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1.1. Was ist die Wortbedeutung von Heterogenität und inwiefern ist Heterogenität eine soziale
Konstruktion?

  • heteros (anders, Plural, unvorhersehbar) & genos („ich erzeuge, ich bringe hervor“
  • verschiedenen Ursprungs, nicht einheitlich definierbar
  • umfasst verschiedene Merkmale (Sprache, Klasse, Herkunft, etc.)
  • soziale Konstruktion :
    • bezieht sich auf eine Gruppe, keine Absolute Heterogenität
    • hängt eng mit Homogenität zusammen
    • relationaler Begriff
    • Heterogenität = Abweichung von der Norm
    • Herstellung einer binären Ordnung
    • Transidentität (Konstruierte Differenzen werden der Umwelt nicht gerecht)
    • Essentialisierung:
      • schreibt ihm eine Essenz zu
      • von außen auf einen Begriff festgelegt

1.2. Welche Rolle spielt Diskriminierung im Heterogenitätsdiskurs?

  • individuelle und institutionelle Diskriminierung
  • „Als Diskriminierung werden Praktiken der Herabsetzung, Benachteiligung und Ausgrenzung bezeichnet, die gegen Angehöriger marginalisiert Gruppen gerichtet sind“ - Gomolla
  • von H sprechen heißt von „anders sein“ zu sprechen und von einer „Abweichung der Norm“ in einer binären Ordnung
  • Durch die soziale Konstruktion der Norm und ihrer Abweichung wird der andere erst als andersartig bezeichnet und ausgegrenzt
  • Individualisiert Unterschiede, Unterschiede werden erst produziert
  • Discriminare : „unterscheiden, trennen“
    • Wertung ist immer enthalten
    • Bedarf an Kontrolle und Änderung von Entscheidungen

1.3. Welche Rolle spielt Macht im Heterogenitätsdiskurs und welche Probleme bringt dieser Diskurs mit sich?

  • Sprechen ist Handeln, dadurch entstehen erst Gruppen
  • Reden über H ist verknüpft mit Macht
    • Reden über H - Ausüben von M - SuS sind anders - Zuweisungen
  • Teilhabe und Ausschluss an Bildungsprozessen
  • 3 machtvolle Effekte im Diskurs um Heterogenität :
    • Verwischen (bestehende Ungleichheiten bestätigen/verharmlosen)
    • Verdecken (Differenzen und nicht Gemeinsamkeiten hervorheben, Typisierung, Gemeinsamkeiten verdecken, Vorurteile)
    • Verkleiden (Probleme verkleiden, so dass sie sich nicht als Problem erkennen lassen aber dennoch weiterhin bestehen - Heterogenieiserung - Nicht verschiedene Kinder, sondern Probleme - gegebene Verschiedenheit im Fokus)

1.4. Was sind die Lösungsstrategien der Individualisierung?

  • Individualisierung als Lösung?
  • Kinder individuell und alleine fördern, auch problematisch
  • keine Solidargemeinschaft
  • Verantwortung wird individualisiert
  • Bildungsmisserfolg wird individualisiert
  • Dekonstruktion binärer Entscheidungen, nicht entweder - oder
  • mehr Empfindlichkeit : Rassismus kritische Sprache, empfindsame Sprache
  • Behandlung struktureller Probleme
  • Probleme für den Lehrer :
    • Problem wird didaktischer
    • individuelle Förderungsmittel
    • Individualisierung problematisch, also keine grundsätzliche Lösung

2.1. Worin besteht die Doppelemempfindung des Leibes?

  • Mein Leib : Das, was ich fühlen kann (gleichzeitig Objekt was gefühlt wird und das Subjekt welches fühlt // Grenzen zwischen Objekt und Subjekt verschwinden)
  • Leib ermöglicht Wahrnehmung, schränkt uns aber auch ein
  • Beständigkeit des Leibes : Immer dabei, wenn ich etwas empfinde
  • Wahrnehmung geschieht immer aus einer Person heraus

2.2. Worin besteht die Perspektivität der leiblichen Wahrnehmung?

  • Permanenz des Leibes : wir können uns nicht von ihm lösen
  • Das was ich erkenne, erkenne ich niemals vollständig (auch nicht uns selbst)
  • Wir verstehen uns nie ganz, immer eine Mischung aus Körper und Verstand
  • Dinge immer aus einer Perspektive heraus wahrnehmen, Einblicke mit Hilfsmittel

2.3. Wie denkt Merleau-Ponty das Verhältnis von Mensch und Welt?

  • Durch den Leib zur Welt verankert (unauflöslich), nur dann Selbsterfahrung gemacht
  • „Zur-Welt-Sein“ : in allem was man tut auf die Welt gerichtet // das Sein des Menschen ist mit der Welt verbunden#
  • Welt besteht nicht aus neutralen Gegenständen, sondern an Emotionen gebunden
    • verschiedene Empfindungen & Verhalten zum Wahrnehmen (anziehen/abstoßen)

2.4. Wie sind Ich und Anderer nach Merleau-Ponty aufeinander bezogen?

  • Der leibliche Bezug zum Anderen : „Das ich und der Andere sind nach Merleau-Ponty nicht grundsätzlich anders, sondern grundsätzlich ähnlich.“
  • Das andere kenne ich nicht ganz, es mich nicht ganz und ich mich selbst auch nicht ganz
  • Wir denken nur, wir wüssten wer wir sind
  • Durch meinen Leib verstehe ich den Anderen (nicht seine Gedanken, aber was er in mir auslöst)
  • Erinnerung an jemanden bleiben nicht als Porträt sondern als Gestalt

2.5. Was ist mit primordialer Intersubjektivität gemeint?

  • „Ich und der Andere sind fast konzentrische Kreise, die sich nur durch „rätselhafte Verschiebungen“ voneinander unterscheiden.“ (man teilt Sprache, Welt, etc.)
    • „Ich kann nur ich sein, weil ich nur ich das bin was ich durch meine Erfahrungen geworden bin
  • Ich bin an den anderen gebunden, kann nur mit ihm Erfahrungen machen
  • Wenn ein Verhältnis primordinal ist, dann heißt es, es gab zuerst ein gemeinsam, aus dem ich nich und ein andere entwickelt haben. Beide aus einer Gemeinsamkeit / gemeinsamen Welt entstanden.

2.6. Welche Rolle spielt das Verhältnis von Ich und Anderem in Diskurs um Heterogenität?

  • Diskurs um Heterogenität : Hervorheben von Unterschieden, Fokus wird auf Unterschiede gelegt
    • Theorie MP: Der andere ist grundsätzlich gleich
  • Diskurs um Heterogenität : Binäre Ordnung, Gesellschaftliche Norm vs. Anders sein
    • Theorie MP: Ich erfahre mich durch den anderen. Nicht ich als Mitglied der Gesellschaft, das der Norm entspricht bestimme wer der Andere ist, sondern der Andere bestimmt, was ich über mich erfahre
  • Heterogenität: Diskriminierung, gehe ich aber davon aus, dass das Verhältnis vom andern zu mir so ist, dass der Andere mir grundsätzlich ähnlich ist, entsteht keine Diskriminierung auf Grund von Unterschieden
  • Ich erkenne mich und den Anderen niemals vollständig : Im Heterogenitätsdiskurs werden Aspekte am Anderen betrachtet und anhand dessen über Andersartigkeiten oder Gleichheit entschieden, da ich aber nur Aspekte und Teile des anderen sehen, kann ich niemals sagen, ob die Einschätzung, der Andere sei Andersartig zutreffend ist.
  • Ich nehme Dinge von meiner Perspektive her wahr : Alle Einschätzungen die ich treffe, damit auch Einschätzungen im Heterogenitätsdiskurs, die konkreten Einfluss auf Bildungsteilhabe von SuS haben, sind nie objektiv, sondern immer subjektiv, da ich sie immer aus meiner Perspektive betrachten kann.

3.1. Was ist das Besondere an einer Schwellenerfahrung und inwiefern kann man mit Waldenfels eine Fremderfahrung als Schwellenerfahrung interpretieren?

  • Schwelle : Raum zwischen zwei Orten (Unort), kein Aufenthalt sondern Überwindung
  • Schwellenerfahrungen :
    • klein (schlafen) / mittel (Etappen i.d. Biographie) / groß (existenzielle Erfahrungen)
  • fungierende Schwelle : Steht für bestimmte Art von Erfahrung (Zwischenort/-Zustand, weder auf einen noch auf der anderen Seite (bspw. Übergang von Schüler zu Student)

3.2. Was unterscheidet die radikale Fremdheit von der relativen Fremdheit und welches Verständnis von Ordnung steht dahinter?

  • Relative Fremdheit : Eine Ordnung gerät in Unordnung, befindet sich aber immer noch in der einen, gleichen Ordnung -> nur eine Ordnung, eingliedern in geltende Ordnung
  • Radikale Fremdheit : Die eigene Ordnung wird mit etwas konfrontiert, das außerhalb von ihr liegt. -> Fremdheit zwischen Ordnungen - außerhalb der eigenen Ordnung
  • Modernes Denken (18.Jhd.) : geprägt von Vernunft, Handeln nach moralisch Richtigen
    • es gibt nur eine Ordnung/Fotalität, alles ist rational (erklärbar)
  • Waldenfels : nicht nur eine Ordnung, sondern viele verschiedene Arten von Ordnung
    • Was passiert zwischen den Ordnungen? (Bsp. NW & Fiktion / Oma und Jugendl.)
      • Wann ist der Übergang
      • fungierende Schwelle : beide Ordnungen bestehen noch, Grenzen unklar

3.3. Welche Rolle spielt das Antworten bei Waldenfels?

  • Responsive Phänomenologie
  • Antworten kann ein Umgang mit dem Fremden sein, ohne es zu vereinnahmen
    • Antworten = Haltung, die dem Fremden gegenüber offen ist
  • Initiative geht vom Anderen aus
  • Alles ist schon da, ich komme neu dazu
  • Verhalten, als würde man angesprochen
    • Man antwortet auf den Anspruch des Fremden
  • „Das radikale Fremde erfahren, indem es mich anspricht und ich kann nur so darauf eingehen, indem ich ihm antworte, ohne es zu entfremden.“

3.4 Inwiefern kann der Begriff der Fremdheit sinnvoll sein, um den Diskurs um Heterogenität zu verstehen und gegebenenfalls zu kritisieren?

  • Durch eine soziale Konstruktion von Unterschieden, wird in einigen Aspekten auch Fremdheit nur konstruiert
  • In der Annahme es gebe nur eine richtige Ordnung bedeutet Heterogenität, dass was an dem anderen anders ist, muss wieder „richtig“ eingeordnet werden, in Waldenfels Theorie entspricht „der Andere nur einer anderen Ordnung“
  • Heterogenität = Diskriminierung, der richtige Ansatz wäre nach Waldenfels Theorie allerdings das Antworten auf die Fremdheit, also die fungierende Schwelle nutzen und eine Schwellenerfahrung im Begegnungsraum machen
  • Heterogenitätsdiskurs = Herstellung einer binären Ordnung, Waldenfels sagt : Es gibt nicht nur eine binäre Ordnung, sondern der, der aus meiner Sicht von der Norm abweicht, entspricht einer anderen Ordnung. Laut Waldenfels kann diese Fremde Ordnung mir aber auch nie ganz fremd sein (zum Bsp ist der Andere immer noch ein Mensch)

4.1. Was ist das pädagogische Experiment, dass Rancière im Unwissenden Lehrmeister vorstellt? Beschreiben und erläutern Sie.

  • Der unwissende Lehrmeister : Die Voraussetzung der Gleichheit
  • Schwierigkeit : SuS und Jacotot hatten keine gemeinsame Sprache beim Unterrichten (Franzose und niederländische SuS)
    • Jacotot gibt Buch : Die Abenteuer des Telemach (2-sprachiger Aufklärungsroman) lesen bis verstanden, dann auf französisch wiedergeben
    • Jacotot war unwissend, Methode hatte großen Erfolg - Bildung nicht verliehen sondern genommen
  • Unterricht klappt daraufhin sehr gut und Experiment wird zur Methode erklärt :
    • Universalunterricht :
    • Probleme beim Lernen entstehen durch zu wenig Vertrauen in sich selbst
      • Menschen sind gleich (nicht biologisch)
    • Annahme : gleiche Intelligenz von jedem Menschen
    • Intellektuelle Gleichheit : Verbunden durch Sprache und Vernunft
    • Jeder lernt das, was er lernen möchte

4.2. Inwiefern ist Gleichheit für Rancière eine Voraussetzung?

  • Annahme : Jeder Mensch ist gleich intelligent
  • Intellektuelle Gleichheit : Verbunden durch Sprache und Vernunft
  • Gleichheit als Prinzip der Politik :
    • Nicht nur in pädagogischen Situationen anzuwenden, sondern im Allgemeinen
    • Politische Gleichheit ist nicht umgesetzt
  • Gleichheit muss immer wieder aktualisiert werden und bleibt zukünftig, immer in Gefahr
  • Gleichheit durchkreuzt die Logik der Polizei
  • Gleichheit wird von Rancière vorausgesetzt
  • Gleichheit besteht immer aus Gleichheit und Ungleichheit

4.3. Was bedeutet die Aufteilung des Sinnlichen?

  • Aufteilung dessen, was wahrgenommen wird und wie es wahrgenommen wird
  • Aufteilung des Sinnlichen bestimmt, wer am Gemeinsamen teilhaben darf und wer nicht

4.4. Was bedeutet Polizei für Rancière?

  • Polizei :
    • Institutionen und Prozesse, in denen die Organisation von Gemeinwesen geregelt wird
    • Art wie gesellschaftliche Rollen verteilt werden und wie diese Verteilung gerechtfertigt wird

 

4.5. Welche Rolle spielt Gleichheit im Diskurs um Heterogenität?

  • Heterogenität = Ungleichheit, wenn Gleichheit vorausgesetzt wird, darf es keine Ungleichheit und damit Sprechen von Heterogenität geben
  • Heterogenität konstruiert Ungleichheit, führt wiederum zu zu wenig Vertrauen der SuS
  • Ungleichheit führt dazu, dass nur ein Teil an Dingen teilhaben darf
  • Ungleichheit führt zu Verteilung gesellschaftlicher Rollen, wird jedoch durch Institutionen wie Polizei gerechtfertigt -> Heterogenität
  • Gleichheit -> Universalunterricht -> Jeder lernt, was er lernen möchte -> Demnach würde keinem SuS die Teilhabe an Bildung verwehrt bleiben

5.1. Was versteht man unter dem Prinzip der Verdummung?

  • Einteilung der Menschheit in Lehrende (verfügen über Wissen) und Lernende (sollen Wissen erhalten) - quasi Einteilung in Wissende und Dumme
  • Abstand zwischen Wissen und Unwissen wird nicht verringert sondern hergestellt
  • daraus folgen vorgegeben Positionen für Lehrende und Lernende
  • Lernprozess produziert also nicht nur Wissenszuwachs sondern auch Ungleichheit
  • „Was das Volk verdummt ist nicht der Mangel an Unterweisung, sondern der Glaube an die Minderwertigkeit seiner Intelligenz.“
  • „Der Erklärende braucht den Unfähigen, nicht umgekehrt.“
  • „Jemandem etwas erklären heißt, ihm zuerst klarmachen, dass er es nicht von sich aus verstehen kann.“

5.2. Welche Rolle spielt der Lehrer in der Methode des Universalunterrichts nach Jacotot?

  • Lehrer müssen Emanzipation und Motivation zur Selbstaneignung ermöglichen und dem Regime der Emanzipation folgen
  • Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden = Motor für Emanzipation

5.3. Inwiefern und warum darf es nach Rancière keine politische Pädagogik geben?

  • Rancière warnt vor Politisierung der Pädagogik
  • Bereich der Politik und der intellektuellen Emanzipation soll getrennt sein
  • Es darf keine politische Pädagogik geben, da diese bereits wieder Unterweisung, Anleitung und Autorität wäre
  • Unverhältnis müsste pädagogisches Verhältnis durchkreuzen:
    • Verhältnis aufbrechen
    • permanente hierarische Differenz stellt Zweiteilung d. Intelligenz und Logik der Verdummung her
    • Verweis auf gesellschaftliche Rechnung, die nicht aufgeht

5.4. Was versteht Rancière unter Emanzipation und welche Rolle spielt sie in seinem (bzw. Jacotot) pädagogischen Konzept?

  • Emanzipation ist nur möglich, wenn vorher nicht feststeht, was bei der Selbsttätigkeit herauskommen soll
  • nach Rancière ist die intellektuelle Emanzipation ein Perspektivenwechsel zum unwissenden Lehrer
  • Bereich der Politik und der intellektuellen Emanzipation soll getrennt sein (Emanzipation soll Selbstzweck bleiben)
  • intellektuelle Emanzipation baut auf der Idee der Gleichheit der menschlichen Natur auf
  • Rancière nimmt keinen Bezug auf Zweischneidigkeit d. Emanzipationsbegriff (Paternalismus und Selbstermächtigung)

6.1. Was ist mit Edward W. Said unter Orientalismus zu verstehen?

  • Gilt als einer der Gründungsmomente der postkolonialen Theorien
  • „Orientalismus ist die Zuschreibung eines bestimmten Bildes vom Orientalen. Es dient der Legitimierung der Herrschaft und Gewalt über die Kolonialisierten.“
  • man meint, man hätte aufgrund einer Beschreibung ein genaues Bild vom Orient, obwohl man nie Ort war -> Orient galt als sexuelles Paradies
  • Westen zieht daraus den Beschluss mächtiger zu sein & Recht zum Ausbeuten zu haben
  • Geschichte des Orients wird als rückständig beschrieben (Westen also fortschrittlich)
  • laut Said gilt diese Denken bis heute

6.2. Was ist mit Gayatri Chakravorty Spivak darunter zu verstehen, dass die Subalternen nicht sprechen können?

  • Sub = unter // Altern = Das Andere
  • verschiedene Räume der Subalternen (soziale/materielle Bedingungen - global: Frau)
  • Die Menschen, ohne Privilegien :
    • keine sozialen Aufstiegs- oder Veränderungsmöglichkeiten
    • Leben von Beginn an vorgezeichnet
    • Leben in Unterdrückung
    • keine Befreiung aus vorherrschenden Beständen
    • werden im Widerstand nicht gehört bzw. gesehen
  • Pädagogik : nicht über und für jemanden sprechen, sondern mit jemandem sprechen

6.3. Was ist mit Homi K. Bhabha unter dem Dritten Raum zu verstehen?

  • Eine Art Verhandlungsraum zwischen den Kolonisten und den Kolonialisierten
  • in ihm ist es möglich, neue Identitäten zu konstruieren, die nicht an eine Kultur gebunden sind
  • Auch den Subalternen möglich, der herrschenden Kultur etwas gegenzusetzen, indem sich etwas drittes zwischen den beiden entwickelt
  • Bezug auf Bekehrungspraktiken Indiens (19.Jhd.) :
    • Kleinbauern haben ein Problem -> Missionare geben Kleidung und Respekt im Gegensatz zu den indischen Anführern (mehr Respekt als im eig. Kastensystem)
    • Gegenleistung : Wechsel zum Christentum, Bauren nicht einverstanden
    • Auseinandersetzung der Macht entstand
    • Kultur nie vorgegeben und nie gleichbleibend
    • Kulturen vermischen sich (nie natürlich gegeben) und es entsteht ein Dritter Raum
    • Bauern verfügen über eine gewisse Macht
    • beide voneinander abhängig
    • auch Unterdrückte besitzen Handlungsmöglichkeiten

7.1. Was ist mit dem Begriff der Dekolonialisierung gemeint?

  • Dekolonialisierung = Schlagwort
  • Grundidee des Projekts : Kolonialität als konstitutives Moment der Moderne sehen und dass das nicht mehr verschwiegen wird
  • auf 4 Bereiche : Ökonomie, Politik, Soziales, Persönliches
  •  neues /kritisches Verständnis Kolonialisierung / Lateinamerikas
  • heute noch Kolonisation : das aufbrechen, Schäden der Kolonisation ernst nehmen

7.2. Was ist mit der Figur der „Dritten-Welt-Frau“ gemeint?

  • Gruppe „Dritte-Welt-Frauen“ : kritisiert Frauen als ahistorisch, homogene, soziale Gruppe
  • Unterdrückung der Frau : die Dritte-Welt-Frau ist sexuell unterdrückt, arm, ungebildet, traditionell, familienorientiert - kooperiert mit solidarischer Schwester des Westens
  • Veränderung der Welt durch Wahrnehmung der Frau (hierarchisch unterdrückt)
    • soziale Ungleichheit in den Blick nehmen
  • Dritte-Welt-Frau durch Betroffenheit länger feministisch engagiert
    • lange soziale Kämpfe
  • Die Dritte-Welt-Frau ist ein Bild der Westlichen, wie sie sich die Dritte-Welt-Frau denken
    • Differenz durch Entwicklungsunterschied

7.3. Wie erläutern sie das Beispiel von Gayatri C. Spivac, einer jungen Frau, die sich das Leben nahm?

  • Bhuveneswari Bhaduns, junge Frau nahm sich in 1920er Jahren in Karkutta in der Wohnung ihres Vaters das Leben (während ihrer Periode, als eindeutiges Zeichen, dass sie nicht schwanger ist)
  • Schwangerschaft wurde trotzdem als Todesursache vorgeschoben
  • Sie war eine aktive Kämpferin antikolonialen Widerstand, Zusammenhang Auftrag politischer Morde
  • weigerte sich jemand anderen zu töten und tötete sich selbst (stand im Brief, welcher später gefunden wurde)
  • Subalterne (komplexe Inszenierung)
    • konnte nicht sprechen, ihr Widerstand wurde nicht verstanden
    • durch Machtverhältnisse können Subalternen ihre Anliegen nicht durchbringen, nicht sprechen (allg.)

8.1.1. Was versteht Butler unter einer Anrufung?

Anrufung

  • klassisches Beispiel : Polizist ruft „Hey, Sie da!“ zu einem Fremden auf der Straße
    • Erinnerung : anderes Bild von Polizei - kein Freund und Helfer
  • Prinzip der Anrufung : angesprochene Passant erhält Identität - er ist derjenige der gemeint wird und somit zum Subjekt der polizeilichen Anrufung wird
  • in dem Moment wo er sich zum Polizist umdreht, nimmt er die Identität an, die der Polizist ihm gibt (heißt nicht, dass er auch so ist wie der Polizist sich ihn vorstellt)
  • man ist gezwungen eine Identität zu entwickeln, welche mit der Anrufung verbunden ist
    • Reduzierung auf etwas bestimmtes
  • Anrufungen sind oft mit struktureller Diskriminierung verbunden
    • Problematisch, wenn Anrufungen verletzen (man braucht keine physische Waffe)
  • Beschreibung kommt immer von außen
  • Immer nur eine Seite d. Menschen im Blick, auf Kosten alles anderen was er noch ist

 

Unterschied Individuum und Subjekt :

  • Individuum : der Mensch als Ganzes
  • Subjekt : nur eine gesells. Funktion (erst durch Prozess der Anrufung im Diskurs)
  • Individuum wird unterworfen und verletzbar - dadurch entsteht das Subjekt
  • Vieles was das Individuum noch ausmacht wird verworfen

- Individuum wird durch Subjektivation eingeschränkt

8.1.2 Was versteht Butler unter Subjektivation?

  • Subjektivation = Prozess, in dem ein Individuum zu einem Subjekt wird
  • Personen bekommen Eigenschaften zugeschrieben und werden auf sie reduziert
  • Butler interessiert der Ablauf der Subjektivation (Bezug auf einen Lehrer von Rancière)
  • Subjektivität ist eine zweischneidige Angelegenheit :
    • 1. Abhängig von gesellschaftlich herrschenden Normen
    • 2. Man kann Gesellschaft mitbestimmen
      • Nur Subjekt können wir Positionen einnehmen, ausüben & mitbestimmen

8.2. Welche Rolle spielt die Dekonstruktion bei Butler?
 

Dekonstruktion

  • Ist die Art und Weise wie sich Menschen gegen diese Ausschlüsse währen
  • ist die Umdeutung von Begriffen, vorallem von welchen die beleidigend sind
  • „Queer“ : steht für alle, die in ihrem Aussehen, Verhalten, etc nicht den gängigen Rollenbildern entsprechen
  • Handlungsfähigkeit des Subjekts : nicht alleine vollziehbar, Bedarf einer gesells. Gruppe
  • Dekonstruktion von politischen Subjekten: Bsp. Black Panther Party // Krüppelbewegung
    • bezeichnen sich selbst als Schwarze und als Krüppel um den Begriff für sich selbst zurück zu erobern
    • Wenden das Wort positiv für sich um (alle anderen Bezeichnungen sind zu schön zu dem was sie tagtäglich erleben )
    • Klagen auf mehr Rechte, Respekt, etc.
      • Eingriff in die Gesellschaft

8.3. Welche Rolle spielt Exklusion im Denken von Butler und inwiefern kann die Analyse von der Exklusion hilfreich zur Analyse des Diskurses um Heterogenität sein?

Exklusion

  • Entsteht bspw. durch die Geschlechterfrage
  • Ausschließung durch Rassismus Kultur und Geschlecht

 

Diskurse

  • Unser Handeln hat Wirkungen - Diskurse sind wirkungsmächtig
    • Butler : Das was man über und zu Menschen sagt, hat Wirkung
  • Wenn wir immer über Heterogenität sprechen, dann produzieren wir auch Heterogenität
    • Beispiel : Wenn man als Kind immer als Mädchen angesprochen wird, dann wird man erst dadurch zu einem
    • Stabilisierung von Ungleichheiten
    • Schaffen damit Diskurs um Heterogenität und untermauern damit Ungleichheiten

9.1. Was versteht man unter Geschlechtervielfalt?

  • Butler gehts darum auf bestehende gesellschaftliche Benachteiligungen hinzuweisen, im Hinblick auf bestimmende Geschlechtsbestimmungen
  • Begriff wendet sich gegen die Meinung, dass es nur 2 Geschlechter gibt
  • = es gibt nicht nur ein binäres Geschlechtersystem
  • Geschlechtervielfalt sagt, dass man sich Geschlecht als einen Verlauf vorstellen muss
  • Mein Geschlecht.de : Erläuterung : wenn man sich die sexuelle Orientierung als Verlauf vorstellt, dann kanln man nicht mehr klar in homo und hetero unterscheiden
  • Sexuelle Orientierung als Verlauf zu sehen ist kein neuer Gedanke
  • Geschlechtsidentität auch als Verlauf vorstellen : keine eindeutige Unterscheidung zwischen einem biologischen Mann und einer biologischen Frau, sondern viele Attribute die eine Rolle spielen ob man sich als Frau oder als Mann fühlt
  • Neben den äußeren Merkmalen kommen, noch Hormone, etc. dazu
  • Keine Unterscheidung zwischen Mann und Frau
  • Unterscheidung wird zu einer Konstruktion

 

 

  • wenn man Geschlecht und sexuelle Orientierung als Verlauf sieht, gibt es viele Begriffe :
  • Auch Jugendlichen sollte ein begriffliches Repertoire zur Verfügung gestellt werden:
  • LGBT*IQ+ = lesbisch, schwul, bi, Trans, Inter und queer
  • Trans* = Personen die sich nicht oder nicht vollständig dem Geschlecht zugehörig fühlen (romantisch oder sexuell), das ihnen als neugeborenen zugewiesen wurde
  • * = das sogenannte Gendersternchen zeigt an, dass es nicht nur 2 Geschlechter gibt
  • Inter* /Trans* = Funktion eines Platzhalters
  • Mann* / Frau* = zeigt an, dass es sich bei den Geschlechterbezeichnungen um Konstrukte handelt und nicht um biologische Wahrheiten
  • Queer = schließt alle ein, die mit Aussehen und/oder Verhalten nicht den gängigen Rollenbildern entsprechen
  • Inter* = Personen deren Geschlecht genetisch, anatomisch und/oder hormonell nicht eindeutig weiblich oder männlich ist
  • + = weißt darauf hin, dass außer diesen explizit benannten auch alle anderen geschlechtlich und sexuellen Identitäten eingeschlossen sind
  • Cisgender, cis* = alle Personen, die sich dem Geschlecht zugehörig fühlen, dass ihnen als Neugeborene zugeteilt wurde
  • Problem ist nicht die Anzahl an veschiedenen Geschlechtern, sondern das die die diskriminiert werden nicht den gängigen Rollenbildern entsprechen

9.2. Was ist mit Heteronormativität gemeint?

  • Begriff dient zur Analyse und Kritik
  • Bezeichnet die Verflechtung der Norm der Heterosexualität mit bestimmten Macht-, Ungleichheits- und Herrschaftsverhältnissen
  • Die Norm der Sexualität bestimmt unser Leben
  • Fragen der Sexualität gehen immer umher mit Fragen der Macht
  • Wir scheitern alle an den geltenden Geschlechternormen, weil niemand in der Lage ist die komplizierte Lage zu verstehen - Butler ist an dem Scheitern interessiert
  • Wie entstehen Geschlechternormen? Daran das wir miteinander sprechen und agieren. Durch die Art und Weise wie wir miteinander sprechen, entsteht eine Art Wirklichkeit = Performaitvität

9.3. Inwiefern sind Diskurse performativ und was hat diese Performativität mit Verletzbarkeit zu
tun?

  • Bezug auf Theorie von John Austin
  • Performative Sprachakte = sprachliche Äußerungen, die das was sie besagen, dadurch, dass etwas gesagt wird, produzieren. Performative Äußerungen führen also das aus, was sie formulieren, indem sie etwas formulieren - nicht nur etwas Gesprochenes, sondern zieht Wirkungen mit sich
  • Beispiel : Standesbeamte / Lehrerin
  • Die Aussage stellt die Situation her -> performativer Sprechakt
  • Performativer Sprechakt entsteht nicht alleine, ist nur im Zusammenhang sinnvoll, nur bei einem Bezug auf etwas, was vorher schon da war
  • Alle Sprechakte sind konventional
  • Beispiel „Die Jungen aus meiner Klasse sind anstrengend“ - ob es wirklich Jungs sind wissen wir von außen nicht
  • Sprache ist also wirkmächtig, stellt Wirklichkeit in einer bestimmten Weise her
  • Sprechertexte werden immer wiederholt wodurch sich die Äußerungen befestigen
  • Keine Wiederholungen, sondern sich immer wieder verändernde Zitate
  • Reiteration = Veränderter, zitatförmige Wiederholung // einsetzen in andere Äußerungen
  • Diskurse sind Systeme des Denkens und Sprechens, die das konstituieren, was wir von der Welt wahrnehmen
  • Diskurse konstituieren eine Wirklichkeit, ein Diskurs produziert also das, was in dem System des Denkens und Sprechens gesagt und gedacht wird und setzt also Menschen unter Druck, sich in das System einordnen zu müssen
  • Ein Diskurs kann Rollenbilder zuordnen und sich normativ äußern und Hierarchien herstellen

9.4. Inwiefern ist der Diskurs um Heterogenität performativ?

  • Etwas als „anders“ und „abweichend von der Norm“ zu bezeichnen, hierarchischere etwas als „normal“ und damit als gut und überlegen und etwas als „von der Norm abweichend“ und damit als „unnormal und schlecht“ und durch die Sprech- und Denkakte im Diskurs werden diese Unterschiede erst performativ hergestellt