Lernen
Lernen ist ein Prozess, bei dem es zu überdauernden Änderungen im Verhaltenspotenzial als folge von Erfahrungen kommt. (Hasselhorn & Gold 2013)
Wissenserwerb
Lernen im Sinne des Wissenserwerbs ist ein bereichsspezifischer, komplexer und mehrstufiger Prozess, der die Teilprozesse des Verstehens, Speicherns und Abrufens einschließt unter der Voraussetzung, dass die drei genannten Prozesse erfolgreich verlaufen und auch zum Gebrauch (Transfer) des erworbenen Wissens führen können (Lukesch, 1998).
Klassisches Konditionieren
Verknüpfung von unwillkürlichen Reaktionen mit neuen Reizen (Woolfolk, 2014)
Kontiguität
Assoziation zweier Ereignisse durch wiederholte räumlich-zeitliche Paarung (Woolfolk, 2014).
Kontingenz
Bezeichnet die bedingte Wahrscheinlichkeitsbeziehung zwischen zwei Ereignissen (Seidl & Krapp, 2014)
Reizgeneralisierung
Automatische Erweiterung der Reaktion auf Stimuli, die nie mit dem ursprünglichen UCS gepaart wurden (Gerrig & Zimbardo, 2008).
Reizüberflutung
Durch Überstrapazierung des Angstreflexes wird eine Hemmung der Reflexbereitschaft erzeugt.
Aversionstherapie
Anstreben einer systematischen Ausbildung von Angstreflexen, um unerwünschte Verhaltensweisen zu blockieren.
Assoziatives Lernen
Aufgrund einer raumzeitlichen Nähe zwischen einem Reiz (Stimulus = S) und einer Reaktion (= R) wird jegliche Reaktion, die mit einem Reiz wiederholt in Kontiguität stand, auch in Zukunft durch diesen reiz ausgelöst.
Operantes Konditionieren
Ist eine Form des Lernens, bei der die positiven oder negativen Konsequenzen eines bestimmten Verhaltens die Auftretenswahrscheinlichkeit dieses Verhaltens erhöhen bzw. verringern (Seidl & Krapp, 2014).
Diskriminativer Reiz
Reiz, der auf ein erwünschtes Verhalten hinweist (Woolfolk, 2014)
Generalisierung
Die Vorgehensweise, die ein Organismus als Reaktion auf diskriminatorische Reize zeigt, wird auf andere Reize, die dem diskriminativen Reiz ähneln, generalisiert.
Verstärker
Ist jede Art von Konsequenz, die das Verhalten, auf das sie folgt, festigt (Woolfolk, 2014).
Verstärkerpläne
Hiermit werden Versuchspläne bezeichnet, in denen die Häufigkeit bzw. Regelmäßigkeit von Verstärkungen als Konsequenz für bestimmte Verhaltensweisen nach bestimmten Prinzipien festgelegt ist (Seidl & Krapp, 2014)
Bestrafung
Prozess, der zur Schwächung oder Unterdrückung von Verhalten führt (Woolfolk, 2014).
Verhaltensformung
Jeder kleine Schritt oder Fortschritt in Richtung auf ein erwünschtes Verhalten wird verstärkt (Woolfolk, 2014)
Sukzessive Annäherung
Kleine Komponenten, aus denen sich ein komplexes Verhalten zusammensetzt, werden nacheinander verstärkt, um sich dem erwünschten Verhalten anzunähern (Woolfolk, 2014).
Erlernte Hilfslosigkeit
Menschen, die die Überzeugung entwickeln, dass sie Ereignisse und Ergebnisse ihrer Bemühungen in Leistungssituationen nicht mehr kontrollieren können, befinden sich im Zustand der erlernten Hilflosigkeit (Seligman, 1979).
Beobachtungslernen
„Unter Beobachtungslernen (Modelllernen) ist zu verstehen, dass sich das Verhalten eines Individuums auf Grund der Wahrnehmung von Verhaltensweisen anderer Personen (so genannter Modelle) oder auf Grund verbaler Darstellung über das Verhalten anderer Personen ändert, und zwar in die Richtung größerer Ähnlichkeit mit der beobachteten oder auf Grund verbaler Übermittlung vorgestellten Verhalten.“(Tausch & Tausch, 1971)
Kognitivismus
Eine kognitive Sicht des Lernens begreift Lernen als aktiven geistigen Prozess des Erwerbs, Behaltens, Abrufens und Anwendens von Wissen.
Konstruktivismus
Der Konstruktivismus ist eine Lernauffassung, nach der Lernen nicht nur als das Empfangen und Verarbeiten von Informationen gesehen wird, Lernen ist vielmehr die aktive und individuelle Konstruktion von Wissen (Woolfolk, 2008).
Gedächtnis
Gedächtnis bezeichnet die Fähigkeit, Informationen aufzunehmen, zu speichern und bei Bedarf wieder abzurufen. (Gerrig & Zimbardo, 2008)
Sensorisches Gedächtnis
Funktionale Speichereinheit, die Sinnesinformationen nur sehr kurzfristig behält (Woolfolk, 2014).
Kurzzeitgedächtnis
Ist eine Komponente des Arbeitsgedächtnisses, welche Informationen in diesem System nur passiv zwischenlagert.
Elaborierende Wiederholung
Informationen im AG halten durch Verknüpfung mit bekannten Wissensbeständen aus den LZG (Woolfolk, 2014).
Chunk
Ein Chunk bezeichnet eine bedeutungsvolle Informationseinheit (Anderson, 1996).
Langzeitgedächtnis
Funktionseinheit zur dauerhaften Speicherung von Informationen/Wissen (Woolfolk, 2014)
Positionseffekte
Tendenz, den Anfang und das Ende einer Liste besser zu behalten als die Mitte (Woolfolk, 2014).
Arbeitsgedächtnis
Gedächtnissystem, welches die übertragene Information aus dem sensorischen Register so lange zwischenspeichert, bis diese mit Hilfe des bereits vorhandenen Wissens aufgearbeitet worden sind (Baddeley, 2000, 2007).
Zentrale Exekutive
Teilsystem des Arbeitsgedächtnisses, dessen Funktion es ist, Aufmerksamkeit und andere mentale Ressourcen zu überwachen und zu lenken (Woolfolk, 2014)
Phonologische Schleife
Teilsystem des AG. Ein Übungssystem des Gedächtnisses für Worte und Laute, die man in 1,5 bis 3 Sekunden wiederholen kann (Woolfolk, 2014).
Visuell-Räumlicher Notizblock
Teilsystem des AG, dessen Funktion es ist, visuelle und räumliche Informationen zu halten und zu bearbeiten (Woolfolk, 2014).
Episodischer Puffer
Ein Prozess, der in sich die Informationen der phonologischen Schleife vereint und ergänzt, des visuell-räumlichen Sketchpads und des Langzeitgedächtnisses unter der übergeordneten Kontrolle der zentralen Exekutive (Woolfolk, 2014).
Wissenserwerb
Lernen im Sinne von Wissenserwerb kann als Aufbau und fortlaufende Modifikation von Wissensrepräsentationen definiert werden (Krapp & Weidemann, 2006).
Deklaratives Wissen
Explizit (meist verbal) gefasstes Wissen; „wissen, dass“ etwas der Fall ist (Woolfolk, 2014)
Prozedurales Wissen
Wissen, das vorgeführt wird, wenn wir eine Aufgabe ausführen; „wissen, wie“ (Woolfolk, 2014)
Begriff
Bei einem Begriff handelt es sich um eine semantische Kategorie auf kognitiver Ebene (Mietzel, 2007).
Prototyp
Ein Prototyp entsteht, indem man auf der kognitiven Ebene eine Art Mittelwert von sämtlichen Beispielen bildet, die man im Laufe der Zeit als typisch erachtet hat (Mietzel, 2007)
Images
Sind bilderartige Informationsstrukturen von Merkmalen der äußeren Erscheinung von Gegenständen oder Personen (Anderson, 2010).
Proposition
Die kleinste Bedeutung, Sinn oder Eigenschaft zuweisende Informationseinheit, die ein Urteil darüber zulässt, ob eine Aussage richtig oder falsch ist (Schunk, 2004)
Schemata
Sind abstrakte Wissensstrukturen, die eine sonst unübersichtliche Menge von Informationen strukturieren und dadurch reduzieren (Woolfolk, 2014),
Skripts
Sind Schemata, die typische Abfolgen von Ereignissen in einer alltäglichen Situation repräsentieren - auch Ereignis-Schemata genannt (Woolfolk, 2014).
Propositionale Netzwerke
Untereinander verbundene Begriffe und Beziehungen zwischen diesen Begriffen, die das Wissen im Langzeitgedächtnis darstellen (Woolfolk, 2014)
Elaboration
Hinzufügen und Erweitern von Informationen durch Verknüpfen neuer Informationen mit bereits gespeicherten (Woolfolk, 2014).
Kognitive Organisation
Geordnetes und logisches Netzwerk von Verbindungen zwischen Begriffen (Woolfolk, 2014).
Vorwissen
Bereits verfügbares Wissen (Hasselhorn & Gold, 2013).
Spurenverfall
Das Verblassen und Schwächer werden von Erinnerungen mit der Zeit (Woolfolk, 2014)
Interferenz
„Erschwerung oder Verhinderung der Reproduktion von Gelerntem durch nicht dazugehörige Inhalte“ (Dorsch et al. 1994).
Lernstrategien
Eine Form des prozeduralen Wissens – wissen, wie man eine Aufgabe angeht (Woolfolk, 2014).
Metakognition
Kognition über Kognition. „Spezieller Teil des Weltwissens eines Menschen, der sich auf seine Kognition und Anwendung des Wissens bezieht“ (Flavell, 1979).
Mnemotechniken
Mit Mnemotechniken ist ein engerer Sachverhalt gemeint; mit ihnen bezeichnet man alle Verfahren, mit deren Hilfe Information verarbeitet und organisiert wird, um später wieder leichter verfügbar zu sein (Lukesch, 2001).
Selbstregulation
Selbstregulation (oder selbstreguliertes Lernen) ist Lernen, das aus den selbstgenerierten Gedanken der Lernenden resultiert und aus jenen Verhaltensweisen, die systematisch auf das Erreichen ihrer Lernziele ausgerichtet sind (Schunk & Zimmerman, 2003).
Lehren
Als Lehren bezeichnen wir ein methodisches Vorgehen, das explizit und bewusst, absichtlich und geplant eingesetzt wird, um erfolgreiche Lernvorgänge unterschiedlicher Art auszulösen oder zu beeinflussen (Hasselhorn & Gold, 2013).
Lernumgebungen
Bestehen aus einem Arrangement von Unterrichtsmethoden, Unterrichtstechniken, Lernmaterialien und Medien (Weidemann & Krapp, 2006).
Instruktion
Situationen, in denen Lehrprozesse absichtsvoll und institutionalisiert zum Zweck des Lernens bzw. der Auslösung und Beeinflussung von Lernvorgängen hergestellt werden (Unterricht, Ausbildung, Training), werden als Instruktion bezeichnet (Edelmann & Wittmann, 2012).
Unterrichtsqualität
Nach Weinert, Helmke und Schrader (1989) ist das Metakonstrukt Unterrichtsqualität jedes stabile Muster von Instruktionsverhalten, das als Ganzes oder durch einzelne Komponenten die substantielle Vorhersage von Schulleistung erlaubt.
Klassenführung
Unter Klassenführung (oder Classroom Management) versteht man die Koordination des sozialen Geschehens im Klassenzimmer mit dem Ziel, Lernzeit optimal zu nutzen und Zeitverluste durch nicht lernbezogene Aktivitäten zu vermeiden. (Kunter & Voss, 2011)
Kompetenz
Kompetenz umfasst, was ein Mensch wirklich kann und weiß, das heißt alle Fähigkeiten, Wissensbestände und Denkmethoden, die ein Mensch in seinem Leben erwirbt und zur Verfügung hat. Damit impliziert der Begriff auch ein individuelles Vermögen, Befähigung und Potential. (Weinberg, 2004).
Problem
Ein Problem ist durch drei Komponenten gekennzeichnet:
1) unerwünschter Anfangszustand
2) erwünschter Zielzustand
3) Barriere, die die Überführung des Anfangszustandes in den Zielzustand im Augenblick verhindert.
(Edelmann & Wittmann, 2012)
Experte
Man bezeichnet jemanden als Experten – man schreibt ihm Expertise zu -, wenn dieser in einem bestimmten Problembereich herausragende Leistungen erbringt (Ericsson & Lehmann, 1996).
Novize
Novize fängt erst an, sich mit einem bestimmten Thema vertraut zu machen
Transfer
Wenn es gelingt, erworbenes Wissen in neuen Situationen erfolgreich anzuwenden, spricht man von Transfer (Seidl & Krapp, 2014).
Analogie
Von Analogie spricht man, wenn zwei Probleme oder Anforderungen eine ähnliche Tiefenstruktur besitzen (Hasselhorn & Gold, 2013).