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Was ist eine Norm?

Normen sind ein Sollen, also Anordnungen, wie man sich verhalten soll.

Normen regeln menschliches Verhalten und sind von Menschen gesetzt. Sie wurden entweder von einer Autorität angeordnet oder haben sich in der menschlichen Gesellschaft durch eine lang andauernde Gewohnheit herausgebildet (opinio iuris). 

Welche verschiedenen Arten von Normen kennen Sie?

  • Normen der Sitte
  • Normen der Moral
  • Normen der Religion
  • Normen des Rechts

Was haben diese verschiedenen Arten gemeinsam? Wie unterscheiden sich Rechtsnormen von anderen Normen?

Diese Normen haben gemeinsam, dass sie von Menschen gesetzt wurden und menschliches Verhalten regeln. Rechtsnormen werden insoweit von anderen unterschieden, da sie von einer staatlichen Autorität gesetzt (=erlassen) wurden und mittels staatlicher Zwangsmaßnahmen durchgesetzt werden sollen. 

Erklären Sie den Begriff "positives Recht"!

Positives Recht ist gesetztes Recht, das bedeutet es wurde von Menschen gesetzt ("ponere"). 

Was bedeutet der Begriff "Geltung"?

Geltung hat eine Norm, wenn sie Bestandteil der Rechtsordnung ist. Damit ist gemeint, dass eine Norm eine spezifische (rechtliche) Existenz besitzt. (= Sollen)

Erklären Sie den Begriff "Effektivität"!

Effektivität wird auch als Wirksamkeit bezeichnet und meint, dass eine Norm effektiv ist, wenn sie tatsächlich befolgt wird. (= Sein)

Wie bezeichnet man das weitgehende Übereinstimmen von Normen aus verschiedenen Normensystemen? Weshalb kann eine solche Übereinstimmung wünschenswert sein?

Man bezeichnet solch eine Übereinstimmung als Normenkongruenz. Dies kann wünschenswert sein, da Normen bezüglich dem angeordneten Verhalten, inhaltlich übereinstimmen. 

Welche Regeln können zur Lösung von Rechtsnormkonflikten angewendet werden?

Zur Lösung von Rechtsnormkonflikten kann einerseits die Aufteilung der Zuständigkeiten angewendet werden, andererseits kann die lex specialis Regel oder die lex posterior Regel benutzt werden.

Welche Bedeutung kommt den Begriffen Geltung, Inkrafttreten und Effektivität in Verbindung mit Normen zu?

Geltung beschreibt eine Norm die Bestandteil der Rechtsordnung ist, somit also rechltich existiert (=Sollen).

Inkrafttreten meint, dass am Tag nach der Kundmachung bzw. an einem Tag, der im Gesetz bestimmt ist, das Gesetz in Kraft tritt. Ab diesem Tag an müssen sich alle Menschen in Österreich daran halten. 

Effektivität bedeutet Wirksamkeit, also dass Normen tatsächlich eingehalten und befolgt werden (=Sein). 

Nach welchen Kriterien bzw. anhand welcher Theorien lassen sich die Bereiche Öffentliches Recht und Privatrecht voneinander unterscheiden?

Es gibt folgende Theorien: Interessentheorie (ÖR Schutz öffentlicher Interessen - PR Schutz privater Interessen), Subjektionstheorie (ÖR gibt es Herrschaftsverhältnisse - PR gibt es Gleichordnung), Subjektstheorie (Hat ein Berechtigter Hoheitsgewalt und handelt für den Staat?)

Welche Bedeutung hat die Unterscheidung zwischen Öffentlichem und Privatrecht? Geben Sie hierzu Beispiele!

Die Unterscheidung dient dazu, dass heutzutage die Verwaltung an die Gesetze gebunden ist, gerichtliches Handeln muss auf Gesetzen beruhen und der Gesetzgeber ist an die Verfassung gebunden.

  • Das B-VG ist hauptsächlich zur Regelung von Privatrecht der Bundesgesetzgeber zuständig.
  • Für bürgerliche Rechtssachen (Privatrecht) sind ordentliche Gerichte zuständig. 
  • Privatrechtliche Einwendungen sind manchmal auf den Zivilrechtsweg zu verweisen. 
  • Gesetze enthalten spezielle Regelungen für öffentlich-rechtliche Körperschaften. 
  • Es bestehen bestimmte Regelungen, wenn ein Schaden durch ein staatliches Organ bei einer Vollziehung von Gesetzen entsteht, welche vom Privatrecht abwichen. 

Was bedeutet Subsumtion?

Die Subsumtion ist ein Vorgang bei der man einen Begriff unter einen anderen ordnet. 

Was ist Verfassungsrecht?

Verfassungsrecht stellt die rechtliche Grundordnung eines Staates dar. Sie regelt wie der Staat funktioniert. 

Was versteht man unter den Begriffen "Verfassungsrecht im materiellen Sinn" und "Verfassungsrecht im formellen Sinn"?

Verfassungsrecht im materiellen Sinn behandelt den Inhalt bestimmter Regelungen, wie den Aufbau, die Organisation und die Machtverteilung eines Staates. 

Verfassungsrecht im formellen Sinn beschäftigt sich mit Regelungen, die in einem bestimmten Rechtserzeugungsverfahren (Form), für das strengere rechtliche Anforderungen als bei einfachen Gesetzen gelten, erzeugt wurden.

Welche Regelungsinhalte finden sich üblicherweise im Verfassungsrecht?

Verfassungsrecht im materiellen Sinn wird in Österreich in Form von Verfassungsgesetzen (Verfassungsrecht im formellen Sinn) erzeugt.

Es bestehen Ausnahmen:

  • Nationalratswahlordnung - NRWO
  • Geschäftsordnungsgesetz
  • Bundesgesetz über das Bundesgesetzblatt
  • Volksbegehrengesetz
  • Volksabstimmungsgesetz
  • Bundesministeriengesetz - BMG
  • Verfassungsgerichtshofgesetz - VfGG

Erläutern Sie das "Inkorporationsgebot"! Kennt die österreichische Bundesverfassung ein solches?

Das Inkorporationsgebot meint die Verpflichtung alle Verfassungsbestimmungen in einer Urkunde zu normieren. Nein, die österreichische Bundesverfassung enthält kein Inkorporationsgebot.  

Nennen und erklären Sie die Grundprinzipien der österreichischen Bundesverfassung! Welche verfassungsrechtliche Bedeutung haben Sie?

Es gibt insgesamt 6 Grundprinzipien:

  • Das gewaltentrennende Grundprinzip (Aufteilung der staatlichen Gewalt zwischen Gesetzgebung [Legislative], Verwaltung [Exekutive], Gerichtsbarkeit [Judikative] und System der wechselseitigen Abhängigkeit und Kontrolle)
  • Das bundesstaatliche Grundprinzip (Aufteilung der staatlichen Gewalt zwischen Bund und Ländern)
  • Das demokratische Grundprinzip (Freiheitssicherung - Menschen sind an solche Normen gebunden, die sie selbst erlassen haben [unmittelbare/direkte Demokratie - Jeder Normunterworfene ist an jedem Normsetzungsakt beteiligt] -> nur mittelbare Demokratie umsetzbar = Das Volk wählt Repräsentanten, die Normen erlassen dürfen)
  • Das liberale Grundprinzip (Freiheitssicherung - Freiheit vom Staat)
  • Das rechtsstaatliche Grundprinzip (Freiheitssicherung und Kontrolle der Ausübung staatlicher Gewalt - Alle staatlichen Akte basieren auf Gesetzen [Gesetzgeber ist an Verfassung gebunden und die Vollziehung an Gesetze])
  • Das republikanische Grundprinzip (Stellung des Staatsoberhauptes)

 

Die Verfassung regelt die Macht im Staat bzw. verhindert den Machtmissbrauch und sichert den Menschen ihre Freiheit. Um dies zu erreichen gibt es die Grundprinzipien. 

Welche Grundprinzipien dienen der Aufteilung der staatlichen Gewalt? Inwiefern unterscheiden sie sich voneinander?

  • Das gewaltentrennende Grundprinzip (Aufteilung Gesetzgebung, Verwaltung, Gerichtsbarkeit)
  • Das bundesstaatliche Grundprinzip (Aufteilung der Organe zwischen Bund und Land)
  • Das rechtsstaatliche Grundprinzip (Staatlichen Akte basieren auf Gesetzen & es gibt Rechtsschutzeinrichtungen)

 

Welche Grundprinzipien dienen der Freiheitssicherung? Inwiefern unterscheiden sie sich voneinander?

  • Das demokratische Grundprinzip (Menschen halten sich an Normen, die sie selbst erlassen haben;  wählen Repräsentanten -> mittelbare Demokratie)
  • Das liberale Grundprinzip (Freiheit vom Staat)
  • Das rechtsstaatliche Grundprinzip

Welche beiden Staatsfunktionen werden vom Begriff "Vollziehung" umfasst?

Verwaltung (Exekutive) und Gerichtsbarkeit (Judikative)

Unterscheiden Sie die "unmittelbare" von der "mittelbaren" Demokratie!

Die unmittelbare/direkte Demokratie zielt darauf ab, dass alle Normunterworfenen an jedem Normsetzungsakt teilhaben. Die mittelbare Demokratie beschreibt, dass das Volk Repräsentanten wählt, die berechtigt sind, Normen zu erlassen. 

Erklären Sie, wie der Rechtsstaat in Österreich verwirklicht wird!

  • Die Bevölkerung sowie der Staat selbst muss sich an die Rechtsordnung halten.
  • Die Gesetze dürfen die Menschen- und Grundrechte nicht verletzen. 
  • Die Einhaltung der Gesetze wird durch den Staat als auch durch jeden Einzelnen selbst kontrolliert. 

Was besagt das "Legalitätsprinzip"?

Das Legalitätsprinzip ist Teil des rechtsstaatlichen Grundprinzips und besagt, dass die Vollziehung (Verwaltung & Gerichtsbarkeit) nur aufgrund der Gesetze erfolgen darf. 

Welche Merkmale weisen darauf hin, dass es sich bei einem Staat um eine Republik handelt?

Eine Republik ist ein Staat, an dessen Spitze ein gewähltes Staatsoberhaupt steht, dessen Amtsdauer zeitlich beschränkt ist und das für seine Amtsausführung verantwortlich ist. 

Welchen Organen obliegt die Gesetzgebung auf Bundesebene?

Nationalrat und Bundesrat

Wie nennt man die Gesetzgebungsorgane der Länder?

Landtage

Der Grundsatz des allgemeinen Wahlrechts umfasst das aktive und passive Wahlrecht. Was versteht man darunter?

Das aktive Wahlrecht bezieht sich darauf, dass der Nationalrat vom Bundesvolk gewählt wird. Die österreichischen Staatsbürger, die das 16. Lebensjahr erreicht haben und nicht von den Wahlen ausgeschlossen sind, dürfen wählen.

Das passive Wahlrecht beschreibt wer wählbar ist. Jeder der das 18. Lebensjahr vollendet hat und österreichischer Staatsbürger ist, ist wählbar. 

Welchen Inhalt hat das...

  1. gleiche Wahlrecht?
  2. unmittelbare Wahlrecht?
  3. persönliche Wahlrecht?
  4. freie Wahlrecht?
  5. geheime Wahlrecht?
  1. Jede Stimme hat den gleichen Zählwert. 
  2. Die Wahl der Abgeordneten hat unmittelbar durch die Wahlberechtigten selbst zu erfolgen. 
  3. Die Wahl hat persönlich zu erfolgen (nicht durch Stellvertreter). 
  4. Die Wahl soll ohne Zwang und ohne unsachliche Beeinflussung erfolgen. 
  5. Niemand kann sich Zugriff über den Inhalt der abgegebenen Stimme verschaffen. 

Was versteht man unter dem Proportionalwahlrecht?

Dies bezieht sich auf den Grundsatz der Verhältniswahl, der besagt, dass die Verteilung der Mandate auf die wahlwerbenden Parteien nach dem Verhältnis der abgegebenen Stimmen zu erfolgen hat. 

Wieso gibt es im Bundesrat keine Legislaturperioden?

Es gibt im Bundesrat nur eine Partialerneuerung (teilweise Erneuerung), da die Landtagswahlen zu unterschiedlichen Zeitpunkten stattfinden. 

Was bedeutet es, Träger des freien Mandats zu sein?

Es bedeutet, dass die Abgeordneten in der Ausübung dieses Berufes an keine Aufträge gebunden sind. 

Welche Arten von Immunität kennen Sie? Erklären Sie diese genau!

  • Berufliche Immunität (Für Abstimmungen dürfen Abgeordnete nicht rechtlich verantwortlich gemacht werden - Für Äußerungen dürfen sie NUR vom Gesetzgebungsorgan zur Verantwortung gezogen werden [Ruf zur Ordnung, Ruf zur Sache, Entzug des Wortes])
  • Außerberufliche Immunität (Verhaftungen, Hausdurchsuchungen oder sonstige behördliche Verfolgungen bedürfen der Zustimmung des Gesetzgebungsorgans - außer auf frischer Tat bzw. wenn kein politischer Zusammenhang besteht)

Wozu dienen das freie Mandat und die Immunität?

Mit der Normierung des freien Mandats und der Immunität wird der Gedanke von Freiheitssicherung im Rahmen der Demokratie sowie der Unabhängigkeit der Abgeorddeutlich. 

Was versteht man unter "Inkompatibilität"?

Es bedeutet, dass bestimmte Funktionen nicht mit der Stellung eines Abgeordneten vereinbar sind. (zB Bundespräsident kann nicht gleichzeitig Mitglied im Verfassungsgerichtshof sein)

Welche direkt demokratischen Elemente kennen Sie? Grenzen Sie diese voneinander ab!

Es gibt 3 Arten:

  • Volksbegehren (Gesetzesantrag, der das Gesetzgebungsorgan verpflichtet ein Gesetzgebungsverfahren einzuleiten)
  • Volksabstimmung (Abstimmung über einen Gesetzesbeschluss)
  • Volksbefragung (Ergebnis der Befragung hat keine rechtlich bindenden Konsequenzen)

Was versteht man unter den sogenannten "Kompetenzbestimmungen"? Wo sind diese zu finden?

Unter den Kompetenzbestimmungen versteht man die Zuständigkeiten der einzelnen Gesetzgebungsorgane in Bund und Land. Diese sind in den Art 10-15 B-VG geregelt. 

Art 15 Abs 1 B-VG normiert eine Generalklausel zu Gunsten der Länder. Was bedeutet das?

Wenn nichts anderers normiert ist verbleibt die Gesetzgebung und Vollziehung im selbstständigen Wirkungsbereich der Länder. 

Wer kann einen Gesetzgebungsantrag an den Nationalrat stellen?

  • Bundesregierung (Regierungsvorlage)
  • Mitglieder des Nationalrates (Gesetzesinitiative)
  • Von einem Drittel der Mitglieder des Bundesrates
  • Teil des Bundesvolkes (Volksbegehren)

Welche Quoren sind bei der Beschlussfassung über ein...

  1. einfaches Gesetz
  2. Verfassungsgesetz

erforderlich?

  1. Präsensquorum = 1/3 anwesend und Konsensquorum = 1/2 muss zustimmen
  2. Präsensquorum = 1/2 anwesend und Konsensquorum = 2/3 muss zustimmen + entsprechende Bezeichnung

Welche Mitwirkungsmöglichkeiten kommen dem Bundesrat im Bundesgesetzgebungsverfahren zu? Kann er das Zustandekommen eines Gesetzes verhindern?

  • Nur die Möglichkeit Einspruch zu erheben (Suspensives Veto)
  • Manchmal keine Mitwirkungsmöglichkeiten (zB Geschäftsordnungsgesetz des Nationalrates)
  • Manchmal muss er zustimmen (Abänderung der Verfassungsbestimmungen über den Bundesrat)

 

Nein er kann es nicht verhindern, da auch bei einem Einspruch der Nationalrat mit bestimmten Quoren den Einspruch "überwinden" kann und dadurch das Gesetzgebungsverfahren weiterläuft. 

Welche Rolle spielen Verwaltungsorgane im Gesetzgebungsverfahren des Bundes?

Die Verwaltungsorgane Bundespräsident und Bundeskanzler spielen eine bedeutende Rolle im Gesetzgebungsverfahren, da zuerst der Gesetzesbeschluss vom BK dem BP zur Beurkundung vorzulegen hat. Dann muss der BP diesen auf bestimmte formelle (NICHT inhaltliche) Voraussetzungen prüfen und mit seiner Unterschrift beurkunden. Abschließend muss der BK dies gegenzeichnen (Echtheitsbeglaubigung). Danach muss der BK diesen Gesetzesbeschluss im Bundesgesetzblatt kundmachen.

Was versteht man unter der "relativen Verfassungsautonomie der Länder"?

Gibt es keine bundesverfassungsgesetzlichen Regelungen, dürfen die Landesverfassungen die Angelegenheiten der Länder frei regeln = relative Verfassungsautonomie der Länder. 

Welche Bedeutung kommt der Kundmachung und dem Inkrafttreten eines Gesetzes zu?

Bei der Kundmachung erhält das Gesetz Geltung und ist somit Bestandteil der Rechtsordnung. 

Das Gesetz tritt am Tag nach der Kundmachung in Kraft, das bedeutet, dass ab diesem Tag das Gesetz auf solche Sachverhalte Anwendung findet. 

Was versteht man unter den Begriffen "Legisvakanz" und "Rückwirkung"? Ist eine Rückwirkung schrankenlos zulässig?

  • Legisvakanz ist ein späteres Inkrafttreten - Das bedeutet, dass nicht am Tag nach der Kundmachung das Gesetz in Kraft tritt, sondern an einem, im Gesetz angeführten Tag.
  • Rückwirkung meint, wenn ein Gesetz auf Sachverhalte anzuwenden ist, welche bereits vor der Kundmachung existiert haben. 

Eine Rückwirkung ist aufgrund des Rückwirkungsverbots nicht zulässig, da dieses verbietet, dass niemand wegen einer Handlung verurteilt werden darf, die zur Zeit der Begehung nicht strafbar war. Außerdem darf keine höhere Strafe verhängt werden, als die im Zeitpunkt der Begehung der strafbaren Handlung angedrohte Strafe. 

Beschreiben Sie den Aufbau der Verwaltung!

Die Verwaltung verhängt Verordnungen (generell-abstrakte Gesetze im materiellen Sinn), erlässt Bescheide oder setzt individuell-konkrete Akte unmittelbarer verwaltungsbehördlicher Befehls- und Zwangsgewalt (AuvBZ). 

Was ist im juristischen Sinn ein "Organ" und wie unterscheidet es sich vom "Organwalter"?

Als Organ bezeichnet man die Funktion, die eine natürliche Person innehat um für eine juristische Person zu handeln. Diese Funktion nennt man auch rechtliches Bündel von Zuständigkeiten. Die natürliche Person, die diese Organfunktion innehat, nennt man Organwalter. 

Unterscheiden und erklären Sie die Begriffe des Organs im organisatorischen Sinn bzw. des Organs im funktionellen Sinn!

Organe im organisatorischen Sinn sind Organe, deren Bestellung und Abberufung genau geregelt sind und die einer staatlichen Einheit angehören (BK dem Bund; Landeshauptman dem Bundesland/Land; Bürgermeister der Gemeinde). Mit Organen im funktionellen Sinn meint man Aufgaben die Organe für eine andere staatliche Einheit besorgen, obwohl sie organisatorisch zu einer anderen staatlichen Einheit zählen. Organe im bloß funktionellen Sinn sind Organe, denen einzelne staatliche Aufgaben übertragen sind und die nicht in die Organisation des Staates eingebunden sind (zB GIS). 

Was ist der Unterschied zwischen monokratischen Organen und Kollegialorganen? Erklären Sie und geben Sie je ein Beispiel!

Ein monokratisches Organ bezeichnet rechtlich eine natürliche Person, die eine Organfunktion ausübt (zB BP, BK, BM, LH). Kollegialorgane sind mehrere natürliche Personen, die gemeinsam eine Organfunktion ausüben (zB Bundesregierung, Senat der Uni Wien). Für Kollegialorgane muss das Präsens- und Konsensquorum genau geregelt sein.  

Was ist eine Behörde, was ist ihr entscheidendes Merkmal?

Behörden dürfen einseitig (heteronom) verbindliche Rechtsakte setzen. Sie haben daher Befehlsgewalt (imperium). Behörden handeln im Zusammenhang mit der Verwaltung und Gerichtsbarkeit. 

Welche Organe stehen an der Spitze der Bundes- bzw Landesverwaltung?

An der Spitze der Bundesverwaltung steht der Bundespräsident und die Bundesregierung (BK, VK, BM).

Die Landesverwaltung besteht aus der Landesregierung (LH, LH-StV, Mitglieder LReg). 

Wie erfolgt die Regierungsbildung?

Der Bundespräsident ist vom Bundesvolk zu wählen und seine Amtsperiode beträgt 6 Jahre. Der BP ist rechtlich ermächtigt den Bundeskanzler völlig frei zu ernennen und zu entlassen. Der BP ist außerdem ermächtigt die Bundesregierung rechtlich völlig frei zu entlassen. Einzelne Minister kann er nur auf Vorschlag des BK frei ernennen und entlassen. 

Die Landesregierung ist vom Landtag zu wählen. 

Was versteht man unter dem sogenannten "Misstrauensvotum"?

Der Nationalrat kann entweder die gesamte Bundesregierung oder einzelne Mitglieder der BReg das Vertrauen entziehen (Misstrauensvotum). Das bedeutet, dass der BP dazu verpflichtet ist, die BReg oder das Mitglied seines Amtes zu entheben. 

Welche Aufgaben kommen dem Bundespräsidenten zu?

Der BP kann den BK rechtlich völlig frei ernennen und entlassen. Einzelne Mitglieder nur auf Vorschlag des BK. Die BReg kann er ebenfalls rechtlich völlig frei entlassen. Der BP ist Oberbefehlshaber des Bundesheeres und vertritt die Republik nach außen. Der BP ist rechtlich und politisch verantwortlich. 

Welche Organe bilden gemeinsam die Bundesversammlung? Welche Aufgaben kommen der Bundesversammlung zu?

Die Bundesversammlung setzt sich aus dem Nationalrat und dem Bundesrat zusammen. Die Bundesversammlung kann, auf Antrag des Nationalrats, den BP vor dessen Ablauf seiner Funktionsperiode mittels einer Volksabstimmung absetzen. Die Bundesversammlung entscheidet ebenfalls auf Antrag des Nationalrats, ob der BP behördlich verfolgt werden darf und ob gegen ihn wegen erfolgter schuldhafter Rechtsverletzung beim Verfassungsgerichtshof Anklage erhoben werden darf. 

Nennen Sie drei Instumente gegenseitiger Kontrolle zwischen den Staatsfunktionen!

Kontrollmechanismen zwischen Nationalrat und Bundesregierung bzw. deren Mitglieder wären einerseits das Misstrauensvotum des Nationalrats an die Bundesregierung (oder dessen Mitglied). Andererseits  werden Gesetzesanträge in Form von Regierungsvorlagen an den NR eingebracht. Ein weiterer Kontrollmechanismus ist, dass die Bundesversammlung eine Volksabstimmung verlangen kann im Bezug auf die Absetzung des BP. 

Wie unterscheiden sich die "unmittelbare" und die "mittelbare" Bundesverwaltung voneinander?

Unter der unmittelbaren Bundesverwaltung versteht man, dass unter den Bundesministern vereinzelt besondere Bundesbehörden eingerichtet werden können (zB Finanzämter, Bundesdenkmalamt).

Die mittelbare Bundesverwaltung beschreibt die Vollziehung bestimmter Angelegenheiten des Bundes, die auf Ebene der Länder erfolgen müssen. Diese Vollziehung wird vom LH und die ihm unterstellten Behörden ausgeübt. In solchen Angelegenheiten sind die Landesbehörden an Weisungen des Bundes gebunden und unterstehen der Aufsicht des Bundes. 

Welche Stellung kommt dem Landeshauptmann im Rahmen der mittelbaren Bundesverwaltung zu?

Der Landeshauptmann erledigt mit den ihm unterstellten Behörden Angelegenheiten des Bundes. Diese Angelegenheiten unterstehen allerdings den Weisungen des Bundes und werden von ihm kontrolliert. 

Was versteht man unter der "Selbstverwaltung"? Welche Formen der Selbstverwaltung kennen Sie? Beschreiben Sie diese!

Aufgaben, die an sich Aufgaben der Bundes- bzw. Landesverwaltung sind, werden von eigenen Rechtsträgern (Körperschaften des öffentlichen Rechts) besorgt. Diese Aufgaben sind meist weisungsfrei, unterstehen aber der Aufsicht des Bundes oder der Länder. = Selbstverwaltung

Man unterscheidet die Selbstverwaltung in die territoriale und die sonstige Selbstverwaltung. Unter der territorialen Selbstverwaltung versteht man die Selbstverwaltung durch die Gemeinden. Die Aufgaben die die Gemeinde zu besorgen hat, werden entweder von der Bundes- oder Landesverwaltung übertragen und fallen entweder in den eigenen oder den übertragenen Wirkungsbereich. Der eigene Wirkungsbereich ist frei von Weisungen staatlicher Organe. Der übertragene Wirkungsbereich ist weisungsgebunden. 

Unter der sonstigen Selbstverwaltung versteht man die nicht-gemeindliche Selbstverwaltung. Dazu zählen berufliche Vertretungen wie die Kammern und die ÖH.

Was zeichnet die Stellung von Richtern aus?

Die richterlichen Organe (Richter) sind unabhängig, das bedeutet sie sind weisungsfrei, unabsetzbar und unversetzbar. 

Wer garantiert Rechtsschutz in Zivil- und Strafrecht? Wer im Öffentlichen Recht?

Die ordentliche Gerichtsbarkeit bezieht sich auf Angelegenheiten im Zivil- und Strafrecht. Das B-VG sieht als oberste Instanz den Obersten Gerichtshof vor (OGH). 

Im Bereich des Öffentlichen Rechts sind die Verwaltungsgerichte des Bundes und der Länder sowie der Verwaltungsgerichtshofs und des Verfassungsgerichtshofs verfassungsrechtlich vorgesehen. 

Welche Kompetenzen hat der VfGH?

Die Parteien können gegen das Erkenntnis eines Verwaltungsgerichts Beschwerde an den VfGH wegen Verletzung verfassungsgesetzlich gewährleisteter Rechte ("Grundrechte") erheben. Der VfGH kann die Entscheidungen nur aufheben (Kassationsprinzip).

Der VfGH muss außerdem Gesetze auf ihre Verfassungsgemäßheit und Verordnungen der Verwaltungsbehörden auf ihre Gesetzmäßigkeit überprüfen und gegebenenfalls aufheben. Weiters ist er für die Überprüfung von Wahlen bestimmter Organe zuständig (NR; BP). 

Welche Funktion erfüllen Rechnungshof und Volksanwaltschaft?

Rechnungshof und Volksanwaltschaft sind weitere Kontrollmechanismen. Die Funktion des Rechnungshofs ist die Gebahrung, das bedeutet die Verfügung über Vermögen des Bundes, der Länder und Gemeinden. Außerdem muss er über Prüfungsergebnisse berichten. Die Volksanwaltschaft hat Missstände in der Verwaltung aufzugreifen und zu Lösungsmitteln beizutragen. Außerdem muss sie über ihre Tätigkeit und Ergebnisse berichten. Die Volksanwaltschaft überprüft außerdem Verletzungen von Menschenrechten und setzt dabei den Menschenrechtsbeirat ein. 

Definieren Sie den Begriff "Grundrechte"! Wo sind sie verankert? Für wen gelten sie?

Grundrechte sind verfassungsgesetzlich gewährleistete subjektive Rechte. In Österreich sind die Grundrechte im StGG und in der EMRK verankert. Manche Grundrechte gelten für alle Menschen (Menschenrechte), machne nur für Unionsbürger. 

Was versteht man unter der Fiskalgeltung der Grundrechte?

Unter der Fiskalgeltung der Grundrechte versteht man die Bindung des Staates an die Grundrechte. Das bedeutet Grundrechte richten sich gegen den Staat und zwar unabhängig wie ein Privater handelt. 

Was versteht man unter der Drittwirkung der Grundrechte?

Es gibt die unmittelbare und die mittelbare Drittwirkung. Wenn Private untereinander Rechtsakte setzen, wirken die Grundrechte demgegenüber nicht unmittelbar (man spricht von einer unmittelbaren Drittwirkung von Grundrechten). Wenn aber Regelungen, die solche privatrechtlichen Rechtsakte regeln, auf Grundrechte Bezug nehmen, können sie auch für Rechtsakte unter Privaten gelten (man spricht hier von einer mittelbaren Drittwirkung von Grundrechten). 

Was besagt der Gleichheitssatz?

Art 7 Abs 1 erster Satz B-VG bestimmt: "Alle Staatsbürger sind vor dem Gesetz gleich. Vorrechte der Geburt, des Geschlechtes, des Standes, der Klasse und des Bekenntnisses sind ausgeschlossen."

Was ist ein Gesetzesvorbehalt? Welche Arten kennen Sie?

Ein Gesetzesvorbehalt ist eine verfassungsgesetzlich normierte Regelung, die den eingachen Gesetzgeber ermächtigt, Grundrechte auszugestalten oder in Grundrechte einzugreifen. Man unterscheidet zwischen Ausgestaltungsvorbehalten und Eingriffsvorbehalten. 

Unter welchen Voraussetzungen ist ein Eingriff in ein Grundrecht zulässig?

Ein Eingriff ist nur zulässig, wenn wichtige Interessen der Allgemeinheit dies erfordern. Der Eingriff muss verhältnismäßig sein, das heißt zur Erreichung des Allgemeininteresses geeignet und das gelindeste Mittel zur Erreichung des Zwecks. 

Definieren Sie den Begriff "Verwaltungsrecht"! Wer vollzieht den Bereich des "Justizrechts"?

Verwaltungsrecht wird von Verwaltungsbehörden vollzogen. Im Gegensatz dazu wird Justizrecht von Gerichten vollzogen. 

In welche Bereiche kann das Verwaltungsrecht unterteilt werden?

  • Allgemeine Verwaltungsrecht
  • Besondere Verwaltungsrecht
  • Verwaltungsstrafrecht
  • Verwaltungsverfahrensrecht (AVG; VStG; VVG)

Wenn Sie Regelungen des Verwaltungsverfahrens suchen, schlagen Sie wo nach?

Im Allgemeinen Verwaltungsverfahrengesetz (AGV). 

Welche Bereiche umfasst das "besondere Verwaltungsrecht"?

  • Personenstandsrecht
  • Staatsbürgerrecht
  • Kindergartenwesen
  • Schulrecht
  • Universitätsrecht
  • Kraftfahrzeugrecht
  • Straßenpolizeirecht
  • Führerscheinrecht
  • Wehrrecht
  • Fremden- und Asylrecht
  • Sicherheitspolizeirecht
  • Gewerbliches Anlagenrecht
  • Naturschutzrecht
  • Raumordnungsrecht
  • Baurecht
  • Denkmalschutzrecht
  • Wasserrecht
  • Forstrecht
  • Grundverkehrsrecht
  • Gentechnikrecht
  • Krankenanstaltenrecht
  • Leichen- und Bestattungswesen 

Welche Regelungen versteht man unter dem "allgemeinen Verwaltungsrecht"?

Darunter versteht man die Organisation der Verwaltung und die Grundlagen des Handelns der Verwaltungsbehörden. 

Was ist mit der "Geschlossenheit des Rechtsquellensystems" gemeint?

Die Verfassung normiert bestimmte Rechtsformen für das Handeln der Verwaltungsorgane, wenn sie Normen erlassen oder staatliche Zwangsakte setzen. Hoheitliches Verwaltungshandeln darf nur in diesen Formen erfolgen. Daraus folgt, dass die Rechtsschutzorgane keine anderen Rechtsquellen schaffen dürfen als jene, die im B-VG vorgesehen sind. 

Definieren Sie folgende Begriffe: Verordnung, Bescheid, AuvBZ, Weisung!

  • Verordnungen sind an einen generellen Adressatenkreis gerichtete, generell-abstrakte, Fälle erfassende Regelungen (Durchführungsverordnung; verfassungsunmittelbare Verordnungen [gesetzesergänzende, gesetzesvertretende, gesetzesändernde Verordnungen]). 
  • Bescheide sind an individuelle Adressaten in konkreten Fällen gerichtete, auf Grund eines Verwaltungsverfahrens, förmlich erlassene Entscheidungen (Leistungsbescheide, Rechtsgestaltungsbescheide, Feststellungsbescheide). 
  • Akte der unmittelbaren verwaltungsbehördlichen Befehls- und Zwangsgewalt sind entweder Anordnungen oder Zwangsmaßnahmen, die ohne besonderes Verfahren erlassen bzw. gesetzt wurden. 
  • Weisungen sind verwaltungsinterne Anordnungen, die von vorgesetzten gegenüber nachgesetzten Verwaltungsorganen erlassen werden. Sie sind entweder individuell-konkret oder generell-abstrakt (Erlässe).  

Welche Form des Verwaltungshandelns kann als Gesetz "im materiellen Sinn" bezeichnet werden und warum?

Es sind generell-abstrakte Regelungen, die Auswirkungen haben. Das können Verordnungen sein. Man erkennt dies daran, indem man den Inhalt der Regelung betrachtet. 

Nennen Sie die verschiedenen Arten von Verordnungen und erklären Sie, was diese unterscheidet!

  • Durchführungsverordnungen (Werden auf Grund der Gesetze erlassen)
  • Verfassungsunmittelbaren Verordnungen
    • Gesetzesergänzende Verordnungen (Im Rahmen der Gesetze erlassene Verordnungen)
    • Gesetzesvertretende Verordnungen (Verordnungen werden anstelle von Gesetzen erlassen)
    • Gesetzesändernde Verordnungen (Verordnungen können Gesetze ändern)

Welche Arten von Bescheiden sind Ihnen bekannt und wie unterscheiden sie sich voneinander?

  • Leistungsbescheid (Begründe eine Verpflichtung zu einem Tun, Dulden, Unterlassen und sind vollstreckbar). 
  • Rechtsgestaltungsbescheid (Begründen, ändern, heben Rechtsverhältnisse auf). 
  • Feststellungsbescheid (Stellen Bestehen oder Nichtbestehen eines Rechtsverhältnisses verbindlich fest). 

Wie nennt man Weisungen, wenn sie generell-abstrakt ergehen?

Erlässe

Was versteht man unter Privatwirtschaftsverwaltung? Von welchen Behörden können Rechtsstreitigkeiten aus diesem Bereich geklärt werden?

Bereiche, in denen Verwaltungsorgane privatrechtlich handeln, nennt man Privatwirtschaftsverwaltung. Zur Durchsetzung sind die ordentlichen Gerichte zuständig. 

Welche Rechte bringt die Parteistellung im Verwaltungsverfahren mit sich?

Personen, die aufgrund eines Rechtsanspruches oder eines rechtlichen Interesses beteiligt sind, müssen verpflichtend in das Verfahren miteinbezogen werden.

Sie haben folgende Rechte:

  • Parteiengehör
  • Akteneinsicht
  • Die Entscheidung des staatlichen Organs ist ihnen zuzustellen
  • Können gegen eine Entscheidung Rechtsmittel ergreifen

Was ist unter einem subjektiven Recht zu verstehen?

Als subjektives Recht bezeichnet man jene konkreten rechtlichen Befugnisse oder Ansprüche, die einem einzelnen Rechtssubjekt selbst zustehen. Subjektive Rechte sind somit die dem einzelnen Rechtssubjekt (Menschen oder juristischen Personen) von der Rechtsordnung verliehenen Befugnisse/Berechtigungen.

 

Was besagt die Schutznormtheorie? Erklären Sie!

Oft ist nicht klar ersichtlich, ob ein subjektives Recht eingeräumt wurde. Man geht davon aus, dass im Zweifel derjenige, in dessen überwiegendem Interesse eine Regelung erlassen wurde, ein subjektives Recht hat. 

Was versteht man unter einer juristischen Person? Können juristische Personen ohne Einbeziehung natürlicher Personen agieren?

Außermenschliche Gebilde die Träger von Rechten und Pflichten sind, sind juristische Personen. Nein, rechtliche Einheiten können nicht selber handeln, sie brauchen stets eine natürliche Person. 

Wie kann ein Verwaltungsverfahren eingeleitet werden?

Ein Verwaltungsverfahren kann auf Antrag einer Person oder von Amts wegen eingeleitet werden. 

Nach welchem Prinzip hat eine Behörde mit Beweisen umzugehen?

Freie Beweiswürdigung

Wann wird ein Bescheid rechtskräftig? Welche Konsequenzen sind damit verbunden?

Ergreifen die Parteien keine Rechtsmittel, so wird der Bescheid rechtskräftig. Die Konsequenzen sind, dass der Bescheid verbindlich, unanfechtbar, unabänderlich sowie unwiderruflich ist und es darf keine neuerliche Entscheidung in derselben Sache erfolgen (ne bis in idem). 

Was bedeutet "Rechtskraft"?

Mit dem Begriff "Rechtskraft" bezeichnet man verschiedene Rechtswirkungen. Die Rechtskraft dient der Rechtssicherheit.

Sind Bescheide stets vollstreckbar?

Es kann Beschwerde gegen einen Bescheid eingereicht werden. Jedoch kommt es nur zu einer aufschiebenden Wirkung. Das bedeutet der Bescheid ist nicht rechtskräftig und auch nicht vollstreckbar. 

Welches Rechtsmittel steht gegen Bescheide offen? Gibt es auch Rechtsschutz gegen andere Verwaltungsakte?

Gegen einen Bescheid kann (innerhalb von 4 Wochen) Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht, das Bundesfinanzgericht oder an eines der Landesverwaltungsgerichte erhoben werden.

  • Gegen Erkenntnis eines Verwaltungsgerichts -> Revision an den VwGH oder Beschwerde an den VfGH
  • Gegen AuvBZ -> Beschwerde an Verwaltungsgericht
  • Zur Überprüfung von Verordnungen -> VfGH zuständig

Können ordentliche Gerichte Bescheide aufheben?

Nein, da sich ordentliche Gerichte nur mit Zivil- und Strafrechtssachen befassen. 

Was ist unter der sogenannten "aufschiebenden Wirkung" im Zusammenhang mit Bescheiden zu verstehen?

Das bedeutet, dass während eines anhängigen Beschwerdeverfahrens noch kein Gebrauch eines verliehenen Rechts gemacht werden darf bzw. eine Leistungsverpflichtung noch nicht vollstreckt werden darf. 

Definieren Sie das "Kassationsprinzip"! Wo kommt es zur Anwendung?

Wenn man eine Entscheidung, eine Verordnung oder ähnliches nur aufheben kann, spricht man vom Kassationsprinzip.

  • Beschwerde gegen Erkenntnis eines Verwaltungsgerichts an den VfGH
  • Zur Überprüfung von Verordnungen ist der VfGH zuständig

Unterscheiden Sie das gerichtliche Strafrecht und das Verwaltungsstrafrecht!

Das Strafrecht wird entweder von Verwaltungsbehörden oder von Gerichten vollzogen. Deshalb unterscheidet man zwischen Verwaltungsstrafrecht und gerichtlichem Strafrecht. Wer jeweils zuständig ist, bestimmt das Gesetz. 

Wo ist das gerichtliche Strafrecht hauptsächlich geregelt?

Das materielle gerichtliche Strafrecht ist im Strafgesetzbuch (StGB) geregelt. 

Welchen Zwecken dient das Strafrecht?

Es dient der Generalprävention und der Spezialprävention. Bei der Generalprävention werden Strafen angedroht und verhängt, um der Begehung der Strafe allgemein entgegenzuwirken.

Bei der Spezialprävention geht es darum, dass die Täter von der strafbaren Handlung abgehalten werden. 

Nennen und erklären Sie die verfassungsrechtlichen Grundsätze des Strafrechts!

  • Art 7 EMRK - Keine Strafe ohne Gesetz (nulla poena sine lege)
  • Art 85 B-VG - Die Todesstrafe ist abgeschafft
  • Art 91 B-VG - Mitwirkung des Volkes an der Rechtsprechung 
  • Art 90 B-VG - Im gerichtlichen Strafverfahen gilt der Anklageprozess
  • Art 6 EMRK - Recht auf ein faires Verfahren
  • Art 6 Abs 2 EMRK - Unschuldsvermutung
  • Art 90 Abs 1 B-VG - Mündlichkeit und Öffentlichkeit
  • Art 92 B-VG - Der Oberste Gerichtshof ist oberste Instan

Unterscheiden Sie das Anklage- und das Inquisitionsprinzip! Wo kommen sie zur Anwendung?

Der Anklageprozess beschreibt das anklagende Organ und das Organ, dass das Urteil erlassen soll. Diese beiden Organe sind getrennt. Die Staatsanwaltschaft vertritt den Staat und unterliegt dem Bundesminister für Justiz.

Das Inquisitionsprinzip handelt vom Verwaltungsstrafverfahren und beschreibt die Verwaltungsbehörde, die das verfahrenseinleitende und entscheidende Organ ist. 

Wann ist ein Verhalten strafbar?

Ein Verhalten ist strafbar, wenn die begangene Handlung, einen im Gesetz genannten Tatbestand erfüllt, die Rechtswidrigkeit gegeben ist und der Täter schuldhaft handelt. 

Nennen und erklären Sie die Täterschaftsformen des Strafrechts!

  • Unmittelbarer Täter - Der, der die Tat ausübt. 
  • Bestimmungstäter - Person, die jemand dazu anstiftet, eine Tat zu begehen. 
  • Beitragstäter - Person, die bei der Tatbegehung mitwirkt. 

Definieren Sie die verschiedenen Vorsatzformen!

  • Vorsatz: Man hält die Verwirklichung ernstlich für möglich und findet sich damit ab. (dolus eventualis)
    • Absichtlichkeit: Es kommt jemandem drauf an, den Erfolg zu verwirklichen. 
    • Wissentlichkeit: Das Eintreten hält man für gewiss. 
    • Der Versuch ist strafbar. 
  • Fahrlässigkeit: Man hält einen Sachverhalt für möglich, will ihn aber nicht herbeiführen. 

Was versteht man unter Fahrlässigkeit?

  • § 6 StGB

Fahrlässig handelt, wer einen Sachverhalt für möglich hält, ihn aber nicht herbeiführen will. 

Definieren Sie die Rechtfertigungsgründe der Notwehr und des Notstandes! 

  • § 3 StGB - Notwehr 

(1) Nicht rechtswidrig handelt, wer sich nur der Verteidigung bedient, die notwendig ist, um einen gegenwärtigen oder unmittelbar drohenden rechtswidrigen Angriff auf Leben, Gesundheit, körperliche Unversehrtheit, sexuelle Integrität und Selbstbestimmung, Freiheit oder Vermögen von sich oder einem anderen abzuwehren.

  • Rechtfertigender Notstand liegt vor, wenn unmittelbar ein bedeutender Nachteil für ein Rechtsgut der Täter oder eines Dritten droht und der Eingriff in das fremde Rechtsgut das einzige bzw. schonendste Mittel darstellt, um ein höherwertiges Rechtsgut zu schützen.

Wann handelt ein Täter schuldhaft?

Schuld ist die Vorwerfbarkeit der Tat. Schuldhaft handeln bedeutet, dass das Verhalten der Täter persönlich zum Vorwurf gemacht werden kann. 

Wo ist der gerichtliche Strafprozess hauptsächlich geregelt?

Er ist in der Strafprozessordnung 1975 (StPO) geregelt. Es gibt allerdings Sonderregelungen bei Jugendstraftaten, diese sind im Jugendgerichtsgesetz 1988 geregelt (JGG). 

Wie kann ein Ermittlungsverfahren enden?

Die Staatsanwaltschaft entscheidet, ob das Ermittlungsverfahren eingestellt, Anklage erhoben oder das Verfahren gegen Erbringung bestimmter Leistungen (Diversion) beendet wird. 

Was versteht man unter einer Diversion? Erklären Sie diese ausführlich!

Die Staatsanwaltschaft kann das Verfahren gegen Erbringung bestimmter Leistungen beenden. Dies nennt man Diversion. Wird dieses Angebot angenommen, gelten die Beschuldigten nicht mehr als vorbestraft. Die Diversion ist kein Geständnis. 

In welchen Zusammensetzungen kann das Landesgericht für Strafsachen zuständig sein?

Das Landesgericht kann entweder als Einzelrichter, Geschworenengericht oder Schöffengericht zuständig sein. Die Zuständigkeit richtet sich nach der Schwere der Strafdrohung bzw. der Art des Delikts. 

Wie kann das Gericht am Ende des Hauptverfahrens entscheiden?

Das Gericht kann mittels Urteil über einen Freispruch oder eine Verurteilung entscheiden. 

Welche Besonderheiten bestehen im Mandatsverfahren?

  • Bezirks- oder Landesgericht als Einzelrichter kann aufgrund der Anklage und der Ergebnisse des Ermittlungsverfahrens ohne Hauptverhandlung eine schriftliche Strafverfügung erlassen.
  • Geldstrafe oder bedingte Freiheitsstrafe von max. 1 Jahr. 
  • Ohne Angabe von Gründen kann dagegen Einspruch erhoben werden. Daraufhin kommt es zu einer Hauptverhandlung. 
  • Ohne Einspruch gilt die Strafverfügung wie ein Urteil. 

Welche Arten von Strafen kennt das Strafrecht?

Das Strafrecht unterscheidet zwischen einer Geldstrafe und einer Freiheitsstrafe. 

Was versteht man unter einer "vorbeugenden Maßnahme"?

Eine vorbeugende Maßnahme stellt keine Strafe dar. Sie knüpft an die besondere Gefährlichkeit des Täters an.

  • Unterbringung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher
  • Unterbringung in einer Anstalt für entwöhnungsbedürftige Rechtsbrecher

Wie kann ein Strafurteil bekämpft werden?

Gegen ein Urteil kann ein Rechtsmittel (Berufung) erhoben und somit ein Rechtsmittelverfahren eingeleitet werden.

Gegen Urteile des Schöffen- oder Geschworenengerichts kann eine Nichtigkeitsbeschwerde an den OGH erhoben werden. Parallel dazu gibt es die Berufung wegen der Strafhöhe an das Oberlandesgericht. 

Erläutern Sie das Verbot der reformatio in peius!

Verschlechterungsverbot = Verbot der reformatio in peius. Das Rechtsmittel wird zu Gunsten des Beschuldigten erhoben, so gilt das Verschlechterungsverbot. Das bedeutet, der Beschuldigte darf nicht schlechter gestellt werden, als ohne Anfechtung. 

Auf welche Kernelemente wird bei der (rechtlichen) Definition eines "Staates" abgestellt?

Bei der rechtlichen Definition eines Staates beschreibt man die "Drei-Elemente-Lehre". Diese beinhaltet das Staatsgebiet, die Staatsgewalt und das Staatsvolk. 

Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, um von "Staatsgewalt" sprechen zu können?

Eine Staatsgewalt nennt man auch ein Herrschaftssystem. Die Voraussetzungen dafür sind einerseits die Souveränität und die Effektivität. 

Wie kann ein Staatsgebiet entstehen?

Ein Staatsgebiet kann entweder durch Staatsverträge (Friedensverträge) oder durch Gewohnheitsrecht entstehen. 

Unterscheiden Sie Sezession, Dismembration, Inkorporation und Verschmelzung!

  • Sezession - Ein Teil eines Staates löst sich und bildet einen neuen Staat. Der alte Staat bleibt bestehen. 
  • Dismembration - Aus einem Staat werden zwei oder mehrere neue Staaten. 
  • Verschmelzung - Aus zwei Staaten wird ein neuer Staat. 
  • Inkorporation - Aus zwei Staaten wird ein neuer Staat, wobei der eine in den anderen übergeht und dadurch aufhört zu existieren. 

Welche völkerrechtlichen Vorgaben sind bei Regelungen zu beachten, die die Staatsbürgerschaftserlangung betreffen?

Einerseits erlangt man durch die Abstammung einer Person mit Staatsbürgerschaft (ius sanguinis) die Staatsbürgerschaft. Andererseits durch eine örtliche Beziehung zu einem Staat, wie zB durch Geburt oder längeren Aufenthalt (ius soli). 

Worum handelt es sich bei der völkerrechtlichen Anerkennung?

Die völkerrechtliche Anerkennung ist eine einseitige völkerrechtliche Erklärung. Die Anerkennung wirkt nur in Bezug auf den anerkennenden Staat. 

Nach welchen Kriterien lässt sich der staatliche Gebotsbereich bestimmen?

  • Territorialitätsprinzip
  • Personalitätsprinzip
  • Schutzprinzip

Erklären Sie den Unterschied zwischen Territorialitäts- und Personalitätsprinzip!

Rechtsnormen regeln das Verhalten von Personen im Staatsgebiet, unabhängig von deren Zugehörigkeit. (Territorialitätsprinzip)

Rechtsnormen regeln außerdem das Verhalten von Staatsbürgern, die sich im Ausland befinden. (Personalitätsprinzip)

Wen "schützt" das Schutzprinzip?

Es schützt ein inländisches Rechtsgut oder den Staat selbst. 

Kann ein Staat Bürger eines anderen Staates bestrafen?

Ja kann er. Dies ist im § 64 StGB genau geregelt. Für bestimmte im Ausland begangene Taten, gelten die österreichischen Strafgesetze. 

Definieren Sie den Begriff des Völkerrechts!

Die Summe der Rechtsnormen, die die Beziehungen der souveränen Staaten und der sonstigen Völkerrechtssubjekte regeln, bezeichnet man als Völkerrecht ("internationales Recht"). 

Abgesehen von den Rechtsadressaten: Was unterscheidet das Völkerrecht vom nationalen Recht?

Das Völkerrecht unterscheidet sich insofern vom nationalen Recht, da ein zentrales Normsetzungsorgan sowie ein zentrales Völkerrechtsorgan zur Durchsetzung fehlt. Die Staatsgemeinschaft ist für die Sanktionierung zuständig. 

Welche Völkerrechtsadressaten kennen Sie?

  • Souveräne Staaten
  • Internationale Organisationen 
  • Supranationale Organisationen 
  • Andere rechtliche Einheiten (zB das Internationale Komitee vom Roten Kreuz)
  • Menschen

Definieren Sie, was unter internationalen Organisationen zu verstehen ist! Nennen Sie Beispiele! Haben sie dieselbe Rechtsstellung wie Staaten?

Internationale Organisationen besitzen Völkerrechtssubjektivität. Internationale Organisationen sind rechtliche Einheiten, die völkerrechtliche Verträge gegründet wurden (UN, EU, Europarat). Sie ermöglichen eine organisierte Zusammenarbeit von Staaten, um gemeinsame Ziele zu erreichen. Sie haben jedoch nur partielle Völkerrechtssubjektivität, da die Mitgliedstaaten der Satzung über ihre Völkerrechtssubjektivität entscheiden. Souveräne Staaten sind stets rechtlich völlig gleich. 

Wie unterscheiden sich supranationale Organisationen von internationalen Organisationen? Erklären Sie!

Internationale Organisationen sind für eine oragnisierte Zusammenarbeit zwischen Staaten und zur Erreichung gemeinsamer Ziele zuständig.

Supranationale Organisationen sind eine besondere Art von Internationalen Organisationen. Sie sind befugt Rechtsakte zu setzen, welche unmittelbar verbindlich sind. 

Welche Völkerrechtsquellen sind Ihnen bekannt?

  • Völkervertragsrecht
  • Völkergewohnheitsrecht
  • Allgemeine Rechtsgrundsätze

Welche Formen völkerrechtlicher Verträge kennen Sie und wie unterscheiden sich diese?

  • Bilateral (zweiseitig - zwischen 2 Völkerrechtssubjekten)
  • Multilateral (mehrseitig - zwischen mehreren Völkerrechtssubjekten)

Erklären Sie die Entstehung allgemeiner Rechtsgrundsätze und nennen Sie ein Beispiel!

Allgemeine Rechtsgrundsätze entstehen im Vergleich verschiedener staatlicher Rechtsordnungen. Gibt es bestimmte Grundsätze die zahlreiche staatliche Rechtsordnungen enthalten, so wird daraus ein allgeminer Rechtsgrundsatz. zB Die Verpflichtung Verträge einzuhalten (pacta sunt servanda)

Was ist im Völkerrecht mit "Transformation" gemeint? Warum braucht man sie? Welche verschiedenen Arten gibt es?

Völkerrechtliche Verpflichtungen müssen durch innerstaatliche Normen umgesetzt werden, dann spricht man von Transformation. Solch eine Transformation ist nötig, damit nicht nur die juristische Person (Republik Österreich), sondern auch jeder Österreicher unmittelbar berechtigt und verpflichtet ist. 

  • Generelle Transformation (Völkerrechtliche Regelungen werden so, wie sie normiert sind, innerstaatliches Recht)
  • Spezielle Transformation (Die völkerrechtliche Verpflichtung wird dadurch erfüllt, indem der Staat selbst Regelungen erlässt)

Unterscheiden und erklären Sie "Europarecht im weiteren Sinn" und "Europarecht im engeren Sinn"!

  • Europarecht iwS - völkerrechtliche Normen von und für Europa bedeutsame zwischenstaatliche Einrichtungen (EU, Europarat, OECD, OSZE)
  • Europarecht ieS - Das Recht der EU (Unionsrecht)

Nennen Sie die Verträge, die unter dem Begriff des Primärrechts der EU zusammengefasst werden!

  • Vertrag über die Europäische Union (EUV)
  • Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV)
  • Charta der Grundrechte der Europäischen Union (GRC)

Welche EU-Grundfreiheiten gibt es und worauf zielen sie ab?

  • Warenverkehrsfreiheit (Freiheit alle Waren im Unionsbereich frei zu bewegen)
  • Personenverkehrsfreiheit
    • Arbeitnehmerfreizügigkeit (Abschaffung jeder Ungleichbehandlung unselbständiger Erwerbstätiger)
    • Niederlassungsfreiheit (Freiheit einer selbstständigen Erwerbstätigkeit nachzugehen)
  • Dienstleistungsfreiheit (aktiv und passiv - Freiheit von einem MS Leistungen in einem anderen MS zu erbringen oder diese in Anspruch zu nehmen)
  • Kapitalverkehrsfreiheit (Freiheit, Vermögen im Unionsbereich frei zu bewegen und zu veranlagen)
  • Allgemeine Diskriminierungsverbot
    • Direkte & indirekte Diskriminierungen

Differenzieren Sie zwischen Arbeitnehmer-, Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit und erklären Sie diese!

  • Arbeitnehmerfreizügigkeit - Abschaffung der Ungleichbehandlung unselbstständiger Erwerbstätiger. 
  • Niderlassungsfreiheit - Freiheit einer selbstständigen Erwerbstätigkeit. 
  • Dienstleistungsfreiheit - Freiheit, Leistungen in einem anderen MS zu erbringen oder in Ansrpuch zu nehmen. 

Wo findet sich das allgemeine Diskriminierungsverbot und was besagt es? Erklären Sie!

  • Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV)

Jede Diskriminierung aus Gründen der Staatsangehörigkeit ist verboten. 

Von wem stammt das Primärrecht, von wem das Sekundärrecht?

  • Das Primärrecht ist das ranghöchste Recht der EU. Es stammt im Wesentlichen aus den Gründungsverträgen. 
  • Das Sekundärrecht (vom Primärrecht abgeleitetes Recht) sind die auf Grundlage des Primärrechts von den Organen der Europäischen Union oder der Europäischen Atomgemeinschaft erlassenen Rechtsakte.

Nennen und erklären Sie die Ihnen bekannten Sekundärrechtsakte!

Verbindliche Rechtsakte: Verordnungen, Richtlinien, Beschlüsse.

  • Verordnungen - unmittelbar anwendbar und damit supranationales Recht. 
  • Richtlinien - Verpflichtung zur Erreichung bestimmter Ziele. Erlassung innerstaatlicher Gesetze/Verordnungen. Kann zu unmittelbar anwendbaren supranationalen Recht werden. 
  • Beschlüsse - Verbindlich für bestimmte Adressaten oder für die Allgemeinheit. 

Unverbindliche Rechtsakte: Stellungnahmen, Empfehlungen.

Wie wirkt europäisches Primärrecht im Inland?

Primärrecht ist unmittelbar anwendbares und damit supranationales Recht. 

Welche sind die wichtigsten Organe der Union und welche von ihnen sind in der Rechtssetzung tätig?

  • Europäische Parlament (Rechtsetzung)
  • Europäische Rat
  • Rat der Europäischen Union (Rechtsetzung)
  • Europäische Kommission 
  • Gerichtshof der Europäischen Union
  • Europäische Zentralbank
  • Rechnungshof

Wie unterscheiden sich der "Rat" und der "europäische Rat"?

  • Europäische Rat (Präsident des Europäischen Rates als Vorsitzender, Staats- oder Regierungschefs der MS, Präsident der Europäischen Kommission). Gibt Impulse für die Entwicklung der EU & hat Leitungsfunktion.
  • Rat der Europäischen Union (je einem Vertreter der MS aus Ministerebene). Wesentliches Entscheidungsgremium. Gemeinsam mit Europäischen Parlament Gesetzgeber. Festlegung der Politik & Koordinierung nach Maßgabe der Verträge. 

Welche Zuständigkeiten hat der EuGH inne?

  • Vertragsverletzungsverfahren entscheidet der EuGH auf Antrag der Europäischen Kommission 
  • Überprüfung der Rechtmäßigkeit der Handlungen von Unionsorganen - Nichtigkeitsklage des EuGH
  • Vorabentscheidungsverfahren dienen der Sicherung der Einheit des Unionsrechts.

Weshalb bedurfte es beim EU-Beitritt Österreichs einer Volksabstimmung?

Da das Bundesverfassungsgesetz über den Beitritt Österreichs zur Europäischen Union ein gesamtänderndes Bundesverfassungsgesetz ist, wurde eine Volksabstimmung vollzogen. Es wurde das demokratische, das rechtsstaatliche sowie das bundesstaatliche Grundprinzip stark verändert.  

Welche Grundprinzipien waren vom Beitritt besonders betroffen?

Besonders betroffen waren das demokratische, das bundesstaatliche und das rechtsstaatliche Grundprinzip. 

Gibt es nur eine Rechtswissenschaft? Wenn ja, welche? Wenn, nein welche? Nennen und erklären Sie!

  • Rechtsdogmatik - Inhalt des positiven Rechts systematisch erfassen und darstellen. Auslegung & Interpretation von Rechtsnormen.
  • Rechtstheorie - Ziel ist allgemeine Aussagen über Rechtsnormen machen. 
  • Rechtsphilosophie - Philosophische Grundlagen des Rechts. 
  • Rechtssoziologie - Erforschung der sozialen Rahmenbedingungen des Rechts. 
  • Rechtsgeschichte - Untersuchung von Rechtsnormen, die nicht mehr in Geltung sind & Entwicklung von Rechtsgebieten. 
  • Rechtspolitik - Vörschläge zur Verbesserung des Rechts. 
  • Rechtsvergleichung - Untersucht & vergleicht Regelungen in verschiedenen Rechtsordnungen/rechtlichen Systemen.

Wie nennt man den Vorgang, mit dem geprüft wird, ob ein Sachverhalt gesetzlich normierten Tatbestandselementen entspricht?

Subsumtion

Nennen und erklären Sie die verschiedenen Arten von Rechtsnormen!

  • Zwangsnormen (materielles Recht/Verhaltensrecht) - Gebotsteil (gebieten/verbieten ein bestimmtes Verhalten) & Sanktionsteil (bei Nichtbefolgung folgt Sanktion/Rechtsfolge).
  • Zwangsnormvollzugsnormen (formelles Recht/Verfahrensrecht im weiteren Sinn) - Organisationsrecht (wer befugt ist, Zwangsnormen zu vollziehen) & Verfahrensrecht (wie bei der Vollziehung vorzugehen ist). 
  • Erzeugungsnormen - Organisationsrecht (wer ermächtigt ist, Normen zu setzen) & Verfahrensrecht (wie bei der Normerzeugung vorzugehen ist). 

Was versteht man unter materiellem bzw. formellen Recht?

  • Materielles Recht - Zwangsnormen/Verhaltensnormen regeln ein bestimmtes Verhalten und eine drohende Sanktion bei Nichtbefolgung. 
  • Formelles Recht - Zwangsnormvollzugsnormen/Verfahrensrecht iwS bestimmen, wer befugt ist, Zwangsnormen zu vollziehen und wie dabei vorzugehen ist. 

Was charakterisiert die "lex imperfecta"?

Es gibt Regelungen in der Rechtsordnung, die einen Gebotsteil aber keinen Sanktionsteil haben. Die Verhaltensanordnung ist nicht durchsetzbar. 

Was versteht man unter einer "Rechtsvorschrift"?

Die einzelnen Regelungen in den konkreten Ausformulierungen des positiven Rechts nennt man Rechtsvorschriften. 

Erklären Sie die verschiedenen Geltungsbereiche einer Norm!

  • Örtlicher Geltungs- bzw. Anwendungsbereich - Räumliches Gebiet, zB gesamter Staat oder nur ein bestimmter Teil. 
  • Persönlicher Geltungs- bzw. Anwendungsbereich - Alle Staatsbürger oder nur bestimmte Personengruppen. Generelle & individuelle Normen. GN -> richten sich an einen unbestimmten, nach Gattungsmerkmalen bestimmten Personenkreis. IN -> richten sich an bestimmte Personen. 
  • Sachlicher Geltungs- bzw. Anwendungsbereich - Bestimmte Lebenssachverhalte oder Verhalten, an das Rechtsnormen anknüpfen (zB Halten von Tieren, Errichten von Gebäuden). 
  • Zeitlicher Geltungs- bzw. Anwendungsbereich

Welchen persönlichen Geltungsbereich hat ein Bescheid?

Bei einem Bescheid handelt es sich um eine individuelle Norm, welche sich an bestimmte Personen richtet. 

Welcher Geltungs- bzw. Anwendungsbereich wird durch die Legisvakanz berührt?

Durch den zeitlichen Geltungs- bzw. Anwendungsbereich. 

Führt die fehlerhafte Erzeugung von Rechtsnormen zur absoluten Nichtigkeit?

  • Aus abstrakt theoretischer Sicht - nicht alle Bedingungen für die Erzeugung einer Rechtsnorm erfüllt, kommt die Norm nicht zustande -> absolut nichtig. -> Rechtsunsicherheit
  • Fehlerhaft erzeugte Normen dürfen unter bestimmten Voraussetzung geändert oder aufgehoben werden. -> müssen zuerst Geltung erlangt haben
  • Das Fehlerkalkül beschreibt die vom Gesetzgeber in Kauf genommene Möglichkeit, dass Gesetze, Verordnungen und Bescheide ungültig sein könnten. Gilt das Fehlerkalkül, so sind verfassungswidrige Gesetze sowie gesetzwidrige Verordnungen und Bescheide trotzdem vorerst anzuwenden, sie sind nur relativ nichtig. -> Rechtssicherheit

Welchem Zweck dient das Fehlerkalkül? Nennen Sie ein Beispiel für eine Bestimmung, die ein Fehlerkalkül enthält!

Das Fehlerkalkül beschreibt die vom Gesetzgeber in Kauf genommene Möglichkeit, dass Gesetze, Verordnungen und Bescheide ungültig sein könnten. Gilt das Fehlerkalkül, so sind verfassungswidrige Gesetze sowie gesetzwidrige Verordnungen und Bescheide trotzdem vorerst anzuwenden, sie sind nur relativ nichtig.   -> Rechtssicherheit

Es müssen allerdings dafür 2 Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Willensakt eines Staatsorganes muss vorliegen. 
  • Der Akt muss veröffentlicht worden sein.

Bsp: Die Bundesregierung plant ein neues Gesetz. Alles läuft ordnungsgemäß ab, jedoch wird auf die Unterschrift des BP vergessen. Das Gesetz wird kundgemacht. -> Fehlerkalkül

Gibt es Mindestvoraussetzungen für das Zustandekommen einer Norm?

  • Es muss ein Willensakt eines zuständigen Staatsorgans vorliegen. 
  • Der Akt muss veröffentlicht worden sein (Kundmachung). 

Nennen Sie die beiden Stufenbaumodelle! Wie unterscheiden sie sich?

  • Stufenbau nach der rechtlichen Bedingtheit - Gliederung nach dem Inhalt. Zusammenhang zwischen Erzeugungsnorm und nach dieser Erzeugungsnorm erzeugten Norm.                       -> Erzeugungszusammenhang. Doppeltes Rechtsantlitz (erzeugte Norm ist gleichzeitig Erzeugungsnorm)
  • Stufenbau nach der derogatorischen Kraft - Gliederung nach der Form. Die derogatorische Kraft ergibt sich aus der Form (der Art der Erzeugung) der Normen. Je strenger die rechtlichen Anforderungen für die Erzeugung sind, desto größer ist die derogatorische Kraft. 

Kommt einer Norm in beiden Stufenbaumodellen zwingend derselbe Rang zu?

Nein, da die beiden Stufenbaumodelle sehr unterschiedlich sind. Einmal kommt es auf den Inhalt drauf an, ein anderes Mal auf die Form. 

Inwiefern kann eine Norm ein "doppeltes Rechtsantlitz" aufweisen?

Indem eine Norm gleichzeitig eine erzeugte Norm und eine Erzeugungsnorm sein kann. 

Was ist ein Derogationszusammenhang?

Ein Derogationszusammenhang stellt ein Stufenbaumodell nach der derogatorischen Kraft dar, indem eine schwieriger erzeugte Norm über einer leichter erzeugten Norm steht. 

Wie unterscheiden sich die materielle und die formelle Derogation?

  • Die Derogation ergibt sich ausschließlich aus dem widersprüchlichen Inhalt der Regelung -> materielle Derogation. 
  • Es wird ausdrücklich normiert, dass die alte Regelung aufgehoben wird -> formelle Derogation. 

Was ist mit der Aussage "Bundesrecht breche Landesrecht" gemeint? Ist sie für Österreich zutreffend?

Zwischen einfachen Bundesgesetzen und einfachen Landesgesetzen bestehen nach deutschem Verfassungsgesetz Derogationsbeziehungen. Nein, in Österreich gilt das Bonner Grundgesetz nicht. 

Warum "gilt" die Rechtsordnung? Welche Erklärungsmuster kennen Sie?

Eine Rechtsordnung gilt dann, wenn sie effektiv ist. 

Das Sollen wird aus dem Bestehen von Tatsachen (einem Sein) begründet:

  • Machttheorie - Geltung beruht darauf, dass das Recht von einer Autorität als Befehl gesetzt wurde und mit Zwangsgewalt durchgesetzt werden kann. 
  • Anerkennungstheorie

Geltung von Rechtsnormen wird aus ethischen Aspekten, Werten oder Rechtsideen abgeleitet. 

 

Warum vertragen sich das "naturrechtliche" und das rechtspositivistische Deutungsschema nicht?

Sie vertragen sich nicht, weil durch das naturrechtliche Schema jede Person die Rechtsordnung als unmoralisch und somit als nichtig erklären könnte. Normen wären nicht effektiv.

Was ist eine "Grundnorm"?

Eine Grundnorm ist die Annahme, dass die oberste Norm des positiven Rechts gilt, aber selbst keine positivrechtliche Norm ist. 

Welchem Ziel folgt die Rechtsdogmatik und welchen Instrument bedient sie sich?

Sie dient der Beschreibung des geltenden Rechts. Ihr Ziel ist es, dessen Inhalt möglichst genau darzustellen. Das erfolgt mit Hilfe der Auslegung von Normen. 

Bei welcher Auslegungsmethode wird auf Wortlaut und textlichen Zusammenhang der auszulegenden Bestimmung abgestellt?

Verbalinterpretation und grammatikalische Interpretation

Was versteht man unter einer Legaldefinition? Wird zur Deutung einer Bestimmung eine Legaldefinition herangezogen, so bedient man sich welcher Interpretationsmethode?

Legaldefinition ist die Erklärung eines Rechtsbegriffs in einem Gesetz. Durch diese Erklärung legt der Gesetzgeber selbst fest, was der betreffende Rechtsbegriff bedeutet. Damit werden bei der Anwendung von Gesetzen Unklarheiten vermieden.

  • Systematische Interpretation

Bei welcher Art der Auslegung werden häufig Regierungsvorlagen zur Interpretation einer Regelung herangezogen? Wie nennt man bei diesem Vorgehen Regierungsvorlagen und sonstige Unterlagen, die bei der Auslegung verwendet werden?

  • Bei der Historischen (Willens-) Interpretation. 
  • Man nennt diese Regierungsvorlagen und sonstigen Unterlagen auch Gesetzesmaterialien. 

Was bedeutet es, wenn eine Norm verfassungs,- europarechts- oder grundrechtskonform ausgelegt wird? Welche Interpretationsmethoden werden dabei verknüpft?

  • Eine erzeugungsmäßig niedrige Rechtsnorm ist unter Bedachtnahme auf die sie bestimmende (determinierende) Vorschrift auszulegen und im Zweifel jener Auslegung den Vorrang zu geben, die ein Gesetz verfassungskonform erlassen hat. 
  • Die systematische wird mit der historischen Interpretation verbunden und bildet somit die verfassungskonforme Interpretation. 

Erklären Sie die Versteinerungstheorie!

  • Historisch-systematische Interpretation. 
  • Für die Auslegung der Kompetenzbestimmungen der Bundesverfassung anzuwenden. 

Man untersucht welchen Inhalt einfache Gesetze zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Kompetenzbestimmungen des B-VG (=Versteinerungszeitpunkt) hatten. 

Worauf wird bei der teleologischen Interpretation abgestellt? Ist ihre Bedeutung im öffentlichen Recht groß? Warum (nicht)?

  • Zweck des Gesetzes bzw. Regelung
  • Im ÖR hat die teleologische Interpretation keine eigenständige Bedeutung. Damit man dem Gesetzgeber keinen Zweck unterstellt, muss man den Zweck einer Regelung entweder dem Gesetz selbst (systematische Interpretation) oder aus den Materialien (historische Interpretation) entnehmen. 

Wie kann ein Wissenschafter mit einem unklaren Auslegungsergebnis umgehen, wie muss ein Richter eine derartige Situation handhaben?

Ein Wissenschaftler kann sagen, dass es mehrere Auslegungsvarianten gibt und es dabei belassen.

Ein Richter muss einen Rechtsakt setzen (Entscheidung treffen).

Worum handelt es sich bei der "authentischen Interpretation" und worum handelt es sich dabei - tükischerweise - nicht?

Die authentische Interpretation ist ein Normsetzungsakt des Gesetzgebers, um eine früher erlassene Regelung weiter zu definieren (=Art Legaldefinition). Diese wirkt rückwirkend und ist keine Interpretation, weil es sich nicht um eine Auslegung handelt.

Was ist eine Analogie im juristischen Sinn und wann ist ihre Anwendung im Bereich des Öffentlichen Rechts zulässig?

Eine Analogie ist eine Lückenschließungsmethode, in der man eine Rechtsvorschrift eines Sachverhalts auf einen ähnlichen Sachverhalt anwendet. Dem Öffentlichen Recht ist Zurückhaltung geboten und sie ist nur bei echten Lücken (Gesetz kann ohne dem nicht vollzogen werden) anzuwenden. Im Strafrecht sind Analogieschlüsse verboten.