Was ist soziale Kognition?
subjektiven Konstruktion der sozialen Realität von Menschen
Beschreibe kurz das Experiment von Maner et al. zur Attribution
Männer (heterosexuell) interpretieren nach Liebesfilmen (wecken eines Bedürfnisses) schneller sexuelle Erregung bei neutralen Frauengesichtern
Experimentelles Beispiel von Duncan
2 Videos. in einem schubst ein weißer einen schwarzen im anderen umgekehrt.
Bei weißen Schubsern wurde das Verhalten situativ erklärt bei schwarzen Schubsern geht man eher von aggressivem Verhalten und Persönlichkeitseigenschaften aus.
--> Kategoriesierung führt hier zu negativen Auswirkungen und falschen Schussfolgerungen in Bezug des Assoziierten Stereotypen führen.
Experiment mit einem Videospiel von Correll und Kollegen
Es wurde der Einfluss der Hautfarbe untersucht im Zusammenhang mit der Entscheidung auf die Zielperson zu schießen. Teilnehmen sollten auf bewaffnete schießen und auf unbewaffnete nicht zu schießen.
implizite negative Stereotype hatten Einfluss auf die Entscheidungen der Versuchsperson.
Nachfolgeuntersuchungen zum (Nicht-)Schießen Paradigma (Correll, 2009)
Laien: höhere Tendenz, auf schwarze Zielperson zu schießen
Polizisten: ebenfalls implizite Stereotypen, allerdings nur auf Ebene der Reaktionszeiten, nicht auf tatsächliches Verhalten (d.h. schneller auf schwarze Zielperson geschossen, aber nicht häufiger auf unbewaffnete Schwarze als auf unbewaffnete Weiße)
Begründung nach Correll: spezielle Methoden in Polizeiausbildung
reduzieren unbewussten Einfluss von Stereotypen
Neuere Untersuchungen (Wilson et al., 2017) zu Wahrnehmungsverzerrungen bei Schwarzen durch Stereotype
o Junge schwarze Männer als größer und physisch
bedrohlicher wahrgenommen als junge Weiße
o Verzerrte Beurteilung förderte Rechtfertigung der
(hypothetischen) Anwendung von Gewalt ggü.
schwarzen Tatverdächtigen
Was untersucht die soziale Kognitionsforschung?
Mit dem Prozess der Erwerbs, der Organisation und Anwendung von Wissen über sich selbst und die soz. Welt.
Konkret beinhaltet dieser Prozess:
a.) mentale Repräsentation über sich selbst, über andere und über soz. Beziehung zu erstellen und im Gedächtnis zu speichern.
b.) Diese mentale Repräsentaion flexibel anzuwenden um Urteile zu bilden und Entscheidungen zu treffen.
Mentale Repräsentation. Sie sind Wissenstrukturen, die Menschen........
-konstruieren,
-im Gedächtnis speichern,
-abrufen und
- in unterschiedlicher Weise verwenden können
Benenne unterschiedliche Typen von Wissensrepräsentationen mit Beispiel

Wann sind Stimuli besonders salient? Worauf können sie einen Einfluss ausüben?
a.) soziale Bedeutsamkeit
b.) im Vergleich zu anderen Stimuli im soz. Kontext relativ selten
Bsp. Angehöriger einer Minorität im Vergleich zu Agehörigen einer Majorität
--> Beeinflussen Informationsverarbeitung
Welchen Sinn könnte es haben, dass Menschen selektiv/konfirmatorisch Informationen verarbeiten
Durch die begrenzte Kapazität kann nicht alles gleichwertig verarbeitet werden
Simons und Chabris Versuch bennen
Gorillakostüm-Versuch: Unaufmerksamkeitsblindheit
Nenne die Schritte der sozialen Informationsverarbeitung!
1. Initiale Wahrnehmung,
2. Encodierung, Interpretation und Kategorisierung
3. Urteilen und Entscheiden

Initiale Wahrnehmung: Was ist hier wichtig, wie läuft das ab?
Voraussetzungen:
- Aufmerksamkeit auf bestimmte Aspekte der Situation konzentrieren (Duncan: auf Akteure und deren Verhalten)
- Andere Aspekte der Situation von weiterer Verarbeitung ausschließen (Duncan: Detailmerkmale des Raums, in dem Interaktion stattfindet)
--> Salienz
Was bedeutet Salienz, Wofür ist es wichtig?
Bedeutend für initiale Wahrnehmung
Stimulus salient, wenn er Fähigkeit besitzt, im Zusammenspiel mit
Merkmalen des Wahrnehmenden (z.B. seinen Bedürfnissen, Zielen)
die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen
Stimuli werden i.d.R. salienter, wenn sie:
- sozial bedeutsam sind
- im Vergleich zu anderen Stimuli im sozialen Kontext relativ
selten auftreten
- Salienz erhöht Wahrscheinlichkeit, dass nachfolgende
Informationsverarbeitung sich auf Informationen konzentriert, die
mit salientem Stimulus zusammenhängen
2. Schritt: Enkodierung, Kategorisierung und Interpretation
Was ist hier wichtig und wie läuft es ab?
Encodierung: Der Prozess der einen äußeren Stimulus in eine kognitive Repräsentation überführt, die dann im Gedächtnis gespeichert wird. Externer Stimulus wird in Beziehung mit vorhandenem Wissen gesetzt, wodurch er einen Sinn erhält.
--> durch Zugänglichkeit beinflusst und durch Primes
Prime: Reiz, der Zugänglichkeit eines Gedächtnisinhalts (z.B. Schema) erhöht bzw. unbewusst zur Aktivierung eines bestimmten Inhalts führt
Kategorisierung: Unterschiede werden zugunsten von Ähnlichkeiten vernachlässigt (=Systematisierung als Hauptfunktion der Kategorisierung).
Funktion der Inferenz: Damit nicht jeder Stimuli aufs neue verarbeitet werden muss, werden diese in Kategorien eingeteilt um auf Eigenschaften zu schließen die bisher nicht beobachtet wurden
Gebe jeweils ein Versuchs Beispiel zur Kategorisierung und zur Encodierung
Encodierung: Cohen's Versuch: Probanden schauen Pärchen beim Abendessen zu. Es wird entweder gesagt, dass es sich um eine Bibliothekarin oder eine Kellnerin handelt: Stimuli die zu der Beschreibung passen werden sich besser gemerkt
Kategorisierung: Experiment Duncan: Vpn kategorisierten den Schubser unterschiedlich, je nachdem ob „Täter“ schwarz oder weiß war --> Unterschiedliche Gedächtnisinhalte zur Interpretation der Situation herangezogen
3. Schritt: Urteilen und Entscheiden
Was ist hier wichtig, wie läuft das ab? Gib ein Experiment als Beispiel
Enkodierte Wahrnehmung wird im Gedächtnis gespeichert im Zusammenspiel mit bereits gespeichertem Wissen im Gedächtnis:
Grundlage für Urteile und Entscheidungen und damit Verhaltensreaktionen
Duncans experiment: Bei Schubser von schwarzem Akteur: Rückschluss auf weitere, nicht-beobachtbare, stabile Persönlichkeitseigenschaften (z.B. Gewaltneigung) auf Grundlange der Interpretation. Weißer Akteur: Zurückführen des Verhaltens auf äußere Umstände
--> Kategorisierung führt zu Fehlschlüssen
Bargh et al. Experiment (Satzergänzungsaufgabe mit entweder alterstereotypen Wörtern oder neutralen)
Nach den Aufgaben wird gemessen wie lange die VP brauchen um zum Aufzug zu kommen. --> brauchen länger bei Altersstereotypen
--> unbewusste Aktivierung von Stereotypen durch Primes
--> schwache Effekte und sehr kurzlebig, schwer replizierbar, begrenzt generalisierbar
Welche 3 Aspekte der Informationsverarbeitung gibt es?
1. Zusammenspiel von Stimulus und Vorwissen
2. Die Menge der verarbeitende Informationen
3. Relatives Verhältnis von automatischen und kontrollierten Verarbeitungsprozessen
1. Zusammenspiel von Stimulusinformation und Vorwissen
Führe dies näher aus!
o Informationsverarbeitung durch Input aus zwei Quellen beeinflusst:
a. Input aus sozialer Welt
o bottom-up (datengesteuerte) Verarbeitung: überwiegend durch Merkmale des Stimulus oder der Situation determiniert
b. Input in Form bereits vorhandenen Wissens der Person
o top-down (konzeptgesteuerte) Verarbeitung: überwiegend durch Vorwissen oder Erwartungen des Wahrnehmenden geleitet
o Duncan: bei schwarzem Akteur eher top-down Verarbeitung, bei Weißem eher bottom-up
2. Menge der verarbeiteten Informationen
Führe dies näher aus!
o Systematische Verarbeitung: Vielzahl von Informationen im Rahmen der Eindrucks- oder Urteilsbildung berücksichtigt
o Heuristische Verarbeitung: nur wenige Hinweisreize verarbeitet, dann auf subjektiv bewährte Entscheidungshilfen (Heuristiken) gestützt
- Kognitive Heuristik: kognitive Entscheidungshilfe im Sinne einer
Faustregel, die es Menschen ermöglicht, mit geringem kognitivem
Aufwand auf der Grundlage weniger Informationen Entscheidungen oder Urteile zu treffen Bsp. Verfügbarkeitsheuristik
Duncan zeigt: Stereotype fungieren häufig im Sinne von Heuristiken
Welche zwei Faktoren bedingen ob es zu einer heuristischen Verarbeitung oder systematischen Verarbeitung kommt?
Verarbeitungskapazität: begrenzt (ähnlich wie bei Computer),
ist Person mit mehreren Dingen gleichzeitig beschäftigt, ist für
Einzelaufgabe nur beschränkte Verarbeitungskapazität vorhanden erhöht Wahrscheinlichkeit heuristischer Verarbeitung
Verarbeitungsmotivation: hohe persönliche Relevanz der
Entscheidung / des Urteils erhöht Wsk systematischer Verarbeitung
3. Relatives Verhältnis zwischen automatischer und kontrollierter
Informationsverarbeitung
Neuberg und Fiske haben dazu ein Modell entwickelt. Gehe näher darauf ein!
Kontinuum-Modell (Fiske & Neuberg, 1990):
- Eindrucksbildung beginnt stets mit automatischer Kategorisierung der fremden Person anhand leicht beobachtbarer Merkmale. Person wird zunächst im Sinne ihrer Kategorienzugehörigkeit und damit assoziierten stereotypischen Eigenschaften wahrgenommen
- Nur wenn Motivation zu kontrollierter Form der Verarbeitung
vorhanden ist, wird diese kategorienbasierte Verarbeitung zugunsten einer eigenschaftsbasierten bzw. individualisierten Informationsverarbeitung aufgegeben
- Gehört zu den Duale-Prozess Modellen
Soziale Informationsverarbeitung dient grundlegenden menschlichen Zielen, wie......................................................
o Mit diesen Zielen verbundene Motive steuern
- .................................
- .................................
(Selbst-)Erkenntnis, psychologische Konsistenz der Erkenntnisse, positive Selbstbewertung (insofern sich Erkenntnisse auf eigene Person beziehen)
Selektion von Informationen
Art und Weise, wie Informationen verarbeitet werden
erkenntnisbezogene Motive
Der Mensch strebt nach einem möglichst akuraten Bild von sich und seiner sozialen Umwelt, außer.......................................
wenn Informationen im Konflikt stehen mit anderen Motiven
welches Motiv könnte durch die kognitive Dissonanz gefährdet sein?
konsistenzbezogene Motive
Welchen Einfluss haben selbstwertbezogene Motive auf das Duncan'sche Experiment?
-Da Menschen bestrebt sind das eigene Selbstwertgefühl zu schützen bzw zu steigern, suchen sie aktiv Informationen, die ihr Selbstwertgefühl steigern oder vermeiden informationen die dieses bedrohen.
- Ein Teil des Selbstwertgefühls wird aus der Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen bezogen.
-Daher kategorisieren Menschen das Verhalten ihrer eigener Gruppe möglichst positiv um auch ihr positives Selbstbild aufrecht zu erhalten
Hartmut (Mit-)Esser (1990): Zielstruktur der Situation
(z.B. Verlust vermeiden oder Gewinn behalten). Je nach Rahmen werden andere Handlungsbedingungen als angemessen, effizient oder überhaupt erst für denkbar eingeschätzt
Was ist die Prospect Theory?
„Heuristiken und Verzerrungen“ Paradigma (Tversky & Kahnemann) Ein normativ rationales Individuum würde sich mathematischer/ statistischer Rationalität bedienen für eine Entscheidungsfindung --> allerdings kommt es zu einer Abweichung im Entscheidungsverhalten eines Menschen, die als Verzerrung (bias) bezeichnet wird
Was ist das Invarianzprinzip?
bezeichnet (mathematisch) eine Größe, die unter einer gegebenen Problemstellung immer gleich bleibt.
Tversky & Kahnemann: drei wesentliche Abweichungen von Rationalität in menschlichem Entscheidungsverhalten:
Wahrscheinlichkeitseinschätzung (nur bei absoluter Sicherheit oder Unmöglichkeit stimmt subjektive Einschätzung mit objektiver Realität überein)-> Kleine Wsk eher überschätzt, große Wsk eher unterschätzt
Referenzpunkt
Gewinn, Verlust und einhergehende Gefühle nicht linear verknüpft. S-förmige Nutzenfunktion von Gewinnen und Verlusten --> Verluste werden stärker wahrgenommen
und Rahmung der Entscheidung
Bewertung der Alternativen abhängig vom Rahmen, in dem sie gesehen werden (Einordnung in Gewinn oder Verlust)
Rahmen abhängig von Kultur, Gewohnheiten etc.
Gibt es Unterschiede im Verhalten eines Menschen bezüglich Verlust und Gewinn?
-Wenn Menschen einen Gewinn erwarten, bevorzugen sie eher risikoloses Verhalten, sie entschieden sich für die sichere Option
- Menschen die in Situationen von einem Verlust ausgehen, neigen eher zu riskantem Verhalten
Wie erklären sich Kahnemann und Tsversky diese Verzerrungen?
Anpassungs und Ankerheuristik, Repräsentativitätsheuristik und Verfügbarkeitsheuristik
--> Fachwissen setzt diese Heuristiken nicht außer Kraft!
Richterbeispiel: plädierte der Angeklagte auf 34 Monate
Freihheitsstrafe, bekam er im Mittel 35,75; plädierte er auf 12
Monate, bekam er im Mittel 28
Welche Kritik äußerte Gigerenzer & Selten (Bounded Reality Ansatz=Begrenzet Rationalität) am Ansatz von Tversky& Kahneman?
-Begrenzte Rationalität
1) Enge Normen: Verhalten nach K&T nur im Einklang mit statistischen und mathematischen Denken -->
a) nicht sinnvolll da lediglich für ein Einzelfall & kann somit mit statistischen Methoden nicht richtig erfasst werden b) Entscheidungen stehen in einem Kontext welcher selbst Verhalten und des Verhaltens Rationalität definiert
2) zugrunde liegende Prozesse: Nach T&K werden nur wage Heuristiken als erklärungen für Entscheidungen angegeben.
--> Außerdem kritisieren sie am Beispiel von Tom eine unklare Aufgabenstellung
- Beschränkte Verarbeitungskapazitäten: Mensch ist nicht in der Lage bei jeder Entscheidung mathematisch abzuwägen ( s.h Alltag) --> nicht immer sind ausreichende Ressourcen & Kapazitäten da
Was bedeutet Auslassungsverzerrung? (omission bias)
Die Tendenz eine Handlung zu vermeiden, die potentiell schaden könnte, aber viel wahrscheinlicher größeren Schaden abwendet.
Was besagt die Anspruchs-Anpassungs-Theorie? ( aspiration-adaption-theory)
Entscheidungsverhalten ist stark vom Anspruchslevel (aspiration level ) beeinflusst. Bsp Das Anspruchslevel beim Autokauf ist wesentlich größer als beim Kauf von Orangen.
--> Das Anspruchslevel ist flexibel und variiert je nach Situation
Warum sind Emotionen nach Damasio wichtig?
ohne Emotionen wären wir zu keinen Entscheidungen fähig
o Würden nur für beide Seiten Argumente anhäufen und dann zwischen den „Argumentationsbergen“ stehenbleiben
o Emotionen demnach aktiv an Entscheidungsprozessen beteiligt
Stimmung (Definition in Abgrenzung zu Emotionen):
a. Gefühlszustände in geringerer Intensität als Emotionen
b. nicht auf ein Objekt gerichtet
c. Ursache liegt nicht im Aufmerksamkeitsfokus
d. ziehen keine bestimmten Reaktionen in Verhalten, Emotionen und Kognitionen nach sich
e. informativ für allgemeine Qualität des eigenen Zustandes
Worin besteht der Unterschied in der kognitiven Leistung von schlecht und gut gestimmten Personen? (Bless, Mackie & Schwarz)
gut gestimmte Personen erbringen weniger kognitive Leistungen, sind unkritischer bei Argumenten als schlecht gestimmte Personen.
--> aber: gut gestimmte Menschen sind kreativer, holistischer, erleben häufiger Flow und sind motivierter --> gut gestimmte Personen sind besser im Problemlösen
Warum ist das so?
Bless (1997): Stimmungen vermitteln, ob Situation als problematisch (negative Stimmung) o. unproblematisch (positive Stimmung) gesehen wird
Affect Infusion Model (Forgas, 2002)
o Modell zur Wirkung von Stimmungen auf kognitive Prozesse
- sagt vorher, wann Affekte besonders viele Auswirkungen auf unser Denken und Handeln in sozialen Situationen haben
o unterscheidet vier Prozessstrategien, die Menschen in sozialen Situationen anwenden und unterschiedlich stark durch Stimmungen beeinflussbar sind
(a) direkter Abruf bereits existierenden Verhaltens
(b) motivierte Verarbeitung für bereits gesetztes Ziel
(c) Anwendung einer Heuristik
(d) substantielle generative Verarbeitung, um Verhalten zu planen
o (a) und (b) werden v.a. verwendet, wenn keine eigene Planung mehr vorgenommen werden muss und die Abfolge der nächsten Handlungsschritte relativ festgelegt ist; berücksichtigen Stimmung / Emotionen kaum
o (c) und (d) werden v.a. verwendet, wenn zukünftiges Verhalten noch nicht festgelegt ist; sind durch Affekte beeinflussbar, da Stimmung / Emotionen in Bewertung mit einbezogen werden
o Also: wenn der meiste kognitive Aufwand nötig ist, beeinflussen Affekte das Handeln am wirksamsten
Studie zum Affect Infusion Model (Forgas, 1999)
o Ergebnisse:
Vpn (Studenten) in positiver Stimmung verwenden selbstsicheren, direkteren, weniger höflichen Fragestil, da sie leichter auf positive Beispiele und Gedanken in ihrem Leben zurückgreifen, die sie bei Formulierung ihrer Bitte zu Rate ziehen können
Vpn in negativer Stimmung verwenden indirekten, höflicheren Fragestil, aus Angst mit der eigenen Bitte zu verärgern. Effekt war umso größer, je schwieriger die Situation war.
Hinweis zur Gültigkeit des AIM: Stimmung v.a. dann einflussreich, wenn Studenten Verhalten aktiv planen und durchdenken mussten
Was ist ein Attributionsstil?
Als Attributionsstil wird die relative zeitstabile Tendenz einer Person verstanden, über verschieden Situationen hinweg bestimmte Erklärungsmuster zu verwenden
depressive Menschen --> pessimistischer Attributionsstil
Heider (Begründer Attributionsforschung):
Warum suchen Menschen nach Ursache-WirkungsBeziehungen?
-> insbesondere dann Gedanken über Ursachen von Ereignissen,
wenn diese ihr Bedürfnis nach Umweltkontrolle tangieren
Experimentelles Bsp (Weiner, Graham, Chandler, 1982) zu attributabhängigen Emotionen
Verhaltensweisen mit acht verschiedenen Ursachen, die sich aus
Kombination der o.g. Attributionsdimensionen ergaben. Mussten dann angeben, wie groß ihr Ärger und Mitleid ist
-Wahrnehmung kontrollierter Ursachen führte zu Ärger,
unkontrollierter zu Mitleid
- Beide Emotionen am stärksten ausgeprägt, wenn zudem
interne und stabile Ursachen vorlagen
Theorie der korrespondierenden Schlussfolgerungen (Jones & Davis, 1965)
o Zentrale Frage: Wie schließen Menschen von beobachteter Handlung auf die Dispositionen des Handelnden, die ihn zu dem Verhalten veranlasst haben?
- Dispositionen: Persönlichkeitsmerkmale, Einstellungen, Motive
o Theorie postuliert zwei wesentliche Schritte:
1. Schritt: Entscheiden, ob Handlung mit Absicht ausgeführt wurde
- Zufällig ausgeführte Verhaltensweisen haben i.d.R. keinen
Informationsgehalt für zugrundeliegende Dispositionen
2. Schritt: Entscheiden, welche Dispositionen den Handelnden zu konkreter Handlung veranlasst haben
- Aufschlussreich sind dabei die Handlungen, die unter der Bedingung der Wahlfreiheit ausgeführt wurden
- Vergleich von sämtlichen Verhaltensmöglichkeiten, die Handelnder zur Auswahl hatte, in Hinblick auf spezifische Konsequenzen
- Spezifische Konsequenzen: solche, die nur mit bestimmter
Handlungsalternative einhergehen, nicht mit den anderen
- Besonders informativ sind spez. Konsequenzen, deren Wert im
Allgemeinen als gering oder sogar negativ eingeschätzt wird
Theorie von Kelley (1973): allgemeinste und einflussreichste Attributionstheorie
Unterscheidet drei Arten von Attributionen:
- Stimulusattributionen (Ursache in Eigenschaften des Reizes / der Umgebung)
- Personenattributionen (die Ursachen liegen in der beobachteten Person)
- Umständeattributionen (Ursache in spezifischer Umgebung zu
bestimmten Zeitpunkten)
Erkläre das Kovarianzprinzip nach Kelly
- Kovarianzprinzip: beobachteter Effekt wird derjenigen Ursache
zugeschrieben, mit der er über die Zeit hinweg kovariiert
Verfügt Person aufgrund wiederholter Beobachtungen über Informationen aus mehreren Quellen, wird Ursache nach Kovarianzprinzip ermittelt:
o Konsensusinformationen: resultieren aus Beobachtungen der Reaktionen anderer Personen auf den Stimulus
hoher Konsensus, wenn Andere ähnlich auf den Stimulus reagieren
o Distinktheitsinformationen: resultieren aus Beobachtungen des Verhaltens der Person in anderen Situationen (gegenüber anderen Stimuli) -> hohe Distinktheit, wenn Person sich ggü. anderen Stimuli anders verhält
o Konsistenzinformationen: resultieren aus Beobachtungen des relevanten Verhaltens über die Zeit
--> hohe Konsistenz, wenn Person zu unterschiedl. Zeitpunkten ähnlich auf den Stimulus reagiert
Probleme am Kovarianzprinzip:
o Beruht auf kognitiv anspruchsvollem Prozess der Datenanalyse (gleicht naiver Version der statistischen Varianzanalyse)
o Setzt voraus, dass Personen eine Vielzahl von Informationen verfügen
o Kelley dazu: Kovarianzprinzip hat „Idealcharakter“, in Situationen mit weniger Informationen nutzen Menschen kausale Schemata (Konfigurationsprinzip)
Kausale Schemata
Wissensstrukturen, in denen durch Erfahrung gewonnene
abstrakte Annahmen darüber repräsentiert sind, welche Ursachenfaktoren für bestimmte Arten von Ereignissen verantwortlich sind bzw. wie diese Ursachenfaktoren zusammenspielen
o Zwei Arten kausaler Schemata nach Kelley:
- solche zur Ergänzung unvollständiger Informationen
- solche, die explizit Annahmen über mögliche und wahrscheinliche Ursachen machen
- Bsp.: Schema der multiplen hinreichenden Ursachen (für
Auftreten desselben Effekts können unterschiedliche Ursachen
hinreichend sein)
o Kelley: Schlussfolgerungen auf Basis kausaler Schemata unterstützt durch Anwendung abstrakter Attributionsprinzipien
Ab- und Aufwertungsprinzip
o Abwertungsprinzip: auf Grundlage ihres Vorwissens neigen Menschen dazu, einer plausiblen Ursache für das Auftreten eines bestimmten Effekts weniger Gewicht beizumessen, wenn gleichzeitig andere plausible Ursachen ebenfalls gegeben sind (als wenn diese Ursache alleine vorliegt)
o Aufwertungsprinzip: Faktoren, die gegen das Auftreten eines Effekts wirken, verleiten Menschen dazu, einer plausiblen förderlichen Ursache eine stärkere Wirkung zuzuschreiben (als wenn diese Ursache alleine vorliegt)
Duale-Prozess-Modelle der Attribution und der Vergleich mit dem Kovariationsprinzip
Neuere Modelle gehen davon aus, dass Menschen nur selten so
datengeleitet, systematisch und kontrolliert vorgehen wie im
Kovariationsprinzip gefordert
--> Stattdessen Attributionen mehr oder weniger automatisch
Daniel Gilbert und Kollegen (1988): zweistufiger Attributionsprozess
1. Schritt: relativ automatisch wird Personenattribution gebildet
Auf welche Dispositionen dabei geschlossen wird, hängt
maßgeblich von Erwartungen des Beobachters ab
2. Schritt: nur, wenn Motivation und kognitive Ressourcen vorhanden sind, wird kontrollierter Attributionsprozess eingeleitet
Zentrale Annahmen durch vielfältige Forschungsbefunde bestätigt
Welche Attributionsverzerrungen gibt es?
Korrespondezverzerrung, Akteur-Beobachter-Divergenz, Selbstwertdienliche Attributionsverzerrung
Was ist eine Korrespondezverzerrung?
Korrespondenzverzerrung
o Beobachter neigen dazu, Verhalten eines Handelnden eher auf interne statt auf externe Faktoren zurückzuführen
o Stärke dieser Verzerrung abhängig von der Kultur
- Mitglieder individualistischer Kulturen neigen eher zu dieser
Verzerrung als Angehörige kollektivistischer Kulturen
- Vermutlich wegen höherer Sensibilität für Einfluss von
Situationsfaktoren in kollektivistischen Kulturen
Was ist eine Akteur-Beobachter-Divergenz?
o Menschen neigen dazu, eigenes Handeln stärker auf externe / situative
Faktoren zurück zu führen
- Storms (1973): ein Grund dafür besteht in unterschiedlicher
Ausrichtung der Aufmerksamkeit bei der Verhaltensbeobachtung
- Andere Person: „Figur“ vor „Hintergrund“ der Situation
- Bei sich selbst: auf Situationsmerkmale fokussiert
- Storms konnte auch zeigen, dass Akteur-Beobachter-Divergenz
umgekehrt werden kann, wenn man dem Handelnden die Perspektive des Beobachters zeigt und umgekehrt
Selbstwertdienliche Attributionsverzerrung
Dient der Steigerung oder dem Schutz des Selbstwertgefühls (insbesondere
in Leistungssituationen)
o Steigerung: eigene Erfolge stärker auf stabile, interne Faktoren zurückführen
als vergleichbare Erfolge anderer Personen
o Schutz: eigene Misserfolge stärker auf externe Faktoren zurückführen als
vergleichbare Misserfolge anderer Personen
was konnten Dweck und Kollegen zur Selbstwertdienliche Attributionsverzerrung zeigen?
- Jungs: führen Misserfolge eher auf Mangel an Anstrengung zurück
(variabel, kontrollierbar)
- Mädchen: eher auf mangelnde Begabung (stabil, unkontrollierbar)
- Grund könnte sein, dass Lehrkräfte bei schlechter Leistung von
Mädchen eher auf intellektuelle Unzulänglichkeiten hinweisen, bei
Jungen eher auf variable Faktoren
- Ursache vermutlich traditionelle, geschlechtsbezogene Stereotype
Zahlreiche empirische Belege dafür, dass soziale Kategorien und die damit
assoziierten Stereotypen Einfluss auf die Attributionen haben, die Menschen zur
Erklärung des Verhaltens anderer Personen vornehmen
o Experimentelles Beispiel (Benbow und Stürmer, 2017):
Vpn lasen Urteile für elterliche Kriminalität, Unterschied lag lediglich
darin, dass einmal die Mutter und einmal der Vater der Täter war
Ergebnisse zeigen, dass sämtliche Maßnahmen, die Aufrechterhaltung
der Eltern-Kind-Beziehung trotz Inhaftierung erleichtern würden,
weniger Unterstützung fanden, wenn es der Vater war
dafür: zwei psychologische Prozesse verantwortlich:
Stereotypische Erwartungen über unterschiedliche familiäre Rollen von
Müttern und Vätern
Unterschiedliche, auf die Kriminalität bezogene Attributionen (Väter:
Persönlichkeitsfaktoren, Mütter: situative Umstände
Was machen Duale Prozess-Modelle?
unterscheiden zwei distinkte Modi der sozialen Informationsverarbeitung