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Warum Menschen in Typen einordnen?

Menschen möglichst treffend charakterisieren können, indem sie gemäß ihrer Ähnlichkeit in einer Gruppe von verschiedenen Eigenschaften zu Persönlichkeitstypen zusammengefasst werden.

Definition Persönlichkeitstypen

beschreiben miteinander zusammenhängende Persönlichkeitseigenschaften und fassen diese zusammen. Sie sollten möglichst homogen sein, sich aber untereinander stark unterscheiden

Frühe Einordnungen der Persönlichkeit

  • 4 Elementen Luft, Feuer, Erde und Wasser und damit verbunden die Körpersäften
  • Hippokrates: Blut -> Sanguiniker, Schleim -> Phlegmatiker, schwarze Galle -> Choleriker und gelbe Galle -> Melancholiker
  • Wundt: 2 Beschreibungsachsen: 1) Stärke der Gemütsbewegungen und 2) Schnelligkeit des Wechsels der Gemütsbewegungen

AVEM

Arbeitspsychologische Verhaltens- und Erlebensmuster

  • Häufig eingesetzter Fragebogen der Typologie enthält
  • Basierend auf der Selbsteinschätzung des eigenen gesundheitsförderlichen oder -schädlichen Verhaltens bei der Erfüllung von berufsbezogenen Aufgaben, Einteilung in 4 Typen: Gesundheit, Schonverhalten, Risikoverhalten A (Selbstüberforderung) und Risikoverhalten B (chronischer Erschöpfung und Resignation

Konstitutionstypologien (Kretschmer

Typeneinteilung nicht nach Temperament, sondern nach körperliche Konstitution:

  1. pyknischer -> kurz, rund, kurze Extremitäten, großer Kopf, Neigung zu manisch-depressiven Erkrankungen, zyklothym (gesellig, freundlich aber auch still, weich, ruhig, nachtragend)
  2. leptosomer -> schlank, spitz gebaut, sehnig, Neigung zu Schizophrenie, schizothym (ungesellig, still, feinfühlig und empfindlich)
  3. athletischer Körperbau -> trapezförmiger Rumpf, kräftig gebaut, große Hände und Füße, konturenreiches Gesicht, Neigung zu Epilepsie, viskös (eher starre, stereotype, schwer bewegliche Affektivität)

Ansatz von Cattell

Persönlichkeitsunterschiede zwischen Menschen durch verschiedene Dimensionen systematisieren


Ziel: Eigenschaften zu finden, die Menschen zeitlich stabil und konsistent, also über die Zeit hinweg und in verschiedenen Situationen von anderen unterscheiden

Definition Persönlichkeitsdimension

versucht, verschiedene miteinander stark zusammenhängende (korrelierende) Persönlichkeitseigenschaften eines Menschen zu einem Oberbegriff zusammenzufassen


Unterscheidung states und traits

Lexikalische Methode (Allport und Odbert)

Alle Wörter aus einem Wörterbuch der englischen Sprache herausfiltern, die Merkmale einer Person beschreiben und diese in Kategorien zusammenfassen


Ergebnis: 171 Variablen in Form von Gegensatzpaaren


Von Cattell benannt als: Oberflächeneigenschaften (surface traits)

Datenerhebung Cattell um zusammenhängende Faktoren hinter den surface traits aufzudecken

100 Probanden

  • L: Lebensprotokolle (keine Selbsteinschätzungen)
  • Q: Fragebogen (Selbsteinschätzung)
  • T: Tests


Ergebnis: 12 Eigenschaften -> Wurzelfaktoren nach Cattell als Basis für Fragebogen 16 PF (Skalen)

12 Wurzelfaktoren nach Cattell

  1. Zyklothymie vs. Schizothymie
  2. Intelligenz vs. mentaler Defekt
  3. emotional reifer, stabiler Charakter vs. demoralisierte generelle Emotionalität
  4. hypersensitive, infantile Emotionalität vs. phlegmatische Frustrationstoleranz
  5. Dominanz vs. Unterwürfigkeit
  6. Begeisterungsfähigkeit vs. melancholischer Mangel an Begeisterung
  7. positive Charakterintegration vs. unreif-abhängiger Charakter
  8. menschenfreundliche, abenteuerlustige Leichtherzigkeit vs. zurückgezogene Schizothymie
  9. sensible, fantasiereiche, eher ängstliche Emotionalität vs. rigide, harte Haltung
  10. Neurasthenie (schwache Nerven) vs. zwanghaft gewissenhafter Charakter
  11. kultivierter Charakter vs. Ungeschliffenheit
  12. ressourcenreiche Zyklothymie vs. paranoide Schizothymie

16 PF-Skalen nach Cattell

Wärme, logische Schlussfolgern (Intelligenz), emotionale Stabilität, Dominanz, Lebhaftigkeit, Regelbewusstsein, soziale Kompetenz, Empfindsamkeit, Wachsamkeit, Abgehobenheit, Privatheit, Besorgtheit, Offenheit für Veränderung, Selbstgenügsamkeit, Perfektionismus, Anspannung


Besonderheit PF16: Einbezug kognitive Dimension, logisches Schlussfolgern


Diese Faktoren sind nicht unabhängig von einander, sondern korrelieren zum Teil miteinander und können zu übergeordneten Dimensionen zusammengefasst werden

Objektive Persönlichkeitstests (Cattell)

Tests, getarnt als Leistungstest, wobei nicht die kognitive Leistung gemessen und ausgewertet wird, sondern Persönlichkeitseigenschaften


  • Reduktion fehleranfällige Selbst- und Fremdeinschätzungen

Culture Fair Intelligence Test (Cattell)

befasst ausschließlich nicht-sprachliche Aufgaben -> Ziel: Grundintelligenz eines Menschen weitgehend unabhängig vom kulturellen Hintergrund, sozialer Status und Bildungsgrad erfassen

2 wichtige Aufgaben der Persönlichkeitspsychologie (Eysenck)

  1. Verhalten von Menschen beschreiben -> Deskription
  2. Zusammenhänge erklären -> Erklärung

Persönlichkeitsmodell PEN-System nach Eysenck

Neben Intelligenz, 3 Dimensionen: Psychotizismus, Extraversion und Neurotizismus


Vorgehen stark theoriegeleitet und bezieht die biologische Basis der Persönlichkeit mit ein

Primärfaktoren Psychotizismus

kalt, egozentrisch, aggressiv, unpersönlich, impulsiv, antisozial, nicht mitfühlend, hart, kreativ


breite Bandbreite an Verhaltensweisen, denen allen gemeinsam ist, dass sie unangepasst, unsozialisiert, ungewöhnlich oder seltsam sind (Einzelgänger, kein Einfühlungsvermögen oder Sensibilität, sogar grausam und unmenschlich bei hoher Ausprägung)

Primärfaktoren Neurotizismus

Schuldgefühle, niedergeschlagen, ängstlich, niedriges Selbstwertgefühl, angespannt, launisch, schüchtern, irrational, emotional


Sehr empfindlich auf Reize reagieren

Primärfaktoren Extraversion

lebhaft, bestimmt, aktiv, gesellig, reizsuchend, ungestüm, dominant, sorgenlos, kühn

Quellen Extraversion

  1. Soziabilität
  2. Belohnungssensitivität

Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit (Allport, Thurstone, Odbert)

  • berühmteste, meistverbreitete und am besten untersuchten und validierten Persönlichkeitsmodell
  • Basis für Fragbogen NEO-PI-R von Costa und McCrae
  • Besteht aus 5 Dimensionen die weitgehend voneinander unabhängig sind -> BIG5
  • Extraversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Neurotizismus und Offenheit für Erfahrungen
  • Jede Dimension wird nach Unterfacetten aufgeteilt

Unterfacetten Neurotizismus

  • Ängstlichkeit
  • Reizbarkeit
  • Depression
  • Soziale Befangenheit
  • Impulsivität
  • Verletzlichkeit

Unterfacetten Extraversion

  • Herzlichkeit, Wärme
  • Geselligkeit
  • Durchsetzungsfähigkeit
  • Aktivität
  • Erlebnishunger
  • Frohsinn

Unterfacetten Offenheit

Offenheit für:

  • Fantasie
  • Ästhetik
  • Gefühle
  • Handlungen
  • Ideen
  • des Werte- und Normensystems

Unterfacetten Verträglichkeit

  • Vertrauen
  • Freimütigkeit
  • Altruismus
  • Entgegenkommen
  • Bescheidenheit
  • Gutherzigkeit

Unterfacetten Gewissenhaftigkeit

  • Kompetenz
  • Ordnungsliebe
  • Pflichtbewusstsein
  • Leistungsstreben
  • Selbstdisziplin
  • Besonnenheit

Biologische Erklärungstheorie der Persönlichkeit von Eysenck

Er geht davon aus, dass es Unterschiede in der Aktivierbarkeit des Nervensystems bei Menschen gibt und dass diese Unterschiede zu Extraversion bzw. Introversion führen -> Theorien sind neurophysiologisch gestützt

ARAS

Aufsteigende, retikuläre aktivierende System -> System im Hirnstamm: steuert die Aktivierung und die Entspannung sowie das Schlaf-Wach-Rhythmus des Menschen als auch die Aufmerksamkeit

Annahmen Eysenck

  • Alle Menschen streben prinzipiell ein mittleres Erregungsniveau an -> arousal, da dieses als am angenehmsten empfunden wird
  • Introvertierte und extravertierte unterscheiden sich beim hedonischem Tonus
  • Neurotizismus erklärt sich durch Unterschiede in der Erregbarkeit des limbischen Systems im Gehirn (Basis für Emotionen)
  • Psychotizismus ist biologisch auf einem Kontinuum zwischen normalem, sozial verträglichem Verhalten und einer Disposition hin zum psychotischen Zusammenbruch -> Diathese-Stress-Modell (Diathese =Veranlagung zu psychotischem Verhalten vorhanden, das durch Stress ausgelöst werden kann)

BIS/BAS-Theorie von Gray

Ein gemeinsamer biologischer Prozess liegt Neurotizismus und Extraversion zugrunde.


Modell mit zwei miteinander in Verbindung stehende Dimensionen: Ängstlichkeit und Impulsivität


BIS: Behavioral Inhibition System -> Verhaltenshemmungssystem im Gehirn, unterdrückt jenes Verhalten, das wahrscheinlich bestraft wird oder für das eine erwartete Belohnung ausbleibt


BAS: Behavioral Approach System -> Verhaltensannäherungssystem, hält Ausschau nach Hinweisen für eine Belohnung oder für das Ausbleiben einer Bestrafung

Fight-Flight-System FFS von Gray

Überlebungssystem: reagiert auf alle Reize, die eine Bedrohung für das individuelle Überleben darstellen kann

Biosoziale Persönlichkeitstheorie von Cloninger

4 Persönlichkeitsdimensionen:

  • Novelty seeking -> Neuheitssuche
  • harm avoidance -> Schadensvermeidung
  • reward dependence -> Belohnungsabhängigkeit
  • persistence -> Hartnäckigkeit

Novelty seeking

  • Tendenz von Meschen, sich aktiv für Neues zu interessieren, auf der Suche danach zu gehen und darauf freudig zu reagieren
  • Dopamin-System im Gehirn
  • Verhaltensaktivierungssystem BAS

Harm avoidance

  • führt auf Gray's BIS zurück
  • Serotoninhaushalt im Gehirn
  • unterschiedlich gelerntes, konditioniertes Verhalten
  • Verhaltenshemmungssytem

Reward dependence

  • Angeborenes Merkmal
  • Menschen unterscheiden sich in der Stärke ihrer Reaktion auf Belohnungen, ganz besonders, wenn es sich um soziale Anerkennung handelt
  • Behavioral Maintenance System -> Verhaltensfortführungssystem
  • Noradrenalin

Tridimensional Personality Questionnaire

  • Cloninger, auf Basis seiner Theorie aufgestellte Fragebogen
  • 3 postulierten Dimensionen konnten faktorenanalytisch belegt werden

Weitere Fragebogen von Cloninger

  1. Erfassung des Temperaments mit den Dimensionen Vermeidungsverhalten, Neugierde, Abhängigkeit von Anerkennung und Ausdauer
  2. Erfassung des Charakters mit den Dimensionen Innere Ordnung und Selbstkontrolle, Kooperation und soziale Koordination und Selbsttranszendenz

Theorie der positiven und negativen Affekte und der affektiven Stile (PANAS) von Davidson

Beide Gehirnhälften sind spezialisiert auf unterschiedliche Aufgaben: links Annäherungsverhalten und rechts Vermeidungsverhalten und Rückzugsverhalten


Frontale Asymmetrie: stärkere Ausprägung einer Hirnhälfte

PANAS Fragebogen

Ziel: affektiven Stil von Menschen messen

  • messen von positiven Affekte (Gefühle von Enthusiasmus, Wachsein und Aktivität)
  • messen von negativen Affekte (Gefühle von Stress und unangenehme Stimmungen)

Forschung sensation seeking von Zuckermann

Befasst sich mit dem menschlichen Bedürfnis nach Stimulation und mit der unterschiedlichen Ausprägung der Stärke dieses Bedürfnisses bei verschiedenen Menschen -> Fragebogen SSS-V


Skalen:

  • Thrill and adventure seeking
  • Experience seeking
  • Disinhibition
  • Boredom susceptibility