Womit beschäftigt sich die Pharmakognosie? (2)
Untersucht Eigenschaften der Organismen, biogene Arzneistoffe zu produzieren
Kenntnisse über Nachweis, chemische Strukturen, Biogenese, Gewinnung, Analytik, Eigenschaften und Verwendung biogener Wirkstoffe
Welche Schritte müssen bei der Medikamentenentwicklung bis zur klinischen Phase durchlaufen werden? (5)
Target Identification
Target Validation
Lead Identification
Optimisation
Preclinical
Was ist die größte Problematik in klinischen Testungen?
Hohe Drug Attrition Rate (Ausfallsrate), v.a. durch mangelnde klinische Wirksamkeit (efficacy) und Sicherheitsbedenken (Nutzen-Risiko-Abwägung)
Welche zwei Drug Discovery Konzepte gibt es?
Klassisch: target-basiert (Molecule-Mice-Man)
Reverse pharmacology (Man - Mice - Molecule)
Wie funktioniert die Reverse pharmacology?
Drug (langjährig bereits verwendetes Heilmittel) - in-vitro/cellular testing - in-vivo testing - mechanistic studies (Analytik, Isolierung)
Was ist die reversed pharmacognosy in der präklinischen Naturstoffforschung und wie läuft sie ab? (6)
Schrittweiser Zugang vom Extrakt zum molekularen Mechanismus
Plant extract - Phytochemical analysis (HPLC based profiling) - Pharmacology (in vivo, in vitro models) - Pharmacokinetics (of isolated compounds, oral bioavailability) - Mechanism of action (molecular pharmacology assays, biochemical assays)
Welche Bedeutung haben Phytopharmaka auf der Welt?
Popularität steigt - Regulatorische Auflagen unerlässlich
für 2/3 der Weltbevölkerung sind pflanzliche Heilmittel die Basis oder einzige Quelle für Therapeutika
Welche Zulassungsauflagen müssen Phytopharmaka erfüllen? (3)
Pharmazeutische Qualität: Identität, Reinheit, Gehalt - muss nachgewiesen werden
Wirksamkeit: anhand von präklinischen und klinischen Studien
Unbedenklichkeit: anhand von präklinischen und klinischen Studien
Zulassung - full application
Welche Zulassungsauflagen müssen die well-established medicinal use Phytotherapeutika erfüllen? (4)
Pharmazeutische Qualität: Identiät, Reinheit, Gehalt - muss nachgewiesen werden
Verwendung: merh als 10 Jahre lang in Europa
Wirksamkeit: anhand detaillierter bibliographischer Daten
Unbedenklichkeit: anhand detaillierter bibliographischer Daten
Welche Zulassungsauflagen müssen traditionelle pflanzliche Arzneimittel (traditional use) erfüllen und was ist hierbei zu beachten? (6)
Pharmazeutische Qualität: Identität, Reinheit, Gehalt - müssen nachgewiesen werden
Verwendung: mehr als 30 Jahre lang inkl. mehr als 15 Jahre lang in Europa
Wirksamkeit: plausibel auf Basis langjähriger Erfahrung
Unbedenklichkeit: anhand bibliographischer Daten
keine Zulassung sondern Registrierung!
verwendet bei milden Erkrankungen
Wie wurden die meisten pflanzlichen Arzneimittel gefunden?
Ethnopharmazie - Erforschung traditioneller Heilmethoden, Volkswissen der Einheimischen
Womit beschäftigen sich die Ethnopharmazie und die Ethnopharmakologie?
Ethnopharmazie: Studien über kulturelle Komponenten in der Verwendung und im Managment von Arzneimitteln, eng mit Ethnomedizin verknüpft
Ethnopharmakognosie: Schwerpunkt der Ethnopharmazie, traditionelle Verwendung von Heilpflanzen und Arzneimitteln natürlicher Herkunft
Wie kommt es von einem traditionellen Heilmittel zu einem potentiellen Arzneistoff? (10)
Ansammlung von Wissen um Heilwirkung (Bevölkerung)
Anwendung bei Patienten erfolgreich
Wissen gelangt zu Wissenschaftlern
Sammlung und Identifikation von Pflanzen (Wissenschaftler)
Austestung des Pflanzenextrakts mit biologischen Testverfahren
Aktiver Bestandteil bestimmt - Isolierung der Reinsubstanzen
Molekülstruktur ermittelt
Chemische Synthese? Halbsynthese? Biotechnologische Gewinnung?
Derivatisierung - Struktur-Aktivitätsbeziehung (SAR)
ADMET - präklinischer Arzneistoffkandidat - klinische Phasen
Wie kommt es überhaupt zur Verwendung von pflanzlichen Arzneimitteln? (6)
Animal self medication - observation and adoption by man (trial and error) - first written documents (ancient world) - tradition and refinement (medieval times) - natural science-based approach, discovery of bioactive chemical principles (19th century) - herbal medicinal products (HMPs), plant-derived isolated compounds as leads in drug discovery (present time)
Warum steht das traditionelle Wissen in der Krise? (5)
Verstädterung und Verlust der Biodiversität
Geringschätzung althergebrachter Heilmethoden - Bevorzugung westlicher Medizin, kommerzielle Produkte
Kulturelle Homogenisierung und sozialer Druck
Rechtliche Einschränkungen bei der Erforschung indigener Medizinalpflanzen
Umsiedlung indigener Bevölkerung - Reservate, Ausbeutung indigener Ressourcen
Wofür werden tradtionelle Heilmittel am meisten verwendet? (2)
Magen-Darm Erkrangungen
Hautkrankheiten
Wofür werden westliche Medikamente am meisten verwendet? (2)
Nervensystem
Herz-Kreislauf Erkankungen
Wie wurden die Chinarinde und das Chinin entdeckt und wofür wurden sie verwendet? (4)
Um 1600: spanische Eroberer im Inkareich (Peru), Baumrinde wird dort als Arzneitrunk gegen Fieber verwendet
16. Jh.: erste Malariafälle in Nord- und Südamerika, eingeschleppt von Europäern durch Sklavenhandel
Jesuitenmissionar: Juan Lopez, Zusammenhang zwischen Sumpf und Fieber - malaria
Jesuiten: gemahlene Rinde zur Vorbeugung und Behandlung von Malaria - Jesuitenpulver/peruanische Rinde
Woher kommt der Name der Chinarinde? (4)
Vermutlich von Quechua-Wort kina-kina/quina-quina (Rinde der Rinden)
Oder: Heilung der spanischen Gräfin de Chinchón (an Malaria erkrankt, durch Jesuitenpulver geheilt) - Cinchona (botanische Charakterisierung und Bennenung durch Carl von Linné im 18. Jh.)
1640: "Jesuitenpulver" in Europa - im protestantischen England verpönt
Was ist die Geschichte des Chinarindeanbaus? (7)
1820: Isolierung des Wirkstoffes Chinin (frz. Chemiker)
Samenschmuggel nach Java: 2. Versuch erfolgreich, Rekordalkoidgehalt (13%), Kulturen in Java
Niederländische Plantagen in Java: 97% des Weltbedarfs, große medizinische und wirtschaftliche Bedeutung im 2. WK
1940: deutsche Besetzung von Amsterdam - Japan zerstört Chininplantagen, Alliierte und USA von Chininversorgung abgeschnitten - Ersatzproblematik
2018: Totalsynthese von Chinin (port. Chemiker Nuno Maulide), davor auf Import angewiesen
Kolumbien: Export von Rinde aus Wildbestand
Strenges Monopol der Andenstaaten: Verbot der Ausfuhr von Samen und Pflanzen
Wie kam man von der Chinarinde zur modernen Malaria-Chemotherapie? (5)
Chinin-Wirkung: Störung essenzieller Prozesse im Parasiten (durch Mücke übertragen, wiederkehrendes Fieber)
Ersatzproblematik: Engpässe, Vernichtung von Plantagen im 2. WK, Neuanzucht dauert lang
1943: Mangel an Chinarinde, weltpolitisches Interesse
Botanische Noterkundungen in den Anden mäßig erfolgreich (Chininreiche Fieberrindenbäume)
Snythese neuer Antimalariamittel zuerst wenig erfolgreich
dann: Chloroquin - Resistenzen durch neue Plasmodiumstäme - neue Medikamente (Mefloquin, Artemisinin) für Prohpylaxe und Therapien
Was ist Umckaloabo, woher kommt es und wie wird es eingesetzt? (7)
"Neues" traditionelles Heilmittel
Aus Südafrika, Familie: Geraniceae
Pelargonium sidoides, Pelargonium reniforme: pharmazeutisch genutzt
Einheimische: zusammenziehendes Mittel bei Durchfallerkrankungen mit Fieber, Tierarzneimittel
1900: Präsentation in der Öffentlichkeit als Umckaloabo (Engländer Charles Henry Stevens - mit Pelargoniumpräparat von Tuberkulose geheilt)
Heute: Anbau in Südafrika, Verarbeitung in Deutschland
Verwendung: grippale Infekte, akute Bronchitis, Infektionen der oberen Atemwege
Was sind die relevanten Inhaltsstoffe der Pelargonium-Arten, wie wirken sie, was ist zu beachten und welchen Stellenwert haben sie heute?
Cumarine und Gerbstoffe: adstringierender Effekt
Antiviral, antibakteriell und schleimlösend
Zu Beachten: nicht länger als 2 Wochen, Dauerstimulation des Immunsystems vermeiden, keine Kombination mit blutverdünnenden Mitteln
heute: sehr gut untersuchter Pflanzenextrakt, zahlreiche klinische Studien
Wie reagiert der Körper auf physikalische, chemische, biologische und psychische Reize laut Rudolf Schmitz? (2)
Reaktion des Organismus durch Anpassung
Pathologische Reaktion - Krankheit
Was besagt die Aviditätstheorie?
Wenn Naturvölker annahmen, man sei gesund, wenn man Nahrung in richtiger Mischung zu sich nahm, dann deutete die Begierde (Avidität) auf ungewöhnliche Nahrung auf ein gestörtes inneres Gleichgewicht, das es durch diese Nahrung auszugleichen galt.
Was ist instiktives Handeln in der frühgeschichtlichen Heiltradition? (2)
Instinkt umso stärker, je weniger Handlen überlegten Reflexionen folgt, z.B. Honigsammlerin - Süßungsmittel, ev. schon Anwendung als Heilungsmittel
instinktives Handeln: Fremdkörper entfernen (Wurmtheorie, Humoraltheorie) - älteste chirurgische Eingriffe
Was ist die Fremdkörpertheorie und welche weiteren Möglichkeiten gab es zur Entfernung krankmachender Säfte? (9)
Fremdkörper: Steine, Dornen, Splitter, Parasiten, Gift, verdorbenes Blut, böse Säfte, Eiter, etc.
instiktives Handeln: Fremdkörper entfernen - älteste chirurgische Eingriffe, wie Stein-Blasenschnitt, Laparotomie (Bauchhöhlenschnitt), Trepanation
Aderlass, Abführmittel, Brechmittel, Schwitzmittel, Schröpfen, Niesmittel, Harntreibende Mittel
Was ist die Trepanation und warum wurde sie angewandt?
Künstliches Öffnen der Schädelhöhle durch Anbohren des Knochens durch verschiedene Techniken
Erklärungen: Krankheiten heilen - Migräne, Neuralgien, Epilepsien, Geisteskrankheiten; Religiöser Ritus - Bewusstseinserweiterung
Worauf basiert die animistische oder dämonische Heilkunde? (2)
Früheste Form des personifizierten Gottesglaubens - Geister und Dämonen verbinden sich mit Personen und Sachen (beseelt)
Geist: krankmachender Agens, dringt von Außen durch Körperöffnungen in den Gesunden ein, Krankheit erwischt den Menschen
Wie wurde in der dämonischen Heilkunde behandelt und warum? (6)
Anwendung bewusstseinsverändernder, rauscherzeugender Pflanzen (Pharmakon bei Homer Zaubermittel)
Magie und Dämonenvertreibung
Heilung durch Opfer, Sühne und Gebet (religiös-theurgische Medizin)
Antidämonisch wirkende Heilmittel und apotropäische Hilfsmittel (Feuer, Wasser, Licht, Lärm)
Schutz- und Abwehrmittel: Amulette, Talismane, Maskottchen
Krankheit = von Gottheit gesandte Strafe oder Prüfung
Wo ist das Simileprinzip geschichtlich vorzufinden? (3)
7. Jh. n. Chr.: in den Etymologiae als Unterschied zu anderen Heilmethoden beschrieben (Isidor von Sevilla)
Ansatzweise in den Schriften von Hippokrates von Kos (5./4. Jh. v. Chr.) und Paracelsus (15./16. Jh. n. Chr.)
1796: Ähnlichkeitsprinzip der Homöopathie (Samuel Hahnemann) - similia similibus curentur
Was besagt das Simileprinzip und welche Beispiele gibt es? (3)
Ähnlichkeitsprinzip (Signaturenlehre) - Glauben an die Kraft des Gleichen oder Ähnlichen, innere Zugehörigkeit, Zuneigung (Sympathie)
Anwendund von Heilmitteln aufgrund von Ähnlichkeiten mit Leidendem oder Symptom - 1. Leitmotiv
Beispiele: Walnuss (Gehirn), Leberblümchen (Leber), Ginseng, Knabenkraut (Testikel)
Was besagt das Singularitätsprinzip und welche Beispiele gibt es? (2)
Besonders seltene, ungewöhnliche, auffallende und unheimliche Tiere, Pflanzen, Steine oder Metalle und Menschen haben spezielle Kräfte - 2. Leitmotiv
Beispiele: Ginseng, Edelweiß
Was besagt die Signaturelehre, wann hatte sie ihre größte Bedeutung und wer gilt als ihr wichtigster Vertreter? (8)
Emotional-affektierte Bezüge zwischen Mensch und Dingen - keine Kausalität, sondern Sympathiekonnex
Signatur bestimmter Pflanzen - Farbe, Geruch, Form, etc.
Heilmittel aufgrund innerer Verwandtschaft mit Krankheit
Teil des Simileprinzips
größte Bedeutung: Renaissance (13. - 16. Jh.)
heute: instinktiv durch Signaturenlehre beeinflusst (Walnuss, roter Rübensaft)
Vertreter: Paracelsus
Beispiel: Alraune
Was ist die Alraune, wo kommt sie vor und wie schaut sie aus? (4)
Mandragora officinarum: Solanaceae (Nachtschattengewächs)
Droge: Mandragorae radix, stark giftig, Tropanalkaloide - 0,2-0,6%, v.a. Atropin, Hyoscyamin, Scopolamin; anticholinerges Syndrom bei Vergiftung
Vorkommen: Mittelmeeraum bis Himalaya
Aussehen: menschenähnliche (anthropomorphe) Gestalt; lässt auf die Wirkung schließen (Dioskurides, Signaturenlehre)
Welchen Volksglauben gab es bezüglich der Alraune? (2)
Besonders heilkräftig und stark wirksam (schmerzstillend, aphridisierend, narkotisierend) - Hexensalben, Hexentränke, glücksbringende Zaubermittel, Talismane - bei diversen Leiden
Erntevorschrift: Mandragora muss man mithilfe eines schwarzen Hundes aus der Erde ziehen, der daran stirbt
Wie sah die Ahnenheilkunst in der antiken chinesischen Medizin aus? (6)
Seit 1. Jt. v. Chr.: medikamentöse Therapie nachweisbar
Differenzierung verschiedenerFormen des Krankseins
Schwerwiegendste Krankheit: Verfluchung durch Ahnen
König: alleiniger Praktizierer der Ahnenheilkunst, befragt Ahnen und deutet das Orakel
Totengeist: Verursacher des Leidens
Therapie: Versöhnungsgaben und Beschwörungen
Wie sieht die Dämonenmedizin in der chinesischen Heillehre aus, welche Therapien gibt es? (12)
Weiterentwicklung aus der Ahnenheilkunst
Dämonen (kuei): feindseliger Einfluss auf Menschen, Krankheit von bösen Geistern ausgelöst
Therapie: Dämonen fernhalten - exorzistische Schriften, stark wirksame Drogen, Antidote und Talismane, Gebete, Beschwörungen, Akupunktur, Moxibustion und Massagen (Zwingen zum Verlassen des Körpers)
Was ist das Yin-Yang-Prinzip? (4)
Gehört zum Taoismus (Lehre des Weges): chinesische Volksreligion (aus dem 4. Jh. v. Chr., Eingliederung in die Harmonie der Welt)
Yin und Yang: kosmische Kräfte, die sich gegenseitig ergänzen und Pole einer Einheit bilden - Wechselspiel (das eine kann nicht ohne das andere)
Yin: kalt, Wasser, dunkel, Stillstand, passiv, Welt, weiblich
Yang: warm, Feuer, hell, Bewegung, aktiv, Geist, männlich
Was ist das Yab-Yum-Prinzip? (2)
Tibetisch: Vater-Mutter, Vereinigung von Buddha und Shakti (Götinnen, weibliche Urkraft der Universums)
Analogie zu Yin und Yang
Wie schaut die medizinische Umsetzung des Yin-Yang- und der Yab-Yum-Prinzips aus? (3)
Erhalten der Harmonie von Yin und Yang im menschlichen Organismus
bevorzugt vorbeugende und harmonisierende Medizin - Bewahrung der Gesundheit
in Richtung Diätologie angesiedelt
Welchen Ginseng gibt es? (3)
Aralicaceae, anthropomorphe Wurzeln
Panax ginseng - Asiatischer oder Koreanischer Ginseng
Vorkommen: Korea
Panax quinquefolium - Amerikanischer Ginseng
Eleutherococcus senticosus - Sibirischer Ginseng, kein echter Ginseng, Zweige besitzen keine Stacheln
In welche Prinzipien fiel der Ginseng und wie schaut es heute mit ihm aus? (5)
Singularitätsprinzip: früher nur in abgelegenen Berggegenden Koreas, wegen Seltenheit und langsamem Wuchs sehr kostbar
Simileprinzip: je stärker anthropomorph, desto wertvoller und wirksamer, Geist in Menschengestalt wohnt darin
Signatur: rituelle Verehrung, verheißt ewiges Leben
heute: Kultivierung, Ernte der Wurzel frühestens 6 Jahre nach Aussaat (bessere Wirkung), wilder Ginseng (Artenschutz)
bekannteste harmonisierende Medizin Asiens und eines der ältesten Heilmittel der Welt (Ginsengwein)
Wie läuft die Kultivierung von Ginseng ab? (5)
Schattige Plätze, kalkfreie, durchlässige Böden
Keimung: 2 Jahre nach Aussaat
Blüte und Früchte (Samen für neue Aussaat): 3 Jahre nach Aussaat
Wirkstoffgehalt in Wurzel für optimale Wirkung: 6-7 Jahre nach Aussaat, Ernte
Jedes weitere Jahr erhöht den Wirkstoffgehalt
Wie schaut die Chemie des asiatischen Ginseng aus? (4)
Wurzel:
2-3% Titerpensaponine = Ginsenoside (wirksamkeitsbestimmend)
ätherisches Öl
Polysaccharide (wirksamkeitsmitbestimmend)
Spurenelemente
Welche medizinischen Wirkungen hat der asiatische Ginseng? (4)
blutdruckstabilisierend
kräftigend (aphrodisische Wirkung, Stärkung des Immunsystems)
nootroper Effekt (vorteilhafte Wirkung aus Aktivität des Zentralen Nervensystems - leistungs- und gedächtnisfördernd, gegen Müdigkeit, etc.)
Anwendung als Tonikum
Was bedeuteten Gesundheit, Krankheit und Tod in der griechischen Antike? (3)
Gesundheit = kostbares Gut
Krankheit = großes Übel
Tod = schlimmste Plage der Menschheit
Was ist die Katharsis, was war sie bei Aristoteles und bei Hippokrates? (4)
Entsühung, Reiniung von Schuld (religiös)
Aristoteles (seelisch): Reinigung von bestimmten Gemütszuständen durch Tragödien
Hippokrates (körperlich): Reinigung vom Übermaß eines Saftes durch Applikation eines pharmakon - Krankheitstheorie der Hippokratischen Schule
Kranker = nicht katharos (rein), sondern akatharos
Was sind Depurativa/Depurantia?
Arzneimittel zur Blutreinigung
Wer ist Asklepios, was ist sein Attribut, seine Heiligtümer und seine wichtigste Heilmethode? (4)
In Griechenland weit verbreiteter Heilgott - Sohn von Apollon und Koronis, vom Kentauer Cheiron in Heilkunst unterwiesen
Attribut: schlangenumwundener Stab - Symbol der Ärzteschaft
Heiligtümer: Tempel, Asklepieion - Pilgerorte für Kranke und Hilfesuchende, Schlangen - heilige Tiere
Heilmethode: Tempelschlaf (Inkubation) - Asklepios erscheint Patienten im Traum und gibt Medizin und Diäten
Wer ist Hygieia und was ist ihr Attribut? (2)
altgr.: Gesundheit
1. Tochter des Asklepios - Göttin der Reinlichkeit und Gesundheit
Attribut: Schlange, die aus Schale trinkt - Symbol des schlangenumwundenen Arzneikelches - Apothekenzeichen
Wer sind Panakeia und Artemis?
Panakeia - Panaceum = Allheilmittel, 2. Tochter des Asklepios, Göttin des Allheilkrautes
Artemis - Schwester des Apollon, gynäkologische Heilgöttin, römisch Diana
Was ist die etymologische Bedeutung von Pharmakon? (6)
Ambiguität: positiv und negativ behaftet - nutzbringend/schädigend, Arzneimittel/Gift
pharma: Zauber, heilbringendes und schädliches Mittel
pherein: tragen, hervorbringen
pharein: schneiden, hauen
pherma: Leibes-, Feldfrucht
Ägyptische Herkunft? - pharm-maki: Arzneimittel - schützen
Wer war Hippokrates aus Kos? (4)
Begründer der wissenschaftlichen Medizin
hervorragender Arzt (laut Platon)
lebte von ca. 460 - 370 v. Chr.
5./4. Jh. v. Chr
Was ist der Corpus Hippokratikum und was steht darin beschrieben? (5)
Sammlung zahlreicher überlieferter Schriften (ca. 60) aus ca. 500 Jahren, alle unter dem Namen Hippokrates (aber nicht alles von ihm geschrieben)
Ergebnis ptolemäischen Sammelfleißes, heterogenes Konglomerat
zentrale Stellung in Pharmaziegeschichte
236 Heilpflanzen - Nutzpflanzen, Gewürzpflanzen, Heilpflanzen, Giftpflanzen (Grenze schwer zu ziehen)
viele Zubereitungsarten und Arzneiformen
Was sind die Charakteristika der Hippokratischen Schule? (3)
Bestreben, alle Krankheiten als natürlich zu sehen - dämonische Einflüsse werden geleugnet
Natur hilft sich selbst - natürliche Zweckmäßigkeit
Mensch muss im kosmischen Zusammenhang gesehen werden
Was ist die 4-Säfte-Lehre bzw. die Humoralpathologie und welchen Einfluss hatte Galen auf sie? (8)
Frei von magisch-mythischen Elementen - rationale Krankheitstheorie
Bestimmend für Therapien der Folgezeit (vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit)
Von Galen wiederbelebt: Elementarqualitäten definiert, neue Qualitäten formuliert - Jahreszeiten, Menschenalter, Sekundärqualitäten (süß, salzig, sauer, bitter), Tertiärqualitäten, Gradenlehre (Wirkstärken)
Was sind die vier Kardinalsäfte und welches Alter verbindet man jeweils mit ihnen?
Blut - Kindesalter
Helle Galle - junges Alter
Dunkle Galle - Männeralter
Schleim - Greißenalter
Was sind die natürlichen Urprinzipien und womt werden sie in der 4-Säfte-Lehre gleichgesetzt?
4 Elemente (Empedokles): Feuer (rot), Erde (braun), Wasser (blau), Luft (gelb)
Gleichgesetzt mit: Körpersäften, menschlichen Organen, Lebensalter, Jahreszeit
Was sind die vier Temperamente und wofür steht die Humoralpathologie?
warm, trocken, kalt, feucht
Gleichgewicht = Eukrasie
Ungleichgewicht = Diskrasie
Was ist das Prinzip der Humoralpathologie? (2)
Gleichgewicht der Säfte bewahren - Gebiet der Diätetik (koische Schriften)
Genesung bei Krankheit - Anwendung von Heilmitteln zur Wiederherstellung des Gleichgewichts (knidische Schriften)
Was sind in der Humoralpathologie die vier Grundlregeln zur Behandlung von Patienten?
Individuelle Konstitution beachten
Selbstheilungsprozess der Natur unterstützen
Alles zur rechten Zeit und im rechten Maß
nil nocere: nur nützen oder wenigstens nicht schaden
Was ist der Eid des Hippokrates und wie ist er aufgebaut? (8)
Kernspruch der ärztlichen Ethik, stammt aus dem 4. Jh. v. Chr.
Anrufung der Götter
Abmachung zw. Lehrer und Schüler
Weitergabe des ärztlichen Wissens
Pharmazeutischer Teil, Eutanasie, Abtreibung
Moralisches Handeln
Schweigepflicht
Bitte um Ruhm und Erfolg
Welche Begriffe für Heilmittel wurden in der römischen Antike verwendet? (5)
Heilmittel = medicamen, medicamentum
Gegenmittel = remedium
Gift = venenum
Simplicia = einfach zusammengesetzte Heilmittel
Composita = enthalten viele Zutaten
Wie gestaltete sich die Medizinausübung in der römischen Antike? (4)
Altrömische Medizin: vorwiegend in der Familie vom Vater praktiziert, vor allem Simplicia - heimische Heil- und Nutzpflanzen (Kohl), starker diätetischer Charakter
3. Jh. v. Chr.: Übernahme des Asklepioskults
Griechische Arztsklaven: nur reiche Familien
1. Jh. v . Chr.: Bürgerrechte für griechische Ärzte, Ausweitung des römischen Reiches (Cäsar) - Medizin verbessert - Römische materia medica
Wer war Plinius der Ältere und was war sein Hauptwerk? (5)
Gaius Plinius Secundus Maior, 23-79 n. Chr.
römischer Gelehrter, Offizier und Verwaltungsbeamter (kein Mediziner)
Hauptwerk: 37 Bücher der "Naturalis Historiae Libri"
kein Lehrbuch, sondern eine Enzyklopädie des gesamten naturkundlichen Wissens des Altertums (nach Wissenschaften/Sachgruppen geordnete Materialiensammlung) = Grundlage der naturwissenschaftlichen Lehre bis ins 19.Jh.
Wer war Pedanios Dioskurides aus Anazarbos und was war sein Hauptwerk? (3)
Römischer Militärarzt (griech. Herkunft), 1. Jh. n. Chr.
Wissen über Volksheilkunde fremder Länder durch zahlreiche Reisen
Hauptwerk: "De materia medica" (78. n. Chr.), bedeutendstes pharmakologisches/pharmakognosisches Werk der Antike
Was ist die De materia medica? (2)
Wichtigstes Buch der Heilpflanzenkunde vom Altertum bis in die frühe Neuzeit
Systematische Gliederung nach medizinischer Wirkung aller bekannten Heilmittel aus dem mediterranen Bereich (ca. 1000) - pflanzliche (über 800), tierische, mineralische
Wer war Galen und wie wirkte er? (6)
Galenos aus Pergamon (Türkei), 130-200 n. Chr.
Gladiatorenarzt in Pergamon, später in Rom, Diagnostiker, Leibarzt von Kaiser Mark Aurel
riesiges Œuvre (150 Schriften)
beeinflusste gesamtes Mittelalter, allmähliches Loslösen erst in der Renaissance
Galenik - Arzneiformenlehre
reorganisiert Hippokratisches System mit den Ergebnissen der modernsten medizinisch-pharmazeutischen Wissenschaft (Grundsätze zum Großteil heute noch gültig)
Was ist Theriak und wie entwickelte sie sich? (9)
Haupt- und Meisterstück der Apothekerkunst
Hauptquelle für Theriakrezeptur - Galen (>70 Bestandteile)
Definiton: Arznei gegen Gift, Antidot
Rezeptur in Mauer des Asklepios-Tempel auf Kos
Mithridatis VI. Eupator (ca. 100 v. Chr.) - Herstellung des Theriaca Mithridatis = Mithridat (aus Furcht vor Giftanschlägen) - Verbesserung der Rezeptur durch Leibarzt Kaiser Neros im antiken Rom - Theriaca Andromachi (+ Opium)
Pestzeit: 14. Jh., Verbreitung in Europa
Panazeenwirkung = mystisches Universalheilmittel
offizielle Überwachung, öffentliche Großherstellung, sehr teuer - mannigfache Verfälschungen
erstes Fertigarzneimittel
Zeitstrahl der griechischen und römischen Antike
Homer: vor 500 v. Chr.
Hippokrates aus Kos: ca. 400 v. Chr.
Mithrisatis VI. Eupator: ca. 100 v. Chr.
Plinius der Ältere: vor 100 n. Chr. (1.Jh.)
Dioskurides: ca. 100 n. Chr., knapp davor (1. Jh.)
Galen: ca. 200 n. Chr. (2. Jh.)
Was ist die Alchemie und wann hatte sie ihre Blütezeit? (6)
Wissenschaftliche Beschäftigung mit chemischen Stoffen im Mittelalter und in der beginnenden Neuzeit
Begriff: al-chemie (Araber)
Blütezeit: 12.-14. Jh. n. Chr., Erneuerung der alchemistischen Lehre durch Paracelsus - viel chemisches Wissen angehäuft
16./17. Jh.: Schwindel und Hochstapelei
17./18. Jh. (seit der Aufklärung): Alchemie = Goldmacherkunst (Mystik)
Wie entstand die Alchemie? (3)
Altägypten: Verarbeitung (Fälschung) von Metallen, Edelsteinen, Farben und sonstigen natürlichen Rohstoffen in Tempelwerkstätten - sakrale und profane Zwecke
Griechen lernen chemische Praxis von den Ägyptern
Araber bringen Alchemie ins Abendland (Westeuropa)
Woran orientierte sich die orientalische Medizin? (3)
An antiker Medizin (z.B. Galen)
Geber (8. Jh.): orientiert sich besonders an Galen
Araber: intensive Drogenhändler Asiens (Indien, China), z.B. Rhabarber, Citrusfrüchte, Muskat, Pfeffer, Brechnuss, arzneilich wichtiger Rohrzucker - Sirupus - neue Arzneiform und Arzneimittel
Wer war Avicenna und was war sein Standpunkt gegenüber der Alchemie? (5)
Ibn Sina, 1000 n. Chr.
Persicher Arzt, Naturwissenschaftler, Dichter, Astronom, Alchemist
Erfinder der Wasserdampfdestillation (destillierte ätherische Öle)
Verfasser des Kanon der Medizin (5 Bände)
Alchemie skeptisch gegenüber - glaubte nicht an den Stein der Weisen und alchemisch erzeugtes Gold
Was war das Ziel der Alchemisten?
Erzeugung von edlen Metallen und Edelsteinen aus unedleren Stoffen durch Mischung von Naturstoffen (mixtio, Krasis) oder durch Zusatz eines Elixirs oder von lapis philosophorum (Stein der Weisen)
Wie und von wem wurde Phosphor entdeckt?
Hennig Brand, 1669, auf der Suche nach dem Stein der Weisen
Dampfte Urin bis zur Trocknung, glühte Rückstand unter Luftabschluss, Reduktion mit organischer Materie - weißer Phosphor durch Chemolumineszenz - leuchtet
Was ist die Basis des alchemistischen Prozesses? (3)
Solve et coagula (vereinige und trenne) - Wesentliches vom Unwesentlichen zu trennen durch
Extraktion, Sublimation, Destillation
Wesentliches (arcanum) in Essenzen, Spirituosen und Tinkturen vorhanden
Wie wurde die Destillation in der Geschichte verwendet? (3)
12. Jh.: Entdeckung der Alkoholgewinnung (al-kohl=das Feinste) durch byzantinische Alchemisten Oberitaliens aus Wein?
Kräuterdestillate: medizinische Zwecke, Benediktiner, Kartäuser, Dominikaner
seit 16. Jh.: Vertrieb konzentrierter Spirituosen Monopol der Apotheken
Welche alchemistische Arbeitsmittel gab es und wie wurden sie verwendet? (2)
Mohrenkopf = Destillierhelm (Alembik) mit geschlossenem, turbanähnlichem Wassersystem mit Ablaufhahn - auf Destillierkolben aufgesetzt
Retorte: einfaches Destilliergefäß - Kolben (Destillierblase) mit Substanz über Heizquelle befestigt, Dampf über ein langes, nach unten gebogenes Glasrohr gekühlt (Luftkühlung), Kondensat tropft in ein Gefäß
Wann und wie wurde die Entwicklung der Chemie entscheidend gefördert? (4)
Im Mittelalter
Gewinnung von verschiedenen mineralischen Säuren wie Königswasser (konz. Salzsäure und konz. Salpetersäure. 3:1)
Schießpulver (Schwarzpulver - Salpeter, Kohle, Schwefel (7,5 + 1,5 + 1))
nachhaltige Beeinflussung des Weltgeschehens
Was war das alchemistische Symbol und was stellte es dar? (3)
Ouroboros = antikes Symbol des alchemistischen Prozesses, sich in den Schwanz beißende Schlange/Drache
Darstellung: sich mehrfach wiederholender Kreislauf des Lösens und Vereinigens (solve et coagula)
Was ist ein Adept?
Gelehrter Arzt, setzt alchemistische Gedankenwelt auf den Menschen um
Was ist die anthroposophische Bedeutung von Alchemie? (5)
Optimale Mischung im Körper wird angestrebt - Eukrasie
Suche nach dem Allheilmittel - Lebenselixier, panacea (alles heilend)
viele Ärzte betreiben Alchemie
Entwicklung chemischer Arzneimittel über die vorhandenen Naturstoffe hinaus
Einleitung der Chemiatrie seit Paracelsus
Wer war Paracelsus und was war sein Hauptwerk? (6)
Philippus Theophrastus Bombast von Hohenheim, 15./16. Jh.
Arzt, Chirurg, Pharmazeut, Alchemist, Philosoph, Theologe
besondere Persönlichkeit, weder wohlhabend noch einflussreich, streitsüchtig, äußerst intelligent, selbstbewusst, sozial
Vertreter der Spagyrik, Signaturenlehre, Chemiatrie - führte die Alchemie in Medizin, Apotheken und Universitäten ein
Basler Stadtarzt - Auseinandersetzung mit der medizinischen Fakultät in Basel
Was ist die Chemiatrie?
Anwendung von anorganischen Arzneimitteln
Welche Werke galten der Drogenkunde? (2)
De materia medica - Pedanius Dioskurides, 1. Jh. n. Chr., Grundlage der Arzneimittellehre und Botanik bis ins 17. Jh.
Kräuterbücher: Otto Brunfels - Contrafeyt Kreüterbuch, Hieronymus Bock - New Kreutter Buch, Leonhart Fuchs - New Kreüterbuch; Ärzte und Botaniker, 16. Jh.
Welche Bedeutung hatten die Bücher der Drogenkunde? (3)
naturgetreue und wissenschaftliche Abbildungen und Beschreibung der lebenden Pflanzen
erste Versuche einer systematischen Klassifizierung
Erklärungen zur Herkunft, Namensbedeutung und Heilwirkung
Wer schaffte die binäre Nomenklatur? (2)
Carl von Linné
Grundlage der modernen botanischen und zoologischen Taxonomie
Wie gestaltete sich das Klosterleben? (5)
Mönche: lebten ursprünglich als Eremiten - Eremitenkolonien - Kloster
Klosterleben: gemeinschaftliches Leben der Eremiten (ab 4. Jh.)
Benedikt von Nursia: Gründung des ersten abenländischen Klosters auf Monte Cassino (Italien, 6. Jh.)
Regulae Benedicti: Klosterregeln, Gesetzesbuch zur Lebensführung, inkorporiert durch den Orden
Abt: Lehrer, Vater, Hirt, Arzt
Wie entwickelte sich die Klosterpharmazie? (4)
6.-12. Jh.: Medizin und Pharmazie im Abendland weitgehend von Mönchen getragen - Klosterpharmazie
Klostermedizin: Zentrum der pharmazeutischen Praxis und Ausbildung
Regulae Benedicti: wichtigste Aufgabe der Mönche - Sorge um Gesunde und Kranke; durchorganisiertes Hospitalwesen, Bemühen um heilkundliche Ausbildung (Grundlage für Orden der Benediktiner)
Welche karikative oder medizinische Einrichtungen hatten die Kloster? (7)
Infirmarium: nur für Klosterinsassen (innerhalb der Klausur)
Domus hospitum: Gestähaus für Reiche und Vornehme
Hospitale pauperum: Pilgerhaus, Armenkrankenhaus, Ärztewohnung
Armarium pigmentorum: Medizinanstalt, wichtige Keimzelle der neuzeitlichen Apotheken
Räume für Schwerkranke, für Aderlass und Bad
Herbularius oder Hortulus: Kräutergarten, 16 Beete
Klosterplan von St. Gallen, 820 n. Chr.
Wie entwickelte sich der Begriff der Apotheke und wann entwickelten sich die ersten Apotheken? (5)
Bezeichnung für Medizinanstalt
vor 1250: armarium pigmentorum, satio (in Constitutiones Friedrichs II.)
ab 1250: apotheca (griech.)- Warenniederlage, Speicher, Magazin; für Bücher, Handschriften, Wein, Kräuter, Gewürze
Vor 1300: nur wenige im deutschsprachigen Raum nachweisbar - Köln, Mainz, Trier
Ab 1300: starke Vermehrung der ersten Apotheken, erste Apothekenordnungen, gestiegener Bedarf durch Seuchenzüge des 14. und 15. Jh.
Wie entwickelte sich das Apothekenwesen? (6)
Apothekenidee: Drogen-, Gewürz- und Spezereihandel, z.T. auch Arzneidepot (arab. Raum)
Übernahme der Idee in den Klöstern: armarium pigmentorum, als Valetudinarien und Xenodochien - Lazarette, Bedürfnisanstalten
Schule von Salerno (11./12. Jh.): Übersetzung medizinisch-pharmazeutischen Wissens, 13. Jh. - einzige Medizinschule von Friedrich II. anerkannt
Erste Universitäten: 13./14. Jh.
Drogenhandel: Byzanz - Venedig - Mitteleuropa
Vorformen der heutigen Apotheken
Wie entwickelten sich die Regeln für Apotheker und Apotheken ? (6)
Mittelalter: Medizinalwesen städtische Regeln
Constitutiones Frederici II (1230/1240): Medizinalparagrpahen §44-47 = älteste umfassende Kodifizierung apothekerlicher Rechtsnormen
erstmals Trennung von Arzt und Apotheker - urspr. nur gültig im Königreich beider Sizilien, Ausdehnung auf ganz Europa - Grundlage aller Apothekenordnungen des Mittelalters
sinngemäße Gültigkeit bis in die Gegenwart
Welche späteren Regeln für Apotheken gab es? (4)
Eide, Beschlüsse, Dienstbriefe, Pflichten, Gesetze
1564: erste Apothekerordnung Wiens, 26 Artikel über Zulassungsbedingungen, Ausbildung, Prüfung, Arzneiberatung
1770: Sanitätshauptnormativ unter Maria Theresia, Ausübung aller Heilberufe an erfolgreiche Ablegung von Prüfungen an inländischen Universitäten gebunden, gültig bis zum Reichssanitätsgesetz von 1870
1906: Apothekergesetz, regelt Apothekenwesen, zum Teil heute noch bestimmend, 1918 nach Untergang der Monarchie von Republik übernommen - Ergänzungen, Novellierungen
Wer sind die Patrone der Ärzte und Apotheker und welche Attribute haben sie? (5)
Heiligen Brüder Cosmas und Damian
ca. 300 n. Chr. heilig gesprochene Märtyrer, christliche Zwillingsbrüder, wirkten in Kilikien (Syrien), heilten unentgeltlich)
Attribute: Salbenbüchse, Flasche; ab 15. Jh. - Uringlas, Mörser, Eimer
Cosmas: akademischer Arzt, Harnglas
Damian: Wundarzt, Salbengefäß, Spatel - Apotheke
Zeitstrahl Mittelalter und Neuzeit
300 n. Chr.: Cosmas und Damian
700 n. Chr. - 1300 n. Chr.: Klosterpharmazie
900 n. Chr.: Avicenna, persische und arabische Medizin
1100 n. Chr. - 1300 n. Chr.: Blütezeit der Alchemie
1300 n. Chr.: Friedrich II
1500 n. Chr.: Paracelsus
1700 n. Chr.: Maria Theresia