Verarbeitung von Informationen
Enkodierung 🡪 Speicherung 🡪 Abruf
Enkodierung
Speicherung
Abruf
Abruf 🡪 Rekonsolidierung 🡪 Speicherung
Mit Abruf wird auch die Richtigkeit der Informationen überprüft
Rekonsolidierung = Ursprünglich gespeicherte Informationen werden verändert
z.B. ursprünglich Lissabon als Hauptstadt Portugals gemerkt. Bei Test dann mehrfach nur Madrid zur Wahl 🡪 Gedächtnis rekonsolidiert dies & speichert Antwort Madrid 🡪 Falsche Abspeicherungen
Langzeitpotenzierung
Neuronaler Prozess der für Konsolidierung von neuen Informationen zuständig ist
Speicherung
Synaptische Verbindung verändert sich adaptiv, je nachdem wie oft und wie lange sie genutzt wird
Bei Langzeitpotenzierung wird synaptische Verbindung für längeren Zeitraum aktiviert, wiederholte Signale von präsynaptischer an postsynaptische Membran
Neurotransmitter in synaptischen Spalt entlassen und andocken an präsynaptische Membran
Wenn die Information für längeren Zeitraum besteht, verändert sich postsynaptische Membran
Nur noch geringer Impuls vom präsynaptischen Neuron ausreichend, damit Informationen vom postsynaptischen Neuron weitergegeben werden
Mit zunehmender Aktivierung der synaptischen Verbindung über längeren Zeitraum nimmt Stärke der Verbindung zu
postsynaptisches Neuron leichter erregbar (siehe z.B. Schmerzgedächtnis)
Verantwortlich für die Fähigkeit, neue Informationen im Gedächtnis zu speichern

Systeme des Gedächtnisses
jeweils verantwortlich für die Speicherung von Informationen für eine bestimmte Zeit
sensorisches Gedächtnis: Speicherung nur für eine sehr kurze Zeit - nicht beachtete Informationen gehen verloren
Wenn Informationen beachtet werden 🡪 Arbeitsgedächtnis (auch Kurzzeitgedächtnis enthalten)
Wenn Informationen wiederholt werden 🡪 Abspeicherung im Langzeitgedächtnis
Sensorisches Gedächtnis
Summe von Gedächtnis-Systemen, die jeweils für Informationen aus einem Sinnessystem verantwortlich sind
speichern diese für eine sehr kurze Zeit
z.B. ikonisches Gedächtnis für visuelle Informationen, echoische Gedächtnis für auditive Informationen
Nicht beachtete Informationen verschwinden in kurzer Zeit
Umwandlung von physikalischen Reizen durch Transduktion in neuronale Erregung / Reize
Phänomenale Wahrnehmung: bewusste Wahrnehmung von Reizen vor Identifikation / Erkenntnis
Es werden mehr Informationen wahrgenommen, Auswahl wichtiger Reize findet nach phänomenaler Wahrnehmung aber vor Erkenntnis / Identifikation durch Aufmerksamkeit statt
Bewusst wahrgenommene Informationen sind Grundlage für weitere Gedächtnisleistung, verflüchtigen sich wenn nicht aufmerksam wahrgenommen
Studie zur Leistung des sensorischen GedächtnissesGeorge Sperling, Mitte 20. Jhd
3 Reihen mit 4 Zahlen & Buchstaben gezeigt
Aufgabe 1: So viele Items wie möglich behalten (Ganzberichtsmethode)🡪 Durchschnittlich an 4 Items erinnert
Aufgabe 2: Auf bestimmte Zeile konzentrieren (Teilberichtsmethode)-Ton (niedrig, mittel, hoch) nach gewisser Zeit-Vpn konnten sich an deutlich mehr Items erinnern, aber nur wenn Ton sehr kurz nach Präsentation kam

Kurzzeitgedächtnis
Kurzzeitgedächtnis (KZG) / short-term-memory (STM)
Kein bestimmter Ort, sondern ein bestimmter Gedächtnisprozess als Teil des Arbeitsgedächtnisses
zwischen sensorischem und Langzeit-Gedächtnis
Strategien für mehr Merken
Studie Peterson und Peterson (1958)

Arbeitsgedächtnis
Längerfristige Einspeicherung von Informationen
Verwendung von Informationen aus dem Langzeitgedächtnis
Stellt eine Grundlage für den Fluss der Gedanken und Handlungen von Moment zu Moment bereit
Kurzfristige, spezifische Fokussierung auf die benötigten Elemente
Wichtig für Prozesse der Kombination aus gerade Wahrgenommenen und bereits Gelerntem
4 Komponenten / Systeme des Arbeitsgedächtnisses
(nach Alan Baddeley)

Langzeitgedächtnis
Langzeitspeicher für die Informationen, denen viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde
Speicherkapazität und Speicherdauer des Langzeitgedächtnisses theoretisch unbegrenzt (keine entsprechenden Studienergebnisse)
Ablageort für all die Gedächtnisinhalte, die über das sensorische und das Kurzzeitgedächtnis angeeignet wurden
Bestimmt das gesamte Wissen eines Menschen von der Welt und vom Selbst
Subsysteme des Langzeitgedächtnisses und Enkodierung

Priming
Reiz wird sehr kurz dargeboten, nur phänomenale Wahrnehmung, keine Identifikation normalerweise
Legt aber eine Spur, die dem nachfolgenden Reiz eine Bahn gibt 🡪 vereinfacht Reizaufnahme
Auch erkannte Reize können als Primes dienen
Studie Jacoby 1989
Ergebnis: VP wussten nicht, woher sie die Namen kannten (wurden nicht explizit gelernt)
Lesen und Aussprechen der Namen der ersten Liste hat für einen Gedächtnispfad ausgereicht
Metagedächtnis
Wissen über eigenes Lern- und Gedächtnissystem, z.B. Lernplan, Beurteilung des Lerne
Modell der Verarbeitungstiefe (Craig & Lockhart, 1972) Speicherung (transfer-adäquate Verarbeitung)
Informationen werden auf unterschiedlichen Ebenen / Tiefen verarbeitet
Je tiefer, desto mehr & besser werden Informationen verarbeitet
Einfluss impliziter Gedächtnisinhalte die explizit enkodiert wurden (Marathonläufer-Studie)
2 verschiedene Formen des Wiederholens, um etwas im Langzeitgedächtnis zu speichern
Kategorien- / Konzeptbildung mittels mentale Repräsentationen
Organisation: Schemata

Hinweisreize (retrival cues)
Stimuli, die bei der Suche nach einem
bestimmte Gedächtnisinhalt verfügbar sind
Externe Stimuli (Bsp. Quiz, Test)
Interne Stimuli (Bsp. Woher kenne ich diese Person?)
Die Zielsetzung beim Versuch sich zu erinnern, liefert häufig den Hinweisreiz
Die Qualität des Hinweisreizes hat einen großen Einfluss darauf ob der Gedächtnisreiz dadurch abrufbar wird
Lokalisation des Gedächtnisses
Unterschiedliche Bereiche wirken zusammen, damit Gedächtnis funktionieren kann
Bei Verletzung / Entfernung von Hirnbereichen funktionieren teilweise bestimmte Gedächtnisteile nicht mehr
Sensorisches Gedächtnis: Cerebraler Kortex (auch Assoziationen zwischen Sinneseindrücken)
Arbeitsgedächtnis: primär Frontallappen (aber mehrere)
Langzeitgedächtnis: Cerebellum (prozedurales Gedächtnis, Gedächtnisinhalte durch Wiederholungen erworben, Reaktionen klassisches Konditionieren), Striatum (für non-deklaratives Gedächtnis, Gewohnheitsbildung & Reiz-Reaktions-Verbindungen)
Übersicht der Gedächtnisse

Was ist das Gedächtnis?
Ikonisches Gedächtnis
„Extrablick“; „Nachbild“
Am intensivsten erforscht
Bildet sensorische Erinnerungen für höchstens einige Sekunden ab, beispielsweise von dem Gefühl in den Fingerspitzen
Visueller Gedächtnisreiz wird für etwa eine halbe Sekunde gespeichert
Nicht mit dem eidetischen gedächtnis zu verwechseln
Kapazitätsbeschränkungen des Kurzzeitgedächtnisses
Chunking
Informationen strukturieren, indem man ihnen persönliche Bedeutung zuordnet (bspw. Ziffern mit dem Alter oder persönlichen Ereignissen verbinden)
Rhythmische Strukturierung bsp. Telefonnummer
Rehearsal
4 Komponenten des Arbeitsgedächtnisses
1. Zentrale Exekutive (central executive)
4 Komponenten des Arbeitsgedächtnisses
2. Visuell-räumlischer Notizblock (visuospatial sketchpad)
4 Komponenten des Arbeitsgedächtnisses
3. Episodischer Puffer
4 Komponenten des Arbeitsgedächtnisses
4. Phonologische Schleife (phonological loop)
Speicherung & Manipulation sprachbasierter Informationen
Weist große Überschneidungen mit dem Kurzzeitgedächtnis auf
Bsp. Telefonnummer wiederholen, dadurch dass man sie „hört“, während man sie im Kopf durchgeht
Erforschung des Arbeitsgedächtnis
Bsp. Operationsspanne:
Arbeitszeitgedächtnis und psychologische Gegenwart
Gibt Kontext für neue Ereignisse vor
Verbindet getrennte Episoden zu einer zusammenhängenden Geschichte
Hilft Repräsentationen zu einer wechselnden Geschichte aufrecht zu erhalten und zu aktualisieren
Ermöglicht es dem Verlauf eines Gesprächs zu folgen
Pipeline für Informationen von und zum Langzeitgedächtnis
Serieller Positionseffekt (Primacy-/Recency-Effekt)
Bei Liste von zu Lernenden Wörter werden die ersten (im Langzeitgedächtnis) und letzten (noch im Arbeitsgedächtnis) am besten gemerkt
Mitte eher schwammig / wird vergessen (noch nicht ins Langzeitgedächtnis gelangt)
Effekt aber auch nach längerer Zeit noch beobachtbar
Wichtig: zeitliche und räumliche Unterscheidbarkeit der Items (letzte automatisch unterscheidbar)
serieller Positionseffekt zeigt, dass es sich beim Arbeits- und Langzeitgedächtnis um zwei unterschiedliche Gedächtnissysteme handelt

Serieller Positionseffekt - zeitliche Unterscheidbarkeit
Am einfachsten merkt man sich den Recency Effekt, da dieser nahe dem Abrufzeitpunkt liegt und
den Primacy Effekt, da dieser einen neuen Zeitkontext startet
indem man die „mittleren“ Informationen unterscheidbarer macht, verschwimmen sie nicht und man kann sie besser abrufen
Implizites und explizites Gedächtnis
Deklaratives und prozedurales Gedächtnis
Episodisches und semantisches Gedächtnis
Endel Tulving (1972)
Episodische Gedächtnisinhalte:
Abhängig davon,wie die Information enkodiert wird, ist man in der Lage oder auch nicht, eine spezifische Gedächtnisrepräsentation zu produzieren
Semantische Gedächtnisinhalte:
Wenn man einen semantischen Gedächtnisinhalt nicht wiederfinden kann, so ist es eine gute Strategie, diesen wieder wie einen episodischen Gedächtnisinhalt zu behandelt (Bsp. Wo und wann habe ich das gehört, gelernt?)
Elaborierendes Wiederholen
Grundidee ist beim erstmaligen Einprägen in das Gedächtnis, diese zu elaborieren, um das Material für das Enkodieren reichhaltiger zu gestalten:
Gedächtnisstrukturen im Langzeitgedächtnis
Eine Grundfunktion des Gedächtnis ist es, ähnliche Erfahrungen zusammenzufassen, um Muster in der Interaktion mit der Umwelt aufzudecken
Kategorisierung und Konzepte
Die Fähigkeit, Einzelerfahrungen Kategorien zuzuordnen – an ihnen die gleiche Tätigkeit auszuführen oder sie gleich zu benennen – ist eine der grundlegenten Fähigkeiten denkender Organismen (Murphy, 2002)
Typikalität
Abrufreize
Prinzip der Enkodierspezifität
Transfer-adäquate Verarbeitung (transfer-appropriate processing – TAP)
Perspektive, die davon ausgeht, dass das Gedächtnis am besten funktioniert, wenn die Prozessart beim Enkodieren sich auf den für den Abruf notwendigen Prozess überträgt
Theorie der Verarbeitungstiefe (Level-of-Processing Theory)
Eine Erklärung geht davon aus, dass die tiefe Verarbeitung dem Prozess nahe kommt, der zum Abrufen benötigt wird
Abruf (reacll)
Wiedererkennen (recognition)
Warum wir vergessen, etwas nicht abrufen können
Hermann Ebbinghaus (1850-1909) Quantifizierung des Vergessens
Pionier auf dem Gebiet der Erforschung des Vergessens
Ebbinghaus war seine eigene Versuchsperson
Vergessenskurve nach Ebbinghaus – Die Kurve sinkt erst stark ab und erreicht dann ein Plateau mit nur noch geringeren Veränderungen
Ersparnismaß
Interferenz

Der-Nächste-an-der-Reihe-Effekt
Sich beispielsweise bei einer Präsentation nicht mehr an das gesagte des Vorredners erinnern, weil die Aufmerksamkeit bereits auf den eigenen Anmerkungen und der Präsentation liegt
Skript
Beispiel wie ist der Ablauf beim Zähneputzen, etc.
Gebrauch von Gedächtnisrepräsentationen
1. Enkodierung via Prototyp: Man erkennt Objekte indem man sie mit Prototypen im Gedächtnis vergleicht
Prototyp: Repräsentation des zentralsten oder durchschnittlichsten Angehörigen einer Kategorie
2. Enkodierung durch Abgleichen mit den abgespeicherten Erinnerungen an die vielen verschiedenen Exemplare einer Kategorie, denen man begegnet, im Gedächtnis.
Exemplare: vielfache Repräsentationen von Objekten einer Kategorie
Die Daten, die die Forschung herausgebracht hat, stützen zum größten Teil die Exemplar-Theorie
Erinnerungsverzerrungen
Überblick über Gedächtnisprozesse
Rekonsolidierungsprozess kann auch dazu führen, dass Erinnerungen verändert werden
das, an das wir uns erinnern, ist nicht unbedingt das, was tatsächlich passiert ist
Verzerrung / Bias
Blitzlichterinnerungen

Attribution (Ursachenzuschreibung)
Beeinflussbarkeit
Zeugenaussagen - unbewusste Manipulation
Elisabeth Loftus
Übersicht Verzerrungen

Verzerrungen bei Reproduktion von Gedächtnisinhalten
Verzerrungen bei Reproduktion von Gedächtnisinhalten
Aus der Forschung
Gedächtnisstörungen
Einzelfälle – Unfälle – Krankheiten
liefern Wissen darüber, welche Hinregion für welche Gedächtnissysteme verantwortlich sind - meistens herausgefunden durch Personen die Ausfälle / Krankheiten / Unfälle etc haben
Amnesie
Demenz (z.B. vom Alzheimer-Typ)
Nicht bekannt wodurch dies ausgelöst wird oder wie man dies behandeln kann, unterschiedliche Formen die verschieden schnell voranschreiten; bei Alzheimer Plaque (Ablagerungen im Gehirn)
Korsakoff-Syndrom (Form der Amnesie)
Gedächtnisstörungen
Transienz / Terfall (vergessen im Laufe der Zeit)
Bulimie-Lernen: so viel wie möglich lernen und genauso schnell wieder vergessen
ungenutzte Erinnerungen können tatsächlich vergessen werden, auch wenn Langzeitgedächtnis eigentlich unbegrenzt und für immer funktionieren soll

Gedächtnisstörungen
Blockierung
Gedächtnisstörungen
Geistesabwesenheit
Enkodierungsprozess wird nicht mit genügend Aufmerksamkeit ausgestattet🡪 nur oberflächliches Enkodieren
Gedächtnisstörungen
Persistenz
Fortwährendes Wiederkehren unerwünschter Erinnerungen, oft bei Posttraumatischer Belastungsstörung