Angenommen, Israel würde einen Antrag auf Beitritt zur EU stellen. Wie wäre ein solcher Antrag aus verschiedenen Sichtweisen auf den Europabegriff zu beurteilen und welche Vorgaben enthält Art. 49 EUV?
Aus Sicht der geografischen Definition des Europabegriffs würde der Antrag Israels abgelehnt werden, da Israel nicht zum Kontinent Europa gehört. Auch aus kulturell-historischer Sicht wäre ein Beitritt schwer, da Israel keine gemeinsame Geschichte mit Europa vorweisen kann und kulturell keine Ähnlichkeiten hat. Ein Beitritt aus politischer Sicht wäre denkbar, wenn Israel die Vorstellungen der EU im Bezug auf Recht und Gesellschaft teilt.
Art. 49 EUV: Jeder europäische Staat, der die Werte achtet und sich für ihre Förderung einsetzt, kann beantragen, Mitglied der Union zu werden.
Warum ist der Begriff Verfassung für das Europarecht weder völlig geeignet noch völlig ungeeignet?
Der Verfassungsbegriff im Bezug auf Europa ist problematisch, da er auf eine staatliche Einheit hinweist und damit die Staatswerdung als Integrationsziel andeutet. Bis heute ist dieses Thema jedoch nicht ausdiskutiert und nach dem Scheitern des Entwurfs eines europäischen Verfassungsvertrags von 2005 weiter fraglich. Im europäischen Kontext sollte eher von Primärrecht die Rede sein.
Gibt es Bereiche, wo Drittstaaten am EU-Rechtsbestand teilnehmen? Geben Sie Beispiele!
Da internationale Abkommen der EU zum Rechtsbestand der Union gehören, können auch Drittstaaten an diesen teilnehmen. zB. Schengen-Regime (Abschaffung der Grenzkontrollen) betraf Island, Norwegen, Liechtenstein oder die Zollunion, die die Türkei betraf.
Was ist der Unterschied zwischen Unionsmethode und Supranationalität?
Die Unionsmethode geht über die Beschlussfassung hinaus und fließend in Elemente des supranationalen Charakters über.
Inwiefern ist die Grundrechtsbindung sowohl ein Element der Unionsmethode als auch ein Element des supranationalen Charakters? Was steht in Art. 51 Abs. 1 GRC?
Die Grundrechtsbindung gehört gleichermaßen zur Unionsmethode (also den Rahmenbedingungen für die Rechtserzeugung) als auch zu den Wirkungen des Unionsrechts für die MS (also zur Supranationalität).
Art. 51 Abs. 1 GRC: Diese Charta gilt ausschließlich bei der Durchführung des Rechts der Union. Dementsprechend achten sie die Rechte, halten sie sich an die Grundsätze und fördern sie deren Anwendung entsprechend ihren jeweiligen Zuständigkeiten und unter Achtung der Grenzen der Zuständigkeiten, die der Union in den Verträgen übertragen werden.
In welchem Bereich des Unionsrechts sind Unionsmethode und Supranationalität stark eingeschränkt bzw. fehlen und warum?
Die GASP (Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik) ist heutzutage die einzige verbliebene Materie, in der die Unionsmethode nicht gilt, sondern weiterhin eigene, völkerrechtlich geprägte Beschlussfassungsverfahren Anwendung finden.
Warum sind viele Merkmale des supranationalen Charakters nicht kodifiziert? Warum sind sie dennoch rechtsverbindlich?
Ist ein Merkmal des supranationalen Charakters nicht kodifiziert, dann handelt es sich um einen ungeschriebenen, allgemeinen Rechtsgrundsatz. Es ist oft schwer diese offenen Grundsätze zu fassen, ohne sie zu sehr einzuschränken.
Nennen und erklären Sie die zentralen Merkmale supranationalen Charakters?
Inwiefern ist der Anwendungsvorrang eine Konfilktlösungsregel?
Der Anwendungsvorrang ist eine Konfliktlösungsregel, da die parallel nebeneinander geltenden Rechtsordnungen der EU und des nationalen Rechts einander widersprechende Anordnungen treffen. Der Anwendungsvorrang sagt, dass Unionsrecht dem nationalen Recht vorgeht.
Haftet auch die EU für Verstöße gegen Unionsrecht?
Für Verstöße gegen Unionsrecht haftet der MS, der es unterlassen hat, für die rechtsrichtige Anwendung des Unionsrechts zu sorgen.
Was sind gemischte Abkommen?
Die EU kann alleine Abkommen schließen, aber es gibt auch welche, die die EU nur mit Beteiligung von MS schließen kann. Ob eine Beteiligung nötig ist, hängt davon ab, was das Abkommen konkret regelt und in welchen Zuständigkeitsbereich es fällt.
Was ist der EWR und warum ist er für das Unionsrecht so bedeutsam?
EWR steht für den Europäischen Wirtschaftsraum. Das EWR-Abkommen dehnt große Teile des Binnenmarktrechts auf Norwegen, Liechtenstein und Island (EFTA-Staaten) aus. Es ist ein völkerrechltiches Abkommen, an dem die EU beteiligt ist, welches als Teil der Unionrechtsordnung im Mezzaninrang steht.
Ist das EU-Recht Teil des Völkerrechts? Was spricht dafür, was dagegen und welchen Unterschied macht die Einstufung?
Das EU-Recht ist eine Rechtsordnung sui generis (Rechtsordnung eigener Art) und somit nicht Teil des Völkerrechts. Dies wird im Loslösungsprozess des Unionsrechts vom Völkerrecht deutlich:
Ist das Völkerrecht im engeren Sinn Teil des EU-Primärrechts?
Völkerrecht im engeren Sinn kann in dem Maß Teil der EU-Rechtsordnung werden, wie sich diese dafür ausdrücklich geöffnet hat.
Es existiert ein großer Bereich völkerrechtlicher Abkommen, welchen die EU aufgrund ihrer Völkerrechtssubjektivität beigetreten ist.
Was ist der Zusammenhang zwischen Legitimität der Union und ihren Zukunftsaussichten?
Die Nützlichkeit der EU ist ein Gradmesser ihrer Legitimität. Damit gibt sie Aufschluss über Zukunftsperspektiven der EU: Solange die EU von den MS als nützlich empfunden wird, hat sie stabile Bestandsaussichten.
Inwiefern führte die EWG den Ansatz der EGKS fort? Was war dieser Ansatz?
Friedenssicherung am europäischen Kontinent war Motiv für Gründung der EGKS. Ziel war es unter Aufsicht einer überstaatlichen Einrichtung den Gründerstaaten gemeinsamen, freien Zugang zur Produktion von Kohle und Stahl zu sichern. Der EWG-Vertrag ist die Ausdehnung des Freiverkehrsmodell des EGKS-Vertrags. Dieses Modell wurde auf weitere Wirtschaftsbereiche (auf den Warenverkehr insgesamt, auf Dienstleistungen, Personen, Unternehmen, Kapital) ausgedehnt.
Inwieweit sind der Fusionsvertrag und der Eigenmittelvertrag für die faktischen Handlungsmöglichkeiten der EU bedeutend?
Der Fusionsvertrag führte die Organe Rat und Kommission der drei Gemeinschaften (EGKS, EWG, EAG) zusammen und sah einen gemeinsamen Haushalt vor. Er hatte auch die Stärkung der Kommission im Verhältnis zu den MS zur Folge.
Der Eigenmittelvertrag (Erster Finanzvertrag) sah die schrittweise Finanzierung der EWG durch automatisch zugewiesene Beträge vor. Außerdem erfolgte durch ihn eine Aufwertung des Parlaments.
Erklären und bewerten Sie den historischen Emanzipationsprozess des Europäischen Parlaments im europäischen Rechtsgefüge! Ist er abgeschlossen und warum (nicht)?
Mit dem Eigenmittelvertrag erfuhr das Parlament eine Aufwertung. Es beteiligte sich somit an der Aufstellung sowie Verabschiedung des Haushaltsplans. Mit dem Zweiten Finanzvertrag erhielt es die Befugnis den Haushaltsplan abzulehnen und die Kommission vom Haushaltsvollzug zu entlasten. Durch die EEA (Einheitliche Europäische Akte) wurde das Parlament wieder gestärkt, indem ein Verfahren der Zusammenarbeit mit dem Rat bei der Rechtsetzung in bestimmten Materien eingeführt wurde. Das Parlament konnte die Rechtsetzung jedoch nicht verhindern. Außerdem hatte es ein Zustimmungsrecht bzgl. bestimmten völkerrechtlichen Abkommen. Dies waren Schritte hin zur Etablierung des Parlaments als vollwertiger Ko-Gesetzgeber.
Wie alt ist der Binnenmarkt? Ist er vollständig verwirklicht? Warum (nicht)?
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Was sind die Eigenmittel der EU und wie setzen sie sich zusammen? Ließe sich dort zB. auch eine Finanztransaktionssteuer aufnehmen? Was ist die einschlägige Rechtsgrundlage?
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Bewerten Sie die beiden folgenden Aussagen:
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Was ist das Dreisäulen- bzw. Tempelmodell und was illustriert es?
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Nehmen a) die frühere zweite Säule bzw. b) die frühere dritte Säule weiterhin eine Sonderstellung ein? Wenn ja, inwiefern?
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Wofür waren die Kopenhagener Kriterien und inwiefern spielen sie heute noch eine Rolle?
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Lesen Sie Art. 50 EUV. Vergleichen Sie ihn mit Art. 49 EUV. Ist die Aussage richtig, der EU komme beim Austritt eine tendenziell starke Rolle zu? Warum (nicht)?
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Lesen Sie Art. 7 EUV. Was ist die zentrale Schwäche dieses Verfahrens?
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Wie wurde die EU auf die sog. "Osterweiterungen" vorbereitet?
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Welche Neuerungen nahm der Vertrag von Lissabon bei der Unionsmethode vor, welche bei den Organen und welche inhaltlichen Änderungen? Geben Sie einen Überblick!
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Was ist die Finalitätsdebatte und wann wurde sie besonders intensiv geführt?
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Was war der Spinelli-Entwurf und was hat er mit dem Maastricht-Vertrag zu tun?
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Wofür steht die Abkürzung EGKS? Wann wurde sie gegründet? Welche Staaten waren Gründungsmitglieder?
EGKS steht für Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl. Sie wurde 1951 von den folgenden 6 Staaten gegründet (DE, IT, FR, BE, NL, LU).
Unterscheiden Sie in wenigen Worten folgende Institutionen:
Nennen Sie zwei Aufgaben, die die Europäische Kommission wahrnimmt!
(Art 17 EUV): Sie sorgt für die Anwendung der Verträge und überwacht die Anwendung des Unionsrechts. Sie führt den Haushaltsplan aus und verwaltet die Programme. Sie übt nach Maßgabe der Verträge Koordinierungs-, Exekutiv- und Verwaltungsfunktionen aus. Ein Gesetzgebungsakt der Union darf nur auf Vorschlag der Kommission erlassen werden.
Nach welchen Kriterien werden die Richter und Generalanwälte des EuGH ausgewählt?
Art 253 AEUV: "Zu Richtern und Generalanwälten des Gerichtshofs sind Persönlichkeiten auszuwählen, die jede Gewähr für Unabhängigkeit bieten und in ihrem Staat die für die höchsten richterlichen Ämter erforderlichen Voraussetzungen erfüllen oder Juristen von anerkannt hervorragender Befähigung sind."
Welche Aufgabe haben die Generalanwälte?
Art 252 AEUV: "Der Generalanwalt hat öffentlich in völliger Unparteilichkeit und Unabhängigkeit begründete Schlussanträge zu den Rechtssachen zu stellen, in denen nach der Satzung des Gerichtshofs der Europäischen Union seine Mitwirkung erforderlich ist."
Erklären Sie das Subsidiaritätsprinzip! Wo ist dieses geregelt?
Art 5 Abs 3 EUV: Nach dem Subsidiaritätsprinzip darf der Unionsgesetzgeber nur unter der Voraussetzung tätig werden, dass das gemeinsame Handeln auf EU-Ebene bessere Ergebnisse verspricht als einzelstaatliche Regelungen der MS.
Nehmen Sie zu folgenden Aussagen Stellung und geben Sie an, ob diese richtig oder falsch sind. Begründen Sie Ihre Antwort!
Mit dem Staatshaftungsanspruch iSv Francovich kann man die Verletzung von EU-Recht durch EU-Organe geltend machen.
Ein Beschluss der Europäischen Kommission entfaltet keinen Vorrang vor nationalem Verfassungsrecht.
Nur eine Verordnung kann direkt wirken.
Wie entsteht normalerweise ein Sekundärrechtsakt? Wo ist das entsprechende Verfahren normiert?
Sekundärrecht ist das vom Primärrecht abgeleitete Recht, das also auf Basis der dort grundgelegten Handlungsermächtigungen (Rechtsetzungsgrundlagen)erzeugt wurde. Es hängt in seinem Bestand (Legalität) daher vom sachlichen Umfang der zugrundeliegenden Rechtsetzungsermächtigung sowie von der Einhaltung des zugehörigen Rechtserzeugungsverfahrens ab.
Verfügte bereits der E(W)G-Vertrag in seiner ursprünglichen Fassung über einen geschriebenen Katalog von Grund- und Menschenrechten?
Ursprünglich verfügte die EU (als EWG) über keinen positivierten Grundrechtskatalog. So zählte der EuGH die Grundrechte in seinen ganz frühen Entscheidungen zum Recht der MS und lehnte damit im- plizit eine Grundrechtsbindung der EWG selbst ab.
Worauf stützte der EuGH seine Rechtsprechung zu den Grund- und Menschenrechten? Nennen Sie eine bekannte Entscheidung!
Der EuGH anerkannte Grundrechte als ungeschriebene Rechtsgrundsätze des Unionsrechts, die sich aus den gemeinsamen Verfassungstraditionen der MS ergeben (insbesondere aus der Bindung der MS an die 1953 in Kraft getretene EMRK). Diesen Wendepunkt markiert das Urteil Internationale Handelsgesellschaft aus 1970.
Inwieweit hat sich die Rechtslage in diesem Bereich durch den Vertrag von Lissabon geändert?
Art 6 Abs 1 EUV: Die GRC wurde zusammen mit dem Vertrag von Lissabon zum 1.12.2009 verbindliches Primärrecht.
Nennen Sie zwei sog. „Konvergenzkriterien“, die die Mitgliedstaaten, die an der WWU teilnehmen wollen, vor Eintritt in die dritte Stufe der WWU erfüllen müssen!
Die Wirtschafts- und Währungsunion ist eines der Ziele der EU und umfasst einen dreistufigen Prozess zur Harmonisierung der Wirtschafts- und Währungspolitiken der MS. Die ersten beiden Stufen sind: Kapitalverkehrsliberalisierung und wirtschaftliche Konvergenz.
Konvergenzkriterien laut Art 140 AEUV: Erreichung eines hohen Grades an Preisstabilität; eine auf Dauer tragbare Finanzlage der öffentlichen Hand; Einhaltung der normalen Bandbreiten des Wechselkursmechanismus des Europäischen Währungssystems.
Wann wurde der Euro als gemeinsame Währung eingeführt?
1. Januar 2002 - Einführung des Euro als Festgeld in 12 Ländern (seit 1999 Buchgeld; seit 1978 Rechnungseinheit ECU)