- Menschen sitzen gefesselt mit eingeschränktem Gesichtsfeld, blicken auf die Höhlenwand und sehen nur die Schatten der Umwelt erzeugt durch ein Feuer
- ein Gefangener flieht
- er erzählt den anderen Gefangenen von der echten Umwelt und davon, was sie sehen könnten, wenn sie sich befreien könnten und ihr Blickfeld nicht eingeschränkt wäre
Augustinus
- ca. 400 n. Chr.
- beschreibt seine persönliche Entwicklung in einem Buch
- wird dadurch zum ersten bekannten Autobiografen
- betont die Bedeutung der eigenen Erfahrung, über sich selbst nachzudenken
- wird zum Begründer der autobiografischen Beobachtungsmethode und der Selbstreflexion
Thomas von Aquin
- ca. 1250 n. Chr.
- beschäftigte sich mit der grundlegenden Organisation der Psyche und ihrer körperlichen Interaktion
- Anfänge des Leib-Seele-Problems
Renaissance
- 15./16. Jahrhundert
- Individualität und charakterliche Bestimmung
- erste Dokumentation des Begriffs "Psychologia" durch Rudols Goclenius (1547-1628)
- René Descartes (französischer Philosoph, Mathematiker, Naturwissenschaftler 1596-1650):
mechanistisches Menschenbild, Leib und Seele getrennte Einheiten, Kopf als höchste Steuerungsinstanz
Geschichte der Psychologie nach der Renaissance
- Jahre der ersten physiologisch-psychologischen Erkenntnisse
- Lehre der spezifischen Sinnesenergien (J. Müller, 1826)
- Charles Darwin (Evolutionstheoretiker) entwickelte die "vergleichende Verhaltensforschung" (1872), emotionale Gesichtsausdrücke überall auf der Welt gleich erkannt und interpretiert
- 5 Jahre später offizieller Beginn der Geschichte der Psychologie
Methoden der Psychologie-Geschichte
1. ordnen (Einordnung in den historischen Kontext)
- fokussiert Entstehung von gedanklichen Veränderungen
- Integration in den geschichtlichen Hintergrund
Ideengeschichte
- beschäftigt sich mit der Auswirkung vergangener sozialer Entwicklungen auf die Gegenwart
Sozialgeschichte
- geht von Personen des Wissenschaftsbereichs aus, deren Ansichten psychologische Gegenstandsbereiche bedeutsam verändert haben
Personenzentrierter Ansatz
- Wissenschaftstheorie (beschäftigt sich mit verschiedenen theoretischen Grundlagen des Erkenntnisgewinns) - Wissenschaftssoziologie (fokussiert die sozialen Rahmenbedingungen und die Wissensorganisation)
- Wissenschaftspsychologie (Untersuchung von individuellen Bedingungen der wissenschaftlichen Erkenntnisse, Publikationsverhalten, Wirksamkeit von Arbeitsgruppen)
- Wissenschaftspolitik (steuert politische Rahmenbedingungen für erfolgreiches Wissensmanagement an Hochschulen u.a. Institutio.)
- Wissenschaftsgeschichte (betrachtet historische Entwicklung der Wissenschaft)
Verschiedene Bereiche der Wissenschaftsforschung
- Analyse von Literaturquellen (primär, sekundär, tertiär) - wechselseitiger Bezug zwischen historischem Kontext und den Quellen - innerhalb eines hermeneutischen Zirkels
- Besuch von Museen
- Befragung von Zeitzeugen
- Zeitreihenanalyse
Verschiedene Methoden der Wissenschaftsgeschichte
- Great-Men-Ansatz
- personalisierter Ansatz der Wissenschaftsgeschichte
Die Geschichte großer Männer
- 1832-1920
- Gründervater der deutschen Psychologie
- Philosoph, Physiologe, Psychologe
- 1879 erstes Labor für experimentelle Psychologie (Leipzig)
- verfolgte den Ansatz, mit messbaren Variablen die Struktur des Geistes zu erfassen. Er untersuchte Emotionen, Empfindungen, Ideen und Aufmerksamkeit (messbare Variable zB Hautleitfähigkeit)
- interessierte sich auch für Anwendungsfächer wie zB Religions-, Sprach-, Neuro-, Kulturpsychologie
Wilhelm Maximilian Wundt
- 1842-1910
- Gründer der amerikanischen Psychologie - internationaler Ruhm durch Buch "Priciples of Psychology" (1890), Idee einer Emotionstheorie
- physiologische Reaktion als Grundvorraussetzung von Emotionen - postulierte empirische Korrelation zwischen mentalen und physiologischen Zuständen in psychologischen Variablen
- entwickelte erste Ansätze des Funktionalismus
- Stream of Consciousness (material, social , spiritual self), autonomes Selbst, erste Ansätze des Unbewussten
William James
- 1849-1936
- russischer, experimenteller Physiologe
- Experimente zur klassischen Konditionierung (Speichelreflex bei Hunden)
- Gesetz der zeitlichen Kontiguität (Zusammenfließen), Gesetz des bedingten Reflex
- Nobelpreis für Medizin (Arbeit über Verdauungsdrüsen)
- Begründer des Behaviorismus
- erforschte Gesetzmäßigkeiten von Hemmungs- und Erregungsprozessen im Nervensystem
Iwan Pawlow
- österreichischer Arzt und Neurologe (1856-1939)
- Begründer der Tiefenpsychologie
- veröffentlichte 1899/1900 erste Traumdeutungen
- versuchte das Unbewusste mittels Hypnose zu erreichen
- Dreiteilung der menschlichen Psyche (Ich-Über-Ich-Es, ständiger Kampf unter den drei Instanzen bestimmt das individuelle Handeln)
- Freud floh vor Hitler, der seine Bücher verbrannte, starb an Krebs in London
Sigmund Freud
- Schweizer Biologe (1896-1980)
- unterscheidet sich von der klassischen Psychoanalyse
- menschliche Erkenntnis als langer Entwicklungsprozess, in dessen Mittelpunkt aktives Handeln und Interaktion mit der Umwelt in Kombination mit Anpassungsprozessen stehen
- widerspricht Pawlow, versucht menschliche Erkenntnisse durch Untersuchungen der Gene transparent zu machen (genetische Epistemologie, genetisches Lernen)
Jean Piaget
- 1902-1987
- Begründer der personenzentrierten Gesprächstherapie
- Kongruenz, Empathie, bedingungslose, positive Zuwendung als entscheidende therapeutische Variablen
- Grundannahme, dass jeder Mensch von Natur aus gut ist und Fähigkeiten besitzt seine eigenen Probleme zu lösen - Aufgabe der Therapie: die dafür notwendigen Rahmenbedingungen schaffen
- gemeinsam mit Maslow als Begründer der humanistischen Psychologie
Carl Rogers
- umfasst das Menschenbild, dass sich jeder Organismus optimal entwickelt, wenn ihm die Möglichkeit dazu gegeben wird
- Aktualisierungs- oder Selbstwirksamkeitstendenz
Humanistische Psychologie
- 1904-1990 - geprägt von Pawlow und Watson
- Experimente mit Vögeln und Ratten. Die bestimmte einfache Tätigkeiten lernen sollten - die Ergebnisse übertrug Skinner auf Menschen, Lerntheorien: - positive und negative Verstärker beeinflussen menschliches Verhalten entscheidend
- bezeichnete seine Methode als operante Konditionierung - erarbeitete die Methode des programmierten Lernens (drei wesentliche Merkmale: bekanntes Lernziel, logische Abfolge der Lenrziele, 95% erfolgreich absolvierbare Lerneinheiten) - entwickelte Vision: aggressionsfreie Gesellschaft durch Massenkonditionierung
Skinner
- 1908- 1970
- Bedürfnispyramide -hierarchisch angeordnete lebenswichtige Bedürfnisse - Prinzip der Homöostase
- letzte Stufe "Selbstverwirklichung" unterliegt nicht der Homöostase, fortwährendes Bedürfnis - Annäherung durch qualitativ-biografische Analysen von zB berühmten Persönlichkeiten - Identifikation von Qualitäten, die für diese Menschen, jedoch nicht für den Rest der Bevölkerung, charakteristisch war
- vierte Kraft der Psychologie (transpersonale Psychologie)
- lebt noch - führte den Begriff des Modelllernens ein, bestimmte Voraussetzungen (wie zB gute Identifikation des Beobachters mit dem Modell sowie stellvertretende Verstärkung)
- Lernen im Kontext mit sozialem Verhalten und Sprache
- sozialer Lernprozess lässt sich in zwei Abschnitte gliedern: - Aneignungsphase (Aufmerksamkeitszuwendung, Behaltensphase) - Ausführungsphase (motorische Reproduktionsphase, Verstärkungs- und Motivationsphase)
Albert Bandura
- Ideengeschichte verfolgt den Schritt von einer geistigen Strömung hin zur entsprechenden Theoriebildung
- Boring prägte für dieses Phänomen den Begriff des Zeitgeistes, leitete den Entwicklungsursprung einer psychologischen Schule ab
- Entfaltungskonzept
- Hehlmann (1967) gliedert Ideengeschichte in sieben Epochen
Geschichte großer Ideen
Vergangenheit der Psychologie: 1. Psychologie in Mythen und Religion, 2000-500 v. Chr.
2. Wissenschaft in der Antike, 500-200 v. Chr.
3. Mittelalter und Scholastik, 200 v. Chr. - 1600 n. Chr.
4. Aufklärung, 1600-1875 n. Chr.
Geschichte der Psychologie: 5. Gründungsphase, 1875 -1900 n. Chr.
6. Konsolidierungsphase, 1900-1960 n. Chr.
7. "moderne" Psychologie, 1960 n. Chr. - heute
Die sieben Epochen der Ideengeschichte
2000 - 500 v. Chr
- Psychologie in Mythen und Religion
- Ideen zur Entstehung der Götter, des Weltalls und der Menschen
- Ideen zum Konzept der Seele und anderen psychologischen Fragen am Anfang Religion und der Mythologie
1. Epoche der Ideengeschichte
500 - 200 v. Chr.
- Wissenschaft in der Antike
- Entstehung der Söhne von den Temperamenten und Körpersäften nach Hippokrates
- Elementenlehre nach Empedokles
- Induktion als Erkenntnisweg bei Aristoteles
- Deduktion als Erkenntnisweg bei Platon
- stärker wissenschaftlich geprägtes Denken
2. Epoche der Ideengeschichte
290 v. Chr. - 1600 n. Chr.
- Mittelalter und Scholastik
- Versuch die Antike und kirchliche Dogmen miteinander in Verbindung zu bringen
- Thomas von Aquin, größter Kirchengelehrter seiner Zeit - stützte sich auf die Lehre von Aristoteles und verband sie mit dem christlichen Glauben - Mensch als soziales Wesen, das zum Austausch in einer Gemeinschaft lebt
3. Epoche der Ideengeschichte
1600-1875 n. Chr. - Aufklärung
- Psychologie noch keine eigenständige Wissenschaft
- langsame Ausdifferenzierung
- René Descartes, Baruch de Spinoza, Hansheinrich von Wolff postulierten den Erkenntnisgewinn durch den Menschen selbst
- reines rationales Denken als Erkenntnisquelle im Mittelpunkt des Rationalismus
- Thomas Hobbes, John Locke, David Hume, Anfänge des Empirismus, leiten zweite Vorstufe der Psychologie ein
- 1879 erhielt Wundt ersten Lehrstuhl für Psychologie (Leipzig), leitete das Zeitalter des Strukturalismus und Elementarismus ein
- Wilhelm Wundt als Gründervater der Psychologie
- Sigmund Freud, Arbeiten zur Psychoanalyse
5. Epoche der Ideengeschichte
1900-1960
- Konsolidierungsphase
- Phase der Stabilisierung und Vereinheitlichung der Psychologie
- Entstehung weiterer Lehrstühle für Psychologie, Verankerung der Psychologie als Wissenschaft
- Entwicklung verschiedener Strömungen und Schulen
- Suche nach passenden Erklärungsversuchen, wie der Mensch funktionieren könnte (Integration verschiedener Ansätze zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich)
- Wandel der wissenschaftlichen Psychologie von einer rein spekulativen oder rationalen Wissenschaft hin zur empirischen Naturwissenschaft
- Schuldenken löste sich auf, auch wenn unterschiedliche methodische und theoretische Präferenzen bestehen blieben
7. Epoche der Ideengeschichte
- stärker systematische Betrachtungsweise im Vordergrund - hauptsächlich drei Themenkreise: - Problem des Gegenstandes - Problem der Methode - Problem der Theorie - Hauptaugenmerk auf die Entwicklung bestimmter Konzepte über die Zeit - wiederkehrende Themen: - Seele und Seelenleben - Bewusstsein und Unbewusstsein - Erleben und Verhalten - Leib-Seele-Problem - Anlagen-Umwelt-Debatte
- Kernprobleme gleichzeitig Grundkonzepte - subjektloses Wissenschaftverständnis
Geschichte großer Probleme
- Beeinflussung wissenschaftlicher Forschung durch gesellschaftliches und kulturelle Umfeld
- sozialgeschichtliche Ansätze kommen das erste Mal in der Studentenbewegung 1968 auf - Konstituierung der kritischen Psychologie - Verbindung zwischen gesellschaftlichen Entwicklungen und psychologischem Fortschritt
- die Geschichte soziale Entwicklung der Psychologie umfasst vier entscheidende psychologische Richtungen (Eckardt spricht von beträchtlichen Wandlungen, 1979)
- Wandlungen von der Völker- und Massenpsychologie über die Instinkttheorie hin zur empirisch-experimentellen Psychologie
Geschichte sozialer Entwicklung
- Beginn Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts
- beruhte auf de Idee, dass jede Volk seine eigene Sprache habe, die das Denken und eine eigene Völkersicht widerspiegelt - Psychologe Moritz Lazarus und Sprachwissenschaftler Heymann Steinthal (1860), Begründer der empirischen Völkerpsychologie
- Leitgedanke: Volksgeist - nach kritischer Auseinandersetzung entwickelte Wundt psychologisch gegliederte Struktur: u.a. in Religion, Sprache, Kunst, Gesellschaft Mythen, Sitten, Recht, Kultur - Wundt postulierte 20 Motive der Völkerpsychologie: zB Lebensfürsorge und Arbeitsteilung, Jugendpflege und Gemeinschaft, Freiheit und Gerechtigkeit
Völkerpsychologie
- 1895 "Psychologie der Massen" von Gustave le Bon - Gustave le Bon und Gabriel Tarde als Begründer der Massenpsychologie
- kulturpessimistische Haltung, Menschen lassen sich in der Masse zu Dingen hinreißen, die sie sonst nicht tun würden
- Imitation als bedeutenden Mechanismus der Sozialisation
- Menschenbild der Masse, geprägt von Konformität und Entfremdung des Einzelnen von sich selbst
- Menschen verlören ihre Kritikfähigkeit in der Masse und seien durch einzelne Führungspersönlichkeiten einfach zu lenken
Massenpsychologie
Die Genese menschlichen Verhalten und Erlebens
britisch-amerikanischer Psychologe William McDougall
- Instinkte angeborene Grundlage für menschliche Verhaltensorganisation
- Kritiker bemängeln methodische Defizite seiner Untersuchungen (unempirisch und spekulativ, Rückschlüsse von Verhaltensbeobachtungen auf Instinkte)
Empirisch-experimentelle Verhaltensorganisation
- Social-Faciliation-Theorien - Theorienkomplex besagt, dass Lebewesen durch die reine Anwesenheit von Artgenossen bessere Leistungen erbringen als ohne deren Gegenwart
- Ursache: emotionale Erregung
- Bsp von Norman Triplett (1900) im Kontext von Radrennen