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1. Wie wird der Begriff Lernen definiert?


 

Lernpsychologische Definition:

Lernen als erfahrungsbasierte, überdauernden Verhaltensänderung bzw. Veränderung im Verhaltenspotential welche nicht auf andere Einflüsse wie temporäre oder reifungsbedingte Einflüsse oder angeborene Reaktionen zurückzuführen ist

 

alltägliche Definition:

  • aktive Aneignung von Wissen durch Instruktion oder Schulung 

 

Definition nach Klein: 

Lernen wird als ein Erfahrungsprozess aufgefasst, welcher zu einer relativ permanenten Änderung des Verhaltens führt, wobei diese Verhaltensmodifikation nicht durch temporäre Zustände, Reifung oder angeborene bzw. genetische Reaktionstendenzen erklärt werden kann

 

Aufbau von Verhaltensdispositionen aufgrund von Erfahrungen verstanden

2. Was ist der Unterschied zwischen Verhalten und Verhaltenspotential/Verhaltensdisposition?

Verhalten: psycho-motorisches, affektives, kognitives und vegetatives Verhalten

 

Das  Aneignen von intellektuellem, kulturellem und sozialem Wissen ist gleichermaßen als Erwerb von Verhalten zu sehen

 

Verhaltensdisposition/ Verhaltenspotential: Bereitschaft, unter bestimmten Bedingungen ein bestimmtes Verhalten zu zeigen

Unter einer Verhaltensdisposition versteht man die Bereitschaft des Organismus, sich unter mehr der weniger spezifischen (in Grenzfällen generellen) Bedingungen in einer bestimmten Weise zu verhalten; also z.B. Gedächtnisinhalte abzurufen bzw. bestimmte Probleme lösen zu können oder mit Angst zu reagieren

 

Neben gelernten Verhaltensdispositionen gibt es auch solche, welche nicht Resultat eines Lernprozesses sind, sondern biologisch respektive (bzw./genauer)  genetisch bedingt sind (Reflexe, Prägung, Instinkte) 

3. Unterscheiden Sie genetisch bedingtes von durch Lernen erworbenes Verhalten.

  • Genetische und erfahrungsbedingte Einflüsse wirken i.d.R. sehr eng zusammen. Insbesondere beim Menschen lässt sich kaum ein Verhalten als vollständig angeboren oder vollständig gelernt einordnen.

  • Erfahrungsbedingten Lernformen: Lernen durch Konditionierung und kognitives Lernen

 

Eine Klassifikation von Verhalten als vollständig angeboren respektiv (bzw.) vollständig gelernt erweist sich allerdings als sehr schwierig, da viel der biologischen & generischen Verhaltensdispositionen erst gezeigt werden können, wenn der Organismus gewisse Lernerfahrungen gemacht hat.

Rhesusaffenkinder, die nicht mit einer richtigen Mutter, sondern nur mit einer Mutterattrappe (Milchspenden, Kuschelmöglichkeit) aufwachsen, später unfähig waren, sexuellen Kontakt mit einem Partener zu haben oder angemessenes Fürsorgeverhalten zu zeigen. Angeborene & gelernte Verhaltensdispositionen stehen oft in einem komplexen Wechselspiel

Erfahrungsbasierte Verhaltensdispositionen

Innerhalb der erfahrungsbasierten Verhaltensdispositionen kann zwischen dem Lernen durch Konditionieren & dem kognitiven Lernen unterschieden werden 

4. Welche genetisch bzw. biologisch bedingten Vorgänge spielen in der Entwicklung beim Menschen eine wichtige Rolle? Welche spielen eher eine untergeordnete Rolle?

Reflexe und Reifung spielen eine wichtige Rolle beim Menschen!

5. Wie können sensible Phasen charakterisieren werden und welche Bedeutung haben sensible Phasen für Lernen?

  • Sensible Phasen sind feste Zeitabschnitte in der Entwicklung eines Organismus, in denen gewisse Verhaltensweisen leichter erworben werden können als in vorangehenden oder nachfolgenden Abschnitten

  • Erfahrungen, die in dieser Phase mit der Umwelt gemacht werden, haben maximale Wirkung

  • Bestimmte Verhaltensdispositionen können nur in dieser Phase erworben werden und sind nicht nachholbar

  • Gewisse Verhaltensmuster oder Kompetenzen können nur in diesen Phasen erworben werden & lassen sich später nicht nachholen (z.B. Bindungsfähigkeit)

1. Welches sind die zentralen Begriffe (UCS, UCR usw.) beim Klassischen Konditionieren? Wie sind diese definiert? Wenden Sie die Begriffe auf unterschiedliche Beispiele an!

  • UCS = unkonditionierter Stimulus (z.B. Futter) 
  • UCR = unkonditionierte Reaktion (z.B. Speichelfluss) 
  • UCS + UCR = Reflex (z.B. Speichelfluss bei Futter) 

  • NS = neutraler Stimulus (z.B. Glocke) 

  • CR = konditionierte Reaktion (z.B. Speichelfluss) 

  • CS = konditionierter Stimulus (z.B. Glocke)

2. Welche drei Phasen können beim Klassischen Konditionieren unterschieden werden? Beschreiben Sie die drei Phasen!

Studyflix: Die klassische Konditionierung läuft in drei Phase ab:

 

  • Phase vor der Konditionierung: Zunächst gibt es nur einen unbedingten Stimulus (Futter), der eine natürliche unbedingte Reaktion (Speicheln) auslöst. Außerdem hast du einen neutralen Stimulus (Klingelton), der keine spezifische Reaktion auslöst.

 

  • Konditionierung: Jetzt zeigst du zuerst den neutralen Stimulus (Klingel), dann den unbedingten Stimulus (Futter), worauf die unbedingte Reaktion (Speicheln) folgt. Diesen Vorgang wiederholst du jetzt mehrmals.

 

  • Phase nach der Konditionierung: Jetzt zeigst du nur noch den ursprünglich neutralen, jetzt bedingter Stimulus (Klingel), ohne unbedingten Stimulus (Futter). Trotzdem wird die bedingte Reaktion (Speicheln) gezeigt.

3. Welches sind Voraussetzungen für die Wirksamkeit klassischer Konditionierung? Was bedeutet Kontiguität und welche Variationen können unterschieden werden?

  • Voraussetzungen: Zusammenfallen zweier Reize relevant = klassische Konditionierung

 

  • 4 Kontiguitäten (zwei Ereignisse zeitlich zusammenfallen)

 

  • Zusammenfallen des UCS+CS kann verzögert, in Spuren, simultan oder auch rückwärts Signallernen auslösen :

 

  • 1. Kontiguität = verzögerte Konditionierung → UCS (Futter) nach längerem durchgehendem Auftreten des CS (Licht/Geräusch) hinzukommt

 

  • 2. Kontiguität = Spurenkonditionierung → UCS (Futter) erst nach gewissen Zeitabstand nach CS (Licht/Geräusch) auf; Zeitabstand nicht länger als 0,5 Sekunde, da Konditionierung sonst nicht effektiv bzw. weniger

 

  • 3. Kontiguität = simultanen Konditionierung → CS (Licht/Geräusch) + UCS (Futter) = zeitgleich & gleich lang auf; klassische Konditionierung

 

  • 4 Kontiguität = Rückwärtskonditionierung → funktioniert erst, wenn ein Reiz bestimmten Reflex hervorruft, der UCS (Futter) die UCR (Speichelfluss) + kurz darauf indifferenzierter Reiz, der CS (Licht/Geräusch) auftritt

 

  • das simultane oder beinahe zeitgleiche Zusammenfallen zweier Reize → “Kontiguität”

  • ausreichend häufige Paarung des UCS mit dem CS

  • Stärke des Signals

  • Unterscheidbarkeit der Signale

4. Welche Reaktionen können beim Klassischen Konditionierung unterschieden werden?


 

  • Lernen von bedingten Reflexen

  • Lernen von Affektauslösern & Emotionen: Furcht-/ Angstreaktionen

  • Lernen von Reaktionen des autonomen Nervensystems Auslösereize

  • Lernen von Geschmacksaversionen

5. Was bedeuten beim Klassischen Konditionieren: Löschung (Extinktion), Spontanerholung, Stimulusgeneralisierung, Stimulusdiskrimination und Konditionierung höherer Ordnung?

  • Löschung (Extinktion) = Speicheln der Hunde nach Ertönen des Tones (CS) zuerst anhielt, aber nach mehrmaligen Ertönen des Signals (CS) irgendwann von selbst aufhört; ist unzuverlässig; einer Reiz-Reaktions-Assoziation herbeizuführen, ist möglich, wenn nur konditionierten Stimulus (CS) wiederholt ohne unkonditionierten Stimulus präsentiert, sodass ständige auftretenden Spontanerholungen irgendwann abflachen (Spontanerhlatung ist dabei bei 0 in dieser Zeit) 

 

  • Spontanerholung = Hunde auch nach längerer Pause wieder erneut auf Signal speichelten 

 

  • Stimulusgeneralisierung = Hunde reagieren nicht nur auf bestimmten Ton, sondern auch auf andere ähnliche Töne die konditionierte Reaktion auslösen konnten

 

  • Stimulusdiskrimination = Hunde speicheln auf bestimmten Ton & auf anderen sehr ähnlichen Ton nicht (nur eine bestimmte Person macht mir Angst aber nicht andere)

 

  • Konditionierung höherer Ordnung = wenn Hund nicht nur auf Ton speichelt, sondern ebenfalls auf neuen Stimulus wie Licht (Koppelung: Hauptstimuls durch anderen (neuen)  Reiz z.B ersetzt werden oder gekoppelt → Zivi leckerli, soll mir einen Kuss geben; kann es heute ohne Leckerli, sondern reicht Befehl „Kuss”)

 

  • Löschung (Extinktion): auf den CS folgt auf Dauer kein CS, sodass die CR vergessen wird

 

  • Spontanerholung: keine vollständige Löschung, spontan folgt nach ehemaligen CS eine CR

 

  • Stimulusgeneralisierung: ähnliche Stimuli wie konditionierter Stimuluserregen eine CR

 

  • Stimulusdiskriminierung: nur CS löst CR aus

 

  • Konditionierung höherer Ordnung: zum alten konditionierten Stimulus kommt ein neuer UCS dazu und wird zum CS

6. Inwiefern kann das Prinzip des Klassischen Konditionierens auf das Lernen von Verhalten beim Menschen übertragen werden? In welchen Anwendungsbereichen ist dies bedeutsam?

  • Beispiel kleiner Albert mit Furcht wegen lautem Schlag gegenüber weißer Ratte und später weißem Kaninchen

  • Furcht / Angst

  • klinische Psychologie und Pädagogische Psychologie

  • positive Emotionen lassen sich konditionieren z.B. Freude

  • Gegenkonditionierungen = systematische Verlernen eines zuvor erfolgreichen Signallernens

→ kleiner Albert statt Furchtreaktion mit Reflex Freude mit Gegenständen mehrmals gleichzeitig paart, sodass Albert zur positiven emotionalen Reaktion gegenkonditioniert wird

 

  • Anwendung in der Schule: unerwünschte Gewohnheiten/ Verhalten; Angst vor bestimmten Schulfach; Angst vor Schule

  • Anwendung in der Werbung: Produktvermarktlichung → Kauffreude soll angeregt werden wie z.B. Frühlingsduft, Weihnachtsmusik, “eye-catcher”

1. Was ist die wesentliche Bedingung für operantes Konditionieren? Wie unterscheiden sich klassisches und operantes Konditionieren?

Operantes Konditionieren: Kontingenz bezeichnet dagegen die Abhängigkeit zweier Ereignisse

 

Klassisches Konditionieren: Kontiguität lediglich das zeitliche Zusammenfallen zweier Ereignisse

2. Was ist respondentes Verhalten, was ist operantes Verhalten? 

respondent = Reaktion auf einen Stimulus

respondentes Verhalten = Reaktion des Organismus

operant = Reaktion durch den Organismus ausgelöst

operantes Verhalten = Einwirken des Organismus auf die Umwelt

 

3. Wie werden beim operanten Konditionieren Verstärkung, positive Verstärkung, negative Verstärkung, primäre und sekundäre Verstärker definiert? Nennen Sie Beispiele, wie diese zum Aufbau von Verhalten führen!

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4. Wie werden beim operanten Konditionieren Bestrafung (Typ1 und Typ2) definiert? Nennen Sie Beispiele aus dem Alltag (Menschen!), wie diese zum Abbau von Verhalten führen!

Positive Bestrafung (Typ 1): Die Ratte bekommt immer einen Stromschlag (Unangenehme Konsequenz), wenn sie den Hebel (Verhalten) drückt. Das führt dazu, dass sie das Verhalten seltener zeigt.

 

Positiver Bestrafungstyp: Ein unangenehmer Reiz wird hinzugefügt, um das Verhalten zu unterdrücken (z.B. Schmerz oder Kritik) Bsp. Junge geht für Oma einkaufen & sie beschwert sich, dass er was vergessen hat

Negative Bestrafung (Typ 2): Die vierte Möglichkeit hat Skinner nicht durchgeführt, dabei würde die Ratte immer dann kein Futter erhalten (angenehme Konsequenz bleibt aus), wenn sie den Hebel drückt (Verhalten). Sie vermeidet daraufhin das Verhalten.

 

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Negativer Bestrafungstyp: Ein angenehmer Reiz wird weggenommen, um das Verhalten zu unterdrücken (z.B. keine Belohnung oder Entzug von Privilegien) Bsp. Oma ignoriert Jungen

 

  • Bestrafung stärkt nicht das Verhalten, sondern unterdrückt es

5. Welche Verstärkungspläne lassen sich beim Aufbau von Verhalten unterscheiden? Beschreiben Sie die Methoden Shaping und Chaining!

 •Je komplexer der Verstärkerplan, desto schwerer ist Kontingenz erkennbar

 •Je komplexer der Plan, desto langsamer der Lernprozess

 

Methoden des Erwerbs komplexen Verhaltens 

Shaping (Verhaltensformung) 

  • Verhalten wird erlernt, welches normalerweise nicht vor kommen würde, es wird "geshaped" → angepasst

  • man nähert sich stufenweise dem gewünschten Verhalten an und dazu benutzt man das 

 

Chaining (Verkettung von Reaktionssequenzen) z.B. bei der Dressur von Tieren

 

Fading (Ausblenden) 

  • Merkmal des Stimulus (Hilfen/ Erleichterungen zum Erlernen eines Verhaltens), das bestimmtes Zielverhalten auslöst, wird schrittweise ausgeblendet 

  • Wegnahme schwächt den Lernprozess nicht, es werden lediglich zuvor genutzte Hilfen ausgeblendet

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6. Was versteht man unter Diskrimination beim operanten Konditionieren? Überlegen Sie sich ein passendes Beispiel!

  • Fähigkeit zur differenzierten Verhaltensreaktion auf ähnliche Stimuluskonstellationen

  • Unterscheidung von bestimmten Reizen oder Bedingungen

  • Beispiel für Diskrimination beim operanten Konditionieren:

  • Training eines Hundes, um zwischen verschiedenen Handlungskommandos zu unterscheiden:

  • Der Hund soll nur auf das Kommando "Sitz" hinsetzen und nicht auf andere ähnliche Wörter oder Gesten reagieren.

  • Durch konsequente Verstärkung und Belohnung für das korrekte Verhalten beim Kommando "Sitz" lernt der Hund, die Diskrimination zwischen den verschiedenen Stimuluskonstellationen herzustellen.

  • Der Hund zeigt das gewünschte Verhalten nur noch in spezifischen Situationen, in denen das Kommando "Sitz" gegeben wird, und unterscheidet es von anderen ähnlichen Reizen oder Situationen.

 

In Skinners Versuch lernte die Ratte, dass es nur Futter gibt, wenn die Lampe leuchtet und der Hebel umgelegt wird. Das Tier kann demnach zwei Zustände voneinander differenzieren: Licht aus  = keine Möglichkeit an Futter zu gelangen oder Licht an = Möglichkeit an Futter zu gelangen (durch das Umlegen des Hebels).

Im Gegensatz zu der Generalisation wird das Verhalten nur in bestimmten (= differenten) Fällen belohnt.