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Womit beschäftigt sich die Pharmazie?

Die Pharmazie ist eine interdisziplinäre Wissenschaft (Chemie, Biologie, Physik, Medizin), in deren Zentrum das Arzneimittel und dessen Entwicklung, Herstellung, Wirkung, Prüfung und Abgabe steht.

Was sind Arzneimittel?

Stoffe oder Zubereitungen aus Stoffen zur Heilung, Linderung und Verhütung von Krankheiten oder krankhaften Beschwerden. Physiologische Funktionen werden wiederhergestellt, korrigiert oder beeinflusst. Sie können auch als Grundlage für eine medizinische Diagnose dienen.

Woraus bestehen Arzneimittel?

Aus einem oder mehreren Arzneistoffen - den Wirkstoffen - und aus Hilfsstoffen.

Was sind Stoffe?

Chemische Elemente, natürliche chemische Stoffe oder synthetisierte chemische Verbindungen. Ebenfalls Pflanzen, Pflanzenteile und Pflanzenbestandteile, sowie Tierkörper und Körperteile, -bestandteile und Stoffwechselprodukte vom Menschen. Mikroorganismen und Viren.

Was sind Wirkstoffe?

Stoffe oder Gemische von Stoffen, die in der Arzneimittelherstellung zu arzneilich wirksamen Bestandteilen des Arzneimittels  werden.

Was sind Hilfsstoffe?

Jeder Bestandteil eines Arzneimittels mit Ausnahme des Wirkstoffs und des Verpackungsmaterials.

Was sind die vier Kernfächer der Pharmazie?

Pharmakologie, Pharmakognosie (Pharmazeutische Biologie), Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie, Pharmazeutische Chemie

Womit befasst sich die Pharmazeutische Technologie?

Mit der Herstellung von Arzneimitteln, also der Verarbeitung und Formung der Arzneistoffe zu gebrauchsfertigen Arzneizubereitungen unter Zusatz von Hilfsstoffen. Im Zentrum steht die Arzneiform.

Was ist der Sinn und die Aufgabe von Arzneiformen?

Sinn: applizierbare Form eines Arzneistoffes, durch Hilfsstoffe unterschiedliche Applikationsarten möglich

 

Aufgabe: sichere Dosierbarkeit, Optimierung der Arzneistoffwirkung, Wirkstoffstabilität, Ästhetik

Was ist der Unterschied zwischen Arzeniform und Darreichungsform?

AF: Herstellung

DF: Applikationsform, also auf welche Art der Wirkstoff in den Körper befördert wird (Trinklösung aus Brausetablette)

Was ist ein Arzneibuch und was ist seine Aufgabe?

Sammlung pharmazeutischer Regeln über Qualität, Prüfung, Lagerung, Abgabe und Bezeichnung von Arzenimitteln und die Stoffe der Herstellung sowie Behältnisse und Umhüllungen

Aufgabe: Gewährleistung der hohen Qualität von Arzneimitteln durch Definitionen und Qualitätsstandards

Welche Arzneibücher gelten in Österreich und was ist deren Aufgabe?

Europäisches Arzneibuch (Pharmakopoea austrica): Förderung der Gesundheit der Bevölkerung durch die sichere Anwendung der Arzneimittel

Österreichisches Arzneibuch (ÖAB): nationale Ergänzung

Wie sind Arzneibücher aufgebaut?

Allgemeiner Teil: allg. Vorschriften und Methoden

Monographiegruppen: allg. Monographien - Produktgruppen, Analysemethoden, generelle Anforderungen; spezielle Monographien - von A-Z, Einzelbeschreibungen von Wirkstoffen, Hilfsstoffen und Zubereitungen, Identität, Reinheit, Gehalt

Welche drei Schritte umfasst die Herstellung von Arzneiformen?

Produktion, Verpackung, Kennzeichnung

Welche drei Arzneimittelarten kann man unterscheiden?

Fertig-Arzneimittel (Arzneispezialität): industrielle Fertigung im Voraus nach den gleichen Bestimmungen und Zusammensetzungen, benötigen Zulassung und Herstellerlaubnis durch Aufsichtsbehörde, Nachweis der Wirksamkeit und Qualität

Rezeptur-Arzneimittel (magistrale Zubereitung): in der Apotheke nach ärztlicher Verschreibung für bestimmten Patienten

Defektur-Arzneimittel (offizinale Zubereitung): in der Apotheke nach Monographie des Arzneibuches auf Vorrat (<100 Pkg./Tag), vollständige Dokumentation der Herstellung, keine Zulassung notwendig

Welche vier Grundoperationen werden bei der Produktion angewandt?

Zerkleinern, Mischen, Trennen, Trocknen

Wozu ist die Verpackung und Kennzeichnung notwedig?

Verpackung: Garantie der Eigenschaft und Qualität der Arzneiform, sichere, genaue und komplikationslose Applikation

Kennzeichnung: Etikett, Sicherheit der Therapie durch Bezeichnung des AM, Dosierungsstärke, Verfalldatum und Chargennummer

Zerkleinern: warum wichtig und welche Prozesse?

Teilchen- oder Korngröße wichtig für Homogenität, Reizlosigkeit und optimale Wirkung

durch Druck-, Schlag-, Reibungs-, Prall- und Scherkräfte

 

Prozess: Mahlen

Welche drei Arten des Mahlens gibt es und zu welchen Problemen kann es kommen?

Trockenmahlung

Nassmahlung: erhöhte Mahleffektivität durch eine Flüssigkeit, in der der Stoff nicht löslich ist

Kaltmahlung: Bruch leichter bei niedrigerer Temperatur, weil die Sprödigkeit steigt, gut für Stoffe mit niedrigem Schmelzpunkt

 

Probleme: Wärmebelastung, Agglomeration von zu kleinen Teilchen, elektrostatische Aufladung (Staubexplosion)

Welche Geräte werden zum Mahlen verwendet?

In der Apotheke: Reibschale und Pistill, Mörser oder auch Schneidemesser

In der Industrie: Mühlen zur Grob-, Mittel- und Feinzerkleinerung; z.B. Backenbrecher/Walzenbrecher

Wozu dient das Mischen und welche drei Prozesse werden angewandt?

Sinn: gleichmäßige Verteilung mehrerer Stoffe, für exakte Dosierung wichtig

 

Prozesse: Rühren - Flüssigkeit + flüssiger/fester/gasförmiger Stoff; Kneten - teigige Massen; Vermengen - Pulver oder körniges Material

Welche Kräfte werden beim Mischen angewandt und was ist dabei entscheidend? Welche Probleme können entstehen?

Dreidimensionale Scherkräfte, dabei darf der Mischer nicht zu voll sein, damit der Platzwechsel in alle drei Raumrichtungen möglich ist.

Entscheidend ist weiters die Mischgüte.

 

Probleme: Kräfte, die zu Agglomeration führen können, wie Feuchtigkeit und zu kleine Teilchen; ebenfall kann eine hohe mechanische Belastung das Material zerkleinern

Welche Geräte werden zum Mischen verwendet?

Flüssigkeitsmischer, Mischer für feste Stoffe wie rotierende Fallmischer oder Schütttelmischer

 

in der Apotheke: Verreiben in Reibschale und Pistill

Was ist die stochastische Homogenität?

Eine gleichmäißige Zufallsmischung, die angestrebt wird, da eine ideale Mischung physikalisch nicht erreichbar ist.

Was ist die "lege artis"?

Eine geometrische Verdünnung im Verhältnis 1:1, die dadurch ensteht, dass immer kleine Mengen an Wirkstoff mit der gleichen Menge an Hilfsstoff gemischt werden, bis schließlich da gewünschte Produkt erreicht ist.

Wozu dient das Trennen?

Flüssigkeiten werden somit von unerwünschten Stoffen befreit.

Welche fünf Trennprozesse gibt es?

Filtrieren: Klär- bzw. Entkeimungsfiltration über Filterpapier, Glassinterfilter oder Membranfilter für parenterale Zubereitungen

Zentrifugieren: Zentrifugalkraft bzw. -beschleunigung, abh. von Dichte des Stoffes (dichter Feststoff bleibt an Wand/Boden, Flüssigkeit darüber)

Dekantieren: Dichteunterschied durch langes Stehenlassen (Sedimentation des Feststoffes, Abgießen möglich)

Pressen: Trennung fest/flüssig bei pflanzlichen Arzneizubereitungen

Destillieren: Trennung flüssig/flüssig über den Siedepunkt

Wozu dient das Trocknen und welche Prozesse gibt es?

Entzug von Flüssigkeit, in der Regel Wasser

Verdunsten: Raumtemperatur bzw. leicht erhöht

Verdampfen: höherer Temperaturen, nahe dem Siedebereich

Sublimieren: Gefriertrocknung bei tiefen Temperaturen, fest zu gasförmig

Welches Trocknungsmittel wird verwendet und was beschleunigt die Trocknung?

Luft - nimmt Wasserdampf auf, bis sie gesättigt ist, und bildet so ein Gleichgewicht zwischen der Feuchtigkeit des Gutes und ihrer eigenen

Beschleunigung durch dünne Schichten, höhere Luftgeschwindigkeit und -temperatur, niedrigeren Luftdruck, niedrigere Luftfeuchtigkeit

Welche Trocknungsverfahren oder Geräte werden verwendet?

Exsikkator für kleine Mengen, beheizter Trockenschrank, Wirbelschichttrockner, Lyophilisation bei der Gefriertrocknung

Was ist die Verpackung?

Behältnis, Verschluss, äußere Umhüllung = Gesamtheit aller Packmittel, fixer Bestandteil aller Fertig-Arzneimittel

Welche drei Verpackungsarten gibt es?

Primärpackmittel: direkter Kontakt mit Arzneiform

Sekundärpackmittel: äußere Umhüllung (Faltschachtel, Karton, Beipackzettel, etc.)

Packhilfsmittel: Zusätze, z.B. Dosierlöffel bei Säften

Wozu dient die Verpackung?

Einschluss des Produktes, Erhalt seiner Eigenschaften, Ermöglichen einer sicheren Anwendung, Schutz vor Umwelteinflüssen und vor energetischen Einflüssen

Was ist bei der Herstellung von Verpackungen zu beachten?

Stabilität der Arzneiform, Wirkstoffgehalt, keine toxischen Abbauprodukte, gleichbleibende Wirksamkeit, keine Wirkstoffadsorption an Primärpackmittel

Aus welchen drei Materialien werden Primärpackmittel hergestellt?

Glas: anorganisches Schmelzprodukt, das beim Abkühlen ohne Kristallisation erstarrt; für flüssige Arzneizubereitungen (Flaschen, Ampullen, Röhrchen); Vorteile - glatt, ansolut dicht, sterilisierbar, transparent

Nachteile - zerbrechlich, Herauslösen von Alkalien möglich

Kunststoffe: makromolekulare Stoffe wie Thermoplaste, die nach dem Erwärmen verformbar sind; für jede Arzneiform (Behältnisse, Folien, Verschlüsse, z.B. Blisterverpackung); zusätzlich Weichmacher, Stabilisatoren, Pigmente, Farbstoffe, Antioxidantien

Metalle: Aluminium, Eisen, Weißblech (+innere Schutzbeschichtung) für Tuben, Folien, Röhrchen und Dosen

Warum sind Sekundärpackmittel wichtig?

Bieten gewissen Lichtschutz, enthalten wichtige Informationen für sichere Therapie - Bezeichnung des AM, Dosierungsstärke, Verfalldatum, Chargennummer

Wie kann man Arzneiformen einteilen?

Nach Aggregatzustand/Konsistenz: fest (Pulver, Granulate, Tabletten, Kapseln, Suppositorien, Tee), halbfest (Salben, Cremes, Gele, Pasten, wirkstoffhaltige Pflaster), flüssig (Lösungen, Suspensionen, Emulsionen), gasförmig (Aerosole, Pulveraerosole, Schäume)

 

Nach Applikationsart: innerlich/äußerlich, systemisch/lokal

Womit beschäftigt sich die Biopharmazie?

Untersucht, wie die Arzneiform die Wirksamkeit eines Arzneimittels beeinflusst

Welche Faktoren sind für die Wirkung aus biopharmazeutischer Sicht entscheidend?

physikalisch-chemische Eigenschaften des Wirkstoffs, Arzneiform, Hilfsstoffe, Verarbeitungstechnologie

Was ist die Bioverfügbarkeit und durch welches Modell wird sie dargestellt?

Ausmaß und Geschwindigkeit, mit der der Wirkstoff aus der Zubereitung resorbiert wird und am Wirkort vorliegt

 

Plasmakonzentrations-Zeit-Profil: Anteil unter der Kurve

Was ist das LADME-Modell?

Beschreibt den Weg einer Arzeniform durch den Organismus

Liberation: Freisetzung des Wirkstoffs aus der Zubereitung

Absorption/Resorption: Aufnahme des Wirkstoffs über biologische Barriere

Distribution: Verteilung über den Blutkreislauf in andere Kompartimente

Metabolisierung/Biotransformation: Überführung in besser wasserlösliche Stoffe

Elimination/Exkretion: Ausscheidung über Niere, Galle, Darm, Lunge, Haut oder Speichel

Wie läuft der Prozess der Liberation eines Wirkstoffes ab?

Desintegration: Arzneiform zerfällt in Substrukturen (kleine Aggregate wie Granulate)

Desaggregation: Substrukturen zerfallen zu Pulver, Wirkstoff wird frei

Dissolution: Wirkstoff löst sich, nur so kann er resorbiert werden, wichtig für die Wirksamkeit

Was sind die systemische und lokale Wirkung?

Systemisch: Wirkung setzt ein, wenn der Wirkstoff resorbiert und im ganzen Organismus verteilt ist, hohe Belastung und eventuelle Nebenwirkungen, Applikationsort ist nicht der gewünschte Wirkort

Lokal: Wirkung setzt direkt am Applikationsort ein, Resorption und Verteilung unerwünscht, weniger Nebenwirkungen

Was sind parenterale Zubereitungen und welche Vor- bzw. Nachteile bringen sie mit sich?

Zubereitungen, die unter Umgehung des Magen-Darm-Traktes in den Körper gelangen und dementsprechend mit Spritze und Nadel appliziert werden müssen

Vorteile - 100% Bioverfügbarkeit, Wirkungseintritt und -dauer gut steuerbar

Nachteile - recht teuer, unter ärztlicher Verantwortung, unangenehm

Wie werden parenterale Zubereitungen appliziert?

intravenös (i.v.) - in die Vene, sehr rascher Wirkungseintritt, wässrige Lösungen, Suspensionen/Emulsionen; Injektion/Infusion

intramuskulär (i.m.) - in das Muskelgewebe, bei wässrigen Lösungen schneller Wirkungseintritt, bei öligen Lösungen langsamer Wirkungseintritt

subcutan (s.c.) - Unterhautgewebe, langsamerer Wirkungseintritt, auch durch Patienten steuerbar

intraarteriell, intraperitoneal, intraneural, intrakardial, intraartikulär, intraosär

 

aus Ampullen, Injektionsfläschchen, Fertigspritzen, Insulinpens

Was muss bei der Herstellung parenteraler Zubereitungen beachtet werden?

Besondere Qualitätsstandards: Sterilität, Pyrogenfreiheit, Partikelfreiheit, physiologische Verträglichkeit (pH-Wert, Tonizität, Viskosität)

Hilfsstoffe: Wasser oder Öle als Lösungsmittel

Was sind perorale Arzneiformen, was sind flüssige perorale Arzneiformen, was sind feste?

Arzneiformen zur enteralen Applikation (über den Magen-Darm-Trakt) durch den Mund

 

Lösungen (flüssige Zubereitungen zur Einnahme), Tropfen und Säfte  - Vorteil: Wirkstoff bereits in Lösung, nur Resorption notwendig

Trockensaft - ad-hoc Rekonstitution in Apotheke

 

Pulver, Granulate, Tabletten, Kapseln

Was sind Pulver und wie werden sie hergestellt?

Zubereitungen aus festen, losen, feinen Teilchen die einen oder mehrere Wirkstoffe und ev. auch Hilfsstoffe enthalten

Einnahme mit oder ohne Flüssigkeit; z.B. Brausepulver

Herstellung: Zerkleinerung, Sieben, Abwiegen, Mischen, Sieben, Abteilen, Abfüllen, Verpacken

Hilfsstoffe: Füllstoffe, hochdisperse Kieselsäure (Aerosil) zur Feuchtigkeitsregulierung, Geschmackskorrigentien

Was sind Granulate und was sind ihre Vorteile?

Zubereitungen aus festen, trockenen Körnern, jedes einzelne Korn ist ein Agglomerat aus Pulverpartikeln,

Darreichungsform oder Zwischenprodukt für Tabletten oder Kapseln, z.B. Instantgranulate

Vorteile: geringere Entmischungstendenzen, bessere Dosierung, exaktere einheitliche Verteilung und mengenmäßige Stabilisierung bei sehr geringen Wirkstoffmengen

Wie werden Granulate hergestellt und welche Hilfsstoffe werden verwendet?

Abbauende Granulierung: Aggregation von Pulver (Primärteilchen) durch Druck oder Feuchtigkeit, durch Abbau auf gewisse Korngrößer zerteilt - Trockengranulierung (verpressen, zerbrechen, klassieren), Feuchtgranulierung (feucht krümelige Masse durch Granulierflüssigkeit, durch Sieb geschüttelt/gepresst, Trocknen sehr wichtig)

 

Aufbauende Granulierung: Granulatkorn entsteht über Granulatkeim - Anlagerung im feuchten Zustand oder Partikelaufbau, Wirbelschichtgranulierung, Mischgranulierung, Trommelgranulierung

 

Hilfsstoffe: Füllstoffe, Flüssigkeiten, Geschmackskorrigentien/Farbstoffe

Was sind Tabletten und was sind deren Vorteile?

Feste, einzeldosierte Arzneiformen zur Einnahme (tabulettae, compressi), unterschiedliche Form und Größe (rund/oblong), mit und ohne Facette/Bruchkerbe

 

Vorteile: genaue Dosierbarkeit, Teilbarkeit, hohe Stabilität des Wirkstoffes, maschinelle und billige Herstellung, einfache Verpackung/Lagerung/Transport, leichte Einnahme, können überzogen werden (RETARD - gezielte Steuerung der WS-Freisetzung)

 

Wie werden Tabletten hergestellt und welche Hilfsstoffe werden verwendet?

Tablettierfähiges Schüttgut wird hergestellt (Pulvermischung oder Granulat), Verpressen mittels Tablettenpressen (Volumendosierung unter hohem Druck, gute Rieselfähigkeit notwendig) - Exzenter-/Rundlauf-Tablettenpresse mit drei Werkzeugen (Oberstembel, Unterstempel, Matrize)

 

Hilfsstoffe verleihen spezielle Eigenschaften: Füllstoffe, Sprengmittel/Zerfallsförderer, Bindemittel, Gleit- und Schmiermittel (gute Riesefähigkeit, kleine Reibung), Feuchthaltemittel (Zusammenhalt), Adsorptionsmittel (flüssige Wirkstoffe in feste Form)

Was sind RETARD-Arzeniformen, wie werden sie hergestellt und was sind deren Vorteile?

Tabletten mit veränderter Wirkstofffreisetzung (Geschwindigkeit und/oder Ort der Freisetzung gezielt geändert), das Hauptziel ist eine Verlängerung der Arzneimittelwirkung, perorale Depotarzneiformen haben eine verlängerte Wirkstoffabgabe; verzögert (Magensaftresistenz), verlängert (Retardierung), pulsierend (zeitlich gestaffelte Freisetzung)

 

Herstellung: Überzug aus Zucker (Zuckerdragee) oder aus Polymerfilm (Film-/Lacktabletten)

 

Vorteile: Einnahme 1x pro Tag, Wirkung über 24h aufrecht

Was sind Kapseln und was sind deren Vorteile?

Feste, einzeldosierte Arzeniformen mit Hüllen zur Einnahme

Hartkapseln und Weichkapseln

Kapselinhalt: fest, flüssig oder pastös

Kapselhülle: Gelatine mit ev. Zusätzen - Schutzfunktion, Beeinflussung der WS-Freisetzung

 

Vorteile: geruch- und geschmacklos, leichte Einnahme, rasche Freisetzung des Wirkstoffes im Magen (Gelatine quellfähig und wasserlöslich), für thermolabile, hygroskopische, oxidations- und lichtempfindliche Wirkstoffe oder solche, die sich nicht granulieren/verpressen lassen, Verabreichung von unterschiedlich überzogenen Granulaten oder Pellets in einer Kapsel (Depot, Retard)

Wie werden Kapseln hergestellt?

Hartgelatinekapseln: Herstellen der Hülle (Steckkapseln mit speziellem Verschlusssystem), Befüllen (vollautomatisch oder händisch in Apotheke) und Verschließen der Kapsel - Füllgut sind pulverförmige oder granulierte Stoffe, aber auch Pellets

Hilfsstoffe: Füllstoffe und Fließregulierungsmittel

 

Weichkapseln: großtechnische Herstellung in einem Arbeitsgang - Scherer-Verfahren: Füllgut und Gelatinemasse werden über spezielle Formwalzen (vollautomatische Hochleistungsmaschinen) vereinigt, können auch flüssige oder halbfeste Füllgüter sein (Vitaminöle)

Was sind rektale Zubereitungen, welche gehören dazu und was sind deren Vorteile?

Zubereitungen zum Einführen in das Rektum

Zäpfchen/Suppositorien - einzeldosierte, formbeständige Zubereitungen in typischer Torpedoform (2g/1g), die bei Körpertemperatur schmelzen oder sich auflösen, für systemische oder lokale Wirkung

 

Vorteile: keine Belastung des Magens, Umgehen des first pass Effektes, Applikation auch bei Schluckbeschwerden oder Erbrechen möglich, wichtig in Kinderheilkunde

Wie werden Suppositorien hergestellt und welche Hilfsstoffe werden verwendet?

Hilfsstoffe: Suppositoriengrundmasse - Fette oder fettartige Massen (v.a. Hartfett; schmelzen; häufiger), wasserlösliche Massen (lösen sich auf)

 

Wirkstoffe werden in Suppositorienmasse gelöst oder suspendiert (fein verteilt), optimal eine Größe von 50-60µm, Gießen in spezielle Formen - Metallgießformen oder Kunststoffgießformen (Primärpackung) in der Apotheke, Gießautomaten in der Industrie

 

Pressverfahren auch möglich - Suppositorienpresse, sehr eingeschränkte Bedeutung

Was sind dermale Zubereitungen?

Arzneiformen zur kutanen Anwendung (an der Haut) - Dermatika

halbfeste Zubereitungen: Salben, Cremes, Gele, Pasten

auch flüssige Arzeniformen, Schäume, Pflaster

zur lokalen Therapie - obere Hautschichten bei Hauterkrankungen

systemische Wirkung - transdermale Applikation (Haut als Barriere)

 

Problem: Bennenung und Klassifizierung sehr uneinheitlich, Missverständnisse

Was sind Salben und wie werden sie hergestellt?

Wasserfreie, halbfeste Zubereitungen, die Grundlage (Hilfsstoff) ist einheitlich und der Wirkstoff ist darin gelöst oder dispergiert

 

Verhalten gegenüber Wasser: hydrophobe Salbe - nimmt kaum Wasser auf; wasseraufnehmende Salbe - wasserfrei, kann aber Wasser aufnehmen; hydrophile Salbe - Grundlage mit Wasser mischbar

 

Herstellung: offen in Patene mit Pistill - Erwärumung der Grundlage am Wasserbad, Zusatz von Wirkstoff, kaltrühren; geschlossen in Rührwerken

Was sind Cremes und wie werden sie hergestellt?

Mehrphasige Zubereitungen aus lipophiler und wässriger Phase; Wasser wird in wasseraufnehmende Salben eingearbeitet, enthalten Emulgatoren zur Stabilisierung, Endprodukt ist ein emulsionsartiges System - 2-Phasen-System aus Wasser und Öl oder Fett

lipophile Creme: W/O-System, Wassertröpfchen in Öl fein verteilt

hydrophile Creme: O/W-System, Öltröpfchen in Wasser fein verteilt

amphiphile Creme: sowohl W/O- als auch O/W-System

 

Herstellung: offen in Patene mit Pistill - getrennte Erwärmung der Wasser- und Fettphase, Zusatz des Wirkstoffes, Vereinigung, kaltrühren; geschlossen in Rührwerken

Was sind Gele und wie werden sie hergestellt?

Flüssigkeiten (Öl oder Wasser) mit Gelbildner geliert, halbfeste Konsistenz durch Gelstruktur (Quellstoffe)

Oleogel: lipophil

Hydrogel: hydrophil

nicht fettend, kühlender Charakter

 

Herstellung: offen in Patene mit Pistill - Gelbildner den Flüssigkeiten zusetzen, Quellvorgang ablaufen lassen, homogenisieren; geschlossen in Rührwerken

Was sind Pasten?

Zubereitungen mit großen Mengen an fein dispergierten Feststoffen (über 20%)

weiche Pasten: 30% Feststoff

harte Pasten: 50% Feststoff

Homogenität bei Zubereitung wichtig - gleichmäßige Verteilung des Feststoffes

Was sind disperse Systeme?

Flüssige Arzneiformen, Emulsionen und Suspensionen

Was ist eine Emulsion und woraus besteht sie? Beispiele?

Grobdisperses System aus zwei miteinander nicht mischbaren Flüssigkeiten - eine Flüssigkeit in Form feinster Tröpfchen in der anderen dispergiert

äußere Phase: kohärentes oder kontinuierliches Dispersionsmittel

innere Phase: diskontinuierlich, kleinste Tröpfchen (1-50µm Durchmesser)

 

Beispiele: Milch - Fett in Wasser, O/W-System

W/O-Systeme auch möglich, oder multiple Emulsionen (W/O/W, O/W/O)

Was muss bei der Herstellung von Emulsionen beachtet werden und wie werden sie pharmazeutisch eingesetzt?

Stabilität der Tröpfchen: Emulgator verringert die Grenzflächenspannung zwischen den Phasen

 

Einsatz: parenteral (Fettemulsionen zur parenteralen Ernährung), peroral (Vitaminölemulsionen), dermatologisch (Linimente, Lotionen, Hautmilch, etc.)

Was ist eine Suspension und woraus besteht sie?

Grobdisperses flüssiges System aus einem Feststoff und einer Flüssigkeit - Feststoff (0,5-40%) in Flüssigkeit feinst verteilt

äußere Phase: flüssiges Dispersionsmittel

innere Phase: fest, Teilchengröße zwischen 1 und 100µm

Was muss bei der Herstellung von Suspensionen beachtet werden und wie werden sie pharmazeutisch eingesetzt?

Durch Instabilitäten ist eine Phasentrennung möglich: Sedimentation (Niederschlag) oder Flotation (Aufschwimmen) - physikalische Stabilisierung nötig, wie Netzmittel zur Verringerung der Grenzflächenspannung, Viskositätserhöher zur Verhinderung einer Sedimentation, Peptisatoren zur gleichsinnigen Aufladung

Auflösung des Sediments durch Schütteln

 

Einsatz: parenteral (Depot-AF), peroral (Kinderheilkunde), dermatologisch (Lotionen, Schüttelmixturen, Trockenpinselungen), ev. Augentropfen

Was sind pulmonale Zubereitungen und woraus bestehen sie?

gasförmige Arzneiformen zur Inhalation (über die Lunge)  - Inhalanda

Wirkstoff in Wasser gelöst und in Tröpfchenform oder als Feststoff mit Luft gemischt über Atmungsorgane zugeführt

flüssige oder feste Darreichungsformen, als Dampf, Aerosol oder Pulver im Respirationstrakt angewandt

flüssig: Zubereitung + heißes Wasser = Inhalation von Dampf

 

Was ist ein Aerosol, wie wird es hergestellt und was ist dabei zu beachten?

Disperses System aus Luft (äußere Phase) und darin feinst verteilten festen oder flüssigen Anteilen (innere Phase) - Staubaerosol (fest/gasförmig - Rauch), Nebelaerosol (flüssig/gasförmig - Nebel)

 

Herstellung: mit Zerstäubersystemen - pressluftgetriebene Vernebler (lange Inhalationszeiten, ortsgebunden), druckgasgetriebene Dosieraerosole (Wirkstoff in Treibgas (>80%) gelöst oder mikronisiert suspendiert, Dosierventil), Handvernebler ohne Treibgas/Respimat (feiner Nebel mit Metallfeder bei Druck von 300bar), Pulverinhalatoren (Wirkstoff mikronisiert und diskret, Einatemstrom, Problem: Agglomeration - desagglomerierende Bauteile wie Ventilator oder Verwirbelungskanäle, resorbierbare Lactose als Hilfsstoff)

 

Zu Beachten:

Teilchengröße - zu groß: Ablagerung in oberen Luftwegen / zu klein: ausgeatmet

Geschwindigkeit - zu hoch: Aufprall in Rachen, Larynx, Trachea / zu klein: Probleme mit Inhalationsgerät

 

Einschulung des Patienten

Welcher Hilfsstoff dient der Aerosolerzeugung?

Treibgas - flüchtig, ungiftig, geruch- und geschmacklos, betriebssicher (bei Raumtemperatur)

vorw. fluorierte Kohlenwasserstoffe (FKW) - chlorfrei

selten verflüssigte gesättigte Kohlenwasserstoffe - Propan, Butan, brennbar

selten komprimierte Gase - N2, CO2, nicht zu verflüssigen

selten Flüssigkeiten mit niedrigem Siedepunkt - Dimethylether, brennbar

 

FCKW nur in Ausnahmefällen erlaubt

Wann werden Inhalanda angewandt?

Atemwegserkrankungen - allergisch, entzündlich, chronisch-obstruktiv (Asthma, chronisch-obstruktive Lungenerkrangung, chronische Bronchitis, etc.)

Was sind Augenarzneimittel, was ist bei ihrer Herstellung zu beachten und wie werden sie appliziert?

Sterile flüssige oder halbfeste Zubereitungen, manchmal auch feste (Augeninserte)

 

Keimfreiheit und Verträglichkeit: Isotonie und pH-Wert, Konservierung

 

Applikationsformen: Augentropfen, Augenbäder, Augensalben

Welche Zubereitungen werden im Bereich der Vaginalia eingesetzt?

Füssige, halbfeste und feste Zubereitungen

Vaginalsuppositorien - fest und einzeldosiert, Grundmasse meist hydrophil (Glycerin, Gelatine, Wasser)

Vaginalkapseln - Weichgelatine

Vaginaltabletten - nicht überzogen, sehr weich

Vaginalspülungen - flüssig

Vaginalschäume - grobdispers (gasförmig/flüssig), Aerodispersionen

Vaginaltampons - fest, einzeldosiert

Welche Zubereitungsformen werden in der Mundhöhle appliziert?

Feste, flüssige und halbfeste Zubereitungen

fest - Lutschtabletten, Sublingualtabletten, Buccaltabletten (Wange)

flüssig - Gurgellösungen, Mundwässer, Lösungen für Zahnfleisch, Sprays (lokale Anwendung bei Rachenbeschwerden)

halbfest - Pasten und Gele, Schmelzfilme, Kaugummi mit Wirkstoff

Wie werden Zubereitungen aus Pflanzen hergestellt und wie werden sie appliziert?

Durch Extraktion von getrockneten Pflanzenteilen

Tee - Extraktion mit Wasser

Tinkturen/Fluidextrakte/Trockenextrakte - Extraktionen mit Wasser-/Ethanol-Mischungen, Trockenextrakte in Kapselform

Was sind therapeutische Systeme?

Neue Entwicklungen, moderne, zum Teil zukünftige Arzneiformen - Mikropartikel, Nanopartikel, Liposomen, bioadhäsive Arzneiformen, Arzneiformen mit Zielrichtung (drug targeting), Mikroemulsionen, etc.

Was sind transdermale therapeutische Systeme (TTS)?

Transdermale Pflaster - Pflaster mit Wirkstoffreservoir, kleben auf der Haut und geben Wirkstoff über einen langen Zeitraum ab

systemische Wirkung erwünscht - konstante Resorptionsgeschwindigkeit, für Wirkstoffe mit kleinen Mengen und bei denen ein Transport durch die Haut möglich ist (Langzeittherapie, z.B.: Schmerz- oder Hormontherapie)

Welche vier weiteren Gebiete im Bereich der Arzneiform bzw. des Arzneimittels sind wichtig?

Qualität - höchste Qualität, spezielle Vorschriften, GMP-Richtlinien

Pharmazeutisch-technologische Analytik - Überprüfung der hergestellten Arzneiformen, Prüfvorschriften

Haltbarkeit von Arzneimitteln - Stabilität und Lagerfähigkeit, Inkompatibilitäten, Haltbarkeitsfrist/Aufbrauchfrist

Homöopathische Arzneimittel