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Warum können die Kommunikationssysteme von Tieren nicht als "Sprache" im linguistischen Sinn bezeichnet werden?

- nur der Mensch kann mit seiner Sprache über seine Sprache kommunizieren: metasprachliche Äußerungen

  • z.B. "Haus ist ein Substantiv"

- keine Segmentierung von Lautäußerungen von Tieren:

  • z.B. wau in /w/ & /au/

- keine eindeutige Zuordnung von Ausdrücken & Inhalten:

  • z.B. wau = Haus, wuff = Briefträger

- Tiere können ihre "Sprachen" niemals bewusst & gezielt verändern

wichtige Namen der Wissenschaftsgeschichte ("Gründergeneration")

- Franz Bopp:

  • Beweis der Verwandtschaft verschiedener indogermanischer Sprachen (1816)

- Jacob Grimm:

  • "Deutsche Grammatik" (1819)
  • Beweis der Verwandtschaft der germanischen Sprachen

- Rasmus Kristian Rask:

  • "Untersuchung über den Ursprung der alten nordischen und isländischen Sprache" (1814)

- Sir William Jones:

  • Verwandtschaft der alten europäischen Sprachen mit dem altindischen Sanskrit
  • Vermutung einer "Ursprache" (1785)

- Johann Gottfried Herder:

  • Der Mensch habe seine Sprache selbst geschaffen, indem er die Kommunikationssysteme der Tiere umgeformt & weiterentwickelt hat

- Wilhelm von Humboldt:

  • "Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaus und ihren Einfluss auf die geistige Entwicklung des Menschengeschlechts" (1836-40)
  • menschliche Sprache ist kein fertiges Werk (ergon), sondern eine selbstschöpferische Kraft (energeia)
  • "innere Sprachform"

Welche vier Sprachtypen postulierte Wilhelm von Humboldt?

- isolierende Sprache:

  • grammatische Wörter
  • Wortstellung
  • z.B. Chinesisch

- flektierende Sprache:

  • Beispiel: sagte -> "te" bestimmt Tempus & Person
  • z.B. Deutsch

- agglutinierende Sprache:

  • jede grammatische Kategorie -> ein Affix
  • z.B. Türkisch

- inkorporierende Sprache:

  • 1-Wort-Sätze

Struktur der Sprache

- sprachliche Strukturen sind dynamisch:

  • statische Strukturen wären vorhersagbar
  • jede Einheit wird durch die Gegenüberstellung von anderen Einheiten definiert

- heute: sprachliche Strukturen sind nicht in der Natur vorgegeben

- Sprachuniversalien:

  • Wörter & Wortarten
  • Schwierigkeit liegt bei der Anzahl der Sprachen

- ohne den Mensch -> keine menschliche Sprache

=> Mensch als Schöpfer der Sprache?!

- die meisten Sprachen in Europa & großteils in Asien weisen vergleichbare Strukturen auf: Verwandtschaft

  • typologische & genealogische Sprachvergleichung

Wie viele Sprachen gibt es auf der Welt?

- nicht beantwortbar

- keine eindeutigen Kriterien (Sprache oder Dialekt?)

- 6.700 lebende Sprachen

- Europa: 70 Sprachen

- aussterbende Sprachen

Wie kommt der Mensch zur Sprache? (Spracherwerb)

- Interaktionismus (älter Behaviorismus):

  • Nachahmung dessen, was man von den Sprechenden seiner Umwelt hört
  • veraltet in seiner reinen Form
  • Jedes Kleinkind kann auf Anhieb akzeptable Sätze bilden.

- Nativismus:

  • Kognitivismus von Jean Piaget:
    • Ausbau angeborener kognitiver Fähigkeiten zu Strukturen in der kindlichen Entwicklung

Spracherwerbsphasen beim Kind

- Neugeborenes kann Sprachschall wahrnehmen & von anderen Klängen unterscheiden & schreien

- Gurrphase (ab 6-8 Wochen)

- Lallphase/Babbelphase/"silbische Phase" (ab 4 Monaten):

  • Klosant-Vokant-Kombinationen
  • "bababa" oder "gagaga"

- "buntes Babbeln" (ab ~ 10 Monaten):

  • Kombination verschiedener Vokanten & Klosanten
  • "dadu" oder "mamumume"

- Einwortäußerungen (zwischen 12 & 18 bis 20 Monaten)

- Zweiwortäußerungen (zwischen 1,5 & 2 bis 2,5 Jahren)

- Drei- & Mehrwortäußerungen (zwischen 2 & 4 Jahren)

Was versteht man unter den Begriffen "Muttersprache", "Zweitsprache" & "Fremdsprache"?

- Muttersprache ... erste, als Kind erworbene Sprache

  • Erstsprache
  • Primärsprache
  • natürliche Sprache
  • Grundsprache
  • Herkunftssprache

- Fremdsprache:

  • "erste Fremdsprache"
  • "künstlich & gesteuert" erlernt (z.B. in der Schule)

- Zweitsprache:

  • nächste erlernte Fremdsprache
  • "natürlich & ungesteuert" erworben (z.B. Sprachaufenthalt)

Was ist der Unterschied zwischen Erwerben & Erlernen?

- Lernen ... bewusstes, gesteuertes Erfassen (z.B. Schule)

- Erwerb ... unbewusst & ungesteuert (z.B. Sprachaufenthalt)

 

-> keine festen Grenzen

Wann war die "Kognitive Wende"?

60er Jahre des 20. Jahrhunderts

Welche Sprachstörung gilt als die am besten erforschte?

Aphasie

Welchen wichtigen Beweis hat die Aphasiologie erbracht?

- bestimmte Gehirnregionen sind für spezielle sprachliche Leistungen verantwortlich

- fallen diese Regionen durch einen Unfall oder sonstige Verletzung aus, setzen die entsprechenden grammatischen Fähigkeiten aus

die drei wichtigsten Sprachareale im menschlischen Gehirn

- Broca-Areal (Großhirnrinde):

  • Wortstellung, Kasus usw.
  • motorische Aphasie:
    • keine formal zusammenhängenden Äußerungen

- Wernicke-Areal (Schläfenlappen):

  • sensorische Aphasie:
    • Ausfall des Sprachverständnisses

- Gyrus-angularis:

  • Wortfindungs- & Lesestörungen bei Ausfall

Was war das Ziel der "historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft"?

durch den Vergleich historischer Sprachstufen sollte die Ursprungssprache ermittelt werden (Indogermanisch/Indoeuropäisch)

-> ausschließlich Sprachgeschichte im 19. Jahrhundert

Vertreter der "Junggrammatiker" (70er Jahre des 19. Jahrhunderts)

- Karl Weinhold

- August Leskien

- Berthold Delbrück

- Hermann Paul

- Karl Verner

- Hermann Osthoff

- Karl Brugmann

- Wilhelm Braune

- Eduard Sievers

- Otto Behaghel

- Friedrich Kluge

- Wilhelm Streitberg

- Karl Luick

 

-> Aufbegehren gegen den überholten Wissenschaftsbegriff ihrer Zeit

Ansätze der "Junggrammatiker"

- "Lautgesetze sind ausnahmslos":

  • sprachliche Entwicklung, die an einem bestimmten Ort eine bestimmte Zeit lang wirkt:
    • Beispiel Frühneuhochdeutsch:
      • Kurzvokale in offener Silbe gedehnt

- analogische Veränderungen:

  • verursacht durch die Vorbildwirkung anderer sprachlicher Erscheinungen
  • Beispiel: slac (kurzes a in geschlossener Silbe) zu Schlag
    • Analogie zu den casus obliqui (des slages usw.)

Welchen Vorwurf mussten sich die "Junggrammatiker" anhören?

Betrachtung der detailreichen Einzelentwicklungen ohne zu Grunde liegende allgemeine Sprachtheorie

Erscheinungsformen von Sprache

- Dialekte & Soziolekte (z.B. Jugendsprache) -> nicht homogen

- nur eine kleine Minderheit der Sprache ist verschriftet:

  • genormte Schrift (Rechtschreibung) = Standardvarietät

- keine einheitliche deutsche Sprachform -> heterogen

- Usus:

  • Gebrauch von Sprache, der von der Norm abweicht, aber noch akzeptiert werden kann

- Sprachbeschreibungen:

  • vorschreibend (präskriptiv):
    • bewusste Normsetzung
    • Duden
  • beschreibend (deskriptiv):
    • Kodifizierung des Sprachgebrauchs

-> jede Sprachbeschreibung ist eine Mischung

Was versteht man unter der "deutschen Sprache"?

- historisch (diachron):

  • Gruppe verschiedener ihrer Herkunft nach westgermanischer Sprachen
  • Standardsprache ... Form des Hochdeutschen

- räumlich (diatopisch):

  • Gruppe von heutigen Mundarten des Hochdeutschen & Niederdeutschen:
    • Standardsprache & Standardvarietät als übergreifende Norm

- Dialekte & gesellschaftlich-soziologische Varietäten (diastratisch):

  • jedes Individuum verfügt über mehrere Varietäten

Was versteht man unter dem Begriff "Basisdialekt"?

lokal gebundene Sprachform der ansässigen wenig mobilen, vielfach älteren Bevölkerung im privaten Gespräch

Was versteht man unter dem Begriff "Verkehrsdialekt"?

- höher eingeschätzte Sprachform der ansässigen, mobilen & meist jüngeren Bevölkerung im privaten bis halböffentlichen Gespräch

- von nah gelegenen Verkehrszentren beeinflusst

Was versteht man unter dem Begriff "Umgangssprache"?

- vermittelnde Sprachform zwischen Dialekt & Standardsprache im Umgang mit Höhergestellten & Fremden

- allgemeine Sprachform der mobilen mittleren & höheren Sozialschichten

Was versteht man unter dem Begriff "Standardsprache"?

großräumige Realisierung als Sprache der Öffentlichkeit