Was ist ein Vorurteil?
Ein Vorurteil ist eine gelernte, meist negative Einstellung gegenüber einer Gruppe, die negative Gefühle, stereotype Überzeugungen und eine diskriminierende Verhaltensabsicht beinhaltet (vgl. Gerrig & Zimbardo, 2008).
Welche drei Komponenten definieren ein Vorurteil?
Was versteht man unter einem Stereotyp?
Stereotype sind generalisierte Überzeugungen über Merkmale, die allen Mitgliedern einer Gruppe zugeschrieben werden (vgl. Gerrig & Zimbardo, 2008).
Was ist Diskriminierung?
Diskriminierung ist ein feindseliges Verhalten gegenüber Mitgliedern einer sozialen Gruppe, das sich aus Vorurteilen ergibt und aus Sicht des Opfers als ungerecht empfunden wird (vgl. Jonas & Beelmann, 2009).
Was ist das Just-world-Phänomen? (Gerechte-Welt-Glaube)
Der Glaube, dass die Welt gerecht ist und jeder bekommt, was er verdient. Dieser Glaube kann zur Legitimation von Ungleichheit und zur Opferbeschuldigung führen (vgl. Myers, 2014).
Was bedeutet „blaming the victim“?
Opfer werden für ihr Leid verantwortlich gemacht, z. B. weil angenommen wird, sie hätten das Ereignis verhindern können.
Was ist der Rückschaufehler (hindsight bias)?
Die irrige Annahme, dass man den Ausgang eines Ereignisses hätte vorhersehen können, nachdem man das Ergebnis kennt (vgl. Janoff-Bulman et al., 1984).
Was versteht man unter „diskriminierendem Verhalten“?
Unangemessenes, ungerechtfertigtes Verhalten gegenüber Personen oder Gruppen allein aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit – individuell oder institutionell ausgeübt (vgl. Six/Six-Materna 2020).
Welche Erscheinungsformen kann Diskriminierung annehmen?
Subtil oder offen – z. B. verbale Gewalt, soziale Ausgrenzung, körperliche Übergriffe oder institutionelle Benachteiligung (vgl. Bigler/Liben 2007).
Ab welchem Alter zeigen Kinder diskriminierende Tendenzen?
Ab ca. 4 Jahren verfügen Kinder über Stereotype und Vorurteile – geprägt durch soziale Normen und das Umfeld (vgl. Bigler/Liben 2007).
Was beschreibt die Developmental Intergroup Theory (DIT)?
Ein Modell von Bigler & Liben, das erklärt, wie Kinder durch Kategorisierung und Bedeutungszuschreibung diskriminierende Einstellungen entwickeln.
Welche Prozesse umfasst laut DIT die Entwicklung von Diskriminierung?
Welche 4 Einflussfaktoren beeinflussen den Meaning attachment process?

Was ist unter Essentialismus im psychologischen Sinn zu verstehen?
Die Annahme, dass soziale Kategorien biologisch begründet und stabil sind – also z. B. „Mädchen sind immer schüchtern“ (vgl. Stangl 2020d).
Hierunter wird in der Psychologie die Annahme verstanden, dass z. B. eine soziale Kategorie biologisch fundiert ist und deshalb durch situative Faktoren nicht beeinflusst werden kann (vgl. Stangl 2020d).
Was untersucht die persönlichkeitspsychologische Forschung in Bezug auf Vorurteile?
Sie untersucht individuelle Unterschiede in Einstellungen und Verhalten gegenüber sozialen Gruppen sowie deren Ursachen, Stabilität und Veränderbarkeit.

Was versteht man unter generalisierten Einstellungen?
Einstellungen, die sich negativ auf mehrere gesellschaftliche Gruppen gleichzeitig beziehen, z. B. Vorurteile gegenüber Homosexuellen, Jüdinnen, Behinderten usw.
Was sind die 3 Merkmale autoritärer Persönlichkeit laut Adorno et al. (1950)?
Wie erklärt Frenkel-Brunswik (1949) die Grundlage autoritärer Persönlichkeitsstrukturen?
Durch Verleugnung emotionaler Ambivalenz, Intoleranz gegenüber Mehrdeutigkeit und Projektion unterdrückter Ängste und Aggressionen auf Fremdgruppen.
Was ist das Konzept des „Need for cognitive closure“?
Ein Bedürfnis nach Vorhersagbarkeit, Struktur und Klarheit, verbunden mit Abneigung gegenüber Ambiguität (Webster & Kruglanski, 1994).
Was misst die „Need for Closure Scale (NFCS)“?
Sie erfasst Merkmale wie Strukturbedürfnis und Engstirnigkeit durch Aussagen wie „Ich konsultiere selten viele Meinungen, bevor ich mir eine Meinung bilde.“
Was beschreibt soziale Dominanzorientierung?
Der Wunsch, soziale Ungleichheiten und Hierarchien aufrechtzuerhalten – verbunden mit Vorurteilen gegenüber Gruppen mit niedrigem Status.
Was sind Merkmale positiver generalisierter Einstellungen?
Universalistische Werte wie Gerechtigkeit, Gleichheit, Empathie, Offenheit, Umweltbewusstsein – sie fördern Toleranz gegenüber Fremdgruppen.
Welche Persönlichkeitsmerkmale stehen mit geringerem Vorurteilsniveau in Verbindung?
Verträglichkeit (über geringe soziale Dominanz) und Offenheit für Erfahrungen (über niedrigen Autoritarismus).
Wie hängen autoritäre Einstellungen mit der Wahrnehmung der Welt zusammen?
Autoritär eingestellte Personen sehen die Welt als gefährlichen Ort und haben ein starkes Bedürfnis nach Ordnung und Kontrolle.
Was ist Ambiguitätsintoleranz?
Die Unfähigkeit, mit mehrdeutigen oder widersprüchlichen Informationen umzugehen; führt oft zu rigidem, vorurteilhaftem Denken.
Wie erklärt die soziale Dominanzorientierung Vorurteile?
Sie geht davon aus, dass Menschen Gruppenhierarchien als legitim ansehen und Gruppen mit niedrigem Status eher abwerten.
Welche psychologischen Motive stecken hinter sozialer Dominanzorientierung?
Der Wunsch nach Überlegenheit, Kontrolle und Wettbewerb – verbunden mit geringer Empathie und hoher Konkurrenzorientierung.
Welche Rolle spielt dispositionale Empathie bei Toleranz?
Sie fördert Mitgefühl und Verständnis gegenüber anderen und wirkt so Vorurteilen entgegen.
Was untersucht die soziale Kognitionsforschung?
Sie untersucht, auf welchen kognitiven Repräsentationen und Prozessen unser Erleben und Verhalten in sozialen Situationen basiert (z. B. Wissen, Vermutungen, Erinnerungen).
Was zeigte die Studie von LaPiere (1934) über den Zusammenhang von Einstellung und Verhalten?
Dass Einstellungen nicht zwangsläufig mit dem Verhalten übereinstimmen: Hotels zeigten im direkten Kontakt Offenheit, lehnten später aber schriftlich mehrheitlich ab.
Was ist die Grundannahme der Theorie des geplanten Verhaltens (Ajzen, 1985)?
Verhalten lässt sich am besten durch die Verhaltensabsicht (Intention) vorhersagen, die von Einstellung, subjektiver Norm und wahrgenommener Verhaltenskontrolle beeinflusst wird.
Welche drei Faktoren bestimmen laut Ajzen die Verhaltensabsicht?
Welche Faktoren erleichtern den Rückschluss von Einstellung auf Verhalten?
• Abrufbarkeit relevanter Informationen
• Stabilität der Einstellung durch Konsistenz
• Überzeugung, dass die eigene Meinung korrekt ist
Was versteht man unter „Priming“?
Priming ist die Voraktivierung eines Gedächtnisinhalts durch einen Reiz, wodurch die kognitive (semantische) oder emotionale (affektive) Verarbeitung eines Folge-Reizes beeinflusst wird.
Was ist „subliminales Priming“?
Subliminales Priming bezeichnet die Beeinflussung durch Reize, die unterhalb der Bewusstseinsschwelle wahrgenommen werden.
Was zeigte die Studie von Devine (1989) zum Thema Stereotyp-Aktivierung
Stereotype wurden automatisch durch ethnische Priming-Wörter aktiviert – unabhängig davon, ob die Personen hohe oder niedrige Vorurteile hatten.
Was ist ein Stereotype Threat (Stereotypen-Bedrohung)?
Die Sorge, dass das eigene Verhalten negativ stereotypisiert wird – dies kann zu einer Leistungsminderung durch selbsterfüllende Prophezeiung führen.
Wie wirkt sich ein negativer Altersstereotyp auf ältere Menschen aus?
Er kann die Gedächtnisleistung verringern, die Selbstwirksamkeit senken und das Altersbild negativ beeinflussen – mit langfristigen Auswirkungen auf Gesundheit und Verhalten.
Wie wirkt sich ein positiver Selbststereotyp bei älteren Menschen aus?
Er stärkt die Selbstwirksamkeit, Gedächtnisleistung und das Wohlbefinden – Personen mit positivem Altersbild lebten laut Levy et al. (2002) im Schnitt 7,5 Jahre länger.
Was versteht man unter dem Selbstkonzept?
Das Selbstkonzept umfasst das Faktenwissen und die subjektiven Überzeugungen, die eine Person über sich selbst hat.
Was ist der Unterschied zwischen independentem und interdependentem Selbst?
Independent: Betonung individueller Eigenschaften und Unterschiede.
Interdependent: Betonung sozialer Beziehungen und Zugehörigkeiten.
Welche Merkmale kennzeichnen eine interdependente Selbstkonstruktion?
• Ganzheitliche Informationsverarbeitung
• Berücksichtigung sozialer Kontexte bei Attribution
• Orientierung an Gruppennormen
• Betonung gemeinsamer statt individueller Leistung
• Selbstwert abhängig von äußerer Anerkennung
• Starke Beachtung von Außenwirkung
Was ist expliziter Selbstwert?
Bewusste, reflektierte Bewertung des eigenen Selbst, z. B. messbar über die Rosenberg Self Esteem Scale.
Was ist impliziter Selbstwert?
Unbewusste Bewertung des Selbst, gemessen z. B. durch den Impliziten Assoziationstest (IAT); basiert auf automatischen Assoziationen zu positiven/negativen Eigenschaften.
Was bedeutet „fragiler Selbstwert“?
Der explizite Selbstwert ist höher als der implizite – verbunden mit Defensivität, Unverträglichkeit und Vorurteilen.
Was ist „beschädigter Selbstwert“?
Der explizite Selbstwert ist niedriger als der implizite – verbunden mit Depressionen und Nervosität.
Was ist Narzissmus aus psychologischer Sicht?
Ein stark überhöhter, aber gleichzeitig fragiler Selbstwert – verbunden mit erhöhter Aggressionsneigung.
Was versteht man unter sozialem Vergleich laut Festinger (1957)?
Menschen streben danach, ihre Fähigkeiten und Meinungen zu bewerten, bevorzugt durch den Vergleich mit ähnlichen Personen.
Was ist ein sozialer Abwärtsvergleich?
Ein Vergleich mit Personen, denen es schlechter geht, um das eigene Selbstwertgefühl zu stärken.
Was ist der Actor-Observer-Bias?
Tendenz, das eigene Verhalten auf äußere Umstände (Situation) zu attribuieren, während das Verhalten anderer auf deren Persönlichkeit zurückgeführt wird.
Was bedeutet Self-handicapping?
Sich selbst Hindernisse schaffen, um bei Misserfolg äußere Umstände verantwortlich machen zu können.
Was beschreibt „basking in reflected glory“?
Sich mit erfolgreichen Personen identifizieren, um deren Erfolg als Teil des eigenen Selbstwerts zu erleben.
Was versteht man unter kontrollierter vs. automatischer Selbstaufwertung?
Kontrolliert: bewusst eingesetzte Strategien.
Automatisch: z. B. die stärkere Bewertung eigener Gegenstände gegenüber fremden.
Was sind Urteilsheuristiken?
Kognitive Abkürzungen oder Faustregeln, die schnelle Urteile ermöglichen, aber fehleranfällig sein können.
Was ist die Verfügbarkeitsheuristik?
Urteil basiert auf der Leichtigkeit, mit der Informationen aus dem Gedächtnis abrufbar sind – z. B. Überschätzung seltener Ereignisse wie Flugzeugabstürze.
Was ist die Repräsentativitätsheuristik?
Einschätzung der Wahrscheinlichkeit, dass ein Element zu einer Kategorie gehört, basierend auf Ähnlichkeit – oft unabhängig von realer Statistik.
Was ist die Ankerheuristik?
Die Tendenz, sich bei Urteilen an (auch irrelevanten) Anfangsinformationen zu orientieren – z. B. bei Preisverhandlungen oder Prognosen.
Was versteht man unter Autoritarismus nach Adorno?
Eine Persönlichkeitsstruktur mit hoher Konformität zu Autoritäten, rigidem Denken und Aggression gegenüber Außenseitern.
Beispiel: Eine Person akzeptiert unkritisch Regeln der Regierung und lehnt Homosexuelle ab, weil sie „nicht der Norm entsprechen“.
Was ist soziale Dominanzorientierung?
Die Motivation, soziale Hierarchien aufrechtzuerhalten und Gruppen mit niedrigem Status als unterlegen zu sehen.
Beispiel: Jemand findet es gerecht, dass Migranten schlechter bezahlte Jobs machen – das „passt schon so“.
Was bedeutet „Need for Cognitive Closure“?
Der Wunsch nach schnellen, klaren Antworten und die Abneigung gegenüber Unsicherheit oder Mehrdeutigkeit.
Beispiel: Eine Lehrkraft macht sich direkt nach der ersten Unterrichtsstunde ein festes Bild vom „faulen Schüler“ – ohne weitere Informationen.
Was ist ein fragiler Selbstwert und wie hängt er mit Vorurteilen zusammen?
Ein hoher expliziter, aber niedriger impliziter Selbstwert – oft verbunden mit Abwehr, Narzissmus und Vorurteilen.
Beispiel: Jemand gibt sich selbstsicher, wird aber aggressiv, wenn andere ihm widersprechen – etwa in Diskussionen über Gleichstellung.
Was besagt die Theorie des geplanten Verhaltens (Ajzen)?
Verhalten entsteht aus Intentionen, die von Einstellung, sozialer Norm und wahrgenommener Kontrolle abhängen.
Beispiel: Ein Schüler hilft einem neuen Mitschüler aus Syrien, weil er das will, seine Freunde es gutheißen und er sich fähig fühlt.
Was ist Stereotype Threat?
Die Angst, ein negatives Stereotyp über die eigene Gruppe zu bestätigen – was die Leistung verschlechtern kann.
Beispiel: Eine Schülerin weiß, dass Mädchen angeblich „schlecht in Mathe“ sind – und versagt genau deshalb im Mathetest.
Was ist Priming im Zusammenhang mit Stereotypen?
Unbewusste Aktivierung von Stereotypen durch bestimmte Reize.
Beispiel: Nach Wörtern wie „Kriminalität“ und „arm“ beurteilen Versuchspersonen eine fiktive schwarze Person als feindseliger.
Was ist Self-Handicapping?
Sich selbst Hindernisse in den Weg legen, um bei Misserfolg eine Ausrede zu haben.
Beispiel: Jemand schläft absichtlich schlecht vor einer Prüfung – um bei einem schlechten Ergebnis sagen zu können, er sei müde gewesen.
Was zeigt Sherifs Theorie des realistischen Gruppenkonflikts?
Feindseligkeit zwischen Gruppen entsteht durch Konkurrenz um knappe Ressourcen.
Beispiel: Zwei Gruppen in einem Ferienlager bekriegen sich, als nur eine von ihnen Preise gewinnen kann.
Was ist soziale Kategorisierung?
Menschen ordnen sich und andere sozialen Gruppen zu, was In-Group-Bias und Stereotype fördern kann.
Beispiel: Ein Kind bevorzugt andere Kinder mit der gleichen T-Shirt-Farbe, obwohl die Gruppen zufällig eingeteilt wurden.
Was bedeutet In-Group-Bias? (In-Group-Verzerrung)
Die Tendenz, die eigene Gruppe positiver zu bewerten als eine Fremdgruppe.
Beispiel: Team Grün im Schulprojekt hält sich für „kreativer“ als Team Blau – ohne objektive Grundlage.
Was versteht man unter der Skala zur Vorurteilsfreiheit von Phillips & Ziller?
Eine Messung universeller sozialer Orientierung, die Gemeinsamkeiten zwischen Gruppen betont.
Beispiel: Eine Person sieht in Menschen anderer Religionen vor allem die gemeinsame Menschlichkeit, nicht die Unterschiede.
Was ist das Ziel der Sozialen Identitätstheorie (SIT)?
Die SIT will erklären, warum häufig Konflikte zwischen sozialen Gruppen entstehen – selbst wenn die Unterschiede zwischen ihnen trivial sind.
Beispiel: Zwei zufällig eingeteilte Teams in einem Experiment bevorzugen die Mitglieder ihrer eigenen Gruppe, obwohl sie sich gar nicht kennen.
Was versteht man unter dem Minimalgruppen-Paradigma?
Ein Forschungsdesign von Tajfel, bei dem Menschen rein zufällig in Gruppen eingeteilt werden – dennoch bevorzugen sie ihre Eigengruppe bei Ressourcenvergabe.
Beispiel: Teilnehmer vergeben mehr Punkte an Mitglieder ihrer eigenen Gruppe „Kandinsky“ als an „Klee“, obwohl sie diese nie getroffen haben.
Was bedeutet „positive Distinktheit“ im Rahmen der SIT?
Der Wunsch, die eigene Gruppe positiv von der Fremdgruppe abzugrenzen, um das eigene Selbstwertgefühl zu steigern.
Beispiel: In einem Punktesystem wählt eine Versuchsperson die Belohnungsverteilung so, dass ihre Gruppe zwar weniger bekommt – aber immer noch mehr als die andere.
Was ist soziale Kategorisierung laut Tajfel und Turner?
Ein kognitiver Prozess, durch den Menschen sich selbst und andere Gruppen zuordnen, um ihre soziale Umwelt zu strukturieren.
Beispiel: Eine Person identifiziert sich als „Studentin“ und vergleicht sich daher mit anderen sozialen Gruppen wie „Arbeitende“ oder „Rentner“.
Wie entsteht soziale Identität in der SIT?
Sie ergibt sich aus der Gruppenzugehörigkeit und den Bewertungen dieser Gruppe im sozialen Vergleich mit anderen.
Beispiel: Jemand ist stolz darauf, Teil einer angesehenen Berufsgruppe wie „Ärzt:innen“ zu sein und entwickelt ein positives Selbstkonzept daraus.
Welche drei Grundannahmen liegen der SIT zugrunde?
Beispiel: Wenn man merkt, dass die eigene Gruppe schlechter dasteht (z. B. im Einkommen), kann das das eigene Selbstwertgefühl senken.
Was verstehen Tajfel und Turner unter sozialer Identität?
Soziale Identität ist der Teil des Selbstkonzepts, der auf der Mitgliedschaft in sozialen Gruppen beruht und durch soziale Vergleiche beeinflusst wird.
Beispiel: Eine Person ist stolz, Teil einer Umweltorganisation zu sein, weil sie sich über deren Werte definiert.
Was ist laut SIT das Ziel des Individuums im Hinblick auf soziale Identität?
Menschen streben nach einer positiven sozialen Identität, um ihr Selbstwertgefühl zu stärken.
Beispiel: Jemand wertet eine andere Fußballmannschaft ab, um seine eigene Fangruppe aufzuwerten.
Wie entsteht eine positive soziale Identität?
Durch positive Intergruppenvergleiche, bei denen sich die Eigengruppe positiv von einer relevanten Fremdgruppe abhebt.
Beispiel: Eine Schülergruppe vergleicht sich mit einer anderen Klasse und betont ihre besseren Noten.
Was geschieht, wenn die soziale Identität unbefriedigend ist?
Menschen versuchen entweder die Gruppe zu wechseln oder die eigene Gruppe durch positiven Wandel aufzuwerten.
Beispiel: Ein:e Mitarbeiter:in wechselt die Abteilung oder engagiert sich für Verbesserungen in der eigenen Gruppe.
Welche drei Bedingungen müssen laut Tajfel & Turner erfüllt sein, damit soziale Differenzierung einsetzt?
Selbstdefinition als Mitglied einer In-Group (interne Identifikation).
Vergleichbarkeit mit einer Fremdgruppe ist gegeben.
Die Fremdgruppe wird als relevant und salient wahrgenommen.
Beispiel: In einer internationalen Schule vergleichen sich Schülergruppen entlang der Sprachzugehörigkeit, z. B. „Deutschsprachige“ vs. „Englischsprachige“.
Was bedeutet "saliente Fremdgruppe"?
Eine Gruppe, die sich in der Situation deutlich hervorhebt und daher als Vergleichsmaßstab dient.
Beispiel: Bei einer Jobmesse fällt eine Person durch traditionelle Kleidung auf und wird als Vertreter:in einer bestimmten Kulturgruppe besonders beachtet.
Was ist der Unterschied zwischen sozialem und realistischem Wettbewerb zwischen Gruppen?
Sozialer Wettbewerb basiert auf der Bewertung der eigenen Gruppe im Vergleich zur Fremdgruppe mit dem Ziel der positiven Distinktheit (z. B. Stolz auf kulturelle Leistungen).
Realistischer Wettbewerb beruht auf tatsächlichen Interessenskonflikten (z. B. begrenzte Ressourcen wie Arbeitsplätze), wobei unvereinbare Ziele notwendig sind.
Was kann eine Folge von realistischem Wettbewerb zwischen Gruppen sein?
Feindseligkeit gegenüber der Siegergruppe, wenn die Interaktion ausschließlich konflikthaft war – es sei denn, die Bedingungen wurden als fair und legitim wahrgenommen.
Beispiel: Zwei Gruppen bewerben sich um einen Fördertopf – die unterlegene Gruppe empfindet den Prozess als unfair → Feindseligkeit entsteht.
Was versteht man unter individueller Mobilität bei bedrohter sozialer Identität?
Die Person versucht, die Gruppe zu verlassen und sich einer statushöheren Gruppe anzuschließen (z. B. durch Bildung oder Berufswechsel). Alternativ: psychologische Distanz zur alten Gruppe.
Was ist soziale Kreativität als Reaktion auf bedrohte Identität?
Die Gruppe verändert Vergleichsdimensionen, Werte oder lehnt Vergleiche mit höherstatusigen Gruppen ab, um den Selbstwert zu erhalten oder zu steigern.
Beispiel: Die Aussage „Black is beautiful“ wertet ein Merkmal positiv um, das zuvor negativ bewertet wurde.
Wie kann sozialer Wettbewerb als Strategie zur Identitätsstärkung wirken?
Die Gruppe tritt aktiv in Konkurrenz zur Fremdgruppe, um ihre Position aufzuwerten. Dies kann soziale Veränderungen hervorrufen, aber auch Konflikte verschärfen.
Beispiel: Eine benachteiligte Minderheit fordert gleiche politische Rechte und geht dafür öffentlich in Konkurrenz mit der Mehrheitsgesellschaft.
Welche drei Bedingungen müssen laut SIT für sozialen Vergleich erfüllt sein?
Was ist unter individueller Mobilität im Kontext der SIT zu verstehen?
der Versuch eines Individuums, seine Gruppenzugehörigkeit zu ändern (z. B. Aufstieg in eine höher bewertete soziale Gruppe), wenn die eigene Gruppe negativ bewertet wird.
Beispiel: Eine Person mit Migrationshintergrund passt sich kulturell vollständig an die Mehrheitsgesellschaft an, um Diskriminierung zu entgehen.
Welche Voraussetzung ist für individuelle Mobilität notwendig?
Eine durchlässige soziale Struktur, die Gruppenzugehörigkeit veränderbar macht (z. B. durch Bildung, Beruf, Sprache).
Was bedeutet soziale Kreativität als Reaktion auf eine bedrohte soziale Identität?
Mitglieder einer Gruppe versuchen, ihre Identität aufzuwerten, ohne die soziale Struktur zu verändern – etwa durch neue Vergleichsdimensionen oder Umwertung vorhandener Merkmale.
Welche drei Strategien gehören zur sozialen Kreativität?
Wann ist soziale Kreativität besonders wahrscheinlich?
Wenn die soziale Struktur als stabil, aber undurchlässig erlebt wird (z. B. Minderheit kann Status nicht ändern, will sich aber trotzdem positiv sehen).
Was bedeutet sozialer Wettbewerb im Rahmen der SIT?
Eine statusniedrige Gruppe versucht aktiv, ihre gesellschaftliche Position gegenüber der statushohen Gruppe zu verbessern, oft mit dem Ziel sozialer Gleichheit oder Anerkennung.
Welche Risiken birgt sozialer Wettbewerb zwischen Gruppen?
Er kann zu offenem Konflikt, Polarisierung und sogar Feindseligkeit führen, vor allem wenn Ressourcen (z. B. Macht, Anerkennung, Einkommen) als knapp wahrgenommen werden.
Beispiel: Eine benachteiligte Gruppe organisiert Proteste oder soziale Bewegungen, um gleiche Rechte zu fordern (z. B. Frauenbewegung, Bürgerrechtsbewegung).
Welche Bedingung begünstigt sozialen Wettbewerb?
Wenn die soziale Struktur als veränderbar, aber aktuell ungerecht empfunden wird.
Was ist das Ziel sozialer Kreativität im Vergleich zu sozialem Wettbewerb?
oziale Kreativität strebt nach Selbstwertsteigerung, ohne die bestehende Struktur anzugreifen – sozialer Wettbewerb hingegen zielt auf strukturelle Veränderung.
Was ist die Selbstkategorisierungstheorie (SCT)?
Die SCT beschreibt, wie Personen zwischen persönlicher und sozialer Identität wechseln, je nach Situation, und wann Gruppenzugehörigkeit verhaltenswirksam wird (Turner et al., 1992). Sie erweitert die SIT.
Was ist der Unterschied zwischen persönlicher und sozialer Identität?
Was ist Depersonalisierung laut SCT?
Wenn soziale Identität salient ist, treten individuelle Unterschiede in den Hintergrund. Das eigene Selbst wird über Gruppenmerkmale definiert („Ich = typisches Gruppenmitglied“).
Was versteht man unter Selbststereotypisierung?
Man überträgt Stereotype über die Eigengruppe auf sich selbst, z. B.: „Wir Frauen sind empathisch – also bin ich empathisch.“
Welche Voraussetzungen braucht soziale Kategorisierung?
Was ist normative und komparative Passung
Beispiel für Salienz sozialer Identität?
Auf einem Rockkonzert ist die Identität als Rockfan salient – nicht die als Hobbygärtner, selbst wenn andere Gärtner anwesend sind.
Was bedeutet Rekategorisierung und Dekategorisierung?
→ Beispiel: Sherif-Studie – zwei Gruppen kooperieren
Wie ergänzt SCT die Soziale Identitätstheorie (SIT)?
SCT erklärt, wann und wie stark soziale Identität verhaltenswirksam wird, z. B. durch situative Salienz und wahrgenommene Passung.
Was ist die Kontakthypothese nach Allport (1954)?
Vorurteile können abgebaut werden, wenn gleichberechtigter Kontakt zwischen Mitgliedern verschiedener Gruppen entsteht – unter bestimmten Bedingungen:
a) Gleicher Status
b) Gemeinsame Ziele
c) Kooperation
d) Institutionelle Unterstützung
Beispiel für die Kontakthypothese in der Praxis?
Ein Sportteam mit unterschiedlichen ethnischen Hintergründen: Um zu gewinnen, müssen sie kooperieren. Die ethnische Zugehörigkeit wird dabei sekundär.
Welche psychologischen Voraussetzungen verstärken die Wirksamkeit von Kontakt?
→ Ängstliche oder feindselige Kinder profitierten z. B. im Ferienlager weniger vom Kontakt mit anderen ethnischen Gruppen.
Was besagt Banduras Social Learning Theory im Kontext von Vorurteilen?
Menschen lernen durch Beobachtung und Nachahmung. Auch positive Intergruppenerfahrungen, Wissen über andere Kulturen und demokratische Werte können Modelllernen fördern.
→ Beispiel: Antidiskriminierungs-Workshops oder multikulturelle Unterrichtseinheiten
Was besagt Abouds Social-Cognitive Developmental Theory of Prejudice (2008)?
Vorurteile bei Kindern spiegeln ihre soziokognitiven Fähigkeiten wider. Diese nehmen mit wachsender Fähigkeit zu Perspektivenübernahme, Empathie und moralischer Urteilskraft ab.
→ Beispiel: Trainings, in denen Kinder lernen, sich in andere hineinzuversetzen oder faire Lösungen zu finden.
Welche Methoden basieren auf Abouds Ansatz?
→ Ziel: Entwicklung soziokognitiver Kompetenzen, um Vorurteile zu mindern
Welche weiteren Methoden zur Vorurteilsreduktion gibt es?
Kooperatives Lernen
Filme, Bücher und Geschichten
Diskussionsrunden mit Anleitung
Peer-basierte Interventionen
→ Alle zielen auf Perspektivenvielfalt, Empathie und geteilte Erlebnisse ab
Warum reicht bloßer Kontakt allein oft nicht aus?
Kontakt kann Vorurteile auch verstärken, wenn er nicht auf Augenhöhe, ohne gemeinsames Ziel oder ohne Kooperation stattfindet – z. B. in einer belasteten Ferienlager-Studie mit weißen und schwarzen Jungen.
Was zeigte die Meta-Analyse von Pettigrew & Tropp (2006) zur Kontakthypothese?
Kontakt reduziert Vorurteile effektiv, auch ohne Allports optimale Bedingungen. Wichtig ist v. a. die Reduktion von Angst und Bedrohungsempfinden im Kontakt. Dies erklärt u. a. positive Effekte auch unter Apartheidbedingungen in Südafrika.
Was ist der Mere-Exposure-Effekt?
Wiederholter Kontakt mit einem Reiz (z. B. einer Person) kann Sympathie erhöhen, selbst ohne tieferes Kennenlernen.
📌 Beispiel: Weiße Hausfrauen in den USA, die regelmäßig mit ihren schwarzen Haushaltshilfen in Kontakt waren, entwickelten positivere Einstellungen.
Welche Ergebnisse zeigte die Meta-Analyse von Beelmann & Heinemann (2013) zu Kinder- und Jugendinterventionen?
nsgesamt klein bis mittelstarke positive Effekte auf Vorurteile und Einstellungen. Am stärksten wirksam waren Programme mit
✅ direktem Kontakt und
✅ sozial-kognitiven Trainings (z. B. Perspektivenübernahme).
Frage: Welche Zielgruppen zeigten laut Beelmann & Heinemann (2013) größere Erfolge in der Vorurteilsreduktion?
👥 Mehrheitsgruppen (hoher sozialer Status)
🧓 Ältere oder behinderte Menschen – stärkere Effektstärken im Vergleich zu ethnischen Minderheiten
Was ist ein methodisches Defizit vieler Interventionsstudien laut Beelmann & Heinemann (2013)?
Oft wurde nur die kognitive Einstellung gemessen. Affektive und behaviorale Veränderungen (z. B. tatsächliches Verhalten) wurden zu selten untersucht – aber sind wichtig für die Langzeitwirkung.
Was fordern Beelmann & Heinemann (2013) als gesellschaftliches Fazit?
Mehr psychologische, pädagogische und gesellschaftliche Programme sind nötig, um
🌍 globale Konflikte zu mindern,
👥 Toleranz und Gleichheit zu fördern
und 🌱 Diversität als Chance statt als Problem zu begreifen.
Welche Problemstellungen adressiert das PARTS-Programm?
Das Programm richtet sich gegen Vorurteile, Intoleranz und diskriminierende Einstellungen, die mit gesellschaftlichen Problemen wie Kriminalität und Rechtsextremismus verknüpft sind. Zudem fehlte es bislang an langfristiger Evaluation entsprechender Programme.
An welche Zielgruppe richtet sich das Training?
An Schülerinnen und Schüler der 3. und 4. Klassen (Grundschulalter).
Wie ist der Ablauf des Programms?
Langzeitstudie mit 15 Unterrichtseinheiten, verteilt auf drei Trainingsbereiche. Die Erhebung umfasste mehrere Messzeitpunkte, auch noch bis zu sechs Jahre nach Durchführung.
Welche Methoden werden angewandt?
Was sind die Projektziele?
Überprüfung der Langzeiteffekte von PARTS (bis zu 6 Jahre nach Teilnahme) und Analyse unterschiedlicher Einflussfaktoren auf Vorurteils- und Toleranzentwicklung.
Was sind die Besonderheiten von Projektdesign und Datenerhebung?
Kombinierte Präventions- und Entwicklungsstudie.
Hohe Teilnahmerate (79 %).
Datenerhebung beim 6. Messzeitpunkt auf jene Schulen begrenzt, bei denen ≥ 4 Projektteilnehmer verblieben waren (Reduktion auf 586 Schüler).
Wie war die Zusammensetzung der Stichprobe zum 6. Erhebungszeitpunkt?
Welche Erfolgskriterien wurden bei der Evaluation angewandt?
Was sind die Ergebnisse der empirischen Überprüfung des Programms?
Insgesamt positives Ergebnis.
→ Mit wenigen Ausnahmen zeigen sich bei den Programmteilnehmern konsistent günstigere Werte in fast allen Erhebungsdimensionen.