Korrespondenzverzerrung - Klassische Studie (Fidel Castro)
Jones & Harris, 1967
Studierende werden gebeten, ein (angeblich) von einem Mitstudenten geschriebenes Essay zu lesen, in dem Stellung zu dem Politiker Fidel Castro bezogen wird. Dabei sollen die VPN beurteilen, wie der Autor wirklich über Castro denkt. Im ersten Versuchsdurchgang wurde den VPN gesagt, dass der Autor seine Position frei wählen konnte, im zweiten Versuchsdurchgang wurde den VPN gesagt, dass der Autor die Position unfreiwillig zugeordnet bekam.
UV 1:
UV 2:
AV
Ergebnis: Sogar dann, wenn bekannt war, dass die Wahl eines Essaythemas external verursacht war (in der Keine-Wahl-Bedingung), nahmen Probanden an, dass das, was der Autor schrieb, wiedergebe/widerspiegele, was er wirklich über Castro dachte. Das heißt, sie machten eine internale Attribution anhand seines Verhaltens.
Korrespondenzverzerrung - Quizmaster-Studie
Ross, Amabile & Steinmetz, 1977
Die VPN sollen sich 10 Fragen zum Allgemeinwissen überlegen, die verschiedene Kriterien erfüllen sollen (siehe Vorlesung). Danach wurden zufällig 3-er Gruppen gebildet und es wurde ausgelost, wer welche Rolle zugeteilt bekommt (Quizmaster*in, Kandidat*in, Beobachter*in). Das Quiz wurde gespielt und anschließend sollten alle beurteilen, wie sie Quizmaster*in und Kandidat*in im Vergleich zu durchschnittlichen Studierenden einschätzen, in Bezug auf die Allgemeinbildung.
UV 1: Bewertung durch Fragensteller
UV 2: Bewertung durch Kandidaten
UV 3: Bewertung durch Beobachter
AV: Mittlere Bewertung des Allgemeinwissens
Ergebnis: Nach dem Quiz bewerteten Fragensteller, Kandidaten und Beobachter das Allgemeinwissen jedes Teilnehmers im Vergleich zu einem Wert von 50 für den durchschnittlichen Studierenden. Die Fragensteller hielten sowohl sich als auch die Kandidaten für durchschnittlich. Sowohl die Kandidaten als auch die Beobachter waren jedoch der Ansicht, der Fragensteller verfüge über weitaus mehr Allgemeinwissen als der Kandidat. Darüber hinaus bewerteten sich Kandidaten selbst als leicht unterdurchschnittlich. Dispositionale Attribution: Quizmaster*in ist schlau, Kandidat*in ist weniger schlau. Situationale Attribution: Die Situation, nicht die Person bedingt wer schlau ist (hätte das Los jemand anderen geozgen, wäre die Person als schlau beurteilt worden).
Perzeptuelle Salienz
Taylor & Fiske, 1975
Zwei Akteure A+B führen eine Diskussion. Sie werden dabei von mehreren VPN beobachtet. Die VPN sitzen so um die Akteure, dass die visuelle Salienz entweder auf Akteur A, Akteur B oder auf beiden A und B liegt. Am Ende des Dialogs werden die VPN befragt, welchen Akteur sie als dominanter im Gespräch wahrnehmen.
Beobachter können
AV: Gesprächspartner, dem die bedeutendere/dominantere Rolle zugewiesen wird.
Ergebnis: Die Probanden glaubten, dass der Darsteller, den sie jeweils am besten sehen konnte, den größten Einfluss auf die Unterhaltung gehabt habe. Perzeptuelle Salienz führt also dazu, dass es wahrscheinlicher zur Korrespondenzverzerrung kommt. Beachten: Es wird immer nur ein Teil der Situation wahrgenommen.
Kultur und Korrespondenzverzerrung
Miller, 1984
Angehörige zweier Kulturen (Indien & Amerika) werden aufgefordert an Verhaltensweisen ihrer Freund*innen zu denken. Dann soll erklärt werden, warum sie sich wohl so verhalten haben.
UV:
AV: Einschätzung über Ursache für Verhalten
Ergebnis: Die Amerikaner*innen zogen persönlichkeitsbezogene Erklärungen für Verhaltensweisen vor.
Die Hindus dagegen situationsbezogene.
Sozialpsychologie im Alltag - Attributionen zum 11. September
Janet Morgan Riggs / Leah Gumbrecht, 2005
Diese Studie fand in den Monaten nach den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon am 11.09.2001 statt. Die VPN waren weiß, christlich und besuchten ein Privatcollege. Sie bekamen einen Essay, der entweder pro-USA (Anklagen der Terroristen) oder contra-USA (US-Politik auch verantwortlich für die Anschläge). Den VPN wurden die Informationen gegeben, dass die Autor*innen der Essays entweder die Pro- oder Contra-Position einnahmen, ob sie zwischen den beiden Positionen wählen konnten oder nicht und den Namen des Verfassers.
UV 1: Vermeintliche ethnische Zugehörigkeit des Verfassers
UV 2: Essay-Haltung
UV 3: Position war
AV: Einschätzung der tatsächlichen Haltung des Verfassers.
Ergebnis: Bei dem Namen John Miller hatten die VPN eine starke Korrespondenzverzerrung. Was auch immer er schrieb, VPN glaubten, es sei Millers tatsächliche Meinung. Bei dem Namen Mohammed Fatah hatten VPN keine starke Korrespondenzverzerrung. Sie nahmen an, dass er Muslim sei. VPN zeigten sich sensibel für die Situationsinformation (wenn er keine Wahl in der Meinungszuordnung hatte). Forscher*innen nehmen an, dass erhöhte Sensibilität für Situationsinformation damit zusammenhängt, dass VPN Fatah nicht diskriminieren wollten, nur weil er die gleiche Nationalität wie die Terroristen hatte.