Definition Lernen
Jene Prozesse, die zu einer relativ langfristigen Veränderung im Verhaltenspotenzial eines Organismus führen und das Ergebnis von Erfahrung darstellen.
Neuronale Basis (Schaubild)
Neurone sind über Axone mit Dendriten anderer Neurone verbunden (Übergangsstelle = Synapsen)
Es bilden dynamische neue Verbindungen
Feuern Neurone gleichzeitg so stärkt sich die synaptische Bindung zwischen ihnen und wird dauerhafter
Lernen als Ausbildung komplexer, vernetzter und stabiler neuronaler Verbindungen
Klassisches Konditionieren
Lernen durch Verknüpfen von Stimuli und Reaktionen
us->ur
ns->keine reaktion
ns+us->ur
cs->cr
Extinktion
Konditionierte Reaktionen werden schwächer, wenn sie wiederholt ohne den unkonditionierten Stimulus stattfinden
Spontanes Wiederauftreten
Selbst nach vollständiger Extinktion können CR plötzlich wieder auftreten, werden aber immer schwächer, wenn kein US präsentiert wird.
Operantes Konditionieren
=Vertärkung und Abschwächung von Verhalten durch Belohnung und Strafe
Verstärkerpläne
Muster der Vergabe von Verstärkern
Lernen als Wissenserwerb
3 Verarbeitungsstufen
Gedächtnis
Speicherung von erworbenen Informationen: ermöglicht die Codierung und den Abruf von Informationen
sensorisches Gedächtnis
Modalitätsspezifischer Ultra-Kurzzeitspeicher
Kurzzeitgedächtnisspanne
Früher ging man von 7 Elementen aus, heute von 4 +/- 1 (das was man in 2 sek. verbalisieren kann)
Konsolidierung von Infos ins LZG
via Hippocampus und Cortex
(labile Gedächtnisspuren werden in satbile überführt)
Was bedeutet es, sich zu erinnern
reproduction: aktive und freie wiedergabe von gelernten Infos (Namen, Liedtexte,..)
recall: korrektes Identifizieren von zuvor gesehenen Informationen (beantwortung multiple choice Fragen)
Befunde: höhere leistung bei recall als reproduction, studien können auch nach jahrzehenten noch gute recalls feststellen
praktische Epfehlung: Gedächtnisstützen bieten, die auf Wiedererkenung basieren
Phonologische Schleife
• Phonologischer Speicher, d.h. Sprachinformation hat unmittelbaren Zugang
• Festigung durch artikulatorischen Kontrollprozess = „stilles Aufsagen“
• hält Information in sprachbasierter Form bereit
• rekodiert visuelle Information
• Beispiel: Telefonnummern
• Umfasst das, was in ca. 2 Sekunden ausgesprochen werden
Visuell-räumlich Notizblock
Zwei separate Komponenten
Visual cache: speichert form und Farbinformation
Inner Scribe: verarbeitet räumliche und Bewegungsinformation, hält informatoin aus dem visual cache aufrecht
Zentrale Exekutive
Episodischer Puffer
• Erst spät (2000) ergänzt, auf Basis der Beobachtung, dass Gedächtnisleistung oft besser ist als die Kapazität der einzelnen Teilsysteme (vis. Notepad etc.)
• Ermöglicht die Bildung multidimensionaler (z.B. audio- visueller) Repräsentationen
• Funktion: Bereithalten und Integrieren verschiedenster Informationen aus den Einzelsystemen und dem Langzeitgedächtnis
Arbeitsgedächtnis
Arbeitsgedächtniskapazität = Fähigkeit, Informationen kurzfristig aufrecht zu erhalten und zu manipulieren
Messung als operation span = maximale Anzahl an Items, bei der die Person alle Wörter in mehr als 50% der Durchgänge wiedergeben kann.
variiert interindividuell
positiver Zusammenhang mit fluider Intelligenz und der Fähigkeit, Aufgabenziele aufrecht zu erhalten und kognitive Koflikte aufzulösen
Explizites Gedächtnis
Explizit = deklarativ
Gedächtnis, das Fakten und Erfahrungen speichert, die bewusst und absichtlich erinnert und erklärt werden können
Aufwendige Verarbeitung: Erfordert kognitive Anstrengung beim Kodieren und erinnern, schränkt die Verfügbaren Ressourcen ein.
z.B. bei der Aufmerksamkeit
Implizites Gedächntis
Implizit= nicht deklarativ
Gedächtnis, das unabhängig vom bewussten Abruf ist.
z.B. Gehen, Koordination von Kupplung und Gaspedal beim Autofahren, Fahrrad fahren,..
Automatische Verarbeitung: Automatisches Kodieren und Abrufen; weniger kognitiver Aufwand beim Abrufen/Anwenden von Wissen
Explizites vs. Implizites Gedächtnis
Praktische Empfehlungen für Produkt- und Mediengestaltung:
• Welche expliziten und impliziten Erinnerungen/Erfahrungen haben die Kunden bereits? Wie erwarten sie, dass es funktioniert?
• WelcheeffortfulProcessessindmitderNutzungverbunden?
• InwelchemKontextwerdendieNutzerdasProduktverwenden,und wäre es nachteilig, wenn die Nutzung ihre kognitiven Ressourcen für andere Aktivitäten einschränkt?
• KönnenSiedenkognitivenAufwanddurchdasDesignreduzieren,z.B. durch Hinweise/Schritt-für-Schritt-Anleitungen für den Nutzungsprozess?
• WiekönnenSiedenTransfervonNutzungsroutinenindasimplizite prozedurale Gedächtnis unterstützen?
Episodisches Gedächtnis
Erinnerung an persönliche Ereignisse mit raum-zeitlichen Bezug
(z.B Erinnerung an Urlaub in Paris)
Semantisches Gedächtnis
Faktenwissen
(z.B Paris ist die Hauptstadt von Frankreich)
Teilaspekte des Lernens
Chunking
Kontextabhängiger Abruf
Reihenfolgeneffekte
Verarbeitungssstufen
Testungseffekt/erwünschte Erschwernisse
Implizites Lernen
Chunking
= Zusammenfassen von Elementen zu Chunks, welche jeweils nur einen Arbeitsgedächtnisplatz einnehmen
optimal sind 3-4 Elemente pro Chunk
SHDFJKDGSALG -> SHD FJK DGS ALG
oder Telefonnummern,..
Kontextabhängiger Abruf
Godden and Baddeley (1975): Gedächtnisinhalte werden besser abgerufen, wenn sie in demselben Kontext abgerufen werden in dem sie zuvor enkodiert worden sind (unter Wasser/an Land)
Aufforderung, sich den Enkodierkontext vorzustellen, erhöht Abrufleistung ebenfalls
Implikationen: Versuchen Sie, in ähnlichen Situationen zu lernen wie später das Wissen auch abgerufen werden wird; stellen Sie Ähnlichkeit her oder stellen Sie sich die Enkodiersituation vor (z.B. bei Passworten an Tippen auf Tastatur denken)
Reihenfolgeneffekte
(Primacy-Regency-Effect)
Verarbeitungsstufenasnatz
Die Güte des Langzeitgedächtnisses ist abhänigig von der Art der Verarbeitung in der Lernphase
Flache vs. tiefe (semantische) Verarbeitung
Bei tieferer Verarbeitung kommt es zu stärkerer Elaboration und damit stärkeren Gedächtnisspuren als bei oberflächlicher Verarbeitung
Elaboration= Anknüpfung neuer Inforamation an vorhandene Gedächtnisinhalte
Implikationen: Stimulieren Sie tiefe Verarbeitung, etwa durch Aufforderungen zur Reflektion, Verknüpfung mit vorhandenem Wissen, Schaffung individueller Relevanz und Emotion
Testungseffekt
= Häufiges üben des Abrufs des gelernten führt zu besserer Gedächtnisleistung
Robuster und starker Effekt (sowohl Labor als auch in angewandten Settings)
Erklärungen:
Eines von mehreren aktuell erforschten "erwünschten Erschwernissen"
Implikation: Häufiges selbsttesten beim Lernen, Quiz-Fragen integrieren: eigene Prüfungsfragen überlegen
Implizites Lernen
Lernen ohne Bewusstheit über Lernprozess und Inhalt
Gegenstück: Explizites Lernen
Vergessen
• Nutzen von Vergessen: Verhinderung von Interferenz/Störung durch alte Informationen, Steigerung des Wohlbefindens durch Vergessen schmerzhafter Erinnerungen (Nørby, 2015)
• Arten:
• Passiver Spurzerfall der Gedächtnisspur durch Nichtnutzung
• Interferenz durch vorangehende/nachfolgende Information
• Motiviertes/intendiertes Vergessen nicht mehr nützlicher Informationen, Inhibieren=Unterdrücken der Enkodierung irrelevanter Inhalte
• Verdrändung traumatischer Erinnerungen