Flashcards in the set

Haven't started (21)

1.Warum ist es bedeutsam, sich als angehende:r Pädagog:in mit pädagogischen Grundbegriffen auseinanderzusetzen? 

- Pädagogische (Grund-)Begriffe prägen Wahrnehmungs-, Deutungs- und Handlungsweisen

- Sie bringen Wirklichkeit dadurch in bestimmter Weise mit hervor und beschreiben sie nicht nur nachträglich

2. Welche Forschungszugriffe auf Grundbegriffe gibt es und was zeichnen sie jeweils aus?

- Historisch-kulturell: Gesellschaftliche Entstehungskontexte und Wandlungsprozesse von Grundbegriffen

- Theoretisch: Lektüre von klassischen und aktuelle Begriffsfassungen, Kritik und Neubestimmungen

- Qualitativ-empirisch: Empirische Wendung von Grundbegriffen, um Spezifik von Phänomenen hinter den Begriffen zu schärfen

3. Was sind die Probleme des intentionalen und funktionalen Erziehungsbegriffs?

- Problem der Sozialität: Kann es sich bei der erzieherischen Intention nicht nur um eine „gebrochene Intention“ (Mollenhauer 1972: 15) handeln, weil sie immer mit der Intention des Kindes abgestimmt werden muss?


- Problem der Legitimität: Selbst wenn es gelänge, die effektivsten Mittel der Verhaltensänderung zu finden, wäre es ethisch legitim, in dieser Weise die Freiheit des Kindes zu negieren? (Nohl 1963: 150) Zudem: Wer bestimmt was ‚gute Verhaltensänderungen‘ sind?

4. Worin ähneln sich die drei Erziehungstheorien, die auf Operationen und Formen von Erziehung fokussieren? Worin unterscheiden sie sich auch?

Benner: Aufforderung zur Selbsttätigkeit, Oelkers: Erziehung als moralische Kommunikation, Erziehung als Zeigen

-   Gemeinsamkeiten: Zu Erziehende:r wird als Subjekt wahrgenommen; wird miteinbezogen;

-   Ziel der Aufhebung der Ungleichheiten; nicht nur Wirkung wird fokussiert, sondern die

-   erzieherische Operation gewinnt an Aufmerksamkeit.

-   Unterschiede: Ziele der Erziehung, also was am Ende der Erziehung steht (obwohl immer

-   Autonomie?) und der Prozess dahin (unterschiedliche Interaktionen) sowie jeweils

-   unterschiedliche Anforderungen an die Heranwachsenden.

Gemeinsamkeiten: Zu Erziehende:r wird als Subjekt wahrgenommen; wird miteinbezogen; Ziel der Aufhebung der Ungleichheiten; nicht nur Wirkung wird fokussiert, sondern die erzieherische Operation gewinnt an Aufmerksamkeit.

Unterschiede: Ziele der Erziehung, also was am Ende der Erziehung steht (obwohl immer Autonomie?) und der Prozess dahin (unterschiedliche Interaktionen) sowie jeweils unterschiedliche Anforderungen an die Heranwachsenden.

5. Welche Ziele verfolgt die qualitativ-rekonstruktive Forschung? 

Zentrale Annahme: Soziale Wirklichkeit ist komplexe interaktive Sinnproduktion, die nur durch eine offene, am Gegenstand ansetzende Analyse zugänglich gemacht werden kann.

Gegenstand ist die soziale Konstruktion von Wirklichkeit durch handelnde Individuen in Auseinandersetzung mit Strukturen.

Ziele: Verstehen und Beschreiben von komplexen Zusammenhangen sozialer Wirklichkeit; Rekonstruktion der Strukturiertheit von sozialer Wirklichkeit und Entwicklung einer datenverankerten Theorie.

6. Welches Erziehungsverständnis haben Krinninger und Müller (2016) angelegt und was haben sie über ‚Erziehung‘ in ihrer empirischen Forschung an Erkenntnissen gewonnen?

Erziehungsverständnis von Erziehung als ein sensibilisierendes Konzept angelegt

Erziehung als Antwort auf die Entwicklungstatsache: Kinder und Jugendliche vollziehen Entwicklungsschritte und Eltern antworten auf jeweilige Entwicklungen, um intergenerationale Entwicklungsdifferenzen aufzulösen.


Erziehung = intendierte und nicht-intendierte Bearbeitungsformen der generationale Entwicklungsdifferenz.

Erziehungsgestus = je nach Familie typischer Umgang mit der Entwicklungsproblematik (empirisch zu rekonstruieren).


Erkenntnisse: Typenbildung von verschiedenen Formen der generationalen Differenzbearbeitung, die Familienmitglieder unterschiedliches abverlangen; unterschiedliche Formen der Vergemeinschaftung und Individuierung eröffnen. Erziehungsgestus ist je nach Milieu verschieden, aber nicht linear aus gesellschaftlicher Lage abzuleiten; für das familiale Zusammenleben funktional und nicht mit externen Maßstäben zu bewerten.

7. Wie ist es zu verstehen, dass Bildung immer Prozess und Ergebnis zu gleich ist? 

Der Prozess führt zum Ergebnis, und das Ergebnis ist das Produkt des Prozesses. (Die Qualität des Bildungsergebnisses hängt von der Qualität des Bildungsprozesses ab)

Bildung ist sowohl der Weg als auch das Ziel – ein kontinuierlicher Prozess, der zu einem messbaren Ergebnis führt

8. Welche Dimensionen von Bildung nach Bieri könnten in dieser Vorlesung wohl im Besonderen im Fokus stehen?

Bildung als Weltorientierung- zu wissen, was der Fall ist, und zu verstehen, warum es der Fall ist


Bildung als Aufklärung- Was genau heißt das? und: Woher wissen wir, dass es so ist und es schärft die Wahrnehmung gegenüber blinden Gewohnheiten des Denkens und Redens


Bildung als historisches Bewusstsein- dem Bedürfnis, sich die Kultur, in die man zufällig hineingewachsen ist, noch einmal neu anzueignen und die Selbstbilder, die sie für uns bereithält, daraufhin zu überprüfen, ob sie wirklich zu einem passen


Bildung als Selbsterkenntnis- Statt dass ich nur bestimmte Dinge glaube, welchen kausalen Ursprung sie haben und auf welchen Gründen sie beruhen.“


Bildung als Selbstbestimmung- Es geht auch darum, sich in seinem Denken, Fühlen und Wollen zu bewerten, sich mit einem Teil zu identifizieren und sich vom Rest zu distanzieren


Bildung als moralische Sensibilität- zwischen dem Anerkennen des Fremden und dem Bestehen auf der eigenen moralischen Vision

10. Was sind (erste) Unterschiede zwischen erziehungs-, bildungs- und sozialisationstheoretischen Perspektiven auf das Werden von Menschen?

Sozialisation als funktionaler Prozess des Gesellschaftlichen Werdens in und durch Gesellschaft

- Bildung als Transformation des Individuums in Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Ansprüchen

- Erziehung als intendierte Einführung in und interaktive Aushandlung von Normen einer Gesellschaft

13. Wodurch wird die Veränderung von Selbst-, Welt- und Anderenverhältnissen und damit Bildung ausgelöst?

Wenn die Figuren des bisherigen Welt- und Selbstverhältnisses nicht mehr ausreichen.

- Biographische Erfahrungen, die auf Krisenprozesse verweisen, bewältigt werden müssen und dadurch Bildung vollzogen werden

15. Was ist die Kritik an Durkheims Sozialisationsbegriff und auf welche Bedeutungsdimensionen bezieht sich diese Kritik vor allem? 

Individuum gesellschaftlich über determiniert gesehen


verstärkt auf die Eigentätigkeit der Akteure und Subjekte zu achten, die Spielräume und kreativen Dimensionen des Handelns zu beachten


Perspektive auf Kinder und Jugendliche, die diese vor allem defizitär […] verorte, denen daher viele Potenziale abgesprochen würden und die vor allem aus einer heteronomen Sicht betrachtet würden


4. Moralische Autonomie ist nicht moralische Selbstgesetzgebung in einem strengen Sinne, sondern sich freiwillig Unterwerfen unter gesellschaftliche Normen und Werte (sich also zu ‚integrieren‘). – Bezug zur heteronomen Sicht


1. Der Mensch ist von Natur aus entwicklungsoffen und asozial und erst die Gesellschaft macht aus ihm ein soziales Wese – überdeterminiert und 5. Die Persönlichkeit wird von gesellschaftlichen Kräften geformt. Der Mensch spielt eine ‚Rolle‘ in der Gesellschaft. (Gegen den freien Willen)

16. Erläutern Sie, was es bedeutet, dass der Habitus sowohl strukturiert als auch strukturierend ist.

Struktur: Der Habitus strukturiert das Feld; dadurch strukturierend


(Habitus: Struktur von gegenwärtigen und zukünftigen Denk-, und Wahrnehmungs- und Handlungsweisen; System von Grenzen)


 -> Handlungsentscheidungen sind nicht möglich, da der Rahmen strukturiert ist (keine freie Entscheidung).


Feld: Struktur gewordene Geschichte.

Im Zusammenwirken von Habitus und Feld entsteht Praxis; Praxis reproduziert Habitus und Feld.

17. Warum kann Bourdieus Theorie als ‚dritte Möglichkeit‘ zwischen Strukturalismus und Subjektivismus verstanden werden? 

Er vermeidet den naiven Subjektivismus, indem er die Idee eines bewusst planenden Subjekts ablehnt.

Gleichzeitig bricht er mit dem strengen objektivistischen Standpunkt, der die Akteure ausblendet.

Bourdieu betont die Wechselwirkung zwischen individuellen Handlungen und gesellschaftlichen Strukturen.


 

18. In welcher Weise tragen Eltern aus privilegierten Milieus in der Grundschulwahl zur Reproduktion von Ungleichheit bei?

Bildungsentscheidungen in den Familien und Lehrer:innenurteile sind bei gleicher Leistung der Kinder von der Schichtzugehörigkeit abhängig.


Somit werden Kinder aus privilegierten Elternhäuser auf die besseren Schulen geschickt, währenddessen Eltern mit sozioökonomischen schwachen Hintergrund sich diese Entscheidung nicht leisten können.


Dadurch werden Ungleichheiten reproduziert (auch durch die fehlende Förderung an den Schulen?).

Quantitativ: Durch die Schulwahl nimmt die Sozialraum-Trennung zu; Schule für alle nicht möglich.

Qualitativ: Krüger et al – wie Eltern definieren, dass sie ihre Kinder auf die Schulen schicken? Bildungselite – aber „mir geht es um das Konzept“.

Wie kann es sein, dass Eltern zur Segregierung der Stadtteile beitragen, dies aber anscheinend nicht wollen?

Entscheidung ist an die Verantwortung für das Wohl des eigenen Kindes geknüpft.

19. Was bedeutet der Ausdruck ‚Doing Difference‘? 

Konzept in dem Unterscheidungen in verschiedene Kategorien und deren Aufrechterhaltung durch Handlungen und Interaktionen stattfindet, welche nicht naturgegeben sind sondern sozial konstruiert werden.

Bsp. Menschen mit Behinderungen sind nicht von Natur aus andere Menschen sondern mit dem Verhalten gegenüber Menschen mit Behinderungen macht man sie anders.

Es wird ein Unterschied geschaffen wo vorher keiner war !

20. Versuchen Sie in eigenen Worten zu erklären, was es bedeutet, dass der Subjektivierungsprozess sowohl ein Unterwerfungs- als auch ein Ermächtigungsprozess ist.

Subjektivierungsprozesse Unterwerfung -> um sozial anerkannt zu sein, muss mich den Normen und Werten der Gesellschaft beugen


Subjektivierungsprozess Ermächtigung -> wenn ich sozial anerkannt bin, bin ich handlungsfähig, ich kann den Normen entsprechend Handeln und bin dadurch autonom.

Autonom=Ermächtigung


Bsp. Ich beuge mich der Gesellschaft und klaue nicht. Daher bin ich von der Gesellschaft anerkannt aber kann nicht tun und lassen was ich möchte.


Andererseits kann ich dadurch mein Umfeld mitbestimmen da mich die Gesellschaft akzeptiert und ich kann es mir leichter machen dinge zu besorgen.


Beugen der Gesellschaft -> Autonomität -> Ermächtigung durch Unterwerfung 

22. Aus welchen Gründen schlägt Paul Mecheril den Begriff ‚Migrationsanderer‘ vor?

Kunstwort, das auf das Problem der Pauschalisierung und Festschreibung aufmerksam machen will


Verweis auf das relationale Phänomen von Begriffen


Zeigt den Konstruktionsprozess des ‚Otherings‘ an

21. Fallbezug: Erläutern Sie den Begriff des Otherings anhand des eingangs vorgestellten Falls von Eren (Note im Diktat). 

Der Begriff Otherings bedeutet eine Grenze zu ziehen zwischen einer Gruppe und einer anderen Gruppe durch Stereotypen. Im Fall von Eren zieht die Lehrerin aufgrund von Erens genetischer Herkunft diese Grenze und macht Eren zu einem anderen als der Rest der Klasse. Unabhängig davon ob Eren in Deutschland geboren und aufgewachsen ist oder nicht. 

23. Wie werden Sozialisations- und Subjektivierungsprozesse empirisch zugänglich gemacht?

entstehen in der sprachlichen und körperlichen Interaktion mit anderen = Prozess des Subjektwerdens

Individuen müssen sich sozialen Normen/Kategorien unterwerfen (Gender, Migration, Beruf etc.), um sozial handlungsfähig (sozial ‚anerkennbar') zu werden

Prozesse und Praktiken des ‚Doing Difference‘ 

Was bedeutet ‚Sozialisation‘ und ‚Subjektivierung‘? 

Sozialisation bezeichnet den Prozess, durch den Menschen lernen, wie sie in einer Gesellschaft leben und sich verhalten sollen


Subjektivierung bezeichnet die Veränderung der Wahrnehmungsperspektive, wenn die objektiven Eigenschaften eines Sachverhaltes oder eines Gegenstandes durch den subjektiven Wahrnehmungsprozess einer Person verzerrt werden.

Was rückt gegenüber den Begriffen ‚Bildung‘ und ‚Erziehung‘ in den Blick?

Erziehung als gesellschaftliche Prägung, also die Vermittlung von Wertmaßstäben und Verhaltensnormen, die in der Gesellschaft des Heranwachsenden als wünschenswert gelten


Bildung als die Auseinandersetzung eines Menschen mit sich uns seiner Umwelt mit dem Ziel kompetenten und verantwortlichen Handelns