- "Ich behaupte dagegen, dass jede Wissenschaft zwar auf Beweisen beruhen muss, aber dass das Wissen der unvermittelten Grundsätze nicht beweisbar ist. Sie sind dem Weisen evident."
Unvermittelte Grundsätze
- Ausgangspunkt der Wissenschaft
- können evident erscheinen oder durch Schlussfolgerungen hergeleitet werden
Deduktion
- lat.: deductio = Ableitung
- man schließt von einer allgemeinen Aussage auf einen Einzelfall
- wahrheitsbewahrend - deduktive Schlüsse führen niemals über den Gehalt der Prämisse hinaus
Induktion
- lat. inducere = hineinführen
- führt ausgehend von einem Einzelfall zur Verallgemeinerung
- anhand von bekannten Zusammenhängen wird eine Vorhersage für die Zukunft gemacht
- ein Sachverhalt, mehrere Ursachen, benötigt multidimensionale Prognosemodelle, unterschiedliche Gewichtung der Prädiktoren
- statistische und individuelle Prognosemodelle
- Prognose als Sonderfall der Erklärung
Statistisches Prognosemodell
- erlaubt Prognosen für Gruppen
- nur eine gewisse Wahrscheinlichkeit
- Ziel statistischer Modelle: Stabilisierung der Vorhersagegenauigkeit auf möglichst hohem Niveau
Individuelles Prognosemodell
- erlaubt Prognosen für einzelne Personen
- der individuelle Prognosewert liegt niemals bei 100%
- je höher die statistische Prognosegenauigkeit, desto höher der individuelle Vorhersagewert
- Bsp. : traditionelle Variablen (Abiturnote, Leistungsbereitschaft, Studienmotivation, Fleiß), daraus Prognosemodell für den erfolgreichen Studienabschluss - Vorhersagegenauigkeit von 70%, dh von 100 Studenten wird der Studienerfolg bei 70 richtig vorhergesagt - nach der Gewichtung der Prädiktoren erreicht das Modell eine Wahrscheinlichkeit von 75%
4. Basisziel
Verändern
- mehrere kontextabhängige Definitionen, drei verschiedene Arten von Veränderung aufgrund empirischer Untersuchungen:
- die Korrektur von Entwicklungen - die Förderung von Prozessen - die Prävention zur Verhinderung schlechter Zustände
Wissenschaftliche Theorien
- Theorien immer Verallgemeinerung verschiedener Reichweite
- Zusammensetzung von mehreren Hypothesen oder Gesetzen
- drei Typen von Theorien: visualisierte, verbale, formale
Visualisierte Theorien
- stellen Zusammenhänge mittels geometrischer Figuren und Verbindungen her - Vorläufer von Theorien - Modellcharakter - Modelle sind logische Verbindungen mehrerer interdependenter Hypothesen - "die Replikation eines Realitätsausschnitts, sein Abbild" (Dörner 1984, S. 337) - nicht nur Elemente des Realitätsausschnitts, auch Relationen zwischen diesen Elementen - 4 wesentliche Merkmale (Harbordt): Modell als System, vereinfachtes Objekt, wichtig und unwichtig abhängig vom Erkenntnisinteresse, Reduktion von Komplexität Bsp.: Modelleisenbahn
Verbale Theorien
- durchschnittliche Theorie in der Wissenschaft
- besteht aus einer unbestimmten Anzahl von Sätzen
- benötigt Vorgaben zur Zielerreichung: - bestimmte Termini müssen klar definiert sein - die Aussagen müssen widerspruchsfrei sein - es müssen beobachtbare Aussagen/Hypothesen abgeleitet werden können
- Theorien streben nach allgemeinen Aussagen, im Idealfall Gesetze (in Sozialwissenschaften eher selten, hier herrschen bestimmte Wahrscheinlichkeiten)
Formale Theorien
- Darstellung von Zusammenhängen als System mathematischer Formeln
- gut zur Simulierung von Wirklichkeit am Computer
- kann nicht in allen Wissenschaften eingesetzt werden, da sehr komplexe Realitäten sich in nicht in Formeln abbilden lassen
- in der Psychologie selten, jedoch eine berühmte Formel: Rescorla-Wagner-Formel (erklärt das Phänomen der klassischen Konditionierung, dass Lernen nur dann stattfindet, wenn der Lernende überrascht wird)
Merke:
Eine Theorie ist...
... ein System von Aussagen, das in sich widerspruchsfrei ist, komplexe Phänomene beschreibt oder vorhersagt und meistens mit bekanntem Wissen in Verbindung zu bringen ist oder auf dieses zurückgeführt werden kann.
Alltagspsychologie
- engl. = folk psychology
- naive oder populärwissenschaftliche Psychologie
- Gesamtheit aller Begriffe der Umgangssprache, der Vorstellungen, der gewöhnlichen Erklärungsweisen, die traditionell und immer wieder angewendet werden
- umfasst verbreitete Menschenkenntnisse, Alltagswissen, Vorstellungen, Vorurteile, die innere psychische Vorgänge mithilfe von geistigen Erkenntnissen, Charaktereigenschaften oder Vererbung erklären
Alltagspsychologie
- bestimmte Motivationstheorien gehen davon aus, dass der Mensch ein naiver Wissenschaftler ist, der sein Verhalten und das seiner Mitmenschen verstehen und vorhersagen möchte (mentales, menschliches Bedürfnis - Epikur in der griechischen Antike)
- betreibt jeder Mensch (un-) bewusst
- Common-Sense-Psychologie
Alltagspsychologie = Common-Sense-Psychologie
Fehler
- beliebiger und missverständlicher Sprachgebrauch
- menschliche Wahrnehmungs-, Erinnerungs- und Denkfehler
- fehlerhafter Umgang mit Wahrscheinlichkeiten
- unzureichende Prüfung von alltagspsychologischen Vermutungen
Merke:
Ziel der Psychologie als Wissenschaft ist...
... ist die Minimierung der Fehler, die in der Alltagspsychologie auftreten. Dazu wird aus einer Theorie eine Hypothese abgeleitet, die später dann empirisch, dh durch Sammlung von Informationen, überprüft wird.
Merke: (Definition des Wortes Psychologie)
"Gegenstand der Psychologie......
sind Verhalten, Erleben und Bewusstsein der Menschen, deren Entwicklung über die Lebensspanne und deren innere (im Individuum angesiedelte) und äußere (in der Umwelt lokalisierte) Bedingungen und Ursachen." (Zimbardo/Gerring 2018, S. 2f)
5. Verhaltenskontrolle, Verhaltensverbesserung (Abwandlung von Basisziel 4)
Verhaltenskontrolle
- zentralwirksames Ziel - ermöglicht experimentelle Forschung, innerhalb derer bestimmte Aspekte kontrolliert und damit konstant gehalten werden müssen, um deren Wirksamkeit zu unterbinden
- Aufgabe der Psychologie, das Verhalten eines Klienten zu kontrollieren, bzw. ihn kontrollieren zu lassen
- Kontrolle bedeutet, Verhalten (nicht) auftreten zu lassen, zu initiieren, zu beenden sowie Beeinflussung der Auftretenswahrscheinlichkeit, der Form, der Stärke des Verhaltens
Merke:
Definition Lebensqualität
"Lebensqualität ist die subjektive Wahrnehmung einer Person über ihre Stellung im Leben in Relation zur Kultur und den Wertesystemen, in denen sie lebt und in Bezug auf ihre Ziele, Erwartungen, Maßstäbe und Anliegen. Es handelt sich um ein breites Konzept, das in komplexer Weise beeinflusst wird durch die körperliche Gesundheit einer Person, den psychischen Zustand, die sozialen Beziehungen, die persönlichen Überzeugungen und ihre Stellung zu den hervorstechenden Eigenschaften der Umwelt." (WHOQOL 1997, S.1)
Registertheorie
- Einteilung von Sprache nach ihrer Funktion (Registertheorie, Halliday) - Alltags-, Bildungs- und Fachsprache
- Register sind durch bestimmte Wortschätze und Strukturen gekennzeichnet
- Alltagssprache als Grundlage aller anderen Sprachregister
- Bildungssprache entspricht den Regeln des Schriftsprachgebrauchs, formelles, sprachliches Register, auch außerhalb des Bildungskontextes in anspruchsvollen Settings gebräuchlich
- Grenze zwischen Berufs- und Fachsprache nicht eindeutig geklärt
Fachsprache
- gemeinsame Sprache der Mitglieder einer Disziplin, die einen effizienten Austausch zwischen den Experten ermöglicht und dadurch die Kommunikation in der Community of Science prägt
- Fachsprache zu beherrschen und anzuwenden gehört zur Grundausbildung eines jeden Wissenschaftlers
- Fachsprache der Psychologie ist gekennzeichnet durch Eponyme, Akronyme, Antonyme, Synonyme, Anglizismen
- früher wurden in der Psychologie vorwiegend Eponyme verwendet (bis in die 1970er Jahre), nun eher Akronyme und Anglizismen
Eponyme
- griech. "epi" = an, bei, nach & "onoma" = Name
- Fachausdruck, der eine auf einen Eigennamen zurückzuführende Bezeichnung erfasst
Was ist der Unterschied zwischen Alltagspsychologie und Psychologie als Wissenschaft?
beliebiger Sprachgebrauch vs. Gebrauch von Fachsprache
menschliche Wahrnehmungs-, Erinnerungs- und Denkfehler vs. Aufstellen und Überprüfen von Theorien bzw. Hypothesen
fehlerhafter Umgang mit Wahrscheinlichkeiten vs. fachgerechter Umgang mit Wahrscheinlichkeiten
unzureichende Prüfung von alltagspsychologischen Vermutungen vs. Prüfung durch Deduktion/Induktion/Abduktion
Wie ist die wissenschaftliche Psychologie genau definiert und welche Ziele verfolgt sie?
"Gegenstand von Psychologie sind Verhalten, Erleben und Bewusstsein der Menschen, deren Entwicklung über die Lebensspanne und deren innere (im Individuum angesiedelte) und äußere (in der Umwelt lokalisierte) Bedingungen und Ursachen"
Ziel der Psychologie als Wissenschaft ist die Minimierung der Fehler, die in der Alltagspsychologie auftreten. Dazu wird aus einer Theorie eine Hypothese abgeleitet, die später dann empirisch überprüft wird.