Kennzeichne und erläutere den Charakter der Sportwissenschaft als interdisziplinäre Humanwissenschaft.
Sportwissenschaft ist eine Humanwissenschaft
- Mittelpunkt: das Bewegungs- und Sporthandeln der Menschen in der Gesellschaft - dieses ist von unterschiedlichen Aspekten und Zusammenhängen geprägt -daher muss es von unterschiedlichen Blickwinkeln interdisziplinär betrachtet werden
Nenne 10 Untersuchungsgegenstände/Inhaltsbereiche der Sportgeschichte
Körperkultur der Germanen
Formen der organisierten Jagd steinzeitlicher Menschen
Bogenschießen und Löwenjagd der Pharaonen im alten Ägypten
Pferdezucht und Pferdetraining bei den Hethitern
Ablauf und Organisation der antiken olympischen Spiele
Die schulische Gymnastik athenischer Jugendlicher im 4./5. Jhd v.Chr.
Die Begründung des deutschen Turnvereins durch "Turnvater Jahn"
Die ersten deutschen Turnvereine und die Revolution 1848/1849
Die Entwicklung des DFB, unserer Sportfakultät
Sport unter dem Hakenkreuz
Vergleiche und unterscheide die weite und die enge Bedeutung des Begriffes Sport
Enge Bedeutung: die"Konstruktionsprinzipien" des Sports sind an die gesellschaftliche-kulturelle Entwicklung gebunden Sport wird zum Ausdruck der technischen Zivilisation durch die Merkmale Fortschritt (Wachstum), Leistungsverbesserung (Rekord) und Konkurrenz (Wettkampf) nur auf Zeit nach dem 19.Jhd anwendbar Lässt nur Optimierungen zur Effizienzsteigerung zu Sport als Statussymbol Weite Bedeutung: lässt grundlegende Veränderung des Sports zu Sport ist ein Mittel > beide berücksichtigen dieWirkung der Kultur auf den Sport
Erläutere die Fachbegriffe diachrone und synchrone historische Betrachtungsweise, gib Beispiele.
Diachrone Betrachtung:
längsschnittorientiert
entwicklungsgeschichtliche Vorgehensweise, die ein Phänomen in seiner Entwicklung durch die Zeit hinweg verfolgt
Wie und warum verändert sich etwas?
Bsp: Tennismode im Wandel der Zeit Synchrone Betrachtung:
querschnittorientiert
Vorgehensweise, die die Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Aspekte in einem abgegrenzten Zeitraum in Beziehung zueinander setzt
Bsp.: Zusammenhang von Leistungssportentwicklung und olympischer Geschichte am Beispiel der DDR-Sportförderung
Vergleiche und unterscheide die beiden historischen Schemata der Epocheneinteilung
Das Antike-, Mittelalter-, Neuzeit-Schema
1. Das Antike-,Mittelalter-, Neuzeit-Schema
Körperkultur und Sport bei autochthonen, aus sich heraus bestehenden Völkern/Gesellschaften (Altsteinzeit/Jungsteinzeit/heutige Beispiele)
Körperkultur und Sport der früheren Hochkulturen Antiker Sport (Griechen, Römer, etwas 1200 v.Chr.bis 500 n.Chr.)
Mittelalterlicher Sport (500-1500)
Sport in der frühen Neuzeit (1500-1800)
Sport in der Neuzeit des 19./20. Jhd
Zeitgeschichte des Sports (Sport der heute lebenden Menschen)
> eurozentristische, für uns gewohnte Epocheneinteilung > bezieht sich auf für Europäer relevante Eckdaten der Geschichte > unterteilt Epochen klar anhand von Jahreszahlen,klare historische Abgrenzung
Vergleiche und unterscheide die beiden historischen Schemata der Epocheneinteilung
Das sozialgeschichtlich orientierte Epocheneinteilungsmuster der Sportgeschichte
Körperkultur voragrarischer Gesellschaften
Körperkultur und Sport agrarisch geprägter Gesellschaften
Körperkultur und Sport industriell geprägter Gesellschaften
Körperkultur und Sport postindustriell geprägter Gesellschaften
> abstrakter, global von alle Sporthistorikern aller Kulturen verwendbar > bezieht sich auf generelle Entwicklungsstadien innerhalb einer Gesellschaft unabhängig der Herkunft > unterteilt die Epochen allgemein in die verschiedenen beeinflussenden Faktoren (z.B. industriell, agrarisch), > keine Abgrenzung in Kahreszahlen,sondern Entwicklunngsstufen
Was ist Sportgeschichte nach J. Rüssen?
Geschichte =bedeutungsvoller Zusammenhang wischen Vergangenheit und Gegenwart, den Menschen erzählend herstellen, um Orientierung für zukünftiges und gegenwärtiges Handeln zu gewinnen
Erläutere die vierfache Bedeutung des Begriffs "Geschichte".
1. Verknüpfung von Vergangenheit, gegenwärtigem Orientierungsbedürfnis und Prozess historischer Bewusstseinsbildung, der immer wieder neu zu leisten ist und die Zukunftserwartung umfasst 2. Summe aller vergangenen menschlichen Handlungen, Begebenheiten und Entwicklungen 3. Konkrete Erzählungen mit narrativem Charakter, die einen sinnstiftenden Zusammenhang zwischen Vergangenheit und Gegenwart bezeichnen 4. Wissenschaftliche oder schulische Fachdisziplin
Was beinhaltet "historisches Denken", der Begriff "homo historicus"?
"Homo Historicus": der Geschichtsforschungen Mensch, Orientierungsbedürfnis, Ordnung und Reflektion der Geschehnisse
Historisches Denken: lebensweltlicher Prozess menschlicher Identitätsbildung, bei dem "Naturzeit" in "humane Zeit" umgewandelt wird. Durchlauf von 4 Phasen
1. Neue Zeiterfahrung, Identität bestätigend, verändernd 2. Orientierungsbedürfnis des Menschen 3. Deutende Verarbeitung vergangener oder gegenwärtiger Zeiterfahrung als Erzählung 4. Daseinsorientierung, sinnerfüllte Zukunftsperspektiven
Erläutere den Arbeitsgang einer historischen Untersuchung (historischen Methode).
Historische Methode: Gesamtheit der Regeln des historischen Denkens, die das Verfahren bestimmen, nach denen menschliche Vergangenheit als Geschichte vergegenwärtigt wird
Was ist eine Quelle? Welche Quellenarten unterscheidet man?
Quellen sind alle Hinterlassenschaften aus der Vergangenheit, die uns Informationen zu einer bestimmten Fragestellung liefern.
Man unterscheidet in: 1. Überrest und Tradition Überrest: Nicht zum Zweck der Überlieferung entstanden Tradition: Zum Zweck der Überlieferung entstanden
2. Gegenständliche und schriftliche Quellen Gegenständlich: z.B. Stadien, Geräte, Münzen,... Schriftlich: Annalen, Festschriften, Liedtexte, Landkarten,..
3. Primäre und Sekundäre Quellen Primäre: ungefilterte authentische Quelle aus der betreffenden Zeit zur Thematik der Untersuchung Sekundär: Gefilterte Quelle aus zweiter Hand
Was beinhaltet der methodische Prozess der Quellenkritik?
Beinhaltet die möglichst objektive Erhebung von Daten unter Einbeziehung der Hintergrundinformationen (Autor der Quelle, geschichtlicher Kontext,..)
1. Äußere Quellenkritik: Überlieferung/Echtheit der Quelle? Quellenart? Autor? Adressat? Wann und Wo? Zeitgeschichtlicher Zsmhang?
2. Innere Quellenkritik Erschließung des Informationsgehalts der Quelle, innere Stimmigkeit der Quelle, Notwendige Sacherklärungen
Der Erkenntnisgewinn empirisch-historischer Quellenarbeit kann theoriegeleitet erweitert werden. Was bedeutet das?
Eine Theorie hilft, historische Fragen zu klären, indem sie Hilfen zur plausiblen Verknüpfung quellenmäßiger belegter historischer Sachverhalte und Zusammenhänge liefert
> Zuwachs an Orientierung und Erkenntnisgewinn durch Fragen mit kurzer, mittlerer und langer Reichweite (Zivilisationstheorie Elias)
Wahrheit und Objektivität historischer Aussagen? Was ist die Problematik bei der Objektivität historischen Erkenntnisgewinns? Verwende bei Deiner Erläuterung das entsprechende Schaubild.
Wahrheit und Objektivität historischer Aussagen? Was ist die Problematik bei der Objektivität historischen Erkenntnisgewinns? Verwende bei Deiner Erläuterung das entsprechende Schaubild
Zentrale Frage: kann Geschichte objektiv sein oder ist es immer eine Interpretation einer Person (sei es der Historiker oder der Verfasser einer Quelle)
Historismus: man muss sich nur lang genug mit einer Thematik auseinandergesetzt haben, um eine objektive Sicht zu haben
Linguistic turn: Geschichte kann niemals objektiv sein > gleichwertig mit z.B. Poesie
Was sind die besonderen Leistungen wissenschaftlich verfassten historischen Denkens?
Zentral: Begründungsobjektivität im Gegensatz zur Produktobjektivität
Offenlegung der Fragestellungen und forschungsrelevanter Aspekte
Möglichst umfassende Suche und Bearbeitung relevanter Quellen
Offenlegung von Werten und Normen der jeweiligen Epochen
> Grundlage für die zu ermittelnden Informationen aus den Quellen Perspektiverweiterung durch "Mitdenken" anderer, mit ergänzenden und konkurrierenden Argumentationen, Leistungen für die menschliche Kommunikation überhaupt
Erläutere 5 Vorgehensweisen, wie man Antworten auf die Frage nach Ursprungstheorien des Sports finden kann.
1. Man kann alte Höhlenzeichnungen historisch-quellenkritisch betrachten/untersuchen (Historiker/Archäologisch) 2. Man kann deduktiv-plausible Antworten aus den vorherrschenden Wertvorstellungen ableiten (Sportphilosophen/-ideologen) 3. Man leitet aus lebensnotwendigen gesellschaftlichen Funktionen deduktiv-plausible Antworten ab (Soziologen) 4. Man beobachtet Kinder in verschiedenen Kulturen (Verhaltensforscher) 5. Man beobachtet und befragt sog. Autochtone Völker im Amazonas, Australien und anderen Orten (Ethnologen)
Erläutere die biologische Theoriebildung des Verhaltensforschers Eppensteiner (oder Popplow) zum Ursprung menschlicher Bewegungskultur.
"Ursport" bildet die Grundlage des Sports
Körperliche Betätigung ist triebhaft und biologisch angelegt (z.B. bei Kindern zu sehen)
körperlicher Entwicklungsreiz > Bewegungstrieb, Spieltrieb und Agressionstrieb sind der Grundstein
auf dieser Grundlage organisiert sich jede Gesellschaft nach spezifischen Werten und Normen ihren "Kultursport"
> dieser hat sozilisierende Funktion inne und ist in den Gesellschaften sehr verschieden
Erläutere die soziologische Ursprungstheorie von van Dalen/ Mitchell/ Benett
Um die Sicherheit und Entwicklung einer Gemeinschaft/ eines Stammes zu gewährleisten, stehen zwei wesentliche Punkte im Vordergrund:
Security: individuelle und kollektive Überlebensfähigkeit, wie Teamfähigkeit, Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit
Conformity: Sozialisation der Folgegeneration und Eingliederung in die Gemeinschaft durch körperkultrelle Rituale (Tanz, organisierte Jagd,..)
Erläutere des Sinn der Beschäftigung mit der Frage nach den Ursprüngen des Sports
es geht um das Nachdenken über den Ursprung > keine einzige und umfassend befriedigende Antwort auf diese Frage
es handelt sich um eine Frage der individuellen Position und somit über die sportwissenschaftliche Identität
jeder Mensch kann den Ursprung des Sports für sich individuell anders beantworten
Erläutere die Besonderheiten des Herrschaftsgebietes und der Reichseinteilung des alten Ägypten
Entstehung und Verfall von 3 "Reichen"
Zwischenzeiten politischer Unordnung und schwer kontrollierbarem, räumlich langgezogenen Reichsgebiet
ABER: tief verwurzelte ägyptische Identität
diese blieb auch über 3 Jahrtausende hinweg durch identitätsstiftende Konstanten erhalten
aus dieser wuchs immer wieder eine stabile Herrschaft
die Ägyptische Hochkultur wurde als "Geschenk des Nils" gesehen
5% bewohnbarer Lebensraum in feindlicher Wüstenwelt zwischen Libyscher und arabischer Wüste
Erläutere die epochenübergreifenden, identitätsstiftenden Konstanten der ägyptischen Hochkultur und deren Bedeutung.
Pharao ist menschgewordener Sohn des Sonnengottes Re
Götter haben Pharao die Aufgabe übertragen, über die von ihnen geschaffene Welt zu herrschen
Nur der Pharao kann die Ordnung aufrecht erhalten
Geschichte als Drama um den Pharao als Protagonisten
Erläutere den besonderen Zusammenhang von pharaonischer Bewegungs-/Körperkultur und dem Königsdogma
Pharao sollte sein Volk vor Gefahren schützen und die Weltordnung aufrecht erhalten > er musste sich Gefahren aussetzen (Krieg, Jagd)> physische Fitness
daher trainierte er Bogenschießen, Streitwagenfahren, Schiffssteuerung,..
Pharao musste 30 Jahre nach Amtsantritt seine Herrschaft durch den Erneurerungslauf untermauern
gute Ausdauer und Kraft benötigt
Erläutere den Lauf des Pharaos beim Sedfest und seine verschiedenen Bedeutungen
Lauf, bei dem der Pharao in voller Herrschermontur seine Physis unter Beweis stellen musste
Teil der Inthronisationszeremonie
Er wollte in symbolischer Form die Inbesitznahme seines Herrschaftsbereiches nachvollziehen
dadurch Erneuerung der kultisch-magischen Kraft
nach 30 Jahren im Amt muss der Lauf jährlich durchgeführt werden
Erläutere die Löwenjagd des Pharaos und ihre kultischen, politische und sportliche Bedeutung.
Löwen als Symbol der Gefährdung des ägyptischen Reiches
Pharao bewies, dass er in der Lage war, die Weltordnung aufrecht zu erhalten und zu herrschen
Jagd als Erprobung für den militärischen Ernstfall
Sowohl als Bestandteil von Zeremonien, als auch als sportliche Tätigkeit, bei der der Pharao seine Vorgänger übertrumpfen wollte
Erläutere: Das Bogenschießen der Pharaonen im Neuen Reich war der Beginn des modernen Sports.
Pharaonen versuchten ihr Vorgänger zu übertrumpfen
Rekorde wurden niedergeschrieben > mit heutigem Rekorddenken vergleichbar
Vergleichbarkeit von Leistungen durch standardisierte Ziele, Pfeile und Übungsformen
Zuschauer als Zeugen
Erläutere die Charakteristika des Altägyptischen "Sport"
Bewegungskultur mit unterschiedlichen Sinnrichtungen ist in verschiedenen gesellschaftlichen Lebens- und Funktionsbereichen eingebunden:
Nahrungserwerb
Schutz der Bevölkerung
Militär/Kampf
gemeinschaftsbildende Festkultur
Religion und Kult
Als Ausdruck ständischer Repräsentaion
Als Mittel der Erziehung und Sozialisation
Freizeitgestaltung
> daraus entwickelte sich ein organisierter Wettkampfsport mitRekordstreben und einem sportlichen Eigenwert
Haben die Pharaonen "Sport" getrieben?
Weite Sichtweise des Sports: JA
Training der Pharaonen-Prinzen für zu bewältigende Aufgaben
Betreiben von Bewegungskultur nach den damals geltende Werten und Normen
Enge Sichtweise des Sports: TEILWEISE
zwar rekordorientiertes Bogenschießen, aber ansonsten keine Übereinstimmung mit der heutigen Sichtweise auf Sport
Nenne die wichtigsten olympischen Disziplinen und fasse sie in Gruppen zusammen
1. Leichtathletische Agone: Stadionlauf, Diaulos, Dlichos, Penthathlon, Waffenlauf, Wettkämpfe der Junioren 2. Schwerathletische Agone: Ringen, Faustkampf, Pankration, Wettkämpfe der Junioren 3. Hippische Agone: Pferderennen, Viergespann, Zweigespannrennen mit Maultieren, Stutenrennen, Fohlenrennen
Erläutere die Organisation oder Finanzierung der Olympischen Spiele.
Finanzierung durch:
Staat (bauliche Grundlagen und deren Unterhalt)
politische Sponsoren (Restaurationen, Sonderbauten und Statuen)
Erläutere die Bedeutung des olympischen Sieges im Zusammenhang mit dem griechischen Menschenbild oder den Preisen und Ehrungen, die ein Olympionike erhielt.
Durch einen Sieg wurde ein Olympionike ins göttliche überhöht und genoss fortan Ruhm, Absicherung und in der Heimatstadt höchstes Ansehen. Sieg wurde als Gunstbeweis der Götter gesehen> wie ein Held gefeiert, da er von den Göttern auserwählt war, bei den Olympischen Spielen zu siegen.
in Olympia: Ölbaumzweig, Wollbinde, Palmzweig und Statue im heiligen Hain (bei wiederholten Siegen eigene Gesichtszüge)
in der Heimatstadt: Triumphzug, Prämien, Abgabefreiheit, kein Militärdienst, sozialen Aufstieg, lebenslange Speisung im Rathaus, ehrenvolle Ämter, usw.
in anderen Städten: Startgeld und höchste Siegprämien
Erläutere die regionale und soziale Herkunft der Athleten und ihren historischen Wandel.
Regionale Herkunft:
8.Jh.v.Chr. regionales Fest mit Siegern aus der Umgebung von Elis, dem Peloponnes und insbesondere aus Sparte
ab 7. Jh.v.Chr. panhellenisches Fest > Sieger aus ganz Hellas, zunehmend aus den westlichen italienischen Kolonien, aus den östlichen kleinasiatischen Kolonien und dem Nahen Osten
Soziale Herkunft:
8./. Jh. v.Chr. Dominanz adliger Sieger mit kriegerisch-agonalem Lebensstil
Dann Ablösung der adligen Reiterkrieger durch gymnasial erzogene "bürgerliche" Hoplitenphalanx
6./5. Jh.v.Chr. Demokratisierung des Spitzensports durch sportliche Erziehung breiter bürgerlicher Schichten in Gymnasien, regional staatliche Preisagone zur Spitzensportförderung
ab 4.Jh.v.Chr. Unterschichtenprofis in Leistungssport-Gymnasien, professioneller Wettkampf"zirkus" mit Berufsverbänden der Athleten
Sport wurde im antiken Griechenland zu einem eigenständigen organisierten gesellschaftlichen Teilbereich. Erläutere die Aussage.
1. Entstehung von Sportverwaltungsstrukturen, Sportbegrifflichkeit (z.B. Gymnastik) 2. Entstehung von wissenschaftlichen Trainings- und Ernährungsplänen 3. Gymnastik wird Teil der Erziehung 4. Sporttourismus und regelrechtes Sponsoring für die Olympioniken durch Olympische Spiele 5. Gründen von Athletenverbänden und Errichtung von Sportstätten 6. Ausdifferenzierung des Sports und Förderung von Spezialisierung
Erläutere die zeitgenössischen Bezüge für den jungen französischen Asterixleser Mitte der 1960er Jahre mit Blick auf die Aufarbeitung der deutschen Okkupation Frankreichs
...
Erläutere Weltbild und "ständische Ordnung" im Mittelalter.
Ständeordnung war von Gott gegeben
jeder Stand lebt für sich, musste aber Leistungen für das Gesamtsystem erbringen
1. Stand: Geistlichkeit (Willen und Sprache Gottes unter das Volk bringen)
2. Stand: Adel, Ritter (Schutz und Kriegsführung/Funktion einer Polizei)
3. Stand: Bauern, Handwerker, Kaufleute (Leisten von Arbeit und Abgabe von Steuern
Erläutere Charakteristika der Bewegungskultur im Mittelalter und früher Neuzeit
es herrschte eine enorme Vielfalt in der Bewegungskultur (z.B. durch strikte Ständetrennung
blutige Auseinandersetzungen (z.B. bei Ritterspielen) waren normal
organisierte Struktur war der Oberschicht vorbehalten
Sport wurde als Erziehungsmittel eingesetzt (Ansätze des modernen Sportgedankens)
Das Jahnsche "Turnen". Erläutere die Begriffsbildung und was Jahn darunter verstanden hat
der Begriff des "Turnens" leitete sich von dem mittelalterlichen "Turnieren" ab > sich wenden, sich drehen
Jahn verstand darunter alles, was am Turnplatz angewendet werden kann, um die Kultur des Deutschen zu stärken
z.B. Laufen, Springen, Übungen zur Haltung, Turnen, Schwimmen, Klettern
Das Turnen Jahns hatte organisatorischen Charakter. Erläutere die Aussage am Beispiel des Ablaufes eines Turntages.
Ablauf eines Turntages:
1. Festlegung fester Zeiten und eines festen Ortes 2. Aufteilung des Tages in zwei Hälften 1. Teil: Turnkür (Freie Bewegung und Wahl der Disziplin) 2.Pause (Essen und Trinken; war während der restlichen Zeit verboten) 3. 2. Teil: Turntraining (Einteilung nach Jahrgängen, Üben einzelner Bereiche nach Anweisung)
> formalisierter und sachlogisch sinnvoll geplanter Ablauf)
Nenne und erläutere in Stichpunkten zentrale politische Ereignisse, die das Jahnsche Turnen beeinflussten
Politische Ereignisse: 1. 1806-1815: Preußische Reformen: Reaktion auf die Niederlage Preußens gegen Napoleon; Reformen basierten auf Ideen der Aufklärung 2. 1813/1815: Niederlage Napoleons bei Leipzig/Waterloo; viele Turnen (auch Jahn) kämpften gegen die Franzosen 3. 1814: Schauturnen vor 10.000 Zuschauern/Königlicher Familie 4. 1815:Wiener Kongress > deutscher Bund (kein Nationalstaat, nur Fürstenbund) 5. 1817: Wartburgfest: Turner, Studenten und Liberale fordern nationale Einheit und Verfassung 6. 1819: Kotzebue von einem Turner ermordet; Karlsbader Beschlüsse zur Bekämpfung nationaler und freiheitlicher Strömungen > Schließung aller Turnplätze ("Turnsperre")
Erläutere exemplarisch den Zusammenhang von politischer und Turngeschichte 1810-1819.
Sieg Napoleons über Preußen > Zerfall des mittelalterlichen deutschen Staatsgebiets (Reduzierung Preußens auf die Hälfte seines Staatsgebietes), vollständige Kontrolle durch die Franzosen
> Jahn wird zumNationalisten (Schreiben des "Deutschen Volkstums", Errichtung der Hasenheide und anderer Turnplätze) Ziel: Turnplätze als Keimzelle eines neuen deutschen Staates; Erziehung der deutschen Jugend zur Wehrtüchtigkeit
Was wollte Jahn? Kennzeichne sein widersprüchliches Gedankengut.
Abschaffung der Ständegesellschaft (Gleichberechtigung der Menschen)
Im Gegensatz dazu: stark nationalistisches und antisemitisches Denken (Ablehnung jeglichen Umgangs mit anderen Völkern oder Kulturen; z.B. das Erlernen von Fremdsprachen)
Kennzeichen die Entwicklung von der Turnsperre 1819 bis zur Gründung der Königlichen-Zentral-Turnanstalt im Jahr 1851.
1819/20: Erlass der Turnsperre, Verbot des Jahnschen Volksturnens und des preußischen Schulturnens
1842: König Friedrich Wilhelm IV. Hebt die Turnsperre aufgrund des schlechten Gesundheitszustandes der Jugend auf: Vereine bilden sich
1844: "Circular Rescript zur Förderung des Schulsports an preußischen Schulen", Ausbildung von Sportlehrern und Anlegen von Turnplätzen
1851: Königliche-Zentral-Turnanstalt wird gebildet, Turnen wird allmählich zu einem Schulfach
Kennzeichne den Verein und seine Bedeutung als Organisationsform im 19.Jh.
Verein = freiwilliger, befristeter und sich selbst und nach fixierten Regelungen organisierender Zusammenschluss von Personen, die gemeinsam formulierte Ziele verfolgen > als freie "Assoziation" sich selbst bestimmender, gleichgestellter Individuen ist der Verein eine Errungenschaft der sich entwickelnden selbst organisierenden Bürgergesellschaft!
Bedeutungsverlust traditioneller Formen der Vergemeinschaftung (Standesorganisationen, Zunft, Bruderschaft,...) > Verein wird die universelle Organisationsform gesellschaftlicher Interessen und insbesondere der deutschen Turn- und Sportbewegung seit dem19.Jh. (Kultur, Sport, Alltag, Politik, Wirtschaft, u.a.)
Erläutere, was die Faszination des Sports als neue Lebensform im 19. Jh. ausmachte.
Sport als Lebensgefühl der modernen Industriegesellschaft
Sport galt der Gemeinschaftsbildung (innerhalb einer Schicht), als Freizeitgestaltung und Unterhaltung, in der aber auch die Leistungen verglichen und Rekorde aufgestellt werden konnten
Auch Technisierung wurde im Sport vorangetrieben, sodass er nicht zuletzt auch finanziellen Interessen galt
> Verkörperung maßgeblicher Verhaltensweisen und Werten im Sport
Erläutere: Sport wird in den 1920er Jahren ein eigenständiger, ausdifferenzierte, gesellschaftlicher Teilbereich mit vielfältigen Dienstleistungsfunktionen für eine moderne Gesellschaft.
Selbstorganisation im Sport: Entstehung von Vereinen mit Dachverbänden, staatlicher Förderungen und internationalen Wettkämpfen in den 20er Jahren
Entwicklung einer systematischen Berichterstattung im Sport (Sport als Massenphänomen)
Ausbau des Wissenschaftsbereichs (Erforschung von Theorien der Leibesübungen zur Ausbildung von Trainern und Ausbildern)
Sport wurde zu einem festen Bestandteil der schulischen Ausbildung sowie auch Außenpolitik
Erläutere die quantitativ-zahlenmäßige Größenordnung und die fachliche Ausdifferenzierung der Weimarer Turn-und Sportbewegung.
1929: 66 selbstständige Turn- und Sportverbände mit 85.000 Vereinen und 6 Mio. Mitgliedern
> Ausdifferenzierung in die Bereiche:
Erläutere die politisch aufgespaltene Organisationsstruktur der Weimarer Turn- und Sportbewegung.
DRA (Deutscher Reichsausschuss für Leibesübungen) > bürgerlich national organisiert
unter ihm befanden sich die Turnerbände, Verbände für Leibesübungen und konfessionelle Sportverbände
Im Gegensatz zu DRA: ZA (Zentralkomission für Arbeitersport und Körperpflege) > eher sozialistisch orientiert, spaltete sich 1930 in einen sozialdemokratischen und einen sozialistischen Teil
Erläutere die These über die 1920er Jahre vom "Absturz aus der Moderne"
seit 1900 kommt es zu schnellen gesellschaftlichen und politischen Wandeln > Zeit der Widersprüche und Kontraste > Psycho-soziale Überforderung der Gesellschaft (diese sehen sich nach Sicherheit und Orientierung gebenden autoritären Strukturen
> finden diese in faschistischen und kommunistischen Versprechen und nehmen diese Denkweisen an
Weimarer Republik scheitert an diesen Spannungen
Erläutere: "Sport" wurde am Ende der Weimarer Republik von Demokraten, Kommunisten, und Nationasozialisten zu einem paramilitärisch instrumentalisierten Machtinstrument
Linksradikale Seite: Roter Frontkämpferbund 1924 Wehrsportvereinigung SDP/DDP: Reichsbanner Schwarz/Rot/Gold (Demokratie) als Schutzreaktion der Weimarer Korrelation, politischer Schutz auf der Straße Eiserne Front 1924: Nationalsozialistische Partei NSDAP: Als Schlägertruppe unter "Sportboxen" für Sturmabteilung > "braune Flut" Wehrsport: Wurf von Handgranaten
> ähnliche Symbolik: Militärisch, wehrsportliche Aktivitäten, Rituale und Führerprinzip, Aufmarsch und Sprachrituale > Spiegelbild der Weimarer Republik
Beschreibe mit eigenen Worten, wieso die NS-Sportideologie einem frei organisierten Vereinswesen fremd gegenüberstand ("Der Leib ist ein Politicum", A. Bäumler)
Nazis sahen Leibeserziehung, körperliche Fitness und deren Pflege als einen zentralen Punkt innerhalb der Erziehung junger, "rassischer Deutscher" an
> sollte der nationalen Volksgemeinschaft für die folgenden Generationen leistungsfähige Nachkommen sichern
der einzelne Mensch wurde als Baustein des großen ganzes betrachtet > keine Individualität
Leibeserziehung sollte auch nach diesem Prinzip erfolgen
Kennzeichen den Umbau des deutschen Sports 1933-1936
1933: Machtübernahme der Nazis (Vereine und Deutscher Reichsbund für Leibesübungen als sportpolitisch notwendige und geduldete Organisationsbasis des Sports) 1933: Anbiederung und "Selbstgleichschaltung" der bürgerlich-nationalen Verbände 1933/34: Zerschlagung/Verbot sozialistischer und sozialdemokratischer Vereine und Verbände 1933-35: Gleichschaltung und Zentralisierung des Verbandswesens im Reichsführerring/DRL > Vereine bleiben erhalten 1935: Einheitssatzungen für alle Vereine (§2: Arierparagraph, Wehrtüchtigung, Führergrundsatz) "Erstaunliche Stabilität der St. Turn- und Sportvereine" als intakt bleibende Sport-Organisationsbasis
Charakterisiere die Entwicklung der NS-Sportorganisation 1936-1938/39 nach der Radikalisierung der NS-Herrschaft nach den Olympischen Spielen
1936-1938/39: Radikalisierung der NS-Herrschaft und Kriegsvorbereitung > systematische und auch untereinander konkurrierende organisatorische Ausweitung der Parteigliederungen SA, DAF, HJ und SS auf den Bereich des Sports
1936 bis 1939: Staatsjugend! Alle Jugendlichen bis 18 Jahre > HJ- Sport (keine Vereinsmitglieder!)
1934-1937: Vordringen der SA in den Bereich des organisierten Sports (nach politischer Entmachtung 1934)
ab 1936: Aufbau von NS-Betriebssportgemeinschaften in allen Wirtschaftsunternehmen
Errichtung von SS-Sportschulen mit beachtlichen Erfolgen
> Verdrängung der Turn- und Sportbewegung durch Parteiformationen
Rückgang der Mitgliederzahlen von 6 mio auf ca. 2 Mio
Kennzeichne die Planungen für ein NS-Sportsystem 1939-1943
1939-1943: Bündnis von DAF-Führer Ley und SA-Stabs-Chef Lutze zur totalisieren Neuorganisation eines NS-Sportsystems unter Ausschaltung des Vereinswesens
3 große Bereiche:
1. SA => Wehrsport > Wehsportabzeichen, Geländesport, Schießen
2. DAF (Deutsche Arbeiter Front) /KdF (Kraft durch Freunde) > Volkssport > Frreizeit- u. Breitensport in Betrieben
3. Fachämter des Nationalsozialistischen Reichsbundes für Leibesübungen > internationaler Leistungssport
> Ende des Vereins- und Verbandswesens als universelle Organisationsform einer bürgerlich-demokratischen Gesellschaft
> Totalitäre Veränderung und Anbindung von Sport an Partei und Staat
Erläutere den Begriff Erziehung unter Verwendung der Begriffe "Personalisation und Sozialisation"
soziale Interaktion zwischen Menschen, bei der ein Erwachsener planvoll und zielgerichtet versucht, bei einemKind erwünschtes Verhalten zu entfalten und zu stärken.
dabei lässt sich in zwei Kategorien unterschieden, die miteinander interagieren:
Personalisation:
bezieht sich auf den "Ich-Aspekt" des zu erziehenden Individuums
Entwicklung individueller Anlagen des Menschen
Bewegung als pädagogisches Instrument zur Entwicklung individueller Anlagen
Sozialisation:
bezieht sich auf den "Wir-Aspekt" in der Erziehung
Produktive Teilhabe an der Gesellschaft
Fähigkeit zur Teilhabe an der gesellschaftlich entwickelten, bestehenden Sportkultur
> Ziel: Selbstverwirklichung in sozialer Vernatwortung
Erläutere den "besonderen" Zusammenhang von Ideologie und Pädagogik in der nationalsozialistischen Leibeserziehung
Die NS-Iderologie als Basis des pädagogischen Denkens und Handelns > Richtwert und das Ziel jeglicher erzieherischer Maßnahmen > Ziel: "Heranzüchten" perfekter Menschen im Sinne der Nazi-Ideologie
Sport (Leibeserziehung) vermutlich gängigste Methode zur Vermittlung nationalsozialistischer Inhalte (Volk, Wehr, Rasse, Führertum)
> durch Spielen, Spaß und Bewegung > "Erziehung des Leibes durch den Leib" > Leibeserziehung von großer Bedeutung innerhalb der pädagogischen Arbeit in den Strukturen der Nazis
Erläutere und Begründe die Bedeutung der Sozialisation im Rahmen der NS-Leibeserziehung
Ideologisches Gedankengut der Nazis > Individuum als Teil des Ganzen > Sozialisation sehr wichtig
Konzentration auf "Wir-Aspekt" > Stärkung der Volksgemeinschaft, flächendeckende Verbreitung nationalsozialistischer Werte
Gleichgeschaltete, einheitliche Sportangebote > keine individuelle Ausprägung möglich
> Die soziale als einzige Bezugsgröße
Sozialisation = elementar
Erläutere die Phasen der Schulsportentwicklung im nationalsozialistischen Deutschland
1. 1933- 1937: Phase der Sofotmaßnahmen
Einführung der SA-Befehlssprache im Sportunterricht
Einführung des Boxens im Sportunterricht
Einführung einer 3. Turnstunde im Sportunterricht
Förderung von Geländesport in der Schule
Schulverweis vom Gymnasium bei dauerhafter sportlicher Minderleistung
2. 1937-39:Phase der planmäßigen inneren und äußeren Umgestaltung
Neuordnung, Vereinheitlichung und Verkürzung des gymnasialen Schulwesens
Richtlinien für die Leibeserziehung in Schulen 3. 1939-45: Phase der kriegsbedingten Improvisation
REM-Erlass (Reichs-Erziehungs-Ministerium), Notprogramm zur Ausgestaltung der LE in Schulauen, Klassenräumen, im Gelände und auf dem Schulhof
Westfälische Sonderrichtlinien zur Leibeserziehung im Krieg (Zusammenfassen von Klassen, Einsatz fachfremder Lehrer, Verringerung und Verkürzung der Wochenstundenzahl
Erlasse zu Luftalarmen, Kinderlandverschickungen, Schüler-
Das Fach Leibeserziehung hatte eine besondere Stellung in der nationalsozialistischen Schule inne. Erläutere die Aussage am Beispiel der Richtlinien von 1937 für die Leibeserziehung an Jungenschulen
Leibeserziehung rückte innerhalb des Schulsystems mit dem Zweck der körperlichen "Stählung der Volkskörper" ins Zentrum
keine schulformspezifische inhaltliche Differenzierung
modern anmutende Übungsstoffgestaltung nach kindlich und jugendlichen Entwicklungsstufen
quantitative Austockung auf 5H/Woche von Klasse von 5 bis 12 (meist gelehrtes Schulfach)
Sportlehrer vom Außenseiter des Kollegiums zum NS-Erzieher höchster Bedeutung
Aber: pädagogisch und methodisch menschenverachtende "Revolution"
Erläutere Organisation und Umfang des Breitensports in der DDR.
Organisation durch den "Deutschen Turn- und Sportbund" (DTSB)
alle volkseigenen Betriebe sollten "Betriebssportgemeinschaften" haben (sportartorientiertes Breitensportangebot)
keine freie Wahlmöglichkeit der Betriebsangehörigen > geringer Organisationsgrad von 15% im Breitensport
Später: Zusammenschluss der BSGs nach Produktions- und Dienstleistungsbereichen (Betriebssportvereinigungen)
80% flossen in den Leistungssport
> Breitensport als vernachlässigter Teilbereich
Was bedeutet der Begriff "Diplomaten im Trainingsanzug" vor dem Hintergrund der deutsch-deutschen Auseinandersetzung im Kalten Krieg?
die internationalen sportlichen Leistungen der Athleten der DDR und auch der BRD galten als wichtiges Instrument zur Gewinnung von Anerkennung in der Welt
Erfolge konnte auch politische Folgen auslösen
DDR kämpfte um internationale Anerkennung als eigenständiger Staat neben der BRD, die durch eigenständige sportliche Erfolge vorangetrieben werden sollte
Erläutere Organisation und Finanzierung des DDR-Leistungssports.
stark geordnetes System, totalitär und effektiv auf die besten Leistungssportler ausgerichtet
System wurden vom Staat mit viel Geld unterstützt
abgegrenzt vom Breitensport
Leistungssport erhielt Vorgaben vom Staat
80% der finanziellen Ressourcen für den Sport flossen in den Leistungssport
80% der Diplomsportlehrer arbeiteten im Leistungssportbereich
Nenne und erläutere stichpunktartig die Stufen des Leistungssports-Fördersystems DDR, ausgehend von der ESA.
Erläutere die Merkmale des Leistungssportsystems in der DDR
diktatorisch-totalitäres (Sport)politisches System: zentral, hierarchisch und effektiv gesteuert
Zwangselemente, die nur in einem solchen System denkbar sind
sportpolitische Vorgaben durch das SED-ZK, effiziente Umsetzung durch den DTSB
Gesamtsystem von abgestimmten Teilelementen von der Sichtung bis zur Medaille
vom Staat finanziell und personell maximal ausgestattet
Autonomes Sportsystem, abgekoppelt vom Freizeit- und Breitensport
Professionelles, aber nicht kommerzielles Leistungssportsystem
Erläutere und bewerte den Prozess der sportlichen Wiedervereinigung von DDR und BRD zum geeinten Deutschland
1. Sportliche Wiedervereinigung = Integration des DDR-SPorts in den BRD-Sport/ Auflösen der DDR-Strukturen Sport nach westdeutschen Prinzipien (Ehrenamtlich, Parteipolitisch, Föderalismus)
Gründung von LSBs in den fünf neuen Bundesländern
Auflösung den DTSBs und Beitritt der neuen LSBs in den westdeutschen DSB
1992:"goldener Plan Ost" Westdeutsche Länder, Bund und DSB investieren 25 Milliarden auf 15 Jahre angelegt in den Ostdeutschen Sport
Folgen:
extrem geringer Organisationsgrad im Osten durch Wegfall der BSGs
Verzögerter Neuaufbau des Vereinswesens (marode Sportanlagen)
Aufbauphase hält bis heute an
Fazit
gänzliche, abrupte Zerschlagung der Strukturen > viele negative Folgen
gesamtgesellschaftliche Unterschiede erschweren Angleichung von Ost an West
Gesamtgesellschaftlich soziale Gleichheit = gleiche Chancen im SPortsystem
Explain the origins of the Term Derby, the Special meaning and the conditions, which make a Derby.
Origins lead to medieval Soccer Game of two local Parts of a small town called Ashbourne (Region Derbyshire, since 13th Century)
Derby is a Soccer Match between two rivalling Clubs out of one Region or town.
today a Derby is Like a Universal phenomenon an the Term is transfered in other Sports Like Basketball, Football,..
Specil meaning:
Special Symbolic and emotional meaning for the actors
a Derby doesn`t exist by itself, it`s made by the fans, the players and the clubs
Two conditions: 1. Competition between two clubs at the same sportive level for a longer time 2. Close reference of the two clubs to the region, they are living in
Explain the meaning of the big Revier Derby in the public min today
on one hand: confrontation an enmity
at the same time: solidarity and community
...nochmal genau schauen
Explain the relationship between BVB and SO4 from 1925 to 1980
The verified reality of the Revierderby exists since only 30 years 1934: Thousand of Dortmunder had to sign into the golden book of the town 1935: Ernst Kuzorra, national player and famous Schalker champion became coach of BVB in an eergency situation for Dortmund 1956: Solidarisation of BVB-fans with S04 because of the unfair regulations against the team of the KSC 1966: BVB- Europapokalsieger, celebrated in the towns of Dortmund an in the same way auf Schalke 1974: BVB relegation from Bundesliga to Regionalliga West, dangerous financial crisis, S04 as a Benefiz-match-partner at the Westfalenstadion with 50.000 fans an did not take money for that
> from 1925 to 1980: a sportive and fair competition without hostile enmity
Explain some different reasons for the development of an hostile an electrifying Revier Derby situation.
the coal and steal crisis in 1960/1973, social networks an financial support for the football-clubs disappeared > instable conditions for development
BVB 1972-76 in den Regionallige while Schalke had three ups and downs
winning and losing becomes a question of existance
moments of extreme emotions an identification of the fans with the clubs, on times of social uproar in the whole region
behaviour of the fans from "Kuttenfans" to Hooligans and today Ultras
concepts of "Sportainment" make the derbies to a main subject in den newspapers, TV,...
the mother of all derbies is either a construct an concept of media.
Von den triebbestimmten Bewegungsformen zum postmodernen Sport: Benenne die 4 Phasen der Entwicklung und erläutere jeweils mit Stichworten.
1. Frühzeitliche Bewegungsformen
Spontane, triebbestimmte Verhaltensweise
Anthropologische Konstanten: Bewegung als Kampf, Spiel, Jagd
2. Vormoderne Bewegungskultur - institutionalisierte Formen der Bewegungskultur in den Bereichen Erziehung, Militär, Unterhaltung, Religion,..
3. Postmoderne Sportkultur
Sportvielfalt in einem organisatorisch und wertemäßig ausdifferenziertem Sportsystem
Erläutere die Charakteristika der "vormodernen institutionalisierten Bewegungskultur" und gib Beispiele.
...
Erläutere die These von Christian Garf von Krockow zur Entstehung des modernen Sports.
These:
der moderne Sport ist ein Produkt unserer industriellen Gesellschaft
England als erstes industrielle Entwicklung der Gesellschaft > dort hat sich der moderne Sport entwickelt Begründung
"Leistung, Konkurrenz, Gleichheit" > Grundprinzipien der Industriegesellschaft = moderner Sport
Grundprinzipien und Verhaltens weisen prägen auch weitere gesellschaftliche Teilbereiche
Sport setzt die Grundprinzipien einer Industriegesellschaft idealtypisch um
Leistungen von Sportlern können auch von Laien von außen betrachtet werden > Weite beim Weitsprung
> These plausibel, aber nicht hinreichend und in der Chronologie des Sports nicht ganz korrekt
Erläute das sog. Duale System des Sports
Einerseits: freie Sportbewegung
freie Entfaltung
Subsidarität
Andererseits: Staatlich
Sportpolitik als selbstverständliche Aufgabe der öffentlichen Hand im Rahmen der Daseinsvorsorge
Erläutere das Pyramidensystem des Sports.
Erläutere die Ausdifferenzierung des Sports in verschiedene Subsysteme vor dem Hintergrund des Wertewandels in den 1980er Jahren
...
Sporthistoriker können auf verschiedenartige Orientierungsleistungen historischen Denkens verweisen. Nennen Sie vier dieser Orientierungsleistungen und erläutern Sie eine davon genauer.
1. Problemorientierte sporthistorische Orientierungsleistung 2. Erweiterung des Erfahrungshorizonts:
Beobachtung anderer Arten des sportlichen Treibens (andere Kulturen mit anderen Sport- und Leistungsverständnissen)
unser Sportverständnis und die Art und Weise, wie wir es ausleben, ist nicht universell und nur eine Möglichkeit von vielen
Warum ist ein "offener"/weiter Begriff von Bewegungskultur/Sport in kulturhistorischer Perspektive sinnvoll?
Sport wurde/wird von den unterschiedlichen Kulturen anders aufgfasst und ausgelebt
immer an die zu der Zeit bestehenden Werte und Normen angepasst
"Sport" ist demnach wandelbar und veränderbar
> lieber von Körper- und Bewegungskultur als von Sport reden
Erläutere Organisation der Gladiatur.
Organisation:
Vertragsverhandlungen um Zahl und Qualität der Gladiatoren, Begleitprogramm
Professionelle Werbefirmen (Plakate, Plakatträger, Ausrufer, Programmhefte) Wochen vor Ereignis
Öffentliches Abendmahl des Veranstalters (editor) mit seinen Gladiatoren am Abend vor dem Wettkampftag
Am Kampftag (pompa): Marsch von Formu Romanum zum Kolosseum; mit Götterbildern auf Wagen, Kapellen, Kämpfern...
Ehrenbezüge vor der Kaiserloge
Erläutere den Ablauf der Gladiatur.
Ablauf:
Vormittags: Pompa und Einmarsch, Tierhetzen
Mittagspause: Tombola mit Gewinnen, Hinrichtungen, gebratenes Wildtierfleisch, Wettgeschäfte, Kapellen, Akrobaten, > Eventisierung (ritualisierende emotionale Verbindung von Zuschauer mit dem Ereignis)
Nachmittag: Höhepunkt der Gladiatorenkämpfe
eingeleitet durch Vorkämpfer
Einmarsch der Gladiatoren, Gruß vor dem Editor
3-5 Einzelkämpfe nach Ranglistensystem, Kampfregeln (Schiedsrichter)
asymetrische Kämpfe gleichrangiger Kämpfer mit unterschiedlicher Bewaffnung
Warten auf Entscheidung (Überbrücken mit Musik)
Begnadigung oder Todesstoß
Ende: Charun als römischer-etruskischer Totengott schlägt den Getöteten mit dem Hammer und nimmt ihn für die Unterwelt in Besitz
Erläutere Wertvorstellungen und daraus resultierende Verhaltensnormen der römischen Gladiatur.
Erläutere den Sumo-Dohyo als shintoistisch geprägten Ort und die dort praktizierten Rituale der Kämpfer.
Sumo-Dohyo:
Abbild der Welt
Überdachung durch Schrein
begrenzt durch 4 Bäume der 4 Jahreszeiten
geheiligter Boden (Reinigung mit Salz und begossen mit Glück bringender Sake)
Yokozuna (oberster Ehrengang eines Sumotori) > vertreibt böse Geister (Stampfen) und weckt die Götter (Klatschen)
Kultisch-religiös bestimmte Rituale:
Respekt gegenüber dem Gegner als göttlicher Kampfpartner
Hände klatschen
Salz vor, Sake nach dem Kampf
Stampfen auf den Boden
Erläutere die sich wandelnden Wertevorstellungen und Normen des Sumo am Beispiel von drei Etappen der historischen Entwicklung.
1. Schrein-Sumo.
kultisch-religiöser Hintergrund
Opferritual
Garantie der Ernte
Möglichkeit der Konfliktlösung als Gottesurteil
Unterhaltung der Götter
2. Kaiser-Sumo ab 8. Jhd n.Chr.
religiöser Charakter bleibt, Unerhaltung am Hof tritt in den Vordergrund
Reglement, Kampfring
Ausbildung kämpferische Elite
3. Samurai-Schlachtfeld-Sumo, ab 1192
kriegerische Zwecke
Sumo als Teil der militärischen Ausbildung (Jiu Jitsu)
militärische Wehrtauglichkeit
Erläutere den Ball"spiel"platz und die Regeln des Ulama/Pok ta Pok.
Ball"spiel"platz:
zwei aneinandergelegte "T"s
steinverkleidete Böden/Böschungen
Spiel mit Bande, schräg oder senkrecht
Häufig: Ring in 1-7m Höhe in der Feldmitte
Feldmarkierungen, Quer-/Längslinie
Regeln:
2 Mannschaften, abh. von der Feldgröße (2-15 Spieler)
jede Mannschaft versucht, den Ball in das Feld der anderen Mannschaft zu treiben
Ball draf nicht in eigenem Feld zur Ruhe kommen
Ball soll fliegen, möglichst selten den Boden berühren
darf nur mit einem/zwei Körperteilen berührt werden (Regional verschieden)
Kick durch den Ring: Spielende
> Spiel des Lichts gegen die Finsternis Ball metaphorisch als Sonne, die nicht untergehen darf
Das Ball"spiel" war grausam und menschenrechtswidrig? Bewerte das Maya-Ball"spiel" in differenzierter Form.
Damalige Sicht:
Spiel zur Erhaltung der Welt in Notzeiten
religiöse Opferhandlung
Einvernehmen mit den Göttern
fatalistisches Götterverständnis (Aussaat, Ernte oder Krieg wurden durch Spiel entschieden)
Unterhaltung
Heutige Sicht:
Barbarisch
Mord
> mit heutigen Werten und Normen nicht mehr zu vereinen, aber damals war es eine Art Entscheidungen zu treffen (treffen zu lassen), es waren Rituale, Opfergaben
Weshalb kann die Beschäftigung mit toten Gladiatoren, Ball spielenden Maya mit heraus geschnittenem Herz sowie mit stämmigen japanischen Sumokämpfern erkenntnisbringend sein?
Befriedigung persönlicher historischer Neugierde
Das Fremde/das Andere als bedeutsamen historischen Erfahrungsschatz
Hitorisch-anthropologischer Blick ermöglicht eine konstruktiv-kritische Distanz zu den eigenen Verhaltensweisen
durch diese Betrachtung der fremdartigen Vorstellungswelt und der Lebensbedingungen kann man sie nachvollziehen und verstehen (eintauchen) und sie bewerten (auftauchen) (im Hinblick auf Werte und Normen)
historisch-forschender Blick auf das Andere und damit auch zu einem reflektierenden Blick auf die eigene Identität