Flashcards in the set

Haven't started (11)

Influencer:

Erläutern Sie kurz das Geschäftsmodell und die ertragsteuerliche Behandlung von Influencern. Nennen Sie wenn möglich die jeweilige Rechtsgrundlage.

Geschäftsmodell:

  • Generierung von Werbeeinahmen
  • Vergütung im Rahmen des Affiliate-Marketing
  • Teilnahme am YouTube Partnerprogramm
  • Merchandising
  • Erhalt von Produkten(Sachzuwendungen)
  • Eigener Name wird zur "Marke"
  • Teilnahme an Großveranstaltung


Ertragsteuerliche Behandlung:

  • Einkünftequalifikation bei ESt, Abgrenzung Selbstständige Arbeit (§18 EStG) und Gewerbebetrieb (§15 EStG)
  • GewSt bei gewerblicher Betätigung, Freibetrag nach §11 Abs. 1 Satz 3. Nr1, GewStG: 24500 EUR, Anrechnung der GewSt auf die ESt (§35 EStG)
  • Unterhalten einer Website begründet keine Betriebsstätte im Ausland
  • Beschränkte Steuerpflicht bei Wohnsitz im Ausland und inländischen Einkünften

Kassen-Nachschau:


Beschreiben Sie unter Nennung der Gesetztes Grundlage das beginnend zum 01.01.2018 eingeführte Instrument zur Kassen-Nachschau. Gehen Sie dabei auch auf die Zwecksetzung der Regelung, die Durchführung sowie mögliche Konsequenzen bei mangelbehafteter Kassenführung ein.


Rechtsgrundlage §146b AO


Zwecksetzung:

  • Möglichkeit der Finanzbehörde zur Prüfung der Ordnungsmäßigkeit der Aufzeichnungen und Buchungen von Kasseneinnahmen und Kassenausgaben
  • Insbesondere in bargeldintensiven Betrieben mit eigener Prüfungssoftware
  • Präventionsmaßnahme


Durchführung:

  • nicht angekündigt und jederzeit durchführbar
  • Zeitnahe Prüfung der steuererheblichen Kassensachverhalte
  • Kassen-Nachschau mit Kassensturz (Der Sollbestand muss mit dem Istbestand übereinstimmen) verbunden
  • Im Vorfeld eine Inaugenscheinnahme mit möglichen Testkäufen


Mögliche Konsequenzen bei mangelbehafteter Kassenführung:

  • Verwerfung der Buchführung
  • Schätzung der Besteuerungsgrundlage
  • Bei Anhaltspunkten für eine Straftat: Unterrichtung der Straf- und Bußgeldsachstellen

Was ist das Wachstumschancengesetz und Sustainable Development Goals?

Wachstumschancengesetz:

  • Grundsätzlich: dient zur Steuerentlastung, Anreiz für Investitionen etc.
  • Wichtigste Merkmale:
  • Investitionsprämie im Bereich Klimaschutz
  • befristete Einführung von degressiver AfA bei beweglichen Gütern und Wohngebäuden (§7 EStG)
  • Verbesserung steuerl. Verlustabzug
  • GWG-Grenze auf 1000 Euro, vorher 800
  • Änderung Thesaurierungsbegünstigung (§34 EStG)
  • Bürokratieabbau: Anhebung Grenzen Buchführungspflicht und Umsatzsteuerliche Ist-Besteuerung


Sustainable Development Goals:

  • 17 Ziele der VN für nachhaltige Entwicklung
  • zu klärende Problemstellen
  • ausreichend Staatsfinanzen benötigt
  • Steuerwettbewerb der einzelnen Staaten
  • Harmonisierung der Steuersysteme
  • Transparenz
  • Steuerhinterziehung
  • gezielte Anreize zur Erreichung der Ziele


Erklären Sie Mitarbeiterkapitalbeteilgung und Zukunftsfinanzierungsgesetz

Miterarbeiterkapitalbeteilgung:

  • grundsätzlich: Mitarbeiter eines Unternehmen werden Kapitalgeber
  • Vorteile: Stärkung der Bindung der Mitarbeiter zum Unternehmen, Gut für Altersvorsorge und Anreiz für Mitarbeiter
  • Bedeutung für alle Branchen, jedoch eher bei Großkonzernen durchgeführt


Zukunftsfinanzierungsgesetz:

  • Anhebung Freibetrag Mitarbeiterkapitalbeteiligung auf 5000€/Jahr, auch durch Umwandlung in Arbeitsentgelt möglich (2000€)
  • Entschärfung Dry-Income-Problematik: Erweiterung mögliche aufgeschobene Besteuerung.
  • Bsp. Gewährung geldwerter Vorteil i.H.v. 10000€, wird erst später veräußert und hat dann den Wert von 12000€

Erklären sie den EU-Energiekrisenbeitrag

EU-Energiekrisenbeitrag (Gesetz vom 16.12.2022):

  • grundsätzlich: Krisenbeitrag von Energieunternehmen wegen übermäßigem Gewinn aufgrund der Energiekrise
  • Krisenbeitrag ist Steuer (Personensteuer §10 Nr.2 KStG/§12 Nr.3 EStG)
  • Krisenbeitrag ist nicht abzugsfähig
  • Zeitlich begrenzt auf 2 Zeiträume
  • Schuldner: inländische Unternehmen mit mind. 75% ihres Umsatzes im Bereich Extraktion, Bergbau,Erdöl, Kokereierzeugnissen.
  • Berechnung: 33% der positiven Differenz um den der Einkommens- oder Körperschaftlichen Vorschriften ermittelte steuerliche Gewinn den um 20% erhöhten Durchschnitt des steuerlichen Gewinns(2017-2021)

Beispiel:

  • Mineralölunternehmen mit 80% eigener Umsätze in dem Bereich Erdölförderung. Im Jahr 2022 557 Mio. Euro Gewinn
  • letzten 4 Jahre: 2021:195,6 Mio. , 2020: -479,9 Mio. , 2019: 476 Mio. ,2018: 108.3 Mio
  • Durchschnitt 75 Mio. €
  • 557 - 120% x 75 Mio = 467 Mio
  • 33% davon = 154,11 Mio. Krisenbeitrag!

Erklären sie Kalte Progression und Lösungsmöglichkeiten für das Problem

Kalte Progression:

  • ESt stellt auf das Nominaleinkommen ab
  • ESt Tarif ist progressiv gestaltet §32a EStG
  • Hohe Inflationsraten belasten WiSu
  • Reale Einbuße, wenn Verbraucher stärker wachsen als Einkommen
  • Kalte Progression, Steuermehreinnahmen, die entstehen, soweit Einkommen Erhöhungen die Inflation ausgleichen und es Folge der progressiven ESt-Tarifs und somit unverändertem Realeinkommen kommt
  • "schleichende Steuererhöhung"


Lösung:

  • Diskretionäre Tarifanpassungen, derzeitige Lösung, alle zwei Jahre Steuerprogressionsbericht
  • Tarif auf Rädern (automatische Rechtsverschiebung des Tarifs mit der Inflationsrate, Bsp. Schweiz USA etc.)


Erklären sie die Umsatzsteuer im Gastronomischen Bereich.

Umsatzsteuer im Gastronomischen Bereich:

  • grundsätzlich: Regelsteuersatz 19%, ermäßigter 7%
  • §12(2) Nr 15 UStG läuft ende 2023 aus
  • Restaurant- und Verpflegungsdienstleistung mit Ausnahme der Abgabe von Getränken befristet mit dem ermäßigten Steuersatz
  • Jährlicher Steuerausfall 3.3 Mrd. €
  • ab 01.01.2024 wieder Regelbesteuerung
  • Kernfrage: liegt eine sonstige Leistung vor, die dem Regelsteuersatz unterliegt, welche nur den ermäßigten Steuersatz auslöst?
  • Restaurantdienstleistung, wenn die Abgabe der zubereiteten oder nicht zubereiteten Speisen mit ausreichenden unterstützenden Dienstleistungen erfolgt, die deren sofortigen Verzehr ermöglichen -> in Vergangenheit massives Problem mit der Abgrenzung
  • maßgebend Sicht der Durchschnittsverbrauches
  • Möglicher Effekt der Steuersatzänderung für Konsumenten: +11,2%

Erklären Sie das Verpächterwahlrecht:

Verpächterwahlrecht:

  • Grundsätzlich: Betriebsverpachtung bedeutet die Überlassung der Fruchtziehung auf Zeit. Verpächter hat nach Beendigung der Pachtzeit die Möglichkeit, das Unternehmen fortzuführen
  • Werbende Tätigkeit des bisherigen Betriebsinhabers wird bei Verpachtung eingestellt
  • Ein Betrieb gilt nicht als aufgegeben bis der Steuerpflichtige die Aufgabe dem Finanzamt gegenüber ausdrücklich erklärt hat (§16 3b EStG)
  • Während der Dauer der Verpachtung kann Verpächter dadurch Betriebsvermögeneigenschaft seines Betriebs aufrechterhalten und so eine Besteuerung stiller Reserven vermeiden

Maßgeblichkeitsprinzip und Bremer Stadtgründungsmärchen

Maßgeblichkeitsprinzip:

  • Handels- und steuerrechtliche Rechnungslegung in Deutschland sind seit langem eng miteinander verknüpft
  • Handelsbilanzrecht ist materiell, d.h. inhaltlich maßgeblich für Steuerbilanz (insbesondere §§238-263 HGB)
  • Geht auch gesetzliche Regelung in Bremen zurück. Das Bremer ESt vom 17.12.1874 schrieb erstmals die steuerrechtliche Gewinnermittlung unter Zugrundelegung der Kaufmännischen Buchführung vor
  • Heute Einschränkungen des Prinzips: die Anzahl an Vorschriften, die eine abweichende steuerliche Bilanzierung erzwingen, nimmt stetig zu (§5 1a - 7 / §6 1 Nr. 3a)

Fallbeispiel:

Anna Lyse zu 80% an WWWohnbau GmbH mit Sitz in Bremen beteiligt und deren Geschäftsführerin. Sie hält die Beteiligung im Privatvermögen.

Anna Beauftragt ihre GmbH Anfang 2023 mit dem Bau eines Einfamilienhauses, welches sie mit ihrer kleinen Familie bewohnen will.

GmbH erstellt Haus, übergibt es schlüsselfertig im August und stellt A nur 150.000€ in Rechnung, obwohl Fremden Dritten 400.000€ berechnet werden würden.


Ertragsteuerliche Auswirkung?

Ertragsteuerliche Auswirkung:


Ebene GmbH:

  • vGA prüfen §8 (3) S.2 KStG, Kriterien: verhinderte Vermögensmehrung + aufgrund Gesellschafterverhältnis + Auswirkung auf Gewinn+, nicht offen+
  • Konsequenzen: Gewinn + 250.000 (400.000 - 150.000) in 2023. GewSt,KSt,SolZ : 0.31925 x 250.000 = 79.813 € (Steuermehrbelastung durch Aufdecken der vGA)


Ebene Gesellschafter:

  • Vorteil zugeflossen -> zusätzliche Einnahmen aus Kapitalvermögen, §20 1 Nr. 1 EStG
  • 250.000€ x 0.25 (Abgeltungssteuer) = 62.500 Steuermehrbelastung plus SolZ 3.438€ (0,055 x 62.500€)
  • ergibt total 65.938€


Gesamtsteuermehrbelastung 145.751€


Fremdbestimmte Steuerwirkung 20% : Auswirkungen der vGA auch auf andere Anteilseigner


Was sind Steueroasen und die Lösung der Fisci? Nennen sie konkrete Maßnahmen

Steueroasen:

  • Grundsätzlich: nutzen von Gebieten zur Steuervermeidung
  • Fisci wollen Transparenz über beherrschende Geschäftsbeziehungen inländischer Stpfl. zu Unternehmen in nicht EU/EWR Staaten


Lösung der Fisci: Steueroasen-Abwehrgesetz:

  • Ziel: Steuerhoheitsgebiete, die anerkannte Standards nicht erfüllen in den Bereichen:
  • Transparenz, unfairer Steuerwettbewerb, BEPS- Mindeststandards beinflussen
  • EU-Liste nicht kooperativer Länder und Gebiete für Steuerzwecke (Blacklist) inzwischen 16 Staaten


Konkrete Maßnahmen:

  • Betriebsausgabenabzugsverbot
  • verschärfte Hinzurechnungsbesteuerung
  • Erweiterung der beschränkten Steuerpflicht
  • Gewinnausschüttungen aus Anteilsveräußerung: Keine Anwendung von §8b KStG, §32d EStG