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Beschreiben Sie, weswegen ein/e Psychologin/e einen gestellten Auftrag nicht annehmen sollte, undordnen Sie dies in den diagnostischen Prozess ein.

Der diagnostische Prozess beginnt damit, dass ein potenzieller Auftraggeber einer Psychologin/Psychologen seine Fragestellungnennt (2 Punkte).

 

Diese/r entscheidet nun, ob er den Auftrag übernehmen und die Fragestellung bearbeiten kann (2 Punkte).

 

Das heißt, ob sie oder er beispielsweise über die nötige Kompetenz in einem bestimmten Bereich, um die Fragestellung bearbeitenzu können (3 Punkte).

 

Ist der/ die Psychologe/in kein Experte in einem bestimmten Fachgebiet z. B. in der Rechtspsychologie sollte er den Auftrag nichtannehmen (3 Punkte).

Nennen und erklären Sie die Prozessschritte von einem diagnostischen Prozess. 

Diagnostischer Prozess: Prozessschritte 

  1. Auftraggeber
    • eigentlicher Ausgangspunkt im diagnostischen Prozess 
  2. Fragestellung
    • potenzieller Auftraggeber nennt einem Psychologen seine Fragestellung 
    • Entscheidung des Psychologen, ob er den Auftrag übernehmen und die Fragestellung bearbeiten kann (verfügt er über die nötige Kompetenz in diesem bestimmten Bereich?)
    • Ausarbeitung weiterer, spezifischerer Fragestellungen
  3. Hypothesen
    • Psychologe stellt eine vorläufige vermutete Antwort auf die Fragestellung auf (--> Hypothese), die im späteren diagnostischen Prozess überprüft wird
  4. Operationalisierung
    • Verfahren, um eine nicht direkt beobachtbare Variable (z.B. Angst) für die Beobachtung zugänglich zu machen, indem man eine mit ihr verknüpfte, gut beobachtbare Variable auswählt (z.B. Selbstberichtsverfahren). Die beobachtbare Variable dient als Indikator für die nicht direkt beobachtbare Variable. 
    • Operationalisierung notwendig, um den psychologischen Gegenstand (z.B. Angst) empirisch messbar zu machen und so konkrete Daten gewinneen zu können 
  5. Datenerhebung
    • Planung der diagnostischen Untersuchung (Wer, wann, wo, beim wem, welche Daten erhebt?)
    • Durchführung der Untersuchung entsprechend der Planung
  6. Ergebnisinterpretation und -integration
    • Auswertung der Ergebnisse
    • Wie werden die Informationen am besten kombiniert oder verrechnet?
      • kompensatorische Entscheidungsstrategie ("oder-Konzept"): die Prädiktoren können sich gegenseitig ausgleichen
      • konjunktive Entscheidungsstrategie ("Und-Konzept"): Forderung nach Leistung in beiden bzw. allen Bereichen (Mindestwerte müssen erfüllt werden)
    • Wie kommen Diagnostiker zu Urteilen? (diagnostisches Urteil = Beantwortung einer Fragestellung unter Verwendung von bereits vorliegenden diagnostischen Informationen)
      • klinische Urteilsbildung: individuelle Beurteilung durch Diagnostiker; aus Erfahrung heraus urteilen; es werden keine quantitativen Zahlen erhoben)
      • statistische Urteilsbildung: statistische Analyse der Daten von vielen ähnlichen Fällen; strikte Regeln; quantitative Datenerhebung
    • --> statistische Urteilsbikdung der klinischen Urteilsbildung überlegen
  7. Entscheidung/Rückmeldung/Gutachten
    • Der Psychologe beantwortet den in der Fragestellung beschriebenen Sachverhalt des Auftraggebers (diagnsotisches Urteil)
    • Entscheidung über die Richtigkeit der Hypothesen
    • Gutachten dient zur Entscheidungsberatung, damit der Auftraggeber keine Entscheidung unter Unsicherheit fällen muss und nichts wichtiges übersieht
    • inhaltliches und methodisches Vorgehen für Laien verständlich und nachvollziehbar darstellen 

Was hat ein psychologisches Gutachten mit dem psychologischen Prozess zu tun und erklären Sie dies anhand eines Beispiels. 

Das psychologische Gutachten stellt die letzte Stufe des diagnostischen Prozesses dar. Es dient zur Entscheidungsberatung, damit der Auftraggeber keine Entscheidung unter Unicherheit fällen muss und nichts wichtiges übersieht. Der Psychologe beantwortet im Gutachten den in der Fragestellung beschriebenen Sachverhalt der Auftraggebers, für den Laien verständlich und nachvollziehbar. 

 

Beispiel

Ein Auftraggeber (Klient) kommt zu einem Psychologen und berichtet ihm, dass es ihm schon länger nicht mehr gut gehe. Er habe seine Lebensfreude verloren, habe kaum Antrieb, grübele viel und schlafe schlecht. Er kommt mit der Fragestellung "Bin ich psychisch krank?" in die psychotherapeutische Praxis. 

 

Nach Durchlaufen den Diagnostischen Prozesses mit Erhebung und Auswertung verschiedener Daten, kommt der Psychologe zu dem Urteil: Mittelschwere depressive Episode (F32.1). Die Rückmeldung dieser Diagnose in Form eines psychologischen Gutachtens soll dem Klienten helfen, eine Entscheidung treffen zu können, sich also bspw. für eine angeratene psychotherapeutische Behandlung zu entscheiden. 

Welche ist die letzte Stufe des diagnostischen Prozesses?

Entscheidung, Rückmeldung, Gutachten

Erklären Sie die Ergebnisinterpretation und -integration. 

Ergebnisinterpretation und -integration

  • 6. Stufe im diagnostischen Prozess
  • Auswertung der zuvor erhobenen Ergebnisse: vorliegende Informationen zur Beantwortung der im aktuellen Sachverhalt relevanten Fragestellungen zu einem Urteil integrieren

 

Strategien, um die vorliegenden Informationen am besten zu kombinieren oder zu verrechnen: kompensatorische vs. konjunktive Entscheidungsstrategie

  • kompensatorische Entscheidungsstrategie ("Oder-Strategie")
    • Prädiktoren (Vorhersagevariablen) können sich gegenseitig ausgleichen/kompensieren
    • kompensatorische Strategien sind immer dort dysfunktional, wo in jedem Teilbereich bestimmte Mindestleistungen unabdingbar vorliegen müssen, um eine Tätigkeit erfolgreich ausführen zu können
  • konjunktive Entscheidungsstrategie ("Und-Strategie")
    • Forderung nach Leistung in beiden bzw. allen Bereichen 
    • Mindestwerte müssen erfüllt werden

 

diagnsotisches Urteil = Beantwortung einer Fragestellung unter Verwendung von bereits vorliegenden diagnostischen Informationen 

 

Wie kommen Diagnostiker zu Urteilen? klinische vs. statistische Urteilsbildung

  • klinische Urteilsbildung
    • individuelle Beurteilung durch den Diagnostiker
    • aus Erfahrung heraus urteilen; es werden keine quantitativen Zahlen erhoben
  • statistische Urteilsbildung
    • statistische Analyse der Daten von vielen ähnlichen Fällen
    • quantitative Datenerhebung

--> statistische Urteilsbildung der klinischen Urteilsbildung immer überlegen! 

Beschreibe in 2 Sätzen was der Nutzen eines Gutachtens/Rückmeldung im diagnostischen Prozess ist und nenne ein Beispiel.

 

Ein Gutachten dient zur Entscheidungsberatung, damit der Auftraggeber keine Entscheidung unter Unsicherheit fällen muss und nichts Wichtiges übersieht. Der Psychologe beantwortet daher den in der Fragestellung beschriebenen Sachverhalt des Auftraggebers für Laien verständlich und nachvollziehbar. 

 

Bsp. Gutachten

Gerichtspsychologische Begutachtung einer Zeugin hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit. Fragestellung des Gerichts: Könnte die Erinnerung der Zeugin durch ihren mehrjährigen Missbrauch der Droge Heroin beeinträchtigt sein und wenn ja - in welchen Maße?

 

Entscheidung, Rückmeldung, Gutachten

Aus rechtspsychologischer Sicht ergaben sich keine Zweifel an der Gluabhaftigkeit ihrer Aussage und der Glaubwürdigkeit der Zeugin an sich. Das zuständige Gericht verwertete das schriftliche Gutachten im Gerichtsverfahren und würdigte es nach mündlichem Vortrag des Sachverständigen als Beweismittel. 

Beschreibe die Zielsetzung und den letzten Schritt des diagnostischen Prozesses und was damit erreicht werden will.

Zielsetzung des diagnostischen Prozesses

Gewinnung diagnostisch relevanter Informationen und Integration dieser Informationen zur Beantwortung einer Fragestellung. Die Beantwortung findet in Form einer Prognose oder Diagnose statt, die Ausgangslage bzw. Hilfestellung für eine Entscheidung durch den Auftraggeber ist. 

 

Entscheidung, Rückmeldung, Gutachten

Das psychologische Gutachten stellt die letzte Stufe des diagnostischen Prozesses dar. Es dient zur Entscheidungsberatung, damit der Auftraggeber keine Entscheidung unter Unicherheit fällen muss und nichts wichtiges übersieht. Der Psychologe beantwortet im Gutachten den in der Fragestellung beschriebenen Sachverhalt der Auftraggebers, für den Laien verständlich und nachvollziehbar. 

Nenne den Ablauf des diagnostischen Prozesses. Mit welchem Namen wird der Prozess in Verbindung gebracht? 

Diagnostischer Prozess

nach Reinhold S. Jäger

 

  1. Auftraggeber
  2. Fragestellung
  3. Hypothesen
  4. Operationalisierung
  5. Datenerhebung
  6. Ergebnisinterpretation und -integration
  7. Entscheidung/Rückmeldung/Gutachten

Erklären Sie den diagnostischen Prozess anhand eines Beispiels.

Diagnostischer Prozess: Prozessschritte anhand eines Beispiels

  1. Auftraggeber
    • eigentlicher Ausgangspunkt im diagnostischen Prozess 
    • Klient
  2. Fragestellung
    • potenzieller Auftraggeber nennt einem Psychologen seine Fragestellung 
    • Entscheidung des Psychologen, ob er den Auftrag übernehmen und die Fragestellung bearbeiten kann (verfügt er über die nötige Kompetenz in diesem bestimmten Bereich?)
    • Ausarbeitung weiterer, spezifischerer Fragestellungen
    • Klient kommt in psychotherapeutische Praxis mit der Fragestellung: Bin ich psychisch krank?
      • Patient gehe es schon längere Zeit nicht mehr gut
      • Lebensfreude verloren, kaum Antrieb, grübelt viel, schlechter Schlaf
  3. Hypothesen
    • Psychologe stellt eine vorläufige vermutete Antwort auf die Fragestellung auf (--> Hypothese), die im späteren diagnostischen Prozess überprüft wird
    • Hypothese: Depressive Episode
  4. Operationalisierung
    • Verfahren, um eine nicht direkt beobachtbare Variable (z.B. Angst) für die Beobachtung zugänglich zu machen, indem man eine mit ihr verknüpfte, gut beobachtbare Variable auswählt (z.B. Selbstberichtsverfahren). Die beobachtbare Variable dient als Indikator für die nicht direkt beobachtbare Variable. 
    • Operationalisierung notwendig, um den psychologischen Gegenstand (z.B. Angst) empirisch messbar zu machen und so konkrete Daten gewinneen zu können 
    • Multimodale Diagnostik (d.h. verschiedenen Verfahren und Instrumente nutzen)
      • Interview (klinisches Interview: SKID1)
      • Test (Becks Depressionsinventar; BDI)
      • Konsiliarbericht (differenzialdiagnostische Konsiliaruntersuchung beim Hausarzt: Erhebung von Schilddrüsenwerten)
  5. Datenerhebung
    • Planung der diagnostischen Untersuchung (Wer, wann, wo, beim wem, welche Daten erhebt?)
    • Durchführung der Untersuchung entsprechend der Planung
    • Planung der Untersuchung
      • in 2 Sitzungen klinisches Interview zu psychischen Störungen mit dem Klienten
      • Testverfahren (BDI) mit nach Hause geben
      • Pat. soll Hausarzt bzgl. somatischen Konsiliarbericht aufsuchen
    • Durchführung gemäß Planung
  6. Ergebnisinterpretation und -integration
    • Auswertung der Ergebnisse
    • Wie werden die Informationen am besten kombiniert oder verrechnet?
    • kompensatorische Entscheidungsstrategie ("oder-Konzept"): die Prädiktoren können sich gegenseitig ausgleichen
      • konjunktive Entscheidungsstrategie ("Und-Konzept"): Forderung nach Leistung in beiden bzw. allen Bereichen (Mindestwerte müssen erfüllt werden)
    • Wie kommen Diagnostiker zu Urteilen? (diagnostisches Urteil = Beantwortung einer Fragestellung unter Verwendung von bereits vorliegenden diagnostischen Informationen)
      • klinische Urteilsbildung: individuelle Beurteilung durch Diagnostiker; aus Erfahrung heraus urteilen; es werden keine quantitativen Zahlen erhoben)
      • statistische Urteilsbildung: statistische Analyse der Daten von vielen ähnlichen Fällen; strikte Regeln; quantitative Datenerhebung
    • --> statistische Urteilsbikdung der klinischen Urteilsbildung überlegen
    • klinisch bedeutsame Symptomatik
    • Ergebnisinterpretation
      • klinisches Interview: PAtient erfüllt Kriterien für mittelschwere depressive Episode
      • Testverfahren: BDI auffällige Werte über Cut-Off für psychische Erkrankungen und depressive Episoden
      • Konsiliarbericht: keine Hinweise auf organische Erkrankungen, die die Symptomatik erklären könnte
    • Ergebnisintegration
      • klinisches Urteil: aktuell liegt eine klinisch bedeutsame Symptomatik vor, im Rahmen einer mittelschweren depressiven Episode
  7. Entscheidung/Rückmeldung/Gutachten
    • Der Psychologe beantwortet den in der Fragestellung beschriebenen Sachverhalt des Auftraggebers (diagnsotisches Urteil)
    • Entscheidung über die Richtigkeit der Hypothesen
    • Gutachten dient zur Entscheidungsberatung, damit der Auftraggeber keine Entscheidung unter Unsicherheit fällen muss und nichts wichtiges übersieht
    • inhaltliches und methodisches Vorgehen für Laien verständlich und nachvollziehbar darstellen 
    • Mittelschwere depressive Episode (F32.1)
      • dem Patienten die Ergebnisse rückmelden
      • Empfehlung einer ambulanten psychotherapeutischen Behandlung

Was ist ein Gutachten?

Gutachten

  • Dient zur Entscheidungsberatung, damit der Auftraggeber keine Entscheidung unter Unsicherheit fällen muss und nichts Wichtiges übersieht
  • Der Psychologe beantwortet den in der Fragestellung beschriebenen Sachverhalt des Auftraggebers
  • Inhaltliches und methodisches Vorgehen auf für Laien verständlich und nachvollziehbar darstellen. 

Definiere den Begriff Hypothese

Vorläufige (vermutete) Antworten, die Forscher auf ihre Fragen geben 

 

Um Vermutungen handelt es sich so lange, als der wissenschaftliche Nachweis noch aussteht“

  • Definieren Sie den Begriff "Hypothese". 
  • Welche Stellung kommt der Hypothese im diagnostischen Prozess zu? 

Hypothese

vorläufige (vermutetete) Antworten, die Forscher auf ihre Fragen geben. Um Vermutungen handelt es sich so lange, als der wissenschaftliche Nachweis noch aussteht. 

 

Hypothese im diagnostischen Prozess

Im diagnostischen Prozess sollen die Fragestellungen als Hypothesen überprüft werden. Es handelt sich hier um eine Kombination aus einem Hypothesen generierenden und einem Hypothesen testenden Vorgehen. 

 

  1. Hypothesen generieren
    • vermutete Antworten aufstellen, die im weiteren Verlauf überprüft werden
  2. Hypthesen testen
    • Hypothesen werden durch die diagnostische Untersuchunng entweder bestätigt oder widerlegt. 

Erklären Sie die Operationalisierung. 

Operationalisierung

  • Verfahren, um eine nicht direkt beobachtbare Variable (z.B. Angst) für die Beobachtung zugänglich zu machen, indem man eine mit ihr verknüpfte, gut beobachtbare Variable auswählt (z.B. Selbstberichtsverfahren: Fragebogen zu Gedanken beim Erleben von Angst). Die beobachtbare Variable dient als Indikator für die nicht direkt beobachtbare Variable
  • Operationalisierung notwendig, um den psychologischen Gegenstand (z.B. Angst) empirisch messbar zu machen und konkrete Daten gewinnen zu können. 

Beschreiben Sie den Begriff Operationalisierung und nennen Sie ein Beispiel aus dem Skript. 

Operationalisierung

Verfahren, um einen psychologischen Gegenstand (latentes Konstrukt) empirisch messbar zu machen und so konkrete Daten gewinnen zu können. 

 

Die innerpsychischen Prozesse und Vorgänge beim Erleben von Angst sind bspw. nicht direkt von außen beobachtbar. Möchte man das latente Konstrukt Angst messen, kann man dieses bspw. durch ein Selbstberichtsverfahren (z.B. Fragebogen zu Gedanken beim Erleben von Angst) messbar machen. 

Erläutere die Zielsetzung eines diagnostischen Prozesses. 

Zielsetzung des diagnostischen Prozesses

Beantwortung der Fragestellung des Auftraggebers in Form einer Prognose oder Diagnose. 

 

Gewinnung diagnostisch relevanter Informationen und deren Integration zur Beantwortung einer Fragestellung. 

Was ist der 6. Schritt im diagnostischen Prozess?

Entscheidung, Rückmeldung, Gutachten

Erklären Sie den Begriff Datenerhebung und nennen Sie ein Beispiel. 

Datenerhebung

Bei der Datenerhebung geht es darum, wer wann wo beim wem welche Daten erhebt. Zunächst wird die Datenerhebung geplant und im Anschluss daran entsprechend der Planung durchgeführt. In bestimmten Fällen können auch noch Nacherhebungen sinnvoll sein, wenn bspw. ungültige, uneindeutige oder widersprüchliche Antworten vorliegen. 

 

Bsp. klinische Psychologie: Hypothese depressive Episode

 

  1. Planung der Datenerhebung
    • in 2 Sitzungen klinisches Interview zu psychischen Störungen durchführen
    • Testverfahren (BDI) mit nach Hause geben
    • Patient soll Hausarzt bzgl. somatischem Konsiliarbericht aufsuchen
  2. Durchführung der Daten gemäß Planung

Beschreibe den Diagnostischen Prozess anhand eines Beispiels 

Anwendungsbeispiel zum diagnostischen Prozess: Fall aus der Rechtspsychologie zur Feststellung der Glaubwürdigkeit einer Zeugin

 

1. Begutachtungsauftrag (Auftraggeber)

eigentlicher Ausgangspunkt im diagnostischen Prozess

 

„Als Geschädigte und Zeugin belastete Frau Antje F. Herrn S. gegenüber der Polizei“. Herr S. habe sie über einen Zeitraum von circa zehn bis elf Wochen eingesperrt, zur Prostitution gezwungen und ihr Drogen verkauft. Ihre Aussage zeichnete sich durch Angaben über folgerichtige Handlungsverkettungen, Detailfülle und teils widersprüchliche Aussagen aus, die in der Vernehmung jedoch aufgeklärt werden konnten. Allerdings wurde die Glaubwürdigkeit der Zeugin Antje F. generell angezweifelt, weil sie in den Angaben zu ihrer Person und zu ihrer Lebensgeschichte auch über einen langjährigen Drogenkonsum berichtete. Sie sei über mehrere Jahre heroinabhängig gewesen und befinde sich nun in wiederholter körperlicher Entgiftung und in einer psychotherapeutischen Behandlung. Frau F. ist die einzige Zeugin für die Herrn S. zur Last gelegte Tat. 

 

Auftraggeber: Gericht

 

2. Fragestellung

Potenzieller Auftraggeber nennt einem Psychologen seine Fragestellung

--> Entscheidung des Psychologen, ob er den Auftrag übernehmen und die Fragestellung bearbeiten kann 

--> im diagnostischen Prozess werden dann weitere, spezifischere Fragestellungen ausgearbeitet

 

„Das Gericht veranlasste letztlich die gerichtspsychologische Begutachtung der Zeugin hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit und der Glaubhaftigkeit ihrer Angaben. Es formulierte als hervorgehobene und insbesondere interessierte Fragestellungob und – falls ja – in welchem Maße die Erinnerung der Zeugin durch ihren mehrjährigen Missbrauch der Droge Heroin beeinträchtigt sein könnte"

 

 

3. Hypothesen

vorläufige (vermutete) Antworten, die Forscher auf ihre Fragen geben

--> Fragestellungen sollen als Hypothesen überprüft werden

--> Kombination aus einem Hypothesen generierenden und einem Hypothesen testenden Vorgehen

--> Vermutung = wissenschaftlicher Nachweis noch ausstehend

 

Der von der Zeugin geschilderte Rauschmittelkonsum kann innerhalb kurzer Zeit zu physischen und psychischen Abhängigkeiten führen. Diese können nicht nur psychische Veränderungen wie Persönlichkeitsveränderungen zur Folge haben, sondern wirken sich auch auf die Kognition der Betroffenen aus: Besonders konzentrative, intellektuelle und auch Gedächtnisleistungen können betroffen sein.

 

4. Operationalisierung

= wie möchte man einen bestimmten psychologischen Gegenstand (bspw. Angst) empirisch messbar machen?

 

Zur Abbildung der möglicherweise vorhandenen kognitiven Leitungsbeeinträchtigungen erfolgten Auswahl und Zusammenstellung verschiedener Leitungstests zu einer Leistungstestbatterie:

  • Test d2
  • Konzentrations-Verlaufs-Test (KVT)
  • Benton Test: zur Überprüfung der Gedächtnisleistung insbesondere für visuelle
  • Reize
  • Intelligenz-Struktur-Test (IST 70)
  • Raven’s Progressive Matrizen (SPM)

 

5. Datenerhebung

  1. diagnostische Untersuchung planen
    • Wer erhebt Daten?
    • Wann werden Daten erhoben?
    • Wo werden Daten erhoben?
    • Bei wem werden Daten erhoben?
    • Welche Daten werden erhoben?
  2. Durchführung der Untersuchung entsprechend der Planung(ggf. Nacherhebungen notwendig)

 

Sozialanamnese und ExplorationDie Zeugin gab an, dass ihre Eltern geschieden seien und derzeit an verschiedenen Orten lebten. Ab dem Alter von zehn oder elf Jahren habe sie häufig alkoholische Getränke konsumiert. Auch sei sie „wohl auch im Heim zu Alkohol- und Drogenmissbrauch durch Mitbewohnerinnen verleitet worden, hätte dann gekifft [...] und sei später – etwa 17jährig – auf härtere Drogen (Heroin) umgestiegen, welche sie sich intravenöse injiziert hätte“ 

 

Ergebnisse der testpsychologischen UntersuchungBei der Prüfung der Konzentrations- und Aufmerksamkeitsleistung erreichte Frau F. im Test-d2-Vortest durchschnittliche bis überdurchschnittliche Werte. Auch im Test-d2- Nachtest erreichte sie überdurchschnittliche Werte. Im KVT erreichte die Probandin ebenso eine überdurchschnittliche Sorgfaltsleistung. Zudem erzielte sie im Benton Test zur Überprüfung der Gedächtnisleistung insbesondere für visuelle Reize ein gleichermaßen durchschnittliches Ergebnis. Zur Ermittlung des Intelligenzquotienten wurde der IST 70 angewandt. Hierbei ergab sich ein IQ von 112. Dies entspricht einem noch durchschnittlichen, sogar fast schon überdurchschnittlichen IQ. Im SPM erzielte die Testperson mit 100 einen genau durchschnittlichen IQ. Es finden sich in keinem der Testergebnisse Hinweise auf eine Leistungsminderung, die möglicherweise auf eine durch mehrjährigen Drogenkonsum verursachte hirnorganische Beeinträchtigung zurückzuführen wäre. 

 

6. Ergebnisinterpretation und -integration

Auswertung der Ergebnisse

--> vorliegende Informationen zur Beantwortung der im aktuellen Sachverhalt relevanten Fragestellungen zu einem Urteil integrieren. 

  • kompensatorische vs. konjunktive Entscheidungsstrategien
  • statistisches vs. klinisches Urteil

 

Frau F., welche sich in physischer und psychischer Abhängigkeit befunden habe, wurde psychologisch-diagnostisch untersucht mit dem Ziel, ihre psychische Leistungsfähigkeit zu beurteilen. Nach den erhobenen Befunden zu wesentlichen konzentrativen, intellektuellen und Gedächtnisleistungen ergeben sich keine Hinweise auf kognitive Defizite, folglich lassen sich keine Auswirkungen des langjährigen Drogenkonsums feststellen. Die Erinnerungsfähigkeit von Frau F. an zurückliegende Erfahrungen ist daher als nicht eingeschränkt zu beurteilen. 

 

 

7. Entscheidung/Rückmeldung/Gutachten

Gutachten dient der Entscheidungsberatung, damit der Auftraggeber keine Entscheidung unter Unsicherheit fällen muss und nichts wichtiges übersieht. 

--> Psychologe beantwortet den in der Fragestellung beschriebenen Sachverhalt des Auftraggebers verständlich und nachvollziehbar. 

 

Zusammenfassend ergaben sich aus rechtspsychologischer Sicht keine Zweifel an der Glaubhaftigkeit ihrer Aussage und der Glaubwürdigkeit der Zeugin an sich. Das zuständige Gericht verwertete das schriftliche Gutachten im Gerichtsverfahren und würdigte es nach mündlichem Vortrag des Sachverständigen als Beweismittel. 

Was ist eine Hypothese?

Hypothesen

"vorläufige" (vermutete) Antworten, die Forscher auf ihre Fragen geben

 

--> Fragestellungen sollen als Hypothesen überprüft werden

Nenne die Schritte des Diagnostischen Prozesses. 

Schritte des diagnostischen Prozesses

  1. Begutachtungsauftrag (Auftraggeber)
  2. Fragestellung 
  3. Hypothesen
  4. Operationalisierung
  5. Datenerhebung
  6. Ergebnisinterpretation und -Integration 
  7. Entscheidung/Rückmeldung/Gutachten