Einleitung
Lernziel des Abschnitts
Verständnis darüber, dass
• Organisationen die Einbeziehung (legitimer) Ansprüche (normativ) abwägen.
• die Anzahl, Diversität und die Art und Weise wie Interessengruppen an Organisationen herantreten deren Entscheidungsprozesse erweitern
• die Internalisierung der Kosten des Handelns von den Formalzielen einer Organisation abhängt
Ansätze
a) Shareholder Value
b) Stakeholder Value
10.1 Dissens in der Forschung und Gesellschaft
(Kapitalistische) Marktwirtschaft
vs. Zentralwirtschaft (Planwirtschaft)
➔ Die Frage nach der Überlegenheit der konkurrierenden Systeme nach dem zweiten Weltkrieg....
(Kapitalistische) Marktwirtschaft
− USA, UK, Canada, …Indonesien
− Primat des Individuums (und der Tausch/Vertragsfreiheit)
− Dezentrale (marktliche) Koordination und Motivation der Interessen − Individuelles Eigentum als zentraler Mechanismus
... wird zur Frage der notwendigen Annäherung nach 1990.
➔ Weitgehendes Primat des Individuums
➔ Berücksichtigung von Spillover-Effekten der individuellen Freiheit (Umwelt/Gesundheit/Versorgung/Vorsorge/Bil dung/….)
Zentralwirtschaft (Planwirtschaft)
− Nordkorea, Kuba, ….China,
− Primat der Gesellschaft als Kollektiv (eingeschränkte Tausch/Vertragsfreiheit)
− Zentrale Koordination und Motivation der Interessen
− Kollektives Eigentum als zentraler Mechanismus
... wird zur Frage der notwendigen Annäherung nach 1990.
➔ Primat gesellschaftlich relevanter Gruppen
➔ Zentrale Koordination und Motivation der Staatsinteressen
➔ Zentraler Zugang zur Ressourcen
(Kapitalistische) Marktwirtschaft: Vor- & Nachteile
Vorteil: individuelle Freiheit fördert innovative Aktivitäten
− Entrepreneurship/Unternehmertum
− Kreativität in Bereichen der Kunst (Musik, Kino, ….)
− Hohe technologische und wirtschaftliche Generierung von Werten
Nachteil: Vernachlässigung kollektiver Interessen
− Zunehmende Ungleichheit angesichts unterschiedlicher Ausstattung mit Ressourcen
− Hohe Einkommensungleichheit
− Ungleicher Zugang zu Bildung etc….
− Vernachlässigung der Infrastruktur
− ….
Neuere Impulse aus der Gesellschaft heraus, hervorgerufen durch die Bankenkrise (2008/09)
Überbordende Managergehälter basierend auf Bonuszahlungen aufgrund einer myopischen Verfolgung des Shareholder Value
• Fehlspekulationen bei der Porsche AG (Übernahmeversuch von VW)
• Fehlspekulationen bei der Schäffler GmbH (Übernahmeversuch der Continental AG)
• Insolvenz von Arcandor (Karstadt, Quelle)
• Scheitern von Banken (Hypo Real Estate, Landesbanken)
• Milliardensubventionen in den Bankensektor zu Lasten anderer Branchen unter dem Hinweis der „Systemrelevanz“
10.2 Shareholder versus Stakeholder Value
Gemeinsamer Ansatzpunkt: Internalisierung der Kosten des Handelns
Unterschied: Wessen kosten sollen internalisiert werden?
Shareholder Value: Kosten des Eigenkapitalgebers
• Jensen/Meckling (1976), Fama/Jensen (1983) und nahezu alle Arbeiten aus dem angelsächsischen Raum
• Vorteil: Ein anzusteuerndes Ziel!
Stakeholder Value: Kosten aller Anteilseigner
• Ansätze zu Unternehmens- und Wirtschaftsethik, Ansätze aus dem kontinentaleuropäischen Raum
• Ansätze zu „Corporate Social Responsibility“
• Nachteil: Mehrzielproblematik!
„Hybrid-Ansätze“
• Zingales (1998) über den besonderen Schutz von Quasirenten
• Engere Ansätze zu Corporate Social Responsibility
10.3 Shareholder Value: Arrow-Debreu Welt
• Friktionslose Märkte ohne Transaktionskosten
• Verteilung von Risiken auf und zwischen Investoren
• Wert eines Unternehmens ergibt sich aus den abgezinsten zukünftigen Erträgen
↯ Problem: Größe des Kuchens bleibt unabhängig von der Größe der zu verteilenden Kuchenstücke (Tirole, 2006, S. 1)
➔ Welche Implikationen ergeben sich daraus?
10.3 Shareholder Value: Jensen-Meckling Welt
↯ Problem der adversen Selektion und des moral hazard
• Selektion der besten Manager für diese Position
• Vermeidung eines abweichenden Verhaltens
• Sicherstellung, dass die Kontrollmechanismen nicht zu einer dysfunktionalen Verzerrung führen
• Unternehmen als „Nexus of Contracts“
➔ Lösung durch anreizkompatible (perfekte) Verträge
10.3 Shareholder Value: Ansatz Fama/Jensen (1983)
Ausgangspunkt:
− Unternehmen als Geflecht von Verträgen
− Verträge sichern Interessen aller Stakeholder (Kunden, Lieferanten, Arbeiter, Banken, …) durch Verträge zur Begrenzung des Risikos und einer entsprechenden Entlohnung
− Keine vertragliche Absicherung der Interessen von Eigenkapitalgebern möglich (keine Arrow-Debreu-Welt)
➔ Folge: Eigenkapitalgeber trägt residuales Risiko: „the risk of the difference between stochastic inflows of resources and promised payments to the agents” (Fama/Jensen, 1983, S. 302).
Lösung: Corporate Governance als Mechanismus zur Maximierung des Shareholder Values; Eigenkapitalgeber als einzig zu schützende Gruppe
10.3 Shareholder Value: Ansatz Zingales (1998)
Ausgangspunkt:
− Unvollkommene Märkte und Verträge
− Generierung notwendiger Quasirenten durch partnerspezifische Investitionen von Parteien
− Keine marktliche und vertragliche Absicherung der Quasirenten möglich
➔ Folge: Unterinvestitionen in firmenspezifische Investitionen durch hold-up Problematik (gilt für alle Parteien mit firmenspezifischen Investitionen)
Lösung: Corporate Governance als Mechanismus zum Schutz von Quasirenten und Vermeidung von Unterinvestitionen
10.4 Stakeholder Value: Unternehmensethik
Ansatz Steinmann/Schreyögg (1993)
Ausgangspunkt:
− Zunehmende Trennung von Eigentum und Verfügungsgewalt in Deutschland
− Diskretionärer Handlungsspielraum von Managern zugunsten der Anteilseigner (keine de facto paritätische Kontrolle im Aufsichtsrat) − Keine Internalisierung der Kosten der Handlungen auf die Anteilseigner
− Entwicklung des Rechtssystems als Evidenz für generelle Probleme
➔ Folge: Manager handeln zu Lasten der Mitarbeiter (und der Umwelt) und zu Gunsten der Kapitalseite (Fremd- und Eigenkapitalgeber)
Lösung:
Unternehmensethik: Lösung von generellen Problemen durch Gesetze, Lösung von fallweisen Problemen durch Diskurs unter Berücksichtigung aller relevanten Interessen
↯ Probleme des Ansatzes
− Welches (und was) sind die relevanten Interessen?
− Wie wird im Konfliktfall entschieden („Zwangloser Zwang des besseren Arguments“)
− Wir werden Lösungen durchgesetzt?
− Wie robust sind diese Lösungen im Wettbewerb (staatliche Eingriffe notwendig)
− Annahme: Akteure handeln nicht im Eigeninteresse sondern im kollektiven Interesse
➔ Lösung: Positives Effizienzprinzip und die dort beschriebenen Bedingungen