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Bildungsauftrag der Grundschulpädagogik

​​                    (Säulen der Bildung)

​1. Lernen, wie man Wissen erwirbt

  • ​Selbstreguliertes Lernen, Förderung von Lernstrategien, eigenständiges Arbeiten --> kann auf unterschiedlichen Ebenen passieren

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2. Lernen, zu handeln​

  • ​Umsetzung des Gelernten in konkreten Situationen (Wissen anwenden) --> Pisa-Studien zeigten, dass SuS Anwendungsaufgaben schlecht lösen können

3. ​​Lernen, zusammen zu leben

  • ​z.B. Anerkennung von Grundwerten wie Pluralität, Toleranz, Gerechtigkeit --> Wie gehen wir miteinander um? --> wird in der Grundschule aufgabaut --> besondere Bedeutung

​​4. Lernen, zu sein

  • ​Persönlichkeitsentwicklung

Forschungsperspektiven

--> Grundschulpädagogik

​Konzeptionell

--> z.B. Entwicklung von Konzeptionen, Modellen, Entwürfen, Förderplänen, diagnostisches Verfahren etc.


​Theoretisch ​

--> z.B.: Entwicklung von Theorien über das Lernen & Lehren in der Grundschule


​Empirisch-analytisch

--> z.B.: Überprüfung theoretischer Annahmen durch quantitative Studien; Weiterentwicklung von Theorien durch qualitative Untersuchungen


​Kritisch-konstruktiv

--> z.B.: kritische Anmerkungen zu Schulleistungsstudien wie IGLU/TIMMS


​Historisch

--> z.B.: Grundschulunterricht heute & gestern

Wissenserwerb Definition

(Agrenzung zum Lernen)

Wissenserwerb = vielfältige Prozesse im kognitiven System, durch die Information, dass Wissen und Erfahrung dauerhaft im Gedächtnis gespeichert werden

--> Individuum hat aktive Rolle


Lernen = wenn es auf Grundlage von Erfahrung (un)beabsichtigt zu einer relativ dauerhaften Veränderung im Wissen/Verhalten des Individuums kommt


Zwei unterschiedliche Betrachtungsweisen von Wissenserwerb:

  • ​Wissen als Besitz, Lernen als Aneignung: Wenn ich lesen gelernt habe, kann ich lesen
  • ​Wissen & Lernen als Teilhabe: Wenn ich lesen gelernt habe, bin ich Teil der Gemeinschaft der Büchermenschen

Verschiedene Perspektiven / Bilder:

  • ​Aneignung, Haben (Bsp. Vorlesung) --> dominiert
  • ​Teilhabe, Mittun (Bsp. Seminar)

Wie lernt man vor und in der Schule?

Primäre Fähigkeiten

  • ​werden implizit, schnell, sparsam, beinahe automatisch erlernt, genetische Grundlagen spielen große Rolle, Eltern sind auf den Prozess vorbereitet
  • ​Beispiele: --> Sprache; Emotionsausdruck/-regulation
  • ​Erforschung meist in der Entwicklungspsychologie


(Schule)

Sekundäre Fähigkeiten

  • ​​Explizite Instruktion, (oft) hoher zeitlicher AUfwand, keine Bereitschaften oder angeborenen Wissensstrukturen, die das Lernen erleichtern/beschleunigen
  • ​Beispiele: --> Lesen, Schreiben, Rechnen
  • ​Erforschung meist in der pädagogischen Psychologie

Lerntheorien

​Behaviorismus

--> Verhaltensveränderung durch Belohnung/Bestrafung bzw. Kontingenzen (Folgen der Handlung, Assoziationen)


​Sozial-kognitive Theorien

--> Interaktion des Individuums mit der Umwelt


​Informationsverarbeitungstheorien

--> Prozesse wie Aufmerksamkeit, Informationsselektion, Informtionsverarbeitung, Informationsspeicherung, Abruf, ...


​Kognitiv-konstruktivistische Theorien

--> Vorwissen und konstruktive Aktivität des Individuums


​Sozial-konstruktivistische Theorien 

--> soziale Ko-Konstruktion von Wissen

Heutige Perspektive auf Wissenserwerb

  • ​Wissen wird nicht empfangen, sondern aufgebaut
  • ​Konstruktion = Herstellung von Verbindungen zwischen neuem und altem Wissen
  • ​Wissen wird nicht einfach aufgenommen, sondern aktiv konstruierte Teilprozesse sind Auswahl, Organisation, Integartion/Elaboration
  • ​Wissen kann nicht vermittelt/beigebracht werden --> "You can lead a horse to water, but you can't make it drink!"

Angebot-Nutzungs-Modell

  • ​Unterricht stellt Lerngelegenheiten bereit, die von SuS genutzt werden - oder nicht --> Lernerfolg kann nicht garantiert werden
  • ​Nutzung durch Lernen ist ein aktiver, selbstgesteuerter individueller Prozess

Komponenten von kognitiver Beanspruchung von Lernaufgaben

Intrinsische Beanspruchung

  • ​Beanspruchung durch Schwierigkeit des Lernmaterials, vor allem bei verknüpftem, verständnisbezogenem Material

Lernbezogene Beanspruchung

  • ​Für den Lernprozess notwendige Beanspruchung (--> Aufbau neuer Schemata)

Extrinsische Beanspruchung

  • ​Beanspruchung durch überflüssige Information, Wiederholungen, Verweise, nicht notwendige Abbildungen, unklare Sprache, ...
  • ​Gesamtbeanspruchung darf nicht zu hoch sein; möglichst viel muss auf intrinsische Beanspruchung entfallen

Semantisches vs. Prozedurales Wissen

Semantisches Wissen

  • ​(Bedeutungsbezogenes und Fakten-) Wissen über die Welt

Prozedurales Wissen (Können)

  • ​Gelernte Routinen, die nicht (mehr) bewusst sind, aber dennoch beherrscht werden

Gedächtnisstrategien in der Grundschulzeit

Wiederholungsstrategien

  • ​werden ab der frühen Grundschulzeit eingesetzt, aber oft nicht spontan
  • ​sind prinzipiell nüützlich --> Qualität vor Quantität

Organisationsstrategien

  • ​Fähigkeit zu kategorisieren nimmt mit dem Grundschulalter zu
  • ​Oft plötzliche Strategiegewinne

Elaborationsstrategien

  • ​werden nicht spontan / von allen Kindern erworben, in der Regel nach der Grundschule

Metagedächtnis

Deklarativ

  • ​Wissen um Gedächtnisvorgänge, Aufgaben, die eigene Person & Strategiemerkmale
  • ​deutliche Entwicklung mit Konsolidierung gegen Ende der Grundschulzeit

Prozedural

  • ​Überwachung vs. Selbstregulation: Kinder beobachten sich schon früh sehr genau, machen jedoch sehr optimistische Vorhersagen über ihre Leistungsfähigkeit * passen ihre Strategien der Schwierigkeit noch nicht an --> kann sich unter geeigneten Bedingungen in der Grundschulzeit deutlich entwickeln

--> Erhebliche interindividuelle Unterschiede

Gedächtnisentwicklung bis Klasse 2

Alterstypische Merkmale

  • ​ansatzweise Fähigkeit, das eigene Denken zu reflektieren
  • ​verstehen noch nicht, dassan vergessen kann
  • ​halten Lernen für passiv
  • ​glauben, dass es ein einzig richtiges Wissen gibt
  • ​denken, dass alle Menschen das wissen, was man selbst versteht

Hinweise zur Vermittlung von Lernstrategien

  • ​​​Nachdenken über Denken anregen: "Ich frage mich, wie ..." / "Erinnerst du dich daran, ob ...?"
  • ​Gedächntisentwicklung durch entsprechende Aufgaben unterstützen --> Bsp.: Kofferpacken
  • ​Einfache Lernstrategien einfügen und diese immer wieder einüben

Gedächtnisentwicklung Klasse 3-5

Alterstypische Merkmale

  • ​Zunehmende Fähigkeit, dass eigene Denken zu reflektieren
  • ​überschätzen das eigene Gedächtnis, verstehen aber, dass man vergessen kann
  • ​halten Lernen für eine aktive Tätigkeit
  • ​verstehen, wieso andere etwas nicht/falsch verstehen können
  • ​glauben, dass es ein einzig richtiges Wissen gibt

Hinweise zur Vermittlung von Lernstrategien:

  • ​einfache Techniken zeigen, das Gelernte selbstständig zu überprüfen
  • ​mit konkretem Material arbeiten (Experiente, Artefakte, konkreten & anschaulichen Dingen)
  • ​SuS auffordern, Hypothesen / Erklärungen zu formulieren/prüfen 

Lernstrategien Definition

= alle Verhaltensweisen & Gedanken, die Lerner aktivieren, um ihre Motivation und den Prozess des Wissenserwerb zu beeinflussen und zu steuern


= Kombination von Lerntechniken, die Situations- & Zielangemessen und bewusst angewendet werden & deren Einsatz überwacht wird


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  • ​müssen gelernt und geübt werden, ein großes Repertoire unterschiedlicher Strategien ist nützlich

  • ​werden oft (beinahe) automatisch und nicht bewusst eingesetzt --> in der Lernphase in der Regel bewusst

  • ​Je mehr (angemessene) Lernstrategien zum Einsatz kommen, desto besser das Ergebnis (gilt nicht empirisch!) --> tiefes Lernen in tatsächlichen Situationen nicht immer sinnvoll!

Arten von Lernstrategien

Informationsverarbeitungsstrategien

  • ​Wiederholungsstrategien (Üben z.B. verteiltes Üben)
  • ​Organisationsstrategien (Strukturierung, z.B. MindMaps)
  • ​Elaborationsstrategien (Verstehen, z.B. Reduktion des Materials / Fragen stellen)
  • ​Kritisches Prüfen (z.B. jemanden das Gelernte erzählen)

Kontrollstrategien (metakognitive Strategien)

  • ​Planung des Lernens (z.B. Zielsetzung/-schätzung)
  • ​Überwchung des Lernens (Ist-Soll-Vergleiche)
  • ​Regulierung (Anpassung, wenn Vergleiche nicht zufriedenstellend)

Stützstrategien

  • ​Anstrengungsmanagement
  • ​Aufmerksamkeitsmanagement
  • ​Zeit management
  • ​Gestaltung der Lernumgebung

Probleme der Strategieentwicklung

Mediationsdefizit

  • ​Kognitive Voraussetzungen (Mediatoren) für den Strategieeinsatz sind noch nicht gegeben --> Strategietraining zeigt keine Wirkung

Produktionsdefizit

  • ​Strategien werden nicht spontan genutzt, z.B. weil die Motivation fehlt --> Strategietraining zeigt begrenzte Wirkung

Nutzungsdefizit

  • ​Strategien werden spontan eingesetzt, aber ohne einen Nutzen davon zu haben --> Strategietraining zeigt unterschiedliche Wirkungen
  • ​Reife Strategienutzung --> Strategietraining zeigt positive Wirkung bei entsprechender Aufgabe

Selbstreguliertes Lernen

  • ​Wichtiges Bildungsziel/Schlüsselkompetenz, gerade heute

--> ist im engeren Sinne solches, das durch  bewusste Ziele/Planung & Selbstbeobachtung gekennzeichnet ist


​Aspekte von selbstreguliertem Lernen

  • ​Kgnitive Komponenten (Konzeptionelles & strategisches Wissen; Fähigkeit, dieses Wissen anzuwenden)
  • ​Motivationale Komponenten (Selbstmotivierung, Förderliche Attributionen, Selbstwirksamkeitserwartung)
  • ​Metakognitive Komponenten (Planung, Selbstbeobachtung, Reflexion, Anpassung)

--> Selbstregulation kann schon früh trainiert werden !

(Phasenmodell selbstregulierten Lernens)

--> Regelkreis nach kybernetischem Modell

Präaktionale Phase

  • ​Definition von Zielen, Auswahl von Strategien, Planung & Handlungen
  • ​Wichtig: Aufgabenanalyse, Bilden selbstmotivierender Überzeugungen

Aktionale Phase

  • ​tatsächliche Lernhandlung inklusive Beobachtung und Kontrolle --> gut genutzte Lernzeit
  • ​Kernaspekt sind volitionale Prozesse zur Aufrechterhaltung / Optimierung der Handlungsausführung (Bsp. Anstrengungskontrolle)

Postaktionale Phase

  • ​Bewertung, Abgleich mit Zielen, Reflexion ber Verlauf/Ursachen, Scchlussfolgerungen & neue Vorsätze


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