Ontogenese
individuelle Lebensspanne
Woher wissen Tiere, wie sie sich richtig zu verhalten haben?
Durch Instinkt und Lernen. Alle Tiere haben beides, kann aber unterschiedlich verteilt sein. z.B. Grabwespe (Generationen treffen sich nie > mehr Instinkt), Löwe (Aufzucht durch Rudel, viel erlerntes Verhalten)
Instinkt
Beim ersten Auftreten eines Verhaltens wird dieses direkt perfekt ausgeführt. Wird von Generation zu Generation weitergegeben, im Artgedächtnis gespeichert z.B. Netzbau bei Spinnen
Zusammenspiel von Instinkt und Lernen
Instinkte werden i.d.R. von Erfahrung modifiziert -> Lernprozess. z.B. Vogelgesang: Grundmuster ist vorhanden, wird jedoch modifiziert. Versuch: Austausch von Eiern versch. Vogelpopulationen; genetisch fremde Tiere lernen den Gesangsdialekt der Aufnahmepopulation.
Beispiele für pränatale Beeinflussung des Verhaltens bei Nichtsäugern
Synchronisation des Schlupfs von Küken über akustische Kommunikation. Bei Reptilien hängt oft das Geschlecht von der Inkubationstemperatur ab. Trottelumme: Küken lernen schon während pränataler Phase die Stimme der Mutter
Beispiele für pränatale Beeinflussung des Verhaltens bei Säugetieren
Gehirnentwicklung wird durch über die Plazenta aufgenommene Hormone der Mutter beeinflusst. z.B. Meerschweinchen, deren Mutter in stabiler/ instabiler sozialer Umwelt lebte; Töchter aus instabilem Umfeld zeigen maskulinisiertes Verhalten, Söhne Infantilisierung
Maskulinisierung von Töchtern und Infantilisierung von Söhnen bei in instabiler sozialer Umwelt lebenden Meerschweinchen: Verhaltensstörung oder Anpassung?
Populationsdichte wilder Meerschweinchen schwankt. Hohe Dichte = instabile soziale Umwelt -> maskulinisierte Töchter besser angepasst (Konkurrenz um Ressourcen). Niedrige Dichte = stabile soz. Umwelt -> normale Töchter besser angepasst (investieren ganze Energie in Reproduktion)
Adaptive predictive response hypothesis
Epigenetische Programmierung durch maternale Effekte. Umwelt -> Mutter (beeinflusst) -> Nachkommen (sind an Umwelt besser angepasst)
Frühe postnatale Beeinflussung des Verhaltens, Beispiel Rhesusaffen
Isoliert aufgewachsene Jungtiere: (Auto-)Aggressiv,… , gestörtes Fortpflanzungsverhalten. Kann durch Mutterattrappen teilweise verhindert werden
Frühe postnatale Beeinflussung des Verhaltens, Beispiel Ratten
Mütterliches Verhalten bei Ratten kann stark/schwach ausgeprägt sein. wenig. Nachkommen machen es wie eigene Mütter. Merkmale bei der Jungtiere bei viel mütterlichem Verhalten: geringere hormonelle Stressreaktionen, geringere Ängstlichkeit, verbesserte kognitive Fähigkeiten.
Mechanismus der frühen postnatalen Beeinflussung des Verhaltens bei Ratten
Mütterliches Verhalten verändert die Genexpression in spezifischen Gebieten des limbischen Systems, insbesondere Hormonrezeptoren (durch Methylierung). Maternale Programmierung -> nongenomic transmission/ epigenetic Inheritance.
Adoleszenz
Endphase des Jugendalters
Beeinflussung des Verhaltens während der Adoleszenz
Meerschweinchen mit 1Jahr von einer Kolonie in andere setzen -> verhalten sich zurückhaltend, integrieren sich (Hormonspiegel unverändert). Einzeln/paarweise aufgewachsene kommen in eine Kolonie ->aggressives Verhalten (viele Stresshormone), werden zurückgewiesen. Integration später möglich.
Beeinflussung des Verhaltens während der Adoleszenz, Beispiel Meerschweinchen-männchen
Beim Aufwachsen in Kolonien lernen Männchen von älteren Männchen soziale Regeln und ihre Stärke abzuschätzen. Es gibt einen kausalen Zusammenhang zwischen den Erfahrungen von Tieren in ihrer Adoleszenz und ihrer Stressreaktion und dem Hormonspiegel.
Alter/Seneszenz
Nur wenige wissenschaftliche Informationen vorhanden. Die meisten Tierarten in der Natur haben kein Seneszenzstadium (=keine Reproduktion mehr möglich). Warum gibt es das überhaupt bei einigen Arten? Frage offen.