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Haven't started (37)

Warum beschäftigen wir uns mit Psychologie?

  • Grundlegendes Bedürfnis des Menschen, sich & Umgebung zu verstehen & Gesetzmäßigkeiten zu entdecken

 

🡪 Warum grundlegendes Bedürfnis?

  • Wichtig, aus den vielen Sinneseindrücken die wichtigsten auswählen und darauf fokussieren zu können🡪 Überlebenssinn

 

🡪 Warum wichtig Gesetzmäßigkeiten zu erkennen?

  • Begrenzte Anzahl an Reizen, die man aufnehmen und verarbeiten kannn🡪 Gesetzmäßigkeiten (Reize)  werden „erlernt“ und „automatisiert“

Definitionen von Psychologie

  • „Wissenschaftliche Untersuchung des Verhaltens von Individuen und ihren geistigen bwz. Kognitiven Prozessen“ (Gerrig, 2018)

  • „Wissenschaftliche Lehre vom Erleben und Verhalten von Individuen in ihrer Umwelt“

Vergleich der Definitionen

  • Wissenschaftlich🡪 Erklärung von Zusammenhängen, die empirisch belegt sind, Unterschied zu „Alltag“ (allgemeine Annahmen, nur eigene Erfahrung) die keine empirische Grundlage haben

  • Untersuchung vs. Lehre🡪 Lehre als Oberbegriff, beinhaltet die Untersuchung🡪 Nicht nur Untersuchen, auch Anwendung, Weitergabe & Entwicklung neuer Theorien (die belegbar sind), neue Untersuchungen und deren Zusammenhänge

  • Erleben vs. Verhalten🡪 Erleben kommt in der Regel vor dem Verhalten, da man mit dem Verhalten auf das Erlebte reagiert

  • geistige bzw. kognitive Prozessegeistig + kognitiv gleichgestellt, geistig aber eigentlich keine Anwendung mehr in Psychologie🡪 Geistig = Überbegriff für verschiedene Ebenen (emotional, motivational, usw.)

  • Verhalten: Oberbegriff für sowohl automatisiertes Reagieren (z.B. erlernte Reizketten & -reaktionen) als auch aktives Handeln (motivationale und volitionale Aspekte)

  • Individuen (Lebewesen) 🡪 Weitergefasst als Menschen, umfasst auch Tiere, letztlich auch Pflanzen (da diese auch fähig sind, auf ihre Umwelt zu reagieren, nicht aktiv)

  • In ihrer Umwelt 🡪 Nicht nur Charakter / Persönlichkeit eines Menschen beeinflusst Verhalten, auch Faktoren aus der Umwelt (wie andere Menschen)🡪 Umwelt beeinflusst Mensch & vice versa

Ziele der Psychologie

  • Beschreibung des Verhaltens von Individuen, dann zu erklären, vorherzusagen und zu beeinflussen bzw. kontrollieren (in dieser Reihenfolge, inklusive Umgebung / Umwelt)

 

🡪 Beschreiben: Tom tanzt und er ist glücklich. (plus Umwelt)🡪 Erklären: Tom ist glücklich, weil er tanzt.🡪 Vorhersagen: Immer wenn Tom tanzt, ist er glücklich. 🡪 Wenn er das nächste Mal tanzen geht, wird er glücklich sein.(Erkennen von Gesetzmäßigkeiten)🡪 Beeinflussen: Wenn Tom traurig ist, kann man ihn zum Tanzen bringen, damit er wieder glücklich ist.

 

🡪 Einfluss nehmen auf das Individuum, eigenes beeinflussen in Ordnung, bei anderen bedarf es der Zustimmung des anderen, kein Zwang

Ziele der Psychologie

 

Beschreiben

  • Aufzeichnung von Verhaltensbeobachtungen bei Individuen und den Bedingungen, unter denen das Verhalten auftritt -> Sammlung von Verhaltensdaten
  • Untersuchungseinheiten von grob bis sehr fein möglich
  • Beschreiben von Fakten ohne Einfluss subjektiver Informationen -> wichtig für die Objektivität!

Ziele der Psychologie

 

Erklären

  • Ziel: das Herausfinden regelhafter Muster (auch Kausalzusammenhänge)
  • Innere Prozesse (nicht beobachtbar)
  • Annahme, dass Verhalten durch eine Kombination von Faktoren beeinflusst wird
  1. Innere Faktoren: Besonderheiten des Individuums (z.B. Intelligenz, Motivation, genetische Ausstattung)
  2. Äußere Faktoren: Umwelteinflüsse (z.B. physische und 

soziale Umwelt)

Ziele der Psychologie

 

Vorhersagen

  • Aussagen über die Wahrscheinlichkeit, mit der ein bestimmtes  Verhalten auftreten wird oder ein bestimmter Zusammenhang nachgewiesen werden kann
  • Wissenschaftliche Vorhersagen müssen so exakt wie möglich formuliert sein, um getestet werden zu können
  • Bei Zutreffen einer Vorhersage wird die entwickelte Erklärung gefestigt, bei Falsifikation muss sie evtl. überarbeitet werden

Ziele der Psychologie

 

Beeinflussen bzw. kontrollieren

  • Gezielte Beeinflussung des Verhaltens eines Individuums (Auftreten/Nicht-Auftreten bzw. Starten, Aufrechterhalten, Beenden, Stärke und Auftretenswahrscheinlichkeit)
  • Anwendung z.B. bei Interventionen zur Verbesserung der Lebensqualität

Interview

Aus dem Alltag einer psychologischen Sachverständige im Familienrecht

 

fiktiver Fall: Scheidungsfall - Kontakt eines vierjährigen Jungen zu seinem Vater

 

  • Kind lebt bei der Mutter / Vater möchte regelmäßigen Kontakt zum Kind / Mutter hat bedenken, dass das Kind ablehnend reagiert

 

  1. beschreibende Ebene:
  • Sichtweisen der Eltern und des Kindes, Wünsche des Kindes Rückmeldungen der einzelnen Personen
  • Interaktionsbeobachtungen: wie sieht das auf der Verhaltenseben aus - das Verhalten des Kindes, wenn es auf den Vater trifft (möglicherweise auch im Kontrast zu den geäußerten Wünschen)

2. erklärende Ebene:

  • z.B. unterschiede zwischen dem Wunsch ("ich möchte den Papa nicht sehen, ich möchte da nicht hin, ich mag den Papa nicht") 
  • Interaktionsmethode: wie ist es, wenn tatsächlich ein Kontakt stattfindet
  • Bei einem Aufeinandertreffen kann es komplett anders aussehen: Kind zeigt sich erst verhalten, nach einer kurzen Zeit schlägt das Verhalten komplett um ("ich habe dich vermisst")
  • Mögliche Erklärung: das Kind befindet sich in einem Loyalitätskonflikt

3. Vorhersagende Ebene:

  • wenn es aus dem Konflikt herausgelöst werden könnte, könnte es dann auch unbelastete Kontakte zum Vater wahrnehmen und davon profitieren
  • (Belastungssituation: Kind steht zwischen zwei Sichtweisen und das Kind versucht sich einer Sichtweise anzupassen, um diesen Konflikt zu entweichen und der Belastung nicht mehr ausgesetzt zu sein. Es hat eigene Bedürfnisse, die es zurückstellt --> Bsp: neutrale Person holt das Kind ab und bringt es zum Vater: dadurch wird eine Belastungssituation vermieden und kann einen unbelasteten Kontakt zum Vater wahrnehmen)

4. beeinflussende Ebene:

  • beide Eltern versuchen an einen Tisch zu bekommen und differenziert die Situation des Kindes zu vermitteln 
  • Eltern möglich Verhaltensstrategien an die Hand geben, um das Kind zu entlasten

--> nur Vorschlag - kein Zwang (Zusammenarbeiten) also nur mit Einverständnis

Wie wurde über das Erleben & Verhalten von Individuen vor der Institutionalisierung der Psychologie nachgedacht? 

 

 

Ebbinghaus:"Die Psychologie besitzt eine lange Vergangenheit, aber nur eine kurze Geschichte.“

 

  • Psychologie als Wissenschaft gibt es erst seit knapp 150 Jahren (circa. 1880)
  • Die Philosophen legten den Grundstein für die Psychologie, wie es sie heute gibt

  

Warum mit Geschichte der Psychologie beschäftigen?

  1. Traditionsstiftung
  2. Selbstvergewisserung (sich über Fortschritte & Erfolge Gedanken machen & wo es Bedarf für Fortschritt gibt)
  3. Legitimation (man nutzt die Erkenntnisse um von weniger zu mehr zu kommen)
  4. Kritik (auch mit verborgenen Konventionen, wie und warum man sich mit Psychologie beschäftigt, bewusst werden ob Vorgehen aktuell oder veraltet ist)

Wichtige Namen der Geschichte der Psychologie

  1. Platon - Ideenlehre
  2. Aristoteles – Körper und Geist als Einheit
  3. Augustinus und Thomas von Aquin 🡪 Haben Platon aufgegriffen, christliche Lehre
  4. Rene Descartes, Reformation 🡪 „Cogito, ergo sum.” 🡪 Ich denke (zweifle), also bin ich
  5. David Hume: Empirismus, Sinneserfahrungen, Gegenpol zur rationalen Psychologie
  6. Immanuel Kant: Denken und Beobachtung 🡪 Erkenntnis
  7. Franz Brentano – Deskriptive vs. Genetische Psychologie
  8. Herman von Helmholtz – Grundlegende Arbeiten zur Reizleitung der Nervenbahnen (mit Tieren gearbeitet)
  9. Gustav Theodor Fechner – Gesetz der Psychologie (Fechnersches Gesetz)

Platon

Ideenlehre

 

  • Sprach bereits von der Seele in Pheidon:
  • Platon spricht in Gleichnissen.-Seele ist gleich Wagenlenker mit zwei Pferden, die verschiedene Tugenden und Eigenschaften der Seele repräsentierten
  1. Mutartiger Seelenteil (Tapferkeit)
  2. begehrlicher Seelenteil (Selbstbeherrschung)
  3. Wagenlenker ist denkender Seelenteil (Weisheit)

 

  • Seele ist nur einem Menschen vorbehalten, Tiere haben keine Seele

Platon - Grundgedanken Höhlenglichnis

  • Das, was wir wahrnehmen, ist verzerrt / nicht real (wir sehen nur die „Schatten“)
  • Die Gegenstände (Ideen) sind das einzig reale, nicht die Wahrnehmung
  • Wissen ist wiedererkennen, es kann kein neues Wissen geschaffen werden da wir nur die Ideen wahrnehmen und somit keine neuen schaffen können
  • Was wir sehen, ist nicht so, wie es in Wirklichkeit ist, in Wirklichkeit gibt es nur die Idee

 

  • Heutzutage: Die Idee ist bspw ein Stuhl, egal wie dieser aussieht, wir würden ihn als Stuhl erkennen

 

(Vergleich der Menschen mit Menschen, die vor Mauer sitzen & Schatten an Wand anschauen, Schatten stammen von Gegenständen + Feuer Männer sehen nur Schatten, nicht Gegenstände)

Aristoteles

 

Körper und Geist als Einheit

 

  • Nannte die Idee „Gestalt“, „Intention“
  • dagegen steht die Materie (Körper)
  • Seele ist die „Idee“, Materie ist der KörperDiese beiden können nur gemeinsam als Einheit existieren
  • Übergeordnetes, transzendentes Wissen existiert nicht

 

  • kleiner Teil der Seele unsterblicher, der Rest stirbt (auch Gedächtnis)
  • Drei hierarchisch aufeinander aufbauende Teile der Seele
  1. unten „Anima vegetativa“ Nährseele (auch bei Pflanzen und Tieren vorhanden)
  2. mittel „Anima sensitiva“ Sinnenseele (auch bei Tieren vorhanden)
  3. oben „Anima rationalis“ Geist-/Vernunftseele (nur bei Menschen vorhanden), kleiner Teil unsterblich

Augustinus und Thomas von Aquin

Platon aufgegriffen, christliche Lehre

 

  1. Augustinus:
  • Seele bedient sich des Körpers zur Wahrnehmung der Außenwelt
  • Psychologie der Innerlichkeit
  • Wendung nach innen, Lehre der Versenkung und inneren Betrachtung

 

2. Thomas von Aquin:

  • Sehr christlich / religiös
  • Enge Verbindung zwischen Körper und Geist
  • Identität / Persönlichkeit entsteht durch die Verbindung von Körper und Geist - personale Identität
  • Nach dem Auferstehen kommen Körper & Geist wieder zusammen

Rene Descartes

Reformation „Cogito, ergo sum.” Ich denke (zweifle), also bin icht

 

  • Auch Existenz der Seele muss angezweifelt werden
  • Tatsache, dass man sich Gedanken über die Existenz der Seele macht und diese anzweifelt, zeigt die Möglichkeit zu erkennen, dass es die Seele gibt
  • Zweifel ist real

 

  • Seele = „Res cogitans“; Materie = „Res extensa“
  • Körper, wie eine Maschine
  • Grundlegender Unterschied zwischen Mensch und Maschine Zweifel, nachdenken, Entscheidungen überdenken
  • Res cogitans und Res extensa sind getrennt und können getrennt voneinander betrachtet werden
  • Begründer des Leib-Seele-Problems auch heute noch keine Antwort hierauf, Seele vs. Körper
  • Nur durch Denken kommt man zur Erkenntnis

David Hume

Empirismus, Sinneserfahrungen, Gegenpol zur rationalen Psychologie

 

  • Empirismus besagt, dass nur durch Sinneseindrücke /-erfahrungen (Beobachtung) Wahrscheinlichkeiten über Aussagen möglich sind
  • Nur Wahrscheinlichkeiten, keine Erkenntnisse, da eigentlich gar nichts „sicher“ ist

Immanuel Kant

Denken und Beobachtung 🡪 Erkenntnis 

  • Nur Denken UND Beobachtung zusammen führen zu einer Erkenntnis
  • Unterscheidung der Welt in phänomenal (Welt der Entscheidung) und numinal (Welt des Geistes) 

 

  • Man muss etwas erfahren (Sinneseindruck, Beobachtung) und dies durch „Schablonen, Schema“ (apriorische Kategorie, im Kopf) pressen, um erkennen zu können, was es ist

 

  • Psychologie keine Naturwissenschaft
  • Naturwissenschaft nur wenn man Erkenntnisse durch Raum und Zeit erklären kann
  • alles was wir über Seelenleben / inneren Sinn beschreiben, kein Raum vorhanden (nur Zeit) 

Franz Brentano 

Deskriptive vs. Genetische Psychologie 

  • Deskriptive Psychologie 🡪 Beschreibung der inneren Akte/Vorgänge (siehe Kant)
  • Genetische Psychologie 🡪 naturwissenschaftliche Psychologie (Physiologie), kann untersucht werden (auch räumliche Elemente)

Herman von Helmholtz

Grundlegende Arbeiten zur Reizleitung der Nervenbahnen (mit Tieren gearbeitet)

 

Kant: "Lebewesen sind nach mechanischen Prinzipien nicht verstehbar"

 

🡪 Kants Aussage konnte von Helmholtz widerlegt werden

er hat bewiesen, dass durch Reizleitung von Nervenbahnen das Lebewesen verstehbar und untersuchbar ist

Gustav Theodor Fechner

Gesetz der Psychologie (Fechnersches Gesetz)

 

  • Anwendung der naturwissenschaftlichen Methoden auf die Psychologie 
  • 🡪 Übertritt von Physiologie zu Psychologie

 

Erstes Gesetz der Psychologie (Fechnersches Gesetz):

  • Reizintensität nicht unbedingt proportional / gleich zur Empfindungsintensität

Bsp:

🡪 Wenn man einen Ton objektiv verdoppelt, muss dies nicht gleichzeitig doppelt so laut sein🡪 Logarithmus: Um einen Ton zu verdoppeln (Wahrnehmung), muss die Reizintensität quadriert werden

Wie wurde über das Erleben und Verhalten von Individuen seit Einführung der Psychologie nachgedacht?

Gründung von verschiedenen Schulen, mit unterschiedlichen Ausrichtungen und Schwerpunkten:

 

  1. Leipziger Schule (Wilhelm Wundt) 
  2. Würzburger Schule (Oswald Külpe, Philosoph, Gründervater Gestaltpsychologie)
  3. Grazer Schule (Alexius Meinong, Christian von Ehrenfels)
  4. Frankfurter / Berliner Schule (Max Wertheimer)

 

  1. Wundt
  2. Külpe
  3. Meinong / von Ehrenfels
  4. Wertheimer
  1. Seelische Vorgänge können auf Grundlage physiologischer Veränderungen erklärt werden 
  • Introspektion bei Wundt: Mittels Gedanken das Erleben in einzelne Prozesse zu zerteilen

2. Gründervater Gestaltpsychologie (auf deskriptive Psychologie von Brentano eingegangen)

  • Hat das Unbewusste akzeptiert und Einheit des Seelenlebens betont 🡪 Nicht anschauliche Gedanken, die nicht durch Introspektion bewusst gemacht werden können, können auch nicht objektiv gemessen werden

3. Meinong:

  • Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Auch: Das Ganze ist etwas anderes als die Summe seiner Teile.
  • Aktionen / Prozesse können zwar in Einzelelemente aufgeteilt werden, aber sind nicht mehr dass was sie einmal waren, und wenn man sie zusammensetzt kommt etwas anderes heraus
  • Gestalten 🡪 Ergeben sich aus Einzelelementen, werden erst durch die Betrachtung nebeneinander durch ein Lebewesen zu einer Gestalt

von Ehrenfels: 

  • Gestaltmerkmale / Ehrenfels-Merkmale: - Hat eine Melodie angehört und festgestellt, dass die Melodie nicht nur eine Aneinanderreihung von Tönen ist, sondern durch die Aneinanderreihung etwas anderes daraus wird (Emotionen etc.) 🡪 Übersummativität- Transponierbarkeit: Melodien verändern sich nicht, wenn sie in einer andere Tonlage transponiert werden🡪 Tonabfolge bleibt gleich, nur Höhe der Töne anders

4. Auch Situationen mit anderen Menschen können als Gestalt angesehen werden

  • Federball kann gegeneinander oder miteinandergespielt werden 🡪 Abhängig vom Anfang / der Intention hinter dem Spiel, wird dieses ganz anders ablaufen
  • Kognitive Fixierung:bspw. Bild von alter & junger Frau 🡪 Man sieht zuerst eins & hat Schwierigkeiten anderes zu erkennen, wenn man auf das andere hingewiesen wird fällt es schwer, das erste wieder wahrzunehmen 

Strukturalismus- Die Elemente des Geistes -

  • Wundt

 

  • Die Untersuchung der Struktur des menschlichen Geistes und Verhaltens
  • Identifizierung wesentlicher Bestandteile 
  • Mittel der Wahl: Introspektion
  • Kritik: es ist unmöglich, mit Sicherheit davon auszugehen, dass die Ergebnisse einer individuellen Introspektion verallgemeinerbare Aspekte menschlicher Psychologie darstellen

Funktionalismus- Der absichtsvolle Geist -

  • James

 

  • Fokus auf Funktion bzw. Absicht von Verhalten
  • Ziel liegt eher im Erklären als in experimenteller Kontrolle
  • „warmherzige Psychologie“ mit Platz für das Selbst, Willen, Werte und religiöse/mystische Erfahrungen

Psychologie heute

  • Keine Schulen, stattdessen Arbeitsgruppen etc.; diese widmen sich Paradigmen, keine theoretische / philosophische Einstellung, es geht primär um wissenschaftliche, neue Erkenntnisse
  • Begriffe „Geist“ & „Seele“ eher wenig verwendet, zu metaphysisch da in Vergangenheit und Alltag verwendet

 

Wie kann man sich sicher sein dass es Geist/Seele/Psyche gibt?

  • Bspw. Optische Täuschungen, Erkennen dass Maße des Bildschirms sich nicht ändern
  • 🡪 Geistige / kognitive Prozesse, die verdeutlichen dass es ein Untersuchungsobjekt (Psyche) gibt 

Was sind Paradigmen?

  • Sichtweise / Perspektive unter der das Erleben / Verhalten von Individuen in ihrer Umwelt, untersucht wird
  • Kann mit Brillen verglichen werden, die unterschiedliche Gläser haben oder Kippbilder (oder das Bild mit dem Fels und der Stadt)

Die Paradigmen

  1. Psychodynamisches Paradigma: Verhalten des Menschen allein durch innere Triebe/Motivation erklärbar.
  2. Behavioristisches Paradigma: Innere Triebe / Motivation egal, da nicht untersuchbar, Verhalten des Menschen kann durch Umwelt / Umweltreise erklärt werden. Sprache des Menschen kann alleine durch Lernen erklärt werden (z.B. durch Beobachten, erklärt aber nur das Lernen gehörter Sätze, aber nicht das Bilden neuer Sätze /Kombinationen).
  3. Humanistisches Paradigma: Im Grunde genommen beides wichtig, aber Mensch = aktives Geschöpf, das von Grund auf gut ist, Freiheit der Wahl. Hauptaufgabe nicht Motivation / Triebbefriedigung, sondern Selbstverwirklichung.
  4. Kognitives Paradigma: Übergeordnete geistige Prozesse wichtig um das Verhalten des Menschen zu erklären
  5. Biologisches Paradigma: Verhalten ist auf biologische Prozesse (chemische und elektrische Aktivitäten im Nervensystem) zurückzuführen. Durch Lebenserfahrung können diese sich ändern.
  6. Evolutionäres Paradigma:  Erklären des Verhaltens von Individuen durch Evolution. Verhalten ist auf kognitive und körperliche Fähigkeiten zurückzuführen, die sich im Rahmen der Evolution weiterentwickeln, um sich den Anforderungen anzupassen.
  7. Kulturvergleichendes Paradigma: Ursache und Konsequenzen von Verhalten ist oft abhängig von der Kultur.

Das psychodynamische Paradigma

  • Verhalten des Menschen allein durch innere Triebe/Motivation erklärbar.

 

  • Sigmund Freud (1856-1939), wurde viel karrikaturiert. Eher psychoanalytisches Paradigma:
  • Anfangs: Erleben und Verhalten (z.B. ererbte Instinkte oder biologische Triebe) durch starke innere Kräfte erklärt (z.B. bei Hunger 🡪 Treiber für Essenaufnahme)
  • Energie für das Verhalten durch Zustände der Deprivation
  • Rückschlüsse durch Beobachtung von gestörten Personen (abweichendes Verhalten) auf Normalverhalten
  • Menschliches Verhalten / Erleben nicht bzw. nicht immer rational, manchmal irrational
  • kann durch Probleme /verdrängte Gefühle / Konflikte in der Kindheit erklärt werden
  • 🡪 Hauptzweck des Verhaltens: Reduktion des Spannungskonflikts

 

  • Neo-Freudianer (neuere Bewegung) : Motivation durch Deprivation wurde erweitert - es wurde auch die Umwelt betrachtet(soziale Komponente kam hinzu)

     🡪 Auch Umwelt & soziales Umfeld betrachten

Das behavioristische Paradigma

  • John Watson (1878 – 1958), speziesübergreifende Verhalten / Reaktionen (auch mit Tieren)
  • 🡪 Ergebnisse der Tierversuche wurden auch auf Menschen übertragen (Annahme: Black Box nicht vorhanden, daher kein Unterschied zwischen Tier und Mensch)
  • B.F. Skinner (1904 – 1990),  hat sich mit Konsequenzen von Verhaltensweisen beschäftigt--> nach dem R noch C einfügen, als Konsequenz (mehr Blumen)

 

Wie rufne bestimmte Umweltstimuli (Reize) - S - bestimmte Arten des Verhalten oder der Reaktion - R - hervorBsp Karrikatur

  • Existierndes Verhalten (Reaktion R) - Mann gibt Blume an Frau
  • wird verstärkt durch eine Konsequenz (Belohnung) - Kuss
  • führt zur Erhöhung der Verhaltenshäufigkeit - Mann kommt mit vielen Blumen und erwartet viele Küsse

 

 

  • Behaviorismus geht von der SR-Verbindung aus

S = StimulusR= ReaktionBlackbox = ist dazwischen - das, was im Kopf passiert

 

--> Alles was innen ist, ist nicht objektiv messbar  und "egal". Das ganze Verhalten eines Menschen kann durch seine Umwelt / Umweltreize erklärt werden

 

  • Unterschulen des behaviorismus (Blackbox hat unterschiedliche Inhalte)

1. radikaler b. : Blackbox existiert nicht (kein Inhalt) - wir reagieren wie eine Marionette / Maschine - es gibt einen Reiz, darauf folgt die Reaktion2. normaler b. : Blackbox ist schon vorhanden, allerdings für Reaktion unwichtig, da die Blackbox nicht untersucht werden kann(typisches Verhalten von Behavioristen, da versucht wird mit möglichst objektiven Maßen das Verhalten und Erleben von Individuen zu erklären)3. kognitiver b. : Inhalt der Blackbox ist wichtig für Reaktion 

Das humanistische Paradigma

in den 50er Jahren als Alternaitve zum psychodynamischen und behavioristen Paradigma entwickelt

  1. Carl Rogers (1902 – 1987)
  • Natürliche Tendenz des Individuums nach geistiger Weiterentwicklung & Gesundheit, kann durch Umweltfaktoren begünstigt / verschlechtert werden
  • 🡪 Veränderung der Umwelt manchmal nötig damit sich Mensch frei entfalten kann (manchmal Hilfe nötig)

2. Abraham Maslow (1908 – 1970)

  • -Self-Actualisation (Selbstverwirklichung) als Drang des Individuums sein Potenzial möglichst umfassend zu verwirklichen
  • dabei ist der Drang (Trieb / Bedürfniss) positiv geprägt (anders als bei Freud)

 

-> Mensch = aktives Geschöpf, das von Grund auf gut ist. Freiheit der Wahl, Ziel ist nicht Triebbefriedigung, sondern Selbstverwirklichung.

Das kognitive Paradigma

Weiterentwicklung des kognitiven Paradigma (Blackbox ist hier deutlich wichtiger)

 

  • Blackblox als Oberbegriff für alle höheren bzw. komplexeren geistigen ProzesseBsp. Aufmerksamkeit, Denken, Erinnern, Verstehen
  • menschliches Verhalten ist nicht nur auf äußere Reize zurückzuführen 
  • Chomzky:-Verfechter dafür, dass Spracherwerb nicht nur allein durch Lernprozesse erklärbar ist--sprechen lernen durch zuhören und nachsprechen ... ja--das erklärt nicht, wie man in kurzer Zeit in der Lage ist neue Satzkombinationen zu bilden bzw. eine Sprache fließend zu sprechen
  • Black Box vermehrt wichtig, menschliches Verhalten wesentlich komplexer und nicht nur durch Umwelt erkennbar
  • 🡪 Black Box = wichtig für Erklären des menschlichen Verhaltens

 Das biologische Paradigma

  • Gehirn / Gene sind der zentrale Punkt, wie das Verhalten des Menschen zu erklären ist
  • 🡪 Rein biologische Prozesse sind relevant für Erfahrung und Verhalten (Ergebnisse chemischer und elektrischer Aktivitäten im Nervensystem)
  • Lebenserfahrung beeinflusst aber das Verhalten 🡪 Biologische Strukturen / Prozesse verändern sich

Das evolutionäre Paradigma

Charles Darwin (1809 – 1882)

  • Erklärung des Verhaltens von Individuen durch Evolution
  • Ursache für das Verhalten sind kognitive und körperliche Fähigkeiten
  • 🡪 Haben sich im Laufe der Evolution angepasst, um den Anforderungen gerecht zu werden (selektive Auslese)
  • Es werden oft Themen aus der Evolutionsbiologie auf die Psychologie angewandt
  • Keine Experimente möglich, da eine sehr lange Zeit betrachtet wird und dies zu aufwendig wäre

Das kulturvergleichende Paradigma

  • eins der jüngsten Paradigmen
  • --> Ursachen und Konsequenzen von Verhalten von Individuen steht häufig in Abhängigkeit von der Kultur, in der die untersuchten Menschen leben
  • Thema auch im Alltag allgegenwärtig: unterschiedliche Gebräuche, die kulturabhängig sind

 

Psychologie hat sich damit beschäftigt

  • es wurde festgestellt, dass Untersuchungen / Ergebnisse von Untersuchungen, die eigentlich allgemeingültig sein sollten (über alle Menschen und Kulturen hinweg gleich) im Hinblick auf den Faktor "Kultur" nicht allgemeingültig sind
  • es wird zwischen kollektivistischen und individualistischen Kulturen unterschieden
  1. kollektivistisch (Asien / Südamerika): das Eigenwohl wird dem Allgemeinwohl unterstellt

die Gruppe ist wichtiger als die einzelne Person

2. individualistisch (Europa ( USA): das Eigenwohl steh über dem Allgemeinwohldas Individuum ist wichtiger als die Gruppe

 

Berry

  • hat u.A. das Akkulturationsmodell entwickelt:
  • wie verhalten sich Leute aus unterschiedlichen Kulturen, wenn diese häufig miteinander in Kontakt kommen
  • inwieweit passen sie sich an

Schwartz

  • hat kulturübergreifende Werte festgestellt:
  • einzelne Werte haben unterschiedlich hohe Ausprägungen, je nachdem in welcher Kultur man sich befindet
  • Bsp. intellektuelle Autonomiebedürfnis gibt es eher bei individualistischen Kulturen
  • Eingebundenheitsstreben gibt es bei den kollektivistischen Kulturen

Interview

 

Interview mit einer Psyhologin, die im Bereich des kulturvergleichenden Ansatzes forscht

 

Geschlechterunterschiede im Prosozialem Verhalten im Kulturvergleich

  • auch Kultur kann eine "Brille" sein = Sichtweise auf die Umwelt
  • sich mit anderen Kulturen zu beschäftigen ermöglicht Reflexion
  • auf die wissenschaftliche Psychologie bezogen:

-Kultur ist eine wichtige Umweltvariable

-"allgemeingültiger Ansatz" wurde an WEIRD People überprüftWestern, Educated, Industrialised, Rich, Democratic (Westeuropa, Nordamerika) = nur ein relativ kleiner Teil der Weltbevölkerung

-welche Bereiche der Psychologie betrifft der kulturvergleichende Ansatz:ALLEKognition, Emotion, Motivation, Verhalten etc

 

Herausfinden ( kulturell abhängig), wie Menschen helfen (Männer kämpfen, Frauen trösten?)

  • Männer eher handlungsorientierte Lösung, Frauen eher gemeinschaftsorientiert (emotionale Unterstützung)

  • Kulturell abhängig, wie stark die Unterschiede in Verhalten sind (10 Länder untersucht, nach GII)

  • Gender Inequality Index: Länder in denen Mann & Frau gleich, leicht bzw. stark unterschiedliche Rollen

  • Unterschiedliche Szenarien (z.B. Gelderhalt, selbst behalten oder weitergeben, Mobbing)

  • Ergebnis: Die meisten Leute verhalten sich gemeinschaftsorientiert (emotionale Unterstützung, Weitergabe von Geld, unabhängig ob Mann oder Frau, egal welches Land)