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Soziale Kognition

  • Art und Weise, wie Menschen über sich selbst und ihr soziales Umfeld (ihre soziale Umwelt) nachdenken
  • Mentale Prozesse, die dem sozialen Verhalten des Menschen zu Grunde liegen (Fiske & Taylor, 1991)

Forschung zur sozialen Kognition

„Soziale Kognition untersucht die Schritte im Strom der Gedanken, die Menschen sich über andere Menschen machen.“ (Fiske, 2004)

Fragen der Forschung zu sozialer Kognition

-Auf welche sozialen Informationen richten wir unsere Aufmerksamkeit? - Wie werden sozial relevante Informationen wahrgenommen, abgespeichert (enkodiert), organisiert und abgerufen? - Wie beeinflussen soziale Informationen Entscheidungs- und Urteilsprozesse?

Werkzeuge der Kognition

Wahrnehmung, Gedächtnis, Überlegungen, Sprache, usw.

Aktive Strukturierung der Informationen (Reize) unserer sozialen Umwelt - Selektion -

Wir richten unsere Aufmerksamkeit auf das, was unseren Erwartungen und Bedürfnissen entspricht.

Aktive Strukturierung der Informationen (Reize) unserer sozialen Umwelt - Organisation -

Wir strukturieren die Reize so um, dass sie zu unseren Persönlichkeitstheorien, Stereotypen oder Vorannahmen passen

Aktive Strukturierung der Informationen (Reize) unserer sozialen Umwelt - Akzentuierung -

Wir verleihen bestimmten Reizen besonders großes oder besonders geringes Gewicht

Aktive Strukturierung der Informationen (Reize) unserer sozialen Umwelt - Rigidität -

Wir tendieren dazu, (mehrdeutige) Informationen so umzuinterpretieren, dass einmal gewonnene Eindrücke bestätigt werden

Aktive Strukturierung der Informationen (Reize) unserer sozialen Umwelt - Vereinfachung -

Reduktion von Komplexität (bspw. Ausschluss von nicht stereotypkonformen Informationen)

Mechanismen sozialer Kognition: Schemata

= mentale Strukturen, die unser Wissen über die soziale Welt enthalten und ordnen - Extrem breite Inhaltsbereiche

Mechanismen sozialer Kognition: Schemata 2

bestimmen, welche Informationen überhaupt wahrgenommen (sensorische Aufmerksamkeitsausrichtung), verarbeitet (Bewusstseinsfähigkeit), gespeichert (Gedächtnis) und abgerufen werden

Mechanismen sozialer Kognition: Schemata 3

Wesentlich beim Erfassen aller neuen Situationen (vor allem hinsichtlich Ordnungsfunktion, Wissensergänzung, Sinngebung)

Mechanismen sozialer Kognition: Stereotype

  • Schemata, die sich auf Mitglieder einer sozialen Gruppe beziehen
  • Kognitive Struktur, die unser Wissen, unsere Überzeugungen und unsere Erwartungen über/an eine soziale Gruppe von Menschen enthält

Mechanismen sozialer Kognition: Kategorisierung

Tendenz, zwei oder mehr unterscheidbare Objekte oder Menschen aufgrund gemeinsamer charakteristischer Merkmale in diskrete Gruppen einzuteilen, zusammenzufassen und als gleich zu behandeln.

Merkmale der Kategorisierung

  • Kategorisierung ermöglicht Ökonomie der Kognition
  • Kategorisierung ist grundlegend für alle kognitiven Prozesse (Wahrnehmung, Gedächtnis, Denken und Handeln)

Anwendung von Schemata abhängig von…

Verfügbarkeit (Availability) Zugänglichkeit (Accessibility) Anwendbarkeit (Applicability)

Priming

-Prozess, bei dem gerade Erlebtes die Zugänglichkeit eines Schemas verstärkt - Die Aktivierung eines Stimulus erleichtert die anschließende Verarbeitung eines anderen, damit zusammenhängenden Stimulus

Selbsterfüllende Prophezeiung

Vorgang, bei dem die Erwartungen, die eine Person X über eine Person Y hat, ihr Verhalten Person Y gegenüber beeinflussen. Y verhält sich daraufhin konform zu den ursprünglichen Erwartungen von X und erfüllt sie damit.

Perseveranzeffekt

Beharren auf Annahmen bezüglich der eigenen Person oder der sozialen Umwelt, auch nachdem die reale Grundlage dieser Annahme außer Kraft gesetzt wurde.

Zwei Arten/Modi der sozialen Kognition - Automatisches Denken/ Automatischer Prozess -

= Autopilot - Läuft ohne Bewusstheit ab - wird nicht intendiert (ohne Absicht) - ist unkontrolliert - geschieht ohne Anstrengung/Aufwand Bsp: Schalten beim Autofahren

Zwei Arten/Modi der sozialen Kognition - kontrolliertes Denken/ kontrollierter Prozess -

= Kontrolierte Steuerung - Bewusst - absichtlich (intendiert) - Unterliegt der willentlichen Kontrolle des Individuums -Geschieht mit Aufwand -Erfodert Bewusstsein -Stört andere kontrollierte Prozesse

Notwendige Voraussetzungen für das kontrollierte Denken - Zwei Wege der Informationsverarbeitung -

Systematische Informationsverarbeitung (zentrale Route) Heuristische Informationsverarbeitung (periphere Route)

Notwendige Voraussetzungen für das kontrollierte Denken - Kontrolliertes Denken setzt voraus: -

  • Kognitive Kapazität bzw. kognitive Fähigkeit
  • Motivation (Epistemische Motivation)

„Bounded Rationality“ (Simon, 1957)

Menschen sind kognitive Geizkragen („cognitive miser“)

Unbewusste kognitive Prozesse

… sind entscheidend um sich trotz der tagtäglichen Informationsflut in der Welt zurecht zu finden … üben einen wesentlich größeren Einfluss auf unsere Entscheidungen und unser Verhalten aus, als wir meinen

Zusammenspiel automatischen und kontrollierten Denkens

Anfängliche Akzeptanz der Information -> Automatischer Verarbeitungsprozess

Überprüfung des Wahrheitsgehalts der akzeptierten Überzeugungen De-Akzeptieren wenn notwendig -> Kontrollierter Verarbeitungsprozess

Gilbert (1991): Modell der automatische Akzeptanz

Kontrollierte Prozesse setzen nur ein, wenn… - (a) Motivation zur systematischen Informationsverarbeitung und (b) kognitive Kapazitäten bzw. Fähigkeiten gegeben sind

Rebound Effekt (Wegner 1992)

Je stärker man versucht, bestimmte Gedanken zu unterdrücken, desto verhemender drängen sich diese Gedanken zurück ins Bewusstsein.

Heuristik

  • Kognitive Faustregel oder mentale Abkürzung
  • Wird in mehrdeutigen, unsicheren Situationen verwendet
  • Automatisch ablaufende Prozesse

Vorteile von Heuristik

  • Informationen erhalten ohne großen kognitiven Aufwand (geringe Kosten)
  • Liefern häufig zutreffende Ergebnisse

Nachteile von Heuristik

  • liefern wegen ihres vereinfachten Charakters nicht immer zutreffende Ergebnisse
  • Möglichkeit falscher Schlussfolgerungen aufgrund unzureichender Informationsverarbeitung

Urteilsheuristiken

Faustregeln, nach denen sich der Mensch richtet, damit er sich schnell und effizient Urteile bilden kann

Arten von Urteilsheuristiken

Verfügbarkeitsheuristik Repräsentativheurstik Anker- und Anpassungsheuristik Biased Sampling

Räpresentativheuristik

Mentale Faustregel, bei der etwas danach klassifiziert wird, wie ähnlich es einem Prottyp ist. Die Basisrate wird hierbei vernachlässigt.

Ankerheuristik

Anfängliche Information oder ein Teil einer Infomation setzt einen Anker, von dem aus weitergehende Gedankenvorgänge entwickelt werden. -können in Richtung dieses vorgegebenen Ankers verzerrt werden -anschließende Anpassungsprozess ist unvollständig

Verfügbarkeitsheuristik

Eine Faustregel, nach der ein Urteil darauf basiert, wie leicht ein bestimmter Gedächtnisinhalt abrufbar ist.

Biased Sampling

Auf Generalisierung begründete systematische Urteilsverzerrung: Informationsstichproben, von denen bekannt ist, dass sie fehlerhaft bzw. verzerrt oder untypisch sind, werden generalisiert.

Kontra-faktisches Denken

Der Versuch, einen Aspekt der Vergangenheit mental umzuändern durch die Vorstellung dessen, wie es hätte sein können.