Gegenstandsbestimmung Barrierefreiheit, Assistive Technologie
Barrierefreiheit ▮ Produkte, Informationen, Systeme… sind barrierefrei, wenn sie für alle Personen zugänglich, auffindbar und nutzbar sind. Sind sie es nicht, gibt es Barrieren, die Teilhabe verhindern. Assistive Technologie ▮ Technische Hilfsmittel, welche die physischen, sensorischen oder kognitiven Voraussetzungen von Personen verändern und dadurch Barrieren entgegenwirken.
▮ Schlüsseltechnologie für haptisch-auditiv orientiert arbeitende Personen: Screenreader interpretieren, abstrahieren und linearisieren visuelle Inhalte und Vorgänge am Bildschirm ▮ Inzwischen Standardisierung durch Konvergenz Durch Redundanzen in der grafischen Benutzungsoberfläche ist der Aufwand zur Entwicklung von alternativen Steuerungskonzepten überschaubar ▮ Das lineare Produkt kann über unterschiedliche Ausgabesysteme ausgegeben werden: Sprachausgabe, als linearer Strom von akustischen Signalen oder per Braille-Zeile, als Strom haptischer wahrnehmbarer Zeichen
Barrieren im Lese-/Schreibprozess
▮ Orthografische und grammatikalische Instrumente: Autovervollständigung, Rechtschreib-/Grammatikprüfung… die inzwischen in den meisten Textverarbeitungssystemen zum Standard geworden sind. ▮ Strukturierungs- und Organisationstools: Template-Konzepte und Formatvorlagen, Strukturierungsansätze wie Mind-Maps, Bäume… Inzwischen in zahlreichen Varianten als Bestandteil von Office-Anwendungen, Onlineangeboten oder Apps verfügbar. ▮ Texterkennung (OCR, Handschrift, Sprache) ▮ Vereinfachende Sprachsysteme: Leichte und einfache Sprache, Symbolsysteme....
Universal Design
▮ Breite Nutzbarkeit ohne Stigmatisierung ▮ Flexibilität bei Voraussetzungen (Händigkeit,...) ▮ Einfachheit und intuitive Benutzung ▮ Sensorische Vielfalt ▮ Fehlertoleranz ▮ Niedriger körperlicher Aufwand ▮ Komfortable Erreichbarkeit bei geeigneter Größe
Schnittstellen für alle
▮ Produktindexierung und Auszeichnung: QR/EAN Code zur Produkterkennung, Internet of Things… ▮ Erweiterten Kommunikation z.B. zur Gebäudeautomation und Umgebungskontrolle („Ambient Assisted Living“, AAL), „Silver Society“ (Freizeitgestaltung für ältere Personen)… ▮ Transpondertechnologie, RFID ferner NFC: Produkt- oder Tiererkennung, Zutrittskontrollen, Bargeldlose Zahlung... ▮ GPS als Navigationsstandard ▮ Standardisierte Dateiformate: Ausgehend von MP3 wurde DAISY entwickelt, PDF, E-Book-Formate etc.
Kompetenzen (Capovilla & Gebhardt, 2016)
▮ Durch fehlende Kompetenzen auf Seiten der Lehrenden und Lernenden bleiben viele Potentiale ungenutzt. Technologien werden angeschafft und bleiben dann ungenutzt.
Herausforderungen auf Seiten der Lernenden: ▮ Fehlende Kompetenzen entfalten sich häufig in der Steigerung von Abhängigkeiten anstatt von Selbstbestimmung. Technik kann das Umfeld zur Passivität verleiten.
Herausforderungen auf Seiten der Fachkräfte: ▮ Überwindung der teilweise bemerkenswerten Technikaversion und Aufbau fundierter Kompetenzen auch bei „digital natives“.
Kritische Gedanken (Capovilla & Zimmermann, 2020)
Der Flaschenhals der Technik: ▮ Die Konvergenz der GUI führt zu einer Spaltung zwischen denen die damit umgehend können und den anderen. ▮ Die Omnipräsenz der standardisierten GUI führt zum Verschwinden alternativer und niederschwelliger Technologie. ▮ Behinderte Menschen geraten in die Abhängigkeit weniger Agierender. Was geschieht, wenn Apple beschließt, kein Geld mehr für Barrierefreiheit auszugeben?
Technik wird zur Voraussetzung für Erwerbstätigkeit: ▮ Für die, die es können, erweiterte sich Möglichkeitsraum ganz erheblich. Für die anderen verschließt sich der Arbeitsmarkt. ▮ Die Spezifität der Technik erfordert spezifische Weiterbildung und isoliert im Kollegium.