohne Veranschaulichungshilfe
− Vorgehen für Textaufgaben
Dyskalkulie - Therapie: Sekundärsymptomatik
Beim Auftreten von Sekundärsymptomatik = Psychotherapie
− Abbau von Ängsten, Begleitstörungen (psychosomatische Symptome, Einnässen)
− Aufbau von Lernmotivation, FSK, Strategien
Dyskalkulie: Schulische Förderung
− Kein Nachteilsausgleich bei Leistungserhebungen!
− Kein Notenschutz!
Individuelle Unterstützung im Unterricht, solange keine Leistungsstanderhebung davon berührt wird:
− Förderkurse, Intensivierungsstunden etc.
− Technische Hilfen, differenzierte Aufgabenstellungen, kontinuierliche Beobachtung des Lernstandsnund Lernprozesses…
− Bestärkendes Verhalten der Lehrkraft
− Vermeidung von Bloßstellung und Bestrafung
=> 60% müssen Klasse wiederholen oder auf Sonderschule, nur 33% überwinden die Störung im Jugendalter
=> Kompensation über andere Fächer im Zeugnis, um vorzurücken/ Schulabschluss zu bestehen
Trauma (PTSD)
= Ein Trauma ist ein vitales Diskrepanzerlebnis (= ein massiver Widerspruch) zwischen:
1. bedrohlichen Situationsfaktoren (= der extrem gefährlichen Situation im Außen)
2. individuellen Bewältigungsmöglichkeiten (= den eigenen Kräften, sich selbst zu retten oder das Erlebte zu verarbeiten)
Die Folge:
Es führt zu extremer Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe
Das Ergebnis:
Es bewirkt eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis
(= das Vertrauen in sich selbst und in eine sichere Welt ist langfristig zerstört)
Beispiel:
Ein schwerer Autounfall mit Todesangst, bei dem man hilflos eingeklemmt ist und danach das grundlegende Sicherheitsgefühl im Leben verliert.
3 Teile eines Traumas
1. Trauma-Ereignis (objektiv):
− Das was objektiv passiert ist (zB. Autounfall)
2. Trauma-Erfahrung (subjektiv):
− subjektives Erleben
− Stress-Erleben
− Welche persönlichen und sozialen Ressourcen stehen Einem zur Verfügung, um damit Umzugehen?
3. Trauma-Folgen (subjektiv):
− Welche persönlichen und sozialen Ressourcen stehen Einem zur Verfügung, um damit Umzugehen?
− Integration oder Störung (Ereignis überstehen & ins Leben einbetten oder entwickelt sich eine Störung?)
Trauma (PTSD): Ereignis
= Ein traumatisierendes Ereignis ist etwas, was von Menschen auf demselben Entwicklungsstand im Allgemeinen langfristig seelisch nicht verarbeitet werden kann
(= Das Ereignis ist so schlimm, dass es jeden Gleichaltrigen psychisch völlig überfordern würde)
Beispiele:
− Unfälle, schwere Erkrankungen
− medizinische und operative Eingriffe
− Gewalt (physisch und psychisch)
− Verlust nahestehender Personen oder des Zuhauses
− Umgebungsbedingte Stressfaktoren und Naturkatastrophen
Klassifikation traumatischer Ereignisse
Man Unterscheidet zwischen:
> einmaliges Ereignis (Typ 1): Erdbeben, Überfall, Übergrifflichkeit, ...
> anhaltendes Ereignis (Typ 2): Folgeschäden
− Heimatsverlust, Vertreibung, ....
Die Art des Ereignisses selbst wird unterteilt in:
1. Natur-Katastrophe
2. Man-made Desaster:
− Identifikationsferner-Täter
− Identifikationsfigur (Jemand, den man kennt)

Trauma (PTSD): Epidemiologie
Häufigkeit / Prävalenz:
> ca. 50% der Kinder und Jugendlichen haben mindestens ein traumatisches Erlebnis
> knapp 5% der Kinder/Jugendlichen in der Stichprobe hatten Folgestörung
> ca. 20% der Personen mit Trauma zeigen Verhaltensauffälligkeiten
Trauma (PTSD): Ursachen / Ätiologie (Risikofaktoren)
Risikofaktoren:
− Migrationshintergrund
− nicht mit beiden biologischen Eltern zusammen leben
− geringer Bildungsstatus
− wiederholte Traumaerfahrung!
Trauma: Erfahrung

Trauma (PTSD): Symptome / Folgen
(= Ein vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und individuellen Bewältigungsmöglichkeiten > Gefühlen von Hilflosigkeit und schutzlose Preisgabe, dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis)
Leitsymptome, die auf ein Trauma hinweisen (generell) nach Butollo:
1. Chronische Übererregung (Hyperarousal / constant "fight-or-flight")
2. Wiedererleben: das Bewusstsein dominierende Erinnerungen (Intrusionen, Flashbacks)
3. Vermeiden: starke Vermeidungstendenzen gegenüber erinnerungsauslösenden Situationen
Akute Belastungsreaktion (kurzfristig) vs. Posttraumatische Belastungsstörung (langfristig)
Beispiele:
Unfälle, schwere Erkrankungen, medizinische und operative Eingriffe, Gewalt (physisch und psychisch), Verlust nahestehender Personen oder des Zuhauses, Umgebungsbedingte Stressfaktoren und Naturkatastrophen
Trauma (PTSD) - Folgen: Akute Belastungsreaktion (kurzfristig)
Kurzfristig:
> Schock
> Akute Belastungsreaktion:
− starke Angst
− Ohnmacht
− Kontrollverlust
− Hilflosigkeit
− Einige Stunden bis ca. 3 Tage nach dem Ereignis
Trauma (PTSD) - Folgen: Posttraumatische Belastungsstörung (langfristig)
Langfristig (ca. bei 1/3 der Betroffenen):
− Posttraumatische Belastungsstörung (PTSD)
− größtenteils unspezifische Symptome
− Monate und Jahre nach dem Ereignis
Trauma (PTSD): Therapie
Stabilisierung – Traumabearbeitung – Integration
Therapiebausteine:
1. Stress-Management-Techniken (Entspannungsübungen, Atemtechniken, Gedankenstopp, …)
2. Traumaexploration (= gezielte Befragung zu traumatischen Erlebnissen)
3. Korrektur von falschen Annahmen wie „ich bin schuld/hätte es wissen müssen“, „nichts ist mehrsicher“
4. Einbezug der Eltern in die Therapie
Trauma (PTSD): Auswirkungen im Schulalltag
Belastungsreaktionen wirken sich aus auf:
1. Verhaltensweisen: Leistungen, Konzentration, Schreckhaftigkeit, Antriebslosigkeit, Aggressivität, Schlafstörung, Selbstverletzung, …
2. exekutive Funktionen: Emotionsregulation, kognitive Flexibilität, Arbeitsgedächtnis, …
3. insbes. Störungen der Aufmerksamkeit und Impulskontrolle: wichtige-unwichtige Reize unterscheiden, getriggerte Erinnerung lenkt ab, Reizüberflutung →
Amygdalaaktivität → Impulsivität; → verwechselbar mit ADHS
4. Beziehung zu Mitschülern und Mitschülerinnen: von starken Gefühlen überwältigt, nicht verbalisierbar, Gefühlsausdruck übersteigert oder geistesabwesend, schlecht dosiertes Sozialverhalten (Über-/Unterreaktionen)
5. Beziehung zur Lehrperson: Drohender Kontrollverlust bei kontrollierender Lehrkraft → oppositionelles Verhalten → mehr Kontrolle der LK → Retraumatisierung; oder Rückzug, Perfektionismus, sexualisiertes Verhalten
Trauma (PTSD): Unterrichtsmaßnahmen
Stabilisierung und Strukturierung in der Schule:
1. Stabilisierung durch Bindung:
− bedingungslose Akzeptanz
− Angemessene Erwartungen und verlässliche Grenzen
− Bindungsunterstützung ggf. zur eigenen Familie sowie zu Mitschülern (Ausflüge, Klassenfrühstück, Gruppenspiele etc. fördern Einbindung)
2. Strukturierung und Sicherheitsvermittlung durch Rituale:
− Begrüßung, Morgenkreis
− gut sichtbarer Tagesplan und Uhr im Zimmer
− vorbereitete Übergänge und Ankündigung zukünftiger Aktivitäten
− zu Unruhe führende Wechsel des Raumes oder der Situation durch Helfende (Mitschüler oder Mitschülerin) erleichtern
− Rhythmisierung des Unterrichts
3. Strukturierung durch die Räumlichkeit:
− Rückzugsräume (Ruhebereich im Zimmer, „Notfallkoffer“, sensorische Spielsachen, Wutzettel Box etc.)
− Schüler und Schülerinnen über Veränderungen (z.B. Bauarbeiten) informieren
− Unterbringung des Kindes bei vertrauter Lehrperson während eines Unterrichtsausfalls
Trauma (PTSD): Umgang mit Triggern
Trigger = Auslösereize, die das Trauma reaktivieren
1. Identifikation durch Beobachtung und Dokumentation (alle Lehrkräfte, Mitschüler und Mitschülerinnen, Eltern): Frühwarnzeichen und Auslöser herausfiltern
2. Entschärfen (schon bei Vorzeichen) – Aufmerksamkeit refokussieren:
− Starke Sinnesreize (Notfallkoffer)
− taktil-kinästhetisch (Igelball, Gummiband, Kuscheltier)
− gustatorisch (scharfes Bonbon, Brausetablette)
− olfaktorisch (Menthol, japanisches Heilöl)
− auditiv (spezielle Musik, Fingerschnipsen)
− visuell (Fotos von vertrauten Personen, schönes Bild)
3. Atemübungen, z.B. Schlürfatmung
4. Körperübungen, z.B. Fingerspitzen aneinander drücken