Flashcards in the set

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Was ist die Ädl? 


Was ist die Ädl? 

  • Ältere deutsche Literatur -> von den Anfängen bis zur Neuzeit 
  • Im Gegensatz zu Ndl (16 Jh.) 
  • Auch bekannt als (germanistische) Mediävistik (Lehre vom Mittelalter) 

Was ist das Mittelalter: 


Was ist das Mittelalter: 

  • Zwischen ca. 500 bis 1500 
  • 500: Untergang des römischen Reiches, Christianisierung, Völkerwanderung 
  • 1500: Renaissance, Erfindung des Buchdrucks, Entdeckung der neuen Welt durch Kolumbus, Reformation

Weltbild des Mittelalters: 


Weltbild des Mittelalters: 

  • Stark christlich geprägt

Aufgabe der Ädl: 


Aufgabe der Ädl: 

  • Sicher, Aufbereiten, Vermitteln älterer Texte in Edition, Übersetzung und Kommentar

Erweiterter Literaturbegriff: 


Erweiterter Literaturbegriff: 

  • Poetische Texte (Lyrik, Romane, Heldenepen, Kurerzählungen) 
  • Pragmatische Literatur (Predigte, Traktate, Zaubersprüche

Mittelalter: 


Mittelalter: 

  • Etablierung aufgrund von nachfolgenden kulturgeschichtlichen Entwicklungen in Humanismus/Renaissance/Romantik 
  • Gegenentwurf/Kontrastmodel/Abgrenzung zur eigenen Zeit -> Rückbesinnung zur Antike 
  • Konstruktion eines vermeintlich “scharfen Bruches”, der faktisch nicht existiert und die Komplexität und Langwierigkeit historischer Prozesse außer Acht lässt 
  • Einteilung Antike – Mittelalter – Neuzeit löste bestehende Zeit- und Epochenabteilungen ab, wie zum Beispiel die Modelle der sechs Weltzeitalter in der “Schedelschen Weltchronik” und in der Weltchronik des Kirchvaters Augustinus 


Phasen des Mittelalters: 


Phasen des Mittelalters: 

  • Frühmittelalter (Althochdeutsch, Altniederdeutsch), 750-1050 
  • Hochmittelalter (Mittelhochdeutsch) - 1050-1350 
  • Spätmittelalter (Frühneuhochdeutsch, Mittelniederdeutsch) 1350 - 1650

Ebstorfer Weltkarte: 


Ebstorfer Weltkarte: 

  • Stellt die mittelalterliche Wert- und Weltvorstellungen dar 
  • Karte ist nach Osten gerichtet (oben) 
  • Am oberen Ende, neben dem Jesu-Kopf, ist das irdische Paradies, inklusive Sündenfall (Adam und Eva inklusive Schlange) 
  • Jerusalem als Ort des irdischen Wirkens Jesu Christi ist im Zentrum der Welt verortet 
  • Dreiteilung der Welt: Afrika das Viertel unten rechts, Europa als Viertel unten Links und die gesamte obere Hälfte repräsentiert Asien 


Entstehung der Sprache: 


Entstehung der Sprache: 

  • Indogermanisch + erste germanische Lautverschiebung = Germanisch (ab Mitte 1. Jtsd. v. Chr.) 
  • Germanisch + zweite hochdeutsche Lautverschiebung = Hochdeutsch (ab 6.-8. Jh. n. Chr.)

Die sieben “freien Künste” (septem artes liberales): 


Die sieben “freien Künste” (septem artes liberales): 

  • Mittelalterliche Bildungsanstrengungen beriefen sich, in Rückbesinnung auf die Antike 
  • Galten im mittelalterlichen Lehrwesen als Vorbereitung auf das Studium an den Fakultäten, wie z.B. Theologie oder Medizin

Trivium: 


Trivium: 

  • Sprachlich orientierte Fachrichtungen 
  • Grammatik 
  • Rhetorik 
  • Dialektik (phil. Methode der Wahrheitsfindung

Quadrivium: 


Quadrivium: 

  • Eher in die mathematische Richtung 
  • Arithmetik 
  • Geometrie 
  • Musik 
  • Astronomie

Althochdeutsche Literatur Texttypen: 


Althochdeutsche Literatur Texttypen: 

  • Religiöse Gebrauchstexte: Gebete, Beichtformeln, Taufgelöbnisse, z.b. “St. Galler Paternoster” 
  • Im engeren Sinne literarische (poetische Texte) v.a. Geistliches: Bibeldichtung, Lieder, Hymnen und seltene Zeugnisse weltlicher Dichtung: “Hildebrandslied” weltliche Dichtung, “Evangelienharmonie” Otfrids von Weißenburg 
  • Alltagsweltliche Gebrauchstexte: Rezepte, Segensformeln, Zaubersprüche (Magie und Medizin), z.B. “Merseburger Zaubersprüche”, “Lorscher Bienensegen” 
  • Recht: Eide, Markbeschreibungen 
  • (Gebrauchs-) Texte für den Unterricht: Glossen, Übersetzungen insbes. Lateinische Texte, z.B. “Windberger Psalter”: lat. Psalme + ahd. Glossen, “ahd. Tatian” eine Übersetzung einer Evangelienharmonie


Stabreimvers: 


Stabreimvers: 

  • Langzeile aus zwei Halbversen (An- und Abvers) mit alliterierender Struktur: ---Iktus 1 --- Iktus 2 -- / --- Iktus 3 --- Iktus 4 -- 
  • Iktus = Stabfähige Silbe, d.h. starktonige Silben (bestimmter Wortgruppen), aber: der letzte Iktus stabt in aller Regel nicht, d.h. eine Langzeile hat 2 oder 3 Stäb 
  • Hauptstab und obligatorisch ist der 3. Iktus 


Karl und die karolingische Bildungsreform: 


Karl und die karolingische Bildungsreform: 

  • Ältesten deutschen Schrifttexte stammen aus der zweiten Hälfte des 8. Jhd., der Zeit Karl des Großen 
  • Auf Reformsbemühungen von Karl des Gr0ßen und seine Nachfolger zurückzuführen 
  • Bis zu diesem Zeitpunkt war Latein die gängige Schriftsprache im gesamten Karolinger-Reich 
  • Bildungsreform förderte die volkssprachliche Literaturproduktion, u.a. für Lateinunterricht an Klöstern  
  • Lesen und Schreiben war klassischerweise dem Klerus vorbehalten -> insularer Charakter der deutschen Schriftproduktion -> wie kleine Siedlungsinseln

Literatur in althochdeutscher Zeit 


Literatur in althochdeutscher Zeit 

  • Noch keine homogene Literaturlandschaft 
  • Schriftlichen Aufzeichnungen sind aber Zeichen eines medialen Wandels, denn allein der Umstand, dass nicht mehr nur Latein als Schriftsprache selbstverständlich war, war neu 
  • Noch keine einheitliche Orthografie wie beim Lateinischen, aber Lat.-Deut. Wörterbücher beweisen die Vollständigkeit des Sprachsystems 

Otfried und sein Evangelienbuch: 


Otfried und sein Evangelienbuch: 

  • Erste namentliche bekannte Autor in deutscher Sprache (1. Hälfte 9. Jh.), war ein Mönch und Gelehrter 
  • Evangelienbuch dient dazu, den in den Evangelien erzählten Inhalt auf “Deutsch” (in der Volkssprache” an weniger lateingeübte Kleriker oder Adelige zu vermitteln 
  • Erstmalige Verwendung des Endreims, statt dem üblichen altgermanischen Stabreim

Die Probleme Otfrids: 


Die Probleme Otfrids: 

  • Passt den Inhalt zu einem gewissen Grad an sein Zielpublikum an -> Marias adelige Abstammung wird betont, Bote verhält sich, wie es sich für einen karolingischen Königsboten gehört, aber nicht so wie in der Bibel -> adeliges Zielpublikum 
  • Otfrid steht unter Legitimationsdruck und muss zusätzlich begründen, warum er auch in der deutschen Sprache die Wahrheit sagen kann -> Wort Gottes und die Wahrheit sind normalerweise an die Bibel und die lateinische Sprache gebunden

Otfrids Autorenschaft: 


Otfrids Autorenschaft: 

  • Sieht sich im Recht, weil er sich als Autor dazu ermächtigt sieht, den Franken das Wort Gottes in ihrer eigenen Sprache zugänglich zu machen und es dabei auch umzudeuten 
  • Legitimiert seinen Text, weil seine Zunge als Sprechwerkzeug durch


Das Hildebrandslied: 


Das Hildebrandslied: 

  • Verschriftlichung lateinischer Texte in der Volkssprache steht zweier Vorgang gegenüber: 
  • Aufzeichnung von Texten, die es zuvor nicht schriftlich auf lateinisch gab, sondern die mündlich in den Volkssprachen überliefert wurden 
  • Bekannteste und noch stabgereimte ist das Hildebrandslied, welches zur Gattung der Heldenlieder gehört 
  • Gilt als früher Vorläufer der Heldenepik und erzählt die Geschichte eines tragischen Zweikampfes zwischen einem Vater (Hildebrand) und seinem Sohn (Hadubrand) aus dem Sagenkreis um Dietrich von Bern 


Medialität - Codex und Schrift: 


Medialität - Codex und Schrift: 

  • Material: Pergament = aufwendig aufbereitete Tierhäute 
  • Sehr strapazierfähig und lange haltbar, aber aufwendig und teuer in der Herstellung 
  • Pergament löst seit der (Spät-)Antike Papyrus ab, in der Folge auch das gebundene Buch (=Codex) die Schriftrolle 
  • Pergament wird seit dem Spätmittelalter zunehmend abgelöst von Papier -> Herstellung aus Lumpen (Textilabfällen) -> günstiger, effizient und massenhaft herstellbar

Schrift: 


Schrift: 

  • Schrift: im Zuge der karolingischen Bildungsreform -> zunehmende Produktion und Zirkulation von Handschriften zwischen Klöstern, Dom- und Kathedralschulen, auch erste Hofschulen 
  • Vereinheitlichung der Schreibgewohnheiten zum Typus der sogenannten Karolingischen Minuskel

Schriften: 


Schriften: 

  • Karolingische Minuskel 
  • Gotische Minuskel -> kalligraphische Schrift, “Schachtbrechung” 
  • Bastarda

Geläufige Signaturtypen: 


Geläufige Signaturtypen: 

  • Cpg = Signatur der deutschen Handschriften aus der Heidelberger Universitätsbibliothek (UB) 
  • Cgm = Signatur der deutschen Handschriften aus der Bayrischen Staatsbibliothek (BSB) München 
  • Mgf/Mgq/Mgo = Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz (SBPK) 
  • Cod. Vind. = Codex Vindobonensis: Wien, Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB)

Cpg: 


Cpg: 

  • Codex (=gebundenes Buch, Rolle) 
  • Palatinus (aus Kurzpfalz) 
  • Germanicus (Deutsch)

Cgm

Cgm: 

  • Codex 
  • Germanicus 
  • Monacensis (München)

Mgf/Mgq/Mgo: 


Mgf/Mgq/Mgo: 

  • Manuscriptum 
  • Germanicum 
  • Folio, quart, octav (Format)


Cod. Vind.: 


Cod. Vind.: 

  • Codex 
  • Vindobonensis (aus Wien) 


Gattungsgeschichtlicher Überblick über die mhd., volkssprachliche gereimte Literatur: 

  • Moderne Gattungsmodelle sind dem Mittelalter fremd und wurden nachträglich auf mhd. Literatur angewendet 
  • Zentraler Begriff ist materia: Mhd. Autoren orientierten sich eher an Stoffen/Themen (z.B. antike Stoffe, biblische Stoffe, Artus-Stoffe) und nicht primär an formalen Gattungen 


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Höfische Epik im Mittelalter (um 1200): 


Höfische Epik im Mittelalter (um 1200): 

  • Entwurf einer zeitgenössischen Systematik bei Jean Bodel 
  • Nur 3 Stoffe für jeden verständigen Menschen -> Frankreich, Bretagne und Rom 
  • Geschichten von Bretagne = eitel und gefällig 
  • Rom = belehrend und sinnreich 
  • Frankreich = erweisen sich jeden Tag wahrhaftig

Drei Stoffkreise nach Jean Bodel: 


Drei Stoffkreise nach Jean Bodel: 

  • Bretagnes Artusepik = Erec, Iwein, Lanzelet,.... -> fiktional, eitel, gefällig 
  • Roms Antikenepik = Troja, Aeneas, Alexander... -> historisch, belehrend, sinnreich, wahrhaftig 
  • Frankreichs Heldenepik: Karl d.Gr., Roland, Willhelm -> historisch, belehrend, sinnreich, wahrhaftig 
  • (germanische Heldensagen: Nibelungenlied, Kudrun, Dietrich/Hildebrand + sonstige: Spielmannsepik, Minne- und Aventureroman, Tierepos, Legenden...) 


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Antikenroman: 


Antikenroman: 

  • Epische Erzählstoffe der griechisch-römischen Antike 
  • Seit dem 12. Jh. In altfranzösische Bearbeitung; von dort aus, z.T. unter Benutzung lateinischer Quellen, ins Deutsche übertragen 
  • Alexander (Pfaffe Lamprecht) 
  • Troja (Herbort von Fritzlar) 
  • Aeneas (Heinrich von Veldeke) 
  • Jeweils keine Übersetzung im engeren Sinne, sondern Umarbeitungen, Transfer in eine mittelalterliches, ritterlich-höfisches Milieu -> Mediävalisierung 
  • “höfisieren” oft ihre Vorlagen um zwischen lat. Vorlagen und dem höfischen Publikum zu vermitteln

Relevanz des Antikenroman: 


Relevanz des Antikenroman: 

  • Translatio imperii (“Übertragung der Herrschaft”) = Vorstellung, dass die Weltherrschaft durch die vier Weltreiche der Antike wandert, begründet vor allem in der Auslegung einer Prophetie aus dem Alten Testament: 2. Buch Daniel) 
  • Babylon -> Persien -> Griechenland -> Rom 
  • Fortsetzung der römischen Herrschaft durch die deutschen Könige -> Heiliges Römisches Reich deutscher Nationen

Antikenroman: Beispiel Heinrich von Veldeke, Eneasroman 


Antikenroman: Beispiel Heinrich von Veldeke, Eneasroman 

  • Zerstörung Trojas; Flucht des Eneas aus der brennenden Stadt (Göttergebot) 
  • Irrfahrten (Ursache: Junos Zorn wegen des Paris-Urteils) 
  • Er soll seiner Bestimmung folgen und in Italien Rom gründen, aber seine Schifffahrt übers Mittelmeer wird zu einer Irrfahrt: Landung in Kathago, Liebesgeschichte 1: Dido und Eneas -> Tragisches Ende: Didos Selbstmord nach Eneas’ Abreise (Dopplung/Wiederholungsstruktur) 
  • Zwischenstation: Unterweltsfahrt des Eneas (Zukunftsschau) 
  • Landung in Italien 
  • Kämpfe gegen Turnus – Pallas als Verbündeter 
  • Liebesgeschichte 2: Lavinia und Eneas -> höfische Liebe (Dopplung/Wiederholungsstruktur) 
  • Sieg gegen Turnus, Begründung der römischen Herrschergenealogie

 Epik: 


 Epik: 

  • Ist immer in Paarreimen abgefasst (AA, BB, etc.) 
  • Jede Zeile hat vier akzentuierte Silben (i.d.R. vierhebiger Jambus) 
  • Es gibt keine Strophen, die Verse stehen aneinandergereiht

Heldenepik: 


Heldenepik: 

  • Paarreime  
  • Zählt zur Epik, weist aber Strophen auf 
  • Nibelungenlied weißt eine Langzeile auf

Lyrik: 


Lyrik: 

  • Mehrere Strophen bilden ein Lied 
  • Nicht nur Paarreime 
  • Weist eine Vielzahl von Verstypen auf -> Zwei-, Drei bis hin zu Siebenheber

Heinrich von Veldeke als Autor: 


Heinrich von Veldeke als Autor: 

  • Minnelieder 
  • Servatiuslegende (nach lat. Vorlage) 
  • Eneasroman (nach afrz. Vorlage)

Wie wird im Eneasroman erzählt: 


Wie wird im Eneasroman erzählt: 

  • Umordnung der Erzählung: ordo naturalis vs. ordo artificialis 
  • Zweiteilung anders gewichtet durch doppelte Liebesgeschichte (Dido/Lavinia); Mittelzäsur (Sprechpause in der Mitte eines Verses/Bruch): Unterweltfahrt 
  • Tilgung/Umbewertung des antiken Götterapparats: dadurch, dass Götteraufträge stets durch das Ritual des mittelalterlichen Herrscherrats bestätigt (und damit entmythologisiert) werden 
  • Mediävelisierung/Höfisierung der antiken Lebenswelt (z.B. ritterliche Kampftechniken) 
  • Christliche Überblendung der antiken Unterwelt als “Hölle” und “Paradies” 
  • Ridikülisierung der Götter als allzu menschlich in der Mars-/Venus-/Vulkan-Episode


Poetologische Aspekte: 


Poetologische Aspekte: 

  • Prolog: Anknüpfung an mündliche Tradition, inszenierter Dialog zwischen Erzähler und Publikum 
  • Epilog: Wer spricht? Kollektives “wir”; Quelle: selbstbewusste Autornennung

Artusroman: 


Artusroman: 

  • Hartmann von Aue 
  • Werke: Die Klage (allegorische Minne), Erec und Iwein (Artusromane), Minnelieder 
  • Rittersrand, Ministeriale (Dienstmann) 
  • Fremdbezug bei anderen Dichtern, intertext. Bezüge, die genaue Kenntnisse der Artusromane voraussetzen, in Wolframs von Eschbach Parzival

Erster Handlungszyklus: 


Erster Handlungszyklus: 

  • Erecs Aufstieg 


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Vorlagen des Eneasroman: 


Vorlagen des Eneasroman: 

  • Bei Aeneis von Vergil: Mischung aus Homers Illias (Ende des Trojanerkrieges und Odysee (siebenjährige Irrfahrt des Odysseus)) 
  • Bei Heinrich von Veldecke: Streich Irrfahrt (Odysee) nach Karthago, aber ergänzt Minne-Komponenten, Eneas wird nicht so stark wie ein “Spielball der Götter” inszeniert wie bei Anaeis -> stattdessen intrinsische Faktoren, Charaktere motivieren oder das “Minne-Schicksal”

Erzählen als Wiedererzählung: 


Erzählen als Wiedererzählung: 

  • In mittelalterlichen Texten wird Bezug auf alte, bekannte Erzählungen genommen -> werden aber in der Regel nicht deckungsgleich übernommen, sondern bearbeitet oder erneuert -> Höfisierung im Eneasroman 
  • Anderes Verständnis von Autorenschaft als heute: moderne Konzepte wie Urheberschaft existieren nicht und es werden eher materia neu geformt 
  • Nicht negativ konotiert, sondern glaubwürdig -> Autoren weisen darauf hin, dass ihre Werke nicht frei erfunden wurden 
  • Inszenierung von Autorschaft -> Heinrich von Veldeke spricht transparent über seine Vörganger Vergil Aeneis

Translatio Imperii im Eneasroman: 


Translatio Imperii im Eneasroman: 

  • Basierend auf der 4-Reiche-Lehre: Weltreich wird immer abgelöst -> Babylon – Persien – Griechenland – Rom 
  • Nach Kaiserkrönung Karls -> Franreich = Neues Rom 
  • Nach Zerfall des Frankenreichs auf Ostfrankenreich übergegangen

Artusroman – Wer ist Artus: 


Artusroman – Wer ist Artus: 

  • Historische Figur hinter König Artur ist bis heute ungeklärt 
  • Erste historische Nennung durch Nennius: Historia Bitannum, keltische Mythologie-Krieger-Figur 
  • Entscheidende Weltfigur: Historia Regum Britanniae -> viele Bekannte Elemente entstehen -> Artus als König Britanniens, Merlin, usw. 
  • Erweitung durch Wace: Roman de Brut -> Pfingstfest, Etablierung des Tafelrundenprinzips 
  • Höfische Artusromane: Kriegerkönig Artus wird zum höfischen Herrscher mit Rittern 
  • Chretien de Troyes: Entstehung des klassichen Artusrbilds, französische Stoffe, die im deutschem Raum adaptiert wurden  

Tafelrundenprinzip: 


Tafelrundenprinzip: 

  • Kennzeichnend für die Ordnung des Artushofes 
  • König, aber auch primus inter pares (Erster unter den gleichen) 
  • Hilkert Weddige: Taflerunde nicht als “Vorwegnahme demokratischer Gleichheit”, eher Zusammenkunft einer Elite, in der nur aufgenommen werde, wer sich durch besonderes Verdienst und Ehre dafür qualifiziert habe

Kurzüberblick Artusroman: 


Kurzüberblick Artusroman: 

  • Protagonist ist Ritter am Artushof, nicht Artus  
  • Begründer der Gattung gilt Chretien de Troyes -> Artusromane wie Erec et Enide 

Problem mit Enite: 

  • Erec verbringt nur noch Zeit mit Enite 
  • Ritter und Knaben verließen seinen Hof und er verlor seinen Ruf bei anderen 
  • Verligen (Handlungskrise): Gesellschaftsferne, Verlust von vröude und ere  
  • Reaktion: Auszug auf aventure, Redeverbot mit Enite

Problem mit Enite: 


Problem mit Enite: 

  • Erec verbringt nur noch Zeit mit Enite 
  • Ritter und Knaben verließen seinen Hof und er verlor seinen Ruf bei anderen 
  • Verligen (Handlungskrise): Gesellschaftsferne, Verlust von vröude und ere  
  • Reaktion: Auszug auf aventure, Redeverbot mit Enite 


Zweiter Handlungszyklus

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Die arturische aventiure (und Minne) 


Die arturische aventiure (und Minne) 

  • Aventiure ist neben Minne eines der zentralen Erzählmotive der Artusromane 
  • Minne ist aventiure funktional untergeordnet, aber beide sind miteinander verschränkt -> häufig ist Minne das Ergebniss von aventiure, obwohl sie nicht das ursprüngliche Ziel war 
  • Arturischer Ritter reitet auf aventiure um eine ritterliche Bewährungsprobe zu bestehen -> Bestehung dieser gefährlichen Prüfung wird ihm ere am Artushof einbringen

Strukturen und Zentrale Motive 1: 


Strukturen und Zentrale Motive 1: 

  • “Exile-Return” - Motiv -> Motor der Erzählung 
  • Störung von Außen sorgt dafür, dass ein Artusritter oder der gesamte Artushof einen Ehrverlust hinnehmen muss 
  • Protagonist begibt sich auf aventiure um diese Ehre zurückzugewinnen 
  • Protagonist muss den Artushof (ins Exil) verlassen und betritt fremde, wilde Anderswelt (zweigeteiltes Raumkonzept) und kehrt nach erfolgreichem Ehrgewinn wieder zum Artushof zurück (Return) 
  • Im Exil behält der Artusritter aber seine hövescheit bei und verhält sich weiterhin wie am Hof

Strukturen und zentrale Motive 2: 


Strukturen und zentrale Motive 2: 

  • Doppelweg-Modell 
  • Zwei Handlungszyklen die sich doppeln 
  • Erec reitet zweimal in die Anderswelt auf aventiure aus -> durchlebt zweimal das Exil-Return-Motive 
  • Nach der Provokation und dem Ehrverlust durch den Zwergenschlag im Prolog reitet Erec das erste Mal aus und gewinnt auf einem Turnier einen Schönheitspreis für Enite, die er am Ende des ersten Artuszyklus heiratet 
  • In der Folge verligen sie sich aber und Erec kommt seinen Pflichten nicht nach -> verliert seine ere und muss deswegen wieder auf aventiure  
  • Aufstieg (1. Teil) -> Fall -> erneuter Aufstieg (2. Teil)

Weitere Doppelungsmotive: 


Weitere Doppelungsmotive: 

  • Nach dem verligen und dem erneuten Exil wird Eric nun auf seiner zweiten aventiure von Enite begleitet, distanziert sich aber von ihr, weil er sie für seinen Ehrverlust verantwortlich machen -> in diesem Handlungszyklus findet sich auch intern noch eine weitere narrative Dopplung 
  • Erec und Enite müssen zweimal Räuberbanden abwehren -> beim ersten Mal sind es 3 Räuber, beim zweiten Mal 5 
  • Zweimal verlockt Enites Schönheit einen Grafen -> beim ersten Grafen schaffen die beiden es zu entkommen, beim zweiten Mal ist Enite schon neu vermählt und muss Erec durch ihren Minne-Schrei “von den Toten” wecken -> durch diese Dopplung finden die beiden wieder zueinander, und Erec erkennt, dass mit seiner Minnedame Enite jede aventiure zu Bestehen ist 
  • Zweimal kämpft Erec mit Guivreiz

Die Joie de la court Episode:

Die Joie de la court Episode: 

  • Ende des zweiten Handlungszyklus und Erecs allerletzte Prüfung, bevor er an den Artushof zurückkehren kann 
  • Kampf mit dem Ritter Mabonagrin im boumgarten ist wichtig, da dieser Erec ähnlich ist 
  • Boumgarten ist zugleich paradiesischer locus amoenus und schrecklicher locus terribilis, da M. jeden tötet, der die friedliche Zweisamkeit stören will und die Köpfe aller besiegten Herausforderer auf Pfähle spießt 
  • Zeigt ihm, wohin Isolation in Liebe führen kann, symbolische Befreiung aus alter Verfehlung -> er stellt die Freude des Hofes (Joie de la court) und seine ere wieder her und kann zum Artushof zurückkehren

Pferde

Pferde: 

  • Pferde/Anzahl der Pferde als Repräsentation der Ere 
  • Pferdedienst, Pferdegeschenk, Strafe/Versöhung

Iwein

Iwein: 

  • Artusroman 
  • Hartmann von Aue 
  • 34 Handschriften/Fragmente 


Was bedeutet historische Naratologie: 


Was bedeutet historische Naratologie: 

  • Es wird betrachtet, was und wie im Verlaufe der Zeit erzählt wurde 
  • Zum Beispiel: Formulierung in Versen und Reimen, Autorschaftkonzepte, Erzählkonzepte wie das Wiedererzählen, kulturelle Konzepte

Historie- und discours-Ebene: 


Historie- und discours-Ebene: 

  • Histoire: eine Geschichte wird erzählt, eine Realität wird kreiert, Personen und Ereignisse tauchen auf -> diese Geschichte hätte auch anders erzählt werden können 
  • Discours: Die Geschichte wie sie konstruiert wird, Art und Weise, wie der Erzähler sie vermittelt 
  • Verschränkung von beiden Ebenen in Iwein Prolog durch metanarrative Eigensignatur des Verfassers -> Prolog, der die Umstände des Erzählens erklärt + zweiter Prolog, der die discours-Ebene abschließt und zur eigentlichen Handlung führt


Grundmuster des Erzählens: Motivierungstypen: 


Grundmuster des Erzählens: Motivierungstypen: 

  • Temporal: Episodische Reihung der Ereignisse in einem losen Zusammenhang – X passiert nach dem Abschluss von Y 
  • Kausal: ursprünglich auf dem Verhältnis zwischen Ursache und Wirkung beruhend -> Wenn X passiert, folgt daraus Y 
  • Final: Ereignisse scheinen vorbestimmt/schicksalshaft zu sein: X musste so kommen, weil am Ende Y stehen wird 
  • Kompositorisch: Der Autor greift in die Handlung ein, weil er eine gewisse Struktur möchte, oftmals auch final motiviert: Autor lässt X nach Schema F geschehen, damit am Ende Y entsteht 


Nebenfiguren: 


Nebenfiguren: 

  • Gawein: Neffe von König Artus, Musterritter schlechthin, tugendhaftes Vorbild für alle anderen -> Tapferkeit und Kampffähigkeiten sind unübertroffen 
  • Keie: Truchsess des Artushofes und soll verantwortlich für die Einhaltung der höfischen Sitten und Umgangsformen -> verhält sich nicht, wie es von seinem ehrenwerten Amt erwartet wird, proviziert und pöbelt und verhält sich nicht höfisch -> spötischer und zynischer Kritiker der Hofgemeinschaft inszeniert

Die “Kalogrenat”- Episode: 


Die “Kalogrenat”- Episode: 

  • Kalogrenant (Verwandter von Iwein) berichtet auf dem Pfingstfest von einer misslungenen aventiure 
  • Artusritter wollen am nächsten Tag aufbrechen, doch Iwein kommt ihnen zuvor und bricht sofort auf 
  • Kausale Motivation: Wenn Iwein den anderen Rittern, vor allem Gawein, zuvorkommen will und seine Ehre wiederherstellen will, muss er sofort aufbrechen

Iweins Doppelweg: Der erste Zyklus: 


Iweins Doppelweg: Der erste Zyklus: 

  • Iwein trifft ebenfalls auf den wilden Mann, besiegt aber anschließend im Gegensatz zu Kalogrenant anschließend den Brunnenwächter -> Ritter Askalon 
  • Askalon flieht verwundet auf seine Burg und Iwein setzt ihm nach 
  • Mithilfe von Lunete, einer Vertrauten von Askalons Frau Laudine, kann Iwein in die Burg eindringen 
  • Askalon verstirbt, seine Wunden beginnen zu bluten, als Iwein eintritt (Bahrprobe) 
  • Iwein entbrennt in Minne zu Laudine, als er sie erblickt 
  • Lunete überzeugt daraufhin Laudine, dass der Sieger über Askalon dessen würdiger Nachfolger als Ehemann, Landesherr und Brunnenhüter sei 
  • Iwein und Laudine kommen sich näher -> schnelle Hochzeit und Iwein wird neuer Brunnenhüter, davor Sieg gegen Keie (hat sich über Kalogrenant lustig gemacht) 
  • Kurz darauf kommt der Artushof beim Brunnen an (Zyklus endet nicht wie beim Doppelweg üblich am Artushof, weil der Artushof zu ihm kommt)

Zweite Zyklus und die Identitätskrise: 


Zweite Zyklus und die Identitätskrise: 

  • Auf Drängen von Gawein, der Iwein das veligen Erecs als warnendes Beispiel anführt, verlässt Iwein schon kurz nach der Hochzeit Laudine und zieht auf Turnierfahrt und aventiure aus -> Laudine fordert, dass Iwein nach Jahr und Tag zurückkehrt 
  • Iwein verpasst die Frist aufgrund von aventiure um 6 Wochen -> statt zu verligen hat er sich veriten 
  • Lunete klagt es öffentlich an und Laudine will nichts mehr mit ihm zu tun haben 
  • Iwein wird zum Ungehiuren 
  • Irwein wird durch die Fee Feimorgan und die vrouwe von Narison von seinem Wahnsin geheilt 
  • Iwein hilft daraufhin der vrouwe von Narison bei einem Rechtsstreit und findet dadurch langsam wieder in sein Leben zurück 
  • Rettet einen Löwen vor einem Drachen und dieser gibt ihm eine neue Identität -> Der Ritter mit dem Löwen

Ende des zweiten Zyklus: 


Ende des zweiten Zyklus: 

  • Musterritter Garwein und Ritter mit dem Löwen treffen sich auf unterschiedlichen Seiten eines Gerichtskampfes am Artushof wieder (Rückkehr zum Artushof) 
  • Iwein hat aufgrund eines Riesenkampfes eine Terminkollision, schafft es aber noch rechtzeitig 
  • Er und Garwein erkennen sich nicht und kämpfen und am Ende steht es unentschieden  
  • Daraufhin stellt sich Iwein als Iwein vor und nimmt seine Identität am Artushof wieder an und er und Gawein herzen sich 
  • Durch einen Trick schafft es Iwein in der Identität als Löwenritter Laudine wieder zurückzugewinnen 
  • Laudine verpflichtet sich unter Eid, dem Löwenritter die Gunst seiner Dame zurückzuerlangen -> Laudine muss ihm vergeben, er beteuert seine Reue und die beiden erneuern ihre Ehe und Liebe

Parzival Autor: 


Parzival Autor: 

  • Wolfram von Eschbach 
  • 9 Minnelieder 
  • Parzival 
  • Willhalm -> Heldenepos (chanson de geste) 
  • Hauptquelle: Perceval von Chretiens de Troyes  
  • Im Gegensatz zu Wolframs Perzeval wurde dieser aber nicht fertiggestellt und bricht inmitten der Gawein-Handlung ab 
  • Es wird neben Perzeval auch die Geschichte von Garwein erzählt -> bilden eine Art Gegensatz innerhalb der Handlung und führen so zu einer Verschmelzung von Artus-Erzählungen um den Heiligen Gral

Intertextualität in Parcival 


Intertextualität in Parcival 

  • Text als “Mosaik von Zitaten” und als Absorption und Transformation eines anderen Textes 
  • Text aus vielfältigen Schriften zusammengesetzt, die verschiedenen Kulturen entstammen und miteinander in Dialog treten, sich parodieren, einander in Frage stellen 
  • Im engeren Sinn, bezogen auf literarische Texte -> Formen der Bezugnahme zwischen Texten 


Struktur des Parzival: 


Struktur des Parzival: 

  • Unterteilt in 16 Bücher 
  • Handlung beginnt und endet nicht am Artushof -> Es gibt aber ähnlich wie im Erec und Iwein drei Artusszenen: Anfang, Mitte und Ende 
  • Parzival begegnet seinen Krisen in gewisser Weise auch mit einem Doppelweg 
  • An dem Punkt, wo die zweite aventiure beginnen sollte, wechselt der Protagonist und Garwein übernimmt

Parzival als klassischer Doppelweg? 


Parzival als klassischer Doppelweg? 

  • Nein, weil die Krise Parzivals kein Fehlverhalten in der Minne oder dem Rittertum darstellt 
  • Klassische Ehrverlust -> Exil -> aventiure -> Return -> Ehrgewinn lässt sich nicht anwenden 
  • Obwohl Parzival die Mitleidsfrage in der Gralsburg versäumt hat, also eine Probe nicht bestanden hat, wird er trotzdem im Anschluss feierlich in die Tafelrunde aufgenommen

Parzival

Parzival: 

  • Vertreter des Gralsrittertums 
  • Parzivals Doppelweg wandelt sich ab dem zweiten Zyklus von einer höfischen zu einer religiösen Krise hin 
  • Er kann sie also nicht mehr klassisch durch Kampfkraft meistern, sondern muss sich stattdessen auf fromme Art beweisen 
  • Am Ende ist es Gottes Gnade, welche ihm zum Gral führt

Gawein: 


Gawein: 

  • Typischer Vertreter des Artusrittertums 
  • Gawein übernimmt die Rolle des klassischen Artusritters und absolviert diese Karriere 
  • Ist ab einem gewissen Punkt zwar auch auf Gralsuche, aber ist trotzdem der vorbildhafte, souverän agierende Artus-Ritter der Krise mit Ehre, Minne und aventiure begegnet

Gram in Wolframs Parzival 


Gram in Wolframs Parzival 

  • Stein mit wundersamen Kräften, der für Speise und Trank sorgt, vor Tod und Alter schützt und für Heiden unsichtbar bleibt 
  • Inschriften, mit denen Gott den Gralsrittern Handlungsanweisungen erteilt -> direkte Agenten des göttlichen Heilwirkens in der Welt 
  • Parzival verschreibt sich vollkommen diesem Schicksal, während für Garwein eigene Leistung und Erfolge relevant sind

Wolframs Autorschafts-Konzept und Erzählweise: 


Wolframs Autorschafts-Konzept und Erzählweise: 

  • Verfasser tritt im Prolog etwas zurück (im Gegensatz zu anderen mhd. Werken) -> keine klassische Discours-Ebene und prologus praeter rem 
  • Wolfram rechtfertigt gleichnishaft seine besondere Erzählweise und im Späteren auch sein Verständnis von Autorschaft

Rechtfertigung: 


Rechtfertigung: 

  • Stellt sich zwar als Sänger/Dichter, aber in erster Linie als Adeliger/Ritter vor 
  • Er orientiere sich nicht an Vorlagen der Schriftgelehrten, und er schöpft aus wilden funt (fremde/unbekannte Quellen) 
  • Intradiegetischer Erzähler (Leser auf dem selben Wissensstand wie seine Erzähler) -> Autorschaftskonzept = Rezipienten müssen mitdenken und entsprechende Deutungskonzepte mitbringen

Parzivals Scheitern: Frageversäumnis 


Parzivals Scheitern: Frageversäumnis 

  • Parzival gelangt zum Artushof -> erfährt über Notwendigkeit eine Ritterrüstung zu besitzen und sich höfisch zu Verhalten 
  • Besiegt einen Unruhestifter namens Ither -> nimmt seine rote Rüstung und verbringt Zeit mit einem Mentor, welcher ihm eine erste höfische Erziehung gibt 
  • Später gelang Parzival das erste Mal in die Nähe der Gralsburg und tirfft dort einen Fischer (Gralskönig und sein Onkel) 
  • Fragt den Fischer nach Unterschupf in der Nähe -> Mann schickt ihn zur Gralsburg Munsalvaesche um ihn zu testen 
  • Wird herzlich begrüßt und erblickt zum ersten Mal den Gral, der von Königin getragen wird -> lernt, dass der Fischer der Burgherr ist und er krank ist 
  • Ritter hoffen, dass Percival König durch die Frage “Warum leidest du” mit Mitleid erlöst -> Parzival weiß das nicht und äußert sich nicht dazu, wegen höfischer Erziehung (nicht viel fragen) 
  • Als Parzival aufwacht, ist der ganze Hof verwaist und er bricht enttäuscht auf -> trifft Cousine, die ihn aufklärt und enttäuscht ist

Relevanz: 


Relevanz: 

  • Versucht sich strark und wörtlich an die ritterliche Tugend der zuht zu halten und Zurückhaltung zu üben, dass er die Gelegenheit verstreichen lässt und muss somit auf dem Abenteuerweg der Selbsterkenntnis und Erlösung 
  • Ab diesem Pinkt geht Parzival den Weg der christlichen Gralsritter und Gawein übernimmt als Protagonist den höfischen Aventiure-Teil von Parzival

Beispiel von Intertextualität: 


Beispiel von Intertextualität: 

  • Joie de la court im Erec 
  • Hartmann von Aue beschreibt einen paradiesischen Ort, locus amoenus, angelehnt an den Garten Eden aus dem ersten Buch Mose

Beispiele von Intertextulität: 


Beispiele von Intertextulität: 

  • Ottfrieds Evangelienbuch und die biblischen Vorlagen 
  • Antikeromane wie Eneasroman und die französischen Vorgänger 
  • Artusroman und keltischer Stoffkreis 
  • Artusromane von Hartmann und französische Vorbilder 
  • Intertextuelle Bezüge zwischen verschiedenen Artusromanen 
  • Nibelungenlied/ Heldenepik und die zu Grunde liegenden altertümlichen Volkssagen und historische Ereignisse

Heldenepik: 


Heldenepik: 

  • Mündliche Erzähltradition von herausragenden Personen -> Heldensage 
  • Poetische Formung in gesungenen Liedern (selten verschriftlicht wie z.B. Hildebrandslied) -> Heldenlied 
  • Schriftliterarische Verdichtung in großepischen Erzählungen -> Heldenepos 
  • Verankerung in der kollektiven Erinnerung: Bezug auf eine für das Selbstverständnis einer kulturellen Gemeinschaft bedeutsamen Vorzeit (historische Erinnerung, erzählerisch bewältigt, mythisch überformt) -> heroic age 
  • Neben mythischen Stoffen werden auch historische Stoffe verarbeitet (z.B. Völkerwanderung)

Nibelungenlied: 


Nibelungenlied: 

  • Verschriftlich heldenepisch/mythische Erzählstoffe, mit teilweise historischen Bezügen 
  • Figuren bewegen sich in einem Spannungsfeld zwischen heroischen und höfischen Verhaltensmustern (Siegfried zugleich Heros als auch Höfling, Jagd vs. Krieg) 
  • Doppelte Handlungsstränge (Jugendgeschichte, Brautwerbung) 
  • Zentrales Handlungsmotiv: die Brautbewerbung, “dem besten die Schönste” führt zur Konfliktsituation, weil dieses Schema nicht aufgeht 
  • Siegfried – Kriemhild: Werber bekommt die Braut (Dem Besten die Schönste” 
  • Gunther - Brünhild: Werber bekommt Braut, aber er ist nicht der Beste 
  • Siegfried - Brünhild: Bester bekommt nicht die Braut

“Lieder” in der mündlichen Tradition 


“Lieder” in der mündlichen Tradition 

  • Mündliche Kultur: gewisse Ähnlichkeit mit poetischen Texten (Verwendung von Versen, ect.) -> von Klerikern deshalb als “Dichtung” identifiziert 
  • Dies bezeichnet man in volkssprachlichen Quellen als “Lied”, was sich jedoch nicht unserem modernen Gebrauch entspricht

Verschriftlichung vs. Verschriftung: 


Verschriftlichung vs. Verschriftung: 

  • Verschriftung: Hildebrandslied, kursierte vorher mündlich, wurde durch einen glücklichen Umstand aufgeschrieben und in die Schrift übernommen 
  • Verschriftlichung: Nibelungenlied, genuin schriftsprachlich, existierte genau in dieser Form vorher so überhaupt nicht 


Prolog Nibelungenlied: 


Prolog Nibelungenlied: 

  • Kriemhild wird als die schönste Prinzessin auf der Welt vorgestellt, wegen ihr viele Helden das Leben verlieren 
  • Motto “Dem Besten die Schönste” leitet das Motiv der gefährlichen Brautwerbung ein -> Ausgangspunkt ist klassischerweise ein Brautwerber, der nach einer ebenbürtigen Ehefrau sucht und währenddessen, oder im Anschluss noch auf gefährliche/tödliche Hindernisse trifft 

Heroisches vs. Höfisches Erzählen 


Heroisches vs. Höfisches Erzählen 

  • Charaktere werden im Nibelungenlied ambivalent beschrieben 
  • Sie weisen nicht bloß höfische Verhaltensweisen und Eigenschaften (Minne, Turniere, Treue, usw.) auf, sondern treten auch als heroische Aggressoren auf 
  • Zum Beispiel: Kriemhild, die zunächst, als die sanfte, edle und von Minne träumende Dame charakterisiert wird, schlägt am Ende des Werkes aus Rache Hagen den Kopf ab

Mythisches vs. Höfisches Erzählen 


Mythisches vs. Höfisches Erzählen 

  • Siegfrieds Jugendgeschichte und Vergangenheit wird doppelt erzählt und auch hier findet sich wieder eine gewisse Ambivalenz 
  • Zunächst erzählt extradiegetischer Erzähler Siegfrieds höfische Erziehung -> Minne von Frauen 
  • Eine aventiure später wird nochmal von Hagen als intradiegetischer Erzähler eine mythische Vorgeschichte Siegfrieds präsentiert -> Drachenkampf

Dem Besten die Schönste/Gefährliche Brautwerbung 


Dem Besten die Schönste/Gefährliche Brautwerbung 

  • Wichtigstes Motiv im Nibelungenlied und in der Heldenepik 
  • Bevor eine Hochzeit stattfinden kann, muss der Heros in der Regel einige gefährliche Hindernisse aus dem Weg räumen -> Siegfried muss Kriemhilds Bruder Gunther von sich überzeugen und für ihn in den Krieg ziehen 
  • Gunthers Brautwerbung: nach einer gefährlichen Überfahrt nach Island stellt sich zudem heraus, dass Brunhilde wahnsinnig stark ist

Sichtbarkeit und Wahrheit im Nibelungenlied 


Sichtbarkeit und Wahrheit im Nibelungenlied 

  • Sichtbarkeit/Unsichtbarkeit und Erkennen/Wiedererkennen sind zentrale Motive im Nibelungenlied 
  • Häufig spielen auch räumliche Veränderungen eine Rolle -> Bedeutung/Wahrheit über Gegenstände ändert sich, sobald sie wieder sichtbar werden, nachdem sie zwischenzeitlich verschwunden waren 
  • Sichtbarkeit/Unsichtbarkeit spielen bei der Vermittlung/Aufdeckung von Wahrheiten im Nibelungenlied eine große Rolle

Ring und Gürtel Brunhildes: 


Ring und Gürtel Brunhildes: 

  • Vorher dienten Ring und Gürtel als Zeichen für Brunhilds körperliche Kraft und Stärke 
  • In der zweiten Hochzeitsnacht entwendet Siegfried diese Insignien der Macht  
  • Als diese später dirch Kriemhild im “Streit der Königinnen” wieder auftauchen, wird aber zugleich auch die Wahrheit enthüllt, dass nicht Gunther, sondern stattdessen Siegfried in der Hochzeitsnacht bei Brunhilde war -> Zeichen für Verrat an B.

Siegfrieds Schwert Balmung: 


Siegfrieds Schwert Balmung: 

  • Siegfrid ist mit Hagen auf der Jagd, bekommt seine Waffen abgenommen und wird ermordet, zuvor hat Kriemhild Hagen von Siegfrieds Schwäche berichtet und sie mit einem Zeichen markiert 
  • Siegfrieds Waffen (Schwert = Nibelungen, Balmung genannt) sind Zeichen seiner Stärke und Kampfkraft 
  • Bevor er ihn ermordet, entwenden Hagen die Waffen von Siegfried und sie gehen heimlich in seinen Besitz über 
  • Als Hagen später wieder auf Kriemhild trifft, offenbart er ihr die Wahrheit 
  • Kriemhild hatte Hagen zwar im Verdacht, da sie ihm als einzigem von Siegfrieds Schwäche erzählt hatte und Siegfrieds Wunden bei der Aufbahrung in der Anwesenheit von Hagen wieder bluteten

Minnesang

Minnesang: 

  • Gesungene strophische Lyrik 
  • Vorgetragen vermutlich vorwiegend an den Adelshöfen 
  • Entstehung der Gattung ab ca. 12. Jh.s. 
  • Dichter stammen zum Teil selbst aus dem Adel- bzw. Ritterstand (Hartmann von Aue), aber auch nichtadelige fahrende Berufssänger (Walther von der Vogelweide)

Historische Phasen des Minnesangs 


Historische Phasen des Minnesangs 

  1. Phase: Donauländischer Minnesang (Frühphase ca. 1150-1170) 
  2. Phase: Rheinischer Minnesang (Erste Phase ca. 1170-1190)

Donauländischer Minnesang 


Donauländischer Minnesang 

  • Einfache Strophen, Paarreime, Langzeilenreime, Halbreimlizenz, tendenziell Einstrophigkeit 
  • Noch nicht geprägt von roman. Einfluss (s.u. zur 2. Phase) 
  • Typen und Themen: Sehnsucht nach/ Trennung vom Geliebten 
  • Formen: “Wechsel”, Dialog, Botenlied - häufiger Frauenstrophen, Bsp. Kürenberger

Rheinischer Minnesang: 


Rheinischer Minnesang: 

  • Einfluss aus Frankreich 
  • Form: Mehrstrophige Lieder, Kanzonenform (zweiteilig und metrisch-musikalisch, Aufbau aus Aufgesang und Abgesang, wobei Aufgesang aus einer Melodie besteht, die sich wiederholt, Melodiestruktur: A A B 
  • Reiner Reim setzt sich durch: Variationskunst in den Verstypen und Reimschemata (Kreuzreim, umarmender Reim, Schweifreim...) 
  • Themen: dominante Typen, Werbe- und Klagelied (aus männlicher Perspektive), prinzipielle Unerfüllbarkeit der Liebe -> Hohe Minne (Minnedienst ohne hohen Lohn) 
  • Zunehmende Ausbildung von bestimmter Untertypen -> Tagelied (Trennung der Liebenden am Morgen nach erfüllter Liebesnacht), Kreuzlied (Kombination von Minne- und Kreuzzugsthematik)

Unterschied Sangspruch und Minne: 


Unterschied Sangspruch und Minne: 

  • Minnesang: Meist mehrstrophig, und hat Minne/Liebe als Thema 
  • Sangspruch: Oft kommt nicht das Wort Minne vor, meist einstrophig, thematisch vielfältig und oft lehrhaft, auch gesungen und nicht nur gesprochen oder aufgesagt

Minne-Ideologie im hohen Minnesang: 


Minne-Ideologie im hohen Minnesang: 

  • Idealisiertes Geschlechterverhältnis wird konstruiert 
  • Dame wird zur unnahbaren/überhöhten Herrin, der Minneritter/sänger zum dienstman 
  • Liebe wird zu einem vasallischen Dienst-Lohn-Verhältnis, aber es gibt keine tatsächliche Liebes(lohn)erlebnisse 
  • Durch ständiges Werben und Abgewiesen-Werden entsteht ein ewiger Kreislauf -> Trotz Unerreichbarkeit der Dame -> trotz des Wissens um ausbleibende Erfüllung -> Minne als beständiges Leiden 
  • Liebe-leit-Konstellation wird also topisch: das sogennante Minneparadox: das unablässlige Werben des Sängers um die Dame

Ausführungspraxis: 


Ausführungspraxis: 

  • In weltlichen Lyrik finden sich also starke Ankläge an die Semioralität: schriftlicher Text und Anzeichen für Aufführungspraxis nebeneinander 
  • Besonderheit dieser Gattung ist, dass es häufig mehrere Sprecherinstanzen innerhalb eines Texts gibt -> textinterne Instanzen (Autor, Sänger, Vortragenden) und textinterne Ich-Instanzen -> Minner-Ich, Sänger-Ich können deckungsgleich sein 
  • Ansprachen an das Publikum treten vergleichsweise häufig auf

Wichtigsten Handschriften des Minnesangs: 


Wichtigsten Handschriften des Minnesangs: 

  • Kleine Heidelberger Liederhandschrift (Cpg 357) 
  • Große Heidelberger Liederhandschrift (Cpg 848) 
  • Weingartner Liederhandschrift (Cod. HB XIII 1) 
  • Aufgrund kürze des Minnesangs = Sammelhandschriften 


Hohe Minne: 

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Phase 3: Hohe Minne 


Phase 3: Hohe Minne 

  • Virtuose Weiterentwicklung der Formen und Inhalte des Rheinischen Minnesangs 
  • Hauptvertreter: 
  • Reinmar der Alte - Ästhetisierung des Leids, Frauenpreishyperbolik 
  • Heinrich von Morungen -> Sensualisierung (Visualisierung und Lichtmetaphorik 
  • Hartmann von Aue -> Betonung des Minnedienstes, Ethisierung und Didaktisierung 
  • Walther von der Vogelweide -> Minnereflexion, Parodie 




Minnegesang/ Sangspruch als Beruf:

  • Nur in Sangspruch (wurde hauptsächlich durch nicht-adelige Berufssänger ausgeübt) 
  • Sangspruch appeliert an die Milte (Monetäre Freigiebigkeit ihrer Herren/Gönner), dürfen bei ihnen auch Unterkommen und verfassen im Gegenzug Lob oder Schelte für politische Gegner 


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Hermeneutik: 


Hermeneutik: 

  • Theorie und Methode der Interpretation von Texten, Lehre der Auslegung von Texten

Prinzipien mittelalterlicher Bedeutungslehre: 

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Textauslegung nach dem vierfachen Schriftsinn: 


Textauslegung nach dem vierfachen Schriftsinn: 

  • Literalsinn: buchstäbliches Verständnis – Jerusalem als irdischer Ort von dem man in der Bibel liest 
  • Allegorischer Sinn: übertragene Bedeutung – Jerusalem als Wirkungsstätte Gottes auf Erden, verweist auf die Kirche 
  • Moralischer Sinn: Appellfunktion – Jerusalem verweist auf die Seele der Gläubigen, Text der Bibel als Spiegel,  
  • Anagogischer Sinn: Verweis auf die letzten Wirklichkeiten, auf das Jenseits und das ewige Heil, himmlische Jerusalem am Ende der Zeit

Zwei-Bühcher-Lehre: 


Zwei-Bühcher-Lehre: 

  • Idee, dass es zwei Bücher Gottes gibt, Bibel und die Schöpfung (Buch der Natur), also kann man auch in der Kunst den Naturdarstellungen eine symbolische/göttliche Bedeutung zusprechen

Überlieferungslage und Varianz/Mouvance 


Überlieferungslage und Varianz/Mouvance 

  • Wissenschaft, „die mit dem arbeiten muss, was bis heute erhalten (überliefert) ist 
  • Erschwerende Faktoren: Varianz und Mouvance (Beweglichkeit) in Überlieferungsträgern 
  • z.b. Unterschiede in Strophenreihenfolge und Anzahl aufgrund von Handschriften die varrieren 
  • Zuordnung eines Liedes zu Autorennamen kann unterschiedlich sein

Fachtermini: 


Fachtermini: 

  • Transkription: Abschrift einer Handschrift 
  • Edition: keine exakte Übertragung, offensichtlich fehlende Wörter werden ergänzt und Elemente fachlich und historisch eingeordnet 
  • Leithandschrift: Grundlage für Edition, älteste und am vollständigsten 
  • Archetyp: älteste gemeinsame Urschrift oder Quellenhandschrift, meist nicht mehr vorhanden, alle existierenden Abschriften leiten sich durch diese ab 
  • Stemma: Stammbaum, der die Abstammungs- und Überlieferungsgeschichte der verschiedenen Textzeugen eines Werkes darstellt

Editionsphilologie: 


Editionsphilologie: 

  • Umfasst Theorie und Praxis der philologischen Grundarbeiten (Erschließung von Überlieferungstexten, usw.) 
  • Old Philology: Sammeln aller Handschriften und Erstellen von Überlieferungsbäumen, Ziel ist Ermittlung des Archetyps 
  • New Philology: Textbeweglichkeit müsse in Edition sichtbar sein, mittelalterliche Texte haben keine Varianten, es ist Variance -> Nebeneinander gleichberechtigte Texte

Begriff maere und Versnovelle: 


Begriff maere und Versnovelle: 

  • Maere: Neuigkeit, Erzählung, das Unerhörte, derbe realistische Verserzählung mit ambivalentem Ende, kein Märchen 
  • Versnovelle, weil: kürzere Texte mit in sich geschlossener Handlung, nicht in Prosa, sondern Versen

Strukturelle Aufbau: 


Strukturelle Aufbau: 

  • Beginnen mit einem Promythion, sentenzhafter (sprichwort, moralisert) Formulierung 
  • Darauf folgt eine fiktive, aber realitätsnahe Handlung – kann sehr vielseitig gestaltet sein 
  • Am Ende folgt Epimythion (nachgesteller Lehrsatz)/ Moralisatio (Moralvermittlung), Koda (erzählerischer Kommentar)


3 Typen: 


3 Typen: 

  • Moralisch-Exemplarisch (der kluge Knecht) 
  • Höfisch-galant (Herzmaere) 
  • Schwankhafte maeren (Die drei listigen Frauen) 
  • Textmaterial aber viel zu heterogen, um genau einer Gattung zuzuschreiben